Kreative Artikel zum Thema Nähen

Aus dem Nähkästchen geplaudert – mit Katja von Katjuschka

Erinnert Ihr Euch an den Blog-Beitrag von Birgit mit der Seraflex-Verlosung? In diesem Beitrag wurde das “Easy Peasy Shirt” vorgestellt, ein Freebook von Katjuschka. Hinter dem Label Katjuschka steckt die Modedesignerin, Schneiderin und Schnittmusterdesignerin Katja Bercher. Wir waren neugierig auf die Person und haben ihr einen bunten Strauss an Fragen geschickt. Im Interview unten findet Ihr die Antworten und erfahrt unter anderem, was es mit dem russisch anmutenden Namen “Katjuschka” auf sich hat, wie Katja zur Profinäherin geworden ist, wo sie Inspiration findet und vieles mehr. Viel Spass bei der Lektüre!

Weitere Infos über Katja findet Ihr auf ihren Online-Kanälen:

www.katjuschka.de
www.faecbook.com/katjuschkadesign
www.facebook.com/groups/katjuschka
www.instagram.com/katjuschka.design
www.pinterest.de/katjuschka

Interview mit Katja Bercher

Kannst du dich als Person in drei Sätzen beschreiben?
Nein! 😂

Man findet dich im Internet als Katjuschka. Was bietest du unter diesem Label an?
Bei mir gibt es Spaß am Nähen, mehr Sicherheit durch die richtigen Techniken, Tipps und Tricks und Mut, selbst kreativ zu werden. Meine eBooks sind deshalb immer etwas mehr als nur Anleitungen zu meinen Schnittmustern. In meinen Online-Kursen gebe ich all mein Wissen und meine Erfahrungen in den Bereichen Nähen, Schnittmusteranpassung und Overlock weiter. In meinen 1:1-Coachings geht es darum, Kreative auf ihrem Weg in die Selbständigkeit zu unterstützen, ihren Weg zu finden.

Gibt es dich nur online oder kann man dich «physisch» kennenlernen, z.B. in Nähkursen oder in einem Ladengeschäft?
Ich habe eine eigene kleine Nähschule und liebe es, Nähkurse zu geben und mit den Teilnehmern an ihren Projekten zu arbeiten. Tür an Tür ist der Stoffladen meiner Mutter, in dem ich auch ab und an aushelfe. Der direkte Kundenkontakt ist die perfekte Ergänzung. Das Beraten und gemeinsame Stoffe-Aussuchen macht großen Spaß. Letztes Jahr fand mein erstes eigenes Nähevent statt, das “Schwarz.Wald.Nähen”, das wiederholt werden soll, sobald es wieder möglich ist.

Warum eigentlich der Name «Katjuschka»? Wir denken dabei an Russland. Verbindet dich etwas mit diesem Land oder dieser Kultur?
Ich habe keine russischen Wurzeln, aber ich mag die folkloristischen Designs und die Matrjoschkas. Entstanden ist der Name in meiner Zeit in Neuseeland, als ich in einer Jewellery als „Workshophand“ arbeitete. Als ich genug gelernt hatte, durfte ich meine eigenen Schmuckstücke fertigen. Als erstes Design entstand ein kleiner Anhänger, angelehnt an eine Matrjoschka, geschnitzt aus einem Stück Wachs und dann in Silber gegossen. Ich habe sie Katjuschka genannt und der Name ist geblieben. Ich finde das russische Püppchen passt ganz gut zu mir. Die vielen Schichten stehen für mich dafür, daß ich mich nicht auf einen Stil festlegen möchte, sondern versuche alles, was mir gefällt, auf meine Art zu kombinieren. Und ich liebe den Zwiebellook! 😉
Als ich dann offiziell mein Label gründete, entwarf eine Freundin und Grafikerin mein heutiges Logo.

Du trägst Dreadlocks. Diese sind auch Teil deines Logos und somit ein echtes Markenzeichen. Warum die Frisur – bist du ein Rastafari? 😊
Nein 😅. Mir hat das einfach schon immer gefallen, trotzdem habe ich hab mich erst relativ spät dafür entschieden. Inzwischen trage ich sie schon fast mein halbes Leben lang und kann mich nicht mehr davon trennen. Auch wenn sie manchmal nerven. Aber so geht es wohl jeder Frau mit ihren Haaren manchmal.

Schnitt “Miss Co(o)llege”

Schnitt “Miss Easy”

Wie bist du zur Profinäherin geworden? Wolltest du das immer schon?
Tatsächlich ist das fast zufällig passiert. Ich habe schon immer viel Handarbeiten gemacht, aber das Nähen war nur ein Teil davon. Nach meinem Abi konnte ich mich nicht so richtig entscheiden, wie es weitergehen soll und so habe einige Praktika gemacht. Eine Freundin erzählte mir von einer Schule, auf der man sich so richtig kreativ austoben kann. So bin ich am Infoabend einer Modeschule gelandet und habe mich dann dort beworben. Die Ausbildung beinhaltete auch den Stoff der Schneiderlehre und war so für mich das perfekte Rundumpaket aus Handwerk und Design.
Danach arbeitete ich 5 Jahre als Designerin, was eine tolle Zeit war, aber das Nähen und Selbst-etwas-erschaffen hat mir immer etwas gefehlt. In meiner jetzigen Tätigkeit kann ich beides verbinden und bin sehr glücklich damit. Trotzdem möchte ich die Zeit nicht missen. Ich habe sehr viel wertvolle Erfahrungen gesammelt und vieles gelernt, was ich in meine heutige Arbeit mitnehmen kann.

Hast du daneben einen «bürgerlichen» Beruf oder ist Katjuschka ein Full-time-Job?
Katjuschka ist mehr als ein Full-time-job, was nicht immer leicht ist, da ich ja auch noch Full-time-Mama von zwei kleinen Kindern bin. Trotzdem bin ich froh, so arbeiten und Familie und Selbstverwirklichung gleichermaßen leben und selbst gestalten zu können.

Fällt dir das Kurse-Geben leicht?
Ja, ich glaube das liegt mir tatsächlich im Blut. Ich habe schon immer gerne unterrichtet, angefangen mit Nachhilfe in meiner Schulzeit. Am liebsten gebe ich Kurse in kleinen Gruppen, wo ich auf jeden Teilnehmer intensiv eingehen kann. Auch Einzelkurse gebe ich gerne, zum Beispiel wenn es um die Overlock geht. Hier kann man noch intensiver auf die Fragen eingehen. Aber auch Online-Kurse zu geben und andere Kreative zu coachen, macht großen Spaß. Hier kann ich meine Affinität zur Arbeit mit verschiedensten Computerprogrammen und mit Social-Media-Kanälen sowie dem Entwickeln von Abläufen und Strategien ausleben. Dank der Möglichkeiten mit virtuellen Meetings muss man auch dabei nicht auf direkten Kontakt und Austausch verzichten.

Du erstellst auch Schnittmuster und hast kürzlich für Birgit ein Schnittmuster-Freebie erstellt, das wir im BERNINA Blog anbieten durften. Gibt es weitere Schnittmuster von dir?
Ja, inzwischen gibt es knapp 30 Schnittmuster von mir, viele davon sogar gratis als Freebooks und mindestens genau so viele liegen schon in der Schublade bereit und warten darauf, endlich veröffentlicht zu werden. Ich habe also noch einiges vor! ✌🏼

Schnitt “Miss Skaty”

Schnitt “Kragenheldin”

Bald erhältlich – die neueste Kreation von Katja

Wie hast du das Schnittmusterzeichnen gelernt?
Schnitttechnik war Teil meiner Ausbildung. Unsere Lehrerin war sehr streng und hat viel verlangt. Heute bin ich sehr dankbar für diese gute Schule.

Wie hat die Coronakrise dein Geschäft beeinflusst?
Die Nähkurse in meiner Werkstatt musste ich erstmal auf Eis legen. Aber gleichzeitig hat mir das Zeit verschafft, mich stärker auf meine Online-Arbeit zu konzentrieren. Während des Shut-Downs hielt ich einen mehrwöchigen begleiteten Online-Kurs und habe bereits einen Nachfolgekurs in Planung.

Was machst du in deiner Freizeit?
Die Freizeit gehört der Familie, dem Garten und meinen kleinen Yoga-Auszeiten.

Welche Rolle spielt deine Familie bei Katjuschka?
Sie inspiriert und unterstützt mich. Und natürlich wird sie benäht. Die meisten Modelle entstehen, weil ich sie mir für unseren privaten Kleiderschrank wünsche.

Wie bringst du Beruf, Familie und Hobbies unter einen Hut?
Das frage ich mich auch oft. Es braucht viel Organisation und gleichzeitig Flexibilität. Und die Unterstützung von meinem Mann, der ebenfalls selbständig und zu Hause (als Heilpraktiker) arbeitet. So können wir uns die Arbeitszeiten aufteilen und trotzdem voll für die Kinder da sein.

Gerne entwirft Katja Modelle aus neuen Designerstoffen, hier aus einer kommenden Kollektion für Herbst/Winter 20/21.

Du arbeitest in Lauchringen im Südschwarzwald. Wir stellen uns das sehr idyllisch vor. Wie sieht es bei dir aus?
Es ist tatsächlich sehr ländlich hier. Früher war mir das zu langweilig, inzwischen weiß ich das sehr zu schätzen und geniesse die viele Natur um mich herum.

Hast du ein Lieblings-Nähprojekt?
Am liebsten tüftle ich immer wieder an neuen Schnitten herum, bis sie so sind, wie ich es mir vorstelle.

Hast du einen Angst-Gegner beim Nähen?
Nein, mit genug Zeit und Geduld bekommt man alles hin.

Wo findest du Inspiration?
In den Stoffen selbst. Meistens kommen die Ideen, wenn ich ein Stoffdesign vor mir habe. Aber auch Kleidung aus verschiedensten Kulturen, Stilen und Jahrzehnten spielt mit rein.

Woran arbeitest du gerade?
Ich liebe den Boho-Look und ich nähe gerade ein langes Kleid für mich.

Welche Ziele verfolgst du mit deinem Label? Was hast du noch vor, wo soll die Reise hingen?
Wohin die Reise geht, bin ich auch sehr gespannt. Seit ich arbeite, hat sich immer wieder etwas verändert. Ich denke, man muss sich ständig weiterentwickeln, Neues lernen, Chancen ergreifen und für Veränderungen offen sein. Nur so kann man dauerhaft mit Leidenschaft dabei sein.

Gibt es bei dir auch Nähpausen?
Oh ja, ich nähe fast nur wenn ich in meiner Werkstatt bin. Da geniesse ich die Ruhe und Ungestörtheit. Das ist dann meine Auszeit.

Aus eigenem Interesse: Wir glauben, du nähst mit BERNINA. Stimmt’s? Magst du deine Maschine(n)? 
Ja, stimmt! 😊 Ich liebe sie! Ich habe eine fast 40 Jahre alte BERNINA Record, die schnurrt wie ein Kätzchen. In meiner Werkstatt habe ich natürlich die neuen Modelle stehen, Nähmaschinen wie Overlocker. Sie sind einfach zuverlässig und unkompliziert, was mir für meine Kurse sehr wichtig ist.

Obwohl es von dir nicht weit nach Steckborn ist, warst du aber noch nie bei BERNINA. Wie kommt das? 
Ich wusste nicht, daß man da einfach vorbeikommen darf! 😂 Aber das wird jetzt schnell nachgeholt!

Fun Facts

Ordnung im Nähzimmer oder organisiertes Chaos?
Chaotische Ordnung!

Hast du einen (Näh-)Tick?
Ich brauche auf jeden Fall viel Platz, damit ich mich so richtig ausbreiten kann. Und ich kann keinen Stoffrest wegwerfen!

Was trägst du beim Nähen?
Socken 😉

Nähen nachts oder tagsüber?
Am liebsten in einer Nähnacht in meiner Werkstatt mit meiner Freundin Sandra.

Immer Vollgas oder lieber mit Bedacht?
Ich versuche beides gleichzeitig 😉!

Hast Du gerade einen Lieblingsstoff?
Nein, dazu gibt es zu vieles, was mir gefällt!

Hast du deinen festen Nähtag oder ist bei dir jeder Tag ein Nähtag?
Ich habe zwei Werkstatt-Tage pro Woche. Da wird am meisten genäht.

Kleid oder Hose?
Beides je nach Lust und Laune.

Stecknadeln oder Clips
Stecknadeln!

Ist gut gebügelt halb genäht?
Oh JA! Das ist einer der Sätze, den ich in meinen Kursen wohl am häufigsten predige 🙈

Lieblings-Gadget (Nähmaschine zählt nicht)?
Handmaß!

Sprichst du mit deiner Nähmaschine und haben diese Namen?
Nein

Wenn Du nicht nähen dürftest, welches Hobby/welchen Beruf würdest Du wählen?
Gärtnern, handwerken, zeichnen, fotografieren, reisen / Yogalehrerin, Archäologin, Ethnologin, Mathelehrerin, Innenarchitektin, Hostelbetreiberin, Goldschmiedin, und in meinem nächsten Leben ohne Flug- und Höhenangst werde ich Flugbegeiterin 😅. Ich sag ja, es war nicht leicht, nach der Schule mich für etwas zu entscheiden 🤷🏻

Wie reagierst du, wenn jemand deine Stoffschere zum Papierschneiden benutzt?
Das traut sich keiner! 😜

Auftrennen oder «ach, egal»?
Nicht flennen, trennen! ☝️


Wir werden im Verlauf des Jahres weitere Interviews mit Näh-, Stick- und Quiltpersönlichkeiten hier publizieren. Fällt Euch eine Person ein, von der Ihr gerne mehr wissen würdet? Dann teilt uns deren Namen gerne in den Kommentaren mit.

Liebe Grüsse
Corinna

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Kommentare zu diesem Artikel

2 Antworten

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  • Gabi Pfeifer

    Tolles Blusenshirt im Tunika-look- bin gespannt, wie der Schnitt heißt! Ich freu mich schon auf die Anleitung. Hoffe das Schnittmuster ist bald erhältlich! Die Anleitungen sind für mich immer horizontöffnend. Hier wird mit viel Liebe gearbeitet!

    • Katja

      Danke dir liebe Gabi!
      Na dann verrate ich mal den Namen: die Bluse wird „Boholicious“ heißen und kommt noch diese Woche! Wenn du meiner Facebook-Seite folgst oder meinen Newsletter bekommst, wirst du als erste davon erfahren!
      liebe Grüße Katja

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