Kreative Artikel zum Thema Nähen

Es geht um Streifen… Tutorial für Raglanärmel

Hallo liebe Blog-Leser,

ich freue mich, heute zum ersten Mal einen Beitrag auf dem BERNINA Blog zu veröffentlichen.

Ich bin Monika Schmidt-Mader, Schneidermeisterin und Schnittdirektrice, und normalerweise könnt ihr meine Beiträge bei schneidernmeistern lesen, dem Ort, an dem ich meine Leidenschaft, meine Projekte, meine Gedanken und Ideen, aber auch mein Wissen mit euch teile.

Streifenstoffe sind mein liebstes Kind und wer mich und mein Tun in der Nähszene ein wenig beobachtet, wird gemerkt haben, dass ich mit Vorliebe gestreifte Oberteile und Kleider trage.

Natürlich ist das fortlaufende Aufeinanderpassen des Musters an den Nähten immer auch ein hehres Ziel, aber ich behaupte mal ganz kühn, dass auch ich ein “Augen zu und durch”-Zuschneider bin und immer hoffe, dass es schon irgendwie passen wird.

An der Seitennaht und am Armloch. Am Armloch!? Ja, da auch! Passt man nämlich beim Zuschnitt ein wenig auf, kann sich bei einem eingesetzten Ärmel der Streifen ganz wunderbar im Ärmel fortsetzen. Aber, und jetzt kommt das große ABER, normalerweise nicht beim Raglanärmel.

“Ich ziehe dann solange, bis es passt…!” “Hauptsache, der Streifen stimmt…!” Habe ich in der Vorbereitung auf diesen Artikel zu hören bekommen. Bitte nicht!

Der Streifen muss bzw. kann gar nicht immer passen.

Tutorial für Raglanärmel mit Streifen

Es fängt, wie immer, damit an, dass man beim Aufstecken des Schnittmusters und beim Zuschnitt ein wenig aufpassen muss und sich unbedingt auf 2 kleine Markierungen im Schnittmuster konzentriert: auf das sogenannte “vAe” oder auch “vorderes Ärmeleinsatzzeichen”. Dieses sollte im Schnittmuster immer angegeben sein und bezeichnet den Punkt, an dem Ärmel und Armloch unbedingt und zu 100 % zusammenpassen müssen.

Legt man diese Markierung beim Zuschnitt an die gleiche Streifenposition, kann man gar nichts mehr falsch machen (außer solange zu ziehen, bis der Streifen passt).

Streifentutorial Raglanärmel schneidernmeistern

Am rückwärtigen Schnittteil gibt es ebenfalls so ein Zeichen, auch hier sollten Ärmel und Armloch aufeinander passen. Im Rückteil achtet ihr aber lieber darauf, dass die Seitennähte streifenmäßig zusammenpassen.

Sind beide Teile zugeschnitten, kann man die Kanten nochmals zusammenlegen und wird erstaunt feststellen, dass zwar die Nahtlängen gleich sind, aber die Streifen einfach nicht zusammenpassen wollen.

Streifentutorial Raglanärmel schneidernmeistern

Warum ist das so!?

Vielleicht ist es anhand einer Skizze etwas leichter zu erklären.

Streifentutorial Raglanärmel schneidernmeistern

Zwar wird der Ärmel in der Raglankonstruktion direkt an das Vorderteil angelegt und nach dem Festlegen der Raglannaht ohne weitere Veränderungen “abgeschnitten”, wird aber dann beim Zusammenlegen mit dem rückwärtigen Ärmel so weit gedreht, dass sich der Ärmelsaum wieder in der Waagrechten befindet.

Streifentutorial Raglanärmel schneidernmeistern

Damit “verliert” er seinen direkten Bezug zum Vorderteil und der Winkel der vorderen Raglannaht verändert sich merklich zum Winkel der Raglannaht des Vorderteils.

Vorderteil 135 ° – Ärmel 95 °

Somit erhalten die Streifen, die einmal mit 95 ° also fast senkrecht durchgeschnitten werden, eine andere Schrägung, als die Streifen, die ich mit 135 ° schneide.

Anders ausgedrückt: Wenn ich gerade über die Straße gehe, lege ich eine kürzere Strecke zurück, als wenn ich einen schrägen/diagonalen Weg wähle.

Da aber meine beiden Nähte gleich lang sein sollen/sind (siehe oben), lege ich am Ärmel einen längeren Weg zurück und “streife” folglich an der Ärmelnaht mehr Streifen als am Vorderteil.

Streifentutorial Raglanärmel schneidernmeistern

Demnach ist es unmöglich, an einer Raglannaht wie dieser, eine “streifenpassgenaue” Naht hinzubekommen.

Gerüchten zufolge müsste es klappen, wenn ich eine Raglankonstruktion wähle, die ohne den restlichen Schulterabnäher auskommt, bei der der Ärmel aber sehr viel gerader angelegt ist. Komme ich dann im Schnittteil des Ärmels auf einen Winkel von exakt 45 °, so kann ich die Streifen zusammenlaufen lassen.

Diese Art der Konstruktion geht aber leider auf Kosten der Passform.

Nun hoffe ich, dass ich das Mysterium Streifen an der Raglannaht ein wenig klären konnte und wünsche viel Freude beim nächsten Projekt – nun wird alles viel entspannter!

Schwierigkeitsgrad: Anfänger
Zeitaufwand: einen Abend
Verwendete Produkte:
BERNINA 1110D
BERNINA 1110D

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Kommentare zu diesem Artikel

5 Responses

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  • Brigitte Keßler

    Hallo Monika,

    besser kann man es nicht erklären, dazu professionelle Skizzen, anschauliche Fotos und das Wichtigste auf den Punkt gebracht.

    Einfach ein toller toller Beitrag auf diesem Blog. Hoffe, es werden noch mehr folgen.

    Gruß Brigitte

    Immer mal wieder Thema in meinen Nähkursen, von daher

    Toll!!!

  • AniLorak

    Lieben Dank für Deine Erklärung! Ich versuche darauf zu achten, dass es beim Raglan vorne passt und meistens klappt es ganz gut! Ja – der Schulterabnäher – wie oft: alles geht leider nicht.

  • Ulrike Bullmann

    Danke für diese tolle Erklärung!
    Ich mache es bisher auch so, dass die Streifen an den Seitennähten zusammenpassen – am Armloch/Armansatz lasse ich das außen vor, da es wegen der Schrägung nicht passen kann.
    Also alles richtig gemacht 🙂 aber mit dieser Erklärung klingt es noch viel richtiger.
    Gruß
    Ulrike

  • Kerstin

    Hallo Monika, wie aus Deinem Foto ersichtlich, passen die Streifen etwa auf Brusthöhe aneinander. Ich achte in einem solchen Fall darauf, dass die Streifen (oder auch Karos) im sichtbaren Bereich, also etwa Brusthöhe bis Halsausschnitt einigermaßen zusammenpassen, während die Streifen im Achselbereich (Dein Foto) nicht so in’s Auge fallen. Hier kann ich also tricksen.
    Eine andere Möglichkeit, den “Fehler” etwas zu kaschieren: durch zwischenfassen eines farblich passenden (auch Kontrastfarbe) Passepoilstreifen (ohne Kernschnur) oder aufsteppen eines etwas breiteren unifarbenen Bandes – je nach Streifenbreite etwa 1,5 bis 2 cm Bandbreite. Wenn ich, je nach Muster, dieses unifarbene Band an anderen Stelle wiederhole z.B. an Saum-/ Ärmelbündchen oder als Besatz dort, fällt diese “Korrektur” nicht als Manko auf, sondern als gewolltes Designdetail.

  • Magda

    Ich finde es super dass mal Jemand achtet auf Streifen und Karo. Das macht den Unterschied zwischen selber machen und Konfektion! Kleidung mit Streifen und oder Karos werden dort für 80 procent angeboten ohne dass die Muster übereinander stimmen. Leider wird das massal gekauft und getragen…..Selber werd ich kein Raglan machen mit Streifen oder Karo. Ich werde mich nog ärgern wärend das Tragen und es dann nicht tragen und dann ist es Schade vond Stoff, Zeit und Geld.

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