Ich habe euch schon einige Patchwork- und Quilttechniken auf unserer Patchwork-Reise vorgestellt, von einfach bis etwas aufwändiger. Hier (Whole Cloth Quilt), hier (FPP) und hier (EPP) könnt ihr nochmal in meinen Beiträgen stöbern.
Zum Abschluss des Jahres zeige ich eine tolle Technik, für die Stoffreste ganz ideal sind. “Quilt-as-you-go” ist ein wenig freier als andere Techniken, da nicht unbedingt auf das genaue Einhalten von Maßen geachtet werden muss. Ein untergelegtes Vlies sorgt für Halt und Orientierung, während die einzelnen Stoffstücke nebeneinander nach und nach auf diese Vlies genäht werden. Nach jeder Naht wird direkt gequiltet, daher der Name.
Lasst uns gemeinsam in dieser Technik einen Upcycling-Tasche nähen! Ich habe dafür einige alte Jeans benutzt und freue mich über etwas Luft in der Jeans-Kiste.
Tasche nähen in der “Quilt-as-you-go”-Technik
benötigtes Material
- alte Jeans (ich habe 4 Stück verbraucht)
- passendes Garn, z.b. Denim Doc von Mettler
- Jeansnadel für die Nähmaschine
- Vlieseline 279 Cotton Mix (oder ähnliches Volumenvlies) 60 x 140 cm
- Rollschneider und Unterlage
- Lineal
- Markierstift
- Baumwollstoff als Futter ca. 80 cm x 140 cm
- Gurtband ca 1,5 m (fertig oder aus Jeansresten genäht)
Wie geht “quilt-as-you-go”?
Es geht mit dem Zuschnitt der Streifen los: Ihr benötigt ca. 26 Streifen aus Jeansstoff, je 7 x 30 cm. Für das Unterteil und den Boden braucht ihr einen Streifen in der Größe 20 x 140 cm. Näht ihn aus einzelnen Jeansstücken zusammen oder benutzt einen festen Stoff, z.B. Canvas.
Zeichnet auf dem Volumenvlies eine Linie zur Orientierung. Sie verläuft über die gesamte Breite des Vlieses in der Mitte, also bei 30 cm. Einige rechtwinklige Linien dazu erleichtern das Arbeiten, da sie eine gute Orientierung bieten.
Jetzt wird genäht
Legt den ersten Streifen Jeansstoff auf die rechte Kante links auf rechts auf das Vlies und einen weiteren Streifen rechts auf rechts auf den ersten.
Näht den Streifen mit einem Geradstich und dem Rücktransportfuss #1D mit 1 cm Nahtzugabe an. Klappt den oberen Streifen nach links und bügelt beide flach. Jetzt wird sofort gequiltet. Steppt mit einem längeren Geradstich den Streifen klappkantig ab.
Legt den nächsten Streifen rechts auf rechts auf den eben genähten und wiederholt die Arbeitsschritte.
Die Arbeitsschritte
- Nähen
- Aufklappen
- Bügeln
- Absteppen (quilten)
Näht weiter bis zum Ende des Vlieses, achtet darauf, dass die Streifen gerade sind und parallel verlaufen. Rollt das Vlies an der rechten Seite ein, damit ihr alle Nähte in der gleichen Richtung nähen könnt.
Steckt und näht den Stoffstreifen für den Boden an das obere Teil. Steppt diese Naht doppelt ab, das verbessert die Stabilität.
Schneidet jetzt das überstehende Vlies nach und alle Kanten gerade. Das fertige Rechteck sollte ca. 48 x 136 cm groß sein. Ihr könnt die Tasche aber auch in jeder anderen Größe nähen, so dass Abweichungen hier kein Problem sind!
Stoffstreifen werden zur Tasche
Näht den Streifen zum Ring zusammen und legt diesen flach hin. Schneidet dann rechts und links unten je ein 6 cm großes Quadrat aus, so entsteht der Boden.
Jetzt näht ihr die Bodennaht zu und ebenso die Quernähte, die der Tasche den Stand geben. Aus dem Futterstoff wird genau so eine Tasche genäht, hier müssen die Quadrate für den Boden allerdings nicht ausgeschnitten werden, sondern können umgefaltet, angezeichnet und dann abgenäht werden. Denkt daran, in einer Seitennaht eine Wendeöffnung zu lassen!
Teilt das Gurtband in zwei Hälften, befestigt es an der Oberkante der Aussentasche und stülpt diese in die auf links gewendete Innentasche. Wenn ihr jetzt die obere Kante näht, die Tasche wendet, bügelt und die Kante absteppt, dann ist eure Tasche bereits einsatzbereit! Für mehr Stand könnt ihr die Nähte an den Seiten knapp absteppen.
Mit einem wirklich überschaubaren Zeitaufwand habt ihr einen super praktischen und sehr geräumigen Shopper geschaffen, der nicht nur eure Einkäufe, sondern auch die Schlittschuhe oder – perspektivisch gesehen – die Badesachen transportieren kann! Viel Freude mit dem neuen Stück!
Was meint ihr, ist das etwas für Euch und werdet ihr in dieser Technik bald selber so eine Tasche nähen?
Liebe Grüße
Susanne
BERNINA Corporate Blog –



















Liebe Susanne, ich danke dir für diese tolle Anregung! Ich habe gestern sofort meine Jeansreste rausgekramt und bin dabei, nach deiner Anleitung eine ähnliche Tasche zu nähen. Weil man immer ganz nach Gefühl anstückeln kann, macht das viel Spaß und entspannt statt (wie manche komplizierten Projekte) zu stressen. Super: danke! Angelika
Wie groß wird die fertige Tasche?Warum soll man das Vlies 60 x 140 zuschneiden, wenn die fertige Breite nur 48 cm beträgt? Abfall ist nicht nachhaltig.
Liebe Jutta! Das Vlies ist das Futter für die komplette Tasche. Der Boden und die Seiten sind mit eingerechnet. Bei einer fertigen Breite von ca. 60 cm (rundum 120 cm) und einer Höhe von etwa 48 cm bleiben an jeder Seite nur wenige Zentimeter übrig. Das Nähen ist leichter, wenn das Vlies etwas größer ist, da dann noch etwas variiert werden kann, falls eine Naht mal etwas schief geraten sein sollte. Ich finde auch, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema ist, daher auch die Verarbeitung der alten Jeans.
Viel Spaß beim Nähen und liebe Grüße
Susanne
Liebe Susanne,ganz herzlichen Dank für diese tolle Idee, die werde ich bestimmt zeitnah nachnähen, meine Jeanskiste quillt nämlich über!Ganz liebe Grüße Tanja
Liebe Tanja! das freut mich, ein bisschen Jeanskisten-Abbau ist immer gut!
Liebe Grüße
Susanne