Kreative Artikel zum Thema Nähen

Aus dem Nähkästchen geplaudert mit Dagmar von “badgerquilts”

Die nächste Nähpersönlichkeit, die wir im Rahmen unserer Interview-Reihe “Aus dem Nähkästchen geplaudert” vorstellen, kommt aus dem schönen Ruhrgebiet. Dagmar ist leidenschaftliche Quilterin und zeigt auf Social Media unter dem Label “badgerquilts” ihre Werke. Das Patchworken und Quilten hat sie sich über die Jahre selber beigebracht. Sie gehört zum Team „Nähmaschine an – Welt aus“.

Was ein Dachstag ist, in welchem Punkt Dagmar und ihr Mann unterschiedlicher Meinung sind, warum Dagmar es liebt, Stoffe zu zerschneiden und zu etwas Neuem zusammenzusetzen … das alles und noch viel mehr erfahrt Ihr im Blog-Interview:

Interview mit Dagmar von “badgerquilts”

Liebe Dagmar, erzähl mal, wer bist Du?
Ich bin 42 und wohne mit Mann, Nähmaschinen und meinen Eltern im schönen Ruhrgebiet.

Dein Label heisst “badgerquilts”. Wie bist Du auf diesen Namen gekommen? Hat er eine bestimmte Bedeutung?
Meine Freundin Witti und ich sind grosser Fan von dem besonders schön gezeichneten Kinderbuch “Der Dachs hat heute schlechte Laune”. Es beginnt mit dem wunderbaren Satz: “‘Huch’, machte der Dachs, als er aufwachte. ‘Heute bin ich aber schlecht gelaunt. So etwas von schlecht gelaunt, ich bin ja richtig gefährlich! Und wenn man so gefährlich ist und so schlecht gelaunt, darf man eigentlich gar nicht unter die Leute gehen. Da bleib ich wohl besser zu Hause.’ Und er warf schon mal schlecht gelaunt sein Bettzeug zur Seite.”
Weil mir persönlich das Quilten und Nähen immer gute Laune bereitet, hatten wir damals rumgewitzelt, dass meine Biographie – die ich niemals schreiben werde– den Titel «Der Dachs, die Quilts und ich» tragen könnte. Als ich dann einen Namen für meinen Instagram-Account brauchte, war der Weg zu “badgerquilts” nicht mehr weit. Dank des Nähens habe ich zum Glück selten einen Dachstag.

Auf Instagram nennst Du Dich “Cheerful sewing nerd”. Warum Nerd?
Bevor ich zu Instagram kam, kannte ich zwar den einen oder anderen, der auch näht, aber es wurde eigentlich nur Kleidung genäht, vielleicht noch mal ein Täschchen – da war ich als Patchworkerin die Aussenseiterin, quasi der Nerd unter den Näherinnen.

Wie bist Du zum Nähen gekommen, von wem hast Du es gelernt?
Meine Freundin Meike hat mich vor gut 10 Jahren immer mal wieder animiert, das Nähen auszuprobieren. Da ich aber eigentlich nie gerne Handarbeit gemacht habe, hat es einige Zeit gedauert, bis ich mir doch mal – sozusagen heimlich – die Nähmaschine meiner Mutter geschnappt habe und mir Meike erklärt hat, wie ich sie einfädele. Dann haben wir zusammen einen Loop genäht. Ab da war ich infiziert, besonders mit Patchwork. Ich habe mich durch alle möglichen Videos, häufig amerikanische, die es online gab, durchgeschaut und mir damit vieles selbst beigebracht. Am liebsten habe ich Quilty mit Mary Fons, Quilt Monkey mit Katy Jones und natürlich alles von und mit Jenny Doan geschaut.

Auf Deinem Instagram-Kanal haben wir gesehen, dass Du eine grosse Leidenschaft fürs Quilten hast.
Ja, das stimmt. Ich bin total fasziniert von Quilts, insbesondere vom Patchworken. Stoff zu zerschneiden und zu etwas Neuem in unendlichen Möglichkeiten wieder zusammenzusetzen, das macht mich zufrieden, dabei kann ich abschalten. Um es mit einem Zitat von Latifah Saafir aus dem Buch “WHY WE QUILT” von Thomas Knauer zu sagen: “I quilt because I have to.”

Wie lange arbeitest Du an einem Quilt?
Das ist eine gute Frage. Wie sagt man so schön – das kommt darauf an. Von 30 Stunden bis über 100 Stunden ist alles dabei – aber eigentlich zähle ich das nicht, zumal ich auch eine langsame Näherin bin. Ich mag einfach den Prozess und geniesse die Zeit in meiner “Machtzentrale”.

Du hast ja schon einige Quilts genäht. Gibt es einen, auf den du besonders stolz bist?
Eigentlich ist man auf jeden Quilt, den man fertigstellt, stolz. Deshalb kann ich mich schwer entscheiden, aber drei Quilts werden mir immer besonders in Erinnerung bleiben. Der Quilt nach dem Buch von Tula Pink “100 Modern Quilt Blocks”, der in einem Sewalong #100days100blocks von @gnomeangel entstanden ist. 100 Tage lang jeden Tag einen Block zu posten, war eine Herausforderung – gefühlt war jeder Block ein eigener kleiner Miniquilt. Ausserdem hatte ich Instagram-Bekanntschaften und Freunde, die auch nur im weitesten Sinne nähen können gebeten, sich mit Blöcken in dem Quilt zu verewigen – das ist eine schöne Erinnerung.

Dann mein Curved-Log-Cabin-Quilt, dessen Muster ich selbst mit dem Curved-Log-Cabin-Block zusammengestellt hatte. Ich bin heute noch erstaunt, dass meine Berechnungen zum Stoffverbrauch tatsächlich stimmten ;-). Zum Glück, denn ich habe Jahre gebraucht, um ihn letztendlich fertigzustellen – die Stoffe hätte ich kaum nachbestellen können.

Und natürlich “The Lion” von Violet Craft. Ich glaube, mein bisher aufwändigstes Projekt, ein wahres Monstrum von Quilt.

Was für Stoffe verwendest du? Welche Hersteller bevorzugst du und warum?
Solange es ein Marken- bzw. Qualitätsstoff ist, bin ich nicht festgelegt.

Hast Du in Bezug auf Garn und Vlies auch Vorlieben?
Für Quilts Baumwollgarn und Baumwollvlies.

Wie tauschst du dich mit anderen Quilterinnen aus?
Vorwiegend über Instagram. Ich freue mich aber total, dass es seit diesem Jahr die Nähgang von Barbara von @dasmachichnachts gibt. Die Community ist klasse und man findet viel Wissenswertes rund ums Nähen und Quilten. Aktuell startet dort gerade ein Einsteigerkurs zu einem Gingham-Quilt – das hätte ich zu meinen Anfängen gut gebrauchen können.

Gibt es Dinge, die du am Nähen oder Patchen/Quilten nicht magst?
Definitiv das Basten und Binding.

Nähst Du lieber alleine oder in Gesellschaft?
Beides hat seinen Charme. Besonders gerne verbringe ich Zeit mit meiner Mama im Nähzimmer. Ich kann sie zum Glück regelmässig überzeugen, sich mit mir in mein Chaos zu stürzen.

Das Quilten hat in Deutschland und der Schweiz nicht den gleichen Stellenwert wie in den USA. Denkst du, dass es im deutschen Sprachraum noch bekannter werden muss? Wie könnte das gelingen?
Auf jeden Fall über so tolle Plattformen wie die Nähgang. Als ich vor über 10 Jahren mit dem Quilten gestartet bin, gab es eigentlich keine deutschsprachigen Videos zum Thema. Es war zum Teil mühselig, sich da reinzuhören und erstmal die ganzen Begriffe auf Englisch zu lernen.

Dein Tipp für Quilt-Einsteigerinnen?
Nicht zu viel denken – keine Angst vor Fehlern haben.

Auf Instagram zeigst Du unter anderem viele verschiedene Taschen. Sind diese käuflich zu erwerben?
Nein, ich finde es immer schwer, ein Preisschild an die Sachen zu machen. Wie sollte man auch die unzähligen Stunden bewerten, die man in ein Werk steckt?

Daneben zeigst Du sehr schön gequiltete Kissen. Nähst Du die Kissen für Dich und Deine Familie oder für ein bestimmtes Projekt?
Die Kissen habe ich alle an liebe Menschen in verschiedenen Lebenssituation verschenkt. Tatsächlich stelle ich gerade fest, dass ich noch kein Kissen für mich genäht habe.

Wo suchst und findest Du Inspiration?
Bei Instagram und in Quilt-Büchern.

Wie sieht Dein Nähreich aus?
Klein aber fein unter dem Dach.

Dein liebstes Teil in Deinem Nähzimmer?
Neben meinen BERNINA Maschinen? Auf jeden Fall den selbstgebauten Zuschneidetisch, den mir mein Papa gebaut hat. Den halte ich sehr in Ehren. Er ist einfach super praktisch.

An welchem Nähprojekt arbeitest Du momentan? Dürfen wir auch was davon sehen?
Ich habe mich tatsächlich mal an eine Bluse für mich gewagt. Da ich aber vom Kleidungsnähen keine Ahnung habe, habe ich bei meiner lieben Kollegin Heike von @machling-naehatelier einen Nähkurs gebucht. Es war genial. Ich war total aufgeregt, weil es für mich ein neues Feld war. Ich habe so viel Neues dazugelernt und es sehr genossen, mich von einem Profi durch mein erstes Kleidungsstück leiten zu lassen – betreutes Nähen quasi 🙂

Wohin soll Deine kreative Reise noch gehen?
Ich würde mich gerne mal an Collagen-Quilts wagen und mich wieder ans EPP begeben. Ich habe vor einiger Zeit einen “La Passacaglia” angefangen, aber dafür muss man schon echt Musse haben. Auch ein “Dear Jane” würde mich reizen – man muss ja noch Ziele haben 🙂

Aus eigenem Interesse: Wir glauben, Du nähst mit BERNINA. Stimmt’s? Magst Du Deine Maschine? 🙂
Mögen? Das ist leicht untertrieben – ich habe ein absolutes Faible für BERNINA– ich sage nur #anmeinestöffchenlasseichnurbernina. Meine BERNINA Maschinen haben mich noch nie enttäuscht. Besonders den Dual-Transport finde ich genial – den möchte ich nicht mehr missen. Ein Muss für mich ist auch der Patchworkfuss # 97 mit der Führungsschiene – beim Patchworken ist er eine Erleichterung und hilft mir präziser zu Arbeiten.

Image of Patchworkfuss # 97.

Patchworkfuss # 97

Der Patchworkfuss # 97 eignet sich ideal für Patchwork- und andere präzise Näharbeiten.

Mehr erfahren


Fun facts

(Näh-)Tick?
Ich mag total gerne Webkanten und versuche, sie möglichst oft einzubauen.

Was hörst Du beim Nähen?
Nur Musik – keine Podcasts oder Hörbücher.

Näh-Motto?
Nähmaschine an – Welt aus.

Lieblingsort?
Nordsee

Kaffee oder Tee?
Weder noch, generell ungern Heissgetränke.

Lieblingsstoff?
Leider zu viele.

Geradeaus oder Kurven?
Optisch Kurven, zum Nähen geradeaus.

Quilts an die Wand oder aufs Sofa?
Bisher vorrangig Sofa, Wand wäre auch mal schön.

Wo willst Du unbedingt einmal hin?
Nach Hamilton zur Missouri Star Quilt Company.

Mit welcher bekannten Person, lebend oder tot, möchtest du einen Tag verbringen?
Frida Kahlo

Stoffe vor dem Nähen waschen?
Kleidung ja – Patchwork nein.

Nähen tagsüber oder nachts?
Tagsüber

Nähen für den Sommer oder für den Winter?
Beides

Team Kleidung oder Accessoire?
Noch Accessoire

Dein Superheld?
Mein Mann, der zum Glück mit einer grossen Gelassenheit gesegnet ist.

Versuchst du gerade, etwas Neues zu lernen? Wenn ja, was?
Kleidung

Auftrennen oder «ach, egal»?
Kommt darauf an.

Ordnung im Nähzimmer oder organisiertes Chaos?
Zt. leider eher Chaos.

Auf was könntest Du in Deinem Leben nicht verzichten?
Menschen, die ich liebe.

Schönstes Näherlebnis bisher?
Nähcamps und -treffen und einen Kurs bei Euch in Steckborn.

Grösste Nähkatastrophe bisher?
Bei einem Quilt als Bettüberwurf, habe ich dummerweise nicht bedacht, dass er durch das Quilten und Waschen noch einläuft, jetzt ist er leider zu klein – aber trotzdem noch schön.

Welchen Näh-Fehler machst Du nie mehr?
Alle immer wieder gerne.

Durchschnittliche Verweildauer in Stoffgeschäften?
Seit April arbeite ich bei @dasmachichnachts, also jetzt 8 Stunden pro Tag, 5 Tage die Woche – kann es was Besseres geben?

Wie gross ist dein Stofflager?
Mein Mann würde sagen zu gross – ich sehe das natürlich komplett anders 😉


Mehr erfahren über Dagmar von “badgerquilts”

Weitere Infos über Dagmar findet Ihr auf ihren Online-Kanälen:

Instagram: www.instagram.com/badgerquilts/


Wir werden weiterhin Interviews mit Näh-, Stick- und Quiltpersönlichkeiten im Blog publizieren. Fällt Euch eine Person ein, von der Ihr gerne mehr wissen würdet? Dann teilt uns deren Namen gerne in den Kommentaren mit.

Liebe Grüsse
Maria

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