Kreative Artikel zum Thema Nähen

Taschentücher aus Stoffresten mit dem Schmalsäumer

Ich möchte heute mit euch gerne meine Erfahrungen mit dem Schmalsäumer # 64 teilen. Ursprünglich habe ich mir den Säumer besorgt, um mir ein schönes Shirt mit Chiffon zu nähen. Doch meine Erkältung und die Berge von Papiertaschentücher, die im Müll landeten, brachten mich auf eine andere Idee. Ich entschloss mich, trotz des grossen Aufwandes, meine eigenen Stofftaschentücher zu nähen.

Bild von Schmalsäumer für Geradstich 4 mm # 64.

Schmalsäumer für Geradstich 4 mm # 64

Mit dem Geradstichsäumer #64 wird die Stoffkante doppelt umgeschlagen und mit einem Geradstich zu einem 4mm breiten, kompakten Saum vernäht.

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Das Ergebnis lässt sich durchaus sehen – auch wenn die farbenfrohen Designs vielleicht nicht jedermanns Vorstellung von Taschentüchern entsprechen.

Im Nachhinein bin ich unglaublich froh, dass ich den Fuss zuerst an Taschentüchern ausprobieren konnte, und nicht gleich meinen Chiffon herausgeholt habe: die Handhabung des Fusses erwies sich nämlich als nicht ganz einfach, oder zumindest nicht von Anfang an. Mit etwas Übung konnte ich jedoch meine Taschentücher mühelos fertigstellen.

Ich habe mittlerweile etwa 50 Tücher genäht, das sollte erst mal reichen.

Ich habe mir zuerst überlegt, einen ganz normalen Rollsaum zu machen, da mir der Aufwand mit dem Säumen etwas übertrieben schien. Allerdings fand ich diese Art dann erstens doch nicht so einfach (die Ecken waren problematisch), und besonders angenehm für die Nase waren die kratzigen Ränder auch nicht. Also entschloss ich mich, doch den Mehraufwand zu betreiben. Es stellte sich heraus, dass ich mit dem Schmalsäumer lediglich etwa 5 Minuten für das Säumen eines Taschentuchs benötigte.

Für Taschentücher eignen sich wahrscheinlich viele Stoffe, doch ich finde relativ dünnen Baumwollstoff am einfachsten und angenehmsten. Ich habe alle meine Stoffresten und Coupons zuerst bei 60 Grad gewaschen, damit dann im Nachhinein nichts mehr eingeht. Dann habe ich mit dem Rollschneider Quadrate von 28 x 28 cm ausgeschnitten. Und schon ging es ans Eingemachte.

Das “Einfädeln” in den Schmalsäumer

Ich habe mich zuerst bei den von BERNINA zur Verfügung gestellten Videos zum Schmalsäumer schlau gemacht:

Die Videos haben auch wirklich sehr geholfen, doch ganz ohne Übung ging’s dann eben doch nicht.

Zu Beginn hatte ich vor allem Probleme mit dem Einführen des Stoffes in die Schnecke. Meine zwei besten Helfer waren der Kniehebel und die Pinzette. Mit der anscheinend üblichen Methode des “Einfädelns”, also ein paar Stiche nähen und dann mithilfe der Fäden den Stoff in die Schnecke einführen, konnte ich mich leider nie anfreunden.

Stattdessen habe ich den Stoff von Anfang an zweimal umgefaltet und vorsichtig unter den Fuss gelegt (mit dem Kniehebel ist das kein Problem). Dann habe ich ein paar Stiche vor und zurück genäht, die Nadel unten gelassen und wieder mithilfe des Kniehebels und der Pinzette den Stoff vorsichtig in die Schnecke “gezogen”.

Dabei hat es auch sehr geholfen, dass ich den Fuss mit dem Kniehebel etwas auf- und abbewegen konnte. Genauso bin ich an den Ecken vorgegangen.

Einführen des Stoffes in die Schnecke

Die Stoffführung

Ein weiteres Problem, das sich mit gestellt hat, war, dass der Stoff manchmal wieder aus der Schnecke gerutscht ist. Der Schmalsäumer schlägt den Stoff zwar automatisch zweimal um, aber eben nur, wenn er richtig geführt wird.

Bei mir hat es sich bewährt, den Stoff schon einmal etwas nach links “vorzufalten”, sodass die Stoffkante ziemlich genau bis zur linken Einbuchtung des Fusses reicht.

Wann immer ich gesehen habe, dass der Stoff gefährlich weit nach rechts gezogen wurde, musste ich lediglich kurz das ganze Nähgut etwas gegen den Uhrzeigersinn drehen.

Der Stoff wird schon vorgefaltet.

Ich “falte” den Stoff vor, sodass die Kante genau bis zur linken Kerbe des Fusses gelangt.

Was mir leider auch einige Male passiert ist: Der Saum hat sich irgendwie nochmals gefaltet. Ihr seht unten ein Bild als Beispiel. Ich habe herausgefunden, dass dies passiert, wenn die Schnecke zu fest “gefüttert” wird, d.h. wenn ich zu breit vorgefaltet habe.

Da der Schmalsäumer nur eine vorbestimmte Breite verarbeiten kann, faltet er den überschüssigen Stoff, damit er durch die Schnecke kann.  Sobald ich dies allerdings herausgefunden hatte, bekam ich kaum mehr Probleme damit.

Der Saum hat sich nochmals gefaltet

Der Saum hat sich nochmals gefaltet.

Die Ecken

An den Ecken musste ich extrem aufpassen, dass mir die Anfangsfäden nicht in die Maschine gezogen und mitgenäht wurden. Das wäre normalerweise nicht so schlimm, da es ja nur an der Unterseite zu sehen ist. Aber beim Schmalsäumer näht man mit der linken Seite nach oben, d.h. der Unterfaden ist auf der rechten Seite des Nähgutes.

Da das Taschentuch auf allen Seiten zweimal umgeschlagen wird, sind die Ecken ziemlich klobig, und ich hatte zu Beginn so meine Mühe, diese klobigen Ecken vor allem bei nicht ganz so dünnen Stoffen zu transportieren – bis ich mich an den Höhenausgleich erinnerte, der im Lieferumfang meiner Maschine enthalten war:

Mit diesen kleinen Plastikplatten konnte ich den Höhenunterschied mühelos ausgleichen, und der Stoff liess sich viel besser transportieren. Falls sich der Stoff dann immer noch nicht bewegen wollte, zog ich an den Anfangsfäden noch etwas mit.

Ich hoffe, meine Erfahrungen können euch weiterhelfen, falls ihr auch einmal mit dem Schmalsäumer arbeiten möchtet.

Für mich hat sich der Aufwand von selbstgemachten Taschentüchern jedenfalls gelohnt, ich produziere weniger Abfall und meine Nase dankt mir auch für die weichen Tücher. Meiner kleinen Tochter gefallen die schön farbigen Tücher natürlich auch.

Schwierigkeitsgrad: Anfänger
Zeitaufwand: einen Abend
Verwendete Materialien: Baumwollstoff, Höhenausgleich, Kniehebel, Pinzette, Rollenschneider, Schmalkantsäumer, Stoffreste
Verwendete Produkte:
BERNINA 530
BERNINA 530
Schmalsäumer für Geradstich 4 mm # 64
Schmalsäumer für Geradstich 4 mm # 64
Geradstichplatte
Geradstichplatte

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Kommentare zu diesem Artikel

5 Antworten

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  • Gesine Weritz

    Herzlichen Dank ,liebe Chantal.Die Sache mit den Ecken war auch meine Fummelfrustration und deshalb hatten meine Tatüs nur eine Overlock-Kante bekommen. Das gab zumindest ein schönes Training der Overlock-Ecken. Ich nehme aber auch gerne Flanell für die zarten Enkelnasen und bin gespannt, ob ich die Ecken mit dem Schmalsäumer auch “gewurschtelt” bekomme.Liebe Lisa, die abgeschrägten Ecken kamen mir auch in den Sinn. Gut, dass Du es schon probiert hast. Das mit dem Falzen- Rückwärts- Pinzette- Höhenausgleich- Ding klingt ja erst einmal furchterregend…. also üben, üben üben…. Bin gespannt.Grüße,Gesine

  • lisa2020

     Liebe Chantal, ich habe jetzt 4 Kindertaschentücher genäht. Macht 16 Seiten und Ecken. Dein Tipp mit dem Höhenausgleich hat super funktioniert!! Ergänzen möchte ich nun durch meine eigene Erfahrung noch folgenden Tipp für das Nähen von Ecken: Das Endstück der genähten Naht ein kleines bisschen schräg abschneiden und darauf achten dabei die Naht nicht zu beschädigen! Die neue Seite möglichst eng doppelt falten und mit dem Daumennagel feste falzen. Die Nadel in ca. 1 cm Abstand vom Rand einstechen und bis zur Ecke Rückwärts nähen, die Nadel sollte beim letzten Stich im Stoff verbleiben. Mit einer Pinzette den Stoff in die Schnecke eindrehen. Den Höhenausgleich hinter das Füßchen legen, mit der Linken Hand die Anfangsfäden festhalten und mit der rechten Hand den Stoff auf Zug halten, damit er nicht aus der Schnecke fällt. Nähen.Wenn auch nicht jede Ecke meinen eigenen hohen Ansprüchen gerecht wird, bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Auch hier macht Übung die Meisterin.

    • Chantal

      Liebe Lisa
      Vielen Dank für deine Kommentare. Super, hat’s geklappt. Und danke auch für die weiteren Tipps, die werde ich beim nächsten Mal bestimmt ausprobieren.

  • lisa2020

    Liebe Chantal, auch von mir lieben Dank! Ich “kämpfe” auch noch mit den gleichen Problemen.Den Tipp mit dem Höhenausgleich werde ich gleich morgen ausprobieren. Das Tolle an deinem Beitrag ist, dass frau mit den Taschentüchern zweierlei lernen kann, die Führung des Stoffs und das Nähen der Ecken. Meine Enkelkinder werden sich sicher freuen, wenn Sie Taschentücher mit Kindermotiven zu Ostern bekommen und ich als Oma bin froh, schnelle Ostergeschenke herstellen zu können und dabei noch ganz viel lernen kann!

  • LucyG Bischoff

    Liebe Chantal,diese Idee hatte ich auch und freue mich zu sehen, dass sie auch andere haben! Wie du schon sagtest, die Berge an Papiertüchern, die man hinterlässt, haben auch mich zum Umdenken gebracht und durch die Feinheit des Materials passen sie immer in die Handtuch-Wäsche mit hinein. Ich habe, nachdem meine Mutter gestorben ist, viele Taschentücher von ihr “geerbt” und sie auf keinen Fall wegwerfen wollen. Sie sind ein bisschen altmodisch, mit Häkelrand und so, aber ich nutze sie. Die Taschentücher von meinem Vater nutze ich für zu Hause; die haben die Größe eines Kopftuches! ;-)Danke für deinen schönen Beitrag, liebe Grüße von mir!Lucy

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