Kreative Artikel zum Thema Quilten

8. Europäische Quilt-Triennale

Wie bereits angekündigt, findet die Ausstellung der 8. Europäischen Quilt-Triennale in der Textilsammlung Max Berk in Heidelberg-Ziegelhausen derzeit statt und zeigt die Ergebnisse des Wettbebwerbs mit dem höchstem Renommée auf europäischer Ebene.

8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Mein Mann und ich waren bei der Eröffnung am 10. Oktober 2021 dabei. Hier sind meine Eindrücke, festgehalten in Wort und Bild.

Ausstellungsansicht
Teija Patrikka (Finnland): Wo sind alle hingegangen?, Anco Brouwers-Branderhorst (Niederlande): Grenzüberschreitung 2D: “Skandinavien”, Edith Bieri-Hanselmann (Schweiz): Farbspiel (v.l.n.r. wandhängend), Terezia Krnacova & Miroslav Broos (Slowakei): Womit wir uns bedecken!, Detail (Bodenobjekt)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Wie immer garantiert ein frühzeitiges Eintreffen, dass man viele Exponate in Ruhe fotografieren und das eine oder andere Gespräch führen kann.

Teija Patrikka (Finnland): Wo sind alle hingegangen?, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Terezia Krnacova & Miroslav Broos (Slowakei): Womit wir uns bedecken!
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Obwohl die Anzahl der Besucher*innen dieses Mal durch die Pandemie-Massnahmen einer Begrenzung unterlag, waren doch auch einige Künstlerinnen aus dem Kreis der Teilnehmer*innen gekommen. Wie schön!

Anco Brouwers-Branderhorst (Niederlande) mit ihrer Arbeit ‘Grenzüberschreitung 2D: “Skandinavien” ‘
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Edith Bieri-Hanselmann (Schweiz) mit ihrer Arbeit ‘Farbspiel’
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Organisation, Jurierung und Durchführung standen vor allem vor den Herausforderungen, die die Corona-Pandemie verursacht(e).

Ausstellungsansicht
Rita Merten (Schweiz): ‘Physical Distancing’ (Doris-Winter-Gedächtnispreis zur Hälfte), Paulina Sadrak (Polen): 9 x 11 (Preis für talentierte junge Nachwuchsquilter*innen) (v.l.n.r.)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Rita Merten (Schweiz): ‘Physical Distancing’, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Paulina Sadrak (Polen): 9 x 11 (Preis für talentierte junge Nachwuchsquilter*innen)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

So konnten die fünf Juror*innen aus Norwegen, Tschechien, der Schweiz und Deutschland nur online tagen, wählten aber aus 159 Einsendungen, die aus 17 europäischen Nationen eingesandt worden waren, 50 Exponate aus 15 europäischen Ländern, darunter auch dreidimensionale Arbeiten, für die Ausstellung aus.

Ursula König (Schweiz): Kunterbunt! (Doris-Winter-Gedächtnispreis zur Hälfte)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Nicht obligatorisch, aber dennoch erwünscht ist es, dass eine Arbeitsprobe miteingereicht wird, die es den Preisrichter*innen ermöglicht, auch die physische Qualität eines Werks zu prüfen.

Ausstellungsansicht
Monique Gilbert-Oversteyns (Belgien): Stille, Detail, Gisela Hafer (Deutschland): Pandemietagebuch, Dörte-Ina Liebing (Deutschland): Stille, Detail (v.l.n.r.)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Gisela Hafer (Deutschland): Pandemietagebuch, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

‘Das Verständnis für ein Werk war viel besser, wenn neben der Fotografie und dem Statement auch eine Arbeitsprobe vorlag’, befand Judith Mundwiler, die als Preisträgerin des Doris-Winter-Gedächtnispreises bei der vorangegangenen 7. Triennale als Jurorin tätig war.

Ausstellungsansicht
Dörte-Ina Liebing (Deutschland): Stille, Gabi Fischer (Deutschland): Novaluna, (v.l.n.r.)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Gabi Fischer (Deutschland): Novaluna, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Sie hatte das Glück, die Arbeitsproben im Original sehen zu können, die von ungefähr der Hälfte der Bewerber*nnen des Wettbewerbs eingeschickt worden waren. Es ist und bleibt daher festzuhalten, dass neben der Qualität der einzureichenden Fotos eben auch die Arbeitsproben bei der Bewertung eine entscheidende Rolle spielen.

Ausstellungsansicht
Dana Pelea (Rumänien): Botanisch, Jana Ziermann (Deutschland): Den Sprung gewagt, (v.l.n.r.)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Geht es doch bei der Europäischen Quilt-Triennale nicht nur um die Teilnahme an einer renommierten Ausstellung, die an verschiedenen Orten quer durch Europa gezeigt wird, sondern auch um drei Preise – prestigeträchtige Preise, die sehr begehrt sind.

Isabelle Wiessler (Deutschland): Horizonte 9
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Insgesamt stellte die Jury eine deutliche Qualitätssteigerung und mehr Tiefgang im Vergleich zu früheren Triennale-Bewerbungen fest, aber auch das Anliegen, Hoffnung und Lebensfreude mit den Objekten zu vermitteln.

Ausstellungsansicht
Geneviève Attinger (Frankreich): Der lange Weg, Katriina Flensburg (Schweden): Vergiss nicht zu leben (obere Galerie, v.l.n.r.)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Geneviève Attinger schreibt zu ihrer Arbeit ‘Der lange Weg’, dass ihre eingesetzten vielfältigen Arbeitstechniken in Kombination mit den kräftigen Farben Energie, Ausdauer und den Kampf, es mit dem langen Weg des Lebens aufzunehmen, symbolisierten.

Geneviève Attinger (Frankreich): Der lange Weg
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Rund 40% der Einsendungen stammten von Bewerber*innen mit (semi)professionellem künstlerischem Background, die erfreulicherweise erstmals auch aus Griechenland, Polen, der Slowakei und Rumänien kommen.

Gesprächsrunde: Judith Mundwiler, Gabi Mett, Pascale Goldenberg und Elsbeth Nusser-Lampe (Rückansicht)
Claire Passmore (Grossbritannien): Licht, Leben, Liebe (re)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Birgit Reinken, deren Quilt den vielsagenden Titel ‘Schlafaus, schlafein’ trägt, stellt eine sich hin und her wälzende Figur in unterschiedlichsten Positionen dar. Erhebungen und Vertiefungen ergeben sich, genau wie beim Quilten.

Birgit Reinken (Deutschland): Schlafaus, schlafein
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Ausstellungsansicht
Monika Steiner (Österreich): Zusammenhalt, Elsbeth Nusser-Lampe (Deutschland): Frass-Spuren (v.l.n.r.)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Zusammenhalt fordert Monika Steiner. Das flammende Rot steht für eine brennende Welt, eine Welt, die in Aufruhr versetzt ist und aus den Angeln gehoben zu werden droht.

Monika Steiner (Österreich): Zusammenhalt, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Elsbeth Nusser-Lampe (Deutschland): Frass-Spuren
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Monika Sebert thematisiert einen Aspekt der Corona-Pandemie: das eingeschränkte Zusammensein. Sie setzte die Nähmaschinennadel als Zeichengerät ein und liess abstrakte Skizzen zu emotionalen Befindlichkeiten entstehen, die wie ein Kalender lesbar sind.

Monika Sebert (Deutschland): Beziehungen 2
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Monika Sebert (Deutschland): Beziehungen 2, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Ausstellungsansicht
Archontoula Tsatsoulaki (Griechenland): Linien nachfahren, Renate Wilde (Deutschland): Fluss (obere Galerie, v.l.n.r.)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Einen Wintereinbruch nahm Renate Wilde zum Anlass, um den bizarren Strukturen der Natur nachzuspüren.

Renate Wilde (Deutschland): Fluss, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Elsbeth Egger (Schweiz): Corona, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Ausstellungsansicht
Nesa Gschwend (Schweiz): Garten 4, Anneliese Jaros (Österreich): Gehen (obere Galerie, v.l.n.r.)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

2020 blieb Anneliese Jaros nur das Nordic Walking im Wald in ihrer Umgebung. Ob sie sich dabei nach Ampelmännchen gesehnt hat?

Anneliese Jaros (Österreich): Gehen, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Während Marina Fleer das künstlerische Potenzial eines Quilts hinsichtlich Abmessung und Verformung auslotet …

Ausstellungsansicht
Marina Fleer (Deutschland): Studie 1: Verflochten, Sara Dochow (Spanien): Quilt für einen Schlaflosen, Detail, (vorn, v.l.n.r.)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

… befasst sich Sara Dochow mit schlaflosen Nächten und schuf mit ihrem Quilt eine behagliche trostspendende Landkarte.

Sara Dochow (Spanien): Quilt für einen Schlaflosen
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Ausstellungsansicht
Edith Kals (Österreich): Spuren, Silke Marohn (Deutschland): Zusammenhalt
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Arbeitsproben
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Ausstellungsansicht
Michaela Grigoleit (Deutschland): Pop 1 (hintere Mitte), Ursula Bierbaumer-Bohle (Österreich): Freiheit, Gleichheit, Solidarität (vorn re)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

‘No’ sei ein praktisches Wort, befindet Susann Heymann. Man könne es laut herausschreien: angesichts der Zustände und Probleme in der Welt, aber auch, um nicht zu allem ‘ja’ zu sagen.

Susann Heymann (Deutschland): No
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Tüll, in vielen Lagen lose geschichtet, erzielt eine Vielzahl von Farbtönen. Rose Meyer-Hakelberg bringt damit aber auch die Optik an ihre Grenzen: sowohl das menschliche Auge als auch meine Kamera.

Rose Meyer-Hakelberg (Deutschland): Kein Winter Blues, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Ausstellungsansicht
Michèle Samter (Schweiz): Farbakzent, Michaela Grigoleit (Deutschland): Pop 1, Detail (v.l.n.r.)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Beatrice Lanter (Schweiz): Durchschauen, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Was verbirgt sich wohl hinter dem Titel ‘Code XYK’, den Alicia Merretts Quilt trägt? Sie fordert die Betrachter*innen zum Entschlüsseln dieses rätselhaften Stücks auf.

Alicia Merrett (Grossbritannien): Code XYK
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Ausstellungsansicht
Urte Hanke (Deutschland): Zustand, Detail, Barbara Lange (Deutschland): Komalatammal Srinivasa – Peinliche Mütter IV (v.l.n.r.)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Urte Hanke beschäftigt sich in bildnerischer Form in ihrer Arbeit ‘Zustand’ mit Gegensatz, Zwiespalt, Trennung und Bewegung als Momente der Auseinandersetzung mit Daseinsaspekten.

Urte Hanke (Deutschland): Zustand, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Ursula Bierbaumer-Bohles Thema ist ‘Black Lives Matter’ und wendet sich gegen Gewalt und Diskriminierung. Els van Baarle hingegen …

Ausstellungsansicht
Ursula Bierbaumer-Bohle (Österreich): Freiheit, Gleichheit, Solidarität (hinten re), Els van Baarle (Niederlande): Weite Aussicht (vorn li)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

… strahlt mit ihrer Arbeit ‘Weite Aussicht’ Ruhe aus, die Ruhe der Landschaft, in der sie lebt.

Ausstellungsansicht
Gabi Mett (Deutschland): Oroghame, Eszter Bornemisza (Ungarn): Schnappschuss, Jakub Swiecicki (Polen): Landschaft aus Monostreifen, Dora Marföldi (Ungarn): Quicky (Preis für Innovation im grossen Format) (untere Galerie, v.l.n.r.)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Gabi Mett (Deutschland): Oroghame
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Gabi Mett setzt oft alte Textilien ein und spürt der Geschichte und den Stories nach, die darin stecken. ‘Oroghame’ ist eine freie Interpetation des Sonnenmotivs.

Gabi Mett mit ihrer Arbeit ‘Oroghame’
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Eszter Bornemisza stellt mit ihrer Arbeit ‘Schnappschuss’ einen Augenblick der Unvollkommenheit dar.

Ausstellungsansicht
Eszter Bornemisza (Ungarn): Schnappschuss, Jakub Swiecicki (Polen): Landschaft aus Monostreifen (v.l.n.r.)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

 

Jakub Swiecicki (Polen): Landschaft aus Monostreifen, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Den Preis für Innovation im grossen Format erkannten die Juroren der 26 Jahren alten Ungarin Dóra Márföldi für ‘Quicky’ zu: einem Upcycling-Objekt, dessen Oberflächendesign und Handquilting den Naturmaterialien mit Gebrauchsspuren eine gewisse Noblesse verleihen und die Verbindung zur Jahrhunderte alten Tradition des Handwerks herstellen. In der Mitte schuf sie ein Loch, das durch das Wachstum eines Myzels repariert wurde.

Dora Marföldi (Ungarn): Quicky (Preis für Innovation im grossen Format)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Zwei Objekte befanden die Preisrichter*innen im Ranking für den Doris-Winter-Gedächtnispreis als gleichwertig. Daher entschied sich die Jury, erstmalig diesen mit 5.000 Euro dotierten Preis zu teilen, der gleichermassen an die beiden Schweizerinnen Rita Merten und Heidi König ging.

Rita Merten und Kultur-Bürgermeister Wolfgang Erichson bei der Preisverleihung
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Trotz aller Unterschiede, wie z.B. Zweidimensionalität contra Dreidimensionalität, haben beide Objekte den spürbaren Willen, eine positive Botschaft zu übermitteln, gemeinsam.

‘Physical Distancing’ von Rita Merten versucht die sozialen Verbindungen und die symbolischen Hoffnungen der Menschen in Zeiten des Corona-Lockdowns mit der Maschine emotional und kreativ nachzuzeichnen. In vielschichtiger, anrührender, aber auch heiterer Manier entstand so ein Quilt im Zeitgeist.

Rita Merten (Schweiz): ‘Physical Distancing’ (Doris-Winter-Gedächtnispreis zur Hälfte)
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Auch Heidi König wollte den täglichen Informationen und Gedanken rund um Covid-19, Lockdown, Krankheit, Homeoffice etc. … ‘etwas Kunterbuntes, Fröhliches entgegensetzen.’

Heidi König und Kultur-Bürgermeister Wolfgang Erichson bei der Preisverleihung
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Die Durchbrüche dieses 3D-Objektes lassen das Kunstwerk je nach Standpunkt des Betrachters anders erscheinen und rücken es damit in die Tradition kinetischer Kunst; das Spiel mit den traditionellen Motiven von Quadrat und Kreis folgt den Regeln des Patchworks und bricht diese gleichzeitig in cleverer Art und Weise.

Heidi König (Schweiz): Kunterbunt!, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Der Anteil jüngerer Bewerber*innen, stellt Dr. Kristine Scherer, Kuratorin der Textilsammlung Max Berk, fest, hat merklich zugenommen und sie bewertet dies als eine erfreuliche Tendenz. An die 31-jährige Paulina Sadrak, Kunstabsolventin aus Lodz (Polen), ging der Preis für talentierte junge Nachwuchsquilter*innen für das Werk ‘9 x 11’, einer transparenten delikaten Musterstudie aus Maschinenstickerei mit dem Gesamteindruck eines zerschlissenen Patchworksquilts.

Paulina Sadrak
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Es ‘spiegelt den Prozess der meditativen Handarbeit in Kombination mit dem maschinell-digitalen Eingriff wider … Hand in Hand in Form eines der wichtigsten textilen Grundmuster – kariert’, liest man im Ausstellungskatalog.

Paulina Sadrak (Polen): 9 x 11, Detail
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Dass sich die Kunstform ‘Quilt’ von der überwiegend funktionalen Decke hin zum autonomen Kunstwerk innerhalb der letzten Jahrzehnte in beeindruckender Weise vollzogen hat und mittlerweile auch Raumgreifendes miteinbezieht, haben wir beim Rundgang durch die Ausstellung gesehen. Diese ist einen Besuch mehr als wert, gibt es doch noch viel zu entdecken. Denn nicht alles lässt sich ablichten, nicht alles will beschrieben sein – Originale zu betrachten ist unschlagbar, simply the best.

Gesprächsrunde: Judith Mundwiler, Gisela Hafer und Pascale Goldenberg
8. Europäische Quilt-Triennale, Textilsammlung Max Berk, Heidelberg
Foto: Gudrun und Dr. Wolfgang Heinz

Ein Katalog ist erhältlich.

Info:

10. Oktober 2021 – 16. Januar 2022

8. Europäische Quilt-Triennale

Textilsammlung Max Berk
Brahmsstrasse 8
69118 Heidelberg-Ziegelhausen
Deutschland

www.museum-heidelberg.de

Weitere geplante Ausstellungsorte:

6. Februar – 24. April 2022
Kreismuseum Zons (Deutschland)

7. Oktober 2022 – 8. Januar 2023
Textilmuseum St. Gallen (Schweiz)

 

Alle Fotos: © Dr. Wolfgang und Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Veranstalters

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Kommentare zu diesem Artikel

10 Antworten

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  • Gisela Hafer

    Liebe Gudrun, vielen Dank für deinen Artikel zur 8.EQT und die tollen Bilder . Sie geben einen sehr guten Eindruck, auch denen, die noch nicht die Ausstellung in Heidelberg sehen konnten. Wie  schön war es doch,  an diesem so sonnigen Tag der Ausstellungseröffnung im Oktober, viele Kolleginnen in Heidelberg treffen zu können. Eine schöne vielseitige Ausstellung ist den Machern gelungen. Danke?

    • Gudrun Heinz

      halli hallo gisela,

      wie schön von dir zu hören! vielen dank für deine rückmeldung, über die ich mich sehr freue. genau wie du denke ich auch, dass es mal wieder an der zeit für ein solch stimmungsvolles treffen war. und bei einem solchen anlass um so mehr – will sagen, diese gelungene ausstellung lohnt sich wirklich sehr zu besuchen.

      liebe gisela, nochmals danke und mach’s gut.

      beste grüsse

      gudrun

  • ERIKA BORNEMANN

    Liebe Gudrun,ja das ist wohl wirklich eine bunte und facettenreiche Ausstellungsfortsetzung. Sie kommt sehr ideenreich daher und es ist auch mal wieder etwas Neues von Alicia Merrett zu sehen.Vielen Dank für die schönen Ausstellungsfotos.Beste Grüße Erika 

    • Gudrun Heinz

      halli hallo erika,

      es freut mich sehr, dass der artikel dir so gut gefällt – vielen herzlichen dank! da hast du recht, ich müsste mal wieder kontakt zu alicia aufnehmen. immerhin hingen zwei ihrer quilts auch in ste marie. vielleicht mit der weihnachtskarte, das wäre eine idee.

      mach’s gut, liebe erika und

      beste grüsse

      gudrun

       

  • Birgit Berndt

    Hallo Gudrun,ein unglaublich breites Spektrum der textilen Kunst deckt diese Ausstellung ab. So vielseitig, sagenhaft. Danke für die schönen Bilder und deinen interessanten Bericht.Viele GrüßeBirgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,

      da sagst du was, genau auch meine meinung. ich danke dir sehr. und dabei konnte ich, wie im bericht schon erwähnt, nicht alles fotografieren. zum beispiel stiess ich bei pascale goldenbergs präsentation mithilfe eines beamers, die sich mit plätzen zum leben afghanischer frauen beschäftigt, an meine grenzen. insofern: unbedingt hingehen wer kann!

      alles gute dir, liebe birgit.

      beste grüsse

      gudrun

  • Isabelle Wiessler

    Liebe Gudrun, vielen Dank für dieser umfangreichen und sehr schön bebildeter Beitrag. So konnte ich die auch bei der Vernissage war nochmal genauer alle Arbeiten ansehen! Und ich teile deine Meinung zu 100%! Einer sehr gelungenen Ausstellung mit vielseitigen, interessante und teilweise gewagte Arbeiten. Unebdingt hingehen wer kann!

    • Gudrun Heinz

      halli hallo isabelle,

      1000 dank zurück! ich habe es auch schon des öfteren festgestellt, dass man mit jedem ‘anschau-durchgang’ immer noch etwas neues entdeckt, was man zuvor noch nicht bemerkt hatte. besonders dann, wenn ich eine neue ausstellung erstmals in natura sehe, sind die fotos um so ergiebiger. insofern ist das berichteschreiben einfach klasse – bis ich dafür mehrmals durch unsere aufnahmen gegangen bin, habe ich es dann weitgehend im kopf. insofern kann ich mir gut vorstellen, dass dir der bericht ebenfalls genützt hat 🙂 und bei der qualität dieser ausstellung hat es mir zudem richtig spass gemacht. ich schliesse mich dir uneingeschränkt an: unbedingt hingehen wer kann!

      mach’s gut, liebe isabelle und

      beste grüsse

      gudrun

  • Wiebke Maschitzki

    Liebe Gudrun!Für die Seele und fürs Auge — einfach phantastisch, was Du für uns besichtigt, fotografiert und beschrieben hast.Einen wunderschönen, gemütlichen 2. Advent mit diesen kunstvollen Arbeiten!Liebe GrüßeWiebke

    • Gudrun Heinz

      halli hallo wiebke,

      ich hab’s mir schon gedacht, dass dir dieser beitrag mit den tollen quilts und anderen werken gefällt 🙂 also ein grosses dankeschön dafür an dich. gerade zur triennale werden immer wegweisende und innovative arbeiten eingereicht und anschliessend ausgestellt, so dass sich der besuch wirklich lohnt. bei der vorigen auflage habe ich die ausstellung hier im blog vorgestellt, in natura gesehen und daraus resultierte dann noch das museumsgespräch zwischen mir und der kuratorin, frau ilona kos, vom textilmuseum st. gallen – eine ganz besondere erfahrung, über die ich ja auch berichtet hatte. also eine empfehlung, auch dieses mal.

      dir, liebe wiebke, ebenfalls eine weiter schöne und gute zeit.

      beste grüsse

      gudrun

      p.s. jetzt fehlt noch ein bericht, nämlich über die NADELWELT in karlsruhe. aber ich befürchte, dass ich den nicht mehr vor weihnachten hinbekomme, wird auch umfangreicher. aber wir verpassen nichts!

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