Kreative Artikel zum Thema Quilten

September 2012 im BERNINA Kalender

Da ist es – das Kalenderblatt September 2012:

Das Kalenderblatt für den Monat September 2012 präsentiert einen Ausschnitt aus “Je suis libre 1“, einer der beiden Arbeiten aus dem Jahr 2011, mit der Frieda Oxenham (UK) an der von mir organisierten Ausstellung „Textile News: Freiheit“ teilnimmt.

Sie schreibt dazu:

“Nachdem ich seit Jahren altmodische Bilder und Bücher sammle, begann ich schliesslich, diese für die Herstellung von Collagen zu verwenden. Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bevor die Versuchung, auf Collagen auf Stoff umzusteigen zu gross wurde. Die beiden Arbeiten sind solche Ergebnisse. Das spezielle altmodische Bild fiel mir als eine grossartige Illustration des Themas ’Freiheit’ auf.“

Hier die weitere Arbeit “Je suis libre 2“:



 

Seit Frieda an meinem zweiten Wettbewerb teilnahm, stehen wir über die Jahre in Kontakt. Auf die Vorstellung des Kalenderblatts angesprochen, reagierte Frieda prompt, stellte mir viele Fotos zur Verfügung und wünschte sich ein Interview. Dieses haben wir auch per E-Mail gemacht. Lesen Sie es bitte in voller Länge auf Englisch auf meiner Website, eine gekürzte Zusammenfassung folgt hier:


Frieda Oxenham (UK)

Ursprünglich stammt Frieda Oxenham aus den Niederlanden, kam 1979 nach Grossbritannien und ist stolz darauf, seit 1984 britische Staatsangehörige zu sein. Sie lebt im schönen Schottland, in den Scottish Borders.

Frieda Oxenham: Rings above the Waves – Detail des Quilts, der im Portraitbild im Hintergrund hängt.

 

Frieda ist nicht nur Quilterin, sondern eine vielseitige Textilkünstlerin. Ihre wichtigste Errungenschaft, so meint sie, sei der Gewinn der Schottischen Quiltmeisterschaften im Jahr 1998 gewesen, und zwar mit ihrem ersten Quilt “Waterrings“. “Es gab mir die Zuversicht, dass es wert war, mit meiner textilen Kunst weiterzumachen“, schreibt mir Frieda. Ihre Solo-Ausstellung “colour – quilts – collage“, die 2011 in Peebles (UK) stattfand, bestätigte ihr dies erneut und war ausserdem eine grossartige Gelegenheit, das Werk der letzten fünf Jahre einmal zusammen zu sehen und seinen Wert einzuschätzen.

Frieda Oxenham: Waterrings, 170 x 200 cm, 1997. Mit diesem Quilt gewann sie die Schottischen Quiltmeisterschaften im Jahr 1998.


Den Einstieg in ihr “textiles Leben“ verdankt sie dem Umzug nach Schottland, der aus beruflichen Gründen ihres Ehemannes stattfand. Vorübergehend hatte Frieda nichts zu tun. Eine Freundin besuchte einen City & Guilds-Kurs mit dem Thema “Embroidery“. Sie nahm sie mit zu einem Tag der offenen Tür. “Ein Blick und ich war Feuer und Flamme!“, schreibt Frieda. Das war 1989. Damals waren Patchwork und Quilting Teil des Kurses, der ja eigentlich das Thema “Stickerei“ umfasste. Als nächstes kaufte sie sich das Buch “The Complete Book of Quiltmaking“ von Michele Walker und eine Sucht war geboren.

Frieda Oxenham: Fluttering through Time, 42 cm im Quadrat, 2010


Alle ihre weiteren Kunst-Aktivitäten kamen nach und nach dazu. Sobald sie eine professionelle Quiltkünstlerin geworden war, brauchte sie ein neues Hobby. Arbeiten in Mixed Media-Techniken begeisterten sie. Es ist auch grossartig, findet Frieda, an einem kleinen Werk zu arbeiten, während gleichzeitig ein grosser Quilt entsteht. “Es hält die Design-Muskeln in Form!“

Frieda Oxenham: Fluttering through Time – Detail


Seit 1995 lebt Frieda im selben Haus in Schottland. Seither war sie als professionelle Textilkünstlerin in Vollzeit tätig und trug damit zu ihrem Lebensunterhalt bei. Viele Jahre unterrichtete sie im ganzen Land. Vor etwa zwei Jahren zog sie sich zurück und macht nun das, was ihr Spass macht – auf künstlerischem Gebiet. “Es mag nicht sehr lukrativ sein“, meint sie, “aber es ist immens zufrieden stellend“.

Frieda Oxenham: I Spy – Journal Quilt No. 20, 2012


Auf meine Frage, womit sie sich am liebsten beschäftigt, antwortet Frieda: “Immer mit Stoff und Faden.“ Irgendwas ist da dran, was ihr eine tiefe Freude macht. “Meine Seele schwingt mit – wenn sich das nicht zu übertrieben anhört.“ Und das, obwohl niemand in ihrer Familie oder überhaupt in ihrer Vergangenheit sich mit Quilten beschäftigt hat. “Es war der pure Zufall“, meint sie. Es ist vielleicht auch der Grund dafür, dass sie nie Bettdecken nähte, sondern nur Art Quilts – von Anfang an.

Frieda Oxenham: Striped Shapes, 200 cm im Quadrat, 2005


Wo findet Frieda Inspirationen? Die seltsamsten Ideen schiessen ihr durch den Kopf, fix und fertig, und setzen sie selbst in Erstaunen. Ein Wort, ein Buch, eine Fotografie oder irgendein Zufall kann der Auslöser sein. “Das Problem ist, dass ich nicht so lange leben werde, um all das, was mir einfällt, umzusetzen – also muss ich eine Auswahl treffen“, meint Frieda.

Frieda Oxenham: Striped Shapes – Detail

Skizzenbücher? Eigentlich ja, aber, nachdem erstmal ein Anfang gemacht ist, überkommt sie schnell der Zwang, zum Stoff zu greifen, wodurch das Skizzenbuch in Vergessenheit gerät. Aber es ist ein guter Ort, um inspirierende Fotos oder Zitate aufzubewahren.

Frieda ist eine begeisterte und eifrige Fotografin (http://www.blipfoto.com/friedaquilter) und schon beim Aufnehmen weiss sie, ob daraus etwas Künstlerisches wird.

Frieda Oxenham: A Woman’s Work, 74 x 82 cm, 2010


Sie arbeitet sehr impulsiv, ohne voraus gehende Entwürfe, sondern sie startet einfach. Sie findet den Entstehungsprozess eines Werks interessant, löst etwaige Probleme, wenn sie auftauchen und wäre gelangweilt, wenn sie schon vorher genau wüsste, wie eine Arbeit am Ende aussieht.

Frieda Oxenham: A Woman’s Work – Detail

Während sie an einem Quilt arbeitet, fallen ihr meist noch andere Möglichkeiten hinsichtlich Farbgestaltung, Design oder Technik dazu ein, so dass manchmal auch Serien entstehen. Ein Beispiel dafür sind die Kreise. Der erste Quilt in dieser Technik war der allererste, “Waterrings“, 1997 angefangen. Daraus entstand eine ganze Serie, die immer noch fortgesetzt wird, wie z.B. neulich in einem Journal Quilt,  “Going around in Circles“.

Frieda Oxenham: Going Around in Circles, 25 cm im Quadrat, 2012. Journal Quilt No. 28.


Frieda erforscht die Möglichkeiten eines Designs oder Musters und schöpft sie regelrecht aus und so ist sie weit entfernt davon, z.B. mit den Kreisen schon am Ende zu sein. So entstanden verschiedene Quilts aus derselben Idee heraus, aber mit total unterschiedlichem Aussehen, so dass nur sie selbst weiss, dass dieselbe Inspiration zugrunde liegt.

Frieda Oxenham: The Colours of Alba – Detail


Wie alle ihre Arbeiten beweisen, liebt Frieda Farben, ist aber auch von Textur fasziniert. Was versteht sie darunter? Frieda möchte, dass Ihre Arbeiten aus der Distanz gesehen einen “Wow Factor“ haben, also ausdrucksstark sind, was üblicherweise durch die Farbe erreicht wird, aber auch bei näherem Hinsehen sehr interessant sind. Dies erreicht sie durch eine Textur, durch Stickerei, Perlen, Malerei usw.

Frieda Oxenham: The Colours of Alba, 114 x 83,5 cm, 2010


Frieda setzt alle möglichen Materialien ein, die ihr zum Erreichen des gewünschten Effektes nötig erscheinen. Bei grösseren Quilts aber bleibt sie aus praktischen Gründen bei Baumwolle und Seide, da sie sich dadurch beim Verschicken einfacher handhaben lassen.

Frieda Oxenham: Tod und Leben, 220 x 122 cm, 2007


Bei der Frage nach ihrer bevorzugten Farbpalette gibt Frieda zu, sie liebe alle Farben, aber die warmen Farben und vor allem Gelb ziehe sie vor.

Hinsichtlich der bevorzugten Techniken meint sie, sie liebe die Handnäherei und könne sich komplett darin verlieren. Aber dann sitzt sie genauso gern wieder an der Nähmaschine. Zu ihrem Markenzeichen sind vor allem die Perlenstickereien geworden, die zwar sehr zeitintensiv sind, aber die funkelnden Ergebnisse machen dies wieder wett.

Frieda Oxenham: La Serenissima – Detail aus dem Quilt mit der Grösse 47,5 x 110,5 cm, 2011


Dann begann sie, Fotos und Text in ihre Arbeiten zu integrieren, z.B. “Footloose in the Forest“ und überhaupt bewundert sie zwei Fotografinnen besonders:  Catherine Anderson (www.catherineandersonstudio.com/) und Susan Tuttle (susantuttlephotography.com/). Und bei den Quilterinnen mag sie besonders das Werk von Caryl Bryer Fallert (www.bryerpatch.com/) sowie antike Quilts.

Frieda Oxenham: Footloose in the Forest – Detail

Frieda ist glückliche Besitzerin von drei Nähmaschinen und alle sind BERNINAs: Als sie 1990 begann, kaufte sie die erste, eine 1030, ein richtiges Arbeitspferd, heute noch zu Friedas Zufriedenheit im Einsatz, “das fröhlich alle Materialien näht“. Die beiden anderen, eine Virtuosa 160 und eine Aurora 440, hat sie gewonnen. „Ich verwöhne mich damit, dass ich die eine z.B. für das freie Sticken eingestellt lasse und die andere den Patchworkfuss montiert hat“, meint Frieda.

Und weitere Lieblingsausrüstung? “My Lumix camera!“

Frieda Oxenham: Footloose in the Forest, 92 x 112 cm, 2011


2012 startete sie ein neues Projekt, 52 Journals. Das heisst, sie hat sich vorgenommen, für jede Woche im Jahr einen Quilt herzustellen. Und bisher hat das geklappt!  Es sind kleine Arbeiten, bei denen all das verwendet wird, was Frieda in den Sinn kommt. Meistens am Donnerstag veröffentlicht sie die Arbeit in ihrem Blog und beschreibt ausführlich sowohl ihre Inspiration als auch die Technik. Und wenn jemand eine Frage hat, wird sie auch beantwortet. “Fluttering through Time” ist wahrscheinlich das experimentellste dieser Werke.

Frieda Oxenham: An Uphill Struggle, 25 cm im Quadrat, 2012. Journal Quilt No. 23

Die Frage nach ihrer Lieblingsarbeit fürchtet sie. Sie findet einen Ausweg, sie nennt drei: “Little White Horse”, “Windows on the World” und “Fluttering through Time”.

Frieda Oxenham: Windows on the World, 60 cm im Quadrat, 2007


Frieda verkauft ihre Arbeiten. Ironischerweise machte es ihr die Tatsache, dass einer ihrer Quilts (“Blue Waves“) 2006 gestohlen wurde, leichter, sich von Arbeiten zu trennen. Und zu wissen, dass eine Arbeit in guten Händen ist, stellt sie zufrieden. Ob sie auch davon leben könnte? Zusammen mit dem Unterrichten wäre es gegangen, zwar nicht so, wie sie heute lebt, aber sie hätte sich arrangieren können.

Frieda Oxenham: Windows on the World – Detail


Frieda stellt regelmässig zusammen mit anderen aus, während sie Solo-Ausstellungen etwa alle fünf Jahre anstrebt. Gelegenheit dazu gibt es bei Quilt-Shows. Einige kleine örtliche Galerien zeigen manchmal auch Textilkunst. Und natürlich nimmt sie an Wettbewerben teil, so dass manches ihrer Stücke weit herumgekommen ist. So kommen jedes Jahr etwa 9 – 10 Ausstellungen zusammen, an denen sie, sei es auch nur mit einem Quilt, teilnimmt. Sie versucht, bei allen Ausstellungen in Grossbritannien dabei zu sein und bei wenigstens einer Show in den USA. In diesem Jahr allerdings konzentriert sie sich auf ihr 52 Journals-Projekt, so dass sie nicht überall mitmacht. Ausnahmen sind der Tausch von Postkarten und “The Sketchbook Challenge“ (http://sketchbookchallenge.blogspot.com)

Frieda Oxenham: Little White Horse, 31.5 cm im Quadrat, 2006


Gerade neulich schaffte es eines ihrer Werke mal wieder in eine Fachzeitschrift, nämlich auf das Titelblatt von „The Quilter“, dem Magazin der Britischen Gilde und in dem 2010 erschienenen Buch “The Art Quilt Collection“ ist sie ebenfalls vertreten.

Frieda Oxenham: Little White Horse – Detail

Nach ihrem Lieblingskünstler befragt, nennt Frieda Gustav Klimt. Vor allem seine ausgeprägt extravaganten Dekorationen haben es ihr angetan – kein Wunder, dass Frieda mit ihren Perlenstickereien, ihren Kristallen und Knöpfchen sich dem Künstler verbunden fühlt.

Frieda Oxenham: Journal Quilt Fantasy


Was macht Frieda, wenn Sie mal Zeit hat? Man wird es nicht vermuten: Sie besucht Friedhöfe und fotografiert! Die Schönheit der Grabsteine vergangener Zeiten, die heute kaum noch einer wahrnimmt, fasziniert sie. Sie liebt die Landschaft der Scottish Borders mit ihrer Geschichte und Denkmälern, wozu sie auch die alten Friedhöfe zählt, leidenschaftlich. (http://westlintongraveyard.blogspot.de)

Aber auch um Gärten macht sie keinen Bogen, denn dort findet sie neben Fotomotiven auch Farbinspirationen.

Frieda Oxenham: Journal Quilt Fantasy


Und wo sieht sich Frieda in fünf Jahren? “Ich hoffe, dass ich dann immer noch in meinem Studio fleissig an meinem neuesten Kunstwerk arbeite. Ich kann mir nichts anderes vorstellen. Ein neues Werk zu beginnen und zum Leben zu erwecken, wird so spannend bleiben wie eh und je. Und es gibt nichts anderes, was mich so sehr zufrieden stellt. Hoffentlich bleibt das so und hoffentlich warten noch viele Herausforderungen auf mich“, lauten Friedas Wünsche.

Frieda Oxenham: I Spy – Detail


Und zum Schluss ein von Frieda bevorzugter Spruch, ein Zitat von Anatole France: “Um grosse Dinge zu erreichen, müssen wir nicht nur handeln, sondern auch träumen, nicht nur planen, sondern auch glauben.“

Dear Frieda, this post I only could write in collaboration with you. Thank you so much for your outstanding support!

 

Please read the full-length interview (in English) on my website: www.quiltsundmehr.de/PERSONALITIES.htm

Mehr Informationen über Frieda Oxenham:

Website

Blog

Art Quilter Pictures Blog

Friedhofsblog

Zur Ausstellung „Textile News: Freiheit“ gibt es einen Ausstellungskatalog auf CD, der bei mir erworben werden kann: www.quiltsundmehr.de

Fotos:

Ausschnitte aus der Ausstellungs-CD (“Je suis libre 1” und “Je suis libre 2”):  Dr. Wolfgang Heinz, alle anderen Aufnahmen freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Zum Titelblatt 2012 – Gudrun Heinz (D): www.blog.bernina.com/de/2011/12/titelblatt-des-bernina-kalenders-2012/

Zum Kalenderblatt Januar 2012 – Martha Roggli (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/01/januar-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderbaltt Februar 2012 – Ineke Berlyn (UK): www.blog.bernina.com/de/2012/02/februar-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt März 2012 – Elisabeth Graf (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/03/marz-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt April 2012 – Lisette Haak (D): www.blog.bernina.com/de/2012/04/april-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt Mai 2012 – Rita Merten (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/05/mai-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt Juni 2012 – Tatyana Ishkaraeva (RUS): www.blog.bernina.com/de/2012/06/juni-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt Juli 2012 – Alicia Merrett (UK): www.blog.bernina.com/de/2012/07/juli-2012-im-bernina-kalender/

Zum Kalenderblatt August 2012 – Annakäthi Iseli-Gfeller (CH): www.blog.bernina.com/de/2012/08/august-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt Oktober 2012 – Margaret Ramsay (UK): www.blog.bernina.com/de/2012/10/oktober-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt November 2012 – Inga Sauciuniene (LT): www.blog.bernina.com/de/2012/11/november-2012-im-bernina-kalender-2/

Zum Kalenderblatt Dezember 2012 – Monika von Hörde (D): www.blog.bernina.com/de/2012/12/dezember-2012-im-bernina-kalender/

 

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