Kreative Artikel zum Thema Nähen

Nähen lernen für Anfänger, Teil 3: das Wichtigste zu Nadel und Faden

Wir sind bei Teil 3 der Serie “Nähen lernen für Anfänger”. Wisst ihr, was ich meinen Kursteilnehmern und Kunden immer sage? Ein gutes Nähergebnis erhält man mit einem perfekten Zusammenspiel von Nadeln, Faden und Maschine! Achtet ihr bei diesen Komponenten auf Qualität, dann habt ihr viel Spaß an der Erstellung eurer Projekten. Außerdem minimiert ihr Fehlerquellen schon im Voraus, das erspart Euch Ärger und Zeit.

Doch als Anfänger (und auch als Profi) verliert man oft im Dschungel der vielen Bezeichnungen und der großen Auswahl den Überblick – welche Nadel für welches Projekt und welcher Faden für welche Maschine? Ich darf Euch heute einen kleinen Einblick geben:

Die verschiedenen Nähgarne

Es gibt verschiedene Qualitäts-Hersteller von Nähgarnen. In diesem Artikel zeige ich euch die Unterschiede und Anwendungsbeispiele anhand der Garne von Amann Mettler.

Amann Mettler und BERNINA verbindet eine lange Zusammenarbeit. Jede neue BERNINA Nähmaschine wird mit einem Nähgarn-Set von Mettler geliefert, und BERNINA Maschinen werden im Werk mit Mettler-Garnen getestet und eingestellt, bevor sie den Weg in die heimischen Nähzimmer finden. 

Nähgarne unterscheiden sich in der Anwendung für die verschiedenen Maschinenarten, bei den Rohstoffen, in der Aufmachung und natürlich in den unterschiedlichen Farben.  

Wir sortieren erstmal:

Im Bild links oben seht ihr Garne für die Overlock-Maschine und rechts oben Garne für die Stickmaschine. In der unteren Reihe findet ihr Handnäh- und Nähmaschinengarne (von links nach rechts):

  • Heftfaden
  • transparentes Garn
  • Elastikgarn
  • Garn aus Seide
  • Garn aus Baumwolle
  • Garn, das im Dunkeln leuchtet
  • und Metallicgarn.

Welches Garn für welche Maschine?

Bei der Nähmaschine kommt es darauf an, welches Material ihr für Euer Projekt benützt: es gibt ein Universalnähgarn (Seralon) für sämtliches Stoff- und Sticharten. Für Nähte, die eine starke Belastung aushalten müssen oder dekorativ eingesetzt werden, gibt es stabile reiß- und scheuerfeste Garne (Extra Stark). Möchtet ihr dehnbare Stoffe mit der Nähmaschine bearbeiten, empfiehlt sich ein elastisches Nähgarn (Seraflex).

Für die Overlock-Maschine benützt ihr für die klassischen Arbeiten ein universelles Overlockgarn (Seracor). Diese Garne unterscheiden sich auch in der Feinheit – für kaum sichtbare Nähte auf leichten Stoffen gibt es feinere Garne (Seralene) und einen Rollsaum bekommt mit dem Bauschgarn (Seraflock) den nötigen Volumeneffekt.

Um ein tolles Ergebnis beim Maschinensticken zu erhalten, gibt es für die Stickmaschine Garn mit hoher Reißfestigkeit und schönem Glanz (Poly Sheen) und für den Unterfaden sollte man bei (fast) allen Projekten einen Stickunterfaden benützen (Bobbinette). 

Die Aufmachung

Hier im Beispiel von links nach rechts: Kone mit 2500 m, Miniking-Spule mit 1000 m, verschiedene Spulen mit 125 m/50 m/1000 m und 125 m. Je nach Maschine und Projekt bekommt ihr die passende Garnlänge.

Auf jeder Garnrolle findet man die wichtigsten Informationen: Etiketten-Nummer wie z. B. die No. 120, Farbe, Artikelnummer und -name, Charge, Rohstoff, Pflegehinweise und Aufmachung. Die Nummerierung von Garnen ist noch heute zum Teil rohstoff- und länderspezifisch unterschiedlich; als grobe Regel gilt jedoch‚ je niedriger die Etiketten-Nummer, desto gröber der Nähfaden. Die genaue Feinheit erfahrt ihr direkt beim Hersteller.

Die verschiedenen Rohstoffe

Nähgarn kann aus Naturfasern oder aus chemischen Fasern hergestellt werden. Dies hat Auswirkungen auf Optik, Scheuerbeständigkeit und Dehnbarkeit sowie weiteren Faktoren. Für das Fertigen ressourcenbewusster Nähprojekte z.B. gibt es Garne aus 100% recycelten PET Flaschen, auch die Spule selbst besteht zu 100% aus recyceltem Rohstoff (Seracycle).

Schaut doch beim Hersteller direkt nach, dort findet ihr zu jedem Garn alle Details wie Anwendungshinweise, Nadelempfehlungen und Rohstoffinformationen:

Mettler-Garne zum Nähen, Sticken, Quilten und Overlocken

Welche Nadeln verwenden?

Die Qualität und die Wahl der Nadel hat einen großen Einfluss auf die Qualität des Näh- und Stickergebnisses. Doch wie wähle ich die richtige aus?

Das Nadelsystem für alle BERNINA-Haushaltsnähmaschinen ist 130/705 H, das sind die Flachkolbennadeln. Diese sind am Kolben auf einer Seite flach, so können sie auch nur in einer Position in die Nadelstange eingesetzt werden. Bei älteren Maschinen werden noch Rundkolbennadeln benötigt (auf dem Foto die rechte Packung).

Bei allen Nadeln befinden sich die verschiedenen Informationen auf der Nadeldose:

BERNINA Nadeln – Informationen auf dem Deckel der Nadeldose

Zur Erkennung von Nadeldicke und Nadeltyp haben bestimmte BERNINA Nadeln einen Farbcode. Die erste Farbe zeigt die Anwendung, die zweite Farbe die Nadeldicke. Universalnadeln gibt es z.B. in einer Nadeldicke von 60-120. Je kleiner die Zahl, umso dünner die Nadel. 

Nadeldicke und Nadeltyp: Bedeutung der farbigen Striche auf der Nadel

Die NM-Angabe ist in Europa gebräuchlich. Sie entspricht dem 100-fachen des Schaftdurchmessers. Eine Nadel mit einem Schaftdurchmesser von 0,75 mm hat also die Nadeldicke NM 75. Die Größen-Angabe (in der Zeichnung oben rechts) wird v.a. in den USA und in asiatischen Ländern verwendet.

Je kleiner die Zahl im europäischen oder amerikanischen Größensystem ist, desto feiner ist die Nadel. Bei der Wahl der Nadeldicke könnt ihr euch an folgender grober Größenempfehlung orientieren:

  • Für sehr feine oder leichte Stoffe: Größe 60/8 oder 65/9 verwenden
  • Für leichte Stoffe: Größe 70/10 oder 75/11
  • Für mittelschwere Stoffe: Größe 80/12 oder 90/14
  • Für schwere Stoffe: Größe 90/14 oder 100/16
  • Für sehr schwere Stoffe: Größe 110/18

Was ist das Nadel-Faden-Verhältnis?

Es ist wichtig, dass das gewählte Garn zur Nadel passt. Es soll leicht durchs Öhr gleiten. Ist das Öhr zu eng, wird der Faden gebremst oder scheuert gar. Es kann zu Nahtkräuselungen und Fadenbruch kommen. Ein zu großes Öhr ist ebenfalls nicht optimal. Das Garn wird nicht optimal in der Nadelrinne geführt wird, wenn es zu lose durchs Öhr läuft. Es können dann Fehlstiche auftreten.

Das richtige Nadel-Faden-Verhältnis könnt ihr mit einem einfachen Test erkennen: Lasst die Nadel am gespannten Faden, das ihr im 45-Grad haltet, nach unten gleiten. Sie sollte gleichmäßig über den Faden gleiten. Wenn die Nadel hüpft, springt oder hängen bleibt, ist sie zu klein fürs gewählte Garn. Erhöht die Nadelstärke um eine Stufe und wiederholt den Test.

Nadel-Faden-Verhältnis testen

Wieso ist es wichtig, für verschiedene Materialien spezielle Nadeln zu verwenden?

Die Übersicht zeigt die wichtigsten Nadeltypen, aufgegliedert nach Nadelspitzen- und Nadelöhrformen. Mit der richtigen Nadel könnt ihr sicherstellen, dass das Gewebe nicht verletzt wird, die Nadel nicht abbricht und es ein schönes Stichbild gibt. So benützt man für einen Jerseystoff eine Jersey-Nadel, d.h. eine Nadel mit einer mittleren Kugelspitze, damit wird das Material verdrängt und es entstehen keine Löcher (hier auf der Übersicht H-SUK). 

Welcher Nadeltyp hat welche Spitze und welches Öhr? Tabelle mit den gängigsten NadeltypenAuf den Darstellungen der Nadelspitzen oben erkennt ihr auch die Rinne, die hinter dem Öhr beginnt. Die Rinne verläuft an der Vorderseite der Nadel bis zum Öhr. Sie bietet dem Faden Schutz, wenn die Nadel in den Stoff eindringt, und stellt sicher, dass er beim Transportieren durch das Textil nicht beschädigt wird. Ihr könnt die Rinne fühlen, wenn ihr mit dem Fingernagel über die Vorderseite der Nadel fahrt.

Die Nadelrinne

Hinter dem Öhr befindet sich zudem eine Stelle, wo die Nadel flacher/dünner ist. Das ist die sogenannten Hohlkehle. Sie ist der Ort, an dem der Greifer der Nähmaschine den Oberfaden von der Nadel aufnimmt, um den Stich zu bilden.

Nicht vergessen, die Nadel regelmäßig zu wechseln

Spart nicht an Nadeln! Eine stumpfe oder beschädigte Nadel kann den Nähspass nachhaltig verderben. Sie kann zu ausgelassenen Stichen führen, aber auch zum Ausfransen oder Reißen des Oberfadens oder zu kleinen Löchern oder Rissen im Stoff. 

Als Faustregel gilt: Nach jedem größeren Projekt die Nadel wechseln. Achtet nach etwa vier oder mehr Nähstunden genau auf eure Nadel. Wenn beim Einstechen der Nadel in den Stoff Fehlstiche auftreten oder ein “Plopp, Plopp, Plopp”-Geräusch zu hören ist (manche sagen, es sei ein ein klopfendes Geräusch), ist es Zeit, eine neue Nadel einzusetzen.

Wechselt die Nadeln auch, wenn ihr einen Näh-Unfall hattet, also z.B. versehentlich über eine dicke Stecknadel genäht habt oder wenn die Nadel gegen den Nähfuß oder die Stichplatte gestoßen ist. Das passiert auch den Besten von uns!

Nadel ersetzen

Wie man eine Nadel tauscht, wird im Handbuch Eurer Nähmaschine beschrieben. Die Nadel wird mit der flachen Seite nach hinten eingesetzt. Ganz nach oben drücken und dann mit dem kleinen Schraubendreher, den ihr mit eurer BERNINA erhalten habt, festdrehen.

Nadel einsetzen

Holt euch die Informationen, die ihr braucht!

Das Internet bietet einen reichen Fundus an Informationen zum Thema Nadel und Faden. So gibt es beispielsweise eine tolle Videoanleitung zu den BERNINA Nadeln:

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Cookie-Einstellungen ändern

Sehr hilfreich ist auch die kleine Nadelbroschüre von BERNINA. Diese könnt ihr hier als PDF herunterladen.

Viele wichtige Angaben, Tipps und Tricks findet ihr außerdem auf den Seiten der Hersteller, z.B. bei Mettler.

Auch wenn das Internet viele Informationen preisgibt, liebe ich ja immer noch Bücher! In dem Buch Nähen – Das Standardwerk | Nähen lernen mit TOPP (topp-kreativ.de) erhaltet ihr rund ums Nähen wertvolle Tipps, anschaulich dargestellt und viele weitere Informationen zu Nadeln und Faden, damit Euer Projekt gelingt!

Ich wünsche Euch viel Spaß bei Euren Projekten! Beachtet auch die weiteren Blogberichte in der Serie “Nähen lernen für Anfänger”!

“Kreativität streichelt die Seele.”

Liebe Grüße,
Stefanie von glückshäkelei

Nähen lernen für Anfänger: Das Wichtigste zu Nadel und Faden

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Kommentare zu diesem Artikel

4 Antworten

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  • Iris Danner BearbeitenDas Bearbeiten von Kommentaren im BERNINA Blog ist erst nach Anmeldung mit einem Blog-Benutzerkonto möglich. Melden Sie sich jetzt an oder erstellen Sie hier ein Benutzerkonto, wenn Sie noch keines besitzen.

    Liebe Stefanie,ich bin schon manchmal an meiner Nähmaschine verzweifelt,abernachdem ich heute,Nähwissen für…gefunden habe bin ich richtig glücklich.Du sprichst Themen an,davon habe ich noch nie gehört,Danke!

  • Doris Brechbuehl BearbeitenDas Bearbeiten von Kommentaren im BERNINA Blog ist erst nach Anmeldung mit einem Blog-Benutzerkonto möglich. Melden Sie sich jetzt an oder erstellen Sie hier ein Benutzerkonto, wenn Sie noch keines besitzen.

    Danke für die Erinnerung ans Nadel-Faden Verhältnis – die Nadelstärke ist vom Faden abhängig, oder umgekehrt. Die Nadelspitze ist vom Stoff abhängig, also im Fall von Jersey empfiehlt es sich, eine SUK Nadel zu verwenden, damit die Maschenware nicht beschädigt wird. Beim Bild zu den Informationen auf dem Nadelset ist auch zu erkennen, dass die SUK Nadel auch fürs Sticken empfohlen wird – das ist, damit bei mehrlagigen Stickereien die übereinanderliegenden Fäden geschont werden. Ach, nähen anfangen… und vor allem dabei bleiben, es ist so ein schönes Hobby, oder wie ein beliebter Spruch sagt: ich hänge an der Nadel, ich brauche mehr Stoff.Wünsche allen die Nähen viel Freude an den selbstgemachten Projekten!

    • Stefanie Benz BearbeitenDas Bearbeiten von Kommentaren im BERNINA Blog ist erst nach Anmeldung mit einem Blog-Benutzerkonto möglich. Melden Sie sich jetzt an oder erstellen Sie hier ein Benutzerkonto, wenn Sie noch keines besitzen.

      Danke liebe Doris für Deine Worte und den Hinweis auf die Kugelspitze – bei Jerseystoff wird mit einer mittleren Kugelspitze gearbeitet, bei dünnen elastischen Stoffen empfiehlt sich eine Stretch-Nadel! Und das stimmt, wir hängen alle an der Nadel 🙂 Viele liebe Grüße, Stefanie

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