Kreative Artikel zum Thema Nähen

Mantel nähen im angesagten Long-Shacket-Style – Teil 1

Mantel nähen mit warmem Steppfutter

Schon seit längerem wollte ich mir einen Mantel nähen, der dem angesagten Long-Shacket-Style folgt. Kennzeichnend für die Long Shackets sind die Karos. 

Für solche Karomäntel gibt es jede Menge passende Schnittmuster am Markt. 

Da die meisten E-Books und Schnittmuster, die ich im Netz und/oder in Zeitschriften fand, ohne Futter zu nähen sind, zeige ich euch in diesem Beitrag unter anderem auch, wie ihr ganz einfach so einen Mantel füttern könnt.

Natürlich lässt sich diese Technik auch auf andere ähnliche Mäntel und Jacken anwenden.

Mantel nähen im Long-Shacket-Style

Mein selbstgenähter Mantel ist jedenfalls richtig kuschelig und schön warm geworden, ein absolutes Lieblingsteil.

Und nun nehme ich euch wieder Schritt für Schritt bei der Entstehung des Mantels mit. Im ersten Teil zeige ich euch, wie der Außenmantel genäht wird. Der zweite Teil beinhaltet dann das Nähen des Futters und die Fertigstellung des Mantels. 

Mantel nähen mit Karos – Stoffe und weitere Zutaten

Ich entschied mich für einen kuscheligen Mantelstoff. Er besitzt eine leicht flauschige Oberfläche und franst nach dem Zuschnitt kaum aus. Aber genauso gut eignen sich auch sogenannte glatte “Deckenstoffe” im Karomuster. Sie halten ebenfalls super warm. Allerdings fransen sie mehr aus und brauchen beim Vernähen schon ordentlich Power. Je nachdem für welche Stoffart ihr euch entscheidet, empfehle ich den Mantelstoff vorzuwaschen, sofern euer Mantelstoff waschbar ist. Als Futterstoff diente mir ein leicht wattierter Steppstoff. Ansonsten könnt ihr euch noch ein paar hübsche Labels zurechtlegen.

Was sonst noch benötigt wird:

  • Stoff- und Papierscheren
  • optional Rollcutter mit Schneidematte und -lineal
  • Stecknadeln und Stoffklammern
  • Handmaß
  • Schneiderkreide, Markierstift etc.
  • Knöpfe (Anzahl abhängig vom Schnittmuster)
  • doppelseitiges Klebeband (z.B. Stylefix)
  • passendes Nähgarn
  • Karton bzw. ein Stück Pappe

Zuschnitt und Vorbereitung des Außenmantels

Schneidet alle Teile eures Schnittmuster mit mindestens 1 cm Nahtzugabe aus. Die bereits dazugegebene Nahtzugabe erleichtert später den genauen Zuschnitt. 

Da das von mir verwendete Schnittmuster über keine Eingriffstaschen verfügt, erstellte ich mir selbst ein Schnittmuster dafür und markierte die Stellen zum Annähen in der von mir ausgemessenen Höhe. 

Nehmt euch beim Zuschnitt des Außenmantels Zeit. Zuerst solltet ihr das Rückenteil zuschneiden. Vor dem Zuschnitt breitet ihr den Karostoff im Bruch so vor euch aus, dass alle Linien der Karos perfekt übereinander liegen. 

Beim Zuschnitt der Vorderteile solltet ihr darauf achten, dass die Linien des Karomantels exakt mit denen des bereits zugeschnittenen Rückenteils übereinstimmen. Legt dazu das vordere Schnittmusterteil so auf euren Stoff, dass alle Achselpunkte genau aufeinandertreffen. 

Schneidet nach dem Zuschnitt der Vorderteile den Bereich eurer Klappentaschen vom vorderen Schnittteil sauber aus. Schmeißt aber das ausgeschnittene Taschenteil nicht weg, denn das wird später noch benötigt. 

Legt nun das Schnittmusterteil wieder passgenau auf die Vorderteile und zeichnet mit einem passenden Stift die Umrisse der Tasche ein.

Ich benötigte aufgrund der unterschiedlichen Farben meines Karostoffs dafür auch zwei verschiedene Hilfsmittel. 

Auch den Zuschnitt der Ärmel richtet ihr nach den Achselpunkten und dem Linienverlauf der Karos aus. 

Schneidet noch alle anderen kleineren Teile, wie Kragen, Taschen, Taschenklappen, Beleg- und Manschettenteile zu. Vergesst auch nicht sämtliche Knipse mit ein paar Millimeter Länge in den Stoff einzuschneiden. 

Mantel nähen – die Klappentaschen

Wir beginnen beim Vorderteil mit dem Aufnähen der Klappentaschen. Versäubert zuerst die Taschenteile rundherum mit der Overlock oder einem passenden Stich eurer Nähmaschine. Danach schlagt ihr die obere Kante entsprechend eurer Nahtzugabe auf die linke Stoffseite um und näht sie mit einem Geradstich fest.


Nehmt nun das zuvor ausgeschnittene Taschenteil, klebt es auf ein Stück Pappe bzw. Karton und schneidet es ohne Nahtzugabe aus. 

Stellt nun eure Nähmaschine mit einem großen Geradstich ein. Hier seht ihr die Einstellungen meiner Nähmaschine. 

Näht nun genau auf der Nahtzugabe um die Rundung herum, ohne den Anfang und das Ende eurer Naht zu sichern. Diesen Vorgang wiederholt ihr auch auf der anderen Seite.

Danach nehmt ihr das aufgeklebte Schnittmusterteil aus Karton und legt es genau auf euer Taschenteil. Zieht anschließend an den Fäden eurer zuvor genähten Hilfsnähte. Dadurch legen sich die Nahtzugaben der Rundungen genau um das Schnittmusterteil. Fixiert die Nahtzugaben um die Rundungen mit einem Bügeleisen. 

Steckt die Nahtzugaben von der rechten Seite mit Stecknadeln fest. Wenn ihr möchtet, könnt ihr noch ein kleines Label entweder an der Seite oder an der unteren Kante fixieren.

Platziert die so vorbereiteten Taschen auf die Markierungen eurer Vorderteile. Verwendet zum Feststecken der Taschen die schon vorhandenen Stecknadeln der fixierten Nahtzugaben.  

Jetzt werden die Taschen auf die Vorderteile genäht. Als Starthilfe diente mir ein kleines Reststück meines Mantelstoffes, das ich mehrfach einschlug.

Als Höhenausgleich legt ihr nun diese Starthilfe genau an die obere Kante eures Taschenteils. Näht dann knappkantig eure Taschenteile auf die Vorderteile fest. Zum exakten Annähen solcher Nähte verwende ich am liebsten den Schmalkantfuss #10D.

Image of Schmalkantfuss # 10.

Schmalkantfuss # 10

Der Schmalkantfuss #10 ist optimal zum Absteppen, Säumen und Verzieren. Durch sein spezielles Führungsblech gelingen mit ihm exakt gerade Nähte.

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Klappen nähen

Für die zwei Klappen eurer Taschen legt ihr nun jeweils zwei Teile rechts auf rechts aufeinander und näht diese zusammen. Lasst dabei eine ca. 3 bis 4 cm große Wendeöffnung an der geraden Seite (siehe senkrechte Stecknadeln). 

Kürzt die Ecken und Nahtzugaben und wendet anschließend die Klappen. 

Danach steppt ihr die Klappen bis auf die obere Kante einmal rundherum knappkantig ab. Zum Start der Naht eignet sich am besten wieder ein passender Höhenausgleich. 

Positioniert nun die Klappen ca. 5 bis 10 mm mittig über eure Taschen. Probiert vor dem Annähen aus, ob ein problemloses Hineingreifen möglich ist. Fixiert dann die oberen Kanten der Klappen mit Stecknadeln und verschließt dabei auch die noch offene Wendeöffnung. 


Mantel nähen – die Eingriffstaschen

Nehmt nun die Teile der Eingriffstaschen und näht diese rechts auf rechts an die jeweils markierten Stellen der rechten und linken Seitennähte gegengleich (siehe Bild) fest. 

Diesen Arbeitsschritt wiederholt ihr auch beim Rückenteil. Achtet dabei darauf, dass die Eingriffstaschen in der selben Höhe wie die Vorderteile angebracht werden . 

Klappt anschließend alle Taschenteile nach außen und steppt diese von der rechten Seite auf der Nahtzugabe fest.

Legt nun Vorder- und Rückenteil exakt übereinander. Steckt alles zusammen und näht genau laut roter Markierung die Seitennähte und Taschenteile in einem Rutsch zusammen. Damit die Öffnungen der Taschen dabei nicht verrutschen, steckt diese ebenfalls genau auf der Nahtlinie zusammen. 

Anschließend werden die Schulternnähte geschlossen.

Kragen, Beleg und Ärmel nähen

Nehmt die beiden Kragenteile, legt sie rechts auf rechts und näht diese zusammen. Schneidet die Nahtzugaben an den Ecken zurück und wendet den Kragen. 

Steppt anschließend die Kanten des Kragens knappkantig ab.

Näht nun den Kragen innerhalb der Nahtzugabe mittig an den rückwärtigen Halsausschnitt an. Achtet dabei darauf, dass der Kragen richtig liegt (Unterkragen/Oberkragen)! 

Jetzt ist auch der richtige Zeitpunkt zum Anbringen eines passenden Aufhängers. Näht diesen mittig auf das Kragenteil, ebenfalls innerhalb der Nahtzugabe an.

Nehmt nun eure Belegteile und schließt die Schulternähte. 

Näht danach den Beleg an euren Mantel an. Legt ihn dazu rechts auf rechts über den Kragen und an die Vorderteile. Kürzt anschließend die Ecken beim Vorderteil und klappt den Beleg nach innen. 

Schließt danach die Ärmelnähte.

Näht anschließend die Ärmel in die Ärmellöcher. Achtet dabei auf die Markierungen für Vorder- und Rückenteil.

Der erste Teil ist erledigt und so sieht nun der Außenmantel aus. Wie ihr seht, fixierte ich den Beleg noch mit Stecknadeln. 

Im zweiten Teil geht es dann weiter mit dem Futter und der Fertigstellung des Mantels. 

Selbstgenähter Mantel im Long-Shacket-Style

In diesem Sinne – stay tuned! Bis demnächst, wenn wir in Teil 2 weiter an unserem Mantel nähen, Janine. 

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Kommentare zu diesem Artikel

7 Antworten

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  • Barbara Christen

    Endlich auf diesem Blog wieder mal ein cooles Schnittmuster. Da ich kein Fan von Quilts bin finde ich nicht oft tolle Schnitte zum Nachnähen. Auf so ein Schnittmuster habe ich schon lange gewartet. Tausend Dank dafür❣️

    • Janine

      Hallo Barbara, herzlichen Dank! Freut mich sehr, dass du durch meinen Beitrag ein tolles Schnittmuster gefunden hast. GlG Janine

  • Silvia Peters

    Mantelstoff vorzuwaschen? Habe ich noch nie gemacht. Wenn es ein Tuch, Wollstoff oder Mischgewebe ist ist das überflüssig oder sogar schädlich. 

    • Janine

      Liebe Silvia! Danke für deinen Kommentar. Da stimme ich dir voll und ganz zu. Aus diesem Grund schrieb ich auch: “Je nachdem für welche Stoffart ihr euch entscheidet, empfehle ich …” Allerdings habe ich nun zur Konkretisierung noch folgenden Halbsatz hinzugefügt: “…, sofern euer Mantelstoff waschbar ist.” Ich denke, damit sollten alle Unklarheiten beseitigt sein. GlG Janine

    • Janine

      Hallo Katja! Diese SM ist Nele von Finas Ideen. Aber ziemlich ähnlich ist auch Rya von Fibre Mood.
      https://finasideenshop.com/products/nele-mantel
      https://www.fibremood.com/de/muster/640-rya-shirt-mantel
      LG Janine

    • Janine

      Gloria von Kibado sieht auch so ähnlich aus.
      https://www.ki-ba-doo.eu/Ebook-Shacket-Gloria-Gr-32-58-Schnittmuster-und-Anleitung-als-PDF-Datei-in-A4

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