Kreative Artikel zum Thema Nähen

Dehnbare Nähte mit Seraflex, mit Tipps und Tricks

Ich glaube, wir kennen es alle von unseren Nähanfängen – irgendwann ist es soweit und der erste Jersey liegt unter der Nadel. Wenige von uns hatten von Anfang an mehr als eine Maschine auf dem Tisch. Und dann ist nicht nur wegen der Dehnbarkeit des Stoffes die Aufregung groß, auch die Wahl des richtigen Stichs macht Sorgen. Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, dass man selten bis nie mit der Naht tatsächlich zufrieden ist. Deswegen muss früher oder später eine Overlock in das Nähzimmer einziehen.

Ich bleibe dabei. Jeder, der ernsthaft und schön Kleidung nähen möchte, braucht eine Overlock. Im Idealfall auch eine Covermaschine, aber da sprechen wir schon von Luxus. Zu meinen Anfängen gab es außer dehnbaren Stichen keine weitere Hilfe. Seit einiger Zeit gibt es aber etwas ziemlich Geniales auf dem Markt:

Das flexible Nähgarn

Genau, die Rede ist von dehnbarem Garn. Dieses ist von der Firma Mettler und nennt sich Amann Mettler Seraflex.

Ich dachte sehr lange, ich würde es nicht brauchen. Jetzt bin ich aber sehr glücklich, eine kleine Auswahl davon in der Schublade zu haben. Das Garn gibt es in 72 Farben. Damit gelingen Geradstiche auf dehnbaren Stoffen, ohne dass die Naht beim Dehnen des Stoffes reißt.

Seraflex – ein Garn mit Eigenleben

Dieses Garn hat ein Eigenleben. Durch seine Dehnbarkeit springt es manchmal unkontrolliert von der Rolle. Wenn ihr es gerade nicht benutzt, empfiehlt es sich, das Ende gut zu sichern, damit es nicht zu sehr abrollt, auch auf der Unterfadenspule. Dann habt ihr in eurer Schublade keinen Garnsalat.

Diese Beweglichkeit kann auch an der Nähmaschine eine Herausforderung sein. Deswegen ist es am besten, wenn ihr das Garn stehend benutzt.

Falls eure Nähmaschine diese Möglichkeit nicht bietet, solltet ihr ein Garnnetz benutzen. Am besten ist dieses etwas größer, damit kein Zug auf das Garn entsteht.

Laut Hersteller sollte man mit so wenig Spannung wie möglich nähen. Ich selber habe bei meiner Maschine nichts verändert und hatte trotzdem sehr schöne Ergebnisse.

Meine Erfahrungen und Tipps

Es hilft sehr, wenn ihr den Nähfußdruck etwas verringert, aber das ist eigentlich etwas, was man bei Jersey sowieso tun sollte.

Außerdem nicht zu schnell nähen! Bei zu hohem Tempo bekommt das Garn zu viel Zug und es entstehen Fehlstiche.

Fehlstiche können auch bei falscher Nadel entstehen. Ich würde eine Stretchnadel empfehlen.

Anfang und das Ende der Naht unbedingt verriegeln (durch die Dehnbarkeit geht die Naht sehr leicht auf), aber nicht punktuell, sondern mit Vor- und Zurücknähen. Nicht den automatischen Fadenabschneider benutzen.

Das Aussehen der Naht

Ihr könnt alle Nähte eines Shirts damit nähen, ganz einfach mit Geradstich. Eine Seitennaht würde dann so aussehen.

Natürlich ist das Resultat kein Vergleich mit einer Overlocknaht, aber für den Fall, dass ihr gerade keine Overlock nutzen könnt, ist es eine gute Lösung. Um die Stoffkanten braucht ihr euch keine Gedanken zu machen, da der Jersey nicht ausfranst.

Am besten finde ich aber das Säumen mit Seraflex als Ersatz für den Coversaum. Eine Covermaschine hat nun wirklich nicht jeder, weil sie definitiv ein Extra ist. Und säumen ohne Coverlock ist wirklich nicht einfach, wenn man den Anspruch hat, dass das Genähte professionell aussehen soll. Ich persönlich bin kein großer Fan der Zwillingsnaht und bin echt froh, sie nicht nähen zu müssen. Den Trick mit Seraflex werde ich aber definitiv anwenden, obwohl ich eine Cover habe. Denn das Ergebnis finde ich wirklich super.

Auch hier wird mit Geradstich genäht – von der rechten Seite, damit ihr die Naht besser kontrollieren könnt. 

Ich habe einfach zwei Nähte parallel genäht. Von rechts sieht es genau wie eine Covernaht aus.

Von der linken Seite sieht es so aus. Wenn ihr fertig seid, schneidet einfach das Zuviel an Stoff mit einer Schere weg (am besten eine Applikationsschere benutzen, dann schneidet ihr nicht aus versehen in das Shirt).

Fazit

Seraflex ist ein tolles Garn! Es ist kein vollwertiger Ersatz für eine Overlock, das wäre auch nicht realistisch. Es bietet aber die Möglichkeit, ohne eine Overlock dehnbare Stoffe zu vernähen. Es ist perfekt zum Absteppen von Saum oder Halssaum als Ersatz für eine Covernaht.

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Kommentare zu diesem Artikel

6 Antworten

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  • Christina Dittrich

    Liebe Lee,bevor ich einen Kommentar ins Blaue hinein abgebe, habe ich mir kurzerhand das Garn gekauft und an zwei Jerseys ausprobiert. Ich kann Deine Begeisterung zu 100 % bestätigen.Beim 1. Versuch habe ich alle Einstellungen gelassen, nur den Nähfußdruck fast halbiert. Beim 2. Versuch habe ich den Nähfußdruck ebenfalls fast halbiert, Fadenspannung 4,5, Stichlänge 3,0. In beiden Fällen stehende Garnrolle. Zwei perfekte Nähergebnisse, wobei die 3,0er Stichlänge einen Hauch elastischer erscheint.Somit gehören Zwillingsnadeln ab sofort zu meiner Nähhistorie, diese doch immer etwas wulstigen Säume können den Ergebnissen mit Seraflex nicht standhalten. Und ob ich nur wegen eines normalen Saumes die Cover hervorhole ?? Im Moment eher nicht. Für Nähte bleibt, wie Du auch schon geschrieben hast, die Overlock die erste Option.Vielen Dank für den Bericht, der mich trotz 45 Jahre Näherfahrung nochmal weiter gebracht hat 😉

  • Daniela K.

    Ich habe mir das Garn zum absteppen bei Jerseyprojekten besorgt. Leider komme ich nicht wirklich gut zurecht. Wer reißt ständig der Faden. Ich habe es allerdings auch noch nicht mit der aufrechten Garnrolle versucht, das ist ein guter Tipp. Kannst du noch sagen mit welcher Stichlänge du nächst?

  • ERIKA BORNEMANN

    Liebe Lee,mit deinem Bericht hast du mich auf einen nützlichen Nähhelfer aufmerksam gemacht, den ich sofort ausprobieren möchte.Herzlichen Dank dafür und liebe GrüßeErika

  • Jennifer B.

    Danke für deinen Bericht. Bedenke ich die Preise für dieses Garn, käme ich allerdings nie auf die Idee, das für normale Jersey-Projekte zu verwenden. Für Bikinis oder so okay, aber T-Shirt und Co? Eher nicht… Eine Overlock habe ich leider noch nicht, auch wenn ich gerne eine hätte. Für ein passabel verarbeitetes Ergebnis tut es meines Erachtens alternativ ein entsprechendes Füßchen, das die Overlock-Naht imitiert. Das ist günstiger (auf lange Sicht) und liefert ein gut versäubertes Ergebnis. Zuvor habe ich die Nähte nämlich noch separat mit Zickzack-Stich versäubert, weil meine (erste) Maschine sowas gar nicht kann, dafür ist sie zu alt. Aber auch an der Stelle kann ich nur sagen, dass das gute alte Stück ein deutlich schöneres Nahtbild ergibt, als die neuere Maschine, wo der Geradstich immer leicht versetzt ist (wie man es auch hier auf dem fünften Bild sieht). Nach deinem Bericht werde ich mir dieses Garn nun eindeutig vorerst nicht zulegen, aber auch das ist gut zu wissen 😉

  • miegge Meyer

    Vielen Dank für deinen Bericht!Ich habe zwar auch eine Cover-Maschine hier stehen, aber es gibt immer mal Nähte, für die man die normale Haushaltsnähmaschine benötigt (z.B. wenn man um einen Schlitz beim Ausschnitt den Beleg feststeppt, da ist der Nadelstopp der Computernähmaschine einfach praktisch).Bisher verwende ich dann oft den Dreifachgeradstich, um etwas Dehnbarkeit zu erhalten. Aber ich glaube, so langsam wird es Zeit für ein kleines Grund-Sortiment an Seraflex 😀

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