Kreative Artikel zum Thema Nähen

Bündchen nähen mit integriertem Füsschen – Anleitung für “Mitwachsbündchen”, Version 1

Ich möchte euch in dieser Anleitung zeigen, wie ihr Bündchen nähen könnt, welche Kinderpyjamas mehrgrössentauglich machen. Diese “Mitwachsbündchen” mit integriertem Füsschen habe ich aus Bündchenstoff an die selbstgenähten Ganzkörperpyjamas meiner kleinen Tochter angenäht.

Babys wachsen ja vor allem im ersten Jahr unglaublich schnell – umso besser also, wenn man Pyjamas gleich über zwei oder mehr Grössen hinweg benutzen kann. Wirklich dreckig oder abgenutzt werden diese ja wirklich nicht. Jetzt mal abgesehen von einem gelegentlichen Windel-Fauxpas.

Da Babyfüsschen auch manchmal etwas kühl haben, vor allem wenn sie vor dem Zubettgehen noch herumtollen, können diese Mitwachsbündchen umgestülpt werden und ergeben simple Füsschen. Wenn das Kind grösser wird, können zwar die Füsschen nicht mehr gebraucht werden, aber mit hochgekrempeltem Bündchen macht das Babypyjama auf jeden Fall noch länger Freude.

Bündchen nähen: Füsschen aus Bündchenstoff

Umgestülpt wird das Bündchen zum Füsschen

Anpassungen am Schnittmuster für ein Mitwachspyjama

Bevor ich euch zeige, wie die Mitwachsbündchen genäht werden, möchte ich euch zuerst kurz beschreiben, welche Anpassungen ich am Schnittmuster selbst gemacht habe. Zunächst habe ich das Schnittmuster an den Beinen angepasst: ich habe das Vorder- sowie das Rückenteil jeweils um die vom Original-Schnittmuster vorgesehene Bündchenhöhe verlängert, somit reicht der Jerseystoff des Pyjamas bis zu den Knöcheln.

Was ebenfalls angepasst werden muss, ist der Torso. Da wir das Pyjama aus Jersey nähen, habe ich in der Breite jeweils keine Anpassungen gemacht (meine Tochter ist sowieso eher schmal und die meisten Schnittmuster sind breit angelegt), aber in der Länge muss das Schnittmuster natürlich unbedingt angepasst werden. Bei meinem Ganzkörperpyjama habe ich die Schrittnaht einfach tiefer gelegt, d.h. ich bin beim Abpausen beim Mehrgrössenschnitt sowohl beim Vorder- wie auch beim Rückenteil einfach unten langsam in die nächstgrössere Grösse übergegangen (wahrscheinlich würden auch zwei Grössen gehen, der Windelpo hat ja sowieso gerne etwas Spielraum).

Als Drittes habe ich an den Ärmeln noch ein längeres Bündchen als vorgesehen angenäht, sodass auch die Arme mit dem Baby mitwachsen.

Berechnung des Bündchens mit integriertem Füsschen

Das schwierigste kommt gleich zu Beginn: die Berechnung des Bündchens. Ihr braucht jeweils zwei vordere und zwei hintere Bündchen:

Höhe vorne:

(Abstand Knöchel bis Sohle + Fusslänge) x2 + eine Nahtzugabe + eine Saumzugabe

Bei meinem blauen Monsterpyjama in Grösse 86 ergibt dies für mich folgende Rechnung:
(4cm + 12cm) x2 + 1cm + 1,5cm = 34,5cm

Höhe hinten:

(Abstand Knöchel bis Sohle + Fusslänge + Nahtzugabe) x2

Bei Grösse 86 ergibt dies für mich folgende Rechnung:
(4cm + 12cm + 1cm) x2 = 34cm

Die Höhe für das vordere Bündchen ist also um die Differenz zwischen Naht- und Saumzugabe grösser. Wenn ihr beim fertigen Füsschen die zwei Lagen Stoff lieber oben als unten haben möchtet, wechselt ihr das vordere Bündchen einfach mit dem hinteren Bündchen aus.

Breite vorne und hinten

Bei der Breite könnt ihr euch entweder an die vorgegebene Breite des Originalbündchens halten, oder ihr berechnet es selber:

Breite eines Beines (nur die Vorder- oder Rückseite)  x0,8 oder 0,9 + 2x Nahtzugabe

(Viele raten dazu, zur Ermittlung der Bündchenweite den Faktor 0,7 zu benutzen. Ich kann aber aus eigener Erfahrung sagen, dass dies dann ziemlich eng werden kann zum An- und Ausziehen des Füsschens.)

Bündchen nähen mit integriertem Füsschen – Nähanleitung

Leider könnt ihr nicht vermeiden, dass man die versäuberte Seite des Bündchens sieht. In diesem Beitrag zeige ich euch meine ursprüngliche Version, bei der man die versäuberte Naht bei umgekrempeltem Bündchen sieht. In einem weiteren Beitrag werde ich euch noch zwei weitere Möglichkeiten zeigen, wie ihr das Bündchen annähen könnt, bei denen die versäuberte Naht stattdessen bei umgestülptem Füsschen zu sehen ist.

Ursprüngliche Version: die Einfache

Bei dieser Version näht ihr die Bündchen vor dem Zusammennähen der Seitennähte an das Vorder- und Rückenteil. Hinten wird das Bündchen (wie gewohnt) gefaltet und oben am Bein angenäht.

Bündchen nähen: angenähtes Bündchen hinten

Hinten das Bündchen normal doppellagig annähen

Beim vorderen Bündchen näht ihr zuerst den Saum an der unteren Seite (unbedingt einen elastischen Stich der Nähmaschine oder eine Covermaschine nehmen). Dann näht ihr die obere Seite des Bündchens links auf rechts an das Bein des Vorderteils. Wenn ihr nun die “Saumseite” hochklappt, sollte die schöne Seite des Saumes oben sein. Ihr könnt nun den Saum etwas feststecken – er sollte genau auf der Naht liegen.

Damit beim Zusammennähen nichts verrutscht, rate ich euch, den Saum links und rechts innerhalb der Nahtzugabe mit einem Geradstich aufs untere Bündchen zu nähen. So kann nichts verrutschen. (Das habe ich in meiner Faulheit natürlich nicht gemacht, aber ihr könnt ja von meinen Fehlern lernen)

angenähtes Bündchen mit Fuss vorne

Vorne das Bündchen nur oben links auf rechts annähen

Nun näht ihr das Pyjama so zusammen, wie es das Schnittmuster angibt. Ich nehme dafür meine Overlocker, es geht aber auch mit einer normalen Nähmaschine.

Bei den Beinen näht ihr das Bündchen ganz einfach mit. Ich sag’s hier nochmals: unbedingt darauf achten, dass der Saum (der dann ja zwischen dem Vorderteil und dem Hinterteil liegt) nicht verrutscht.

Vor dem Zusammennähen feststecken

Der Saum des Bündchens liegt beim Zusammennähen zwischen Vorder- und Rückenteil

Und fertig ist das Mitwachsbündchen mit integriertem Füsschen!

Fertiges Mitwachsbündchen

Fertiges Mitwachsbündchen

Fertiges Bündchen mit umgestülptem Füsschen

Umgestülpt wird das Bündchen zum Füsschen

Zwei Tipps zum Abschluss

Es versteht sich von selbst, dass meine “Bündchenfüsschen-Methode” nicht bei älteren Kindern benutzt werden kann – ab einem gewissen Zeitpunkt sind die Füsse einfach zu gross und das Bündchen würde viel zu lange ausfallen. Ihr müsst selbst entscheiden, welche Bündchenhöhe für euch noch “erträglich” ist. Ab zwei Jahren wachsen die Kinder dann ja auch nicht mehr so schnell…

Zu guter Letzt würde ich euch noch empfehlen, die Füsschen mit Sockenbremsen auszustatten, sobald die Kleinen krabbeln und laufen. So können sie nicht auf dem Boden rutschen, wenn sie vor dem Zubettgehen noch herumtollen – ausser sie wollen Parkett-Schlittschuhlaufen.

Das war Version 1 meiner kleinen Beitragsreihe zu Mitwachsbündchen. In einem weiteren Beitrag werde ich euch zeigen, wie ihr Bündchen nähen könnt, bei denen die versäuberte Naht bei umgestülptem Füsschen zu sehen ist. Hier geht’s zum Teil 2 der Mitwachsbündchen-Reihe mit Versionen 2 und 3.

Schwierigkeitsgrad: Fortgeschritten
Zeitaufwand: einen Abend
Verwendete Materialien: Bündchenstoff, Bündchenware, Lineal, passendes Nähgarn, Rollenschneider
Verwendete Produkte:
BERNINA 530
BERNINA 530
BERNINA L 460
BERNINA L 460

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Kommentare zu diesem Artikel

3 Antworten

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  • Bine R.

    Vielen Dank. Wird gleich ausprobiert. Hab bis jetzt immer nur extra lange Bündchen drangenäht, aber so ist es viel praktischer. 😀

    LG, Bine

  • Ginger Injes

    Super – herzlichen Dank für die Anleitung! Hab mich schon länger mal gefragt, wie man diese praktischen Wendebündchen gut nähen kann 🙂

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