Kreative Artikel zum Thema Quilten

Bericht vom Quiltfestival in Sankt Petersburg

Im April hatten wir hier schon einen Gastartikel von Wolfgang Eibisch, unserem pensionierten BERNINA Manager für Osteuropa, publiziert  – mit vielen Eindrücken vom Prager Patchworkmeeting. Gestern haben wir einen Bericht über das Quiltfestival in Sankt Petersburg erhalten, den wir nachstehend gerne publizieren. 

 Quiltfestivalbericht: 6. Kurotschka rjaba, Sankt Peterburg, 18.-23.10.2016

Von Wolfgang Eibisch
Fotos: Wolfgang Eibisch und Stanislaw Schapiro

Das Festival in Sankt Petersburg etabliert sich als traditionelle Veranstaltung im Oktober. Die von mir mit der Kuratorin ausgewählten europäischen Künstlerinnen sollen einen Vergleich des Entwicklungsstandes und der Entwicklungstendenzen in der Textilkunst erlauben.

Dieses Jahr sind wir mit einer Gruppe von 16 Personen für neun Tage nach Sankt Petersburg gereist. Die diesjährige Reisegruppe war damit die grösste seit Bestehen. Das reiche Programm für die männlichen Begleiter der ausstellenden Künstlerinnen war so aufgebaut, dass alle touristischen Höhepunkte allen möglich waren. Die Begeisterung über die Stadt war am Ende nahezu grenzenlos.

Der architektonisch beeindruckende Ausstellungssaal erstrahlt jedes Mal neu im Glanz der Quilts und des kulturellen Programms zur Vernissage.

Folkloreprogramm aus Udmurtien

Folkloreprogramm aus Udmurtien

Rauminstallation des Klubs Galumova

Rauminstallation des Klubs Galumova

Blick in den Saal

Blick in den Saal

 

Unsere Gruppe war in der Zusammensetzung Deutschland, Schweiz und Niederlande gut und immer lustig gemischt, vom bereits erfolgreichen Nachwuchs bis ins rüstige Ü80-Alter:

Die ausstellenden Künstlerinnen mit der Kuratorin Natalia Merentzewa (rechts)

Die ausstellenden Künstlerinnen mit der Kuratorin Natalia Merentzewa (rechts)

Die Arbeiten von Brigitte Morgenroth wurden von der Kuratorin an der ganzen Stirnwand platziert. Nach ihren Personalausstellungen Houston und Birmingham nun Sankt Petersburg.

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Aus dem Projekt „Musik trifft Stoff“ stammen die Beatles von Gabriele Schultz-Herzberger:

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Die Klassik wurde durch Bach von Randa Stewner vertreten:

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Grosses Interesse fanden auch ihre „Iranischen Linien“.

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Grietje van der Veen Schweiz zeigte eine Retrospektive ihres langjährigen Schaffens:

 

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Wir hatten auch interessierte Kunstexperten an Bord. Beatrijs Sterk aus den Niederlande hatte als Journalistin die Chance, Kontakte in Russland aus den ETN-Jahren wieder aufzufrischen und sich als Redakteurin des Textile Forums einen Überblick über das Thema „Quilten als Textilkunst heute“ zu verschaffen. Wir hatten anregende Gespräche. In ihrer Begleitung war Frau Dr. Karin Thönnissen, Kunsthistorikerin, Textil- und Modehistorikerin an den Universitäten Köln, Aachen und Weimar.

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Bereits zum zweiten Male waren wir mit dem noch jungen internationalem Projekt Patch Kids mit dem Motto Circus zu Gast, organisiert von der Patchworkgilde und unterstützt von BERNINA.

 

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Nun ein längerer, subjektiv wertender Blick in den russischen Teil der Ausstellung. Die russische Entwicklung ist stark traditionell geprägt, aber ohne Nähmaschine arbeitet heute kaum noch jemand. Die Szene ist von teilweise grossen Klubs geprägt, die oft bereits 20 Jahre bestehen und unter bewährten führungsstarken Klubleiterinnen produktiv arbeiten. Oft haben die Klubleiterinnen eine Kunstausbildung und gaben dem Klub als Markenzeichen ihren Namen. Der Klub Galumova Sankt Petersburg ist mit acht Grand Prix aus russischen Festivals der erfolgreichste Klub. Er befasst sich ausschliesslich mit grandiosen Themen, die  dann oft von Museen angekauft werden. Der Besuch im Klub und die Präsentation von Ludmilla Galumova wären einen eigenen Bericht wert.

Ludmilla Galumowa, Russisches Märchen, 200x200

Ludmilla Galumowa, Russisches Märchen, 200×200      

Ein Blick ins Atelier des Klubs

Ein Blick ins Atelier des Klubs

Ein herzlicher Abschied

Ein herzlicher Abschied

Die Kuratorin Natalia Merentzewa gehört zu den Gründungsmitgliedern des Klubs und stellte ihre Arbeiten zur Serie „Vergessene Götter“ aus:

 

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Die Leiterin des gleichnamigen Klubs Alexandra Nikulina aus Sankt Petersburg erläutert ihre Arbeit „Der blaue Brunnen“:

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“Sinnlose Welt” von A. Nikulina:

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Eine andere Patchworkhochburg mit einer langen Textiltradition ist die Stadt Iwanowo, in der Nähe Moskaus gelegen. Die kreative Gruppe „September“, seit 20 Jahren unter der Leitung  von Larissa Denisowa, ist ebenfalls vielfache Preisträgerin und war u.a. mit der Arbeit „Geburt eines Sterns“ 156×228 vertreten:

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Zwei Männern von nationalem Ruf begegnet man auf vielen Ausstellungen, der eine ist Alexander Belik:

Kindheitserinnerung

Kindheitserinnerung

Ewige Entwicklung

Ewige Entwicklung

Das folgende Projekt beschreibe ich ausführlich, da es typisch ist für die Arbeit der Klubs und Gruppen. Im Jahr 2012 entstand bei den Quiltklubs im Gebiet Tscheljabinsk/Ural der Gedanke, für die Förderung des Schöpfertums gemeinsame Projekte zu schaffen. Es erwies sich schnell, dass einzelnes Projekt dafür nicht reicht. Die Dramatik des Arbeitsprozesses selbst, die schöpferische Stärkung und Chance der eigenen Weiterentwicklung waren Anstoss für die Beteiligung zahlreicher Quilterinnen. Seitdem entstanden zahlreiche vielteilige Projekte wie „ Beerenmix“, „Blick auf blaue Seen“, „Treffpunkt Europa-Asien“ und, wie im Foto unten zu sehen, „Steine aus Tscheljabinsker Erde“.

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Ähnlich verhält es sich beim Projekt „Blumenallee“ des Klubs „Schtutschka“ Sosnowyj Bor bei Petersburg:

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Welche Ähnlichkeit fällt Ihnen bei russischen Arbeiten wahrscheinlich ähnlich auf? Natur in allen Facetten, Heimat, kräftiges Farbenspiel, Motive, die schwer beladen sind, statt Minimalisierung und Sparsamkeit der Ausdrucksmittel. Welch ein Kontrast zu unseren europäischen Ausstellungen.

Irina Fomina, Ukraine, „Ende des Regens“

Irina Fomina, Ukraine, „Ende des Regens“

Die lettische Gilde ist schon Stammgast des Festivals und war mit einem für mich neuem Gesicht vertreten – Lolita Sumane:

Triptychon Mohnblumen, dreimal 100x100cm

Triptychon Mohnblumen, dreimal 100x100cm

Magnolie, 200x100cm

Magnolie, 200x100cm

Anemone, 90x90cm

Anemone, 90x90cm

In der Hoffnung auf weitere Fachkommentare der Mitglieder unserer Reisegruppe schliesse ich diesen Bericht mit der erneuten Erkenntnis: „Russland lohnt immer!“

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Kommentare zu diesem Artikel

4 Responses

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  • Eibisch Wolfgang

    Lieber Wolfgang und alle l Leser der Kommentare, beim Herrenprogramm handelt es sich um mein Damenprogramm für die begleitpersonen der ausstellenden Künstlerinnen, dies war diesmal ein Mix beider Geschlechter. Durch den 9-Tage Aufenthalt war es möglich, dass die Höhepunkte Eremitage
    (vergößert, erweitert, endlich offen bis 20 oder 21 Uhr!), das neugestaltete Ethnographische Museum, Zarskoje selo, Peterhof von der gesamten Gruppe gebucht werden konnten. , Wir haben
    sogar alle auch ohne Russischkenntnisse Busfahren vom Hotel Moskwa zur Ausstellung gelernt und viel Fußweg beim Umsteigen in der Metro eingesparrt.
    Langsam geht die Phase der Organisation solcher Gruppenreisen aus Altersgründen zu Ende, für 2017 sind je eine Reise Moskau und Petersburg in Vorbereitung.. Interessenten können sich bei mir direkt medlen: wolfgang.eibisch@t-online.de

  • Dr. Wolfgang Heinz

    Hallo lieber Wolfgang,
    schon 8 Stunden ohne weiteren Kommentar, das will ich gern ändern.
    Herzlichen Glückwunsch zu der erfolgreichen Reise nach St. Petersburg und danke für den informativen Bericht. Eine gelungene Mischung aus Kunstwerken und der Dokumentation der Begegnungen mit den ausstellenden Künstlern läßt uns das Kurochka ryaba miterleben.
    Kommt auch noch ein Bericht vom Herrenprogramm?
    Herzliche Grüße an meinen Namensvetter
    Dein Wolfgang

  • Gudrun Heinz

    halli hallo wolfgang,
    das quiltfestival sankt petersburg wie es leibt und lebt – so möchte ich sagen. seit du pia und mich 2011 dorthin gebracht hast, sind die jahre vergangen, aber der ausstellungssaal des künstlerbundes ist jedesmal eine schau! anhand der vielen berichte aus russland, die von verschiedenen autoren hier im blog veröffentlicht worden sind, kann man sich die entwicklung schön nochmals vor augen führen und auch sehen, wer sich treu geblieben ist. vielen dank, dass du dir diesmal wieder die mühe mit dem wundervollen bericht gemacht hast und ich hoffe, dass du auch wieder gesund bist.
    beste grüsse
    gudrun

  • Pia René Schmitt

    Faszinierende Bilderflut!
    Hier werde ich wohl noch öfter mal reinklicken müssen, bis ich das wirklich alles richtig gesehen habe.
    Vielen Dank, Herr Fluri!
    Herzliche Grüße
    Pia René

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