Kreative Artikel zum Thema Nähen

Neue Bücher rund ums Nähen

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Dass Nähen stark im Trend liegt, ist mittlerweile auch dem letzten Verlag klar geworden. Im Wochenrhythmus erscheinen deswegen Buchtitel rund um unser aller Lieblingsthema. Das ist wunderbar, aber auch ein klein wenig gespenstig. Finde ich zumindest. Wie sollen wir Normalsterblichen aus all den Neuerscheinungen die Bücher herausfiltern, die wirklich interessant sind? Ich zum Beispiel weiss im Laden oft nur, welches Buch mir optisch gefällt. Schönes Cover, nette Fotos – ab damit zur Kasse. Die Wahrheit ist aber, dass ich oft erst daheim merke, ob ein Werk wirklich zu mir passt und meinen Erwartungen entspricht. Im Englischen gibt es ein wunderbares Wort für all die Bücher, die dann später nur herumliegen und nicht gebraucht werden: “coffee table books”.

Damit Ihr möglichst wenige Staubfänger anschafft, sondern – im Gegenteil – Eure Nähbibliothek um echte Perlen erweitern könnt, habe ich mich für Euch durch einige Neuerscheinungen gearbeitet. Da die Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, vergebe ich keine Punkte, sondern versuche, so präzis wie möglich zu beschreiben, für wenn der jeweilige Titel eine Bereicherung sein könnte. Sämtliche vorgestellten Bücher sind in den letzten Monaten erschienen und wurden mir als Rezensionsexemplare zugesandt.

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“Einfach und raffiniert. Bequeme Kleidung für alle Grössen”.

Von Habibe Acikgzo. Stiebner Verlag 2016. 128 Seiten. ISBN 9783830709558, EUR 19,90 (D), EUR 20,50 (A), Preis variabel (CH).

14 Damenschnittmuster, ab Konfektionsgrösse 38 und teilweise bis zu Konfektionsgrösse 56, verteilt auf drei Mehrfachgrössen, Schnittteile auf CD zum Selberausdrucken, Anleitungen im Buch bebildert und gut beschrieben.

Empfehlung: Ein gut gemachtes, hilfreiches Werk für alle, die gerne ungewöhnlich geschnittene Mode tragen beziehungsweise oft Probleme mit der Passform ab Stange haben. Da die Schnittmuster ausgedruckt werden müssen, ist es von Vorteil, wenn Du nicht nur einen Drucker besitzt, sondern ihn auch bedienen kannst. Im Prinzip fasst die Autorin eine Vielzahl von Schnittmustern zusammen, die Ihr für teures Geld in einer Boutique kaufen könntet. Wer schon einmal die typische Leinenmode (siehe Cover) erworben hat, der weiss, wovon ich spreche. Finger weg vom Buch, wenn Ihr lieber mit klassischen Mehrschnittmustern arbeitet und wenn Ihr eher zierlich seid.

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“Sommeroutfits zum Selbstnähen”

Von Brigitte Büge. Dorling Kindersley Verlag 2016. 95 Seiten. ISBN 9783831030323, EUR 14,95 (D), EUR 15,40 (A), Preis variabel (CH).

Zehn relativ einfache Projekte für leichte Damensommerkleidung, in der Regel in den Grössen 36-42 (teilweise Doppelgrössen). Das Buch enthält sowohl gezeichnete Abbildungen als auch Fotos, die Anleitungen sind gut verständlich und mit etwas Erfahrung problemlos umsetzbar. Obwohl verschiedene Stoffarten verarbeitet werden können, dominieren dehnbare Stoffe.

Empfehlung: Ein umfassendes Werk für Näherinnen, die sich Schnitte aus einer Hand wünschen. Das Suchen nach den neuesten und angesagtesten Schnittmustern im Internet entfällt, ebenso das Drucken und Kleben von hunderten Ebookseiten. Nüchtern betrachtet, reichen die vorgestellten Modelle vollends, um den Sommerschrank zu füllen. Shirt, Kleid, Overall, lange Hose, kurze Hose und so weiter. Ein grosses Manko sehe ich aber dennoch, und zwar nicht nur bei diesem Buch, sondern ganz grundsätzlich bei dieser Art von Titeln. Wirklich ungewöhnliche oder innovative Ansätze fehlen.

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“Hemd und Design. Das grosse Ideenbuch”

Von David Page Coffin. Stiebner Verlag 2016. 176 Seiten. ISBN 9783830709503, EUR 22 (D), EUR 22,60 (A), Preis variabel (CH).

Ein komplettes Buch rund um das Thema “Hemd”. Keine Schnittmuster, sondern ein umfangreiches Kompendium zum Nachlesen und Blättern, zum Staunen und Lernen.

Empfehlung: Ein Titel für alle, die nicht nur Erfahrung mit dem Nähen von Hemden gesammelt haben, sondern auch aufwändige Projekte aus Webware lieben. Wer das Kapitel über die unterschiedlichen Kragenformen durchblättert, bekommt Lust, beim nächsten Nähwerk herumzuexperimentieren. Für mich eine echte Entdeckung. Wenn Ihr gerne mit Jersey arbeitet und gerne schnell Ergebnisse seht, wird Euch das Buch hingegen nichts bringen.

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“Kindertaschen nähen. Von praktisch bis verspielt.”

Von Swantje Lindemann. Edition Michael Fischer 2016. 125 Seiten. ISBN 9783863555016, EUR 14,99 (D), EUR 15,50 (A), Preis variabel (CH)

Siebzehn Taschenprojekte für Kinder, vom Rucksack über die Kindergartentasche bis hin zum Minikulturbeutel. Reich bebildert mit gut verständlichen Anleitungen.

Empfehlung: Ein anfängertaugliches, gut strukturiertes Buch für alle, die gerne Taschen und Co. nähen. Die Projekte sind (abgesehen von einer wunderbaren Köfferchen-Vorlage) nicht besonders aufregend, aber sehr solide. Da Taschenprojekte in der Regel mit Webware, Einlagen und besonderem Zubehör umgesetzt werden, lohnt es sich, den Materialvorrat aufzustocken.

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“Näh dir den Sommer. Accessoires für die schönsten Anlässe unter freiem Himmel”

Von Eva Scharnowski und Karin Roser. TOPP Frechverlag 2016. 128 Seiten. ISBN 9783772464331, EUR 16,99 (D), EUR 17,50 (A), Preis variabel (CH).

Knapp 50 (!) kleinere und grosse Nähprojekte für Balkon und Garten, aber auch durchaus für innen und für andere Jahreszeiten. Mit Schnittmusterbogen und dicht gepacktem Anleitungstext.

Empfehlung: Nein, das ist kein Buch, das die Nähwelt revolutionieren wird. Nüchtern betrachtet, gibt es bereits eine Vielzahl ähnlicher Titel. Die Autorinnen erklären, wie man einen Kissenbezug näht oder einen Tischläufer herstellt. Der obligatorische Eierwärmer darf natürlich auch nicht fehlen. Und dennoch: In dem Band stecken auch einige Überraschungen, die es sich zu entdecken lohnt. Besonders gut hat mir die Anleitung für die Pflanzkörbe gefallen; oder die für den Balkonsichtschutz.

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“Stoff für Nähabenteuer”

Von Lies Botterman und Griet de Smedt. Haupt Verlag 2016. 141 Seiten. ISBN 9783258601403, EUR 24,90 (D), EUR 25,60 (A), CHF  29,90 UVP (CH).

15 originelle Nähprojekte, von der Pilotenmütze für Knirpse über den Hoodie bis hin zum Retro-Kleidchen. Papierschnittmusterbögen liegen bei, die Anleitungen sind gut verständlich. Die beiden Autorinnen Lies Bottermann (www.oontje.blogspot.be) und Griet de Smedt (www.emmaenmona.blogspot.be) bloggen schon seit Jahren erfolgreich zum Thema Kinderkleider und DIY. Dass die beiden ein Buch herausgebracht haben, in dem sie Schnittmuster vorstellen, liegt nahe. Band 2 ist übrigens bereits in flämischer Sprache erschienen.

Empfehlung: Ein wunderbares Kompendium für alle, die gerne ungewöhnliche Kinderkleider nähen, die gerne mit Nähtechniken experimentieren und die den in Belgien so angesagten Vintage-Stil à la Compagnie M. und Straight Grain mögen. Das Buch kommt unspektakulär daher, ist aber für mich mit die interessanteste Neuerscheinung.

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“Kinderkleidung nähen ohne Schnittmuster”

Von Kristin Ritschel. Edition Michael Fischer 2016. 128 Seiten. ISBN 9783863555023, EUR 14,99 (D), EUR 15,50 (A), Preis variabel (CH).

22 Kinderkleider-Vorschläge, OHNE Schnittmuster und Grössentabellen, das ist das Besondere an dem Buch. Gut nachvollziehbare Anleitungen. Der Theorieteil fällt – gemessen an der Komplexität des Themas – aber eher schmal aus.

Empfehlung: Die Idee hinter dem Buch ist gut. Es stimmt, dass viele Kleidungsstücke simpel konstruiert sind. Gerade für absolute Anfänger, die oft ein Ärmelteil nicht von einem Hosenbein unterscheiden können, kann es hilfreich sein, wenn der Prozess des Nähens auf die Basics reduziert wird: Man nehme Stoff, schneide ihn rechteckig zu, Seiten schliessen, Bündchen dran – fertig ist der Kinderrock. Alle Handarbeiterinnen mit etwas mehr Erfahrung (und einem etwas höheren Anspruch an das Endergebnis) werden aber zwangsläufig enttäuscht werden. Was mich besonders irritiert hat, ist, dass die gezeigten Beispiele teilweise handwerklich so schlecht umgesetzt sind, dass man vor lauter Staunen über die welligen Bündchen gar nicht dazu kommt, die Schwächen in der Konstruktion zu bemerken. Noch etwas fällt auf: Die Projekte aus Webware (im Buch fälschlicherweise als Baumwollstoff bezeichnet) gelingen besser.

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“Taschen nähen. Die tollsten Modelle für Einsteiger”

Von Miriam Dornemann. TOPP Frechverlag 2016. 64 Seiten. ISBN 9783772481871, EUR 9,99 (D), EUR 10,30 (A), Preis variabel (CH).

Ich gebe zu, ich war skeptisch. Braucht die Welt wirklich noch ein weiteres Taschenbuch? Zudem noch ein so kleines, dünnes? Das Gute an Vorurteilen ist, dass sie sich auch schnell revidieren lassen. Nach dem intensiveren Studium von “Taschen nähen” kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass das ein gelungenes Werk ist. Die vorgestellten Projekte sind von ihrem Design her modern und frisch, die Anleitungen sind ausreichend (wenn auch nicht gerade umfangreich), der Schnittmusterbogen überzeugt ebenfalls.

Empfehlung: Ich finde, das ist ein gutes Werk für Leute, die bisher keine oder kaum Taschen genäht haben. Insofern ist der Untertitel “Die tollsten Modelle für Einsteiger” passend. Man erhält eine gute Auswahl an Basisschnitten, das nötige Knowhow wird auch noch in Form von kurzen Videos, die man online abrufen kann, vermittelt. Daumen hoch!

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“Sew Happy. Nähen mit Jolijou”

Von Andrea Müller. Christophorus Verlag 2016. 93 Seiten. ISBN 9783841064066, EUR 16,99 (D), EUR 17,50 (A), Preis variabel (CH).

Man nehme eine bekannte Bloggerin und Musterdesignerin und lasse sie ihre Ideen aus den selbst entworfenen Stoffen umsetzen. Noch ein paar nette Ideen für den Alltag und zwei, drei Rezepte, ein sehr stilsicheres Styling des Buches und fertig ist ein Bestseller.

Empfehlung: Ein wunderschön gemachtes Buch, keine Frage. Nur: Ist das ein Nähbuch? Ich finde nicht. Die vorgeschlagenen Projekte sind einfach und wenig aufregend: Schürze, Tasche und Eierwärmer. Ich habe noch nie in meinem Leben einen Eierwärmer benutzt, aber es scheint einen gewissen Bedarf zu geben. Für mich das perfekte Geschenk für jemand, der auch näht, aber nicht davon besessen ist.

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“Nähen mit SnapPap. Das ultimative Kreativpapier!”

Von Ella Hartman. Christophorus Verlag 2016. 73 Seiten. ISBN 9783841064219, EUR 14,99 (D), EUR 15,50 (A), Preis variabel (CH).

Es passiert selten genug, dass ein neues Material auf den DIY-Markt kommt und gleich wie eine Bombe einschlägt. SnapPap ist so ein Stoff. Besser gesagt eine Papierart, denn streng genommen handelt es sich um ein Produkt aus Zellulose und Latex. Aus der Perspektive der Hobbynäherin kann man sagen, dass sich SnapPap unter der Maschine wie ein dicker Stoff verhält. Etwas sperrig, aber dennoch erstaunlich gut nähbar. Jetzt gibt es also ein Buch zum Thema.

Empfehlung: Es stimmt, dass SnapPapp sehr vielseitig ist. Man kann es vernähen, färben, prägen, plotten und so weiter. Das Buch versammelt viele Anwendungsbeispiele für das Superpapier. Und genau dort liegt meines Erachtens die Stärke des Titels. Er zeigt, was alles möglich wäre, von der Herstellung eines kleinen Etikettes über die Konstruktion eines Portemonnaies bis hin zu Schmuckstücken. Leute, die das neue Material öfter benutzen möchten, können sich so wertvolle Anregungen holen.

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“Alles Jeans. 80 blaue Nähprojekte.”

Von Laura Sinikka Wilhelm. Haupt Verlag 2016. 170 Seiten. ISBN 9783258601366, EUR 24,90 (D), EUR 25,60 (A), CHF 29,90 UVP (CH).

Es gibt vermutlich keinen Haushalt, in dem nicht irgendwelche alten oder schlecht sitzenden Jeans im Schrank versauern. Die Idee, ein Buch rund um Denim anzubieten, ist also durchaus clever – zumal Upcycling voll im Trend liegt. Die Autorin stellt 80 ganz unterschiedliche Ideen vor, kleinere und grosse, einfache und schwierige. Da meist bereits vorhandene Kleidungsstücke umfunktioniert werden, fehlt ein klassischer Schnittmusterbogen. Die Anleitung ist an manchen Stellen vor allem für Anfänger etwas zu knapp gehalten.

Empfehlung: Ich würde nicht sagen, dass jede Hobbyschneiderin diesen Titel in ihrem Regal braucht. Wenn er aber da ist, kann man viel mit ihm anfangen. Besonders gut gefällt mir beispielsweise ein Krawatten-Projekt. Der geräumige Wäschesammler aus alten Jeans überzeugt auch.

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