Kreative Artikel zum Thema Quilten

Aus dem Nähkästchen geplaudert mit Julia von “finefabric”

Über die Video-Reihe “Im Quilt-Fokus”, die hier auf Youtube zu sehen ist, sind wir auf Julia von “finefabric” aufmerksam geworden. Das Video zeigt sie im Gespräch mit Friederike vom Quilt-Kollektiv. Das war so spannend und sympathisch anzuhören, dass wir Julia flugs gefragt haben, ob sie auch für ein Interview im BERNINA Blog zu haben wäre. War sie! Deshalb dürfen Euch die leidenschaftliche Quilterin hier und heute vorstellen. Was sie von English Paper Piecing hält, wie sie Patchwork und Quilting mit Bekleidungsnähen verbindet, welches Nähwerk sie gerade nicht herzeigen will – all das  und noch mehr erfahrt Ihr im Interview unten.

Interview mit Julia von “finefabric”

Liebe Julia, erzähl mal, wer bist Du und was machst Du so?
Ich bin Julia, komme aus dem südlichen Zipfel Deutschlands und nähe seit ca. neun Jahren. Ich bin kreativ, ein bisschen chaotisch, habe immer mehr Ideen im Kopf, als sich in meiner freien Zeit umsetzen lassen, und liebe die Möglichkeiten, die mir das Nähen bieten. In meinem Beruf als Sozialpädagogin sind Erfolge oft nicht so leicht zu erkennen. Beim Nähen ist das anders, und das liebe ich sehr.

Du gehörst zu denjenigen, die sowohl Bekleidung nähen als auch quilten. Womit hast du angefangen? 
Wie so viele Mütter habe ich meine Nähreise mit Pumphosen begonnen. Schnell habe ich angefangen, Blogs zu lesen und bin so zu Patchwork und zum Quilten gekommen. Die meisten Dinge habe ich mir dann über lange Zeit selbst beigebracht. Mit dem Nähen von Kleidung habe ich angefangen, weil ich immer wieder frustriert von Einkaufsbummeln zurückkam und dachte, es müsse doch möglich sein, wirklich zu mir passende Mode zu tragen. Eigentlich passen die wenigsten Frauen in Universalgrössen. Warum also nicht einen anderen Weg gehen?

Bist du heute eher Quilterin oder Bekleidungsnäherin? Was fasziniert dich an den beiden Bereichen?
Mein Herz gehört dem Quilten. Ich liebe es, passende Stoffe auszusuchen, ein Muster zu finden und dann ein Top zu nähen. Wenn ich mir es aussuchen könnte, würde ich gerne den zeitaufwendigen Akt des Heftens weglassen :-). Das Quilten hingegen macht mir immer wieder grosse Freude. Beim Nähen eines Quilts fühle ich mich frei, bin ganz ich. Ausserdem mag ich die Gemeinschaft der Quilterinnen sehr. Über diese haben sich inzwischen Bekanntschaften und Freundschaften entwickelt, die ich nicht missen möchte. Zum Bekleidungsnähen kam ich mehr aus Frustration als aus Begeisterung. Inzwischen macht es mir aber auch grosse Freude, weil ich dann eben Dinge trage, die im besten Fall wirklich zu mir und meinem Körper passen. Quilten und Kleidung: Beides hat Platz unter meiner Nähmaschine, aber mein Herz gehört nun mal den Quilts!

Wie entstehen deine Designs?
Seit einiger Zeit beschäftige ich mich sehr mit Improv, also mit Quilts ohne festes Muster. Den Prozess finde ich unglaublich bereichernd. Meistens entsteht eine Idee plötzlich in meinem Kopf, inspiriert von einem Stoff, einer Form, einer Gegebenheit. Dann suche ich mir Stoffe aus und beginne. Das Schöne an der Improvisation ist, dass es kein Richtig und kein Falsch gibt. Alles ist möglich.

Lässt du dich von bekannten Quilterinnen inspirieren? Wenn ja, von welchen und warum?
Ui, die Liste ist zu lang und wäre sicher unvollständig, wenn ich hier Namen nennen würde. Grundsätzlich mag ich moderne Designs, gerade Linien. Viele bekannte Quilterinnen haben einen individuellen, unnachahmlichen Stil. So etwas mag ich sehr.

Was meinst du, warum gibt es so viele Quilterinnen, die sich nicht ans Bekleidungsnähen trauen?
Ich glaube, das hat zwei Gründe. Zum einen gehen viele davon aus, dass das Nähen von Kleidung etwas völlig anderes ist als das Nähen von Quilts. Zum anderen muss ein Quilt nicht zum eigenen Körper passen. Er muss einfach schön sein. Es ist ein bisschen wie bei Schuhen. Die passen meistens, ganz egal, ob Du Konfektionsgrösse 34 oder 44 trägst. Ich hingegen glaube, dass man beim Quilten alles lernt, um sich fantastische Kleidung zu nähen. Akkurat und präzise zu arbeiten, Geduld und den Umgang mit komplexen Anleitungen.

Bei uns im Blog lesen viele Anfängerinnen und Anfänger mit. Hast du einen Tipp für diese – wie steigt man am besten in die Nähwelt ein?
Es ist wie mit dem Laufen lernen: Losgehen, hinfallen, wieder aufstehen. Ich glaube, man muss einfach anfangen und nicht aufgeben, wenn die Nähte anfangs nicht gerade sind und das Endergebnis nicht ganz den Erwartungen entspricht. Auch erfahrenen Näherinnen gelingt nicht alles, und mit jedem Stück wird man ein bisschen besser.

Das Quilten hat in Deutschland und der Schweiz nicht den gleichen Stellenwert wie in den USA. Denkst du, dass es im deutschen Sprachraum bekannter werden muss? Wie könnte das gelingen?
In Deutschland fehlt uns die Quilttradition und damit auch die grosse Gemeinschaft, wie es sie zum Beispiel in den USA gibt. Dort gehören Quilts zum Alltag. Ich würde mir wünschen, dass wir im deutschsprachigen Raum selbstbewusster wären und uns gegenseitig mehr unterstützen würden. In den letzten Jahren habe ich den Eindruck, dass die deutsche Quiltszene bereits deutlich gewachsen ist und mehr für sich wirbt. Wir müssen uns vernetzen und selbstbewusst erzählen, dass wir Quilts nähen und eben keine «Decken», wie so viele denken!

Du machst beim Quilt-Kollektiv mit, nicht wahr? Was verfolgt das Quilt-Kollektiv für Ziele?
Das Quilt-Kollektiv hat es sich zur Aufgaben gemacht, deutschsprachige Quilter zu unterstützen, für das Quilten zu werben und eine Plattform zu bieten, in der man mehr über die Mitglieder, neue Trends und Techniken lernen kann. Das ist eine Idee, die ich sehr liebe! Ich habe mich sehr gefreut, als ich gefragt wurde, ob ich nicht auch etwas beitragen wolle und haben neben anderen Quilterinnen die Chance genutzt, etwas über mich beim Quilt-Kollektiv zu erzählen.

Hast du unter deinen bisherigen Arbeiten ein Lieblings-Projekt?
Ein Lieblingsprojekt? Nein, ich glaube nicht. Es ist einiges entstanden, das ich sehr mag. Ganz aktuell habe ich mir einen Parka genäht, auf den ich sehr stolz bin. Und ich liebe jeden meiner Improvquilts.

An welchem Projekt arbeitest du momentan? Dürfen wir auch was davon sehen?
Ich arbeite gerade an einem Landschaftsquilt, an dem ich zuletzt völlig verzweifelt bin. Der gesamte Quilt sollte per Hand genäht werden, als entspanntes Langzeitprojekt. Nun. Ich erspare Euch Details und Bilder, aber die Sache ging völlig schief. Jetzt entsteht in meinem Kopf die Idee, den Quilt per Improv zu nähen. Mal sehen, ob mir das Projekt im zweiten Anlauf gelingen wird…

Auf deinem Instagram-Account und in einem Gastbeitrag auf dasquiltkollektiv.de haben wir einen Quilt Coat von Dir gesehen. Was hat es damit auf sich?
Ich hatte den Wunsch, meine Begeisterung für Quilting mit Kleidung zu verbinden. In den USA ist dies schon länger Trend und ich habe mich inspirieren lassen. So ist der Wunsch nach einem Quilt Coat entstanden. Derzeit plane ich eine neue Frühlingsversion. Mal sehen, wann ich diesen zeigen kann….

Hast du Tipps und Tricks für diejenigen, die sich mal an so einen Quilt Coat ranwagen wollen? Worauf muss man besonders achten?
Abgesehen von den wenigen Nähten, die zur Fertigung einer Jacke nötig sind, arbeitet man einen Quilt Coat in grossen Teilen wie einen üblichen Quilt. Ich finde es wichtig, weiche Stoffe zu benutzen und die einzelnen Teile nicht zu stark zu quilten. So ist die Jacke angenehm zu tragen und nicht zu steif.

Wie entscheidest du über Stoff und Farbe?
Meist entsteht in meinem Kopf eine Idee, ein Bild des Quilts, wie er einmal aussehen soll. Mit Hilfe von Farbkarten suche ich nach den richtigen Farbnuancen und Kontrastfarben.

Nähst Du Deine komplette Garderobe selbst oder gehst Du auch mal shoppen?
Ich würde sagen, ich nähe 80% meiner Kleidung selbst. Bei Strümpfen, Unterwäsche und Co gehe ich noch immer shoppen, aber ich finde einen Stoffladen immer viel spannender als jeden Klamottenladen.

Wohin soll Deine kreative Reise noch gehen?
Es gibt keinen Plan. Ich bin gespannt, wohin mich meine kreative Reise noch führen wird!

Aus eigenem Interesse: Wir glauben, Du nähst mit BERNINA. Stimmt’s? Magst Du Deine Maschine? 🙂
Ich liebe sie! Seit einigen Jahren nähe ich auf meiner kleinen, aber feinen BERNINA 350 PE. Ich träume von einer BERNINA mit einem grösseren Durchlass, aber bisher hat meine Maschine bei allen meinen Nähprojekten grossartige Dienste erwiesen.

Image of BERNINA 350 PE.

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Hast Du ein Lieblingszubehörteil von BERNINA?
Schwierige Frage. Nein, ich glaube nicht. Ich mag die Vielfalt der Nähfüsse. So finde ich für jeden Nähschritt das richtige Utensil.


Fun facts 

Musik oder Hörbuch beim Nähen? Was steht gerade auf deiner Playlist?
Sowohl als auch. Ich mag ruhige Musik beim Nähen, gerne Soul oder Jazz. Im Moment höre ich auch gerne Hörbücher, wie die historischen Romane von Rebecca Gable.

Lieblingsort?
Südengland. Mein “place to be”.

Da will ich unbedingt einmal hin:
Ich würde gerne eine Weile umherreisen. Irgendwohin und immer weiter.

Wäschst Du Stoffe vor dem Nähen?
Patchworkstoffe wasche ich nie, Bekleidungsstoffe immer.

Stoffe lieber gemustert oder unifarben?
Uni.

Youtube oder Instagram – oder ganz was Anderes?
Definitiv Instagram.

Derzeitiger Lieblingsstoff? All-time Favorite?
Solids. Und die Stoffe von Ruby Star Society. Obwohl sie alles andere als Uni sind, liebe ich sie sehr für Quiltrückseiten.

Dein Superheld / deine Superheldin?
Meine Familie. Mit viel Geduld und Humor ertragen sie die Stoffreste, Fäden und verlorenen Nadeln, die sich oft überall verteilen.

Gibt es eine Nähtechnik, die Du nicht magst?
English Paper Piecing ist mein Grauen.

Auftrennen oder «ach, egal»?
Je nachdem. Meistens auftrennen.

Wohin mit all den Stoffen?
Im Vergleich zu anderen ist mein Stoffvorrat relativ klein. Ich versuche nur nach Bedarf zu kaufen. Insofern habe ich auch wenig Probleme mit der Lagerung.

Durchschnittliche Verweildauer in Stoffgeschäften?
Zu lang.

Ordnung im Nähzimmer oder organisiertes Chaos?
Definitiv Chaos.

Diesen Näh-Fehler mache ich nie mehr:
Unter Zeitdruck nähen. Das führt meist zu einer Katastrophe.


Mehr Informationen über Julia

Auf Julias Social Media Kanälen erfahrt Ihr mehr über sie und ihre tollen Projekte:

Instagram: www.instagram.com/finefabric/

YouTube: www.youtube.com/watch?v=tm9mhO2vcPk


Wir werden weiterhin Interviews mit Näh-, Stick- und Quiltpersönlichkeiten im Blog publizieren. Fällt euch eine Person ein, von der ihr gerne mehr wissen würdet? Dann teilt uns deren Namen gerne in den Kommentaren mit.

Liebe Grüsse
Maria

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