Kreative Artikel zum Thema Nähen

Aus dem Nähkästchen geplaudert mit Nelly Kolodziejski-Ruthenbeck von KOKO & DOLORES

Kürzlich haben wir das Label “KOKO & DOLORES” entdeckt. Hinter dem Label steckt die Berlinerin Nelly Kolodziejski-Ruthenbeck, gelernte Mode- und Textilmanagerin und Dreifach-Mama. Auf ihrer Website bietet Nelly Live Online-Nähkurse und allerlei Schnittmuster für Kinder an. Was hinter dem Nähpferdchen-Kurs und Free Willy steckt, verrät sie euch im Interview.

Interview mit Nelly von KOKO & DOLORES

Nelly Kolodziejski-Ruthenbeck / KOKO & DOLORES

Kannst du dich mit wenigen Worten beschreiben?
Sushisüchtige Großstadtpflanze, die von einem Haus am Mittelmeer träumt und die Mission hat, anderen Mamas dabei zu helfen, eigene Kinderkollektionen zu entwerfen und zu nähen, die schöner aussehen als gekauft.

Dein Label heisst «KOKO & DOLORES»: Wie bist du auf den Namen gekommen? Hat er eine bestimmte Bedeutung?
Der Name ist schon während meines Mode- und Textilmanagement Studiums entstanden und war 2007 der Titel meiner Abschlussarbeit. Gemeinsam mit meiner Freundin habe ich ein Einzelhandelskonzept entwickelt, das den Namen trug, der sich von Kokolores ableitet was so viel bedeutet wie Unsinn oder Unfug. Als ich 2014 meinen Stoffladen in Ulm eröffnete, war sofort klar, wie er heißen würde.

Was bietest du unter deinem Label an?
Heute kann man neben Schnittmuster für Mamas auch PDF-Schnitte für Kinder in meinem Online-Shop kaufen. Tatsächlich habe ich aber viel mehr vor. Im Oktober erscheint mein großer Online-Workshop, in dem ich jeder Mama oder werdenden Mama helfe, eine komplette Kollektion für ihr Kind zu entwickeln und umzusetzen. Für viele Frauen wird das Nähen Thema aktuell, wenn sie ein Kind bekommen. Es macht aus vielen Gründen Sinn zu nähen, einer davon ist: es ermöglicht im wilden “Mamaleben” eine Auszeit an der Nähmaschine. Dabei stellt man einzigartige, im besten Fall nachhaltige Kleidung her, die schöner aussieht als gekauft.

Läuft das Geschäft gut? Ist es ein Fulltime-Job?
Mein Online Geschäft ist noch sehr jung. Täglich wächst unsere Sew-Sister-Community und es ist eine große Freude zu sehen, wie aus KOKO & DOLORES das wird, was ich mir vorstelle: eine Gemeinschaft von Frauen, die eine Leidenschaft teilen.

Wann hast du entschieden, Dich mit KOKO & DOLORES selbständig zu machen? Was hast du vorher gemacht?
KOKO & DOLORES, wie es heute ist, ist die Weiterentwicklung der ersten Geschäftsidee. 2014 habe ich einen Stoffladen mit Nähplätzen in Ulm eröffnet und dort verschiedenste Kurse angeboten. Als wir 2017 zurück in meine Heimat Berlin gezogen sind, war mein jüngster Sohn gerade geboren und ich musste erst Mal die Schließung des Ladens verdauen. Ich habe eine Stelle an einer Hochschule für Mode und Design angenommen, die ich bis heute auch noch “hauptberuflich” ausübe. Vor dem eigenen Laden habe ich lange als Kostümbildassistenz beim Film gearbeitet. Aber für keinen Beruf hat mein Herz bisher so geschlagen wie für KOKO & DOLORES.

Wir haben gesehen, dass du unter anderem Live Online-Kurse anbietest. Wie läuft das ab und muss man sich anmelden?
Auf www.kokodolores.com findet man alle verfügbaren Termine mit Kursbeschreibung, per Klick kann man sich für den jeweiligen Wunschkurs anmelden und erhält dann einen Link zum virtuellen Raum. Alle Teilnehmerinnen haben ihren Laptop, Tablet oder Handy dann an ihrem Nähplatz und wir nähen gemeinsam Schnittmuster von KOKO & DOLORES. Es gibt Videoeinspieler und alle können ihre Fragen stellen und bekommen Hilfe, wann immer sie nicht weiter wissen. Dabei entwickeln sich immer tolle Gespräche, die oft über das Nähen hinausgehen. Besonders während des Lockdowns sind so richtige Mädelsabende entstanden.

Die Idee des Nähpferchen-Kurses für Kinder finden wir toll. Wir nehmen an, du hast dich von den Schwimmabzeichen inspirieren lassen. Wie kommt das Angebot an?
Das Nähpferdchen habe ich auch schon in meinem Laden angeboten. Es ist der Kurs für alle Einsteigerinnen nicht nur für Kinder. Hier geht es darum, die ersten Schritte an der Maschine zu machen, sich mit dem Nähvokabular vertraut zu machen, Stoffarten zu unterscheiden und eine Übersicht zu bekommen, wie man sich Schritt für Schritt die technischen Fähigkeiten aneignet. Ich bin überzeugt, jeder kann nähen lernen… auch mit “zwei linken Händen”. Im Laden bekam man dann natürlich auch sein Abzeichen zum Aufnähen und für den Online Kurs ist das auch wieder geplant.

Ein Shirt von dir heisst Free Willy. Hast du’s mit den Meerestieren? 😊
Aus meiner Liebe zum Film entwickelten sich die Namen zu meinen Schnittmustern. Ob Parker Lewis, Big Easy, I am Legend oder Al Capone… Sie alle nehmen Bezug auf Filme. Das Oversized-Shirt, das man geschenkt bekommt, wenn man sich zu meinem Newsletter anmeldet, ist von Anfang an als Geschenk geplant gewesen, da passte Free Willy einfach richtig gut. Dass Wale meine Lieblingstiere sind, war dann eher Zufall.

Generell: Wie entwickelt sich die Nachfrage nach den Online-Kursen?
Ich habe mit den Online Nähkursen im März begonnen und von Beginn an wurden die Kurse gebucht. Ich erinnere mich, dass mir damals in Ulm viele Kundinnen berichteten, dass sie bis zu 1,5 Stunden fahren mussten, um an den Kursen im Laden teilzunehmen, weil sie auf dem Land wohnten. Die technischen Möglichkeiten heute erlauben, dass wir als Mütter bei unseren schlafenden Kindern zu Hause sind und trotzdem das Nähen erlernen, weil wir Kursangebote online wahrnehmen können. Es gibt natürlich eine Vielzahl von tollen Online-Kursen, aber die Live-Komponente hat einen großen Vorteil. Man kann direkt Fragen stellen und bekommt eine Antwort, ohne dafür das Internet durchsuchen zu müssen und wie schon erwähnt, entwickeln sich auch Gespräche zu anderen Themen, die uns Mamas bewegen gerade in diesen besonderen Zeiten.

Wie hat sich die Coronakrise auf KOKO & DOLORES ausgewirkt?
Es hört sich verrückt an, aber für unsere Branche hat Corona eher für einen Boost gesorgt. Der Lockdown hat viele an die Maschine gebracht. Eine derartige Situation lässt sicherlich viele von uns auch nachdenklich werden hinsichtlich der Entwicklung der Menschheit und unserem Einfluss auf die Umwelt. Diese Besinnung führt im besten Fall dazu, dass wir auch im Umgang mit Ressourcen nachhaltiger werden und dazu gehört eben auch der Fokus auf Slow Fashion. Die Textilindustrie gehört zu den großen Umweltverschmutzern. Außerdem ist sie auf Grund ihrer Strukturen massiv beteiligt am Voranschreiten der Armut bereits armer Menschen. Sie verhindert eine gerechtere Verteilung, solange sie unverändert so weiter existiert oder das Spiel des Höher, Schneller, Weiter sogar noch verschärft. Das Nähen eigener Kleidung in Kombination mit dem Kauf nachhaltiger Kleidung kann dazu beitragen, den Kindern dieser Welt eine lebenswerte Zukunft zu ermöglichen.

Auf deinem Instagram-Account kann man vom «kokodolorescircus» und «sewsistersewalong» lesen. Was hat es damit auf sich?
Im Februar habe ich die Sew-Sister-Community dazu aufgerufen in einem Sew Along eine Frühlingskollektion zum Thema CIRCUS für ihre Kinder zu nähen. Jede Woche haben die 200 Teilnehmerinnen E-Mails mit Worksheets und Anleitungen erhalten, um systematisch eine eigene Kollektion zu nähen. Dabei sind wir wirklich zu einer richtigen Gemeinschaft zusammengewachsen und es sind die unglaublichsten Kollektionen entstanden. Die Sew Sisters sind über sich selbst hinausgewachsen und erst beim letzten Live-Online-Nähabend sagte eine Sew Sister, dass sie der kokodolorescircus richtig durch die erste Corona-Zeit getragen habe. Tatsächlich steht das Thema auch schon für den neuen sewsistersewalong, der im September stattfindet.

Wie bist du zum Nähen gekommen? Ganz klassisch durch die eigenen Kinder?
Ich habe schon mit 7 von meiner Oma nähen gelernt und nie wieder aufgehört. Im Studium habe ich das Handwerk dann professionalisiert. Mit den eigenen Kindern kamen dann aber die Kinderkleider dazu.

Wo suchst du nach Inspiration und neuen Ideen?
Die Frage müsste eher lauten, wo suchst du nicht nach Inspiration. Seit es Handykameras gibt, fotografiere und speichere ich alles, was mich täglich anspricht und das in mir Ideen zündet, aus denen ich etwas für das Nähen ableiten kann. Das passiert in der echten und der virtuellen Welt. Vorher hatte ich immer mein Notizbuch dabei. In meinem Online-Workshop widme ich dem Thema Inspiration ein ganzes Modul und gebe auch Einblick in ganz konkrete Quellen.

Wie bringst du Familie und Beruf unter einen Hut? Läuft das immer so unkompliziert ab, wie es auf aussenstehende wirkt?
Ich empfinde es tatsächlich als unkompliziert, das heißt aber nicht, dass es alles von alleine funktioniert. Mein Mann und ich sind ein gleichberechtigtes Team, meine Eltern sind großer Bestandteil unseres Alltages und ich trage das Optimismus-Gen, das mir immer das Vertrauen verleiht, dass alles irgendwie immer klappt. Ich würde sagen, unser System ist einfach sehr eingespielt und dabei in hohem Maße flexibel.

Was nähst du gerade und was nähst du am liebsten?
In diesem Augenblick mache ich Urlaub. Aber wenn wir zurück sind, teste ich weiter Schnittmuster für uns Mamas. Und wann immer die Jungs etwas brauchen, nähe ich für sie.

Badekleidung

Was ist dir an eigenen Nähprojekten am wichtigsten?
Ich bin immer richtig happy, wenn ich schon beim Nähen weiß, dass ich ein Lieblingsteil unter der Nadel habe. Nach den Schwangerschaften hat es eine Weile gedauert, bis ich styletechnisch wieder zu mir gefunden habe, obwohl Mode schon immer ein großes Thema für mich war. Heute bin ich dahingehend voll bei mir angekommen. Ich liebe gut sitzende, bequeme schlichte Kleidung, die schönem Stoff und mir Raum lassen, sich zu entfalten. Ich halte mich sowohl für die Kids als auch bei mir an die Devise: “weniger ist mehr”!

Hast du ein absolutes Lieblings-Nähprojekt?
Free Willy für die Kids ist gerade mein absoluter Liebling, weil man aus dem unendlich viele verschiedene Teile nähen kann. Auf dem Blog gibt es einen Patternhack, um ihn zur Jacke zu machen und das Video, um daraus einen Overall zu machen ist auch schon gedreht.

Free Willy Nähprojekt

Gibt es eine besonders schöne Nähsituation, an die du dich erinnerst?
Ach, Hunderte. Die Nähmaschine ist meine Komfortzone. Ich werde nie vergessen, wie ich ungelogen zwei Minuten nach meinem positiven Schwangerschaftstest einen NähMami-Kurs gegeben habe und einfach um meine Kursteilnehmerinnen herumgeschwebt bin vor Glück.

Nähst du die Garderobe deiner Kinder komplett selbst oder findet man zwischendurch auch etwas Gekauftes?
Die Jungs tragen zu 95 % selbst genähtes von mir und von meiner Mama, die auch noch strickt. Socken nähe ich nicht und das Torwart-Trikot des Großen durfte ich auch nicht nähen. Manchmal erben wir Gekauftes und darüber freuen wir uns, denn nichts ist nachhaltiger, als Kleidung zu tragen, bis sie auseinander fällt.

Wie siehts mit deiner eigenen Garderobe aus? Selbstgenäht oder selbstgekauft?
Heute alles selbstgenäht. Aber ich stelle fest, ich bin etwas zu kurz gekommen in letzter Zeit. Das ändert sich jetzt aber wieder, denn es kommen so tolle neue KOKO & DOLORES Schnittmuster für Mamas und alle anderen Frauen natürlich.

Wie verbringst du deine Freizeit, wenn du nicht am Nähen bist?
In erster Linie mit meinen 4 Männern, Freunden und beim irgendwas basteln. Nevernotcreative.

King-Keke-Kollektion

Hast du immer einen Plan? Falls ja, wo soll deine kreative Reise noch hingehen?
Ich habe immer einen Plan, aber weiß auch, dass das Leben passiert, während man andere Pläne macht. Zeitnah möchte ich mich beruflich ausschließlich KOKO & DOLORES widmen, denn ich habe ziemlich viel vor mit dieser unfassbar coolen Sew Sister Community.

Aus eigenem Interesse: Wir glauben, du nähst mit BERNINA. Stimmt’s? Magst du deine Maschine? 🙂
Ich habe tatsächlich im Laufe der Jahre einen ganzen Fuhrpark angesammelt. Jüngst kam einen BERNINA 335 hinzu und wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden.

BERNINA 335

Fun facts 

Hast du einen (Näh-)Tick?
Netflix das läuft als Hörspiel nebenbei.

Welches Schwimmabzeichen hast du, Seepferdchen oder Haifisch?
Ich gehe nur bis zu den Knien ins Wasser obwohl ich ein Freischwimmer bin.😊

Was trägst du beim Nähen?
Ähm. Also da ich einen Tisch für meine Nähmaschinen habe, muss ich die nicht tragen.

Lieblingsstoff heute und Allzeit-Lieblingsstoff?
Sweatshirt heute und schon immer

Lieblingszubehör?
Weniger ist mehr Schere und Nähmaschine… is all I need.

Was geht beim Nähen gar nicht?
Wie im übrigen Leben auch, zu streng mit sich selbst zu sein!

Für welche Jahreszeit nächst du am liebsten?
Da mache ich keine Unterschiede, bei mir ist immer “Nähvember”.

Grösstes Näh-Missgeschick?
Rotwein auf einem Teil der Abschlusskollektion am Abend vor der Abgabe.

Lieblingsfarbe und -muster?
Rosa gestreift

Bei dir ist alles bunt. Kam bei dir auch schon mal ein schwarzer Stoff unter die Nadel?
Für mich nähe ich viel Schwarz und für die Jungs übrigens auch. Meine Abschlusskollektion war Businessmode für Frauen in schwarz und weiß.

Sprichst du mit deiner Nähmaschine?
Selbstgespräche sicher führen könnte ich auch einen Workshop anbieten.

Welchen Beruf wolltest du als Kind ergreifen?
Ich wollte Juristin oder Modedesignerin werden.

Welchen anderen Beruf als den, den du gerade ausübst, könntest du dir vorstellen?
Besitzerin eines kleinen Hotels in Griechenland

Ordnung oder Chaos im Nähzimmer?
Ordnung

Stecknadeln oder Clips?
Wenn ich nur eins darf: Nadeln

Perfektionist beim Nähen oder «passt schon»?
Nach hartem Training den Perfektionismus über Bord geworfen für die Freiheit!


Mehr erfahren über Nelly von “KOKO & DOLORES”

Weitere Infos über Nelly findet ihr auf ihren Online-Kanälen:

Instagram: https://www.instagram.com/kokodolores_patterns/

Website: https://kokodolores.com/


Wir werden im Verlauf des Jahres weitere Interviews mit Näh-, Stick- und Quiltpersönlichkeiten hier publizieren. Fällt Euch eine Person ein, von der Ihr gerne mehr wissen würdet? Dann teilt uns deren Namen gerne in den Kommentaren mit.

Liebe Grüsse
Corinna

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Kommentare zu diesem Artikel

Eine Antwort

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  • Erika Beetz

    Danke für dieses Interview, Nelly wünsche ich weiterhin viel Erfolg, Sie ist wunderschön, diese Kleidung für Kinder. Nelly ist so sympatisch, ich freue mich, dass es so nette und liebenswürdige Menschen gibt.

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