Kreative Artikel zum Thema Nähen

Färbe deine eigenen Nähzutaten

Hallo liebe Nähfreunde! Ihr habt schon lange nichts mehr von mir gehört, aber seid getrost, ich war nicht untätig. Die letzten Monate habe ich mit Farbe herumexperimentiert. Ihr kennt das sicher: Ihr wollt einen BH nähen und habt die perfekte Spitze gefunden, und nun will aber nichts genau zu diesem Farbton passen, den ihr schon an Lager habt. Oder noch schlimmer, all eure BH-Zutaten haben einen anderen Farbton.

Hier gibt es verschiedene Lösungen. Entweder ihr wendet euch vertrauensvoll an die BH-Zutatenlieferanten eurer Wahl mit einem Foto oder noch besser mit einem Stoffmuster und lasst euch beraten. Oder ihr färbt die Zutaten selbst ein.

Hier ist ein eingefärbtes Zutatenset von Brabuilders.

Hier ist ein kleiner Bericht darüber, wie ich persönlich meine BH-Zutaten mit Dharma Acid Dye färbe (Stand Dezember 2021). Die Farben habe ich von webetante.de.

BH-nähen – die Zutaten selber färben

Wann färben

Persönlich ziehe ich es vor, meine Zutaten zu färben, bevor ich sie vernähe. Ich wasche die Zutaten und Stoffe vor, um allfällige Fixierer-, Schmutz- und Fettresten zu entfernen. Natürlich könnte man auch den fertig genähten BH einfärben. Hier muss man jedoch beachten, dass Polyester die Farbe nicht aufnehmen kann (heisst Faden und Polyamid-Spitze). Somit müsstet ihr schon die Zielfarbe verwenden oder damit leben, dass man die Nähte sieht. Das Risiko, dass ihr hier aber viel Zeit für ein Objekt investiert habt, um es dann beim Färben zu versauen, ist mir zu gross. Aber wenn ich tatsächlich mal einen BH nähe, dessen Farbe ich grausam finde, würde ich das Risiko eingehen…

Was färben

Die Farben, welche ich verwende, können Wolle, Seide, Proteinfasern und Nylon einfärben. Aus diesem Grund achte ich bei meinen Basisstoffen darauf, dass sie zu einem grossen Teil oder vollständig aus Nylon bestehen. Ich habe schon einmal Polyester eingefärbt, mit Jacquard iPoly; das hat gut funktioniert. Die meisten Stofflieferanten kennen die Zusammenstellung ihrer Materialien. Nachfragen lohnt sich auf jeden Fall.

Microduoplex, BH-Futter, Powernet und Elastik lassen sich sehr gut einfärben.

Wie färben

Sicherheit kommt an erster Stelle.

Ich habe schon gesehen, dass Leute ohne Sicherheitsmassnahmen ihre BH-Zutaten eingefärbt haben. Das geht wohl, aber ich habe eine Schürze, wärmeresistente Handschuhe und eine Maske zur Hand. Manche tragen noch eine Schutzbrille, das tue ich nicht.

Was ihr benötigt

Ich habe meine Färbeutensilien in der Brockenstube geholt. Natürlich könnt ihr euch das Zeug auch neu kaufen, aber da ihr die Materialien ohnehin nicht mehr für Nahrungsmittel verwenden könnt, ist das eine gute Option. Ihr benötigt eine grosse Pfanne, in der das Färbegut ungehindert schwimmen kann. Ebenfalls habe ich mir einen Thermometer geholt, den ich ins Wasser stellen kann, ein paar kleine Gefässe und ein paar kleine Schälchen.

Schritt für Schritt

Wascht euer Färbegut vor. Ich lasse den Stoff immer im Wasser liegen, bis ich ihn benötige.

Löst ca. 1.5 – 2 % (auf das trockene Gewicht des Färbeguts gerechnet) Farbe in warmem Wasser auf. Ich lasse mir hier Zeit, um alle Farbpartikel aufzulösen.

Wasser in der Pfanne aufwärmen auf ca. 85°C.

Nun die aufgelöste Farbe in die Pfanne geben und gut umrühren. Auch hier nehme ich mir nochmals Zeit, um sicherzugehen, dass die Farbe gut aufgelöst ist.

Jetzt kommen alle zu färbenden Zutaten in den Topf. Immer gut rühren.

Um die Farbe zu fixieren, gebt ihr noch etwas Essig in den Topf (ca. 1 EL). Auf keinen Fall direkt auf den Stoff geben. Den Essig könnt ihr auch vor der Farbe in den Topf geben.

Versucht die Farbe wirklich zu «erschöpfen», d.h. dass möglichst alle Farbpartikel vom Stoff aufgenommen werden. Dazu könnt ihr noch etwas Essig dazugeben.

Wenn ihr mit dem Ergebnis zufrieden seid, könnt ihr das Färbegut aus dem Färbebad nehmen. Wascht das Ganze mit lauwarmem Wasser aus, bis keine Farbe mehr aus dem Stoff rinnt. Ich habe schon Personen gesehen, die ihr Färbegut in der Pfanne abkühlen lassen, das habe ich aber noch nie ausprobiert.

Häufige Fehler beim Färben

Zu kleinen Topf benutzt

Der Stoff muss seine Freiheit haben, damit er die Farbe gleichmässig aufnimmt.

Die Farbe nicht richtig aufgelöst

Das hat wunderbare Flecken ergeben. Ich habe die Farbpartikel im Bad von blossem Auge nicht mehr sehen können, aber sie waren noch da.

Die blauen Farbpartikel der verwendeten Farbe waren nicht richtig aufgelöst.

Im Farbmix sind die Partikel kaum zu erkennen.

Nicht rühren

Wenn nicht regelmässig gerührt wird, gibt es hässliche Striemen. Wo das Wasser wärmer ist, reagiert die Farbe schneller als dort, wo es kälter ist. Rühren ist wichtig.

Das Farbergebnis ist nicht gleichmässig.

Mischung nicht auf der richtigen Temperatur

Bei 85°C habe ich die besten Resultate erhalten. Zu kalt und die Farbe reagiert nicht schön, zu warm und der Stoff leidet.

Essig direkt auf das Färbegut geben

Hässliche Striemen zum Zweiten, weil der Essig die Farbe fixiert.

Farbe nachgeben, wenn das Färbegut schon im Topf ist

Nicht jedes Substrat nimmt die Farbe gleich gut auf. Powernet und nylonbeschichtete Ringe und Schieber nehmen die Farbe langsamer auf als BH-Futter. Also ist es wichtig, dass ich genau darauf achte, wann ich die unterschiedlichen Materialien aus dem Topf nehme. Falls ich mehr Farbe benötige, nehme ich das ganze Färbegut aus dem Topf, spüle es aus, gebe Farbe im Topf nach und gebe das Färbegut wieder zu.

All dies habe ich auf die harte Tour gelernt. Diesen Dezember habe ich mir jedoch Zeit genommen und jede Farbe, die ich habe, auf den unterschiedlichen Materialien unter den gleichen Bedingungen getestet. Das wird mir in der Zukunft helfen, Dosierung, Zeit und Farbintensität besser zu steuern.

Hier ist das Ergebnis meiner Rot/Orange-Farbtests.

Wenn ihr mehr über diese Testreihe wissen möchtet. Könnt ihr dies auf meinem persönlichen Blog nachlesen.

Viel Spass beim Färben

Nadine

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Kommentare zu diesem Artikel

2 Antworten

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  • Marianne von Allmen

    Liebe NadineWow, so spannend! Vielen herzlichen Dank für deine wertvolle Forschungsarbeit und dass Du Deine Erfahrungen, Tipps und die traumhaft schönen Ergebnisse mit uns teilst. Da steckt offensichtlich viel Zeit, Geduld und Herzblut drin, merci vielmal!Liebe Grüsse Marianne

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