Kreative Artikel zum Thema Quilten

Kork auf dem Tisch, ganz ohne Wein (Teil 2)

Es geht weiter mit der zweiten Variante der Tischsets aus Kork.

Da meine Vorräte an Vliesofix zu Ende gehen, musste ich nachbestellen und fand im Onlineshop eines Stoffgeschäfts zwei neue Bügelvliesvarianten, die ebenfalls von Fa. Freudenberg hergestellt werden. Beide interessierten mich und so orderte ich von jedem erstmal eine kleinere Menge.

Das leichtere Material nennt sich

vlies1

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und hat eine wabenartige Oberfläche – ganz anders, als es mir vom normalen Vliesofix bekannt ist. Es eignet sich u.a. zur Applikation von dünnen, sehr leichten Stoffen.

Die andere Ausführung scheint dem mir bekannten und oft verwendeten “Steam-a-Seam” aus den USA zu ähneln, welches momentan allerdings wegen eines Rohstoffengpasses nicht hergestellt wird. Dieses eignet sich schon eher zum Verbinden von Korkschichten und anderer dickerer Stoffe:

vlies2

Hier erscheint die Struktur schon kompakter:

vlies2.2

Meine beiden cremeweissen Korkzuschnitte von 30cm x 45 cm hinterbügle ich jeweils mit der stärkeren Variante des HeatnBond light.

Dann schneide ich mit dem Rollschneider ganz frei Öffnungen hinein – im Vorfeld habe ich eine abstrakte Skyline im Sinn.

cut1

Durch das Öffnen mit dem Rollschneider entstehen Überschnitte, die ich mit zum Gestalterischen zu Nutzen mache. Da das Material aufgebügelt wird, verfestigt es sich und wird nicht weiter einreissen.

cut2

Für das zweite Tischset schneide ich ebenfalls frei und abstrakt die angedeutete Form zweier Fische ein.

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Dann entferne ich die Papierrückseite des Klebebügelvlieses, schichte den cremeweissen ausgeschnittenen Kork auf eine hellblau/graue Korkunterlage und bügele beide Lagen zusammen. Hier schützt die Oberfläche beim Bügelvorgang erneut ein Stück Backpapier.

Farblich passende Garne wähle ich nun zum Freihandquilten aus.

garn

Als ich gestern dann begann die Fische mit Garn auszugestalten, kam mir der Begriff “Freestyle” in den Sinn. Eigentlich ist es die exakte Beschreibung für die Art des Maschinenquiltens, die ich hier zeige.

Es geht mir bei dieser Art des Quiltens um eine weitere Gestaltung eines Werkstücks: Farben und Formen werden neu hinzugefügt. Hier wird kein Muster im Vorfeld festgelegt, alles ist erlaubt, das Gestalten ist frei und unwillkürlich. Im Moment des ersten Eintauchens der Nadel in das Material weiss ich selbst nicht wie das Ergebnis sein wird. Ich möchte mich auch gar nicht festlegen, sondern vielmehr treiben lassen im kreativen Arbeiten und Gestalten.

Wie mit einem Stück Zeichenkohle oder einem weichen Buntstift, beginne ich nun die ersten Linien in das bereits vorhandene, eingeschnittene abstrakte Bild hinzuzufügen. Ich versuche erst gar nicht direkt anhand der Aussenkanten entlangzulaufen, sondern wähle bewusst eine neue weiche runde Form für einen eventuell neu entstehenden Fisch. Warum auch nicht? Und selbst die Quiltstiche sollen hier unregelmässig lang/kurz sein, denn ich fahre mehrfach mit Garn und Nadel darüber, schraffiere, male erneut, und rege mich vor allem nicht auf, wenn die Linien sich nicht punktgenau treffen, denn es ist eben abstrakt. Sobald sich die mehrfach übereinanderlaufenden Garnlinien bündeln, findet sich ein dickerer Strich, der letztendlich das Gesamtbild ordnet.

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Vielleicht mag es für den Moment noch etwas ungeordnet und “sinnlos” erscheinen, doch wird sich das in wenigen Minuten ändern. Ein Auge findet hinzu:

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gleich darauffolgend einige Schuppen:

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Der zweite Fisch bekommt so auch eine erste Ausgestaltung und dann wechsle ich das Garn um Farbakzente einzuarbeiten.

Ich arbeite in langen weichen Schwüngen, fülle aber auch kleinere Fläche aus. Es ist gut zu sehen, wie unregelmässig hier die Stichlängen sind, dies macht das Gesamtbild interessant. Der Quiltfuss, den ich verwende, ist der Echoquilt- und CutWorkfuss # 44, der sich für das Quilten von unebenen Flächen (hier die Vertiefungen durch die Korkausschnitte) ideal eignet.

fresst

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Nach und nach finden die schraffierten und skizzierten Linien zu einem neuen Ganzen.

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Die kleinen Luftblasen werden umrandet. Auch hier nicht mit Angst reagieren oder verkampfen, sondern nach und nach mit nicht zu langsamem Schwung die ausgeschnittenen Kreise umrunden.  Wieder und wieder – es ist gut zu sehen, dass sich die Linien nicht treffen, sondern mit der Quantität der Umrundungen auffüllen und wieder einen gefüllten Quiltstrich ergeben.

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Nun ist das erste von den beiden Sets in der freien Schneidetechnik schon fast fertig, es wird noch einmal mit einem Steppstich knappkantig umrundet und ist dann startbereit.

Genauso gehe ich nun ans zweite Set, das eine abstrakte Architektenskizze ergeben soll. Zuerst skizziere (quilte) ich mit rotem Garn ein paar erste Linien. Und addiere, erneut ohne mir wirklich Gedanken darüber zu machen, wie es später ausschauen wird, weitere Linien, Schraffuren, angedeutete Winkel, Fenster und Türen. Erlaubt ist was gefällt. Erlaubt ist, was die Kreativität fliessen lässt. Denn dann verschwindet auch die Angst vor dem Nähen von Ecken und Kanten. Gerade mit diesem sehr übermütigen Maschinenquilten bekommt man am schnellsten ein Gefühl für Maschine, Garn und Geschwindigkeit, für das Erreichen von Stichlängen, Stichdichten etc. Es schafft eine gute Basis, auf die man weitere, komplizierte Quiltings aufbauen kann.

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Das war wieder ein gutes Teamwork zwischen meiner BERNINA 880 und mir.

Zwei neue Sets haben zu den beiden anderen aus diesem Bericht:

https://blog.bernina.com/de/2015/02/wir-tisch-kork-teil1/

hinzugefunden und liegen nun auf dem Tisch.

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Viel Spass beim Nacharbeiten und beim Entdecken von weiteren gestalterischen Möglichkeiten.

Liebe Grüße,

Jutta Hellbach

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Kommentare zu diesem Artikel

5 Responses

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  • lilalieselotte

    danke jutta für den wundervollen Beitrag.
    Die Fische gefallen mir ausnahmslos gut und man bekommt richtig Lust zzum nacharbeiten 🙂

    • Jutta Hellbach

      Hallo Lieselotte,
      bitte sehr gern geschehen. Die Fische und Kollegen haben nun schon einige Mahlzeiten im wahrsten Sinne des Wortes über sich ergehen lassen müssen ;-). Und wenn tatsächlich einmal ein Klecks Sosse in einen Korkausschnitt tropfte, halte ich das Set anschliessend unter fliessendes Wasser und wasche es aus. Lasse es anschliessend trocknen, bügle ggf nochmals drüber und schon ist es wieder startbereit. Oberflächliche Flecken entferne ich mit einem feuchten Tuch.
      Liebe Grüße,
      Jutta

  • Birgitg

    Hallo Jutta,
    wenn ich Deine Tischsets so sehe muss ich sagen dass mir meine praktischen abwaschbaren und günstig erworbenen auf einmal gar nicht mehr gefallen. Ein großes Kompliment an dieser Stelle!!!Stoffsets wollte ich nie nähen, da ich nicht dauernd waschen wollte. den unkomlizierten Kork auszuprobieren, das reizt mich sehr. Ich geh mal in Deinen Shop zum schauen ;-)) Liebe Grüße Birgit

    • Jutta Hellbach

      Liebe Birgit,
      deine Sets hatte ich gestern als Bildform schon in der Mailbox.
      Sie sind anders gearbeitet und ebenso toll.
      Viel Freude damit und herzliche Grüße in ein gemütliches Wochenende,
      Jutta

  • stoffmadame

    Vielen Dank für das so direkte Teilhaben lassen am kreativen Prozess! Wunderbar wie die Formen entstehen! Vor allem das Set mit den Fischen finde ich wunderschön, es erinnert mich an Designs aus den 50er und 60er Jahren.
    Weiter viel Spaß und ein gutes “Fließen”
    wünscht stoffmadame

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