Kreative Artikel zum Thema Nähen

Unterwäsche nähen – mit Passgarantie

Egal wem ich erzähle, dass ich meine Unterwäsche selber nähe, ich werde immer gefragt, wieso. Die Antwortet lautet: Ganz einfach, weil ich es kann ;-). Im Ernst, gerade bei Unterwäsche ist es enorm wichtig, dass sie gut sitzt, zumindestens mir. Es darf nichts zwicken, drücken oder rutschen. 

Das richtige Schnittmuster für Unterwäsche selber erstellen

Ich habe mir einen gekauften gut sitzenden Schlüpfer genommen und den Schnitt für mich kopiert. Wie ich das gemacht habe, könnt ihr in diesem Video sehen:

So war ich mir sicher, dass es gut passt. Dieses Vorgehen kann ich euch wärmstens empfehlen. Den Schnitt könnt ihr dann auch für Bademode benutzen. Tipps und Tricks dazu folgen in einem weiteren Beitrag.

Mit dem Schnitt-Abnehmen ist es aber nicht getan. Damit ihr euch beim Nähen keinen Kopf machen müsst, habe ich diese kurze Anleitung für euch geschrieben.

Unterwäsche nähen – Anleitung

Die Schnittteile

Die meisten Schnitte für eine Unterhose setzten sich aus drei Teilen zusammen: Vorderteil, Rückenteil und Zwickel. Erfahrungsgemäss sitzen diese Schnitte auch am besten. Vorderteil und Rückenteil braucht ihr nur einmal, den Zwickel zweimal. Ich selber benutze immer 100% Baumwolle, ihr könnt aber auch Spitze nehmen, wenn es euch besser gefällt. Das dürfte beim Nähen aber etwas schwerer sein.

Zugeschnitten wird, wie immer, mit Nahtzugabe. Diese könnt ihr nach Vorliebe wählen, ich nehme bei Kleidung meistens 0,75 cm.

Ausserdem braucht ihr noch Wäschegummi und, falls ihr es etwas schöner haben möchtet, auch schönes Einfassgummiband. Genäht wird mit der Overlocker und Nähmaschine, je nach Vorliebe auch mit der Cover-Maschine.

Jetzt nähen wir

Als erstes nehmt ihr das Vorderteil und legt es zwischen die beiden Zwickel, die rechts auf rechts aufeinander liegen. Diese drei Lagen werden jetzt zusammengenäht. Dann wird alles auf rechts gedreht.

Jetzt legt ihr das Rückenteil mit der rechten Seite nach oben vor euch hin und legt den äusseren Zwickel samt Vorderteil rechts auf rechts darauf.

Dann rollt ihr das Vorderteil leicht zusammen, legt den inneren Zwickel einmal um diese Rolle drumherum und dann von unten rechts auf links an das Rückenteil.

Diese Methode nennt man Buritto-Methode. Sie sieht kompliziert aus, aber wenn man den Dreh einmal raus hat, ist sie es nicht. 

Diese Naht wird jetzt geschlossen. Dann könnt ihr durch die Mitte alles auf rechts drehen. Das Ganze sieht jetzt schon sehr nach einer Unterhose aus.

Vorderteil und Rückenteil rechts auf rechts legen und die Seitennähte schliessen. Damit ist die Arbeit an der Overlock abgeschlossen.

Bei den Beinsäumen gibt es verschieden Wege. Ich mag festen Sitz und nähe deswegen ein Wäschegummi ein. Falls ihr es lieber locker mögt, reicht es, den Saum links auf links zu klappen und mit der Coverlock (oder einem elastischen Stich) festzunähen.

Ich lege den Wäschegummi auf die linke Stoffseite und nähe ihn mit Zickzackstich auf die Kante des Beinsaums. Dann wird der Saum ein weiteres Mal umgeklappt und wiederum mit Zickzack festgenäht, um das Gummi zu verstecken.

Bleibt noch der obere Saum. Wenn ihr es ganz einfach haben möchtet, könnt ihr den genau so nähen wie die Beinsäume. Ich mag es an diese Stelle lieber etwas schöner und benutze deshalb ein hübsches Einfassgummi. Andere Varianten – auch diejenige, welche hier gleich beschrieben wird – könnt ihr euch hier als Video ansehen:

Die Unterhose ist auf rechts gedreht. Mit dem Nähen fange ich auf der Rückseite an, weil hier später die Verbindungsnaht vom Gummi sein wird. Man könnte auch das Gummi vorher abmessen, verbinden und erst dann annähen, diese Methode finde ich aber viel schwerer. Bis man es raus hat, wie sehr man das Gummi dehnen muss, dauert es etwas. Deswegen ist es leichter, es so zu nähen, wie ich das mache.

Das Gummi wird um die Stoffkante gelegt, mit der schönen Seite nach oben. Am Anfang der Naht lasse ich etwa 5 cm offen, damit ich es später mit dem anderen Ende vernähen kann.

Genäht wird mit Zickzack, ein Stich in das Gummi, der andere in den Stoff. Dabei den Gummi leicht dehnen und aufpassen, dass der Stoff sauber dazwischen liegt. Lieber langsam nähen.

Wenn ihr drumherum genäht habt, etwa 10 cm vor dem Nahtanfang aufhören:

Jetzt kann man gut abschätzen, wie viel Gummi man noch braucht. Das Gummi rechts auf rechts legen und zusammennähen.

Die Nahtzugabe schräg abschneiden.

Das Ganze kommt wieder unter die Nadel und wird, genau so wie bisher, weiter und zu Ende genäht. Am Ende natürlich die Naht sichern.

Das war’s auch schon. Sicherlich nicht einfach und es wird bestimmt erst nicht ganz schön, aber wenn ihr es einmal raus habt, werdet ihr nichts anderes anziehen wollen.

Ich wünsche euch, wie immer, ganz viel Spass beim Nähen!

Schwierigkeitsgrad: Fortgeschritten
Zeitaufwand: einen Abend
Verwendete Materialien: Baumwolljersey, Garn, Gummiband
Verwendete Produkte:
BERNINA 570 QE (NEW)
BERNINA 570 QE (NEW)
BERNINA L 890
BERNINA L 890
Rücktransportfuss # 1
Rücktransportfuss # 1

Themen zu diesem Beitrag ,

Verlinke diesen Beitrag Trackback URL

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Kommentare zu diesem Artikel

7 Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  • Marliese Winkel

    Hallo Lee, das ist ein tolles Video und macht Lust, das auch mal auszuprobieren (und auch dabei zu bleiben). Richtig, Reste hat jeder zuhause – da kann prima ausprobiert werden. Mich interessiert noch der Name deines “Lieblingsgummis”. Nach was muss ich suchen im Internet, denn mein Stoffladen hat solches Gummi nicht. Ich bedanke mich schon mal für deine Bemühungen. Lieber Gruß Marliese

  • Elke Becker

    Danke!Ich habe schon ein paar Experimente mit selbstgenähten Slips hinter mir. Probleme bereitet mir vor allem die unterschiedliche Dehnbarkeit des Stoffes und der Gummis. Mein 1. Versuch war ein perfekt sitzendes Stück. Beim 2. Slip hab ich das gleiche Schnittmuster verwendet. Der Stoff und der Gummi, den ich verwendet habe, waren aber weniger dehnbar und der Slip passte bei weitem nicht so gut.Hast du Tipps dazu? 

  • Katja Seipel-Büttenbender

    Stimmt! Die selbstgenähten Hipster trage ich am liebsten. Sie sitzen einfach gut. Dazu kann ich den Stoff nehmen, den ich mag , sei es Baumwolljersey, Bambusjersey, Modal oder Tencel. Auch meine Tochter mag die selbstgenähten aus Bambusjersey am liebsten. Es lohnt sich wirklich und mit jedem Teil geht es fixer. 

  • Inge Müller

    Ja so weit ist es gekommen.Die Slips gekauften von den Läden sitzen nicht, sind zu weit ausgeschnitten. Das Material ist so dünn da kannste durchkucken. Und halten nicht lange.Hab auch schon überlegt selbst zu nähen.Vielen Dank für den Schnitt: werde ich mal ausprobieren.

  • Janien F.

    Hallo.Vielen Dank für die ausführliche Anleitung. Leider besitze ich nur eine normale Nähmaschine. Kann ich die auch für die ersten Nähschritte nutzen?Liebe Grüße, 

Liebe Leserin, lieber Leser des BERNINA Blogs,

um Bilder über die Kommentarfunktion zu veröffentlichen, melde Dich im Blog bitte an.Hier geht es zur Anmeldung.

Du hast dich noch nicht für den BERNINA Blog registriert?Hier geht es zur Registrierung.

Herzlichen Dank, Dein BERNINA Blog-Team