Kreative Artikel zum Thema Nähen

Kreative Wochen in Bhutan

Über die Choki Traditional Art School in Bhutan, kurz CTAS, haben wir im Blog schon mehrfach berichtet, zuletzt über eine von Pia Welsch geleitete Quiltwerkstatt und über den Besuch einer CTAS-Delegation bei uns in Steckborn. Die Schule, welche materiell benachteiligten Jugendlichen ein Studium in traditioneller Kunst ermöglicht, wird seit einigen Jahren von BERNINA mit Nähmaschinen unterstützt.

Von Ende April bis Ende Mai 2017 waren Judith Mundwiler und Gabi Mett zu Gast an der Choki Traditional Art School. Nachstehend publizieren wir gerne den Reisebericht der beiden Textilkünstlerinnen als Gastbeitrag: 

Reisebericht Bhutan

Das Abenteuer begann eigentlich schon im Januar 2016. Denn da war nach einem kurzen Telefongespräch klar, dass wir gemeinsam nach Bhutan reisen würden. Die Reise sollte bereits im Mai 2016 stattfinden, wurde dann aber aus verschiedenen Gründen in das Jahr 2017 verschoben. So hatten wir Zeit genug, uns intensiv vorzubereiten und einen guten Lehrplan auszuarbeiten, der auf die Ziele, die uns von der Schulleiterin Sonam Choki mitgeteilt worden waren, gut abgestimmt war. Bereits im Oktober letzten Jahres hatte Pia Welsch dort Grundlagen des Patchworks und Quiltens sowie Übungen zur Farbenlehre und anderes mehr vermittelt. Gute Voraussetzungen waren also gegeben, auch wenn die Lerngruppe nicht dieselbe war.

In den ersten zwei Wochen haben wir kreative Oberflächengestaltungen in Angriff genommen. Dafür standen uns morgens und nachmittags jeweils drei Stunden zur Verfügung, fünf Tage die Woche und samstags ein halber Tag. 19 Schülerinnen und zwei Lehrerinnen waren mit großem Eifer dabei, die Aufgaben anzugehen und zu lösen.

an der Naehmaschine Demonstration an der Naehmaschine mit aufmerksamen Schuelern die grossen Tische bieten mehr PlatzJudith Mundwiler und Gabi Mett beim Unterricht

Die StudentInnen waren begeistert bei der Sache, sehr neugierig und interessiert. Es war eine Freude mit ihnen zu arbeiten. Damit wir möglichst viele interessante Techniken vermitteln konnten, hatten wir bereits zu Hause die meisten Materialien zugeschnitten und vorbereitet. Die Zeit verging wie im Flug. Neben dem täglichen Unterrichten haben wir oft noch anschließend die Stoffgeschäfte in der Hauptstadt Thimpu angesteuert.

Stoffgeschaeft1 Stoffgeschaeft2

Hier haben wir nach den Materialien gesucht, die die Schule, aber auch die StudentInnen in einem späteren Berufsleben unabhängig von teuren Importprodukten machen. Die Materialien wurden von uns getestet, am Abend zugeschnitten und dann am nächsten Tag bereits verarbeitet. Es standen genügend BERNINA Nähmaschinen zur Verfügung, die noch vor und während unser ersten Tage eine Inspektion von einem Fachmann aus Indien erhielten. Einige StudentInnen wurden angeleitet, wie man die Maschinen reinigen und in Stand halten kann. Das war eine gute Sache.

Mit Herrn Sabir Saifi, Bernina IndienDie beiden neuen BERNINAs

In der zweiten Hälfte unserer Unterrichtszeit wurden verschiedene Taschentypen gearbeitet, in die die gelernten Oberflächengestaltungen einbezogen werden konnten. Hier kam es nicht mehr nur auf den kreativen Geist an, den wir in den Wochen zuvor immer wieder beschworen hatten, sondern auf genaue und exakte Ausführung. Wir haben die fertigen Arbeiten unter die Lupe genommen und mit den Studentinnen, den Lehrerinnen und auch der Schulleiterin Verbesserungen herausgearbeitet. Unser geplantes Programm haben wir voll umsetzen können. Es blieb sogar noch Zeit, gewisse kniffelige Techniken wie das Arbeiten von Knopflöchern intensiv zu trainieren. Es war in jeder Hinsicht eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit.
Blumentaeschchen ChenilletechnikHandytaeschchen IMG_6218 Kopie Judith Und Gabi bei de Schlussbesprechung mit den Studenten Kleine Handstickereien als Verzierungen Kleines TAEschchenOrigamitascheDie beteiligten Jugendlichen haben nach dem Ende der vier Wochen ein Zertifikat erhalten, dass sie an diesem Kurs teilgenommen haben. Das wird ihnen später einen guten Start ins Berufsleben ermöglichen. Die Lehrerinnen Chey Chey und Pema waren ebenfalls sehr zufrieden, denn sie hatten viele neue Techniken kennengelernt und außerdem bessere Vorstellungen, wie in Zukunft das kreative Potential der StudentInnen herausgearbeitet werden kann. Unser Trainingsprogramm wird, so ist es geplant, als Curriculum in den Lehrplan aufgenommen. Unsere Ideen, Beispiele und Ausarbeitungen werden ins Schularchiv aufgenommen, damit auch in den folgenden Jahren darauf zurückgegriffen werden kann. Die Kreativtechniken werden nun weiter trainiert.

Ebenfalls wurden Möglichkeiten entwickelt, wie die anderen Klassen – Sticken, Weben aber auch Holzarbeiten oder Malerei – fächerübergreifend mit der Nähklasse zusammen arbeiten und neue Produkte für den Schulshop entwickeln können.

Carving Klasse Painting Klasse Paintingklasse2 Weaving Klasse1 Weaving Klasse2Embrojdery Klasse2

Diese überzeugenden Ergebnisse waren nur möglich, weil alle Beteiligten ein großes Interesse an der Entwicklung von neuen Ideen hatten, allen voran die Schulleiterin Sonam Choki. Aufmerksam, einfallsreich und sehr emphatisch hat sie unsere Zeit in der Schule verfolgt und begleitet.

Aber nicht nur das. Sie hat dafür gesorgt, dass neben der vielfältigen Arbeit an der Schule unser Besichtigungsprogramm nicht zu kurz kam. Samstagnachmittags und Sonntags, an den Feiertagen und auch schon einmal an einem Vormittag in der Woche wurden uns Museen,Tempel, Dzongs, Klöster und wunderschöne Naturerlebnisse beschert.

akrobatische Taenze am School Celebrationsday Der goldene Buddha Gebetsfahnen 1 Gebetsmuehlen Grosse Gebetsmuehle Hausfassade an der Chocki-Schule

Unvergessen wird der Besuch des Textilmuseums in Thimpu bleiben. Wirklich atemberaubende Webarbeiten sind dort zu sehen. Und es ist auf Märkten auch noch möglich, solche Webarbeiten, die bis zu sechs Monate für die Herstellung in Anspruch nehmen, zu kaufen. Wir bekamen Einblicke in die buddhistischen Traditionen und Gebräuche, die in das Leben der Menschen in Bhutan eingeflochten sind. Viele Gesten des täglichen Lebens sind uns sehr schnell ans Herz gewachsen, so die Begrüßung und auch das Übergeben von Gegenständen mit beiden Händen die ineinander liegen. Das klappt sogar mit Stecknadeln im Unterricht. Es wirkt so friedlich, ohne Aggression. Die Menschen haben viel Geduld, sind sehr freundlich, hilfsbereit und entgegenkommend. Im täglichen Leben, zum Beispiel im Straßenverkehr haben wir nicht einmal ein böses Wort oder einen entsprechenden Blick wahrgenommen. Das schafft eine Atmosphäre, in der man sich sicher und gut fühlt.

Die Eindrücke sind so vielfältig, dass es schwer fällt, auf besondere Erlebnisse einzugehen. Wir fühlen uns diesem Land und ganz besonders den Menschen in diesem Land, die uns so offen aufgenommen haben, sehr verbunden. Es sind viel wunderbare Bilder in unserem Köpfen und Herzen, die kein Foto vermitteln kann. Wir hoffen, dass unsere Arbeit auf guten Boden gefallen ist und auch mit der Hilfe von BERNINA weiter wachsen wird. Wir werden dem Projekt jedenfalls weiterhin zur Seite stehen.

Erwähnt werden muss auch an dieser Stelle die Mario-Fontana-Stiftung und die Peter-Ustinov-Stiftung, welche das Projekt finanziell mitunterstützen und ohne die dieser Austausch nicht möglich geworden wäre.

Judith Mundwiler und Gabi Mett

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