Kreative Artikel zum Thema Quilten

Quiltreise nach Russland 6

Der 6. Teil meines Berichts ist ganz dem Besuch eines Kunstmuseums gwidmet, das zu den bedeutendsten weltweit zählt: Эрмитаж, der Eremitage in Sankt Petersburg. Laut Wikipedia sind in mehr als 350 Sälen über 60.000 Exponate ausgestellt, im Archiv befinden sich fast drei Millionen Objekte. Das Museum ist in einem Gebäudekomplex entlang der Newa untergebracht, dessen dominierender Teil der Winterpalast ist. Unten sieht man diese ehemalige Residenz der russischen Zaren vom Palastplatz aus, in dessen Zentrum die Alexandersäule steht. Und da das Wetter an diesem Tag zu wünschen übrig lässt …

… ist das genau richtig für einen solchen Besuch. Wir werden auch schon erwartet, denn dank der Verbindungen und den Sprachkenntnnissen von Herrn Eibisch geniessen wir eine exzellente Führung durch einen Teil der textilen Sammlungen, die ansonsten nur ganz selten durchgeführt wird. Marina Blumin, promovierte Spezialistin für Textilien und für Neuerwerbungen des Museums zuständig, nimmt sich Zeit für unsere speziellen Wünsche und …

… startet den Rundgang in der Loggia von Raphael – natürlich eine Kopie, denn das Original befindet sich bekanntlich in den Vatikanischen Museen – aber nicht minder beeindruckend. Unser Hauptaugenmerk richtet sich auf, nein in die Tischvitrinen in den Fensternischen …

… deren Abdeckungen Marina zurückschiebt, um uns …

… die darin lichtgeschützt aufbewahrten textilen Schätze …

… wie (Hand-) Stickereien aus der Zeit …

… in den unterschiedlichsten Techniken ausgeführt …

… zu enthüllen. Unglaublich fein gearbeitete Durchbrüche und …

… Nadelspitzen, ebenfalls vor den schädigenden Einflüssen durch Licht geschützt …

… sind in abgedunkelten Vitrinen ausgestellt.

Als Webmuster ist der Granatapfel – ein altes Symbol für das Leben und die Fruchtbarkeit – beliebt …

… während rötliche Farbtöne (purpur) Kostbarkeit und Autorität ausstrahlen.

Selbstverständlich ist ein Haus wie die Eremitage kein landläufiges Textilmuseum, sondern beherbergt Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen, angewandte Kunst – wie die Vase aus Malachit – Münzen, archäologische Funde und vieles mehr.

Auf unserem Rundgang …

… präsentiert und erklärt uns Marina …

… eine Vielzahl alter textiler Schätze …

… Goldstickereien …

… Überfangarbeiten und Perlenstickereien, an denen freilich die Zeit nicht spurlos vorüber gegangen ist.

In einem Museum, dessen Bestände vergleichbar mit denen des Louvre oder des Prado sind, hat der Besucher die Möglichkeit …

.. mal eben im Vorbeigehen zwei Madonnen-Bildnisse von Leonardo da Vinci, die “Benois Madonna” (1478) …

… und die “Litta Madonna” ( um 1490) zu bestaunen.

Ein paar Ecken und Säle weiter kündigt sich im Hintergrund schon an, worauf wir nun eingestimmt werden …

… Gobelins. Fein gewirkte Wandteppiche, z.B. aus Flandern und Frankreich …

… wie sie im 16. – 18. Jahrhundert gebräuchlich waren.

Wenn man bedenkt, welch wechselvolle Geschichte und Ereignisse diese Zarenresidenz hinter sich hat, Abrisse, Um- und Wiederaufbauten, Feuer, Kriegszeiten, Revolution …

… ist es beinahe unglaublich, wie sich Gebäude und Sammlungen heute präsentieren. Nachdem die Sammlungen den 2. Weltkrieg, während dessen sie ausgelagert oder im Keller des Hauses von Helfern mehr oder weniger geschützt worden waren, überstanden hatten, mussten in der Sowjetzeit Teile der Bestände an andere Museen abgetreten werden, wurden gegen Devisen ins Ausland verkauft oder standen verschiedenen mit der Sowjetunion geschäftlich verbundene Persönlichkeiten zur Auswahl zur Verfügung.

Aber zurück zu den Gobelins. Die Tapisserien wurden schmückend in die Raumgestaltung miteinbezogen …

… und folgen in ihrem Bildprogramm den Darstellungen der Bildenden Kunst der Epoche: Göttliches, Profanes, die Mythen der Antike …

… ein bewegungsreicher Figurenstil, wie es für das Zeitalter des Barocks kennzeichnend ist.

Auch ein Thronsessel zeigt sich bestickt …

… und der Saal wirkt imponierend, wie es sich für einen Repräsentationsraum gehört.

Weiter geht es durch Gänge und Kabinette …

… das Auge bleibt hier und da an einem Exponat hängen …

… bis man um die Ecke biegt und von den Gemälden Rembrandts in den Bann gezogen wird. Unten: “Die Rückkehr des verlorenen Sohnes”, ein Werk dieses bedeutendsten Künstlers des niederländischen Barock, mit meisterlicher Lichtführung, mit einem starken Hell-Dunkel-Kontrast, dem sog. Chiaroscuro, der den Ausdruck steigert.


Für das Gemälde “Flora” stand Rembrandts Ehefrau Saskia Modell. Uns interessierte hier weniger die römische Mythologie, sondern …

… die Kleidung, die der Maler opulent dargestellt hat. Es sind Muster und Stickereien darauf zu erkennen …

… und nun haben wir die einzigartige Möglichkeit, innerhalb derselben Stunde echte erhaltene Textilien mit gemalten zu vergleichen.

Leider sind meine Fotos etwas dunkel, denn es darf nicht geblitzt werden, aber ich bin sehr froh, dass man überhaupt fotografieren darf.

Im Hintergrund Rembrandts “Danae” – jetzt wissen wir schon, worauf zu achten ist: Lichtführung und Textilien – Faltenwürfe, Stickereien am Saum der Tischdecke, die Kleidung des Mannes … und nicht zuletzt die vor dem Bett achtlos liegengelassenen Schuhe … man könnte verweilen, aber …

wir müssen weiter. Hier eilen wir …

… an einem typischen Beispiel der sog. Petersburger Hängung vorbei. Hier steht nicht das einzelne Gemälde im Blickpunkt, hier wird durch die Menge der Bilder beeindruckt.

Auch die schier endlose Reihe an Sälen und Kabinetten ist einfach imposant.

Ab und zu wird Halt gemacht …

… z.B. vor einem Canaletto: “Der Empfang des französischen Botschafters in Venedig” …

… denn Marina schöpft aus einem beeindruckenden Wissensschatz, der einfach beneidenswert ist und …

… führt uns zu einem weiteren Highlight des Museums:

… der “Madonna Conestabile” von Raphael. Das Motiv der lesenden Madonna verwandte der Künstler mehrfach in seinem Frühwerk. Das Gemälde, das sich noch im Original-Rahmen – der wohl nach einem Entwurf von Raphael hergestellt wurde – befindet, wurde 1871 von Zar Alexander II gekauft, der es seiner Frau Maria Alexandrowna schenkte.

Langsam nähern wir uns dem Ende der dreistündigen Führung, für die ich mich im Nachhinein nochmals sehr herzlich bei Marina und unserem Übersetzer Wolfgang Eibisch bedanken will.

Nach dem Tee in der Mitarbeiter-Kantine und einem letzten anregenden Gespräch bringt uns Marina noch zu einem weiteren Wunschziel innerhalb der Eremitage …

… ein Stockwerk höher und in einem anderen Gebäudeteil befindet sich die französische Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Allen voran interessieren mich Henri Matisse, hier “Der Tanz” – eine gänzlich andere Bildauffassung als das bisher Gesehene …

… und Paul Gauguin: “Frau, eine Frucht haltend” – eines seiner Südsee-Bilder.

Auch an einem Van Gogh (“Erinnerung an den Garten in Etten”) kann man nicht einfach so vorbei eilen …

… auch nicht an einem Stilleben mit Vorhang (Textilien im Gemälde!!) von Paul Cézanne …

… oder an einem Portrait von Renoir.

Marina hat uns noch zu den Franzosen gebracht. “Zurück gehen Sie einfach so, wie wir gekommen sind”, und hat sich dann verabschiedet. Aber nun …

geht es weiter unter dem Titel “Verirrt in der Eremitage” – man hätte einen Film drehen können. Fünf Personen auf der Suche nach der Personal-Garderobe, wo wir unsere Sieben Sachen gelassen haben, und dem Personal-Ausgang. Also erstmal eine Etage tiefer, dann links, dann zweimal rechts, ah ja, hier waren die Kameen, dann Raphaels Madonna. Thronsaal 1 mit den Wappen, Treppenhaus. Kronleuchter und Marmorsäulen sind nicht wirklich als Orientierungspunkte geeignet. Hier waren wir doch schon mal? Nein, das ist Thronsaal 2. Verflixt, rechts oder links abzweigen? Ein Lachanfall bringt uns auch nicht weiter. Die Schilder können wir zwar lesen, aber der Personal-Ausgang ist darauf nicht verzeichnet. Das Personal kennt sich ja aus. Warum sind diese Gänge auch nur so lang? Und wie zum Hohn stellt man erst am Ende des Ganges fest, dass man wieder falsch ist und zurück muss zum letzten bekannten Punkt – oder der einem jedenfalls bekannt vorkommt. Ein fünfter Blick auf die Uhr sagt uns, dass wir eigentlich keine Zeit mehr haben und die nächste Verabredung schon sehr bald eingehalten werden müsste. Allerdings nicht in der Eremitage, sondern im Ethnographischen Museum. Jetzt wissen wir, warum Ariadne es mit dem Fadenknäuel gehalten hat – war wirklich eine gute Idee. Und dann, kaum, dass man es noch für möglich gehalten hätte, tritt man aus einem Durchgang und blickt in die Loggia mit den Tischvitrinen … Fast geschafft! Nur noch zwei Möglichkeiten für “Verirrt in der Eremitage” …

Weitere Infos zu diesem grandiosen Museum Эрмитаж findet man auf seinem Webauftritt. Auf den ersten Blick sieht das nicht sehr spektakulär aus, aber es verbirgt sich eine reiche Fundgrube dahinter. Und es gibt ihn auch in English Language: hermitagemuseum.org Genug zu entdecken bis zur nächsten Folge …

Zum 1. Teil des Reiseberichts geht es hier: http://blog.bernina.com/de/2011/10/quiltreise-nach-russland-1/

Zum 2. Teil des Reiseberichts geht es hier: http://blog.bernina.com/de/2011/10/quiltreise-nach-russland-2/

Zum 3. Teil des Reiseberichts geht es hier: http://blog.bernina.com/de/2011/10/quiltreise-nach-russland-3/

Zum 4. Teil des Reiseberichts geht es hier: http://blog.bernina.com/de/2011/10/quiltreise-nach-russland-4/

Zum 5. Teil des Reiseberichts geht es hier: http://blog.bernina.com/de/2011/11/quiltreise-nach-russland-5/

Zum 7. Teil des Reiseberichts geht es hier: http://blog.bernina.com/de/2011/12/quiltreise-nach-russland-7/

Für weitere Bilder und Infos besuchen Sie bitte meine Website www.quiltsundmehr.de

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