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Ost trifft West – exquisite Kostbarkeiten des Art déco im schmuckmuseum pforzheim

Ab dem 5. Mai 2018 präsentiert das schmuckmuseum pforzheim die prächtige neue Sonderausstellung ‘Ost trifft West — exquisite Kostbarkeiten des Art déco. Die Sammlung von Prinz und Prinzessin Sadruddin Aga Khan’.

Plakat

Art déco

Die gegenseitige Faszination zwischen Orient und Okzident hat seit der Antike immer neue Kunstformen hervorgebracht. Exotische Ornamentik von persischen Miniaturen oder …

Schmink- und Zigarettenetui ‘Edelmann auf der Jagd’
im Stil einer persischen Miniatur
Perlmutt, Schmuckstein, Gold, Email, Diamanten
Van Cleef & Arpels, Paris, 1930
Aga-Khan-Sammlung
Foto: Doug Rosa, freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

… japanischen Drucken, aus China oder dem Nahen Osten liessen sich trefflich mit dem Wunsch nach dekorativem und aussergewöhnlichem Luxus in der Zeit des Art déco verbinden.

Schminketui ‘Zypressen’
Gold, Email, Diamanten, Onyx, Platin
Entwurf: Van Cleef & Arpels, Ausführung: Alfred Langlois
Paris, 1928
Aga-Khan-Sammlung
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

Ebenso waren die 1920er Jahre durch technologischen Fortschritt und rasante Veränderungen in der Gesellschaft gekennzeichnet. Beides spiegelte sich in der (Schmuck-)Kunst jener Zeit wider, indem überbordende Motive und Farbigkeit in klare Formen und kühle Materialien gebracht wurden.

Puderdose ‘Koi und Drache’ im chinesischen Stil
Jadeit, Saphire, Email, Koralle, Diamanten, Gold
Cartier, Paris, um 1930
Aga-Khan-Sammlung
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

Die Nécessaires, Zigarettenetuis und Uhren der Sammlung des Prinzen und der Prinzessin Sadruddin Aga Khan sind herausragende Zeugnisse davon. ‘Diese Glanzstücke der renommiertesten Pariser Juweliere hier im Schmuckmuseum zeigen zu können, bevor sie im Musée des Arts Décoratifs in Paris zu sehen sein werden, ist etwas ganz Besonderes’, betont Museumsleiterin Cornelie Holzach.

Wie die Sammlung entstand

Die Sammlung nahm ihren Anfang, als Prinz Sadruddin seiner Frau an Heiligabend 1972 eine exquisite Zierdose von Cartier schenkte. Bis zu seinem Tod im Jahr 2003 erwuchs daraus mit 116 Stücken die grösste Einzelsammlung an Etuis und Uhren des Art déco.

Prinzessin Katherine und Prinz Sadruddin Aga Khan auf einem Foto, mit dem Sie 1972 ihre Hochzeit ankündigten.
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

Sie stammen zumeist von Cartier, aber auch von Van Cleef & Arpels, Boucheron oder Bulgari und waren allesamt persönliche Gaben Sadruddins an seine Frau — ‘representing the sweetness of their more than thirty-year marriage and their famed reputation for collecting important art’, wie Sarah Davis im Buch über die Sammlung schreibt.

Lack-Etui im chinesischen Stil
Lack, Diamanten, Koralle, Email, Smaragde, Nephrit, Gold
Cartier, Paris, um 1927
Aga-Khan-Sammlung
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

Von der Motivik her sind sie Ausdruck des intensiven Kulturaustauschs zwischen Ost und West. Für diesen Dialog stand Sadruddin Aga Khan selbst, denn er war in Frankreich und dem Nahen Osten aufgewachsen und später von Berufs wegen bei den UN tätig.

Schminketui ‘Edelmann auf der Jagd’
im Stil einer persischen Miniatur
Perlmutt, Schmuckstein, Email, Diamanten, Platin, Gold
Lacloche Frères, Paris, um 1930
Aga-Khan-Sammlung
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

Bereits in den 1950er Jahren hatte er begonnen, orientalische Miniaturen zu sammeln. Da deren Motive auch von Juwelieren aufgegriffen wurden, finden sich diese vielfach auf den Etuis wieder und verbinden so beide Sammlungen des Prinzen. Seine Lieblingsthemen waren Gärten, Blumen, die Jagd und Tiere, vor allem Grosskatzen.

‘Panther’-Schminketui
Email, Rubine, Perlmutt, Türkis, Onyx, Diamanten
Cartier, Paris, 1925
Aga-Khan-Sammlung
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

Ein herausragendes Beispiel ist das ‘Panther’-Schminketui von Cartier aus dem Jahr 1925. Es zeigt einen Panther vor einer Szenerie mit Zypressen, den vorherrschenden Bäumen persischer Miniaturlandschaften, gearbeitet in Email sowie mit Perlmutt, Rubinen, Türkis, Onyx und Diamanten. Der Panther war möglicherweise auch von den Zeichnungen Paul Jouve inspiriert, der Rudyard Kiplings ‘Dschungelbuch’ illustriert hatte. Im Vergleich zu Schmuck boten Nécessaires und Etuis eine grössere Fläche für Neuinterpretationen solch exotischer Motive. Dieses Meisterwerk war auf der ‘Exposition internationale des Arts décoratifs et industriels modernes’ in Paris 1925 ausgestellt.

Accessoires der modernen Frau

Die 1920er und 30er Jahre waren eine Zeit tiefgreifender Veränderungen in der Gesellschaft, nicht zuletzt in Bezug auf die Stellung der Frau.

Parfumflakon
Bergkristall, Platin, Email, Diamanten, Rubine, Smaragde
Cartier, Paris, um 1924
Aga-Khan-Sammlung
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

Diese war jetzt selbst verantwortlich für ihr Image. Entsprechend hatten Kleider die von ihr gewünschte Länge und das Haar war kurz und leicht zu frisieren.

Schminketui
Email, Diamanten, Gold, Platin
Entwurf: Janesich, Ausführung: Strauss, Allard & Meyer
Paris, um 1928
Aga-Khan-Sammlung
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

Juwelengeschmückte Zigaretten- und Schminketuis gehörten zur modischen Ausstattung der Gesellschaftselite für die Nacht, die es auf glamourösen Dinnerparties in exotisch dekorierten Appartements oder rauchigen Nachtclubs ostentativ zu zeigen galt.

Schminketui ‘Chrysanthemen’
Rubine, Amethyste, Saphire, Onyx, Smaragde, Diamanten, Email, Gold
Entwurf: Lacloche Frères, Ausführung: Strauss, Allard & Meyer
Paris, um 1928
Aga-Khan-Sammlung
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

Sie waren Statussymbole und Ausdruck von Geschmack und Mode zugleich. Darin war Platz für alles Essentielle wie Rouge, Parfum, Lippenstift oder Zigaretten. Letztere wurden für Frauen zum Zeichen von Modernität und Emanzipation.

Achat-Etui
Achat mit Streifen, Diamanten, Platin
Frankreich (?), um 1919
Aga-Khan-Sammlung
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

Der Zeitgeist findet sich auch in einem aus Lapislazuli gefertigten Etui von Van Cleef & Arpels aus dem Jahr 1928 wieder. Darauf ist ein Dreieck aus Bergkristall zu sehen, das an die Spuren einer Rollbahn erinnert. 1927 war Charles Lindbergh nach dem ersten Nonstop-Transatlantikflug in Paris gelandet. Dieses Ereignis wird hier in stromlinienförmiger Dynamik vor dem Lapisblau des Himmels aufgegriffen.

Etui
Lapislazuli, Diamanten, Bergkristall, Jadeit, Gold
Entwurf: Van Cleef & Arpels, Ausführung: Strauss, Allard & Meyer
Paris, 1928
Aga-Khan-Sammlung
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

Uhren

Neben Zigaretten- und Schminketuis befinden sich auch Uhren in der Sammlung Aga Khan, die meisterhaft ausgeführte Werke mit extravaganten Gehäusen kombinieren.

Retrograde Tischuhr ‘Wolken’
Bergkristall, Diamanten, Onyx
Uhrwerk: Vacheron Constantin
Verger Frères
Paris, 1927
Aga-Khan-Sammlung
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

Bei Cartier etwa arbeiteten erstklassige Uhrmacher mit hervorragenden Designern zusammen. Ein Beispiel dafür ist eine ‘Mystery Clock’ mit einem Wächterlöwen.

‘Wächterlöwen’-Mystery-Uhr
Nephrit, Smaragde, Rubine, Zitrine, Diamanten, Perlen, Koralle, Email, Gold, Platin
Cartier, Ausführung Maurice Couet
Uhrwerk: European Watch & Clock Co.
Paris, 1929
Aga-Khan-Sammlung
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

Ihr Zifferblatt, vor dem sich die Zeiger ohne erkennbare Verbindung zum Werk bewegen, wird hier von einem aus Jade geschnitzten Löwen aus dem 19. Jahrhundert gehalten. In chinesischer Tradition galt der Löwe als Wächter des Buddhismus, der Häuser und Tempel bewachte, üblicherweise in Form von paarweise die Eingänge flankierenden Statuen. Diese Uhr wurde 1930 in der Zeitschrift ‘Vogue’ unter der Überschrift ‘Gifts with a Princely Gesture’ abgebildet, diskret darauf hinweisend, dass solche Kostbarkeiten für die erlesensten Kunden von Cartier, wie eben Prinz Sadruddin Aga Khan, kreiert wurden.

Mystery-Tischuhr ‘Aquamarin’
Aquamarine, Platin, Koralle, Gold, Lapislazuli
Entwurf Cartier, Ausführung Maurice Couët
Paris, 1931
Aga-Khan-Sammlung
Foto freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt

In Gänze wurde die Sammlung erstmals 2017 im Cooper Hewitt Museum in New York gezeigt. Vor der Ausstellung in Pforzheim ist sie in der ‘École des Arts Joailliers’ von Van Cleef & Arpels in Paris und anschliessend noch in anderen Museen in Europa zu sehen.

Unter dem Titel ‘Jeweled Splendors of the Art Deco Era. The Prince and Princess Sadruddin Aga Khan Collection’ ist 2017 bei Thames & Hudson in New York ein prächtiger Band über die Sammlung erschienen.

***

Info:

5. Mai 2018 – 6. Januar 2019

Ost trifft West – exquisite Kostbarkeiten des Art déco.
Die Sammlung von Prinz und Prinzessin Sadruddin Aga Khan

schmuckmuseum pforzheim
Jahnstrasse 42
75173 Pforzheim
Deutschland

www.schmuckmuseum.de

Öffnungszeiten:
Di – So und feiertags: 10 – 17 Uhr (ausser Hl. Abend und Silvester)

Eröffnung:
Fr, 4. Mai 2018, 19 Uhr

 

Fotos und Informationen freundlicherweise vom schmuckmuseum pforzheim zur Verfügung gestellt – vielen Dank!

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Kommentare zu diesem Artikel

3 Responses

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  • Dr. Wolfgang Heinz

    Wir kommen gerade von der Ausstellungseröffnung in Pforzheim, der Besuch der Sammlung lohnt sich auf jeden Fall und das Eis hinterher war auch lecker.

  • sabinemoertz

    Welch eine Pracht, hohe Handwerkskunst und klare Schönheit! Gut, daß es unvorstellbar Superreiche gibt, die es sammeln können und wir bestaunen dürfen!
    Danke für die Vorstellung Gudrun!
    Lieben Gruß aus Schweden! Sabine

    • Gudrun Heinz

      halli hallo sabine,
      herzlichen dank zurück! mich haben diese exquisiten stücke so fasziniert, dass ich sie ganz ausführlich vorstellen musste. mich jedenfalls inspiriert dies auch beim eigenen schaffen. und – ich kann es ja verraten, denn es erscheint morgen hier im BERNINA blog – um das art déco, diese faszinierende künstlerische richtung, dreht sich noch einer meiner ausstellungstipps für den mai 2018.
      ein schönes wochenende und
      beste grüsse
      gudrun

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