Kreative Artikel zum Thema Nähen

Covern mit der BERNINA L 890, Hintergrundwissen und How-to, Teil 3

Hintergrundwissen zum Covern, Teil 3

Anhand der BERNINA L 890, einer kombinierten Overlock/Cover-Maschine, zeige ich Euch in drei Beiträgen, wie Ihr eine schöne Covernaht nähen könnt. In meiner kleinen Beitragsreihe erkläre ich, welchen Einfluss verschiedenen Einstellungen an der Maschine auf das Stichbild haben, und beantworte häufige Fragen rund ums Covern.  

Image of BERNINA L 890.

BERNINA L 890

Die L 890 ist die revolutionäre Overlock/Coverstich-Combo und perfekt geeignet zum Verarbeiten aller Fäden und Stoffe, speziell von hochelastischen und gestrickten Stoffen. Mit One-Step BERNINA Lufteinfädler ✓ Intuitive Bedienung per Touchscreen ✓ Schnell, präzise & leise ✓ Hergestellt von BERNINA ✓ Zu 100% in der Schweiz konzipiert und entwickelt ✓ 

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In Teil 1 und Teil 2 haben wir uns mit den Feinheiten und Möglichkeiten einer Covernaht befasst. Wir haben anhand des Stichoptimierers an der L 890 geschaut, welche Möglichkeiten es gibt, um eine Naht zu optimieren.

Heute wollen wir herausfinden, was genau der Differential und die Stichlänge für meine Covernaht bedeuten. Um die Hintergründe genau zu verstehen, schauen wir zunächst, was die beiden Parameter beim Nähen einer Covernaht überhaupt machen. 

Covernaht nähen – die Stichlänge

Die Stichlänge müssen wir an jeder Maschine einstellen, egal ob wir mit einer Nähmaschine nähen oder ob wir eine Cover- oder Overlockmaschine verwenden. Die Stichlänge bestimmt immer, wie weit unser Stoff zwischen zwei Stichen nach hinten weg transportiert wird. Ist die Stichlänge kurz, haben wir sehr enge Stiche – je kürzer, desto enger. Darum ist beispielsweise auch bei einer Overlockmaschine die Rollsaumstichlänge immer im niedrigen Bereich.

Haben wir einen langen Stich, ist zwischen den einzelnen Einstichen viel Stoff zu sehen.

Schön der BERNINA L 890 ist, dass wir wie bei allen neuen BERNINAs durch die gelbe Markierung immer genau sehen, wenn wir etwas gegenüber der Standardeinstellung verändert haben.

Die Stichlänge muss grundsätzlich immer an den Stoff angepasst werden. Je feiner ein Stoff ist, desto enger darf der Stich sein, und je gröber, desto weiter. Man würde keine Jeans mit einer Stichlänge von 1 vernähen und keine Seide mit einer Stichlänge von 4.

Grundregeln zum Garn

Ebenso wichtig wie die Art des Stoffes ist aber unser Garn. Wenn wir dickes Garn vernähen, benötigt der einzelne Faden viel mehr Platz in unserer Naht, um zum Liegen kommen zu können, als ein feiner Faden. Darum gilt zuallererst die Regel: Je dicker ein Garn, desto länger der Stich. Und: Je feiner das Garn, desto enger darf der Stich sein.

In der Natur der Sache liegt, dass man eine feine Seide nicht mit einem dicken Decorfaden vernäht, weil die Seide das Garn gar nicht halten könnte. Und ein Jeansgarn würde mit seiner Zugkraft einen feinen Faden zerreissen. Darum passen die Stoff- und Garn-Regel gut zueinander und müssen immer gegenseitig beachtet werden.

Mathematikausflug

Die Stichlänge bestimmt also, wieviel Garn in unsere Naht kommt. Der Einfachheit halber bleiben wir jetzt mal bei einem ganz normalen Overlockgarn, das wir verwenden wollen.

Haben wir eine Stichlänge von 2,5 mm, dann wandert pro Stich …

  • die Stichbreite 2x in unsere Naht (12 mm)
  • plus 4x die Stichlänge bei einer breiten Covernaht (10 mm bei 2,5 mm Stichlänge)

… macht insgesamt eine Garnlänge von 2,2 cm Garn, die wir pro Stich auf dem Greifer benötigen.

Das macht auf einen halben Meter Naht (200 Stiche) insgesamt 4,4 Meter Garn!

Verringern wir die Stichlänge auf z.B. 1,5 mm, haben wir ja immer noch die gleiche Breite durch den Nadelstand und benötigen für die Stichlänge nur noch 6 mm Garn pro Stich. Der Garnbedarf pro Stich beträgt 1,8 cm. Weil wir jetzt aber mehr Stiche haben, nämlich nicht mehr nur 200, sondern 277, benötigen wir nun knapp 5 Meter Garn (4,9 m) auf dem Greifer.

Das hört sich mathematisch an, und das muss auch niemand ausrechnen, aber es geht ums Prinzip, das dahinter steht: Je mehr Garn ich in meiner Naht habe, desto dehnbarer ist die Naht!

Habe ich, vereinfacht gesagt, nur 1 m Garn in der Naht, kann ich die Naht nicht 3 m lang ziehen, weil sie dann reisst. Das hat möglicherweise die eine oder andere schon bemerkt, die ihre Halsausschnitte mit der Nähmaschine und dem normalen Geradstich absteppt.

Unterm Strich bedeutet das auch: Je enger die Stiche, desto dehnbarer die Naht (weil mehr Garn enthalten ist)! Es bedeutet zudem: Nutze ich dehnbares Garn (Bauschgarn), bekomme ich eine noch höhere Dehnbarkeit.

Stichoptimierer

Im Stichoptimierer der BERNINA L 890 gibt es den Punkt „Kettengreiferfaden bildet Schlingen auf der Unterseite“. Als Lösungsansatz wird vorgeschlagen: „Stichlänge erhöhen“. Warum? Weil sich dann die Mehrlänge Garn, die aktuell offensichtlich zu Schlingen führt, dann auf mehr Nahtlänge verteilt!

Wenn wir beginnen, in Nahtlänge vs. Garnmenge zu denken, machen wir uns freier von der Fadenspannung und gehen logischer mit dieser um.

Bevor wir nun im Stichoptimierer Stichlänge und Differential zusammenbringen, schauen wir aber erst, was der Differential macht.

Covernaht nähen – der Differential

An der L 890, wie eigentlich allen anderen Kombimaschinen, haben wir zwei Transporteure. Genau – zwei Transporteure! Einen vorderen und einen hinteren. In Einstellung 1 bewegen sich beide Transporteure in der gleichen Geschwindigkeit:

Verändert man nun diese Geschwindigkeit dahingehend, dass sie nicht mehr die gleiche Geschwindigkeit haben, laufen sie differenziert. Soviel zum Wort.

Gehen wir in den Bereich über 1, wird ein Transporteur langsamer. Ich sage hier gern „der hintere“, weil man es sich so einfacher merken kann. Technisch steht mehr dahinter, aber wir wollen ja kein Studium machen, sondern alles einfach anwenden können. Wird ein Transporteur langsamer, staucht sich dazwischen der Stoff, er wird zusammengeschoben. Diese Funktion nutzt man, wenn man kräuseln möchte, z.B. auf der Overlock, oder auch wenn dehnbare Stoffe gewellt rauskommen. Man schiebt sie zusammen. Somit werden sie wieder glatt, bzw. je nach Stärke des Zusammenschubs können sie sich kräuseln.

Geht man in den Bereich unter 1, wird ein Transporteur schneller. Dadurch wird der Stoff unter dem Füsschen gestrafft, auseinandergezogen.

Diese Funktion wird gern genutzt, wenn man z.B. im Overlockbereich den gewellten Rollsaum machen möchte. Die Nahtlänge wird vergrössert/verlängert, dadurch passen mehr Stiche drauf. Kommt hinterher alles unter dem Füsschen hervor, „weiss“ die ganze Garnmenge nicht, wohin sie soll, und beginnt sich zu wellen. Eigentlich alles reine Wissenschaft. Die Nahtlänge ist verlängert und bleibt somit nicht in der Länge liegen, sondern geht nach oben und unten, wellt sich.

Differential im Zusammenhang mit Stichlänge

Bringen wir nun Differential und Stichlänge zusammen, bedeutet das konkret:

Gehen wir mit dem Differential nach oben, in den Bereich über 1, wird unser Stoff zusammengeschoben. Kommt er aus dem Fuss wieder raus, springt er ein wenig auseinander. Somit muss sich die Garnmenge, die eigentlich für den kürzeren Stich vorgesehen war, auf mehr Nahtlänge verteilen. Das bedeutet, die Dehnbarkeit wird eingeschränkt. Habe ich diese Veränderung des Differentials eingestellt, weil mein Stoff vielleicht gewellt war, habe ich nun zwar möglicherweise keine Wellen mehr, aber ich habe auch deutlich weniger Dehnbarkeit in meiner Naht. Wieviel weniger die Naht dehnbar ist, hängt massgeblich davon ab, wieviel ich den Differential verstellt habe.

Ist die Dehnbarkeit nun zu gering, laufe ich Gefahr, dass meine Naht reisst. Hier kann ich entweder Abhilfe schaffen über mehr Garn/engere Stiche, oder ich lasse alle Einstellungen so wie sie sind, und nutze Avalon Film. Hierüber haben wir in Teil 2 dieser Beitragsreihe gesprochen.

Gehen wir in den Bereich unter 1, wird unser Stoff wellig – möglicherweise. Aber durch das Auseinanderziehen des Stoffes beim Nähen erhöhen wir, ähnlich wie im Rollsaum, auch die Nahtlänge, und damit die Garnmenge in der Naht.

Statt also den Differential zu nutzen für eine grössere Dehnbarkeit, würde ich dann lieber den Hebel „engerer Stich“ nutzen.

Bleibt zum Schluss die Frage: Nutze ich den Differential beim Covern?

Selten. Wenn ich z.B. in Kurven gehe, nehme ich ihn gern runter, unter 1. Dadurch geht mehr Garn in die Naht, und die Rundung liegt schöner. Allerdings mache ich immer (!) erst eine kleine Nahtprobe, und schaue mir genau an, wie sich Stoff und Einstellung vertragen.

Im Bild unten Beispiel ist die innere Kurve mit gleichmässigem Differential genäht.

Bei der äusseren Kurve habe ich gleichmässig angefangen. Ab da, wo ich in die Kurve ging, hab ich den Differential runtergesetzt, die Rundung genäht (mit jetzt lang gezogener Naht), und nach der Kurve den Differential wieder auf gleichmässig gestellt. Hinter dem Fuss ist der Stoff etwas zurückgesprungen. Wir haben dadurch – durch das Mehrgarn – nun eine viel gleichmässigere Naht in der äusseren Kurve als bei der inneren Kurve mit gleichmässigen Differential:

Hier ein Nahtausschnitt in gross. Man sieht, die äussere Naht ist glatter:

Arbeite ich mit den Umschlagern und habe den Rock z.B. leicht ausgestellt, gehe ich mit dem Differential ein wenig in die Höhe. Dadurch wird die ausgestellte Mehrlänge ein wenig eingehalten, und passt somit perfekt an meinen Saum. Aber auch hier gilt: Stoff und Einstellung prüfen.

Covernaht trennen – Freebie-Onlinekurs

Wichtig beim Covern ist immer zu wissen, wie kann ich die Naht schnell trennen, wenn es mal nicht gepasst hat. Dafür haben wir hier ein tolles Videotutorial als Freebie:

Covernähte schnell trennen oder sichern

Eine Covernaht lässt sich ganz leicht in 20 Sekunden trennen! Im Video seht Ihr, wie das geht. 

Eure Manu

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Kommentare zu diesem Artikel

2 Antworten

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  • Myriam Schweingruber

    Ich liebe diese Anleitungen und habe sehr viel zum Covern gelernt, was ich natürlich auch auf meiner nicht-Bernina-Cover beherzigen werde. Danke! Deine Kurse sind wirklich unschlagbar, habe mir schon 2 andere abonniert auf deiner Seite.Ich glaube, ich muss mal wieder anfangen zu sparen… Preislich sieht es ja bei der L890 ungefähr gleich aus wie bei der B590 die ich gerade gekauft habe. Das wird wohl dauern… würde aber definitv Platz schaffen, eine Ovi und eine Cover nehmen ja ganz schön Platz weg

    • Manu Städter

      Liebe Myriam

      hab lieben Dank für Dein Kompliment, das freut mich sehr. Ja, eine Kombimaschine hat definitiv Vorteile…. Viel Spaß beim nähen, und eine schöne Adventszeit

      Manu

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