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Göttinnen des Jugendstils

Wie bereits in den Ausstellungstipps Januar 2022 angekündigt, zeichnet die grosse Sonderausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’, die das Badische Landesmuseum im Karlsruher Schloss in Kooperation mit dem Allard Pierson Amsterdam und dem Braunschweigischen Landesmuseum noch bis zum 19. Juni 2022 präsentiert, das Portrait einer faszinierenden Zeit, schildert Kunst-, Konsum- und Lebenswelten der modernen Frau um 1900 und bietet auch den Künstlerinnen selbst eine Bühne.

Plakat ‘Göttinnen des Jugendstils’
© Badisches Landesmuseum
Grafik: Danica Schlosser
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Um 1900 erobert der Jugendstil – so nach der 1896 gegründeten Münchner Kulturzeitschrift ‘Jugend’ benannt – das bürgerliche Europa.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Ausstellungsansicht: Titelseiten der Zeitschrift ‘Jugend’, Detail
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Er war eine internationale Kunstbewegung, die als französische Art Nouveau oder Wiener Secession eigene Ausdrucksformen fand. Höhepunkt war die Weltausstellung in Paris im Jahr 1900, die als Meilenstein in der Entwicklung des Jugendstils gilt.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Georg Klimt: Relief mit Frauendarstellung
Wien, um 1900, Wiener Secession
Weissblech
Badisches Landesmuseum
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Die fliessenden, schwingenden Linien sind sein Leitmotiv, die zusammen mit den dekorativen floralen Ornamenten von Natur- und Pflanzenmotiven hergeleitet und stilisiert werden.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Koloman Moser: Umschlag für die Zeitschrift ‘Ver sacrum’
Wien, April 1899
Allard Pierson, Sammlungen der Universität Amsterdam
© Allard Pierson, Universität von Amsterdam
Foto: Stephan van der Linden, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Vor allem Architekten, Künstler*innen, Kunsthandwerker*innen und Modeschöpfer*innen wenden sich mit dieser Stilbewegung gegen den vorherrschenden Historismus und die als seelenlos empfundene Industrialisierung. Er verleiht Fassaden wie Wohnungen lebendigen Charme. 

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Ausstellungsansicht
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Auch Frauen sind ein charakteristisches Motiv des Jugendstils und stehen im Zentrum vieler künstlerischer Darstellungen. Feen oder Naturgöttinnen bilden als positiv besetzte Figuren den einen Part.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Max Blondat: Le Tourbillon (dt. Der Strudel)
Guss durch die Giesserei Siot-Decauville, Paris, ca. 1902–1903
Bronze, vergoldet
Stitching Gifted Art, Rotterdam
© Stitching Gifted Art, Rotterdam
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums
Tafelaufsatz, der eine Frau zeigt, die einem Strudel entsteigt, während alle Männer um sie herum ertrinken. Trophäe einer Wasserball-Mannschaft.

Als meisterhaftes Beispiel für die naturmystische Verklärung gilt die Büste ‘La Nature’, die vom tschechischen Künstler Alfons Mucha (1860-1939) für die Pariser Weltausstellung 1900 erschaffen wird und auch das Ausstellungsplakat ziert. Ihnen stehen dunkel-sinnliche Darstellungen wie die der männermordenden Medusa oder von kampfbereiten Amazonen gegenüber. 

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Aubrey Beardsley: One of the Spirits (Act II)
Illustration für Pall Mall Budget, Amsterdam, 16. März 1893
Feder und Tusche auf Papier
Allard Pierson, Universität von Amsterdam
© Allard Pierson, Universität von Amsterdam
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Hier kommt die Reflektion gesellschaftlicher Konflikte zum Ausdruck, die Umbrüche und Widersprüche dieser Zeit, in der wissenschaftliche Erkenntnisse oder neue philosophische oder religiöse Ansätze das bisherige Menschenbild in Frage stellen.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Sir Edward Burne-Jones und William Morris: Der Pilger im Garten oder das Herz der Rose
Wirkteppich
Entwurf: London, vor 1896, Ausführung: Merton Abbey, London, 1901
Unikat, Wolle, Baumwollkette, Seide, gewirkt, gestickt
Badisches Landesmuseum
© Badisches Landesmuseum
Foto: Th. Goldschmidt, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Eine junge Generation von Künstler*innen beginnt, Mensch und Gesellschaft in ihren Werken zu reflektieren. Die Femme fatale bietet ebenso Inspiration wie Frauen aus Legenden oder Mythologie. So versinnbildlichen nackte, sinnlich inszenierte Frauenkörper ein wachsendes Verlangen nach körperlicher Freiheit und mystische Wesen den Wunsch nach spiritueller Erhöhung. Die Gestalten spiegeln die gesellschaftlichen Gegensätze, die Faszination für die Natur ebenso wie für die Dekadenz.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Franz von Lenbach: Schlangenkönigin
München, 1894
Öl auf Leinwand
Privatsammlung
© Privatsammlungen
Foto: Ingo Bustorf, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Obgleich Kunst und Realität von Männern dominiert werden, gelingt es Frauen zunehmend, sich unabhängiger zu machen, sie ergreifen Berufe und treten als gefeierte und anerkannte Künstlerinnen in Erscheinung. Um 1900 pulsiert das Leben in modernen Grossstädten. Theater, Varieté, Kino, Café bieten Unterhaltung, Strassenlaternen, die ‘Elektrische’ und Metro verändern das Stadtbild. Erste Kaufhäuser machen für ein kaufkräftiges Publikum den Konsum zum Erlebnis.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Ausstellungsansicht
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

In der aufblühenden Werbewelt werden Frauen zu Ikonen stilisiert, sie zieren Luxusprodukte wie Alltagsgegenstände und schmücken vor allem Werbeplakate, die durch neue Drucktechniken weite Verbreitung finden.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Manuel Orazi: La Maison moderne
Paris, 1900
Lithografie, J. Minot, Paris
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Ein neuer moderner Lifestyle hält Einzug. Produkte, die einen Hauch von Luxus versprechen, werden beliebt, wie z.B. Glas und Keramik sowie vor allem die Silber- und Metallwaren, die durch Serienproduktion erschwinglich sind.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Ausstellungsansicht
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Bildende und angewandte Kunst verschmelzen miteinander und wie bei der Arts and Crafts-Bewegung sollten die Produkte zugleich schön, zweckmässig und handwerklich solide sein. Auch hier ist die Bildsprache eng mit Frauendarstellungen verbunden: Ihre idealisierten Körper und ihr wallendes Haar zieren dekorative Produkte wie Vasen oder Leuchter.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Achille Gamba (Entwurf): Kerzenhalter-Paar
Württembergische Metallwarenfabrik (WMF), Rotterdam, um 1900
Zinn, versilbert, Stitching Gifted Art, Rotterdam
© Stitching Gifted Art, Rotterdam
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Idee der ‘neuen Frau’ kommt auch über die Plakate zum Ausdruck: sie treibt Sport, liest Zeitung und raucht Zigaretten. Dies soll selbstverständlich auch den Konsum anregen, auch Frauen sollen Kundinnen werden.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Ausstellungsansicht
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Eigens für diese Zielgruppe werden Schmuck und Accessoires entworfen. Motive aus der Pflanzen- und Tierwelt, fantasievolle Fabelwesen, aber auch Frauendarstellungen oder geometrische Formen zieren die Schmuckstücke.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Hugo Schaper: Anhänger ‘Frühlingserwachen’
Berlin 1902
Landesmuseum Württemberg, Stuttgart
© Badisches Landesmuseum
Foto: ARTIS – Uli Deck, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Als einer der bekanntesten Schmuckkünstler feiert René Lalique (1860-1945) bei der Weltausstellung in Paris grosse Erfolge, aber auch Pforzheim ist ein wichtiger Produktionsort.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
René Lalique: Halsschmuck ‘Heuschrecken’
Paris, 1900 – 1902
Gold, Emaille, Brillanten
Museum August Kestner, Hannover
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Weltstars wie die Tänzerin Loïe Fuller (1862-1928) …

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Ausstellungsansicht: Mit meterlangen Seidenstoffen wirbelte die Tänzerin Loïe Fuller über die Bühne, entwickelte neuartige Choreografien und war die Erste, die mit elektrischem Licht und farbigen Projektionen auf der Bühne arbeitete.
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

… oder die Schauspielerin Sarah Bernhardt (1844-1923) stehen auf den Bühnen der Welt, verzaubern das Publikum und erhalten nicht zuletzt durch die allgegenwärtige Plakatkunst namhafter Jugendstil-Künstler wie Alfons Mucha den Status lebender Ikonen.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Ausstellungsansicht:Sarah Bernhardt brillierte in klassischen Dramen, vor allem in Männerrollen. Sie pflegte ein Image als Femme fatale. Sie vertrieb ihre Fotografien auf Postkarten und engagierte Alfons Mucha für ihre Werbeplakate – hier im Bild.
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Thematisiert wird in der Ausstellung jedoch nicht nur die Lebenswelt der modernen Frau. Kaum Widerhall in den künstlerischen Darstellungen finden die realen, häufig von Repressionen geprägten Lebensumstände vieler Frauen um die Jahrhundertwende. Und das, obwohl die aufkeimende Frauenbewegung – Frauen organisieren sich erstmals in Vereinen – nach Bildung und Berufstätigkeit, gesellschaftlicher Teilhabe und politischer Mitsprache verlangt. Letztere bleibt ihnen zunächst verwehrt, erst 1918 erhalten sie in Deutschland das Wahlrecht. In Karlsruhe jedoch wird 1893 das erste Mädchengymnasium Deutschlands eröffnet und erste Studentinnen schreiben sich an den Universitäten von Freiburg und Heidelberg ein. Dieses neue Selbstbewusstsein findet auch Ausdruck in neuartigen Objekten: vom Damenfahrrad bis hin zur (Freizeit-)Kleidung.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Ausstellungsansicht
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Trotz schwieriger Voraussetzungen wagen sich Frauen als freischaffende Künstlerinnen auf den Kunstmarkt, wie z.B. die heute nur noch wenig bekannte Malerin Julie Wolfthorn.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Titelblatt der Zeitschrift ‘Jugend’, Detail
Entwurf: Julie Wolfthorn
München, November 1897
© Allard Pierson, Sammlungen der Universität von Amsterdam
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Wie viele andere Jugendstil-Künstlerinnen steht sie im Schatten der männlichen Kollegen und hat mit Benachteiligungen zu kämpfen. Die Ausstellung stellt verschiedene Lebenswege vor und will damit auch jenen Künstlerinnen eine Bühne bieten, die in Forschung und Museen bislang wenig präsent sind.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Julie Wolfthorn: Das Mädchen mit blaugrünen Augen (Waldhexe), um 1899
Öl auf Leinwand
The Jack Daulton Collection, Los Altos Hills, Kalifornien, USA
© The Jack Daulton Collection, Los Altos Hills, Kalifornien, USA
Foto: Don Tuttle, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Oftmals sind Frauen in der angewandten Kunst tätig. Gezeigt werden Werke der bedeutenden Keramikerin Jutta Sika, die zwar z.B. für die Wiener Werkstätte Entwürfe liefert, aber nicht mit eigenem Namen signiert.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Jutta Sika: Tee- und Kaffeeservice Dekor 501
Wien, 1901 – 1902
Porzellan
Badisches Landesmuseum Karlsruhe
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Änne Koken ist eine der ersten Werbegrafikerinnen Deutschlands, die Firmenzeichen, Reklame und Verpackungen entwirft und das Corporate Design für bis heute existierende Firmen wie Bahlsen oder Appel Feinkost entwickelt. Auch Entwürfe für schlichte, aber dekorative Reformkleidung entstehen in ihrem Atelier.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Blick auf Reklame-Aufsteller für Appel Feinkost, Änne Koken, Hannover, 1909 (li)
Pappe
Privatsammlung
© Badisches Landesmuseum
Blechdose für Bahlsen-Kekse, Änne Koken, Hannover, um 1913 (re)
Weissblech
Privatsammlung
© Badisches Landesmuseum
Foto: ARTIS – Uli Deck, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

So wie das Fahrrad zum Vehikel und zugleich zum Symbol der Emanzipation wird, befreien sich die Frauen buchstäblich von alten Korsetts, die zugunsten von praktischerer und gesünderer Kleidung abgeschafft werden und die Reformkleid-Bewegung in Gang setzen.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Hans Christiansen: Empfangskleid für die Dame des Hauses aus rotem Samt.
Die Modeschöpfer des Jugendstils befreiten die Frauen vom einengenden Korsett, ohne auf ästhetischen Anspruch zu verzichten.
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Als engagierte Befürworterin der Reformkleidung kämpft Emmy Schoch (1881-1968) in Vorträgen, Veröffentlichungen und bei Ausstellungen für modische und gesunde Frauenkleidung. ‘Göttinnen des Jugendstils’ stellt sie als so erfolgreiche Unternehmerin und Modeschöpferin vor, dass ihr Mann seinen Beruf für die Firma aufgibt.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Saaltext zu Emmy Schoch
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Als gelernte Damenschneiderin – wobei der Handwerksberuf noch nicht für Frauen anerkannt ist – eröffnet sie 1906 eine eigene ‘Werkstätte für neue Frauentracht und künstlerische Stickerei’ mit 10 Beschäftigten in der Karlsruher Herrenstrasse, die so rasant wächst, dass die Zahl der Beschäftigten bis zum Ersten Weltkrieg (1914) auf 60 steigt. Die Werkstätte übersteht die beiden Weltkriege, jedoch war die Zeit für massgeschneiderte Modelle 1953 vorbei.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Emmy Schoch: Oberteil eines Damen-Teekleides
Karlsruhe, 1911 – 1913
Seide
Badisches Landesmuseum Karlsruhe
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Mit phantasievollen Kreationen und schlichten Typenkleidern feiert Emmy Schoch zunächst grosse Erfolge, was vielleicht auch der Tatsache zu verdanken ist, dass sie nach Mass fertigt, aber manche Modelle auch in drei Grössen anbietet und damit unternehmerisch schon in Richtung Konfektion unterwegs ist. Das Badische Landesmuseum zeigt aus dem eigenen Bestand das Oberteil eines Damen-Teekleides, das um 1911-13 in Emmy Schochs Werkstätte entsteht.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Emmy Schoch: Oberteil eines Damen-Teekleides, Detail
Karlsruhe, 1911 – 1913
Seide
Badisches Landesmuseum Karlsruhe
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

Es entpricht ganz den Forderungen Emmy Schochs, die nicht nur neue Schnitttechniken, sondern auch unter hygienisch-ethischen Aspekten die Verwendung erlesener Materialien propagiert. Zudem plädiert sie für die Annäherung an das zeitgenössische Kunstgeschehen, so dass ihre Werke die ästhetische Welt des Jugendstils verkörpern.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Emmy Schoch: Oberteil eines Damen-Teekleides, Detail
Karlsruhe, 1911 – 1913
Seide
Badisches Landesmuseum Karlsruhe
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

So verzichtet sie bei diesem Teekleid aus Atlasseide der Firma Liberty (London) auf die Wespentaille. Stattdessen ist es ein locker fliessendes Gewand mit seitlichen Schüsselfalten, einer umstrittenen Neuheit und zugleich der Inbegriff des Reformkleids, die auch der Pariser Modeschöpfer Paul Poiret verwendet. Es ist reich mit floralen Elementen maschinell und von Hand mit Seide im Plattstich bestickt und entspricht auch in der Farbwahl ganz dem Zeitgeist des Jugendstils.

Ausstellung ‘Göttinnen des Jugendstils’ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe
Ausstellungsansicht: In der Mitte ein legendäres ‘Delphos’-Kleid des Modeschöpfers Mariano Fortuny (1871-1949). Rechts: Ein Brautkleid, Mannheim, um 1910. Die hohe Taille und der fliessende Schnitt sowie die Zierelemente mit Naturmotiven sind typisch für den Jugendstil.
Foto: Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

‘Göttinnen des Jugendstils’ zeichnet mit den etwa 200 spektakulären Werken aus den Beständen der drei Kooperationspartner sowie vieler Leihgeber die faszinierende und facettenreiche Welt des Jugendstils mit all ihren Ambivalenzen nach. Die Ausstellung lässt erkennen, dass grundlegende Fragen bis heute bestehen und nichts von ihrer Brisanz verloren haben und lädt zum Geniessen, aber auch zum Nachdenken ein. Eine unbedingte Empfehlung!

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Begleitband erhältlich, der zur Amsterdamer Schau erschienen, aber ins Deutsche übersetzt ist.

Zahlreiche Begleitangebote umrahmen die Ausstellung, die auf der Website des Museums ersichtlich sind.

Auch interessant:

Mein Bericht über Jugendstil-Mode und -Architektur in Riga (2012/13) mit vielen Fotos

Info:

18. Dezember 2021 – 19. Juni 2022

Göttinnen des Jugendstils

Badisches Landesmuseum
Schloss Karlsruhe
Schlossbezirk 10
76131 Karlsruhe
Deutschland

www.landesmuseum.de

 

Fotos: © Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Badischen Landesmuseums Karlsruhe (soweit nicht anders angegeben)

Text: Gudrun Heinz unter Verwendung der Presse-Mappe, des Katalogs und der Unterlagen von Frau K. Kokoska (Themenführung Emmy Schoch) sowie der Kuratorin, Frau Dr. E. Kollar – herzlichen Dank an alle Beteiligten für das freundliche Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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Kommentare zu diesem Artikel

5 Antworten

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  • Wiebke Maschitzki

    Liebe Gudrun!Danke für diesen Bericht! Am liebsten: auf nach Karlsruhe!!
    Für uns Patchworker ist der Jugendstil doch auch eine Inspirationsquelle. Einige frei geschwungene Linien können wir doch mittlerweile auch mit dem freien Schneiden herstellen.Schon als junges Mädchen kaufte ich mir ein Buch über den Jugendstil. Dann in späteren Jaren kam ich häufiger nach Worpswede und natürlich zu den Werken von Heinrich Vogeler.Ob man nicht seine legendären Tulpenstühle in einen Quilt zaubern könnte? (dürfte?).Liebe GrüßeWiebke

    • Gudrun Heinz

      halli hallo wiebke,

      ich danke dir vielmals für dein interessantes feedback, über das ich mich sehr freue. ich habe mal recherchiert – einfach so – nach den von dir erwähnten möbelentwürfen. es gibt in worpswede anscheinend eine möbeltischlerei, die speziell auf dem gebiet tätig ist. insofern müsste man, wenn man tatsächlich die motive in einen quilt einarbeiten möchte, vorsichtig sein, um keine urheberrechtsprobleme zu verursachen. lass’ dich davon lieber zu einem eigenen motiv anregen!

      beste grüsse

      gudrun

      • Wiebke Maschitzki

        Liebe Gudrun!

        Nein, keine Bange, das mache ich wohl auch nicht. Aber ist schon beeindruckend, was diese Tischlerei (und auch eine Weberei)  dort mit den Entwürfen von Vogeler anfertigen.

        Liebe Grüße

        Wiebke

  • Birgit Berndt

    Hallo Gudrun,der Jugendstil ist wirklich eine total interessante Kunstrichtung. Hat einen ganz besonderen Reiz, eigenwillig und sehr spannend.Viele GrüßeBirgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,

      ja, da hast du recht. schon allein der name ‘jugendstil’ löst ein besonderes feeling aus und fasziniert bis heute viele fans. irgendwas muss da dran sein 🙂 liebe birgit, ich danke dir sehr für dein feedback zu dieser spannenden ausstellung, in die ich mich richtiggehend (r-)eingearbeitet habe … das war schon mit der jugendstil-mode und -architektur in riga so, aber es sind nun die jahre vergangen und es war mal wieder an der zeit. und die ‘göttinnen des jugenstils’ nehmen auch noch mehr in den blick.

      mach’s gut und bleibe mir gewogen.

      beste grüsse

      gudrun

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