Kreative Artikel zum Thema Nähen

BH-Schnittmuster anpassen – die Körbchen

Es geht weiter mit dem Thema BH-Schnittmuster anpassen. Nachdem wir uns gestern im ersten Teil um das Unterbrustband gekümmert haben, widmen wir uns heute den Körbchen.

BH-Schnittmuster anpassen, Teil 2: die Körbchen

Wenn der Bügel nicht zum Volumen passt

In jeder Schnittanleitung wird genau erklärt, nach welcher Vorgehensweise die Körbchengrösse berechnet werden sollte. Daran halten wir uns natürlich. Was ist nun aber, wenn der Bügel, den wir in Teil eins gewählt haben, nicht zur gewählten Grösse passt? Meistens hat es ja einen Grund, weshalb wir mit dem Nähen der eigenen Unterwäsche begonnen haben und oft stecken genau solche Probleme dahinter. Die Industrie geht von einer proportionalen Skala aus. Einem spezifischen Brustvolumen und Unterbrustumfang wird eine Standardbügelgrösse zugewiesen.

Ein Praxisbeispiel

Machen wir nun ein Gedankenexperiment. Stellt euch eine grosse, athletisch gebaute junge Frau (nennen wir sie Nina) vor, welche laut Tabelle Grösse 75C trägt. Dann stellt ihr daneben jemanden (nennen wir sie Julia), der eher klein und schmal gebaut ist, aber (für die Körpergrösse) eine relativ grosse Oberweite hat; auch sie trägt 75C. Die Industrie geht dann davon aus, dass diese beiden Frauen den gleichen BH tragen können. Können sie eventuell auch, aber oft wird es zu folgendem Problem kommen:

Nina hat einen breiteren Brustkorb als Julia (auch wenn sie denselben Unterbrustumfang hat), dennoch wird der Brustansatz bei allen Frauen ungefähr im gleichen Spektrum liegen (wo der Oberarm den Körper berührt und links und rechts vom Brustbein). Der Brustansatz von Nina ist also zwangsläufig breiter als derjenige von Julia – trotzdem sollen beide die gleichen Bügel tragen können.

Trägt Nina den 75C-Bügel, drückt dieser vermutlich auf ihr Brustgewebe, statt dieses zu umschliessen. Also wird sie sich die nächste Grösse holen. Im 75D drücken die Bügel nicht mehr, aber nun füllt sie das Körbchen nicht mehr aus.

Julia hat das umgekehrte Problem: Der Bügel des 75C passt gut, aber die Brust hat im Körbchen keinen Platz; das Brustgewebe quillt oben oder unten raus. Julia holt sich also auch den 75D und hat nun genug Platz im Körbchen. Nun steht der Bügel aber im Oberarmbereich ab und pikst und scheuert im inneren Bereich des Oberarms.

Die Macht der Geometrie

Warum passiert das? Nun, ganz einfach, das Volumen beider Damen ist gleich, aber die Grundfläche (also der Brustansatz) ändert sich. Vergrössert sich die Grundfläche, wird das Objekt «flacher». Reduziert sich die Grundfläche, vergrössert sich die die Höhe des Objekts. Dies müssen wir bei den Körbchen ebenfalls berücksichtigen, und das ist auch der Grund, weshalb wir uns in Teil 1 so lange mit den Bügeln auseinandergesetzt haben. Nur so finden wir wirklich heraus, ob unser Problem im Unterbrustband oder bei den Körbchen liegt.

Übrigens, das Beispiel mit Nina und Julia ist so gewählt, dass sich das vor dem geistigen Auge gut vergleichen lässt – in der Realität sind wir alle so unterschiedlich, dass wir nicht sagen können «aha, grosse Frau – sie hat eine flachere Brust als der Bügel eigentlich vorsieht». Jede Frau und jede Brust ist verschieden.

Zurück zur Problematik: Wir müssen also einen Übergang zwischen dem Körbchenschnitt, der auf unser Volumen passt, zum Körbchenschnitt, der auf unseren Bügel passt, finden. Und dies zeige ich euch jetzt.

Habt ihr festgestellt, dass euer BH-Volumen nicht zu eurem Bügel passt, empfiehlt es sich, dass ihr einen Schnitt verwendet, der mehrere Nähte hat. So könnt ihr die Anpassungen schön in diese Nähte verschieben. Alternativ könnt ihr auch Abnäher verwenden, wie bei jedem anderen Kleidungsstück, aber mit Nähten wird es eleganter.

Ich zeige euch das Vorgehen beim BH-Schnitt Angie’s Twin von BWear. Ihr könnt dafür natürlich einen anderen Schnitt wählen. Dieses Schnittmuster hat jedoch alle Körbchen pro Unterbrustband in sogenannten Ebenen im Schnittmuster abgebildet. Ich konnte also lediglich die Ebene 90E (Volumen) und 90D (Bügel) anwählen und ausdrucken. Ist euer Schnitt nicht «überlappbar», zeige ich euch kurz am Schluss, wie ihr vorgehen könnt.

Los geht’s

Die braun markierten Stellen stellen die Aussenbereiche des Körbchens dar. Die Pfeile markieren diejenigen Stellen, die wir anpassen müssen. In der linken hälfte des Bildes zeige ich euch, wie die Anpassung von “Nina” aussehen würde – wir zeichnen einen Übergang vom kleineren Körbchen zur grösseren Bügellinie. Die rechte Seite repräsentiert die Anpassungen, welche Julia machen müsste. Wir zeichnen einen Übergang vom grösseren Körbchen zur kleineren Bügellinie.

Ich benötige die selben Anpassungen wie “Julia” und habe daher das ganze Körbchen auf den kleineren Bügel angepasst.

Ist euer Schnitt nicht überlappbar, dann könnt ihr das Körbchen in einem günstigen Material nähen und die Naht (Achtung, Nahtzugabe nicht berücksichtigen) messen. Vergleicht diese Länge mit eurem Fitting-Band. Die Differenz muss nun im Schnitt dazugegeben oder entfernt werden. Nehmen wir an, die Naht am Körbchen ist 1.5 cm zu lange. Wir haben drei Nähte im Körbchen und verteilen die 1.5 cm auf die drei Nähte. Pro Naht muss also 0.5 cm reduziert werden; also 0.25 cm pro Seite (vgl. Bilder oben). Schaut, dass ihr die Anpassungen schön im «Bügelbereich» des Cups vornehmt und nicht zu weit ins Körbchen zieht, sonst beeinflusst ihr das Volumen – das wollen wir nicht.

Das linke Körbchen ist noch nicht auf den kleineren Bügel angepasst. Es ist zu erwarten, dass die Körbchennaht zu lange ist für mein Fitting-Band. Das rechte Körbchen ist angepasst und zugeschnitten.

Beide Körbchen werden nun gemäss Anleitung vernäht und versäubert. Das linke Körbchen würde mit Falzgummi abgeschlossen, weshalb ich die obere Kante unversäubert lasse. Das rechte Körbchen hätte einen Abschluss mit Pikotgummi, weshalb ich es mit der entsprechenden Nahtzugabe nach unten falte und darüber nähe. Beide Unterarmbereiche werden mit Pikotgummi versäubert. Hier schliesse ich die Naht mit einer kleinen Schlaufe ab, damit ich die Träger mit den G-Hooks gut einhängen kann.

Sind die Anpassungen vorgenommen, schneiden wir das Körbchen zu, nähen es gemäss Anleitung und nun mit einem Heftstich ins Fitting-Band. Dazu müssen vorher zwingend die Bügel entfernt werden! Näht langsam und vorsichtig. Sind die Körbchen drin, können die Bügel wieder rein und das Teil ist fertig für die Anprobe. Passen sie nicht, können die Heftstiche rasch entfernt werden. Neues Körbchen zuschneiden, ins Fitting-Band nähen und wieder Anprobe!

Hier seht ihr, was die Anprobe meiner Körbchen ergeben hat. Wie ihr sehen könnt, ist der linke Cup zu lange. Das ist deshalb der Fall, weil ich hier die Bügelanpassung (von 90E auf 90D) noch nicht vorgenommen habe.

Weiter könnt ihr sehen, dass bei beiden Körbchen an derselben Stelle ein kleiner Keil aus dem Schnittteil entfernt werden muss. Das ist eine marginale Anpassung, und schon sitzt der Schnitt.

 

Ich hoffe, ich konnte euch mit dieser Anleitung etwas helfen. Falls ihr Fragen habt, könnt ihr mir gerne einen Kommentar dalassen.

Ein individuelles Label für Eure BHs

Zu guter Letzt habe ich noch einen kleinen Bonus für euch: Ich wollte schon lange Waschanleitungen in meine Kreationen nähen – gerade seit ich für die Frauen in meinem Bekanntenkreis auch mal BHs nähe, möchte ich die Kreationen gerne «professionalisieren». Dazu durfte ich mir Labels von Nominette bestellen. Ihr könnt diese ganz einfach online erstellen und anschliessend einnähen oder bügeln.

Mit dem Code NADINE20 könnt ihr sogar noch bis zum 31. Oktober 2021 20% Rabatt auf 1 Set à 100 Stück erhalten.

Eingenäht habe ich die Labels jeweils im letzten Schritt kurz bevor der Verschluss drankommt. An der Seite, an der die Haken drankommen, heftet ihr das Label auf die Innenseite. Anschliessend kommt der Verschluss darüber, festnähen und fertig!

Viel Spass beim Nähen

Nadine

Schwierigkeitsgrad: Fortgeschritten
Zeitaufwand: einen Abend
Verwendete Materialien: Bügel, Duoplex
Verwendete Produkte:
BERNINA 590
BERNINA 590

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Kommentare zu diesem Artikel

4 Antworten

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  • ursula4653

    Ich habe das neue Update von Windows zugelassen, konnte aber nun  V8 nicht mehr öffnen. Darauf hin habe ich eine Systemwiederherstellung vorgenommen auf das Datum vor dem Update. Nun musste ich aber die Sticksoftware wieder neu laden und den Code eingeben. Diese Information als Warnung.Gruss  Ursula

    • Matthias Fluri

      Hallo Ursula, vielen Dank für den Kommentar und Hinweis. Ich habe das von unseren Software-Experten überprüfen lassen und habe folgendes Feedback erhalten:

      Die Systemwiederherstellung war das richtige Vorgehen.

      Die Aufforderung nach der erneuten Product-Key-Eingabe muss nichts schlechtes heissen. Es ist möglich, dass Du einen Product Key der ersten V8-Version hattest und dass dieser nun im Hintergrund umgestellt wurde auf einen Product Key der neueren Version.

      Du solltest nun problemlos weitere Windows-Updates durchführen können. Falls es eine Aufforderung zur Erneuten Product-Key-Eingabe geben sollte, bitte diesen eingeben.

      Generell empfehlen wir den Anwenderinnen unserer Sticksoftware, die Windows-Updates durchfzuführen. Falls dabei Probleme auftreten, bitte den Fachhändler kontaktieren. Dieser kann das Problem dann lösen (in der Regel geschieht diese in Absprache mit uns).

      Liebe Grüsse

      Matthias

  • Maria Schurm

    Danke! Ich hab das Julia-Problem, nachdem mein perfekter Lieblings-BH nicht mehr hergestellt wird und ich hab keine Lust mir ewig lange einen neuen top sitzenden BH zu suchen. > Ich werde nach Deiner Anleitung ausprobieren!!! 

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