Kreative Artikel zum Thema Quilten

Ausstellungstipps Dezember 2019

Alte Quilts aus der Neuen Welt

Quilts bilden in den USA bis heute eine lebendige Volkskunst mit langer Tradition. Mit ihren geometrischen Mustern sind sie zeitlos und entfalten gerade im Zusammenspiel mit moderner Wohn-Architektur eine grossartige Wirkung.

‘Floating Diamond’
Ausstellung ‘Alte Quilts aus der Neuen Welt’
Sammlung Hans Zogg
Foto freundlicherweise vom Museum / N. Leu zur Verfügung gestellt

Die antiken Erzeugnisse der Amischen und Mennoniten, deren religiöses Erbe unter anderem von Schweizer Auswanderern stammt, sind besonders begehrte Sammelobjekte. Aus der umfangreichen Kollektion von Hans Zogg stammen die Exemplare, die das Vinorama Museum Ermatingen – nicht weit vom BERNINA Stammsitz Steckborn gelegen – derzeit zeigt.

Hans Zogg vor ‘Nine Patch in Bars’
Ausstellung ‘Alte Quilts aus der Neuen Welt’
Sammlung Hans Zogg
Foto freundlicherweise vom Museum / N. Leu zur Verfügung gestellt

Die Quilts der Amischen aus dem vorletzten und letzten Jahrhundert zeichnen sich durch ihre geometrische Schlichtheit und ihre farbliche Leuchtkraft aus; sie sind ein Ausdruck der Bescheidenheit und tiefen Religiosität dieser Täufergemeinschaft, deren Gründervater Jakob Ammann gegen Ende des 17. Jahrhunderts aus der Schweiz nach Nordamerika eingewandert war.

‘Sawtooth Bars oder Tree Everlasting’
Ausstellung ‘Alte Quilts aus der Neuen Welt’
Sammlung Hans Zogg
Foto freundlicherweise vom Museum / N. Leu zur Verfügung gestellt

Hier war er der Verfolgung gewichen, die ihn und seine Glaubensgenossen seit der Zürcher Reformation bedrohte und er fand namentlich in Pennsylvania ein Land, wo Fremde willkommen waren und religiöse Freiheit und Toleranz herrschten.

Ausstellungsansicht
‘Log Cabin, Courthouse Steps’ (li) und ‘Nine Patch in Bars’ (re)
Ausstellung ‘Alte Quilts aus der Neuen Welt’
Sammlung Hans Zogg
Foto: Ch. Ullmann, freundlicherweise vom Museum / N. Leu zur Verfügung gestellt

Wie wir wissen, ist ein Quilt, banal gesagt, eine Steppdecke, die aus drei Schichten besteht: dem Ober- und dem Unterteil und der wärmenden Zwischenlage.

‘Log Cabin, Courthouse Steps’
Ausstellung ‘Alte Quilts aus der Neuen Welt’
Sammlung Hans Zogg
Foto freundlicherweise vom Museum / N. Leu zur Verfügung gestellt

Die Verwertung von Stoffresten ist für die Einwanderer mit ihren kargen Ressourcen keine ästhetische Spielerei, sondern eine Notwendigkeit. Für das Oberteil bietet sich das Patchwork an.

Ausstellungsansicht
‘Diamond in a Square’ (li) und ‘Log Cabin, Courthouse Steps’ (re)
Ausstellung ‘Alte Quilts aus der Neuen Welt’
Sammlung Hans Zogg
Foto: Ch. Ullmann, freundlicherweise vom Museum / N. Leu zur Verfügung gestellt

Die gemeinsame Arbeit und die kreative Gestaltung der Decken fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl und den Gemeinsinn und entwickelt sich zu einer in den USA verbreiteten Volkskunst über die Täufergemeinschaft hinaus.

‘Plain, Inside Borders’
Ausstellung ‘Alte Quilts aus der Neuen Welt’
Sammlung Hans Zogg
Foto freundlicherweise vom Museum / N. Leu zur Verfügung gestellt

Dass besonders schöne Exemplare ab den 1960er Jahren gesammelt werden und 1971 im Whitney Museum in New York erstmals an der Wand hängend präsentiert werden, lässt diese Gebrauchsgegenstände in einem neuen Licht erscheinen, nämlich als Kunstwerke.

‘Oakleaf with Grapevine Border’
Ausstellung ‘Alte Quilts aus der Neuen Welt’
Sammlung Hans Zogg
Foto freundlicherweise vom Museum / N. Leu zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung läuft noch bis Sonntag, 17. Januar 2020 und endet mit der Finissage. Der Eintritt ist frei, wie auch die Besuche zu den regulären Öffnungszeiten an den Wochenenden.

‘Diamond in a Square with Corner Blocks’
Ausstellung ‘Alte Quilts aus der Neuen Welt’
Sammlung Hans Zogg
Foto freundlicherweise vom Museum / N. Leu zur Verfügung gestellt

Vielen Dank an Nathalie Leu, die mir über BERNINA International den Tipp zu dieser Ausstellung gegeben, mir Fotos beschafft und ihre eigenen zur Verfügung gestellt hat.

Info:

22. November 2019 – 17. Januar 2020

Alte Quilts aus der Neuen Welt

Vinorama Museum Ermatingen
Hauptstrasse 62
8272 Ermatingen
Schweiz

www.vinorama-ermatingen.ch
www.galerie-zum-quilt.com

Öffnungszeiten:
Sa/So: jeweils 14 – 17 Uhr

Eintritt frei

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Das Frauenbild der 1920er Jahre. Zwischen Femme fatale und Broterwerb

Mit der Ausstellung ‘Das Frauenbild der 1920er Jahre. Zwischen Femme fatale und Broterwerb’ zeigt die KUNSTHALLE ‘Talstrasse’ in Halle (Saale) derzeit im Rahmen des 100. Geburtstages des Bauhauses mehr als 70 Werke aus Malerei und Grafik der Klassischen Moderne aus der Sammlung des Wiesbadener Geschäftsmanns Frank Brabant.

Plakat

Die Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern wie Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Käthe Kollwitz oder George Grosz sind allesamt Leihgaben aus dieser Sammlung, die als eine der bedeutendsten Privatsammlungen moderner Kunst in Deutschland gilt. Das Besondere: Brabant sammelt auch viele unbekannte Künstler. Über 600 Bilder sind so zusammengekommen, 46 Künstler*innen mit ihrem Blick auf Frauen sind nun in Halle zu sehen. Eine Sammlung, die es so in keinem Museum gibt.

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938): Mariele, 1923
Aquarell auf Papier
Sammlung Frank Brabant
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Erst kürzlich hat der gebürtige Schweriner verfügt, dass seine Sammlung, die sich stark dem Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit verpflichtet fühlt, in zwei Teilen in einer Stiftung fortbestehen soll. So wird ein Teil der Werke im Staatlichen Museum Schwerin Eingang finden – jenem Ort, an dem Frank Brabant aufwuchs und seine Jugend verbrachte, bevor er in die Bundesrepublik übersiedelte, während der andere Teil künftig im Hessischen Landesmuseum in Wiesbaden beheimatet sein wird.

Georg Tappert (1880-1957): Zwei Mädchen im Profil, 1918
Öl auf Leinwand
Sammlung Frank Brabant
© VG-Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die moderne Frau der sog. ‘Goldenen 20er Jahre’ erscheint aus heutiger Sicht als modisch und selbstbewusst. Jedoch sah die Realität oft anders aus. In der Zeit nach dem 1. Weltkrieg arbeiteten viele Frauen hart und die Witwen und der Nachwuchs waren oft auf sich selbst gestellt. Trotz Frauenwahlrecht und offener Universitäten waren viele nach wie vor in alten Rollenmustern gefangen.

Hanns Haas (1890-1963): Colette, 1932
Öl auf Leinwand
Sammlung Frank Brabant
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mutter, Muse oder Geliebte, Arbeiterin oder Femme fatale – so sahen Künstler die Frau in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Thematisch facettenreich und stilistisch zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit zeigen die Werke von namhaften und weniger bekannten Künstler*innen der Zeit in der Ausstellung viele unterschiedliche Perspektiven auf Frauen.

Richard Ziegler (1891-1992): Zwei Frauenköpfe, 1924
Lithographie, aquarelliert auf Papier
© VG-Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Arbeiten von Künstlern wie Emil Nolde, Erich Borchert, Ernst Ludwig Kirchner, Christian Schad, Richard Ziegler oder Rudolf Schlichter, aber auch von Künstlerinnen wie Käthe Kollwitz, Elfriede Lohse-Wächtler oder Jeanne Mammen thematisieren auf eindrucksvolle Weise die unterschiedlichen Rollen der Frau im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.

Werner Scholz (1898-1982): Halbweltdame am Caféhaustisch, 1929
Farblithografie auf Papier
Sammlung Frank Brabant
© Nachlass Scholz
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Für viele Männer damals hatten Frauen ihren Platz vor allem in der Küche. Den Prototyp der ersten modernen Einbauküche überhaupt zeigt man begleitend in einer Kabinettschau mit einer Frankfurter Küche, einer Leihgabe aus dem Bröhan-Museum Berlin. 1926 von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky entworfen, sollte sie die Lebenswelt der modernen Frau massgeblich beeinflussen (vgl. bitte auch hier, Dauerausstellung des Museums Angewandte Kunst Frankfurt).

Frankfurter Küche
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen. Zum Rahmenprogramm siehe bitte die Website des Museums, wo sich auch verschiedene sehenswerte Videos über die Ausstellung aufrufen lassen.

Info:

1. November 2019 – 9. Februar 2020

Das Frauenbild der 1920er Jahre. Zwischen Femme fatale und Broterwerb

Kunsthalle ‘Talstrasse’
Talstrasse 23
06120 Halle (Saale)
Deutschland

www.kunstverein-talstrasse.de

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The Art of Lace | Haute Couture from Chanel to Iris van Herpen

Von Chanel über Dior bis Jean Paul Gaultier – Spitze stellt eine Inspirationsquelle für unzählige renommierte Modehäuser dar. Das TextielMuseum im niederländischen Tilburg ist stolz darauf, die internationale Ausstellung ‘The Art of Lace | Haute Couture von Chanel bis Iris van Herpen’ mit Kreationen der weltweit bekanntesten Modelabels zu präsentieren.

Key Visual ‘The Art of Lace’
Karl Lagerfeld für CHANEL
Haute Couture Frühling/Sommer 2017 Collection
Foto: © CHANEL, Fotograf: Karl Lagerfeld
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Eben erst eröffnet und noch bis zum 10. Mai 2020 steht die sog. French Leavers Lace (Französische Leavers-Spitze oder Dentelle de Calais) im Mittelpunkt der Ausstellung, die zuvor bereits in Calais zu sehen war. Die Besucher*innen erhalten hier einen Blick hinter die Kulissen der Spitzenhersteller und Couturiers: vom Entwurf über die Herstellung bis zum fertigen Produkt, bereit für den Laufsteg.

Ausstellung ‘The Art of Lace’
CHANEL
Haute Couture Frühling/Sommer 2016 Collection
Foto: Robin, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung umfasst mehr als 40 einzigartige Modelle der Modehäuser Alberta Ferretti, Balenciaga, Chanel, Dior und Jean Paul Gaultier, Iris van Herpen, Louis Vuitton, Maison Margiela, Schiaparelli und Yiqing Yin.

Ausstellung ‘The Art of Lace’
Dior
Haute Couture Herbst/Winter 2018 Collection
Foto: Java/Ludwig Bonnet, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Leavers-Spitze wird maschinell auf der von John Leavers im 19. Jahrhundert entwickelten Innovation – einer Art Webstuhl – hergestellt. Sie kann den experimentellen Designs von Couturiers gerecht werden, fordert die Modeschöpfer aber beim Entwerfen neuer Collectionen auch bis zum Äussersten heraus.

Ausstellung ‘The Art of Lace’
Tweed-Jacke und Rock mit handgeschnittener Leavers-Spitze mit floralem Motiv
Karl Lagerfeld für CHANEL
Haute Couture Frühling/Sommer 2015 Collection
Foto: © CHANEL, Fotograf: Karl Lagerfeld
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Spitze wirkt zart, ist aber tatsächlich ziemlich stark: Im Gegensatz zu gestrickter Spitze franst sie nicht aus. Sie kann transparent oder undurchsichtig sein, verschiedene Muster, Materialien und Farben enthalten und dreidimensional gewebt werden. Für Chanel laminierte Karl Lagerfeld die Spitze, so dass die Steifheit des Materials die Muster betont, während Iris van Herpen sich von im 3D-Druck-Verfahren angefertigter Spitze inspirieren liess, die die Wirkung kunstvoller Spitzen nachahmt.

Ausstellung ‘The Art of Lace’
Iris van Herpen
Haute Couture Herbst/Winter 2016 Collection
Foto: Team Peter Stigter, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung ‘The Art of Lace’ gewährt Einblicke in den Background der Haute Couture und veranschaulicht den engen Dialog zwischen Spitzenherstellern und Modedesignern. Während Modehäuser in der Regel ihre Lieferanten und Techniken geheim halten, zeigt diese Ausstellung den gesamten Prozess, der sich hinter jedem Haute Couture-Modell verbirgt, mit Hilfe von Videos und Musterstücken, die nicht nur bewundert, sondern auch berührt werden dürfen.

Ausstellung ‘The Art of Lace’
CHANEL
Foto: Fred Collier | Ville de Calais (Haute Dentelle)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Spitzenherstellung und Couture unterliegen ständiger Weiterentwicklung und Innovation. ‘The Art of Lace’ ist nicht nur eine Hommage an die Vision des Modedesigners, sondern auch an die Kreativität und das Können des Spitzenherstellers und stellt auf einzigartige Weise den Weg vom Faden bis zur Modenschau dar.

Ausstellung ‘The Art of Lace’
Louis Vuitton
Cruise Collection 2018
Foto: Fred Collier | Ville de Calais (Haute Dentelle)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ursprünglich war Spitze aufgrund der Fertigung in kunstvoll-intensiver Handarbeit extrem teuer. Die industrielle Revolution in England zu Beginn des 19. Jahrhunderts brachte die Entwicklung verschiedener Klöppelmaschinen mit sich, darunter auch die Weiterentwicklung von Leavers.

Ausstellung ‘The Art of Lace’
Maison Margiela
Haute Couture Herbst/Winter 2012 Collection
Foto: Fred Collier | Ville de Calais (Haute Dentelle)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Nachdem die Maschine nach Nordfrankreich geschmuggelt worden war, entstand rund um die Leavers-Technik eine reiche Industrie. Das Aufkommen der gestrickten Spitze und der sich ändernde Modegeschmack führten dazu, dass das Handwerk ab den 1960er Jahren aufgrund des technischen Aufwands und der hohen Kosten in Gefahr geriet.

Ausstellung ‘The Art of Lace’
Jean Paul Gaultier
Haute Couture Herbst/Winter 2016 Collection
Foto: Robin (Haute Dentelle)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Heutzutage produzieren nur eine Handvoll von spezialisierten Herstellern die Dentelle de Calais-Caudry und stellen Stoffe für die grössten Modehäuser in Paris und darüber hinaus her.

Ausstellung ‘The Art of Lace’
Alberta Ferretti
Haute Couture Frühling/Sommer 2016 Collection
Foto: Robin (Haute Dentelle)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Begleitend zur Ausstellung ist die Publikation ‘Haute Dentelle’ von Sylvie Marot erschienen.
Ausserdem organisiert das Museum verschiedene Workshops und Master Classes zum Thema Spitze und Mode, siehe Website.

Zusatz-Tipp von mir: Wissenswertes in Wort und Bild über verschiedene zarte Spitzengewebe, zusammengestellt von Martin Henkel, findet man hier.

Info:

16. November 2019 – 10. Mai 2020

The Art of Lace | Haute Couture from Chanel to Iris van Herpen

TextielMuseum | TextielLab
Goirkestraat 96
5046 GN Tilburg
Niederlande

www.textielmuseum.nl

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Landschaft im Fadenkreuz

Das Tuchmacher Museum Bramsche zeigt in der Ausstellung ‘Landschaft im Fadenkreuz’ vom 14. Dezember 2019 – 9. Februar 2020 textile Werke der in Vechta und Freyenstein lebenden Künstlerin Ellen Mäder-Gutz. Sie studierte von 1975 bis 1982 an der Kunsthochschule Weißensee Grafik und Bildhauerei. Spätestens mit ihrem Weg in den Westen, der sie 1987 nach West-Berlin führte, erarbeitet sie einen individuellen Formenkanon. Im Mittelpunkt ihrer künstlerischen Arbeit steht die tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Natur: die Suche nach der erfahrbaren Wirklichkeit und dem transzendenten Wesen der Natur.

Einladung

‘Ellen Mäder-Gutz’, so Christoph Tannert, künstlerischer Leiter des Berliner Künstlerhauses Bethanien, ‘malt, ausgesprochen atmosphärisch, mit Fäden. Sie navigiert von naturnahen Landschaftsperspektiven zu eher offenen Farbverläufen bis hin zu ornamentalen oder stark abstrahierten Flächenordnungen im Sinne des Konstruktivismus.’

Landschaft im Fadenkreuz
Ausstellung 14. Dezember 2019 – 9. Februar 2020 im Tuchmacher Museum Bramsche
Foto: Elke Mäder-Gutz, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Dabei arbeitet sie mit ganz unterschiedlichen Techniken: der Holzbildhauerei, dem Siebdruck, dem Transferdruck, der Zeichnung sowie dem Stricken und Weben. In der Ausstellung in der Kornmühle werden gewebte und gestrickte Landschaftsfotografien sowie florale Gebilde gezeigt.

Katalog erhhältlich.

Info:

14. Dezember 2019 – 9. Februar 2020

Landschaft im Fadenkreuz

Tuchmacher Museum Bramsche
Mühlenort 6
49565 Bramsche
Deutschland

www.tuchmachermuseum.de

Einladung

Ausstellungseröffnung:
Fr, 13. Dezember 2019, 19 Uhr

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Vision Herbst Winter 20/21

Auch in diesem Jahr präsentiert das Textilmuseum St.Gallen die aktuellen Kollektionen der Schweizer Textilhersteller.

Ausstellung ‘VISION HERBST WINTER 2020/21’, Detail
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Warme Grün- und Brauntöne dominieren die Farbpalette, die durchsetzt ist von Beerentönen in den unterschiedlichsten Schattierungen von zartem Altrosa über intensives Rot bis Dunkelviolett. Leuchtendes Maisgelb setzt Akzente, Beige- und Grautöne nuancieren das Kolorit der aktuellen Herbst-/Winter-Kollektionen.

Ausstellung ‘VISION HERBST WINTER 2020/21’, Detail
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ähnlich klassisch wie die Farbgebung gestalten sich die Dessins, die bevorzugt auf florale oder geometrische Motive zurückgreifen. Spektakulär hingegen sind die Oberflächeneffekte, die vom hohen technischen und gestalterischen Niveau der Schweizer Textilindustrie zeugen und die Anreiz bieten, die Stoffe nicht nur zu betrachten, sondern auch zu fühlen. Noch bis 29. Februar 2020 in der Lounge des Textilmuseums.

Ausstellung ‘VISION HERBST WINTER 2020/21’, Detail
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Info:

1. November 2019 – 29. März 2020

Vision Herbst Winter 20/21

Textilmuseum St. Gallen
Vadianstrasse 2
9000 St. Gallen
Schweiz

www.textilmuseum.ch

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Die Fäden der Moderne
Matisse – Lurçat – Miró
Französische Gobelins von 1918 bis heute

Zum ersten Mal in Deutschland präsentiert die im Herzen der Innenstadt gelegene Kunsthalle München ab dem 6. Dezember 2019 Tapisserien, die in der Pariser Manufacture des Gobelins nach Entwürfen der namhaftesten Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts entstanden – unter ihnen Henri Matisse, Pablo Picasso, Le Corbusier, Joan Miró oder Louise Bourgeois. Anhand einer Vielzahl grossformatiger Wandbehänge spannt die Ausstellung den Bogen vom Ende des Ersten Weltkriegs bis in die Gegenwart und zeigt, wie überraschend modern das traditionsreiche Handwerk der Gobelin-Weberei tatsächlich ist.

Sonia Delaunay (1885-1979): Tafel 1954
1999–2000, Manufacture des Gobelins, 293 × 273 cm, Wolle
Sammlung Mobilier national
© Pracusa
Foto: Isabelle Bideau, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung präsentiert einen nahezu unbekannten Aspekt im Schaffen zahlreicher moderner Künstler von Weltruhm: Gewohnte Gattungsgrenzen erweiternd, wandten sie sich der Tapisserie zu und gaben der jahrhundertealten Kunst der ‘Bildwirkerei’ immer wieder neue Impulse. In der unter Ludwig XIV. (1638 – 1715) gegründeten Manufacture des Gobelins sowie in weiteren französischen Werkstätten entstanden nach den Vorlagen der Künstler nicht nur Tapisserien, sondern auch Möbel und Bodenteppiche von herausragender Qualität – von denen ebenfalls Beispiele in der Ausstellung zu sehen sind.

Robert Bonfils (1886–1972), Maurice Dufrène (1876–1955): Sessel ‘Luftfahrt’
1925, Manufacture des Gobelins, 103 × 61 × 52 cm, Wolle und Seide, Buchenholz, vergoldet
Sammlung Mobilier national
© Mobilier national
Foto: Isabelle Bideau, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

In enger Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Webern werden in den Manufakturen bis heute einzigartige textile Meisterwerke geschaffen, die sich durch die Verbindung von künstlerischem Einfallsreichtum und handwerklicher Virtuosität auszeichnen.

Pablo Picasso (1881–1973): Frauen bei ihrer Toilette
1969, Manufacture des Gobelins, 58 × 60 cm, Wolle
Sammlung Mobilier national
© Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Françoise Baussan, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Dabei werden die alten Techniken der Garnherstellung, des Färbens sowie des Webens und Knüpfens nahezu unverändert angewandt. Von der Vorlage bis zum fertigen Objekt nimmt die Herstellung eines grossen Gobelins nach wie vor tausende Arbeitsstunden in Anspruch.

Pablo Picasso (1881–1973): Frauen bei ihrer Toilette, Webprobe
1969, Manufacture des Gobelins, 58 × 60 cm, Wolle
Sammlung Mobilier national
© Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Françoise Baussan, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

In neun Kapiteln zeichnet der Ausstellungsparcours die Entwicklung der modernen Tapisserie und die Geschichte der französischen Manufakturen im 20. Jahrhundert nach. Die Exponate erzählen dabei nicht nur von historischen Umbrüchen, sondern auch von zahlreichen Neuerungen in der bildenden Kunst, die sich in diesem Jahrhundert entwickelt haben und die in der Textilkunst aufgegriffen wurden.

Joan Miró (1893–1983): Komposition Nr.1, Frau am Spiegel
1966, Manufacture des Gobelins, 306 × 455 cm, Wolle
Sammlung Mobilier national
© Successio Miró / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Mobilier national, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Der Rundgang beginnt mit Tapisserien aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Thematisiert wird das Schicksal der Nation während des Kriegs oder die Schönheit der französischen Heimat. Die Faszination für andere, ‘exotische’ Kulturen sowie der koloniale Machtanspruch der Grande Nation bildeten die Sujets in den Zwischenkriegsjahren – dekorative Tapisserien, mit denen sich die staatlichen Manufakturen auf Weltausstellungen präsentierten.

Edmond Yarz (1846–1921): Die Pyrenäen aus der Serie Provinzen und Städte Frankreichs
1924, Manufacture des Gobelins, 372 × 771 cm, Wolle, Seide
Sammlung Mobilier national
© Mobilier national
Foto: Isabelle Bideau, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Das nächste Kapitel ist Jean Lurçat (1892 – 1966) gewidmet, der sich seit den 1930er Jahren einen Namen als Erneuerer der Tapisserie machte. Er propagierte die Rückbesinnung auf die charakteristischen Eigenschaften des textilen Mediums und forderte eine stark reduzierte Farbpalette, vereinfachte Formen und eine eigene dekorative, von der Malerei emanzipierte Bildsprache.

Jean Lurçat (1892–1966): Die Jahreszeiten. Sommer
1940-1941, Atelier Gatien Goubely, Aubusson, 335 × 485 cm, Wolle
Sammlung Mobilier national
© Fondation Lurçat / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Isabelle Bideau, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Eine tiefe Zäsur in der Geschichte der modernen Gobelins beleuchtet der darauffolgende Ausstellungsraum, indem er die Rolle der Bildteppiche während des Zweiten Weltkriegs und der Manufakturen im besetzten Frankreich thematisiert. Die von Joachim von Ribbentrop und Herman Göring dort in Auftrag gegebenen Monumentalwerke zeugen vom Grössenwahn der Nationalsozialisten – die unvollendete Tapisserie ‘Die Erdkugel’ (1941 – 44) sollte eine Fläche von über 72 m² haben. Demgegenüber setzte Jean Lurçat die Tapisserie als Mittel des sozialistischen Widerstands ein und realisierte in den nicht-staatlichen Ateliers von Aubusson Projekte im Kontext der Résistance gegen das nationalsozialistische Regime.

Werner Peiner (1896–1984): Die Erdkugel
1941-1944, Manufacture des Gobelins, 700 × 460 cm, Wolle, Seide, Gold- und Silberfäden
Musée du Louvre, Paris
© Werner Peiner / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Isabelle Bideau, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs begann für die Manufakturen eine Zeit des Aufbruchs, in der verstärkt auf die Zusammenarbeit mit renommierten Künstlern gesetzt wurde. Die grossen Meister wie Henri Matisse (1869 – 1954), Pablo Picasso (1881 – 1973), Sonia Delaunay (1885 – 1979) oder Joan Miró (1893 – 1983) sollten …

Henri Matisse (1869–1954): Die Lautenspielerin
1947–1949, Manufacture des Gobelins, 170 × 213 cm, Wolle
Sammlung Mobilier national
© Succession H. Matisse / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Isabelle Bideau, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

… das Medium in die Gegenwart transportieren und der Tapisserie zu mehr Aufmerksamkeit innerhalb des Kunstsystems verhelfen. Viele ihrer Entwürfe wurden allein für die Umsetzung als Tapisserie geschaffen und setzen sich mit den charakteristischen Eigenschaften der textilen Kunstform auseinander.

Le Corbusier (1887–1965): Kanapee II
1963, Ateliers Pinton, Aubusson, 191 × 251 cm, Wolle
Sammlung Mobilier national
© Fondation Le Corbusier / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Isabelle Bideau, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Die zunehmend abstrakten Strömungen der Nachkriegszeit in Malerei und Skulptur schlugen sich auch in Projekten der französischen Manufakturen nieder. Der besondere Reiz vieler dieser gestisch-abstrakten Werke liegt dabei in der überzeugenden Art und Weise, wie selbst die feinsten Pinselstriche am Webstuhl nachgebildet wurden.

Jean Messagier (1920–1999): Die Gleichförmigkeit des schönen Wetters
1971, Manufacture des Gobelins, 294 × 586 cm, Wolle
Sammlung Mobilier national
© Jean Messagier / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Isabelle Bideau, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Auch Op-Art Künstler wie Victor Vasarely (1906 – 1997) entwarfen Teppiche und Tapisserien mit den typischen optischen Täuschungen, in denen der Eindruck von Bewegung sowie die Illusion von Dreidimensionalität entstehen.

Victor Vasarely (1906–1997): Cheyt Pyr
1977, Manufacture de Beauvais, 258 × 258 cm, Wolle
Sammlung Mobilier national
© Victor Vasarely / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Isabelle Bideau, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Den Abschluss der Ausstellung bildet eine Reihe von Exponaten, die sich mit neuen Medien und digitalen Bildgebungsverfahren auseinandersetzen und damit progressiv die Zukunft der Tapisserie gestalten. Unter diesen Arbeiten finden sich fotorealistische Tapisserien, beispielsweise ‘Freitag’ (2010) von Patrick Tosani (*1954), ebenso wie Werke, die ungewöhnliche Perspektiven oder digitale Bildsprachen adaptieren. Wenn Raymond Hains (1926 – 2005) in seinem Tapisserie-Diptychon ‘Von Eustache bis Natacha’ (2001 – 2005) die klassische Bordüre durch den Frame eines Computerbildschirms ersetzt, ist das nicht nur eine Aktualisierung traditioneller Bildelemente. Damit wird auch auf die strukturelle Ähnlichkeit digitaler Bildgebungsverfahren, die auf Pixeln basieren, und der ebenfalls rasterartigen Webstruktur der Tapisserie hingedeutet.

Raymond Hains (1926–2005): Teil des Diptychons Von Eustache bis Natacha
2004, Manufacture de Beauvais, 225 × 280 cm, Wolle
Sammlung Mobilier national
© Raymond Hains / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Isabelle Bideau, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Mobilier National und den Manufactures des Gobelins, de Beauvais und de la Savonnerie. Sie ist angelehnt an die Ausstellung ‘Au fil du siècle’, die 2018 in der Galerie des Gobelins in Paris zu sehen war und wird noch in der Kunsthal Rotterdam gezeigt.

Christophe Cuzin (*1956): Der Garten der Gobelins-Manufaktur
2012, Manufacture des Gobelins, 248 × 175 cm, Wolle
Sammlung Mobilier national
© Christophe Cuzin / VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Isabelle Bideau, freundlicherweise von der Kunsthalle zur Verfügung gestellt

Das Mobilier national in Paris vereint unter sich die Manufacture des Gobelins, die Manufacture de Beauvais und die Manufacture de la Savonnerie. Zu den Aufgaben der staatlichen Institution zählen neben der Vergabe von Tapisserieprojekten auch die Pflege, Erforschung, Erweiterung und restauratorische Instandhaltung der eigenen Sammlung sowie die Förderung der Webausbildung. Bis heute stattet das Mobilier national die öffentlichen Repräsentationsräume Frankreichs mit historischen wie zeitgenössischen Tapisserien, Möbeln und Bodenteppichen aus und organisiert Ausstellungen in der Galerie des Gobelins sowie in Kooperation mit anderen Institutionen. Der Grossteil der in dieser Ausstellung gezeigten Werke stammen aus der Sammlung des Mobilier national.

Mit rund 350.000 Besuchern jährlich ist die Kunsthalle München eines der renommiertesten Ausstellungshäuser Deutschlands mit drei grossen Ausstellungen zu den unterschiedlichsten Themen pro Jahr.

Info:

6. Dezember 2019 – 8. März 2020

Die Fäden der Moderne
Matisse – Lurçat – Miró
Französische Gobelins von 1918 bis heute

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
Theatinerstrasse 8
(in den Fünf Höfen)
80333 München
Deutschland

www.kunsthalle-muc.de

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Hommage à Bauhaus
Christa Jeitner – Martin Jahn

Die Ausstellung ‘Hommage à Bauhaus’ zeigt Textilobjekte und Mixed-Media-Kompositionen der Künstlerin Christa Jeitner (* 1935, Berlin) im Dialog mit weitgehend unbekannten Werken aus dem Nachlass des Bauhaus-Künstlers Martin Jahn (1898, Potsdam – 1981, Darmstadt).

Martin Jahn: Graphit, Stofffetzen auf schwarzem Grund
1970er Jahre, MJW108
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Christa Jeitner, die an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Ost-Berlin begann, wieder exmatrikuliert wurde und danach an der Hochschule für Bildende Künste in West-Berlin aufgrund des Mauerbaus ihr Studium zunächst nicht abschliessen konnte, schuf dennoch bereits in den 1960er/70er Jahren gegenwartsorientiert, wach und materialbewusst eine Vielzahl beeindruckender Werke – neben ihrer Tätigkeit als Textilrestauratorin und später als Dozentin im Fach Restaurierungstechnik.

Christa Jeitner, Portrait
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Ihre Arbeiten zu DDR-Zeiten sind eher dem nicht-offiziellen Kunstspektrum zuzurechnen, so dass sie nur eingeschränkt ausstellen konnte.

Christa Jeitner, Dreiflüglige Säule
1980, Schnürwerk, 296 × 65 cm
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Während mehrerer Reisen nach Polen knüpfte sie Kontakte zu polnischen Künstler*innen, lernte internationale Textilkunst kennen und entwickelte in der Folge eine eigenständige textile Bild- und Formensprache.

Ausstellungsansicht
‘Hommage à Bauhaus. Christa Jeitner und Martin Jahn’, Galerie Bernau, 2019
Foto: © Michael Winkler, freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Im Dialog dazu werden in der Ausstellung Arbeiten von Martin Jahn präsentiert, dessen aussergewöhnliches Zeichentalent schon bei seiner abgeschlossenen Ausbildung an der Staatlichen Kunstschule Berlin auffiel.

Ausstellungsansicht
‘Hommage à Bauhaus. Christa Jeitner und Martin Jahn’, Galerie Bernau, 2019
Foto: © Michael Winkler, freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

In sein Werk flossen aber auch Anregungen des Bauhauses ein, wo er anschliessend von 1920 – 1924 bei Johannes Itten, Paul Klee, László Moholy-Nagy und Lyonel Feininger am Bauhaus in Weimar studierte. Jahn entschied sich jedoch gegen einen dortigen Verbleib und war ab 1924 als Kunstlehrer tätig.

Ausstellungsansicht
‘Hommage à Bauhaus. Christa Jeitner und Martin Jahn’, Galerie Bernau, 2019
Foto: © Michael Winkler, freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Er nutzte die gesamte Palette seiner Ausbildung und schuf neben seiner pädagogischen Tätigkeit ein umfangreiches, ausserordentlich vielfältiges malerisches und zeichnerisches Werk.

Martin Jahn beim Zeichnen
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

In der vorangegangenen Ausstellung ‘Die Fäden einer Verwandtschaft’ zeigte die Galerie Bernau übrigens Werke der Berliner Künstlerin Andrea Milde, die uns mit ihren eindrucksvollen Bildwirkereien bereits innerhalb der Ausstellungstipps im April 2019 begegnet ist. Hinweisen möchte ich auf das Video zu ihrer Vision einer mobilen Web-Werkstatt, das sich anzuschauen lohnt.

Info:

30. November 2019 – 16. Januar 2020

Hommage à Bauhaus
Christa Jeitner – Martin Jahn

GALERIE BERNAU
Bürgermeisterstrasse 4
16321 Bernau bei Berlin
Deutschland

www.galerie-bernau.de

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Künstlerisches Spielzeug – spielerische Kunst
Weihnachtsmärchen

‘Weihnachtsmärchen’ lautet der Titel der diesjährigen Ausstellung ‘Künstlerisches Spielzeug – spielerische Kunst’, mit der die Galerie Handwerk in München das Galeriejahr beschliesst.

Einladung

Weihnachtsmärchen, wie die gleichnamige Geschichte von Charles Dickens, haben in der kalten Jahreszeit eine lange Tradition und stimmen auf die ganz besondere Zeit im Dezember ein. Jedes Land kennt spezielle Märchen: mystische, naturverbundene oder geheimnisvolle Darstellungen. Erzählungen, wie ‘Sterntaler’ von den Brüdern Grimm, ‘Das Mädchen mit den Schwefelhölzern’, ‘Die drei Federn’ oder auch ‘Der Tannenbaum’ von Hans Christian Andersen, werden noch immer gerne gelesen und vorgelesen.

Abigail Brown (GB): Group Couture Creatures
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Für die diesjährige Präsentation haben sich die teilnehmenden Aussteller*innen von bekannten oder auch weniger gängigen Büchern, Filmen oder Helden inspirieren lassen. Oder sie haben ihre ganz eigene Weihnachtsgeschichte mit ihren eigenen Figuren und mechanischen Objekten kreiert. Unter den 45 Künstler*innen aus Deutschland, Italien, Schweden, Grossbritannien und Tschechien sind viele Bekannte, aber auch 12 Aussteller*innen, die ihre Arbeiten zum ersten Mal hier zeigen und die Galerie Handwerk in eine phantasievolle Landschaft mit verschiedensten Figuren und neuen Szenen verwandeln.

Birgit Borstelmann (D): Pepe
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Das märchenhafte Buchobjekt von Su Blackwell (GB) auf der Einladung nimmt uns mit auf die Reise zu einem Märchenschloss. Weitere Fotos und die Teilnehmerliste sind auf der Website der Galerie zu finden. Es gibt viel zu entdecken!

Info:

27. November – 28. Dezemebr 2019

Künstlerisches Spielzeug – spielerische Kunst
Weihnachtsmärchen

Galerie Handwerk
Max-Joseph-Strasse 4
80333 München
Deutschland

www.hwk-muenchen.de

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Federn – wärmen, verführen, fliegen

Wer sich in eine wärmende Daunenjacke kuschelt oder in einem Federbett versinkt und wohlig einschläft, weiss: Federn sind herausragende Schöpfungen der Natur. Sie sind so alltäglich wie staunenswert. Tausende Federn bedecken die Körper der Vögel, hochspezialisiert, je nach ihrer Funktion im Vogelkleid. Federn wärmen und kühlen, halten trocken, schmücken und tarnen. Gleichzeitig ist gerade die Schwungfeder ein aerodynamisches Meisterwerk, das den Vögeln etwas ermöglicht, wovon wir Menschen seit Jahrtausenden träumen: das Fliegen.

© Seamus Murphy: ‘PJ Harvey’, 2011
Foto: Seamus Murphy, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung ‘Federn – wärmen, verführen, fliegen’, die das Gewerbemuseum Winterthur ab dem 1. Dezember 2019 zeigt, verneigt sich vor diesem äusserst komplexen Gebilde aus Keratin und bietet einen Überblick über seine verführerische Schönheit und Formenvielfalt. Sie beleuchtet die geniale Multifunktionalität der Feder sowie ihre aktuelle Bedeutung in Kulturgeschichte, Design, Kunst und Popkultur und wirft einen kritischen Blick auf die Entwicklung der Biodiversität und das Geschäft mit Vogelfedern.

Federdiadem, Brasilien
© Völkerkundemuseum der Universität Zürich/CH
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die lange Tradition des Gebrauchs von Federn in der Mode, in der Gestaltung von Designobjekten, Hüten oder Schmuck sowie in der Verarbeitung von Stoffen bringt auch heute bemerkenswerte Arbeiten hervor, die durch ihre Ästhetik und handwerkliche Exzellenz, ihre kritische Reflexion oder Neuinterpretation bestechen.

Glen Baghurst: ‘Accoutre 2’, (Limited Edition), 2018
Foto: Silvano Bacciardi, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Produktdesigner Glen Baghurst beispielsweise versieht Möbelstücke mit Leder und Federn und die Designerin Heike Buchfelder kreiert kunstvolle Federlampen.

Heike Buchfelder/Plumacubic: ‘Kugel K1 Floor Light’
Foto: Cristopher Santos, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit vier Designer*innen erhält die Metropole Paris eine starke Position in der Ausstellung: Filigrane, federleichte Stoffe …

Janaïna Milheiro: Federnstoff
Foto: Magali An Berthon, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… bemerkenswerte Federpreziosen und erotisches Spielzeug sind zu bewundern.

© Betony Vernon: ‘CockFeather Tickler’, 1995–2018
Foto: Ali Mahdavi, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Daneben führt der junge Designer Maxime Leroy das alte Handwerk des Plumassiers in einer neuen gestalterischen Sprache weiter und …

Atelier M. Marceau & Maison Sacco Baret/Artisan d’Art Plumassier Maxime Leroy:
‘Atelierporträt von Maxime Leroy’, 2017
©/Foto: Julien Cresp, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… die Textilgestalterin Janaina Milheiro stellt Entwürfe vor, bei denen sie Federn verarbeitet.

Janaïna Milheiro: Fil de plume, o. J.
Foto: Eric Forlini, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Haute Couture der belgischen Modedesignerin Ann Demeulemeester wiederum betört mit moderner Sinnlichkeit, während der Stop-Racism-Look von Walter van Beirendoncks eine kritische Reflexion unserer Zeit und ein Zeichen gegen kulturelle Aneignung in der Mode ist.

© Walter Van Beirendonck: ‘Electric Eye’, Frühjahr/Sommer 2016
Foto: Ronald Stoops, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In der Popkultur ist die Feder ein häufig eingesetztes Bild, z.B. bei der Inszenierung von Sänger*innen oder in Musikvideos, aber auch als aufsehenerregendes Accessoire in Fashionshows.

Kat Frankie: ‘Bad Behaviour’, 2018, Still aus Musicvideo-Clip
© Kat Frankie
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In Abgrenzung dazu werden Federn auch als eindringliches Zeichen der eigenen kulturellen Identität genutzt, die gegen die kulturelle Vereinnahmung ankämpft oder als Symbol des Widerstandes wie bei politischen Aktivist*innen aus Südamerika.

Indigenas, Marcha das Mulheres, 14.9.2019, Brasilia
Foto: Douglas Freitas, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Künstlerische Arbeiten zeigen eine stete Auseinandersetzung mit der Materialität, dem ästhetischen Ausdruck und den vielfältigen Bedeutungsebenen von Federn. Die Ausstellung ‘Federn – wärmen, verführen, fliegen’ zeigt unterschiedliche zeitgenössische Ansätze und …

Lucy Glendinning: ‘Feather Child 1’, 2011
© Lucy Glendinning
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… internationale Positionen als Installationen oder in Form fotografischer und zeichnerischer Arbeiten, z.B. Bethan Huws, die Federn ‘auf den Tisch stellt’ und damit eine fundamentale Frage aufwirft: Jene nach der Beziehung von Kunst und Natur.

Bethan Huws: ‘Table of Feathers’, 2009
© Courtesy Galerie Tschudi, Zuoz & The Artist
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Vom 1. März bis 16. August 2020 zeigt das Museum ausserdem die Sonderpräsentation im Forum ‘Anna Rubin – In die Luft gebaut’, eine Installation der österreichischen Künstlerin Anna Rubin mit ihren faszinierenden Flugobjekten und fliegenden Drachen. Eröffnung: Samstag, 29. Februar 2020, 16 Uhr

Die umfangreichen Angebote des Rahmenprogramms sind auf der Website zu finden.

Info:

1. Dezember 2019 – 1. Januar 2020:

Federn – wärmen, verführen, fliegen

Gewerbemuseum Winterthur
Kirchplatz 14
8400 Winterthur
Schweiz

www.gewerbemuseum.ch

Eröffnung:
Sa, 30. November 2019, 16 Uhr

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Seilschaften – Evi Kirchmair-Krismer

Zusammen mit Galerieinhaberin Daniela Pfeifer zeigt Evi Kirchmair-Krismer bei der diesjährigen Kunststrasse in Imst/Tirol ihre Art Quilts in der Galerie ‘DANART’. Der Event steht unter dem Motto: ‘MATERIAL – STOFF: Geschichte zeigen – Kunst formen – Träume weben’ und bietet damit textiler Kunst an 37 Ausstellungsorten eine grosse Bühne (Näheres im unten verlinkten Flyer).

Flyer

Evis Quilts widmen sich diesmal dem Thema ‘Seilschaften’ und sie schreibt dazu:

‘Eine Seilschaft steht sinnbildlich für eine der schönsten Sachen auf der Welt: Gemeinschaft, die uns dabei hilft ein bestimmtes Ziel zu erreichen, indem wir uns gegenseitig sichern. Eine Seilschaft steht so für eine starke Verbundenheit zwischen uns Menschen.

Evi Kirchmair-Krismer: Seilschaft
Foto von der Künstlerin freundlicherweise zur Verfügung gestellt

Mit einer Seilschaft verbinden wir aber nicht nur Positives. Unter einer Seilschaft verstehen wir auch ein Bevorzugen von bestimmten Menschen, die diese Bevorzugung eigentlich nicht verdienen. Diese Seilschaften sind nicht offiziell, sondern versteckt. Versteckt sind auch die Machenschaften der Textilindustrie, die eine der umweltschädlichsten Industriezweige der Welt ist. Auch hier sind die Seilschaften zwischen den Firmen, den Rohstofflieferanten, der Produktion, dem Handel und dem Verkauf sehr stark. So bekommen wir als einfache Konsumenten gar nicht mit, wie katastrophale Arbeitsbedingungen vorherrschen, die Überproduktion einfach vernichtet wird, nur um uns für kurze Zeit eine vermeintliche Freude zu bereiten.

Dieser Ambivalenz widmen sich meine Quilts auf der diesjährigen Kunststrasse.’ Viel Erfolg, Evi!

Info:

ab 30. November 2019

Seilschaften – Evi Kirchmair-Krismer

Kunststrasse Imst 2019
Galerie ‘DANART’
Pfarrgasse 29
6460 Imst (Oberstadt)
Österreich

www.danart.at

Öffnungszeiten:
Sa/So 30. November /1. Dezember 2019
Sa/So 7./8. Dezember 2019
Sa/So 14./15. Dezember 2019
jeweils 14 – 19 Uhr

Flyer

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Parastou Forouhar
Deadlines

Das Werk von Parastou Forouhar, das die Stadtgalerie Saarbrücken derzeit unter dem Titel ‘Deadlines’ zeigt, reflektiert die Begegnung von Orient und Okzident, von Krisengebiet und Komfortzone, von Zwangsordnung und kultureller Freiheit. Die 1962 in Teheran geborene Künstlerin absolvierte ihre Ausbildung zunächst im Iran und setzte sie in Deutschland fort, wo sie heute lebt und arbeitet. Dabei entwickelte sie ein Werk, in dem sich die Schönheit der Ornamentik mit systemkritischen Inhalten verbindet, die ihre persönlichen Erfahrungen unter der Gewaltherrschaft des Mullah-Regimes spiegeln und zugleich einen allgemein gültigen Anspruch erheben.

So erscheinen Mord und Folter in Forouhars digitalen Zeichnungen und Wandinstallationen als wiederkehrende Motive. Sie lockt uns in eine verführerische Welt von geheimnisvollen Mustern, Formen und Farben aus zunächst unverfänglichen, ja fast dekorativen Ornamenten, die erst bei näherem Hinsehen ihre verstörenden Inhalte zu erkennen gibt.

Plakat
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wie ein dunkler Geist scheint die Gestalt auf dem Plakat in einem grossen Raum zu schweben. Es ist der Amtsmannsaal in Stein am Rhein – Bühne für eine geheimnisvolle Figur, die sich als Frau mit schwarzem Tschador entpuppt. Vollkommen in den schwarzen Stoff gehüllt erscheint sie hüpfend, tanzend, flüchtig und fremd.

Das Bild ist Teil der Fotoserie ‘Der Himmel ist blau, das Gras ist grün und sie ist schwarz’ – als Leuchtkastenserie im Innenhof der Stadtgalerie inszeniert – eine nahezu perfekte Metapher für Forouhars Arbeit als Künstlerin zwischen den Welten: ihrem Geburtsland Iran und ihrer Wahlheimat Deutschland.

Parastou Forouhar: Der Himmel ist blau, das Gras ist grün und sie ist schwarz
Fotoserie
Installationsansicht Innenhof, 2019, Stadtgalerie Saarbrücken
Foto: Anton Minayev, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Tschador ist dabei ein immer wiederkehrendes Motiv – als Symbol für die gesellschaftliche Diskriminierung von Frauen unter der Sharia, aber auch als ein mit Mustern versehenes Stück Stoff, an dessen ästhetischen Qualitäten die Künstlerin ebenso interessiert ist wie daran, was es aus den Frauen macht, die ihn tragen, tragen müssen. Mit dieser in einem europäischen, weltoffenen Zusammenhang entwickelten Bildwelt besetzt sie Wände und ganze Räume, die uns gleichsam körperlich gefangen nehmen.

Parastou Forouhar: Augen
C-Print auf Papier, 2019, Stadtgalerie Saarbrücken
Foto: Anton Minayev, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Dabei mutet sie uns zu, dass wir die Komfortzone der distanzierten Betrachtung verlassen, um in eine Welt einzutauchen, deren Grausamkeit gerade in der Ästhetik und Ordnung des Ornaments verborgen liegt.

In ‘Die Zeit der Schmetterlinge / The Time of Butterflies’ entwickelt Forouhar ein Vexierbild aus vermeintlichen Schmetterlingen, das sich fast über die gesamte Wand der langen Galerie ausdehnt. Bei näherer Betrachtung lässt sich eine Aneinanderreihung einzelner menschlicher Körper, aus denen die Schmetterlingsformen zusammengesetzt sind, erkennen: verwundete Körper, Körper hinter Gittern, Körper, die mit Zielscheiben versehen sind und dazwischen immer wieder Blutspuren, Einschusslöcher, Dunkelheit.

Parastou Forouhar: Zeit der Schmetterlinge
C-Print auf Papier, 2019, Stadtgalerie Saarbrücken
Foto: Anton Minayev, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Es ist eine Welt, die uns zugleich fremd ist und uns doch unter die Haut geht, gerade weil Parastou Forouhar mit ihren stilisierten Darstellungen von Folter- und Todesqualen die Alltäglichkeit und organisierte Brutalität eines Systems offenlegt, das die eigene Bevölkerung mit perfiden Methoden unterdrückt. Dass uns ‘Die Zeit der Schmetterlinge’ dabei aus der Ferne mit Poesie und Leichtigkeit begegnet, unterstreicht diese Wirkung und macht uns ihren Schmerz umso mehr bewusst: ‘Für mich ist das Schöne nicht nur durch sich selbst, sondern auch über seinen Verlust definiert. In diesem Gedanken liegen die Ressourcen und Kräfte für die Sorge um sich und um die Welt,’ schreibt die Künstlerin.

Ausstellungsansicht ‘Parastou Forouhar – Deadlines’
2019, Stadtgalerie Saarbrücken
Foto: Anton Minayev, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In ‘Tausendundein Tag III’ ist es die messerscharfe Präzision und kühle Regelmässigkeit der gespiegelten Figurengruppen, deren grausames Tun die Künstlerin in einer Art Rorschachtest eingefangen hat.

‘Absolute Sicherheit gibt es nicht’ – dieses markige Zitat des ehemaligen Innenministers Otto Schily ziert die Kissen einer Installation, die Forouhar in der Mitte des Raums platziert hat. Sie sind mit Stoffen bezogen, deren Rapport aus stilisierten Messern besteht. Ein starker Kontrast zwischen Form und Inhalt: weiche, anschmiegsame Kissen, gehüllt in ein Dessin aus scharfen Messerklingen.

Auf der Wand dahinter: die Fotografie ‘Freitag – quadripartitus’, eine rätselhafte Nahansicht eines über vier Paneele ausgebreiteten Faltenwurfs. Licht und Schatten sowie der sich wellende Stoff strukturieren das monochrome Schwarz, auf dem sich ein Muster aus üppigen Blumenranken zu erkennen gibt, lediglich unterbrochen durch die Hautfarbe einer Hand, zweier Finger oder vielleicht eines ganz anderen Körperteils, dessen Erscheinung sich nicht eindeutig zuordnen lässt.

Parastou Fohourar: I Surrender
seit 2006, Installation im Martin-Gropius-Bau, Berlin, 2007
© Parastou Fouhourar
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘I Surrender/Ich ergebe mich’ – eine ihrer bislang gewagtesten Arbeiten – ist eine Installation, die uns im ersten Moment glauben macht, hier handle es sich um eine heitere Ansammlung von Luftballons. Schwarze Fäden hängen von ihnen herab – vertikale Linien im Raum, die zugleich als Aufforderung dazu dienen, den ein oder anderen Ballon näher heranzuholen und die Darstellungen auf seiner glänzenden Oberfläche genauer zu betrachten.

Parastou Fohourar: I Surrender, Detail
seit 2006
© Parastou Fouhourar
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die luftige Heiterkeit der Ballons weicht der Erkenntnis, dass die Künstlerin uns hier mit schmerzhaften Tatsachen konfrontiert: Es sind abstrahierte Folterszenen, in denen geschundene, aufs Grausamste verrenkte Körper und ihre Peiniger zu ornamentalen Formen aufgelöst werden, um detailreich und in unendlicher Wiederholung in unser Bewusstsein einzusickern.

Das Ornamentale, die strenge Ordnung abstrakter Bildelemente und ihre Wiederholung sind das Prinzip, das die Künstlerin in ihrem Werk ebenso nutzt wie hinterfragt. Es geht um ‘eine vermeintliche, schöne Ordnung’, die mit allen Mitteln – und sei es mit Folter oder Mord – aufrechterhalten werden muss, um das System zu sichern: ‘Das Ornament duldet keine Abweichung. Es verschleiert die Grausamkeit einer totalitären Struktur, die Abweichendes negiert und abtötet. Sie funktioniert als Bild gewordene Ideologie – eine disziplinierende (domestizierende) Autorität in der ordnenden Struktur.’ So die Künstlerin.

Info:

27. September 2019 – 16. Februar 2020

Parastou Forouhar
Deadlines

Stadtgalerie
St. Johanner Markt 24
66111 Saarbrücken
Deutschland

www.stadtgalerie-saarbruecken.de

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Von Albers bis Zukunft. Auf den Spuren des Bauhauses

Als das Staatliche Bauhaus 1919 von Walter Gropius in Weimar als Reformschule ins Leben gerufen wird, beginnt nur wenig später auch am Niederrhein in Krefeld eine Zeit des Aufbruchs in die Moderne. Der 1922 berufene Direktor Max Creutz (1876 – 1932) macht das Kaiser Wilhelm Museum wieder zu einer Plattform für das zeitgenössische Geschehen in Kunst und Design. Anknüpfend an die Avantgarde der 1920er Jahre präsentieren die Kunstmuseen Krefeld anlässlich des Bauhaus-Jubiläums eine grosse Ausstellung aus eigenem Bestand. Mit Highlights der Sammlung und grossen Namen wie auch mit kaum bekannten Werken und Aspekten geht die Schau noch bis zum 26. April 2020 den vielfältigen Spuren nach, die das Bauhaus und seine Ideen in der Sammlung hinterlassen haben.

Wassily Kandinsky: Farbenlehre 1928
Kunstmuseen Krefeld
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zum Bauhaus und Walter Gropius pflegt Creutz Kontakte und zeigt Bauhaus Meister und Schüler immer wieder in verschiedenen Zusammenhängen. Paul Klee, Wassily Kandinsky, Gerhard Marcks, Johannes Driesch, Oskar Schlemmer, Johannes Itten und Fritz Winter sind im Kaiser Wilhelm Museum präsent. Für die Ausstellung ‘Farbe’ (1928) liefert Kandinsky pädagogische Farbtafeln als Anschauungsmaterial.

Fritz Hellmut Ehmcke: Plakat ‘Deutsche Werkbund Ausstellung’, 1914
Farblithografie, 90 × 65 cm
Kunstmuseen Krefeld
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Bereits 1923 gelingt es Creutz, mit dem Ankauf der Mustersammlung des Deutschen Werkbundes, dem ‘Deutschen Museum für Kunst in Handel und Gewerbe’ von Karl Ernst Osthaus ein anderes, mobiles Konzept der Vermittlungsarbeit nach Krefeld zu holen und die Vordenker des Bauhauses dauerhaft und prominent am Haus zu positionieren. ‘Der Austausch zwischen dem Bauhaus und Krefeld ist besonders vielfältig und wirkt bis in die 1970er Jahre nach. Neben dem Kaiser Wilhelm Museum findet vor allem auch zwischen der Textilindustrie, den unterschiedlichen Gestalterschulen in Krefeld und dem Bauhaus ein Wissenstransfer statt. Künstler*innen und Designer*innen wie Johannes Itten, Georg Muche oder Gerhard und Elisabeth Kadow oder Gunta Stölzl, Benita Koch-Otte und Immeke Mitscherlich bilden eine Brücke zwischen dem Lern- und Produktionsstandort Krefeld und dem Bauhaus. Diese vielfältigen Verbindungen wollen wir nun in der Sammlungspräsentation zeigen’, so die Direktorin der Kunstmuseen Krefeld Katia Baudin. Mies van der Rohe und Lilly Reich geben zudem der Samt- und Seidenindustrie auf internationalen Ausstellungen ein modernes Gesicht und Mies van der Rohe errichtet in Krefeld zwei Ikonen des Neuen Bauens in Deutschland.

Paul Klee: Stadt emporwachsend, sich verdüsternd, 1915
Aquarell auf Kupferdruckpapier mit Grund aus Tempera und Zinkweiss,
auf Karton montiert, 24,6 × 12,2 cm
Kunstmuseen Krefeld
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘In der heutigen Sammlung lassen sich zum historischen Bauhaus, seinen Wegbereitern, Mitstreitern und Einflüssen zahlreiche Fäden knüpfen’, so Kuratorin Dr. Sylvia Martin. ‘Sie reichen von den Werken vieler Bauhäuslerinnen – wenn auch nicht immer aus der Zeit des Bestehens der Schule – bis zu Arbeiten der Gegenwartskunst, in denen Einflüsse und Impuse des Bauhauses deutlich werden’, ergänzt Co-Kuratorin Dr. Magdalena Holzhey.

Georg Muche: Fließendes Rot (Komposition vor blauem Grund), 1916
Öl auf Leinwand, 83 × 75,5 cm
Kunstmuseen Krefeld
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Präsentation zeichnet mit zahlreichen Werken von Bauhaus-Meistern und Schüler*innen ein Bild der Reformschule, deren Ausdrucksformen vor allem in den ersten Jahren ihres Bestehens von Heterogenität gekennzeichnet waren. Erst durch den Einfluss von De Stijl und Konstruktivismus entwickelte sich das Bauhaus zu der stilprägenden Experimentierstätte für moderne Formgebung, als die es bis heute berühmt ist. Der reiche Sammlungsbestand der geometrisch-abstrakten Kunst der 1920er Jahre zeigt diesen Einfluss auf.

Friedrich Vordemberge-Gildewart: Komposition No. 28, 1927
Öl auf Leinwand, 60 × 80 cm
Kunstmuseen Krefeld
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wegbereiter wie der Deutsche Werkbund und die Reformbestrebungen des Jugendstils werden ebenso gezeigt wie die schulbildende Wirkung des Bauhauses, die sich in berühmten Ausbildungsstätten wie der Ulmer Hochschule für Gestaltung und dem Black Mountain College in North Carolina, aber auch in der Krefelder Werkkunstschule manifestiert. Highlights der Sammlung, darunter Gemälde von Josef Albers, Wassily Kandinsky, Piet Mondrian, Laszlo Moholy-Nagy und anderen, stehen neben unbekannten Werken und Aspekten der Museumsgeschichte – etwa den erwähnten Farbtafeln, die Wassily Kandinsky 1928 zu didaktischen Zwecken für das Kaiser Wilhelm Museum anfertigen liess, oder dem grossformatigen Rollen-Bild Rhythmus 23 des bedeutenden Filmpioniers Hans Richter.

László Moholy-Nagy: C XII (Blaues Bild), 1924
Öl auf Leinwand, 91,7 × 71,5 × 2,2 cm
Kunstmuseen Krefeld
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Von Albers bis Zukunft, von dem einflussreichen Bauhaus-Lehrer bis hin zu den visionären Impulsen, die die Schule als Labor der Moderne für eine Verbindung von Kunst, Architektur und Alltagsgestaltung geben konnte, entfalten sich in loser Folge Themenräume vom frühen 20. Jahrhundert bis in die jüngste Gegenwart. Aspekte wie Modernismus-Rezeption, Architektur als gesellschaftliche Utopie, das Verhältnis von Bühne und Körper, Spiel und Technik, Textil und Abstraktion spielen hier eine Rolle. Die Kunstmuseen Krefeld erzählen so eine Geschichte der Moderne aus Sicht der eigenen Sammlungschronik.

Bruno Munari: Struttura continua, 1958
Aluminium, 16-teilig, je 8 × 8 x 8 cm
Installation variabel
Kunstmuseen Krefeld
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Weitere Fotos und das Begleitprogramm sind auf der Website des Museums zu finden.

Info:

7. Juni 2019 – 26. April 2020

Von Albers bis Zukunft. Auf den Spuren des Bauhauses

Kaiser Wilhelm Museum
Joseph-Beuys-Platz 1
47798 Krefeld
Deutschland

www.kunstmuseenkrefeld.de

Booklet zur Ausstellung

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Silbertriennale International – 19. weltweiter Wettbewerb

Die Gesellschaft für Goldschmiedekunst e.V. konnte zum 19. Mal ihren Wettbewerb zur Förderung der zeitgenössischen Silberschmiedekunst veranstalten – die Silbertriennale International. Was 1965 als kleines Ausstellungsprojekt begann, hat sich bis heute zu einem grossen, international renommierten Preis im Bereich des Silberschmiedehandwerks entwickelt. In einem Turnus von drei Jahren werden hochwertige Schmiedearbeiten aus dem In- und Ausland prämiert und vorgestellt.

Die Schau mit ausgewählten Wettbewerbsarbeiten im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau ist zu einem festen Veranstaltungshöhepunkt geworden. Eindrucksvoll spiegeln sich in der Ausstellung die aktuellen Entwicklungen der Silberszene wider. Egal ob Besteck, Kannen, Kerzenleuchter, Schalen oder frei gestaltete Objekte, die Arbeiten zeigen die reizvollen Möglichkeiten künstlerischer Metallbearbeitung.

Tim Neumann: Vase
Messing versilbert, 2019
Foto: Tim Neumann und Andreas Decker, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Eine fachkundige Jury wählte die interessantesten Objekte unter den 123 Einsendungen aus 19 Nationen aus. Insgesamt 93 Einreichungen wurden für die Teilnahme an der Ausstellungstournee eingeladen. Sieben Arbeiten konnten zusätzlich mit Preisen ausgezeichnet werden.

Juliane Schölß, Nürnberg, erhielt den Ebbe Weiss-Weingart Preis für eine Gefässsgruppe mit Tablett. Darauf inszeniert sie Becher, Kelche und kleine Schalen zu einem bühnenhaften Arrangement. Die Objekte in unterschiedlicher Grösse sind in verschiedenen Metallfarben gearbeitet und machen Lust darauf, immer wieder neu in Szene gesetzt zu werden.

Juliane Schölß: Tablett mit 8 Gefässen
925/000 Silber, teilweise vergoldet, teilweise geschwärzt
Tablett: Edelstahl, gefärbt, 2017
Foto: Eva Jünger, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Für ihre Vasen erhielt Sarah Cossham, München, den Ebbe Weiss-Weingart Silberpreis. Mit der ungewöhnlichen Kombination aus geschwärztem Silber, Messing, Rubinen und Saphiren schafft sie eine unverwechselbare Ästhetik. Der spielerische Umgang mit Material, Form und Technik verleiht ihren Gefäßen eine charmante ‘Unperfektheit’.

Sarah Cossham: Vasen ‘Das Paar’
Silber geschwärzt, Bronze, Messing, blauer Saphir, 2019
Foto: Mirei Takeuchi, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der 1. Platz im Lions Club Hanau Nachwuchsförderwettbewerb wurde Jerome Funk, Freigericht, zuerkannt. Seine Schale überzeugte die Jury durch ihre ungewöhnliche Oberflächenwirkung in Struktur und Farbe. Der technische Vorgang der Herstellung und der Umgang mit dem Material lässt sich eindrucksvoll an dem Objekt nachvollziehen.

Jerome Funk: Schale
Kupfer, Bronze versilbert, 2019
Foto: Andreas Decker, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit dem Heimerle + Meule Silberpreis konnte Daphne Spiegel, Sulzthal, bedacht werden. Ihre Schale beeindruckt aufgrund ihrer formal konsequenten Ausführung. Die Interpretation der Technik wird in die Gestaltung eingebracht. Die Herstellung der Schalenform und die dadurch entstehende Spannung im Material provoziert die Ausrichtung der gesägten Ornamente.

Daphne Spiegel: Obstschale ‘Gefäss für…’
935/000 Silber, 2017
Foto: Andreas Decker, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Viele der eingereichten Arbeiten gehen über das Spektrum des klassischen Tafelgeräts hinaus und zeigen neue Wege der Metallgestaltung. Neben einem grossen Gespür für zeitgemässe Formen und fantasievolle Kreationen bestechen die Silberobjekte durch eine souveräne Bearbeitung und die raffinierte Anwendung traditioneller sowie neuer Techniken.

Andreas Decker: Schale ‘Buttervogel’
Feinsilber, Glasfarbe, 2019
Foto: Andreas Decker, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Insbesondere die Gestaltung der Oberfläche spielt bei einer Vielzahl der Objekte eine wichtige Rolle. Zarte Struktur oder kräftiges Relief versetzen den Betrachter darüber ins Staunen, wie vielseitig die Möglichkeiten der Metallbearbeitung sind. Takuya Kamiyama verleiht seiner Vase durch aufwendige Punzierung die Anmutung von Reptilienhaut.

Takuya Kamiyama: Vase ‘Sea Urchin III’
958/000 Silber, 2019
Foto: Simon B. Armitt, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Klassisches Tafelgerät, das formalen Anspruch und gestalterische Eleganz gleichermassen in sich vereint, stammt von Wilfried Moll, Ulrike Scriba, Larissa Thiel oder Hartwig Ullrich. Mit dem Entwurf von Karaffe, Brotschüssel und Kannen haben sie Objekte geschaffen, die Glanz auf jeden festlich gedeckten Tisch bringen.

Wilfried Moll: Teekanne Kugelform
925/000 Sterlingsilber, Büffelhorn, 2018
Foto: Andreas Decker, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit Einsendungen aus Europa, Asien, Übersee und dem Nahen Osten beweist die 19. Silbertriennale International, dass Silberschmiedekunst noch immer weltweit praktiziert wird. Der Gesellschaft für Goldschmiedekunst ist es eine grosse Freude, den Metallgestaltern Unterstützung und Anregung zu bieten und dem Handwerk auch weiterhin Perspektiven zu eröffnen.

Begleit-Publikation (dt./engl.) erhältlich.

Info:

27. Oktober 2019 – 9. Januar 2020

Silbertriennale International – 19. weltweiter Wettbewerb

Deutsches Goldschmiedehaus Hanau
Altstädter Markt 6
63450 Hanau
Deutschland

www.goldschmiedehaus.com

Im Anschluss an die Präsentation im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau treten die Stücke ihren Weg zu einer Wanderausstellung an. Weitere Stationen sind: DIVA Museum voor Edelsmeedkunst, Juwelen en Diamant, Antwerpen (B): 23. Januar – 19. April 2020; Silberwarenmuseum Ott-Pausersche Fabrik, Schwäbisch Gmünd (D): 26. April –12. Juli 2020; Wasserschloss Klaffenbach, Chemnitz (D): 1. August –25. Okotber 2020.

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Kata Unger
STARKES CRAVING / Das Teuflische ist dem Schönen ganz nah

Noch bis zum 21. Dezember 2019 zeigt die Galerie ARTAe in Leipzig Werke der in Berlin lebenden Künstlerin Kata Unger unter dem Titel ‘STARKES CRAVING / Das Teuflische ist dem Schönen ganz nah’.

Kata Unger: Die Hand der Fatima, 2003
Seide, Wolle auf Baumwolle, 140 x 200 cm
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Kunst kann man nur aus einer Obsession, einer Leidenschaft, einem starken Willen und Drang heraus machen. Ziel ist es dann, aus diesem subjektiven Blick und Schaffen eine allgemeingültige Aussage zu treffen. Themen, die die Künstlerin gepackt haben, lassen dann grossformatige Bildteppiche entstehen, die nur Millimeter um Millimeter auf dem Webstuhl wachsen.

Ausstellungsansicht
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Neben den Bildteppichen entstehen Zeichnungen, die zwar keine Entwürfe sind, aber Impulse geben. In beiden Formen spielen Farbe, Komposition sowie Inhalt und Kontext eine grosse Rolle. Die spektakuläre Verbindung des traditionsreichen Teppichknüpfens mit zeitgenössischen Motiven und Themen ist einzigartig. Ihre Zeichnungen sind eine Reduktion von Formen, haben mit fast comicartigen Elementen einen erzählerischen Charakter und sind sehr malerisch.

Kata Unger: German Angst, 2018
Wolle auf Wolle, 206 x 238 cm
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Kata Ungers (* 1961, Berlin) Bildteppiche und Zeichnungen stehen in der Tradition des Punk, Dadaismus und lebendiger Subkultur. Ungers Bildteppiche sind zugleich Objekt, Zeichnung und Malerei und repräsentieren im Überschreiten der Kategorien Synchronizität. Die Zeichnungen der Künstlerin entstehen während des Prozesses am jeweiligen Teppich, sind eigenständige Werke und stellen jedoch immer wieder inhaltliche und formale Bezüge zu den komplexen Bildteppichen her. Aus den senkrechten und waagerechten Woll-Pixeln entstehen nicht nur Räume, sondern regelrechte Denkräume, die aus den Systemen und Strukturen unserer Wirklichkeit entnommen wurden. Eingewebte abstrakte Begriffe sind nicht nur Materialität des Wortes sondern Referentialität neuer Diskurse. Elegant bewegt sich Kata Unger zwischen Poesie, Computersprache, Physik und Philosophie. Das Wesen ihrer Kunst ist die Verbindung der rebellischen Haltung und Freiheit mit intellektuellen, theoretischen und sehr vielschichtigen Inhalten, welche wiederum analog und zugleich gepixelt mit selbstgefärbter Wolle hoch ästhetisch umgesetzt werden.

Kata Unger: Key Looks I, 2018, Mischtechnik auf Papier, 34,8 cm x 24,5 cm; Key Looks IV, 2018, Mischtechnik auf Papier, 34,8 cm x 24,5 cm; Key Looks V, 2017, Mischtechnik auf Papier, 34,8 cm x 24,5 cm (v.l.n.r.)
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Die Papierarbeiten von Kata Unger changieren zwischen den Genres Malerei, Zeichnung und Streetart. Charakteristika sind feine gesprühte Farbverläufe, die Verwendung klarer Formen und Kurztexte, die immer wieder zwischen den grellen, kräftigen oder manchmal auch zarten Farben auftauchen. Neben der herausragenden Raumwirkung der Blätter fasziniert die Ästhetik, die zugleich an den Bauhaus-Stil als auch an die klaren 50er Jahre erinnern. Verbunden mit Begriffen wie z.B. ‘Future Circle’, ‘Institut für Prognostik’ oder ‘Szenariotechnik’ haben Ungers Papierarbeiten etwas Direktes und Rätselhaftes zugleich. Diese Bilder teilen sich in Farbe, Form und Komposition unmittelbar, quasi als instant message mit. Durch die geschickte Verknüpfung von Poesie, Computersprache und Philosophie strahlen sie eine zeitlose Eleganz aus.

Info:

8. November – 21. Dezember 2019

Kata Unger
STARKES CRAVING / Das Teuflische ist dem Schönen ganz nah

Galerie ARTAe
Gohliser Strasse 3, 1. OG
04105 Leipzig
Deutschland

www.artae.de

***

Weihnachten in der Galerie BW

Vom 2. – 20. Dezember 2019 ist in der Galerie BW in Bad Bellingen eine Weihnachtsausstellung der besonderen Art zu sehen. Verschiedene Künstler*innen wurden von Barbara Wartenberg gebeten, Weihnachtliches speziell für diese Ausstellung anzufertigen. So gibt es Verschiedenes zu sehen und zu kaufen – Sterne und Engel verzaubern die Stimmung. Tätig waren dafür Ute und Bernd-Dieter Baunach, Doris Leuenberger, Justine & Cow, Ilke Weisenseel sowie die Galeristin Barbara Wartenberg selbst und auch das Stickprojekt Afghanistan ist vertreten.

Einladung

Die Ausstellung wird im Rahmen eines kleinen, gemütlichen Weihnachtsmarktes vor und in der Galerie BW Bad Bellingen am Sonntag, 1. Dezember 2019, von 11 – 17 Uhr eröffnet. Eine ganz besondere Atmosphäre erwartet die Besucher*innen!

Info:

2. – 20. Dezember 2019

Weihnachten in der Galerie BW

Galerie BW
Barbara Wartenberg
Rheinstrasse 15
79415 Bad Bellingen
Deutschland

www.galerie-bw.de

Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mo, Di, Do, Fr: 15 – 18 Uhr u. n. V.

Eröffnung:
So, 1. Dezember 2019, 11 – 17 Uhr

***

No Rules – Just Jeans

Das Levi Strauss Museum in Buttenheim zeigt noch bis zum 6. Januar 2020 die Ausstellung ‘No Rules – Just Jeans’, die in Kooperation mit der Patchwork Gilde Deutschland e.V. im Rahmen einer Ausschreibung initiiert worden ist.

Plakat
Abb.: Quilt von Sabine Schneider

Jedes interessierte Gilde-Mitglied hatte die Möglichkeit, sich einen Stoffbrief zukommen zu lassen. Darin enthalten waren Jeans-Patches der Firma Levi Strauss & Co., Jeansgarn der Firma Madeira und Nähmaschinennadeln der Firma Schmetz.

Ausstellungsansicht
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Und dann hiess es: ‘An die Nadeln, fertig, los!’

Quilt von Monika Flake
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Mitglieder hatten die Aufgabe, mit den ihnen zur Verfügung gestellten Patches, überwiegend gebrauchten Jeansstoffen und anderen Zutaten eigener Wahl einen Quilt oder ein 3D-Objekt zu erstellen.

Quilt von Ute Schappert
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Es gab keine weiteren Vorgaben, der Phantasie waren keine Grenzen gesetzt und die Teilnehmer konnten sich individuell und kreativ verwirklichen. Aus Platzgründen war lediglich das Mass vorgegeben: maximal 35 cm x 70 cm gross durften die Quilts werden.

Ausstellungsansicht
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ergebnisse werden derzeit im Levi Strauss Museum präsentiert. Begeben Sie sich auf die Suche nach den kleinen Patches!

Quilt von Eva Renata Wetter
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Lassen Sie sich einfangen von Einfallsreichtum, beeindruckender Kreativität, fachlichem Können, gekonnter Darstellung und liebevoller Gestaltung!

Quilt von Rita Lübbesmeyer
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Info:

15. September 2019 – 6. Januar 2020

No Rules – Just Jeans

Geburtshaus Levi Strauss Museum
Marktstrasse 31 – 33
96155 Buttenheim
Deutschland

www.levi-strauss-museum.de

Flyer

***

Chiharu Shiota – Me Somewhere Else

Die belgischen königichen Musées des Beaux-Arts in Brüssel zeigen noch bis zum 9. Februar 2020 in ihrem Salle Bernheim Chiharu Shiotas Installation ‘Me Somewhere Else’ (2018), eine Installation von grosser visueller Stärke, die einen ganz besonderen Platz im Werk der Künstlerin einnimmt. Shiota spricht über ihren Kampf gegen ihre Krankheit und die Gewissheit, dass ihr Geist ihren Körper überleben wird: ‘Bevor bei mir Krebs diagnostiziert wurde, dachte ich, wenn ich sterbe, wird alles an mir sterben. Ich werde sterben, aber jetzt weiss ich, dass nur mein Körper stirbt – nicht mein Verstand. Mein Denken bleibt woanders.’

Chiharu Shiota: Me Somewhere Else (2018)
Ausstellungsansicht
Courtesy: die Künstlerin und BlainSouthern
© Foto: Peter Mallet, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die spektakulären Installationen von Chiharu Shiota (* 1972, Osaka) gestalten die Räume, in denen sie sich entfalten, um und lassen den Besucher in das Universum der Künstlerin eintauchen. Sie kombiniert textile Materialien wie Wolle und Baumwolle mit verschiedenen Elementen oder gebrauchten Objekten.

Die Künstlerin verbindet Performance, Körperkunst und Installation in einem Prozess, der den Körper in den Mittelpunkt stellt. Vielgestaltig erforscht sie künstlerisch Begriffe wie Zeitlichkeit, Bewegung, Erinnerung und Traum und fordert dazu sowohl die geistige als auch die körperliche Beteiligung des Betrachters ein.

Chiharu Shiota: Me Somewhere Else (2018), Detail
Courtesy: die Künstlerin und BlainSouthern
© Foto: Peter Mallet, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Shiota lebt und arbeitet seit 1997 in Berlin und ihre Werke wurden in den letzten Jahren weltweit ausgestellt. Ihre Teilnahme an der Biennale in Venedig, bei der sie 2015 Japan vertrat, wurde hochgelobt.

Info:

11. Oktober 2019 – 9. Februar 2020

Chiharu Shiota – Me Somewhere Else

Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique
Rue de la Régence / Regentschapsstraat 3
1000 Brüssel
Belgien

www.fine-arts-museum.be

Eintritt im Ticket für die Dauerausstellung enthalten.

***

Der vergiftete Kater … und andere Märchenmaschinen

Zauberhafte Automaten aus der Sammlung des Cabaret Mechanical Theatre entführen Kinder und Erwachsene mit kleinen Geschichten und Dramen in das Reich der Märchen und Fantasie. Es gibt viele Details zu entdecken. Eine Besonderheit ist dabei der hintergründige britische Humor in den kurzen Erzählungen.

Sonderausstellung ‘Der vergiftete Kater’
Foto: Cabaret Mechanical Theatre, freundlicherweise von phaeno zur Verfügung gestellt

Die wundersamen Figuren werden durch vertrackte Mechanismen zum Leben erweckt. Die offene Bauform zeigt alle Zahnräder, Getriebe, Kurbeln und andere mechanische Umformer und ermöglicht so – anders als bei gängigen technischen Geräten – die faszinierenden Abläufe nachvollziehen zu können. Ein Schwerpunkt in der Auswahl der Automaten liegt bei Märchenfiguren, die von Klassikern wie Hänsel und Gretel bis hin zu Sagen reichen. Weitere Fotos und ein kurzer Film sind auf der Website des Veranstalters zu finden.

Begleitend zur Ausstellung kann man verschiedene Mechanismen selbst erkunden und ausprobieren. Tüftler*innen und Bastler*innen haben die Gelegenheit in der Erfinderwerkstatt ‘Tanzende Märchenmaschinen’ selbst ihre eigene Fantasiemaschine zu bauen. Die Maschine funktioniert mit Drehscheiben und Schaschlikspiessen als ein einfaches Kurbelsystem in einer Pappschachtel. Zusätzlich lädt eine grosse Gemeinschaftsmaschine dazu ein, selbsterdachte Märchen aufzubauen und gemeinsam in Bewegung zu setzen.

Der Eintritt ist im Tagesticket enthalten.

Info:

16. November 2019 – 16. Februar 2020

Der vergiftete Kater … und andere Märchenmaschinen

phaeno gGmbH
Willy-Brandt-Platz 1
38440 Wolfsburg
Deutschland

www.phaeno.de

***

… und dann gibt’s noch:

Ausschreibung:

Das Europäische Patchwork Meeting schreibt auch für den nächsten Event, der vom 17. – 20. September 2020 wieder in Ste. Marie-aux-Mines und den Nachbarorten im Elsass stattfinden wird, einen neuen Wettbewerb aus.

Europäisches Patchwork Meeting 2020
Logo des Wettbewerbs

Das Thema lautet ‘sauvage’, also ‘wild’, und eröffnet damit viele Interpretationsmöglichkeiten für einen Quilt, der 120 x 80 cm (H x B) gross werden soll.

Ab dem 1. Dezember 2019 kann man sich bis 29. Mai 2020, 12 Uhr einschreiben.

Alle weiteren Details sowie die Wettbewerbsbedingungen sind unter dem folgenden Link zu finden:

Info: www.patchwork-europe.eu

***

Bitte informieren Sie sich vor einem Ausstellungsbesuch auf der jeweiligen Website besonders über die genauen Öffnungszeiten – es kann sich immer etwas ändern.

Weitere Ausstellungen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik AUSSTELLUNGSKALENDER.

Den verschiedenen Beteiligten herzlichen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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Kommentare zu diesem Artikel

4 Responses

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  • Jutta Kohlbeck

    Hallo liebe Gudrun,

    vielen Dank für die wie immer bestens dokumentierte Auswahl wunderbarer Ausstellungen! Ich wünsche Dir eine schöne Adventszeit! Herzlich Jutta

  • Birgit Berndt

    Hallo Gudrun,

    so wunderschöne alte Quilts. Total faszinierend, welche Ausstrahlung diese Stücke haben. Danke für’s Zeigen. Insgesamt wieder ein toller Überblick, was es an Ausstellungen so gibt.

    Viele Grüße und eine schöne Adventszeit.

    Birgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,

      1000 dank zurück – bin ganz deiner meinung 🙂

      auch dir und deinen lieben eine schöne vorweihnachtliche zeit, bei uns hier ist für morgen leichter schneefall vorhergesagt, das passt …

      beste grüsse

      gudrun

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