Kreative Artikel zum Thema Nähen

Aus dem Nähkästchen geplaudert mit Katie von Eversewme

Kennt Ihr Eversewme? Hinter diesem Namen steckt Katie, eine britische Slow-Fashion- und Näh-Influencerin, die in Niedersachsen lebt. Auf ihren Social-Media-Accounts, mit denen Sie eine wachsende Fangemeinde erreicht, zeigt Katie stylische selbstgemachte Mode, die sie gekonnt inszeniert. Ihre Nähwerke versteht sie als Mutmacher (“keine Angst vor Schnittmustern!”) und als Statement gegen Fast Fashion.  

Wie ist Eversewme entstanden, wie schafft es Katie, neben ihren anderen Verpflichtungen so viel zu nähen, warum fühlt sie sich in Niedersachen besonders wohl und welchen Nähfehler macht sie bestimmt nie mehr?

Das alles und noch viel mehr erfahrt Ihr in unserem Interview:  

Interview mit Katie von “Eversewme”

Du bist sehr aktiv auf Social Media, hast einen reichweitenstarken Instagram-Kanal, bist auf Facebook und schreibst einen Blog. Was zeigst Du auf Deinen Kanälen?
Als ich die wunderbare Näh-Community auf Instagram entdeckte, begann ich, gleichgesinnten Näherinnen zu folgen. Ich war so inspiriert von ihren Kreationen, dass ich beschloss, meine eigenen Werke auch zu teilen! Ich bin auch auf Facebook, aber ich bevorzuge Instagram, weil es so einfach ist und weil das Miteinander unmittelbar und positiv ist. Zusätzlich habe ich einen Blog unter eversewme.com, den ich nächstes Jahr richtig lancieren möchte, um meinen Social-Media-Inhalten mehr Substanz zu geben.

In Deinem Instagram-Profiltext heisst es: ”Trying to change the taboo of handmade clothing” – welches Tabu meinst Du?
Es besteht der Irrglaube, dass selbstgenähte Kleidungsstücke “handgemacht” aussehen und vielleicht weniger stilvoll sind als gekaufte Mode. Ich will mit meinen Modellen zeigen, dass Selbstgenähtes stilvoll, einfach und modisch sein kann. Über das Internet findet man rund um die Welt so viele unabhängige, gute Schnittmusterhersteller und leicht zugängliche Stoffe. Ich möchte aufzeigen, dass es gar nicht schwer ist, sich damit eine modische Garderobe selber zu nähen. Ausserdem will ich die jüngere Generation von Fast Fashion webringen. Die schnelle Wegwerfmode ist immer noch viel zu beliebt.

Dein Engagement am Nähtisch und auf Social Media ist enorm gross. Du hast aber keinen Shop. Ist das Nähen für Dich Hobby und Leidenschaft – oder gibt es auch einen kommerziellen Aspekt?
Im Moment ist das nur ein Hobby, aber ich habe den Ehrgeiz, meine eigenen Schnittmuster und Nähboxen zu entwerfen und zu verkaufen. Rückmeldungen von Followern in den sozialen Medien zeigen mir, dass es eine Nachfrage gibt. Wir werden sehen, wie es läuft!

Wie schaffst du es, neben deinen anderen Verpflichtungen so viele tolle Outfits zu kreieren?
Das ist eine sehr gute Frage! Meine Berufe und Eversewme ergänzen sich gegenseitig. Hauptberuflich arbeite ich im Marketingteam von Modestoffe Meyerink, einem Stofflieferanten mit fünf Geschäften und einem Online-Shop, wo ich Nähkurse gebe. Ich verwende deren Stoffe für meine Eversewme-Kreationen. Ausserdem habe ich einen Teilzeitjob als Übersetzerin für ein Import-/Export-Textilunternehmen, das mich mit Stoffen versorgt, die ich verwenden und über die ich bloggen kann.

Wie und von wem hast du Nähen gelernt, wie hast du dich als Näherin entwickelt?
Ich habe an der Universität Leicester Textil- und Bekleidungsproduktion studiert. Danach habe ich für Next in UK als Bekleidungstechnologin gearbeitet. Nach der Geburt meiner beiden Söhne habe ich einige Jahre im Bereich Grafikdesign gearbeitet. Seitdem ich in Deutschland lebe – das sind nun fast 10 Jahre –, bin ich wieder in der Textilbranche tätig, im Druckdesign und in der Näherei.

Was gefällt dir am Nähen besonders gut?
Nähen ist für mich eine Flucht aus dem Alltag, es ist friedlich. Man könnte wohl sagen, es ist mein Yoga! Ich liebe es, Anleitungen zu folgen, ich liebe Stoffe und ich liebe Kleidung und Mode.

Wie kam es zu «Eversewme» – wann und warum hast Du dieses Label und die Online-Kanäle geschaffen?
Ich habe den Namen Eversewme ursprünglich gewählt, weil er einprägsam und persönlich ist. Ich wollte, dass der Name in der Näh-Community bekannt wird. Ursprünglich wollte ich Eversewme zu einem Unternehmen ausbauen, aber stattdessen werde ich zu einer Näh-Influencerin. Letztlich will ich ein Publikum und einen Markt für mein Unternehmen schaffen. Ich liebe das Gleichgewicht zwischen meiner Arbeit und Eversewme, deshalb möchte ich diesen Weg weitergehen.

Warum der Name «Eversewme»?
Der Name Eversewme ist eine Anspielung auf den Satz “That’s ever-so me”, den man in England sagt, wenn ein Kleidungsstück wirklich zu einem passt! Ich habe einfach das ‘so’ durch ‘sew’ ersetzt. Als ich die Idee zu Eversewme hatte, hätte ich nicht erwartet, dass meine Social-Media-Präsenz in Deutschland so schnell wachsen würde.

Du bist Engländerin, lebst aber in Niedersachsen. Was hat Dich dahin verschlagen?
Ich komme aus Grossbritannien und bin vor fast 10 Jahren mit meinen Söhnen nach Deutschland gezogen, da mein Mann aus Deutschland stammt. Zu meinem Glück hat Niedersachsen eine florierende Textilindustrie.

Online sprichst und schreibst Du sowohl englisch als auch deutsch, wendest Dich also an Fans in Deiner alten Heimat und an ein deutschsprachiges Publikum. Stellst Du Unterschiede zwischen der deutschen und englischen Nähszene fest?
Ich tausche mich gerne mit so vielen verschiedenen Menschen in der Näh-Community wie möglich aus. Ich lasse mich von ihren Kreationen, Tipps und Tricks inspirieren. Da ich eine doppelte, deutsch-britische Staatsbürgerschaft habe, möchte ich meine Social-Media-Community aus beiden Ländern inspirieren, indem ich beide Sprachen verwende und Stile mit internationaler Anziehungskraft kreiere.

Du stehst für «Slow Fashion» ein. Was bedeutet das für Dich konkret? Hat dieses Engagement mit negativen Erfahrungen in der Fashion-Industrie zu tun?
Ich glaube, dass wir von Fast Fashion beherrscht werden. Die grossen Einzelhändler ermutigen die Kunden, billige Kleidung zu niedrigen Preisen zu kaufen, billige Arbeitskräfte einzusetzen und die Sachen dann wegzuwerfen. Deshalb wird diese Mode auch als Wegwerfmode bezeichnet. Sie hat enorme negative Auswirkungen auf die Umwelt und entsteht teilweise unter ausbeuterischen Produktionsbedingungen. Ich nähe gerne klassische Stücke, die man immer wieder tragen kann. Ich stecke viel Liebe in meine Stücke und würde sie sicher nie wegwerfen. Ich möchte auch nicht die Taschen der grossen Modekonzerne füllen, wenn ich weiss, dass ich meine Kleidung selbst nähen kann.

Trägst Du nur Selbstgenähtes oder gehst Du auch mal shoppen?
Meistens trage ich etwas, das ich selbst genäht habe. Ich neige dazu, Jeans zu kaufen, weil ich nicht der grösste Fan vom Hosennähen bin. Mein Kleiderschrank ist voll mit handgefertigten Kleidungsstücken, gelegentlich gibt es auch gekaufte.

Wie sieht Dein Näh-Reich (Atelier) aus?
Ziemlich schlicht. Ich habe einen Raum im Keller umgebaut. Ich habe in einen riesigen Schneidetisch investiert – nachdem ich jahrelang Schnittmuster auf dem Wohnzimmerboden zugeschnitten hatte. Ausserdem habe ich mir meine BERNINA Nähmaschine und eine Overlockmaschine geleistet. Und vor allem meinen Bluetooth-Lautsprecher, um Musik und Podcasts zu hören, während ich nähe.

An welchem Projekt arbeitest du gerade?
Ich arbeite gerade an zwei neuen Test-Schnittmustern für einen Lieferanten, die in den nächsten Monaten erscheinen werden. Ich erhalte oft E-Mails, in denen ich gebeten werde, ein Schnittmuster oder eine Nähbox zu testen. Ich nähe das Kleidungsstück, prüfe, ob die Anweisungen klar und korrekt sind und ob das Kleidungsstück richtig sitzt. Ich fotografiere das getestete Kleidungsstück und schreibe am Tag der Markteinführung darüber.

Gehst du Kooperationen mit Stoffherstellern oder Schnittmusterdesignern ein? Wie läuft das ab?
Ich arbeite mit mehreren internationalen Unternehmen zusammen, mit Minerva UK, Fibremood in Belgien, BERNINA Deutschland und Wissew in Frankreich. Ich arbeite auch mit kleineren, unabhängigen Unternehmen zusammen.

Welcher war dein bisher schönster Nähmoment?
Ich würde sagen, am schönsten war es, meinen ersten Wintermantel zu nähen. Ich habe klein angefangen: Oberteile, Kleider und Röcke, aber das Erfolgserlebnis, als ich meinen Wintermantel fertiggestellt hatte, war für mich ein absolutes Highlight.

Wie verbringst du deine Freizeit, wenn du mal nicht am Nähen bist?
Ich habe gerade angefangen, mir das Häkeln beizubringen – mit Hilfe von YouTube und Kollegen. Das ist also ein neues Hobby für mich. Ich mache gerne lange Spaziergänge, lese und höre Podcasts. Meine Söhne sind 13 und 15, also ist es für sie nicht mehr so cool, mit ihrer Mutter abzuhängen, aber ich habe viele Freunde und eine grosse Familie, mit der ich mich austauschen kann.

Gibt es etwas, dass du anderen Näherinnen mit auf den Weg geben willst?
In meinenen Nähkursen rate ich meinen Schülern, keine Angst zu haben. Wenn man beim Nähen nervös ist, passieren oft Fehler. Entspannt Euch, nehmt Euch Zeit. Und: Lest die Anleitungen! Das Tolle am Nähen ist: Wenn etwas schiefgeht, kann man es fast immer auftrennen und neu anfangen!

Wohin soll deine kreative Reise noch gehen?
Ich liebe es wirklich, andere zu inspirieren. Es ist eine grosse Freude, eine Nachricht von einem Follower zu erhalten, der von einer meiner Arbeiten inspiriert wurde. In Zukunft möchte ich meine eigenen Schnittmuster und Nähkits entwerfen und verkaufen, aber im Moment geniesse ich es einfach, mein Hobby mit meiner Arbeit zu verbinden.

Aus eigenem Interesse: Wir glauben, du nähst mit BERNINA. Stimmt’s? Magst du deine Maschine(n)? 🙂
Meine BERNINA 480 ist der Rolls Royce unter den Nähmaschinen. Mit ihr kann ich wunderbar nähen. sie hat alle Funktionen, die ich brauche. Mit ihr kann ich perfekte Knopflöcher nähen. Diesbezüglich hat mich meine alte Maschine immer verrückt gemacht. Die B 480 hat einen cleveren Touchscreen und eine fantastische Funktion, die mir hilft, den richtigen Stich für den zu nähenden Stoff zu wählen. Ausserdem muss ich dank der Jumbo-Spulen beim Nähen grosser Projekte seltener anhalten. Ich bin total verliebt in meine BERNINA!

Image of BERNINA 480.

BERNINA 480

Die B 480: Hochwertig, aussergewöhnlich und gleichzeitig von brillanter Einfachheit. Moderne Technologie setzt perfekte Stiche bei jedem Material.

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Gibt es ein Zubehörteil, das Du besonders magst?
Mein Lieblingsmerkmal ist der FHS-Kniehebel zum Anheben des Fusses. Er macht die Arbeit so viel bequemer, vor allem dann, wenn ich an grossen Projekten arbeite. An der Universität habe ich das Nähen auf einer Industriemaschine mit einem ähnlichen Kniehebelsystem und einer ähnlichen Geschwindigkeit gelernt.


Fun facts 

Lieblingsstoff, jetzt gerade und ganz allgemein?
Ich nähe gerne mit gewebter Viskose, weil diese so vielseitig ist.

Lieblings-Schnittmuster-Designer oder -Designerin?
Ich liebe die Schnitte von Marsha Style – das ist einen australische Schnittmusterdesigerin – und von Fadenkäfer.

Die drei besten Adressen für Nähfans in Deiner alten Heimat England?
Tilly and the Buttons für Schnittmuster. Guthrie and Ghani für Stoffe und Blog -Updates zum Stoff-Thema. The Fold Line für Stoffe, Schnittmuster und Inspirationen rundum.

Was würdest du nie nähen?
Vermutlich Jeans. Ich mag es, wenn meine Jeans verwaschen und getragen aussehen, und ich weiss nicht, wie ich diesen Effekt erzielen könnte. Aber ich sage niemals nie.

Wofür erhältst Du am meisten Komplimente?
In der Regel für die zum Schnitt passenden Stoffe und Prints. Die richtige Wahl zu treffen, ist nicht immer einfach.

Was möchtest du unbedingt einmal nähen?
Bislang habe ich einen Bikini genäht, und nächstes Jahr werde ich einen Badeanzug und Unterwäsche nähen. Es gibt viele neue Techniken, die ich lernen möchte und mit denen ich mich selbst herausfordern möchte.

Was findest du beim Nähen besonders nützlich?
Den Nahttrenner! Und natürlich eine scharfe Schere.

Auftrennen oder «passt schon!»?
Auftrennen … Ich habe eine perfektionistische Ader.

Soundtrack beim Nähen?
Podcasts

Wieviele Paar Schuhe hast du?
Zu viele… Wenn ich hier zugeben würde, wie viele es sind, könnte ich Ärger bekommen. Schuhe muss ich kaufen, weil ich sie nicht nähen kann (das ist meine Ausrede)!

Lieblingsfarbe?
Das ist ein Klassiker, der immer passt.

Dein Superheld/deine Superheldin?
Das ist schwierig. Ich würde gerne in der Zeit zurückreisen können! Ich war schon immer von den Kostümen in historischen Dramen fasziniert. Ich würde gerne sehen, wie sie entstanden sind.

Ordnung im Nähzimmer oder organisiertes Chaos?
Ich versuche wirklich mein Bestes, aber es ist meist ein kreatives Chaos! Ich habe das Glück, einen Raum für meine Näharbeiten zu haben, bei dem ich die Tür schliessen kann!

Sprichst du mit deiner Nähmaschine?
Nicht dass ich wüsste! Vielleicht bin ich manchmal ein bisschen sauer, aber nicht auf meine Maschine, sondern auf mich selbst, weil ich etwas Dummes getan habe!

Hat deine Nähmaschinen einen Namen?
Berni!

Welchen Nähfehler machst Du nie mehr?
Vergessen zu prüfen, ob das PDF-Muster in 100% Grösse gedruckt wurde! Ein Mantel, den ich gemacht habe, bevor ich diesen Fehler bemerkte, hätte einem 5-Jährigen gepasst!

Eins nach dem andern oder vieles gleichzeitig?
Eins nach dem andern. Ich gerate oft in Versuchung, parallel etwas Neues anzufangen, halte mich dann aber zurück.

Welche Stecknadeln verwendest du?
Glaskopf von Prym.

Grösstes Näh-Missgeschick?
Siehe oben. Ein Schnittmuster nicht mit 100% auszudrucken.

Da will ich einmal hin!
Ich würde gerne durch Skandinavien reisen. Ich liebe die schlichten Einrichtungsgegenstände und Kleidungsstile dort.

Lieblingsort?
London, keine Frage. Wenn man in einem anderen Land lebt, entwickelt man starke patriotische Gefühle. Ich vermisse London.

Wie reagierst du, wenn jemand deine Stoffschere zum Papierschneiden benutzt?
NOOOOOOOOOOOOOOOOO


Mehr Informationen über Katie

Auf Katies Webseite,  Instagram-Kanal und Facebook-Profil erfahrt Ihr mehr über sie und ihre tollen Projekte:

Webseite: www.eversewme.com/

Instagram: www.instagram.com/eversewme/

Facebook: www.facebook.com/eversewme/


Wir werden weiterhin Interviews mit Näh-, Stick- und Quiltpersönlichkeiten im Blog publizieren. Fällt euch eine Person ein, von der ihr gerne mehr wissen würdet? Dann teilt uns deren Namen gerne in den Kommentaren mit.

Liebe Grüsse
Maria

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