Kreative Artikel zum Thema Nähen

BERNINA in den Bergen von Chiapas

Die Textil- und Fashionbranche verändern und durch nachhaltiges Handeln ein klein wenig auf den Weltenlauf einwirken? Nicht weniger als das tut Selina Frei – in kleinen Schritten, aber mit grosser Überzeugung und viel Engagement. Die Absolventin der Schweizerischen Textilfachschule STF hat im mexikanischen Chichihuistan eine Textil-Produktionsstätte aufgebaut. Aus lokal produzierten Stoffen stellt sie mit einem Team aus der Inla-Kesh-Gemeinschaft schlichte, nachhaltige Kleidung her.

Um ihr Projekt voranzutreiben und ihre Nähwerkstatt weiterzuentwickeln, braucht Selina Hilfe. Unter anderem in Form von Lehrmaterial, Aufträgen und finanzieller Unterstützung. Auch Nähwerkzeug wird im Hochland von Chiapas gebraucht. Über die Leiterin der STF, Sonja Amport, trat Selina deshalb im Frühjahr 2021 mit BERNINA in Kontakt. Ob wir Nähmaschinen zur Verfügung stellen könnten?

Konnten wir. Im Herbst 2021 schickte BERNINA fünf Maschinen des Typs bernette London 8 nach Mexiko. Mit Unterstützung unserer Importeurin Carmenchu Fernandez (BERNINA Mexico) sollten diese nach Queretaro gelangen. Leider wollte es mit dem Inland-Transport erst nicht so richtig klappen. Nun sind die Maschinen aber endlich eingetroffen und leisten wertvolle Dienste.

Das geht aus einem Bericht hervor, den uns Selina vor kurzem geschickt hat und den wir im Folgenden gerne publizieren.


BERNINA in den Bergen von Chiapas, Mexiko

Von: Selina Frei

Leise fällt der Regen vom Himmel auf die Hütten im Tal von Chichihuistan, einem kleinen Bergdorf. Die Trockenzeit ist vorüber und die durstigen Pflanzen strecken sich dem Wasser entgegen. In der Nähwerkstatt von Inla Kesh, einer Gemeinschaft am Rande des Dorfes, sind aufgeregte, freudige Stimmen zu hören. Dies hat seinen Grund, denn da stehen mitten auf dem Arbeitstisch fünf nagelneue Haushaltsnähmaschinen der Marke bernette – BERNINAs beliebter Zweitmarke; ein aus der Schweiz eingeflogenes Geschenk, für das Wirken und Gedeihen meines jungen Näh- und Textilprojektes hier in Mexiko.

Die fünf einheimischen Frauen aus dem Dorf, welche zu mir in den Nähunterricht kommen, sind vollkommen aus dem Häuschen. Wie elegant und komplex diese Maschinen aussehen!

Heute lasse ich die Frauen einen ersten Kontakt aufnehmen mit den «Neuankömmlingen». Alle Funktionen und Möglichkeiten der bernette London 8, welche wir nun zusammen entdecken, grenzen an ein Wunder für die jungen Frauen. Kichernd, aber hochkonzentriert probieren sie die verschiedenen Stiche und tasten sich vorsichtig an die neuen Maschinen heran.

Wir werden bestimmt viel mit ihnen nähen und lernen dürfen. Bis anhin arbeiteten wir mit drei Industriemaschinen und oft mussten die Frauen Schlange stehen und warten, bis sie an der Reihe waren, um ihre Naht nähen zu dürfen. Jetzt können wir alle gleichzeitig nähen und kommen viel schneller voran. Auch fehlten uns bis anhin Details wie die Knopflochfunktion, worüber ich mich besonders freue!

Wie ich nach Mexiko kam

Ich heisse Selina und bin gebürtige Schweizerin. Schon als kleines Mädchen sass ich auf dem Schoss meiner Mutter und sah ihr beim Nähen zu. Das Entwerfen, Gestalten und Verwandeln von Silhouetten und Formen hat mich von jeher fasziniert und begeistert. Nach dem Maturitätsabschluss absolvierte ich die Ausbildung als Fashion Assistant an der Schweizerischen Textilfachschule STF in Zürich. Während meines Bachelor-Studiengangs Fashion Design & Technology zog mich mein Herz nach Mexiko, denn ich hatte mich auf Reisen verliebt und erwartete ein Kind.

Seit zweieinhalb Jahren wohne ich nun hier in Mexico mit meiner Familie in der Gemeinschaft Inla Kesh. Meine Leidenschaft fürs Nähen habe ich mitgenommen und eröffnete deshalb im Januar vor einem Jahr eine kleine Nähschule mit Werkstatt.

Meine Vision

Meine Vision ist es, hier in Inla Kesh, in den Bergen von Chiapas, ein Textilzentrum zu gründen. Ein Ort, an dem die Kunst des textilen Gestaltens gelehrt, gelernt und praktiziert werden kann, um autonomer leben zu können. Wobei es mir besonders am Herzen liegt, Frauen zu ermutigen und ihnen Selbstständigkeit und Bildung zu ermöglichen.

Mein Wunsch ist es, die Handwerkskunst, welche hier in den indigenen Gemeinschaften immer noch vorzufinden ist, zu erhalten und wiederzubeleben. Einer meiner Inspirationen ist das Projekt Khadi in Oaxaca, siehe www.khadioaxaca.com.

Ebenso ist es mir ein grosses Anliegen, die Verbindung zur Kleidung als Ausdruck bewusst gelebter Verantwortung, Ethik und Kultur wiederherzustellen.

Mir ist es deshalb wichtig, den Herstellungsprozess unserer Kleidung vollkommen durchleuchten zu können und jeden Schritt im bewussten und nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen unserer Erde zu gestalten.

Die Gemeinschaft Inla Kesh

Inla Kesh (Gruss auf Maya: “Ich bin du und du bist ich”), die Gemeinschaft in welcher meine Nähwerkstatt eingebettet ist, wurde vor 11 Jahren gegründet. Heute sind wir rund 15 Menschen, die zusammen für ein Leben in mehr Harmonie und Einklang mit der Natur in- und um uns herum wirken.

Im Zentrum unserer Vision steht die Heilung unseres Innenlebens. Wir sind der Überzeugung, dass wir immer wieder dieselben Strukturen erschaffen, wenn wir keinen Wandel in unserem Innern durchleben. Dafür arbeiten wir mit verschiedenen Methoden und Techniken sowie intern und extern geleiteten bewusstseinserweiternden Kursen.

Neben dem seelischen und geistigen Wachstum ist uns die materielle Ebene des Lebens genauso wertvoll. Deswegen bauen wir unsere Häuser beinahe ausschliesslich aus lokalem Material: Lehm, Stein, Sand, Stroh, Palmblätter etc.

Ein immer grösser werdender Anteil unserer Lebensmittel kommt aus unserem biologisch angepflanzten Garten. Auf unserem Land gibt es zwei Teiche und etliche Gräben, welche dem Wasser ermöglichen, langsam in die Erde zu sickern und unsere Pflanzen und Bäume optimal zu wässern.

Nebst unserem Alltag ist es uns ein Anliegen, unsere Freundschaft mit den Einheimischen aus dem Dorf zu pflegen. Wir lernen viel von dem einfachen Bauernleben und der fröhlichen Herzoffenheit der Menschen und schenken ihnen im Gegenzug die Möglichkeit, ihr Wissen in spezifischen Bereichen zu erweitern sowie in friedlichem und wertschätzendem Umfeld zu arbeiten.

Wir führen hier eine Schokoladenproduktion – denn in Mexiko hat es viel Kakao! Sieben Frauen aus dem Dorf arbeiten bei uns. Sie geniessen den geschützten Raum und kreieren leckere Köstlichkeiten, wobei immer mal wieder Gelächter und Gekicher aus der Schokoladenfabrik zu hören ist.

Neben dem Schokoladenprojekt helfen eine Frau und ein Mann uns bei der Gartenarbeit, wobei sie über Permakultur und biologischen Anbau lernen.

Auch die Naturbauten müssen immer wieder in Stand gebracht werden und so helfen uns die Männer vom Dorf und erlernen die alten Techniken des natürlichen Hausbaus (anstelle von Beton und Wellblech, was hier leider überall benutzt wird). Und dann ist da natürlich meine wachsende Nähwerkstatt, in welcher ich den Frauen vom Dorf die Möglichkeit schenke, in einem intimen Rahmen ihre gestalterischen Fähigkeiten zu entdecken. Auch lernen sie bei mir ein Handwerk, welches ihnen im Alltag von grossem Nutzen ist, da sie nun ihre Kleidung selber herstellen und reparieren können.

La Rosa in Inla Kesh

Seit zwei Jahren unterstützt der Verein La Rosa (https://www.ecuadorhilfe.com/), gegründet von meiner Grossmutter Rosa Frei, den Aufbau der produktiven Werkstätte hier in Inla Kesh. Durch ihre Hilfe bauten wir letztes Jahr ein neues separates Gebäude für die Schokoladenfabrik.

Seit Januar arbeiten unsere Helfer an einem Bau für meine Nähwerkstatt.

Ich fühle mich geehrt und überglücklich, dass ich dank dem Lebens- und Herzenswerk meiner Grossmutter nun einen physischen und grosszügigen Raum für meine Vision und mein Gestalten beleben darf! 

Kreationen aus der Nähwerkstatt

Die Kleidung, welche ich in meinem Atelier kreiere, ist Ausdruck meines Wunsches, Natur und Mensch wieder zu vereinen. Dabei erforsche ich beispielsweise, welche Auswirkung spezifische Farben und Formen auf das menschliche Befinden haben, wie ursprüngliche, archetypische Wesenszüge zum Leuchten gebracht werden können, welche Art von Kleidung uns Menschen hilft, uns in unserer Essenz wohlzufühlen und von da aus leben zu dürfen usw.

Die hier dargestellten Modelle produzieren wir bis anhin in kleiner Stückzahl. Die Meditationskissen verkaufen wir in einem Laden in der naheliegenden Stadt, worüber wir uns sehr freuen. Eine Webseite ist in Bearbeitung.

Hiermit möchte ich mich von Herzen für die grosszügige Spende von BERNINA bedanken!

Ein warmer Gruss aus Mexiko
Selina, die Näherinnen Sandra Paola, Rosa-Carolina, Teresa, Rosa-Emilia, Magdalena
und die Inla Kesh Gemeinschaft


Liebe Selina, wir haben zu danken! Bei BERNINA freuen wir uns stets, wenn Handwerkskunst mit persönlichem Engagement verbunden wird und wenn unsere Nähmaschinen zu einer guten Sache beitragen. 

Die Nähwerkstatt von Inla Kesh kann ihre Arbeit nur dank der Unterstützung zahlreicher SympathisantInnen leisten. Weitere Unterstützer sind herzlich erwünscht und willkommen! Wollt Ihr mithelfen? Wendet Euch dann direkt an selina.frei@bluewin.ch.

Weitere Eindrücke von Inla Kesh erhaltet Ihr auf dem Instagram-Kanal inlakesh_ropaartesanal, wo Selina ihr Schaffen zeigt.

Lieber Gruss
Matthias

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Kommentare zu diesem Artikel

Eine Antwort

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  • Monika Werder

    Oh wie großartig ist dieses Projekt. Beim Lesen und anschauen der Fotos kann ich nur sagen: Da gehört auch viel Mut und Engagement und Liebe dazu. Mein ganz großes Kompliment für soviel Menschlichkeit und für das Miteinander zu leben und praktizieren. Eine meiner Schwägerinnen ist Inderin und mir gefällt dieses multikulturelle einfach nur gut. Und so kann man auch, egal wie die Kultur oder Hautfarbe ist, zusammen wachsen und voneinander lernen. Herzlichen Dank für das Teilen und liebe Grüße aus Isny im wunderschönen Allgäu (Baden-Württemberg)

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