Kreative Artikel zum Thema Quilten

Ausstellungstipps Mai 2021

Noch immer hat sich an der Situation nicht viel geändert – die Corona-Pandemie bestimmt weite Teile unseres Lebens. Museen und Ausstellungen sind mal offen, mal geschlossen, mal unter Auflagen zugänglich, mal nur online zu besuchen, mal ganz abgesagt. Festivals und Messen sind weitgehend annuliert und verschoben. Ich bleibe trotz allem optimistisch, hoffe auf rasche und wirksame Impfungen und eine Verbesserung der Lage und habe daher wieder einmal eine Reihe höchst unterschiedlicher Ausstellungen zusammengestellt.

Bitte nicht vergessen: Vor einem realen Besuch informieren Sie sich bitte über die tagesaktuellen Besuchsmodalitäten und Öffnungszeiten. Es kann sich jederzeit etwas ändern …

Wie auch immer, ich wünsche viele interessante Entdeckungen!

Herzlich

Ihre / Eure Gudrun Heinz

 

 

zeit_raum
Arbeiten von Gabi Mett und Anne Ulrich

Schon Anfang April 2021 gab Gabi Mett erste Hinweise auf eine neue Ausstellung gemeinsam mit Anne Ulrich auf ihrem Blog bekannt: die Ausstellung ‘zeit_raum’ werde auf jeden Fall im TextilMuseum & TextilWerkstatt DIE SCHEUNE in Nettetal gehängt. Und natürlich hoffen alle, dass sie auch im Laufe der Zeit besucht werden kann. Corona-bedingt konnte leider an keine offizielle Eröffnung gedacht werden. Stattdessen ist eine Midissage am 20. Juni 2021 in Planung, die allerdings auch von der Entwicklung in Sachen Pandemie abhängt. Wie dem auch sei, die Ausstellung ist mittlerweile installiert und soll bis zum 22. August 2021 laufen, so dass ein Live-Besuch immerhin vorstellbar ist.

Flyer

Die Fotos aus der Ausstellung, die mir Gabi freundlicherweise überliess, sind zum Teil noch unveröffentlicht, viel Spass damit! Weitere sind auf dem Internetauftritt des Museums zu finden und auf ihrem Blog, wo die Künstlerin noch Texte – ihre Gedanken – hinzugefügt hat.

Ausstellungsansicht ‘zeit_raum – Arbeiten von Gabi Mett und Anne Ulrich’
Foto: Gabi Mett/Anne Ulrich, freundlicherweise von Gabi Mett zur Verfügung gestellt

Gabi Mett, für die bereits während ihres Studiums (1976-1981 an der Universität – Gesamthochschule Essen) feststand, dass sie mit textilen Materialien und textilen Techniken arbeiten will, hat sich über die Jahre zur führenden Textilkünstlerin in Deutschland entwickelt, die auch international höchstes Renommee geniesst.

Ausstellungsansicht ‘zeit_raum – Arbeiten von Gabi Mett und Anne Ulrich’
Foto: Gabi Mett/Anne Ulrich, freundlicherweise von Gabi Mett zur Verfügung gestellt

Von Anfang an begriff sie das Textile als ein künstlerisches Ausdrucksmittel, das nicht an das Kunsthandwerk und auch nicht an die klassischen Handarbeiten gebunden ist. ‘Diese Entscheidung trägt bis heute’, schreibt sie auf ihrer Website, auch wenn gerade diese Materialien und Techniken die meiste Zeit in der Kunstwelt verschmäht oder missachtet wurden und werden.

Ausstellungsansicht ‘zeit_raum – Arbeiten von Gabi Mett und Anne Ulrich’
Foto: Gabi Mett/Anne Ulrich, freundlicherweise von Gabi Mett zur Verfügung gestellt

Gabi Mett bedient sich einer Sticksprache, die von Stickereien aus alten indigenen Kulturen beeinflusst ist. Dabei kommt sie zu dem Punkt, an dem nicht mehr sie stickt, sondern ‘es stickt’, wie sie sagt.

Ausstellungsansicht ‘zeit_raum – Arbeiten von Gabi Mett und Anne Ulrich’
Foto: Gabi Mett/Anne Ulrich, freundlicherweise von Gabi Mett zur Verfügung gestellt

‘In allen Arbeiten gilt ihr besonderes Interesse der Linie und ihren Ausdrucksmöglichkeiten. Um diese noch differenzierter einsetzen zu können, geht sie immer wieder zu den Ursprüngen zurück, kombiniert gezeichnete mit gestickten Linien, untersucht …

Ausstellungsansicht ‘zeit_raum – Arbeiten von Gabi Mett und Anne Ulrich’
Foto: Gabi Mett/Anne Ulrich, freundlicherweise von Gabi Mett zur Verfügung gestellt

… Text und Textur, lässt die textile Linie in den Raum wachsen und behält sich vor, mit einer sehr reduzierten Farbpalette die Aussagen zu intensivieren’, ist auf ihrer Website zu lesen.

Ausstellungsansicht ‘zeit_raum – Arbeiten von Gabi Mett und Anne Ulrich’
Foto: Gabi Mett/Anne Ulrich, freundlicherweise von Gabi Mett zur Verfügung gestellt

Die Linie ist auch in Anne Ulrichs Arbeiten ein zentrales Element mit starker Ausdruckskraft.

Ausstellungsansicht ‘zeit_raum – Arbeiten von Gabi Mett und Anne Ulrich’
Foto: Gabi Mett/Anne Ulrich, freundlicherweise von Gabi Mett zur Verfügung gestellt

Sie sieht ihren künstlerischen Ursprung in der Zeichnung. ‘Der Linienstrich zerteilt, begrenzt die Fläche und teilt den Raum. Sie kreuzt, verbreitert sich, wird zum Kreis, zur Schrift und zur Ellipse. Aus den Linien entstehen meine Objekte, Malereien und Zeichnungen’, schreibt die Künstlerin auf ihrer Website.

Ausstellungsansicht ‘zeit_raum – Arbeiten von Gabi Mett und Anne Ulrich’
Foto: Gabi Mett/Anne Ulrich, freundlicherweise von Gabi Mett zur Verfügung gestellt

Linien seien zunächst zweidimensional und konkret angelegt, entwickelten aber als Objekt ihr Eigenleben. Und dies aus Stoff und Garnen, so dass ihre Wahl bewusst auf ein feminin besetztes, vergängliches Material fiel, das seit langer Zeit zweckgebunden und mit den gleichen Techniken von Frauen be- und verarbeitet wurde und wird.

Ausstellungsansicht ‘zeit_raum – Arbeiten von Gabi Mett und Anne Ulrich’
Foto: Gabi Mett/Anne Ulrich, freundlicherweise von Gabi Mett zur Verfügung gestellt

Für Anne Ulrich bietet das textile Arbeiten andere künstlerische Umsetzungsmöglichkeiten und mehr Freiräume, sie bearbeite das Material so, dass nur noch eine künstlerische Zuweisung möglich ist.

Ausstellungsansicht ‘zeit_raum – Arbeiten von Gabi Mett und Anne Ulrich’
Foto: Gabi Mett/Anne Ulrich, freundlicherweise von Gabi Mett zur Verfügung gestellt

Ihre stofflichen Objekte und Installationen sind prozesshafte Arbeiten, Inhalt und Form verbleiben nur für einen begrenzten Zeitraum. Entscheidend sei der fortlaufende Entstehungsprozess eines Werkes unter Einwirkung von Zeit, Raum, Gegebenheiten.

Ausstellungsansicht ‘zeit_raum – Arbeiten von Gabi Mett und Anne Ulrich’
Foto: Gabi Mett/Anne Ulrich, freundlicherweise von Gabi Mett zur Verfügung gestellt

Anne Ulrich lebt und arbeitet in Bochum und hat an der FH Dortmund Design und freie Malerei studiert.

Info:

18. April – 22. August 2021

zeit_raum
Arbeiten von Gabi Mett und Anne Ulrich

TextilMuseum & TextilWerkstatt DIE SCHEUNE
Krickenbecker Allee 21
41334 Nettetal-Hombergen
Deutschland

www.textilmuseum-die-scheune.de
www.gabi-mett.de
www.anne-ulrich.de

geplantes Rahmenprogramm zur Ausstellung:

Sonntag, 16. Mai 2021 (Internationaler Museumstag), 11 Uhr:
(Digitaler) Rundgang durch die Ausstellung mit den Künstlerinnen Gabi Mett und Anne Ulrich

Sonntag, 20. Juni 2021:
11 Uhr: Midissage mit Einführung in die Ausstellung durch die Museumskuratorin Susanne Ciernioch (M.A.)
12 Uhr: Führung durch die Ausstellung mit den Künstlerinnen Gabi Mett und Anne Ulrich
Am Tag der Midissage ist der Eintritt frei

Aktuelle Informationen zur Ausstellung entnehmen Sie bitte der Internetseite www.textilmuseum-die-scheune.de

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Online Patchworktage 2021 der Patchwork Gilde Deutschland e.V.

Gerne möchte ich hier an meine Vorankündigung in den Ausstellungstipps April 2021 anschliessen und berichten, dass die angebotenen online Kurse so gut angenommen worden sind, dass viele Kurse überbucht waren. Mittlerweile hat die Gilde reagiert und Zusatztermine vereinbart. Trotzdem heisst es jetzt schnell zu sein.

Die Zusatztermine und die einzelnen Kursbeschreibungen sind unter diesem Link zu finden.

Die Kurse sind exklusiv für die Mitglieder der Gilde, aber es kann jeder Mitglied werden. Was die Gilde dafür alles bietet, finden Sie hier

Key Visual

Das Programm für die online Patchworktage 2021 steht inzwischen auch im Netz und ist hier zu finden. Es ist so reichhaltig geworden, dass sogar der Freitag Abend dazugenommen wurde.

Die online Patchworktage finden also folgendermassen statt:

Freitag, 14. Mai 2021, ab 16.30 Uhr (einloggen ab 16 Uhr)

Samstag, 15. Mai 2021, ab 9.30 Uhr (einloggen ab 8.30 Uhr)

Sonntag, 16. Mai 2021, ab 10 Uhr (einloggen ab 9 Uhr) bis zur Verabschiedung und Ausblick auf Meiningen 2022 um 17 Uhr.

Neben Ausstellungen, Mitmachaktionen, Vorträgen, Diskussionsrunden, Informationen und mehr gibt es Vorträge von Jane Sassaman, Ann Hill und Leah Day und auch ich selbst werde in einem Vortrag am Samstag, 15. Mai 2021, ab 10.30 Uhr eine Zeitreise in 30 Minuten zu dem Thema ‘Quilts – Art Quilts’ unternehmen.

Die online Patchworktage sind kostenfrei und für alle Interessierten offen. Erforderlich ist allerdings eine Anmeldung, die schon jetzt getätigt werden kann unter

pwt2021online(at)patchworkgilde.de – bitte (at) durch @ ersetzen –

Bitte geben Sie im Betreff der E-Mail ‘Anmeldung zu den Patchworktagen’ und in der Mail Ihren vollständigen Namen an. Sie erhalten zunächst eine Bestätigungsmail und kurz vor den Patchworktagen den Zugang.

Das Programm im Einzelnen zum Download und Ausdrucken

Info:

www.patchworkgilde.de

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Dress Code: Das Spiel mit der Mode

Key Visual
unter Verwendung von:
COMME des GARÇONS/Rei Kawakubo: Dress
Spring/Summer 2018
Collection of The Kyoto Costume Institute
Foto: Takashi Hatakeyama, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wie haben Sie die Kleidung ausgewählt, die Sie heute tragen? Ob Designer-Kleid oder Jeans, Anzug, Jogginghose oder Uniform – jede Kultur, Epoche und gesellschaftliche Gruppe hat ihre eigenen Dress Codes. Sie geben den Rahmen vor, aber die Ausgestaltung bestimmt jeder Mensch ganz individuell.

Comme des Garçons x Marimekko / Junya Watanabe: Jacket, T-Shirt und Rock
Spring/Summer 2018
Collection of The Kyoto Costume Institute
Foto: Takashi Hatakeyama, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Erfolgsausstellung aus Japan ‘Dress Code: Das Spiel mit der Mode’ präsentiert erstmals in Europa in der Bundeskunsthalle in Bonn Mode als Spiel, das die tägliche Verwandlung als wichtiges Instrument zur Darstellung unserer Persönlichkeit unterstreicht.

CHANEL / Karl Lagerfeld: Day Ensemble
Autumn/Winter 1990
Collection of The Kyoto Costume Institute
Foto: Takashi Hatakeyama, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Gezeigt werden Modeklassiker und ihre Weiterentwicklung als Streetwear.

Christian Dior / Maria Grazia Chiuri: T-Shirt
Spring/Summer 2017
Collection of The Kyoto Costume Institute
Schenkung von Christian Dior Couture
Foto: Takashi Hatakeyama, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zeitgenössische Mode stilbildender Designer wie Giorgio Armani, Chanel, Comme des Garçons, Issey Miyake, Burberry oder Louis Vuitton wird darüber hinaus mit zeitgenössischer Kunst in einen aufschlussreichen Dialog gebracht.

Jeff Koons, LOUIS VUITTON: Backpack, 2017
Collection of The Kyoto Costume Institute
Foto: Takashi Hatakeyama, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung verhandelt Mode zwischen zwei Polen: zwischen dem Individualisten und dem Konformisten.

Alaïa / Azzedine Alaïa: Kleid
Spring/Summer 1986
Collection of The Kyoto Costume Institute
Schenkung von Ms. Akemi So
Foto: Takashi Hatakeyama, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Wahl unserer Kleidung zeigt sich hier als kommunikatives Spiel, das ein neues Verständnis für unseren Umgang mit der Mode geben soll – was wir mit ihr ausdrücken möchten, ob bewusst oder unbewusst, und was sie täglich für uns bedeutet.

Keizo Motoda: Don’t try
2009–2016
© Keizo Motoda, courtesy of MEM, Tokyo
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ergänzend konzipiert die Bundeskunsthalle ein Fashion Lab, das die Themen der Ausstellung vertieft und zahlreiche partizipative Elemente enthält, die den Facettenreichtum von Mode sinnlich erfahrbar machen. So kann ein ‘Smart Mirror’ genutzt werden, um sich über künstliche Intelligenz virtuell zu stylen, oder die Besucher*innen können Modekreationen deutscher Designer*innen auf sich wirken lassen.

Darüber hinaus lädt – neben vielen weiteren Off- und Online Angeboten – ein wachsender Pop-up-Fotobereich zum Spiel mit der Mode ein.

Eine Ausstellung des National Museum of Modern Art, Kyoto, und des Kyoto Costume Institute in Kooperation mit der Bundeskunsthalle

Info:

21. Mai – 12. September 2021

Dress Code: Das Spiel mit der Mode

Bundeskunsthalle
Helmut-Kohl-Allee 4
53113 Bonn
Deutschland

www.bundeskunsthalle.de

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FilzAspekte

‘Filz und Kunst, diesem spannenden Thema widmen sich 11 Künstlerinnen. Sie sind fasziniert von der enormen gestalterischen Freiheit, intensiven Farbigkeit, der besonderen und eigenen Formensprache, welche handgefertigter Filz ermöglicht. Die Ausstellung bietet einen Blick auf die Vielseitigkeit und Lebendigkeit dieses aussergewöhnlichen Werkstoffes.’

Flyer

Soweit das Zitat aus dem Flyer zur Ausstellung ‘FilzAspekte’, einer hinreissenden Ausstellung, die eigentlich derzeit noch in der vhs Neckarsulm zu sehen wäre. Wenn die Pandemie nicht wäre. Sie sollte schon im November 2020 eröffnet werden, wurde mehrmals verlängert, aber durfte wegen der Schliessung der Museen und der vhs nicht beworben und nie life besichtigt werden. So, so schade!

Denn in den grosszügigen Räumlichkeiten der vhs kommen die künstlerischen Filzobjekte an den Wänden und in den Vitrinen, die die elf Künstlerinnen aus Deutschland, den Niederlanden und den USA aus ihrem Schaffen für die Ausstellung ‘FilzAspekte’ ausgewählt und zusamengestellt haben, hervorragend zur Geltung.

Austellungsansicht ‘FilzAspekte’
mit Arbeiten von Dagmar Binder (li) und Claudia Capiello
Vielen Dank an Ulrike Hartrumpf, die ihr Foto freundlicherweise zur Verfügung stellte

Die in ihrer Gestaltung, ihrer Ästhetik, ihrem Inhalt und ihrer Form völlig unterschiedlichen Objekte und Bilder sind von Experimentierfreude geprägt und zeugen von der schöpferischen Freiheit, die das Material Filz zulässt. Filz begleitet uns seit Jahrtausenden und ist auch heute in vielen Bereichen unseres Alltags präsent – meist ohne besonders wahrgenommen zu werden.

Yvonne Zoberbier: Sichtbar 2
Foto: R.Quentin, freundlicherweise von Ulrike Hartrumpf zur Verfügung gestellt

Aber ist es nicht faszinierend, wie eine uralte, bestechend einfache und effiziente Technik gleichzeitig sehr künstlerisch eingesetzt werden kann? ‘In der Arbeit mit Wolle’, schreibt etwa Dagmar Binder, ‘kann ich textile, malerische und skulpturale Elemente einfliessen lassen.’ Wenn dies nicht facettenreich genannt werden kann …

Durch die Einarbeitung von Stoffen, pflanzlichen Fasern, Papieren lässt Claudia Cappiello textile Unikate entstehen, die dank der Eigenschaften und der Formbarkeit der Wolle auch mehrdimensional ausfallen können.

Austellungsansicht ‘FilzAspekte’
mit Arbeiten von Dagmar Meyer (li) und Beatriz Schaaf-Giesser
Vielen Dank an Ulrike Hartrumpf, die ihr Foto freundlicherweise zur Verfügung stellte

Mit Feuer rückt Ulrike Hartrumpf ihren Filz-Oberflächen ‘auf den Leib’. Mittels Abbrennen erzeugt sie spezielle Strukturen – Ziel sind sonst nicht erreichbare, einzigartige, einmalige Oberflächen. Sie lässt sich dabei auf eine Ungewissheit ein; Zufallsmomente bestimmen mit, ob das Resultat besser und interessanter wird oder ob vielleicht nur ein Häufchen Asche übrigbleibt.

Ulrike Hartrumpf: WahrNehmung, Detail
Vielen Dank an Ulrike Hartrumpf, die ihr Foto freundlicherweise zur Verfügung stellte

Ganz im Gegensatz zu den Gesichtern, die bei Yvonne Zoberbier aus der gebündelten Erinnerung an Menschen, die ihr Leben bereichert und geprägt haben, entstehen, spielt ‘Inside/Out’ mit der Dualität der Werkstoffe: Beton in Kombination mit Wolle, feiner Seide oder mit flauschigem Angora. Innen und aussen, hart und weich, kantig und organisch geformt – Gabriele Wehrmeyer wurde dazu durch Seepocken inspiriert.

Gabriele Wehrmeyer: Inside/Out
Foto: Gabriele Wehrmeyer, freundlicherweise von Ulrike Hartrumpf zur Verfügung gestellt

Beatriz Schaaf-Giesser entwickelte im Zwiegespräch mit dem Material eine vielfältige Ausdruckstechnik mit Raffinessen, die innovativ sind und überraschen. Die in Montevideo geborene und aufgewachsene freischaffende Künstlerin, Textildesignerin und Dozentin für Filz und Gestaltung verfolgt eine stark konzeptionell ausgerichtete Arbeitsweise. Ihre hier ausgestellten Fotoschalen (und Wandgestaltungen) befassen sich mit dem Thema Emigration und Identität.

Austellungsansicht ‘FilzAspekte’
unten: Arbeiten von Dagmar Meyer und Beatriz Schaaf-Giesser
oben: Arbeiten von Dagmar Meyer, Gabriele Wehrmeyer, Dagmar Binder und Beatriz Schaaf-Giesser
Vielen Dank an Ulrike Hartrumpf, die ihr Foto freundlicherweise zur Verfügung stellte

Sie sagt: ‘Da ich beim Filzen sowohl zwei- als auch dreidimensional arbeiten kann, habe ich mich der filztechnischen Vielfalt bedient, um unterschiedliche Momente sichtbar und fühlbar werden zu lassen. Zum Beispiel ist es möglich, Gefässe, hier Schalen, so dicht zu filzen, dass sie mit anderen Techniken weiterverarbeitet werden können. Die hier ausgestellten Fotoschalen aus der Serie ‘BEWAHREN’ zeigen Momente einer Emigrantenfamilie. Jede Schale bewahrt eine abgelichtete Sekunde. Die Vergangenheit ist eingefangen und kann buchstäblich in den Händen gehalten werden’. Für diese 46-teilige Arbeit erhielt Beatriz Schaaf-Giesser im Jahr 2009 auf der 5th INT. WORLDTEXTILE ART–Biennale in Buenos Aires den ersten Preis.

Beatriz Schaaf-Giesser: BEWAHREN, Fotoschale
Foto: Beatriz Schaaf-Giesser, freundlicherweise von Ulrike Hartrumpf zur Verfügung gestellt

Entstanden ist also eine spannende Ausstellung, die von individuellen Handschriften der Künstlerinnen, die ihren Filz selbst fertigen, Einfallsreichtum und künstlerischem Talent erzählt. Zu sehen sind Werke von Dagmar Binder, Claudia Cappiello, Ulrike Hartrumpf, Renate Maile-Moskowitz, Dagmar Meyer, Andrea Noeske-Porada, Lyda Rump, Christine Rummel, Beatriz Schaaf-Giesser, Gabriele Wehrmeyer und Yvonne Zoberbier.

Ulrike Hartrumpf: Torso
Vielen Dank an Ulrike Hartrumpf, die ihr Foto freundlicherweise zur Verfügung stellte

Die Broschüre zur Ausstellung informiert über alle beteiligten Künstlerinnen, die sich mit ausgewählten Werken vorstellen. Zum Download oder in Papierform (6 EUR plus Porto) zu beziehen bei Ulrike Hartrumpf. Nähere Info auf der Website www.filzraum.de

Die Ausstellung wurde bis zum 12. Mai 2021 letztmalig verlängert und geht leider wie vieles andere auch in diesen Pandemie-Zeiten ungesehen zu Ende. ABER:

Acht der beteiligten Künstlerinnen investierten in eine filmische Dokumentation ihrer bemerkenswerten Arbeiten in der Ausstellung in Neckarsulm. Das gut gemachte Video kann man auf der Website www.filzraum.de anklicken. Sehr sehenswert!

Zum Abschluss findet am 4. Mai 2021 um 17 Uhr noch einmal eine kostenfreie online-Führung durch die Ausstellung statt. Ulrike Hartrumpf stellte dazu anhand von Fotos eine Präsentation zusammen und führt am PC circa eine Stunde lang durch die Ausstellung. Fragen können gestellt werden. Zur Anmeldung geht es hier

Und wäre es nicht eine gute Idee, die Ausstellung (nochmals?) zu zeigen, wenn die Bedingungen künftig wieder eine Schau ‘in echt’ erlauben? Wer sich hier angesprochen fühlt, setze sich bitte mit Ulrike Hartrumpf in Verbindung (über www.filzraum.de), die mit der Organisation von Ausstellungen einen Beitrag dazu leisten möchte, der Filzkunst zu einem festen Platz in der Textilkunstszene zu verhelfen. Zu Recht, finde ich.

Info:

20. November 2020 – 12.Mai 2021

FilzAspekte

vhs Neckarsulm
Seestrasse 15
74172 Neckarsulm
Deutschland

www.vhs-neckarsulm.de
www.filzraum.de

online-Führung mit Ulrike Hartrumpf:
4. Mai 2021, 17 Uhr
Zur Anmeldung geht es hier

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Active Threads

Die internationale Gruppenausstellung ‘Active Threads’ in der KAI 10 | ARTHENA FOUNDATION in Düsseldorf geht der sozialen und politischen Bedeutung von Textilien in der heutigen Zeit nach. Sie thematisiert, dass stoffliche Gewebe auch in unserer digitalen Gegenwart immer noch extrem wirksame Kommunikationsmittel sind. Die Ausstellung streift dabei geopolitische Konflikte, latente und offenkundige postkoloniale Wunden sowie Beispiele von zivilem Protest, aber auch Motive der Fankultur. Dabei zeigt sich, in welch vielfältiger Weise Textilien zu Katalysatoren sozialer und kultureller Prozesse werden können.

Juan Pérez Agirregoikoa: Lectures (Sarkozy), 2019
Banner
Maße variabel
Courtesy: der Künstler und Clages, Cologne
Foto freundlicherweise von der Stiftung KAI 10 | ARTHENA FOUNDATION zur Verfügung gestellt

Textilien sind in allen Teilen der Welt zu finden. Sie bilden weit verzweigte Netzwerke, in denen sich historische Handelsrouten und individuelle Biografien sowie die diskriminierenden Konsequenzen des Kapitalismus manifestieren. Ausserdem dienen textile Gewebe kulturübergreifend als Urbild sozialer Verbundenheit innerhalb einer Gesellschaft – nicht zuletzt, weil stoffliche Träger auf der Verbindung einzelner Fäden beruhen, die erst zusammen ein reissfestes Gewebe ergeben. Die sozial sinnstiftende Funktion textiler Materialien zeigt sich auch bei der Kleidung, deren Funktion als eine Art zweite Haut, über die wir uns mitteilen, geläufig ist.

Ellen Lesperance: Bla, Bla Bla. Stop Lies!, 2019
Gouache und Graphit auf Papier
75 x 75 cm
Courtesy: die Künstlerin
Foto freundlicherweise von der Stiftung KAI 10 | ARTHENA FOUNDATION zur Verfügung gestellt

‘Active Threads’ beleuchtet hingegen die weniger offensichtlichen, alltäglichen sowie politisch aufgeladenen Situationen, in denen textile Gewebe gesellschaftliche Tragweite haben – weil sie etwa denjenigen, die sonst sprachlos sind, eine Stimme verleihen. Textilien verbinden Menschen und Dinge, vernetzen Kulturen und Geographien, verknüpfen Unverbundenes oder Zerstörtes, stiften Identität und Gemeinschaft und fördern kollektive Erfahrungen. Sie kommen aber auch dann zum Einsatz, wenn zementierte Gesellschaftsbilder und politische Ordnungen in Frage gestellt werden.

Hana Miletić: Materials, 2020
Handgewebte Textilien (braun-graue Rohwolle, goldenes Metallgarn, Baumwolle)
20 x 22,5 x 1,5 cm
Courtesy: die Künstlerin
Foto: © Isabelle Arthuis, freundlicherweise von der Stiftung KAI 10 | ARTHENA FOUNDATION zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung zeigt, in welcher Form stoffliche Gewebe und textile Techniken politische Botschaften enthalten können, Dekor sich in radikale Symbolik verwandelt oder Stoffe Erinnerungen stützen und unsere materielle Umwelt bewahren. Die acht internationalen Künstler*innen stellen in ihren Arbeiten – darunter handwerklich oder industriell hergestellte Webarbeiten, Handgesticktes, Rauminstallationen, Gouachen und bemalte Stoffbanner – auch die so häufig gebrauchte Metapher des ‘Sozialen Bands’ auf den Prüfstand und reflektieren heutige Formen gesellschaftlichen Zusammenlebens und sozialer Verbundenheit.

Teilnehmende Künstler*innen: Juan Pérez Agirregoikoa, Kader Attia, Cian Dayrit, Edith Dekyndt, Kyungah Ham, Magdalena Kita, Ellen Lesperance, Hana Miletić

Kuratorin: Julia Höner

Info:

9. Mai – 15. August 2021

Active Threads

KAI 10 | ARTHENA FOUNDATION
Kaistrasse 10
40221 Düsseldorf
Deutschland

www.kaistrasse10.de

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Tafelfreuden
Historische Leinendamaste

Zu einem fröhlichen Mahl zählen nach alter Tradition nicht nur ein üppiges Angebot an Speis und Trank, sondern ebenso erlesene Gläser, exquisites Geschirr und schönes Besteck. Und seit dem frühen 16. Jahrhundert gehörte auch Tischwäsche aus weissem Leinendamast zur Ausstattung der festlichen Tafel. Oft waren diese edlen Stoffe sogar das Teuerste, was es an einem Bankett zu sehen gab. Die Abegg-Stiftung in Riggisberg besitzt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen historischer Leinendamaste. Die monumentalen Tischtücher, Servietten und Handtücher sind normalerweise fein säuberlich im Depot gelagert. In der diesjährigen Sonderausstellung ist nun eine Auswahl besonders ansprechender Beispiele aus dem 16. bis 18. Jahrhundert in der Ausstellung ‘Tafelfreuden’, die ich in den Ausstellungstipps April 2021 schon angekündigt hatte, noch bis 7. November 2021 zu sehen.

Leinendamast mit Weinranken, Detail
Nördliche Niederlande, 1660–1680. Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 3573
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg
Foto: Christoph von Viràg, freundlicherweise von der Stiftung zur Verfügung gestellt

Weiss in Weiss gemusterte Tischwäsche, sieht man da überhaupt etwas? Die Frage ist berechtigt: Wenn man die Ausstellung betritt, entdeckt man zunächst vor allem weisse Stoffvierecke an den Wänden. Fast wähnt man sich in einer Schau mit minimalistischer Kunst, wären da nicht noch ein halb gedeckter Tisch und eine Vitrine mit Flachs. Bei genauerer Betrachtung jedoch stellt der/die Besucher*in fest, dass die vermeintlich leeren Leinwände ein kleines Experiment zum hier wörtlich zu verstehenden Thema ‘Blickwinkel’ darstellen, während die Vitrine über die Verarbeitung des pflanzlichen Rohmaterials für ebendiese Tücher informiert.

Serviette mit floralem Muster und Jagdszene
Spanische Niederlande, Kortrijk (?), 1520–1530. Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 4572
Die rund 500 Jahre alte Serviette gehört zu den ältesten erhaltenen Leinendamasten. Sie zeugt von einer Parforceleistung in der Webtechnologie. Erst seit dem Ende des 15. Jahrhunderts war es nämlich möglich, ein sich wiederholendes Muster zu unterbrechen und ein bildhaftes Motiv einzuweben.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg
Foto: Christoph von Viràg, freundlicherweise von der Stiftung zur Verfügung gestellt

Heutzutage kennen wir Leinen vor allem in der Form luftig-leichter Sommerkleidung oder als angenehm kühle Bettwäsche für die heissen Tage. Die riesige, preisgünstige Auswahl an solchen Textilien lässt indes leicht vergessen, wie aufwendig sich einst der traditionelle Herstellungsprozess vom Flachs zum Leinen gestaltete. Anschauungsmaterial dazu gibt es in der Abegg-Stiftung schon vor dem eigentlichen Museumsbesuch: Beim Eingang wurde ein Flachsbeet angelegt. Die dort angesäten Leinsamen werden im Verlauf des Frühlings zarte Triebe bilden, zu ca. 70 cm hohen Stengeln heranwachsen und zwischen Juni und August in einem sanften Blau erblühen. Nach der Blüte bildet sich eine Samenkapsel, die Wurzeln sterben ab. Jetzt ist die Pflanze erntereif. In der Ausstellung kann man in einem Video die weiteren Arbeitsschritte mit ihren altertümlich-faszinierenden Bezeichnungen – das Raufen, Riffeln, Rösten, Brechen, Schwingen und Hecheln – verfolgen. All diese Arbeiten sind nötig, um die feinen Langfasern zu erhalten, die dann versponnen und verwebt werden können.

Serviette mit floralem Muster und Jagdszene, Detail
Spanische Niederlande, Kortrijk (?), 1520–1530. Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 4572
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg
Foto: Christoph von Viràg, freundlicherweise von der Stiftung zur Verfügung gestellt

Die ausgestellten Leinendamaste wurden überwiegend in den historischen südlichen und nördlichen Niederlanden hergestellt. Die gesamte Region gilt sozusagen als die Wiege der europäischen Leinendamastweberei, Leinendamaste stellen also eine niederländische Spezialität dar. Frühe Zentren waren die flämischen Städte Mechelen und Kortrijk, wo sich diese hohe Handwerkskunst bereits im 16. Jahrhundert etabliert hatte. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich auch Haarlem in der Provinz Holland zu einem bedeutenden Produktionsort. Die edlen Tuchwaren aus den Niederlanden waren ein in ganz Europa begehrtes Luxusgut – nicht zuletzt wegen der überbordenden Fülle an erstaunlichen Motiven, welche die Weber in ihre Erzeugnisse einzuarbeiten verstanden. Seit dem 18. Jahrhundert wurden in Irland, Schottland, Russland, Schweden und Sachsen ebenfalls Leinendamaste hergestellt. Die Manufakturen dieser Länder belieferten jedoch vor allem einheimische Kunden.

Serviette mt Schiffen
Nördliche Niederlande, 1640–1650. Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 3193
Schifffahrt und Seehandel waren ein wichtiger Wirtschaftszweig für die Niederlande. So erstaunt es nicht, dieses Thema auch in edler Tischwäsche zu finden. In den Bordüren der Serviette sind weitere, dazu passende Motive dargestellt: nautische Instrumente wie Kompass, Himmelsglobus und Anker, aber auch Meerjungfern und berittene Seepferde.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg
Foto: Christoph von Viràg, freundlicherweise von der Stiftung zur Verfügung gestellt

Was ist eigentlich ein Damast? Auf diese Frage erhalten die Besucher*innen gleich am Anfang der Ausstellung eine anschauliche Antwort. Text und Bild, ergänzt mit einem Video zur Lichtreflexion, erläutern das Thema. Mit Damast bezeichnet man einen Stoff, bei dem das Muster auf dem Webstuhl durch den Wechsel von kett- und schussbestimmten Partien gebildet wird. Je nachdem, welche Fäden mehrheitlich an der Oberfläche zu sehen sind, wird das darauffallende Licht unterschiedlich reflektiert. Dadurch kann man das Muster erkennen, obwohl alle Kett- und Schussfäden die gleiche Farbe haben.

Serviette mt Schiffen, Detail
Nördliche Niederlande, 1640–1650. Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 3193
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg
Foto: Christoph von Viràg, freundlicherweise von der Stiftung zur Verfügung gestellt

Die Beleuchtung in der Ausstellung rückt die Tücher ins bestmögliche Licht. Im Streiflicht offenbaren die zunächst so unscheinbaren Tücher ungeahnte Bildwelten: Seefahrtsmotive, mythologische, biblische und historische Darstellungen, Herrscherportraits, Familienwappen. Es ist viel Überraschendes und Verblüffendes dabei, vor allem wenn man die lebensprallen Szenen dieser Tischwäsche mit den späteren eher schlichten Sets vergleicht, auf denen sich meist Streublumen, einfache geometrische Formen und allenfalls noch ein Monogramm finden – aber wohl kaum Schlittschuhläufer und Hockeyspieler, junge Männer, die auf dem Eis stürzen oder sogar einbrechen, Pferdeschlitten, winterliche Picknicks sowie dick eingemummelte Paare, die sich auf einen Schwatz treffen. Solche humorvollen Darstellungen gibt es in der Ausstellung auf einem niederländischen Tischtuch und einer dazu passenden Serviette zu entdecken.

Serviette mit winterlichen Vergnügungen, Detail
Nördliche Niederlande, 1662. Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 3846
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg
Foto: Christoph von Viràg, freundlicherweise von der Stiftung zur Verfügung gestellt

Erstaunen weckt auch eine Serviette, die einen gedeckten Tisch zeigt – und zwar alles, was auch real auf dem Tisch versammelt sein könnte: Teller, gefüllt mit Krebsen, Fischen und Schnecken, sorgfältig platziertes Besteck, feine Gläser und Becher, Kerzenleuchter, dazwischen Schüsseln mit Kirschen, einzelne Äpfeln, Birnen und sogar Zwiebeln. Leinendamaste mit solch appetitlichen Motiven verdoppelten quasi die Freuden bei Tisch.

Serviette mit Darstellung eines gedeckten Tischs, Detail
Kurfürstentum Sachsen, um 1690. Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 3196
Leinendamaste mit solchen Motiven verdoppeln quasi die Freuden bei Tisch und illustrieren, wie wichtig eine festlich und üppig gedeckte Tafel war. Die Serviette zeigt, was sonst real auf den Tisch kam: Teller gefüllt mit Krebsen, Fischen und Schnecken, sorgfältig platziertes Besteck, feine Gläser und Becher, Kerzenleuchter, dazwischen Schüsseln mit Kirschen, einzelne Äpfel, Birnen und sogar Zwiebeln.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg
Foto: Christoph von Viràg, freundlicherweise von der Stiftung zur Verfügung gestellt

Aber nicht nur die Darstellungen auf der Tischwäsche beeindrucken; deren Ausmass ist ebenfalls bemerkenswert, vor allem das der Servietten. In den Niederlanden waren sie in der Regel eine Elle (70 cm) breit und eineinhalb Ellen (105 cm) lang. Das hing wohl auch damit zusammen, dass man seinerzeit nördlich der Alpen noch nicht mit Messer und Gabel ass. Als Besteck dienten ein Löffel und ein spitzes Messer. Um einen Bissen zum Mund zu führen, verwendete man gerne die Finger. Da war es praktisch, viel Stoff auf dem Schoss zu haben, mit dem man sich die Hände säubern konnte.

Serviette mit dem Portrait Königin Elisabeths I.
Spanische Niederlande, um 1570. Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 4534 c
Dass diese Serviette für den englischen Markt hergestellt wurde, belegen die eingewebten Darstellungen. Zu sehen sind ein Portrait der englischen Königin Elisabeth I. und der Heilige Georg, Englands Schutzpatron, zu Pferd im Kampf mit dem Drachen. Die Serviette wurde aus einem Gewebe geschnitten, das einen hohen, mehrere Motive umfassenden Musterrapport aufwies. Servietten waren damals eine Elle breit (70 cm) und anderthalb Ellen lang (105 cm).
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg
Foto: Christoph von Viràg, freundlicherweise von der Stiftung zur Verfügung gestellt

Zudem dienten die aufwendigen Damaste der Repräsentation: Mit ihnen liess sich auf den Reichtum einer Familie aufmerksam machen und – je nach gewebten Motiven – auch auf die Bildung der Hausherrin und ihres Gatten. Sogar die eigene Sittlichkeit konnte man damit ausdrücken, galten doch exakte Faltlinien im Tischtuch als Beweis für die Reinlichkeit eines Haushalts und im übertragenen Sinn für die tadellose Moral der Bewohner*innen. So erfährt man in der Ausstellung ganz nebenbei Interessantes zur Tafelkultur im 17. Jahrhundert und findet darüber hinaus Anknüpfungspunkte an die heutige Zeit. Zum Beispiel werden auch die Bräuche thematisiert, kostbare Gefässe auf einem Buffet im Speisezimmer zu präsentieren oder Servietten kunstvoll zu falten.

Leinendamast mit Weinranken
Nördliche Niederlande, 1660–1680. Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 3573
Im 17. Jahrhundert war Weiss in Weiss gemusterte Tafelwäsche meist teurer als feine Gläser, kostbares Geschirr und Besteck. Sie bildete die Grundlage für einen festlich gedeckten Tisch. Saubere Faltenlinien im Tischtuch galten als Zeugen der Reinlichkeit eines Haushalts und im übertragenen Sinn auch der Moral der Hausbewohner*innen.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg
Foto: Christoph von Viràg, freundlicherweise von der Stiftung zur Verfügung gestellt

Tafelwäsche wurde in mehrteiligen Sets erworben. Diese umfassten üblicherweise zwei bis vier Tischtücher, ein bis vier Dutzend Servietten sowie einzelne Handtücher. Die Textilien, und insbesondere die kleineren Teile, wurden als Meterware mit wiederkehrendem Musterrapport gewebt. Anschliessend zerschnitt man die Bahn und säumte die Schnittkanten.

Handtuch mit Orpheus und den Tieren (Detail)
Nördliche Niederlande, Haarlem, 1645. Abegg-Stiftung, Inv. Nrn. 3569
Im Zentrum der Darstellung sitzt Orpheus, der Sänger und Dichter aus der griechischen Mythologie, mit seiner Leier. Er ist umringt von wilden Tieren, die friedlich seiner Musik lauschen. Handtücher zählten auch zur Tischwäsche. Sie waren üblicherweise Teil eines Sets, das zwei bis vier Tischtücher und zwölf bis 48 Servietten umfasste, alle mit den gleichen Mustern.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg
Foto: Christoph von Viràg, freundlicherweise von der Stiftung zur Verfügung gestellt

Anfangs konnten sich nur fürstliche Haushalte die opulent gemusterte Tischwäsche leisten. Ab dem 17. Jahrhundert fanden edle Tafeltücher aus Leinendamast auch Verbreitung in den selbstbewussten bürgerlichen Kreisen. Wer etwas auf sich hielt und genügend Geld hatte, liess seinen Namen, sein Familienwappen und oft noch die Jahreszahl des Erwerbs in die gesamte Garnitur einweben. Dank dieser Praxis wissen wir zum Beispiel, dass die Serviette mit den Schlittschuhläufern im Jahr 1662 für Douwe van Aylva und seine Gattin Lucia van Meckema hergestellt wurde.

Serviette mit winterlichen Vergnügungen
Nördliche Niederlande, 1662. Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 3846
Die Serviette zeigt Schlittschuhläufer, Hockeyspieler, Pferdeschlitten und winterliche Picknicks. Ob sie deshalb nur in der kalten Jahreszeit zum Einsatz kam? Man weiss es nicht. Gesichert ist aber, dass sie für Douwe van Aylva und seine Gattin Lucia van Meckema hergestellt wurde. Ihre Wappen und Namen sowie das Datum 1662 sind in allen vier Ecken eingewebt. Das friesische Adelspaar besass vier Tischtücher und insgesamt 51 Servietten mit diesem Muster.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg
Foto: Christoph von Viràg, freundlicherweise von der Stiftung zur Verfügung gestellt

Ein Kurzvideo in der Ausstellung widmet sich dem Wäscheschrank des friesischen Adelspaars und erläutert die Bedeutung der feinen gestickten Markierungen, die sich in je einer Ecke der Tücher befinden. Demnach besassen die Eheleute vier Tischtücher und 51 Servietten mit dem winterlichen Muster. Damit aber nicht genug: Zwischen 1660 und 1663 gab das Paar insgesamt sechs Sets Tafelwäsche mit unterschiedlichen Mustern in Auftrag. Jedes Ensemble umfasste vier Tischtücher und mindestens 48 Servietten. Die schiere Menge lässt erahnen, welche Bedeutung ein gut gefüllter Wäscheschrank damals hatte. Feine Tischwäsche wurde – wie das Tafelsilber – über Generationen hinweg bewahrt und gepflegt. Nicht wenige Stücke haben mehr als 300 Jahre überlebt. Sie zeugen von einer Tafelkultur, die – zumindest in ihren Grundzügen – immer noch Bestand hat und uns die Stunden bei Tisch verschönt.

Ein wunderbares Video ergänzt und veranschaulicht die Ausstellung. Hier ist der Link

Info:

noch bis 7. November 2021

Tafelfreuden
Historische Leinendamaste

Abegg-Stiftung
Werner Abeggstrasse 67
3132 Riggisberg
Schweiz

www.abegg-stiftung.ch

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Verborgene Schätze – Entdeckungen in den Museumsdepots

Nur ein Bruchteil der gesamten Sammlung des Museums Tuch + Technik in Neumünster kann in der Dauerausstellung des Hauses gezeigt werden – der weitaus grössere Teil ‘schlummert’ sicher verstaut in den Depots ausserhalb des Museums. In den vergangenen Monaten hat das Museum gemeinsam mit dem Holsteinischen Courier einige besonders spannende Objekte in Zeitungsberichten und in einer Sonderausstellung vorgestellt.

Dabei ist nicht der Eigenwert ausschlaggebend für die Auswahl, sondern der Kontext, aus dem die Objekte stammen, die Geschichte, mit der sie verbunden sind. Zu den interessanten Schätzen der Stadtgeschichte gehört zum Beispiel ein langes, grün-blaues Damenkleid aus dem Jahr 1917, das aufwändig gearbeitet ist, mit den eingenähten Falten besonders hübsch fällt. Es ist jedoch nicht aus Stoff, sondern aus Papiergewebe gefertigt – ein Spiegelbild der Not und der Rohstoffknappheit im Ersten Weltkrieg.

Ausstellung ‘Verborgene Schätze’ – Chinesische Fahne
Foto: D. Jacobs, Museum Tuch + Technik, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Eine chinesische Seidenfahne gehört ebenfalls zu den Exponaten – vermutlich kam sie nach dem Boxeraufstand 1901 mit einer chinesischen Sühnegesandtschaft nach Deutschland. Das Rätsel, wie die Fahne ins Neumünsteraner Depot kam, ist noch nicht gelöst. Spannende Geschichten ranken sich auch um ein Damenbein aus Keramik, einen Wandteppich oder eine koptische Tunika aus dem 3. Jahrhundert.

Insgesamt werden in den Depots fast 15.000 Objekte aufbewahrt, elf Exponate geben Einblick in die Sammlung des Museums ‘hinter den Kulissen’. Und darüber gibt es nun ein Online-Angebot des Museums: Zwölf Videoclips warten auf’s Angeschautwerden. Nach einer Einführung der Museumsdirektorin Astrid Frevert sind die einzelnen Objekte die Hauptdarsteller – sehr interessant, überraschend und gut gemacht. Schauen Sie doch hier mal rein, einfach anklicken und weiter nach unten scrollen.

Info:

Online-Angebot

Verborgene Schätze – Entdeckungen in den Museumsdepots

Museum Tuch + Technik
Kleinflecken 1
24534 Neumünster
Deutschland

www.tuchundtechnik.de

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ping pong – gestalten im Dialog

ping pong – im Hin und Her zwischen zwei Gestalter*innen entstehen überraschende Dinge. Für die Ausstellung ‘ping pong – gestalten im Dialog’ suchte sich jedes Mitglied der Gruppe ‘textil 13’ ein Gegenüber. Jedes Paar wählte ein eigenes Thema und Vorgehen. Einander den Ball zuspielend, entwickelte es in den Bereichen Kunsthandwerk, Design und / oder Kunst je eigene oder aber gemeinsame Werke.

Flyer

Die Arbeit zu zweit ist anspruchsvoll und verlangt ein anderes Vorgehen als jene im Alleingang. Am Anfang steht die Akzeptanz der Verschiedenheit. Ein Dialog erfordert Einfühlung und gegenseitigen Respekt sowie die Bereitschaft für Konfliktbewältigung und Konsensfindung. Spannend sind auf jeden Fall die Ergebnisse, in denen sich nicht nur die unterschiedlichen Gestaltungsbereiche überschneiden, sondern auch die Verschiedenheit der Persönlichkeiten manifestieren.

Catherine Labhart / Heidi Arnold:
Lichtreflexe auf Wasser; zwei Interpretationen desselben Themas.
Zwar gehen wir beide ganz unterschiedlich an gestellte Aufgaben heran, aber im Gespräch realisierten wir schnell, dass wir nicht nur ähnliche Zielvorstellungen zu erreichen versuchen, sondern dass wir auch oft ähnliche Themenkreise bearbeiten. Eines dieser gemeinsamen Themen ist ‘Wasser’.

Catherine Labhart / Heidi Arnold: Lichtreflexe auf Wasser; zwei Interpretationen desselben Themas
Fotos: Heidi Arnold, freundlicherweise von der Gruppe ‘textil 13’ zur Verfügung gestellt

Christine Läubli / Susanna Hildenbrand:
Während der Auseinandersetzung mit dem Thema ‘Radicchio-Salat’ entstanden unterschiedliche Ideenskizzen, so z. B. diese: Susanna Hildenbrand trocknete und vergoldete Salatblätter zur Kostbarkeit, Christine Läubli gestaltete entsprechende Salatobjekte. Die Werkideen wurden bei den Treffen zu zweit diskutiert.

Christine Läubli / Susanna Hildenbrand: Auseinandersetzung mit dem Thema Radicchio-Salat
Fotos: Susanne Hildenbrand, freundlicherweise von der Gruppe ‘textil 13’ zur Verfügung gestellt

Regula Gysin / Eveline Geiger:
Wir haben uns mit der Pflanze Löwenzahn auseinandergesetzt und beim gegenseitigen Austausch neue Impulse erhalten.

Regula Gysin / Eveline Geiger: Auseinandersetzung mit der Pflanze Löwenzahn
Foto: Eveline Geiger, freundlicherweise von der Gruppe ‘textil 13’ zur Verfügung gestellt

Tanja Stutz / Anna Rapp:
Ausgehend von Muscheln entwarfen Tanja Stutz und Anna Rapp gestreiften Waffelstoff, wobei sie ihre Ideen gemeinsam im Hin und Her entwickelten. Aus dem Gewebe nähten sie Turbantücher, mit denen sich auf elegante Weise die Haare trocknen lassen.

Tanja Stutz / Anna Rapp: Inspiration Muscheln
Foto: Tanja Stutz, freundlicherweise von der Gruppe ‘textil 13’ zur Verfügung gestellt

Irene Brühwiler / Andreas Hofer:
Ausgehend von Tuschversuchen und Mallappen aus dem Atelier ihres Partners Andreas Hofer greift Irene Brühwiler mit Nadel und Faden ein und erschafft damit Neues. Aus dem Entstandenen inszeniert das Künstlerpaar im Hin und Her ein gemeinsames Werk.

Skizzen und Experimente von Irene Brühwiler und Andreas Hofer
Foto freundlicherweise von der Gruppe ‘textil 13’ zur Verfügung gestellt

Marianna Gostner / Christine Läubli:
Landkarten faszinieren als verkleinerte, abstrahierte Abbilder von Landschaften.
Marianna Gostner hat die Seiten eines alten Atlas’ aus dem Jahr 1956 zu Fäden versponnen und zu einem Flickenteppich verwebt – einer neuen Landschaft. Christine Läubli reagierte darauf, indem sie auf alte Landkarten mit der Nähmaschine wiefelte und Fragmente übernähte.

Marianna Gostner / Christine Läubli: Auseinandersetzung mit Landkarten
Foto freundlicherweise von der Gruppe ‘textil 13’ zur Verfügung gestellt

Interaktionen aus dem Schulzimmer von Maya Burgdorfer mit ihren Schüler*innen aus Erlenbach:
Ich und mein Körper.
Neben Gesichtern aus Ton und Collagen, die Gefühle im Gesicht darstellen, beschäftigte man sich mit Kleidern aus Papier.

Interaktionen aus dem Schulzimmer von Maya Burgdorfer mit ihren Schüler*innen aus Erlenbach: Ich und mein Körper
Foto: Andrea Diglas, freundlicherweise von der Gruppe ‘textil 13’ zur Verfügung gestellt

Diese Arbeiten wurden in einer Projektwoche realisiert.

Interaktionen aus dem Schulzimmer von Maya Burgdorfer mit ihren Schüler*innen aus Erlenbach: Ich und mein Körper
Foto: Andrea Diglas, freundlicherweise von der Gruppe ‘textil 13’ zur Verfügung gestellt

Die Schülerinnen, altersdurchmischt, zeigten ihre Modelle auf dem Laufsteg. Die Präsentation vor den anderen Schülern im Publikum erforderte viel Mut und innere Sicherheit.

Interaktionen aus dem Schulzimmer von Maya Burgdorfer mit ihren Schüler*innen aus Erlenbach: Ich und mein Körper
Foto: Andrea Diglas, freundlicherweise von der Gruppe ‘textil 13’ zur Verfügung gestellt

Welche Bilder tragen die Mädchen in sich? Welche Träume wurden realisiert? Was ist möglich mit Papier und Karton?

Interaktionen aus dem Schulzimmer von Maya Burgdorfer mit ihren Schüler*innen aus Erlenbach: Ich und mein Körper
Foto: Andrea Diglas, freundlicherweise von der Gruppe ‘textil 13’ zur Verfügung gestellt

‘textil 13’ nennen sich die Weberinnen der Regionalgruppe Zürichsee, einer Untergruppe der Schweizerischen Interessengemeinschaft Weben Schweiz. Zurzeit gehören Irene Brühwiler, Regula Gysin, Catherine Labhart, Christine Läubli und Tanja Stutz dazu.

Die Ausstellung ‘ping pong – gestalten im Dialog’ hätte schon im Mai 2020 gezeigt werden sollen und musste wegen Corona auf 2021 verschoben werden. Mit ihr macht ‘textil 13’ zum achten Mal im Ortsmuseum Meilen mit textilen Werken auf sich aufmerksam.

Info:

28. Mai – 13. Juni 2021

ping pong – gestalten im Dialog

Ortsmuseum Meilen
Kirchgasse 14
8706 Meilen
Schweiz

www.ortsmuseum-meilen.ch

Flyer

Vernissage: Fr, 28. Mai 2021, 18 – 21 Uhr

Öffnungszeiten:
Mi / Fr: 14 – 19 Uhr
Sa / So: 10 – 17 Uhr

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Danish Jewellery Box
Zeitgenössisches Schmuckdesign

Die Ausstellung bietet einen eindrucksvollen Einblick in 50 Jahre dänisches Schmuckdesign anhand von rund 200 ausgewählten Arbeiten. Als dialogischer Diskurs sind zusätzlich einige Beispiele aus der Schmucksammlung des MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln in die Ausstellung integriert.

Helle Løvig Espersen: Herzring, 2003
Foto: © DetlefSchumacher.com, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Schmuck als eigenständige Kunstform blickt in Dänemark auf eine lange Tradition zurück. Ausgehend von den Einflüssen der Arts & Crafts Bewegung um 1900 entwickelte sich seit 1916 eine eigenständige Formensprache, die durch einen schlichten und gleichzeitig ausdrucksstarken Minimalismus geprägt war, der bis heute als Markenzeichen für dänische Schmuckkunst gilt.

© Karina Noyons: ‘Loop-de-loop cuff links’ / ‘Looping Manschettenknöpfe’, 2002
Foto: © Statens Kunstfond-Arkiver, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zeitgenössisches Schmuckdesign made in Denmark ist aber viel mehr. Denn es reflektiert und interpretiert eigenständig die jeweilige Epoche vor dem Hintergrund kultureller, ästhetischer und gesellschaftlicher Fragestellungen.

Pernille Mouritzen: Halskette ‘Bush-Jet’, 2011
Danish Arts Foundation
Foto: Pernille Klemp, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit thematischen Gegenüberstellungen gelingt es den Kuratorinnen Mette Saabye (Schmuckdesignerin, Kopenhagen) und Petra Hesse (Direktorin MAKK), diesen Aspekt in der Präsentation spielerisch herauszuarbeiten.

© Katrine Borup: Körperschmuck / Body Jewellery, ‘Bishop’s robe – a paraphrase’ / ‘Bischofsgewand – eine Paraphrase’, 2004
Foto: © Ole Akhøj, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Themenpaare wie Körper & Schmuck, Tradition & Innovation, Status & Macht, Ritual & Fetisch, Raum & Bewegung, Humor & Sarkasmus oder Identität & Diversität ermöglichen einen spannenden und ungewohnten Zugang in die Vielschichtigkeit und die Entwicklung des dänischen Schmuckdesigns.

© Anne Lahn: Brosche ‘Hairy Powerpose Girl’, 2018
Foto: © Dorte Krogh, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In der Ausstellung vertreten sind insgesamt 59 zeitgenössische dänische Schmuckdesigner*innen, darunter finden sich Arbeiten von Anne Lahn, Annette Dam, Camilla Prasch, Gerda und Nikolai Monies, Helle Bjerrum, Kim Buck, Knud Erik Andersen, Marie-Louise Christensen, Mette Saabye, Peder Musse, Per Suntum und Pernille Mouritzen.

© Camilla Prasch, Fingerring / Halskette: ‘Verlängert Fünf’, 2005
Foto: © Thomas Damgaard, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Ausstellungstitel bezieht sich auf die Schmucksammlung der Danish Arts Foundation. Als staatliche Einrichtung baut diese seit 1978 eine ‘Jewellery Box’ auf, die mittlerweile rund 340 Objekte zählt und im Museum Koldinghus in Ost-Jütland dauerhaft präsentiert wird.

© Annette Dam: Fingerring ‘MORE OR LESS|perfect # 11’, 2013
Foto: © Statens Kunstfond-Arkiver, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Eine Besonderheit dieser Sammlung ist das Ausleihmodell ‘Vores Smykker’, das 2007 auf dem Konzept entwickelt wurde, dass Schmuck geschaffen wird, um am Körper getragen zu werden. Jede dänische Bürger*in, die eine aktive Rolle bei einer offiziellen öffentlichen Veranstaltung spielt, kann sich seitdem für den jeweiligen Anlass im In- oder Ausland aufwändige Ringe, farbenfrohe Halsketten oder experimentelle Broschen ausleihen.

© Marie-Louise Kristensen: Brosche ‘Enhance Your Male Power’, 2014
Foto: © Dorte Krogh, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die ‘Schmuckleiher’ werden zu Botschaftern der Schmuckkunst und ermöglichen deren Verbreitung, indem sie den Schmuck öffentlich tragen und einen Dialog mit einem grösseren Teil der Bevölkerung herstellen.

© Mette Saabye: Fingerring / Halskette o.T., 2003
Foto: © Dorte Krogh, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Schmucksammlung des MAKK, die ab Ende 2022 als eigenständige Schausammlung umfänglich präsentiert wird, umfasst mehr als 1.500 Objekte von der Antike bis zur Gegenwart. In ‘Danish Jewellery Box’ werden nun 27 ausgewählte Beispiele sowohl von renommierten deutschen als auch von internationalen Schmuckkünstler*innen dem dänischen Schmuckdesign gegenübergestellt.

© Mette Saabye, Mette Vivelsted: Halskette ‘The Baroness Twins Betty & Betsy’, 2008
Foto: © Thomas Damgaard, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Namentlich präsentiert das MAKK unter anderem Werke von Peter Chang, Wendy Ramshaw, Dieter Roth, Peter Skubic, Falko Marx, Bernhard Schobinger, E.R. Nele und Johanna Dalm.

© Per Suntum: Ring Nr. 21, 1994
Foto: © Thomas Damgaard, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung, deren Eröffnung ursprünglich für den 26. November 2020 geplant war, findet in Zusammenarbeit mit The Danish Arts Foundation und im Rahmen des deutsch-dänischen kulturellen Freundschaftsjahres statt. Durch Ausstellungen, Konzerte, Theater, Debatten, künstlerische Projekte und Plattformen sowie Kulturaustausch und -tourismus dient das Freundschaftsjahr einerseits dazu, die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Dänemark und Deutschland zu vertiefen und andererseits als ein internationales Beispiel für ein friedliches und zukunftsorientiertes Zusammenleben im 21. Jahrhundert.

Zur Video-Schnuppertour durch die Ausstellung

Info:

noch bis 1. August 2021

Danish Jewellery Box
Zeitgenössisches Schmuckdesign

MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln
An der Rechtschule
50667 Köln
Deutschland

www.makk.de

Danish Jewellery Box Booklet

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Die Steidl-Buchkultur
Zaubern auf weissem Papier

Der Göttinger Verleger Gerhard Steidl hat die Idee des Buchs als Multiple perfektioniert. Seit 50 Jahren besteht sein Verlag und hat neben dem Literatur-, Sachbuch- und Fotografieprogramm mehr als 500 Buchmultiples veröffentlicht, oft in nicht-limitierten Auflagen. Steidl stellte sich damit in die Tradition von Marcel Duchamp oder der Fluxus-Bewegung, die ihre Multiples auch als ästhetische Informationsträger verstanden, die vielen zugänglich sind. Gerhard Steidl hat diese Idee des demokratischen Kunstobjekts konsequent weiterentwickelt.

Einladungskarte

Seit der Verlagsgründung 1968 wurden Bücher als Multiples hergestellt, in Pappboxen und Schubern, Holzkisten und Koffern. Die Ausstellung im Kunstmuseum Appenzell zeigt bedeutende Buchmultiples aus fünf Dekaden, u.a. von Andy Warhol, Karl Lagerfeld und Davanita Singh. Jedes Objekt wird begleitet von ausführlichen Erläuterungen von Gerhard Steidl, der Auskunft gibt über Buchherstellung, Gestaltung, Papier, Druck und Bindung. Die Besucher erwartet so eine visuelle, auf das buchmacherische Handwerk gerichtete Schulung und ein einmaliger Einblick in eine besondere, immer analoge Buchkultur.

Dayanita Singh: Museum Bhavan
© Steidl Göttingen
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Info:

24. April – 19. September 2021

Die Steidl-Buchkultur
Zaubern auf weissem Papier

Kunstmuseum Appenzell
Unterrainstrasse 5
9050 Appenzell
Schweiz

www.h-gebertka.ch

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Peter Gustaf Dorén
Ein Hamburger Raumkünstler um 1900

Aus dem Ausstellungsreigen des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) habe ich eine Schau ausgewählt, die uns rund 120 Jahre zurück versetzt in die Welt eines schwedischen Malers, Peter Gustaf Dorén, der sich in Hamburg niederliess, erfolgreich ein Unternehmen gründete und sich den Themen ‘Farbe im Raum’ und ‘die Neueroberung der Wand’ widmete.

Atelier Gust. Dorén, Hamburg: Bemalung und Einrichtung für ein Wohnzimmer, 1904
Gouache, Privatbesitz
Foto: © Peter Nils Dorén, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Moosgrün, Taubengrau, Reseda, Dottergelb und Pflaumenblau – was wie die Farbpalette des neuesten Einrichtungstrends anmutet, war das Erfolgsrezept des Schweden Peter Gustaf Dorén (1857–1942). Der Hamburger Bauboom um die Wende zum 20. Jahrhundert eröffnete ganz neue Möglichkeiten für das Bauen, aber auch für die Innenraumgestaltung im Privaten und bei öffentlichen Aufträgen.

Peter Gustaf Dorén (1857–1942): Entwürfe für einen Hausflur, 1900/1906
Aus: Das farbige Malerbuch, Neue Folge, Tafel 40, E.A. Seemann Verlag, Leipzig
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Peter Gustaf Dorén besass ein sicheres Gespür für Qualität und Ästhetik. Er besuchte Messen und Ausstellungen, war als Mitglied im Deutschen Werkbund gut vernetzt, so auch mit MK&G-Gründungsdirektor Justus Brinckmann.

Peter Gustaf Dorén (1857–1942): Malerei eines Speisezimmers
Aus: Das farbige Malerbuch, Neue Folge, Tafel 43, E.A. Seemann Verlag, Leipzig
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Dorén stattete die Villen gut betuchter Hamburger*innen aus. Auch das Hotel ‘Vier Jahreszeiten’ und ‘Schümanns Austernkeller’ am Jungfernstieg mit seinen themenbezogenen Separées trugen seine Handschrift.

Atelier Gust. Dorén, Hamburg: Neue Oper am Millerntorplatz, 1908/10
Architekten: Georg Radel und Franz Jacobssen, Bühnenraum, Umbau 1908
Aquarell, Privatbesitz
Foto: © Peter Nils Dorén, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestell

Als Malergeselle kam Dorén über Kopenhagen nach Hamburg und baute sich ein Unternehmen auf, das in einem repräsentativen Geschäftsgebäude am Hamburger Pulverteich zu besten Zeiten über 200 Mitarbeiter*innen beschäftigte.

Johannes Mohr (1889-1915): Serie von 7 Holzschnitten aus der Broschüre zum 25. Jubiläum des Atelier Gust. Dorén am Pulverteich, 1912
Broschur, Privatbesitz
Foto: © Peter Nils Dorén, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das MK&G zeigt erstmals sein Schaffen mit rund 200 Objekten aus Privatbesitz: Farbmusterkarten, detailgetreue Entwurfsskizzen und eindrucksvolle Fotografien der fertiggestellten Räume geben einen Eindruck davon, wie die Arbeiten von der Akquise über die ersten Anmutungen bis zur Ausführung geplant und vollendet wurden.

Sehr interessant ist ein Rundgang mit dem Urenkel Peter Nils Dorén durch die Ausstellung. Hier geht’s zum Video

Info:

noch bis 30. Mai 2021

Peter Gustaf Dorén
Ein Hamburger Raumkünstler um 1900

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) 
Steintorplatz
20099 Hamburg
Deutschland

www.mkg-hamburg.de

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Gestickte Hochzeitsdecken aus Mesopotamien

Wie gestickte Paradiesgärten sind die mit farbigem Wollgarn bestickten Wolldecken aus Mesopotamien!

‘Gestickte Hochzeitsdecken aus Mesopotamien’
Exponat aus der Sammlung Maya Ilg
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Eine Fülle von Blumen, geometrischen Motiven, stilisierten Gegenständen, Menschen und Tieren lebt in diesen Stickereien, die typisch sind für die Ma‘dan.

‘Gestickte Hochzeitsdecken aus Mesopotamien’
Exponat aus der Sammlung Maya Ilg
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die jungen Mädchen der Ma’dan stickten vor der Heirat Wolldecken, die mit keiner textilen Tradition des mittleren Ostens zu vergleichen sind.

‘Gestickte Hochzeitsdecken aus Mesopotamien’
Detail aus einem Exponat aus der Sammlung Maya Ilg
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Motive wurden mit Wollgarn auf ein wollenes Grundgewebe gestickt.

‘Gestickte Hochzeitsdecken aus Mesopotamien’
Detail aus einem Exponat aus der Sammlung Maya Ilg
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Jede Decke überrascht mit eigenen Ideen, eigener Formensprache und Farbgebung und ist trotzdem sofort als Stickerei aus dem südirakschen Sumpfland zu erkennen.

‘Gestickte Hochzeitsdecken aus Mesopotamien’
Detail aus einem Exponat aus der Sammlung Maya Ilg
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Ma‘dan lebten auf schwimmenden Inseln und bauten Häuser aus Schilf. Ab 1991 wurde Ihr Lebensraum systematisch zerstört und sie mussten flüchten. Die Decken sind Zeugen einer verloren gegangenen Kultur.

‘Gestickte Hochzeitsdecken aus Mesopotamien’
Detail aus einem Exponat aus der Sammlung Maya Ilg
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Exponate stammen aus der Sammlung von Maya Ilg.

Info:

noch bis 16. Mai 2021

Gestickte Hochzeitsdecken aus Mesopotamien

Kulturort Garnlager
Gewerbestrasse 9
3421 Lyssach
Schweiz

www.kulturortgarnlager.org

Öffnungszeiten:
Mi: 10 – 17 Uhr
Sa/So: 13.30 – 17 Uhr
Andere Zeiten auf Anfrage

Am 1. Mai 2021 ist die Ausstellung normal geöffnet.

Maya Ilg ist während der offiziellen Öffnungszeiten anwesend und führt Sie gerne durch die Ausstellung.

Auch interessant:

Blumen vom Nil – eine Online-Ausstellung
Tapisserien aus dem Ramses Wissa Wassef Art Center in Harrania, Ägypten

In Erinnerung an die Ausstellung der ägyptischen Tapisserien im Sommer 2018, ‘Flowers from the Nile’, gibt es nun auch eine Online-Ausstellung mit neuen, wunderbaren Werken. ‘Die Ansicht am Bildschirm ist nicht zu vergleichen mit dem Original, aber wer vor drei Jahren die Ausstellung gesehen hat, kann sich ungefähr vorstellen, dass sie in Wirklichkeit noch viel schöner sind’, schreibt Cornelia Zürcher. Am besten, man schaut einmal selbst – hier ist der Link

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BKV-Preis für Junges Kunsthandwerk

In der Galerie des Bayerischen Kunstgewerbevereins in München ist noch bis zum 15. Mai 2021 die Ausstellung der Preisträger und Finalisten des BKV-Preises für Junges Kunsthandwerk mit aussergewöhnlichen Stücken zu sehen. Die Arbeiten der jungen Kreativen offenbaren Ideenreichtum und Können, Reflektion und Innovation. Der Preis des Bayerischen Kunstgewerbevereins wird 2021 zum fünfzehnten Mal verliehen.

Insgesamt hatten sich 102 junge Kunsthandwerker*innen aus 25 Ländern um den Preis beworben. Allesamt Kreative unter 35 Jahren, denen auf diesem Wege Gelegenheit geboten wird, auf sich aufmerksam zu machen und sich zu profilieren.

Jonas Noël Niedermann: Modalur Shapes
1. Preis
Foto: Screenshot von der Website BKV

Die Juroren aus verschiedenen kunstaffinen Berufsfeldern verliehen den ersten Preis an den Schweizer Glaskünstler Jonas Noël Niedermann für seine ‘Modalur Shapes’. Die Amöben-ähnlichen Glaskörper entstehen in einem ungewöhnlichen konstruierenden Prozess; die Jury lobt das Zähmen des Glases, ‘so dass ein Maximum an Ästhetik erreicht werden konnte.’

Auf den zweiten Platz wurde die Chinesin Danni Chen gewählt, die u.a. an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle studierte. Ihre Broschen, brüchige, in Aluminium gegossene Strudel, beschreiben die Turbulenzen eines emotionalen Ausnahmezustands.

Den dritten Preis erhielt die Deutsche Vanessa Zöller für ihr ‘Erbstück’: eine gehäkelte Brosche aus Schafwolle und Menschenhaar, in der die Perlen aus der Kette der Grossmutter eingewoben wurden.

Die Begründungen der Jury sowie weitere Fotos (in der Fotogalerie) sind auf der Website des BKV zu finden.

Info:

noch bis 15. Mai 2021

BKV-Preis für Junges Kunsthandwerk

Bayerischer Kunstgewerbeverein e.V.
Pacellistrasse 6 – 8
80333 München
Deutschland

www.bayerischer-kunstgewerbeverein.de

Einladungskarte

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Taschentücher – Trost & Tränen auf kleinem Quadrat

So der Titel der Ausstellung, die voraussichtlich ab 30. Mai 2021 im Museum Herxheim, im südlichen Rheinland-Pfalz gelegen, zu sehen sein wird. Die Ausstellungsmacherinnen Monika Brückner, Kristina Baumert und Rosa Tritschler widmen die Schau einem scheinbar kleinen, alltäglichen Accessoire. Beim Gang durch die fünf Ausstellungsräume begegnen die Besucher*innen dem Taschentuch in vielen Facetten. Es sind Geschichten ums Taschentuch, die erzählt werden: Kunst in Taschentuchformat, politischer Widerstand, Zeit- und Sozialgeschichte, Literatur und Poesie hat Platz auf diesem meist 30 auf 30 cm grossen Stück Textil.

Estela Halpert: #quedateencasa
Foto: © Beatriz Schaaf-Giesser, freundlicherweise von Monika Brückner zur Verfügung gestellt

Neben Spitzenhandwerk vom Feinsten aus der umfänglichen Taschentuch-Sammlung von Liesel Becker ist noch ein weiteres künstlerisches Kleinod zu sehen: die ‘Souvenir Tears’ der Jane Grier von 1892.

Die Künstlerin Beatriz Schaaf Giesser hat mit ihrem Projekt ‘global texture – das Taschentuchprojekt’ das quadratische Stück Stoff zu einem heutigen künstlerisch-kommunikativen Bedeutungsträger gemacht, um in Zeiten von Corona die Künstlerinnen in Südamerika, die besonders hart von den Auswirkungen der Pandemie in ihren Ländern betroffen sind, zu unterstützen.

Die Taschentücher von Ravensbrück erzählen besonders eindrücklich aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück – Erinnerungsobjekte, die tief berühren.

Ein ausführlicher Bericht ist in Planung.

Info:

ab 30. Mai 2021

Taschentücher – Trost & Tränen auf kleinem Quadrat

Museum Herxheim
Untere Hauptstrasse 153
76863 Herxheim
Deutschland

www.museum-herxheim.de

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Mode und Natur

Die Natur ist ein Thema, das die Mode immer wieder beschäftigt hat. Dieses betrifft nicht nur die ursprüngliche Bereitstellung der Rohstoffe wie Wolle, Seide und andere Naturfasern oder Pelz, Leder, Farbmittel, sondern auch die Motive der Muster, darunter eine immer neue und erstaunliche Fülle an Blumenstoffen und -stickereien, aber auch die Dekorationselemente aus Federn, Kunstblumen und Stroh.

Flyer

Ein weiteres Thema bilden neue Materialien, die aus der Natur gewonnen und in der Mode verarbeitet werden. Junge Gestalter erforschen die Möglichkeiten von Algen, Pilzen, Bakterien, von verschiedenen natürlichen Fasern wie Ananas und Cellulose. Das Spektrum der Experimentierfreude ist nahezu unbegrenzt.

Die Galerie Handwerk in München möchte die Vielfalt der Beziehung zwischen Mode und Natur vorstellen und zugleich den Frühling mit der Natur in der Mode feiern. Die Ausstellung zeigt Beispiele von Designern, Ateliers und Kunsthandwerkern aus Belgien, Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, aus den Niederlanden, Schweden und der Schweiz.

Info:

4. Mai – 12. Juni 2021

Mode und Natur

Galerie Handwerk
Max-Joseph-Strasse 4
80333 München
Deutschland

www.hwk-muenchen.de

Flyer

Falls es die Inzidenzwerte erlauben, wird die Ausstellung in der Galerie Handwerk am 4. Mai 2021 eröffnet.

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… und dann gibt’s noch:

Ausschreibung:

HAND in HAND

Immer wieder haben ich (und Pascale Goldenberg selbst) hier im Blog über Guldusi berichtet, das Stickprogramm für die afghanischen Frauen, für das sich Pascale all die Jahre über engagiert hat, um letztlich die finanzielle Not der Stickerinnen etwas zu lindern. Das Ganze hat viele Aspekte und Projekte – hier finden Sie weitere Informationen dazu, sollte Ihnen das Programm unbekannt sein.

Ein zentrales Element dabei ist, dass die Stickerinnen in Afghanistan kleine Arbeiten anfertigen, wofür sie bezahlt werden. Diese Stickereien werden hier europaweit verkauft. Und es gibt immer wieder neue Wettbewerbe, bei denen meist mindestens eine der Stickereien in eine eigene Textilarbeit integriert werden muss. Verschiedenste Themen sind schon gelaufen.

Feriba
Wettbewerb und Projekt ‘HAND in HAND’
Foto: www.guldusi.com

‘Die Pandemie ist leider für das Stickprogramm existenzbedrohend’, schreibt Pascale in ihrem letzten Newsletter. Klar, es liegt auf der Hand, dass man einen Grossteil der Stickereien nicht verkaufen kann, wenn keine Ausstellungen und Events wie beispielsweise Quiltfestivals stattfinden, bei denen es sonst einen Stand mit einem Angebot gibt, das man in die Hand nehmen und mit eigenen Augen begutachten kann. Natürlich existiert ein Onlineshop, den Pascale immer wieder mit frischen Schätzen auffüllt. Jeder einzelne Kauf unterstützt das Programm!

Und es läuft derzeit auch noch ein internationaler Wettbewerb unter dem Thema ‘HAND in HAND’, dessen Ausschreibung ich hier angekündigt hatte. Hier ist der Link zur offiziellen Website mit allen Informationen dazu.

Der Anmeldeschluss ist der 31. Mai 2021 – bitte nicht vergessen!

‘Bleiben Sie dem Stickprogramm treu!’ – dieser von Pascale Goldenberg ausgesprochenen Bitte kann ich mich nur anschliessen!

Info:

www.guldusi.com

Den aktuellsten Newsletter können Sie hier nachlesen

***

Vorankündigung:

SCYTHIA contemporary fibre art

Mitte der 1990er Jahre wurden in der Ukraine unter dem Label ‘SCYTHIA’ Events rund um die zeitgenössische Textilkunst ins Leben gerufen, und zwar auf die private Initiative von Ludmila Egorova und Andrew Schneider hin, so dass die Veranstaltung nicht von staatlichen Kulturinstitutionen abhängig ist.

Isabelle Wiessler (Deutschland): The full life 2, Detail
Teilnehmerin 2021
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Die internationalen Biennalen, Symposien und Ausstellungen für Textilkunst sind in der Ukraine einzigartig und so erfolgreich, dass aufgrund des inzwischen erworbenen Renommees Teilnehmer*innen aus nahezu der ganzen Welt Arbeiten einsenden.

Grietje Van der Veen (Schweiz): Pouring 1, Detail
Teilnehmerin 2021
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Die internationalen Ausstellungen umfassen Wandteppiche, Batiken, Quilts, Shibori, Filz, Perlenarbeiten, Stickereien, Applikationen, Papierarbeiten und dreidimensionale Textilien. Die drei besten Werke werden mit Medaillen ausgezeichnet.

Für das Jahr 2021 sind zwei verschiedene Ausstellungen im Juni geplant: die 10. Internationale Mini Textile Art Exhibition ‘SCYTHIA’ und die 2. Internationale Micro Textile Art Exhibition ‘SCYTHIA’.

Plakat

Die ausgewählten Werke von 131 Künstler*innen aus 34 Ländern werden bei der 10. Internationalen Mini-Textilkunstausstellung ‘SCYTHIA’ gezeigt, die vom 1. – 15. Juni 2021 in Ivano-Frankivs’k, Ukraine, stattfindet. Darunter finden sich Namen wie z.B. Monique Gilbert-Oversteyns (Belgien), Gabi Heimann (Deutschland) oder Tiziana Tateo (Italien).

Marie Bergstedt (USA): See, 29×26,5×4,5 cm
‘See’ reagiert auf die Umstände der Pandemie. Alles, was wir von Mitmenschen sehen können, sind ihre Augen, also schauen wir genau und tief hinein. Haken, Ösen und Druckknöpfe symbolisieren unsere Beschränkung, wenn wir in eine unbekannte Zukunft blicken.
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung präsentiert schöne Werke in traditionellen Techniken und experimentelle Arbeiten mit interessanten neuen Ansätzen.

Gilbert Girard (Frankreich): Flight, 25x25x25 cm
Ich bin ein in Frankreich lebender Künstler. Ich stricke, häkle, knote, sticke, verdrehe, wickle und entwirre Draht. Meine Kreationen sind wie Theaterstücke mit Schauspielern und Dramen.
Meine Notizen für ‘Flight’: ‘Ich bin geflogen, ohne dich anzusehen, eine Schnur für ein Sprungbrett, ich springe, ich tauche, ich bin frei’.
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Werke sind in der Grösse beschränkt auf maximal 30 x 30 x 30 cm.

Christina Krämer (Deutschland): Homunkulus im Fertigbunker, 27,7×27,7×10 cm
In einem PREFAB BUNKER liegt ein Homunkulus ohne besondere Eigenschaften, der für jeden steht. Er lebt in einem sehr kleinen Raum, bestehend aus der Verpackung eines eingefrorenen Kuchens. Diese Verpackung repräsentiert alle Arten von Verpackungen für Fertigprodukte, wie sie in vielen Haushalten in Zeiten zunehmenden Zu-Hause-Bleibens und Hamsterns ein ungeahntes Ausmass angenommen haben.
In dieser dekorfreien, hart und unbequem aussehenden Behausung kommen die Auswirkungen von Isolation, Beschränkung, Monotonie, Bewegungsmangel, Völlerei und Verletzlichkeit auf den völlig gefilzten, weichen und organisch aussehenden Homunkulus zum Vorschein. Das Thema von ‘Homunkulus im Fertigbunker’ ist Zuflucht. Es geht um unser Zuhause, das zum Unterschlupf, zu unserem Bunker in Zeiten der Not und Gefahr wird.
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Neben traditionellen Materialien wie Wolle, Leinen, Baumwolle, Seide, Kunststoff, Metall- und Kunststoffdraht, Netz oder Papier, die mit Techniken wie Weben …

Rolands Krutovs (Lettland): Resurgō (aus dem Lateinischen ‘resurgō’: ich stehe wieder auf), 20×18 cm
Wir sind eine neue Generation von Technokraten und wir zerstören alles, was wir nicht selbst geschaffen haben. Wir vergessen Träume, die Stille am Sternenhimmel, die blühende Welt. Und nur, indem man sich von der Masse und den ständigen politischen Intrigen entfernt und indem man alles, was seicht und oberflächlich ist, verwirft, ist es möglich, zum wahren Selbst zurückzukehren.
Es ist wie ein Unterschlupf oder ein Garten, den man kultiviert; es ist ein heiliger Ort, an dem man sein Herz offen halten und die eigene Stimme hören kann. Nur hier ist der Mensch der Wahrheit und Schönheit der Natur unterworfen, die in ihn eindringt und ihn für sich gewinnt. Es ist eine Pause, ein Moment – voller wunderbarer Erfahrungen.
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

… Sticken, Nähen, Quilting, Applikation, Filzen, Stricken, Häkeln sowie Drucken und/oder Färben gearbeitet wurden, kamen auch nicht-traditionelle Verfahren und Materialien zum Einsatz.

Piotr Pandyra (Polen): If trust is what you are, 20x20x4 cm
‘If trust is what you are’ wurde für die 10. Internationale Mini Textile Art Biennale ‘Scythia’ gefertigt und wurde von der Welt der menschlichen Emotionen inspiriert, vom Eindruck, aus den Tiefen des Seins zu kommen. Es ist ein Versuch, entlang dieser Grenze zwischen Sinn und Unsinn, zwischen dem Möglichen und Unmöglichen, das die Leere umgibt, zu wandern.
Meine Arbeit (freie Maschinenstickerei auf Leinen) ist Maria Pawlikowska Jasnorzewska gewidmet, einer polnischen Dichterin und Dramatikerin, tätig in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Experimentelles besteht aus beispielsweise Polymilchsäure und 3D-Stift oder beinhaltet Ready-mades, aufgefundene Objekte, Markenetiketten, Glasfaser, Metallfolie, gebrauchte Plastiktüten, Teebeutel, Strumpfhosen, Tapes, Operationsmasken etc.

Plakat

Die Werke für die Micro Textilkunst durften höchstens nur 5 x 5 x 5 cm gross sein und …

Gabi Mett (Deutschland): Magic Plants, 5x5x5 cm
Die kleine Skulptur gehört zu einer Gruppe von Werken, die zu Anfang dieses Jahres entstanden. Sie beschreiben humorvoll unsere Empfindlichkeiten in Zeiten der Pandemie. Wir suchen nach Heilmitteln und magischen Pflanzen, würden sicherlich gerne einen Schamanen befragen, was man tun soll, um unbekannte Geister zu beschwören.
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

… es wurden für die Ausstellung die von 65 Künstler*innen aus 21 Ländern – darunter aus Australien, Südamerika, Japan, Skandinavien, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, aus der Schweiz, der Ukraine und den USA – eingesandten ausgewählt. Darunter beispielsweise Werke von Monika Sebert (Deutschland), Hélène De Ridder (Belgien) oder Mirjam Pet-Jacobs (Niederlande), um ein paar zu nennen.

Jelske Boonstra (Niederlande): Euruption 1, 5x4x3 cm
Diese Arbeit ist aus roter und weisser Merinowolle gefilzt, innen rot, aussen weiss. Ich wollte, dass das Rot sichtbar ist und aus dem weissen Objekt hervorsteht. Das Rosshaar markiert Spannung und Kontrast. Das Rote repräsentiert meine inneren Gefühle, die ich zeigen möchte, zugleich aber soll meine Verletzlichkeit durch das eng anliegende Rosshaar geschützt und unter Kontrolle gehalten werden.
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Thema und Arbeitsweise konnten frei gewählt werden , so dass unterschiedlichste Ideen mit verschiedenen Textil- und Fasermaterialien und zahlreichen Techniken zum Ausdruck gebracht werden konnten.

Zuzana Hromadova (Slowakei): Transformation, 4,5x5x5 cm
Die räumliche Komposition ‘Transformation’ symbolisiert den Lebenszyklus und bezieht sich auf einen familiären Zusammenhalt. Jedes Familienmitglied ist ein eigenes Individuum, das einen genetischen Bezug zu seinen Vorfahren hat. Die Familie bietet ihm alles fürs Leben – Liebe, Bildung, materielle Ressourcen, Unterstützung und Schutz.
Die quadratischen aufeinander geschichteten Filzlagen in unterschiedlichen Farben bilden die Grundlage des Objekts, die das Fundament der Familie repräsentiert und das sich in neue Familienmitglieder verwandelt. Jedes neue Mitglied trägt Partikel der Filze in den Originalfarben in sich. Es ist die Basis einer neuen Familie, die durch den Prozess der Transformation geschaffen wurde. Ich habe einen Schmetterlingskokon benutzt, um die Verwandlung zu zeigen, da der Schmetterling als ein Symbol der menschlichen spirituellen Transformation gilt.
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Schwierigkeit besteht darin, eine grosse Idee in einer so kleinen Form auszudrücken.

Duygu Ebru Öngen Corsini (Türkei): Fragile, 3,5x5x2 cm
‘Fragile’ spiegelt die Fragilität und Sensibilität der Menschen in der heutigen Zeit wider. Kostbare Körper und Leben, die in eine Schachtel passen, befinden sich in all ihrer Transparenz vor uns. Es sieht so voll und leer aus wie das Leben. Wie auch immer, was die Box wertvoll macht, ist ihre Textur, Einfachheit, Sauberkeit und, vielleicht ist das am wichtigsten, ihre zerbrechliche Struktur, die immer von einem Ort zum anderen bewegt wird, während ihre Identität erhalten bleibt.
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Es ist vergleichbar mit einem Labor, in dem Lösungen für winzige Textilkunstwerke entwickelt werden. Dies kann ein sehr komplizierter Prozess sein.

Tetiana Vytiaglovs’ka (Ukraine): Rainbow metamorphoses, 4×5 cm
Die sieben Farben der Lebensenergie sind mit den Strahlen der Sonne, die der verrückten Welt Hoffnung für die Zukunft geben, verflochten. Ich betrachte das Leben als die Kunst, meinen eigenen Regenbogen zu erschaffen und dabei Geduld und Ausdauer zu beweisen, so dass sich der Sturm zurückzieht und sich in eine farbenfrohe Aktion am Himmel der Schönheit verwandelt.
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung präsentiert faszinierende und atemberaubende Arbeiten in traditionellen Techniken und mit experimentellen Ansätzen.

Izabela Walczak (Polen): Euphoria, 5x5x5 cm
‘Euphoria’ beschäftigt sich mit dem Thema Lebensfreude in Beziehung zur Natur. Unsere Existenz hängt von der Natur ab, in der wir Frieden und Erleichterung finden können. Für mich ist dies die Hauptinspirationsquelle für künstlerische Arbeiten. Ein Feld, eine Wiese, im Sonnenschein dargestellt, spricht von positiven Emotionen, Atmosphäre und Kontemplation. Es ist ein kleiner Moment des Nachdenkens über die eigene Existenz, getrennt von der düsteren Realität in der Welt der Zivilisation. Durch mein Werk möchte ich die menschliche Natur betonen.
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Ausstellungen finden vom 1. – 15. Juni 2021 in Ivano-Frankivs’k, Ukraine, statt.

Ausstellungskatalog erhältlich.

Info:

www.scythiatextile.com

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Drittes grosses Mode-Quiz
Online-Ratespass zur Ausstellung FASHION?!
am 12. Mai 2021 live auf YouTube

High Heels oder Sneaker? Brandneu oder secondhand? Die Modewelt stellt uns vor viele Fragen. Nicht umsonst trägt die Grosse Landesausstellung des Landesmuseums Württemberg, ‘Fashion?! Was Mode zu Mode macht'(hier geht es zu meinem Bericht) das Fragezeichen bereits im Titel. Ideale Voraussetzungen also für ein spannendes Ratespiel!

Monokini, Rudi Gernreich, 1964 
© Modemuseum Hasselt/ Kristof Vrancken 
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Am Mittwoch, 12. Mai 2021, um 19 Uhr lädt das Landesmuseum Württemberg zur dritten Folge des grossen Mode-Quiz ein. Wie bei den beiden ersten Raterunden können die Teilnehmer*innen ihr Wissen wieder online unter Beweis stellen. Diesmal stehen die Themen Bademode, Modemarken, Models und Modepräsentation sowie ‘Mode und Essen’ im Mittelpunkt. Auch wer sich nicht als absolute*r Fashionista einschätzt, hat gute Chancen, die Quizfragen beantworten zu können. Das unterhaltsame Event dauert ca. 45 min und wird von der Stuttgarter Kulturvermittlerin Sara Dahme moderiert.

Das grosse Mode-Quiz mit Moderatorin Sara Dahme live auf YouTube 
Begleitprogramm zur Grossen Landesausstellung Baden-Württemberg 2020 ‘Fashion?! Was Mode zu Mode macht’
24. Oktober 2020 – 24. April 2022, im Landesmuseum Württemberg, Altes Schloss in Stuttgart 
© Landesmuseum Württemberg 
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Teilnahme am Live-Quiz ist technisch einfach und ohne die Installation einer App möglich. Erforderlich sind zwei Geräte: Auf einem Laptop, PC oder Tablet wird der YouTube-Stream aufgerufen. Hier erscheinen die Anzeige der Moderation, die Quizfragen- und antworten sowie die Highscore-Tabelle.

Die aktive Quizteilnahme erfolgt – am besten mittels eines Smartphones – über die Website Kahoot.it. Dort wird der im Stream angezeigte PIN eingegeben. Für eine ungestörte Quizteilnahme sollte der Bildschirmschoner des Smartphones ausgeschaltet werden.

Info:

Mi, 12. Mai 2021, 19 Uhr

Link zum Stream auf Youtube: https://www.landesmuseum-stuttgart.de/livestream/

fashion-stuttgart.de , #lmwfashion

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Vivienne Westwood ist 80

Am 8. April 2021 feierte die britische Modedesignerin Vivienne Westwood ihren 80. Geburtstag.

Bekannt wurde die Tochter eines Schuhmachers und einer Weberin als ‘Queen of Punk’: Ihre ausgefallenen Entwürfe sind laut und schrill, abgefahrene Looks mit Sicherheitsnadeln und Ketten. Sie erfindet sich immer wieder neu, provoziert. Die Modeschöpferin ist aber weit mehr: Fester Bestandteil ihrer Mode sind politische Statements, so setzt sie sich engagiert für Klima und Menschenrechte ein. Westwoods Label gilt als führend in Sachen nachhaltiger Mode, sie verzichtet auf echte Pelze und plädiert für weniger Konsum. Ihr Motto: ‘Buy less, choose well, make it last.’

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25. Europäische Kulturtage

Die 25. Europäischen Kulturtage in Karlsruhe – eigentlich für den Mai 2020 geplant und um ein Jahr verschoben – werden vom 2. – 16. Mai 2021 stattfinden, allerdings online. Die Karlsruher Kuluramtschefin Susanne Asche nannte sowohl das Thema – ‘Europa – ein Versprechen’ – als auch die Durchführung unter schwierigen Bedingungen ein ‘politisches Signal’.

Key Visual

Fast das gesamte Programm von über 30 Kultureinrichtungen wird auf You Tube verlegt. Zudem sind Ausstellungen nun länger angesetzt, wie etwa ‘Verschwundene Spuren’ in der Städtischen Galerie, oder werden, wie Stadtführungen, in den Sommer verschoben. Das Badische Staatstheater, das den Event mitorganisiert, erarbeitete für neue Produktionen eigenständige filmische Umsetzungen. Ausserdem haben die Veranstalter statt eines Programmheftes ein Lesebuch unter dem Titel ‘EUtopia’ veröffentlicht mit Beiträgen aus Kultur, Politik und Gesellschaft zur Rolle von Europa als Utopie und Versprechen.

Info und Programmübersicht:

www.europaeische-kulturtage.de

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Bitte informieren Sie sich vor einem Ausstellungsbesuch auf der jeweiligen Website besonders über die genauen Voraussetzungen für einen Besuch und die Öffnungszeiten – es kann sich immer etwas ändern.

Weitere Ausstellungen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik AUSSTELLUNGSKALENDER.

Den verschiedenen Beteiligten herzlichen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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Kommentare zu diesem Artikel

8 Antworten

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    • Gudrun Heinz

      You are very much welcome, dear Monique!

      I can’t wait to take a look at the catalogue to see more work of art participating in the SCYTHIA shows.

      All the best,

      Gudrun

  • ursula brenner

    liebe gudrun, vielen dank für deine super-super-zusammenstellung – wie immer pünktlich und mit vielen optischen eindrücken – DANKE, daß du das auch in diesen speziellen zeiten so zuverlässig durchziehst !!! ich kann mich immer nur wundern, wie schnell die museen teilweise auf die virtuelle schiene aufgesprungen sind: manche aufwändig zusammengestellten präsentationen wurden wieder abgebaut, ohne daß sie von einer einzigen besucherin betrachtet worden waren – ein jammer, aber wenigstens virtuell zu besichtigen. das habe ich z.b. auch in DENVER getan- wäre ich sonst ja niiie hingekommen. hier der link, viel vergnügen bei dem tollen angebot:https://www.denverartmuseum.org/en/exhibitions/paris-hollywood viele grüße an dich – von uschi      viele grüße an dich – von uschi 

    • Gudrun Heinz

      halli hallo uschi,

      wie immer freue ich mich sehr über deinen lobenden kommentar – 1000 dank, liebe uschi. und dann der link: also, das ist ja mal wirklich toll! hollywood und haute couture, aufgehängt am damaligen publikumsliebling gregory peck und seiner zweiten ehefrau veronique – heute würde man sie vielleicht als influencerin bezeichnen 🙂 lohnt sich wirklich, deinen link mal näher anzuschauen – bis hin zur playlist von frank sinatra bis zu aretha franklin kann man begleitend zu und in den bildern schwelgen.

      nochmals herzlichen dank für alles und

      beste grüsse

      gudrun

       

  • Birgit Berndt

    Hallo Gudrun,wieder ein breit gefächerter Einblick in die Welt der Textilkunst. So spannend aufbereitet. Damasttischwäsche, Raumkunst, besonders interessant für mich.  Die Ausstellung über Dorén finde ich ganz toll. Das MK&G ist eines meiner Lieblingsmuseen. Als geborene Hamburgerin war ich schon oft dort und auch heute gehe ich gerne hin, wenn ich mal wieder in der Stadt bin. Freue mich schon darauf, wenn es wieder möglich ist. Wie gut, dass es wenigstens die Videos gibt.Viele GrüßeBirgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,

      vielen herzlichen dank für deinen kommentar, wie immer freue ich mich sehr darüber. und es geht mir wie dir, ein museum mal wieder richtig zu betreten, das wünsche ich mir jetzt auch schon lange. aber je mehr leute geimpft sind, desto grösser wird die wahrscheinlichkeit und das impftempo steigt ja zum glück. also, es kann nur noch besser werden 🙂

      beste grüsse

      gudrun

  • Gisela Hafer

    Liebe Gudrun, danke für die vielen Infos. In all der Abgeschiedenheit bewegt sich doch etwas. Eine Info wegen Terminänderung, am 8.8. 2021 morgens 10 Uhr wird Kitsch und Kunst in Großschönau und 17 Uhr Stoffgeschichten im Barockschloss Königshain eröffnet. Davor ist am 7.8.  eine Führung zum großen und kleinen Fastentuch in Zittau geplant . Also hoffen wir auf mehr Normalität im Sommer🎈LG Gisela 

    • Gudrun Heinz

      halli hallo gisela,

      wie schön, von dir zu lesen – und gleich mit zusatz-informationen. gut, dass du sie hier bekannt gibst. ich notiere sie mir und weise dann im sommer nochmals darauf hin. vielleicht hat sich die lage ja bis dahin wirklich gebessert 🙂

      mach’s gut und

      sei mir herzlich gegrüsst,

      gudrun

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