Kreative Artikel zum Thema Nähen

Inspiration für ein Männershirt auf der BERNINA L 890

Ein Raglanshirt mit Flachnähten und Binding 

Zeit fürs Sommer-Outfit! Dennis, der zum Courleys-Team gehört, zeigt Euch heute, wie man sich mit der BERNINA L 890 ein Raglanshirt nähen kann. Das Shirt wird individuell angepasst, erhält ein Fake Binding und eine dekorative 2-Faden-Flachnaht mit Bauschgarn. 

Image of BERNINA L 890.

BERNINA L 890

Die L 890 ist die revolutionäre Overlock/Coverstich-Combo und perfekt geeignet zum Verarbeiten aller Fäden und Stoffe, speziell von hochelastischen und gestrickten Stoffen. Mit One-Step BERNINA Lufteinfädler ✓ Intuitive Bedienung per Touchscreen ✓ Schnell, präzise & leise ✓ Hergestellt von BERNINA ✓ Zu 100% in der Schweiz konzipiert und entwickelt ✓ 

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Männershirt nähen – die Stoffwahl

Wie bereits in diesem Bericht über Seide erwähnt, waren wir kürzlich in Hamburg auf dem Stoffmarkt. Bei einem kurzen Blick in unsere Stoffvorräte haben wir zwar beide bemerkt, dass wir definitiv keine Stoffe brauchen, aber „ man kann ja mal gucken gehen“.  Wie auch auf Nähtreffs und Messen kommt man immer wieder neu inspiriert zurück. Und fragt sich dann meist, wie bloß die ganzen neuen Stoffe in die Tasche gekommen sind – verrückt ;O).

Das tolle Design von Thorsten Berger fiel uns beiden sofort ins Auge und schwupps… Es ist irgendwie lässig, markant, und dabei nicht aufdringlich.

Der richtige Zuschnitt mit Motiv

An jedem Nähanfang steht ja der Zuschnitt. Hier wurde ein schon erprobter Schnitt verwendet, der Mister Raglan von Mialuna. Allerdings hat Dennis den Schnitt um 7 cm verlängert und leicht abgerundet. Bei knapp zwei Metern Größe passt ein Schnitt selten perfekt von der Länge, eben wie bei gekauften Sachen auch. Da der Schnitt gerade runter geht, können die 7 cm tatsächlich unten einfach verlängert werden. Macht man das bei einem taillierten Shirt, funktioniert dieser „Trick“ nicht so einfach – da muss mehr beachtet werden, sonst hat man die Taille hinterher knapp unter den Achseln.

Damit das Motiv des Panels auch mittig sitzt, hat Dennis erstmal ermittelt, wie breit das Hauptmotiv in etwa ist. Das geht hervorragend mit einem Patchworklineal. Der Schwerpunkt des Motivs ist 25 cm breit, also wird von der rechten Stoffseite aus oberhalb und unterhalb des Lineals bei 12,5 cm eine Stecknadel gesteckt.

Danach wird der Stoff rechts auf rechts gelegt, die Stecknadeln zeigen als zwei Markierpunkte gleichzeitig den Stoffbruch.

Nun kann der Stoff glatt hingelegt und das Vorderteil des Schnittes an den Bruch gelegt werden. Achtet immer darauf, dass Ihr den Schnitt nicht versehentlich auf den Kopf stellt. Das Rückenteil wird entsprechend aus dem anderen Stoffteil zugeschnitten. Aus dem Schilfgrau-Farbton wird der Ärmel zugeschnitten, aber dadurch, dass hier ein angesetzter Saum dran soll, braucht es unten am Saum keine zusätzliche Saumzugabe.

Außerdem fehlt noch ein Streifen von 5 cm Breite für den Halsauschnitt, die Länge lässt sich später, nach dem Zusammennähen der Hauptteile, ausmessen und berechnen.

Jetzt braucht Ihr noch zwei Streifen von 5 cm Breite aus dem Hauptstoff für das Fake Binding. Die Länge richtet sich genau nach den zugeschnittenen Ärmeln. Da hier nicht mit Zug und Dehnung gearbeitet wird, könnt Ihr den Streifen einfach anlegen und abschneiden.

Hier seht Ihr nochmal alle Teile im Überblick. Vorderteil und Rücken, die beiden Ärmel, den Saumstreifen der Ärmel und den Halsbund aus dem Ärmeljersey.

Dekorative 2-Faden-Flachnaht

Für das Annähen der Ärmel an Vorder- und Rückenteil wurde an der BERNINA L 890 die zweifädige, breite Flachnaht verwendet. Die nehme auch ich immer gern dann, wenn es etwas flacher sein darf.

Dennis hat die Grundeinstellungen so gelassen, wie die Maschine es vorschlägt, allerdings hat er passend zum schwarzen Bauschgarn die Stichlänge erhöht, und zwar auf 3mm.

Warum schreibe ich „passend zum schwarzen Bauschgarn“? Wenn ein Garn dicker ist, benötigt es mehr Platz, um glatt liegen zu können. Legen wir ein z.B. Stickgarn in 2 mm Stichlänge in einen Stoff, haben wir zwischen den einzelnen Stichen mehr Platz, als wenn wir ein mehr als doppelt so dickes Garn nutzen. Lege ich also Bauschgarn in der gleichen Stichlänge in meine Naht, sieht diese viel dichter aus. Bei Madeira Cotona ist sogar das Gelingen der Naht elementar von der Stichlängenverlängerung abhängig. Mit dem Bauschgarn genügt eine etwas erhöhte Länge.

Ich hätte wahrscheinlich sogar noch mehr genommen – aber ich sitze hier ja nicht an der Maschine, sondern er, und er trägt auch hinterher das Shirt. Also Stichlänge 3 mm.

Bei zweifädigen Nähten müsst ihr immer daran denken, den Hilfsgreifer auf dem Obergreifer zuzuschalten. Dadurch wird der Untergreiferfaden erst dorthin geführt, wo die Nadel ihn auch fixieren kann. Schaut man sich den Stich mal in Zeitlupe an, also z.B. beim Drehen am Handrad, dann sieht man genau, was mit dem Untergreiferfaden passiert.

Es empfiehlt sich, immer eine Testnaht zu machen, und zwar auf Resten vom Zuschnitt des Projektes. So kann  man testen, ob die Naht passt, gut aussieht, oder ob es Optimierungsbedarf gibt, bevor am Projekt etwas schiefgeht.

Die Wahl der richtigen Nadel

So lässt sich auch ganz nebenbei feststellen, ob die Nadel auch zum Stoff passt. Hier fällt direkt auf, dass die Nadeln zwar den Stoff nicht beschädigen, aber relativ große Einstiche erzeugen (man sieht es in dem schwarzen Stoff), sodass die Naht weiße Punkte bekommt. Diese Naht wurde mit neuen 80er Jersey-Nadeln genäht. Das ist für French Terry plus Jersey grundsätzlich keine schlechte Wahl. Allerdings scheint die Nadel zu dick und kugelförmig für diesen Stoff zu sein. Nächster Versuch mit einer 75er Superstretch-Nadel. Das Resultat ist etwas besser, aber nicht optimal.

Letztendlich funktionierte es perfekt mit 70er Jersey-Nadeln. Wichtig hier ist allerdings, dass langsam genäht wird. Wir nähen langsamer, weil wir zum einen keinen Nadelbruch riskieren wollen und zum anderen auch keine weißen Punkte im Stoff.  Diese Punkte entstehen unter anderem, wenn der Stoff nicht durchgefärbt ist.  So sieht man wieder mal, wie unterschiedlich Stoffe sind. French Terry ist eben nicht gleich French Terry, schon gar nicht, wenn er intensiv bedruckt ist.

Die restlichen Einstellungen passen sehr gut zum Material.

Man bedenke: Um die Optik der Flachnaht so zu haben wie hier gezeigt, muss das Bauschgarn auf die Nadel. Je kleiner die Nadel ist in der Zahl, desto kleiner ist natürlich auch das Öhr. Ergo: Bauschgarn auf der 70er Nadel ist machbar und nützlich für die Optik. Es ist eine Frage der Zeit, bis das Garn im Öhr ist.

Wir haben in unseren eigenen Kurse gerade letztens einen Kurs gemacht, der sich nur um Nadeln drehte. Die richtige Nadelart, Unterschiede, Stärken, etc. Wer mag, schaut einfach mal hier rein

Nun können die Ärmel rechts auf rechts auf mit dem Vorder- und Rückenteil verbunden werden. Am besten zieht Ihr jede Flachnaht nach dem Nähen direkt auseinander.

Nun werden die Seiten und Ärmel aufeinander gesteckt und in einem Zug mit der vierfädigen Overlocknaht zusammengenäht.

Hier solltet Ihr natürlich auch wieder eine Probenaht auf einem Rest machen, schon allein wegen der Differentialeinstellung. Den hat Dennis über den Stitch Optimizer etwas nach oben gestellt, auf 1,3, damit der Stoff beim Nähen keine Wellen bekommt und nicht aus der Form gerät.

Der Halsabschluß

Um die Länge des Halsbündchens zu bestimmen, könnt Ihr zuerst das nun fast fertig genähte Shirt rechts auf rechts mit den Ärmeln aufeinanderlegen. Mit einem hochkant gestellten Maßband könnt Ihr nun von der hinteren Mitte bis zur vorderen Mitte den halben Halsumfang ausmessen und mal zwei rechnen, das ergibt den kompletten Umfang.

Bei Jersey rechnet man pauschal für die Länge des Bündchenstreifens den Halsumfang x 0,8 plus Nahtzugabe, d.h. bei diesem Shirt braucht der Streifen in seiner Größe eine Länge von ca. 44 cm inkl. Nahtzugabe. Es ist nicht nötig in kleinen Kommastellen zu schneiden, etwas auf- oder abgerundet geht auch. Was man immer beachten muss, ist die individuelle Dehnbarkeit des Stoffes. Entsprechend muss manchmal der Streifen ein wenig kürzer oder länger sein, abhängig auch von der Rücksprungkraft.

Nun wird der Bündchenstreifen an den Schmalseiten rechts auf rechts zusammengenäht und so zum Ring geschlossen. Ihr könnt in dem Zuge direkt das gleiche mit den zwei Streifen für das Fake Binding machen. Näht einfach ein paar Stiche leer und legt direkt die nächste Naht an. Dieses Verfahren nennt man auch Kettennähen. Wer Patchwork macht, kenn diesen Begriff sicherlich.

Ihr teilt den Ausschnitt und den Bündchenstreifen in vier gleiche Teile, der Streifen wird vorher links auf links gelegt. Beim Annähen wird der Streifen jeweils auf die Länge des Ausschnittes gedehnt. Auf keinem Fall darf am Shirtstoff, also an Vorder- oder Rückenteil, gezogen werden, denn sonst wellt sich hinterher der Ausschnitt. Der Differential muss vor der Naht unbedingt wieder auf gleichmäßigem Transport stehen. Durch unseren Zug am Halsbündchen nämlich hebeln wir den Differential aus und verziehen im schlechtesten Fall unsere komplette Naht.

Angenähter Ärmelsaum

In der gleichen Technik werden auch die beiden Streifen für die Ärmel angenäht, allerdings werden die Streifen nicht doppelt gelegt, da das später speziell an den Nahtkreuzungen sehr dick werden würde. Wenn man die Nahtzugaben am Übergang gegeneinander legt, erhalten wir schön flache Übergänge.

Covern mit dem Ausgleichsfuß C12

Nach dem Umbau in den Coverbereich hat Dennis mit der schmalen Covernaht, linke und mittige Nadel, die Nahtzugabe am Ausschnitt gecovert. So liegt der Ausschnitt schön flach an. Auch hier waren keine Korrekturen notwendig, nur die Stichlänge wurde auf 3 mm erhöht. Genutzt hat er dafür den Coverstich- / Ausgleichsfuss #C12. Dieser liegt auf beiden Stoffseiten gut auf, auch wenn eine Stoffseite viel niedriger liegt als die andere. So hat er den optimalen Transport und keine ungleichmäßigen Stiche.

Image of Coverstich- / Ausgleichsfuss # C12.

Coverstich- / Ausgleichsfuss # C12

Für dekoratives Absteppen ✓ Optimale Führung dank gefederten seitlichen Fusskanten ✓ Markierungen und gefederte Fussteile dienen als praktische Führungshilfe ✓ Speziell gut geeignet für mehrlagige und unterschiedlich hohe Stofflagen ✓ Kompatibel mit L 890

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Die Binding-Streifen werden um die Nahtzugabe der Ärmel gelegt und mit Wonderclips fixiert. Zum Covern wurde wieder der schmale Nadelstand verwendet, nur die linke Nadel zum besseren Führen nach rechts getauscht. Wie schon beim Ausschnitt hat Dennis auch hier den Ausgleichsfuß verwendet.

Abschließend wird der untere Saum mit dem 2 Nadel Coverstich breit gecovert. Hier hilft es, den Saum vorher zu bügeln und ein paar Clips zur Fixierung zu verwenden. Zum Schluss wird der Überstand an den Innenseiten der Ärmel und eventueller Überstand am Saum zurückgeschnitten. Hier verwendet man am besten eine Applikationsschere, so wird verhindert, dass versehentlich in die untere Stofflage geschnitten wird.

Und schon kann es losgehen mit dem coolen Shirt!

Viel Spaß beim Nähen,
Manu und Dennis

Verwendete Produkte:
BERNINA L 890
BERNINA L 890
Coverstich- / Ausgleichsfuss # C12
Coverstich- / Ausgleichsfuss # C12

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