Kreative Artikel zum Thema Quilten

Ausstellungstipps April 2019

Kunstgeschichte als Brotbelag

Aus einer Laune heraus entstand die Idee zum Hashtag #KunstGeschichteAlsBrotbelag. Die Aktion startete die Bloggerin Marie Sophie Hingst, die unter dem Namen ‘Fräulein Read On’ twittert und es wurde in kürzester Zeit zu einem Internet-Renner: Im wahrsten Sinne des Wortes ‘kunstvoll’ belegte Brote.

Buch-Cover

Nicht einfach nur Butter und Wurst aufs Brot, die Stulle zugeklappt und fertig. Aber nein! Nie zuvor haben sich so viele Menschen so viel Mühe dabei gegeben, ihre Brote zu belegen: Mit gefülltem Kühlschrank, virtuosem Messerstrich und einer grossen Prise Humor wagten sich zahlreiche Brot-Künstler am Frühstückstisch oder beim Abendbrot an allseits bekannte Meisterwerke von Leonardo da Vinci, Frida Kahlo oder Claude Monet und bildeten diese nach. Von wegen ‘brotlose Kunst’ – was dabei herauskam, ist sehenswert und ich lade zu einem virtuellen Ausstellungsbesuch ein:

www.twitterperlen.de

Seit Kurzem gibt es die lustig-bemerkenswerte Kombination aus Kunstgeschichte und Brotbelag auch in Buchform – vielleicht eine österliche Geschenkidee? Zu meiner ausführlichen Besprechung mit allen genauen Angaben geht es hier

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13th International Prague Patchwork Meeting

Das Prague Patchwork Meeting (PPM), das vom 5. – 7. April 2019 wie bisher wieder im Wellness Hotel STEP im 9. Prager Stadtbezirk stattfindet, wirft seine Schatten voraus.

Flyer

Organisatorin Jana Sterbova kündigt nahezu 30 Ausstellungen aus aller Welt an, die die gesamte Bandbreite der zeitgenössischen Patchwork- und Quiltkunst der Spitzenklasse repräsentieren: von traditionellen Arbeiten bis hin zu Art Quilts – und daneben natürlich noch Kurse und Workshops, viele Händler mit breitem Angebot und ein abendliches Dinner während einer Schifffahrt auf der Moldau, vorbei an der pittoresk erleuchteten Altstadt von Prag. Die Herzen von unzähligen internationalen Quilter*innen, die sich hier bei diesem bereits zum 13. Mal stattfindenden wunderbaren Meeting treffen, werden höher schlagen!

Jana Sterbova: Blue Moon
aus der Serie ‘Rost’
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

An dieser Stelle alle Ausstellungen zu erwähnen ist leider nicht möglich, aber so viel sei verraten: Willyne Hammerstein kommt mit ihren bezaubernden Quilts und bietet zudem einen exklusiven Workshop an. Wil Fritsma, ebenfalls aus den Niederlanden, zeigt ihre ‘Frauen-Ausstellung’.

Arbeit von Wil Fritsma
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Aus Deutschland kommen Heidi Drahota …

Heidi Drahota: Gegossenes Blei, Detail
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

… Christine Bünning mit ihren Musical Quilts …

Christine Bünning: Rhapsody in blue
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

… und Birgit Schüller, die einen breiten Querschnitt ihrer meisterlich gearbeiteten Quilts präsentiert.

Birgit Schüller: Masquerade
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Aus Japan stammt die YUZA Sashiko Guild, Schweden ist das diesjährige Gastland, ebenfalls durch eine Gemeinschaftsausstellung vertreten. International ausgerichtet ist die SAQA-Ausstellung ‘Wide Horizons VI’.

Arbeit aus der YUZA Sashiko Guild
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Das PPM ist wie immer auch eine grossartige Plattform für viele tschechische Quilter*innen und für die beliebte Ausschreibung für die Patch Kids unter der Federführung von Eli Thomae (Patchwork Gilde Deutschland), an der so viele internationale Teilnehmer*innen mitmachten wie nie zuvor.

Bára Bartošová: Opuncie
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Info:

5. – 7. April 2019

13th Prague Patchwork Meeting

WELLNESS HOTEL STEP ****
Malletova 1141
190 00 Prag 9
Tschechische Republik

www.praguepatchworkmeeting.com

Öffnungszeiten:
Fr: 12 – 19 Uhr
Sa: 9.30 – 18 Uhr
So: 9.30 – 16.30 Uhr

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FAUST 2019 – Kreativwettbewerb

Faust – ein Stoff, der um 1500 spielt und den Goethe im 18. Jh. bearbeitete, hat bis heute an Aktualität nichts eingebüsst. Der Tragödie erster Teil steht derzeit auf dem Spielplan des Theaters Pforzheim – dies löste die Ausschreibung eines Kreativwettbewerbs aus, dem über 100 Menschen aus Pforzheim und dem Umland folgten und Arbeiten verschiedenster Art einreichten, hier geht’s es zu meiner Ankündigung.

Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto: Gudrun Heinz

Da auch meine Bodeninstallation, die ein Originalzitat aus Goethes Stück als Titel trägt: „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?“ angenommen wurde, war ich natürlich sehr gespannt auf die Vernissage am letzten Sonntag, 24. März 2019.

Gudrun Heinz: „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?“
Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto: Gudrun Heinz

Das Foyer füllte sich mit vielen Besuchern rund um die ausgestellten Werke: Bilder, Zeichnungen, Skulpturen, Collagen und noch einiges mehr – Profi- und Amateur-Künstler, Schüler und Kinder, Junge und Alte haben sich mit den verschiedensten Themenkreisen des Faust im Spiegel des Jahres 2019 auseinandergesetzt.

Sechs Zeichnungen von Sibylle Burrer
Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto: Gudrun Heinz

 

Sibylle Burrer: Ist Liebe … bei Faust und Margarethe liebevoll und zärtlich?
Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto: Gudrun Heinz

Da geht es nicht nur um den verhängnisvollen Pakt mit dem Teufel und um die folgenschwere Verführung eines unschuldigen Mädchens.

Henning Dörpholz: Gretchen/Helena zwischen Faust und Mephisto/Ahriman
Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto: Gudrun Heinz

Intendant Thomas Münstermann zeigte sich in seinen einleitenden Worten beeindruckt von der Vielfalt der Assoziationen und genauso erging es den drei Mitgliedern der Jury, Dr. Michael Kiefer, Leiter der Goldschmiedeschule, René Dantes, Bildender Künstler und Sandra Pfäfflin, Leiterin der Kulturredaktion der Pforzheimer Zeitung.

Sie alle hatten sich jeder ein Werk ausgesucht, das mit einem kleinen Preis ausgezeichnet wurde: Während sich Dr. Kiefer für die Video-Installation ‘Hexenküche’ von Brigitte Neufeldt entschied, wählte die Journalistin die beiden Skulpturen von Sigrid K. Baumgärtner aus.

Sigrid K. Baumgärtner: Faust – in seinem dunklen Drange – er sucht und findet? (li) Gretchen entscheidet (re)
Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto: Gudrun Heinz

 

Sigrid K. Baumgärtner: Gretchen entscheidet, Detail
Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto: Gudrun Heinz

Bildhauer Dantes fand Gefallen am Werk von Janine Heckmann.

Janine Heckmann: Schulterwaage
Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto: Gudrun Heinz

Die Schülerin der Goldschmiedeschule hat eine Körperinstallation geschaffen, mit der sie die Instabilität von Fausts Persönlichkeit thematisiert.

Franziska Buser: Gefangen im eigenen Wissen, doch Streben nach Freiheit
Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto: Gudrun Heinz

Überhaupt haben sich die Studierenden eine ganze Menge einfallen lassen und …

Imelda Claudia Wong: Spiegelgefängnis
Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto: Gudrun Heinz

… kreativ umgesetzt, wie das Defilee bewies.

Verena Daniel: Alchimistenmantel aus Stroh mach Gold (vorn)
Eva Feil: Labyrinth des Misserfolgs (hinten)
Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto freundlicherweise vom Theater Pforzheim zur Verfügung gestellt

Auch Anja Noël von der Theaterpädagogik, die das Projekt initiierte, zeigte sich begeistert.

Ulla Haug-Rößler: Das Blumenorakel (er liebt mich, liebt mich nicht …)
Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto: Gudrun Heinz

Ihr Ziel, das Theater zu einem Ort der Begegnung zu machen, hat sie erreicht.

Michel Montecrossa: Faust’s Girl, Anarchic Faust und Ygdrasil Embedded in Faust’s Soul (von oben nach unten)
Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto: Gudrun Heinz

So wird Faust nicht nur ein Bühnenstück bleiben, zumal nach der Ausstellung in Pforzheim, die noch bis zum 28. April 2019 jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn im Theater-Foyer geöffnet ist, noch eine weitere im Faust-Museum in Knittlingen folgen wird.

Gudrun Heinz in der Ausstellung ‘FAUST 2019 – Kreativwettbewerb’
Foto: Gudrun Heinz

Mir persönlich hat es jedenfalls sehr gut gefallen.

Info:

FAUST 2019 – Kreativwettbewerb

25. März – 28. April 2019
Theater Pforzheim
Waisenhausplatz 5
75172 Pforzheim
Deutschland

www.theater-pforzheim.de

19. Mai – 14. Juli 2019
Faust-Museum
Kirchplatz 9
75438 Knittlingen
Deutschland

www.faustmuseum.de

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Contemporary Muslim Fashions

Von Haute Couture über Streetwear bis zu Sportbekleidung: Der Markt für muslimische Mode wächst weltweit rasant. ‘Contemporary Muslim Fashions’ ist die erste grosse Ausstellung, die sich mit dem Phänomen zeitgenössischer muslimischer Mode auseinandersetzt.

Raşit Bağzıbağlı für Modanisa
Desert Dream Collection, 2018
© Modanisa
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Nachdem die Schau in den Fine Arts Museums of San Francisco – hier gehts zu meiner damaligen Ankündigung – für Furore sorgte, wird sie ab dem 5. April 2019 im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt als erste Station in Europa gezeigt.

Datin Haslinda Abdul Rahim für Blancheur
2017
© Blancheur
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung präsentiert eine Momentaufnahme aktueller muslimischer Kleidungsstile aus aller Welt, mit einem Schwerpunkt auf dem Nahen Osten und Südostasien sowie Europa und den USA. Dabei reflektiert sie, wie Kleidung dem Ausdruck der vielen Facetten individueller, religiöser und kultureller Identität dient – und wie sie Identität prägt.

Victoria Kaempfe
Leah Vernon, 2017
© Victoria Kaempfe
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Rund 80 Ensembles von etablierten und aufstrebenden Marken, ergänzt von Modefotografie und Laufstegvideos, zeigen die Raffinesse, mit der regionale Ästhetiken mit globalen Modetrends verwoben werden.

Stephanie Abidi
OBOB
© DarSalma Photography – Stephanie Abidi
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Daneben gibt Originalmaterial aus den Sozialen Netzwerken, die eine zentrale Rolle für die Verbreitung des neuen Trends spielen, Einblicke in die Vielfalt der Positionen in der muslimischen Welt und lässt verschiedene Akteur*innen zu Wort kommen.

Zeina Nassar, Boxerin
für NIKE PRO HIJAB
Fotoserie von Rick Guest, Agentur: East, 2017
© Nike, Inc.; Nike Pro Hijab
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Contemporary Muslim Fashions wird von den Fine Arts Museums of San Francisco in Zusammenarbeit mit dem Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, organisiert. Kuratiert wurde sie von Jill D’Alessandro, Kuratorin für Kostüme und Textilkunst, und Laura L. Camerlengo, stellvertretende Kuratorin für Kostüme und Textilkunst an den Fine Arts Museums of San Francisco. Sie wurden beraten von Reina Lewis, Professorin für Cultural Studies am London College of Fashion, University of the Arts, London. In Frankfurt wird die Ausstellung von Dr. Mahret Ifeoma Kupka und Prof. Matthias Wagner K, Direktor des  Museums Angewandte Kunst, koordiniert.

Info:

5. April – 15. September 2019

Contemporary Muslim Fashions

Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt
Deutschland

www.museumangewandtekunst.de

Eröffnung:
Do, 4. April 2019, 19 Uhr

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21 Grams
Internationale Schmuckausstellung

Noch bis zum 20. April 2019 zeigt die Galerie Handwerk München eine besondere Ausstellung.

Key Visual

Das internationale Schmuckprojekt ’21 Grams’ der China Academy of Art in Hangzhou ist nach Europa gekommen und macht als erstes Station in den Räumen der Handwerkskammer.

Ausstellungsansicht
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Jedes der gezeigten Schmuckstücke hat ein Gewicht von 21 Gramm, weil das der von Medizinern nachgewiesene Gewichtsverlust beim Tod eines Menschen sein soll. ’21 Grams’ steht somit für das Gewicht der Seele.

Arbeit © Guo Xin
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

120 internationale Schmuckkünstler*innen haben sich in diese Ausstellung eingebracht und die Hälfte der Aussteller*innen stammt aus China.

Arbeit © Lee Heng
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Gegenüberstellungen östlicher und westlicher Gestaltungsideen, ihrer Ästhetik und Interpretationen der ‘Seele’ bilden in der Ausstellung einen besonderen Kontrast.

Arbeit © Iris Eichenberg
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Der niederländische Schmuckgestalter Ruudt Peters hat die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der China Academy of Art kuratiert.

Arbeit © Lauren Kalman
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Schmuckkünstler aus aller Welt waren dazu aufgefordert worden, sich an dieser Ausstellung zu beteiligen und dafür ein neues Schmuckstück zu gestalten.

Arbeit © Meiri Ishida
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung startete bereits im Herbst 2018 in Hangzhou.

Arbeit © Nina Sajet
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Nach der Europa-Premiere in München reist die Ausstellung noch nach Polen, Belgien und in die Niederlande.

Arbeit © Zhang Zaozao
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Weitere Informationen und Fotos sind auf der Website der Galerie zu finden. Ein Katalog ist erhältlich.

Info:

14. März – 20. April 2019

21 Grams
Internationale Schmuckausstellung

Galerie Handwerk
Max-Joseph-Strasse 4
80333 München
Deutschland

www.hwk-muenchen.de

Flyer

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr: 10 – 18 Uhr
Do: 10 – 20 Uhr
Sa: 10 – 13 Uhr
An Sonn- und Feiertagen ist die Galerie geschlossen

Führungen:
jeden Donnerstag um 18.30 Uhr

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Farben + Formen x Stoff = Textilart
Heike Dressler

Vom 10. April – 7. Juni 2019 zeigt Heike Dressler rund 26 ihrer spektakulären Art Quilts in unterschiedlichen Grössen in der Stadt- und Schulbücherei Gunzenhausen.

Heike Dressler: Transformation 1
Foto freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Heike Dressler ist hauptberuflich Bekleidungsingenieurin und unterrichtet an der Modeschule in Nürnberg. Die Formen, die sie in ihren Quilts verwendet, basieren auf den zweidimensionalen Schnittformen, die man benötigt, um den weiblichen Körper dreidimensional zu umhüllen. Je nach Blickwinkel verändern sich Kurven und müssen ausgeglichen oder neu aufgebaut werden. Farben und Formen überlagern sich, es entstehen Kontraste und Transparenzeffekte, mit einer Vielfalt an visuellen Details, durch Intarsien und Überschneidungen. Die praktische Umsetzung vom Konzept zur fertigen Arbeit ist eine Herausforderung an ihre technische Versiertheit, die sie perfekt mit handgefärbten Stoffen meistert. So entsteht eine sehenswete Ausstellung nach der Formel: Farben + Formen x Stoff = Textilart.

Info:

10. April – 7. Juni 2019

Farben + Formen x Stoff = Textilart
Heike Dressler

Stadt- und Schulbücherei
Luitpoldstrasse 13
91710 Gunzenhausen
Deutschland

www.buecherei.gunzenhausen.de

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Luxus am Nil
Spätantike Kleidung aus Ägypten

Teure, reich verzierte Gewänder spielten schon vor mehr als 1500 Jahren eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Mit ihnen konnte man Würde, Rang und Anspruch ausdrücken. Die sogenannte Tunika war das angesagte Kleidungsstück der damaligen Zeit, sozusagen ein Mode-Basic. Es handelt sich um ein gerade geschnittenes, hemdartiges Gewand, das mit und ohne Ärmel vorkam. Ähnlich wie heute Jeans und T-Shirt trugen es Frauen wie Männer aus allen Gesellschaftsschichten. Einen luxuriösen Charakter bekam das einfach geschnittene Teil durch die Kostbarkeit der verwendeten Materialien und Farben. Auch Anzahl und Feinheit der Verzierungen spiegelten den Wert einer Tunika.

Ärmellose Wolltunika
Ägypten, 6. Jahrhundert
Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5434
Farbstoffe waren teuer. Nicht jedermann konnte sich eine farbige Tunika leisten. Die bunten Verzierungen an Halsausschnitt und Schultern machten das tiefrote Gewand noch luxuriöser.
Foto: © Abegg-Stiftung (Christoph von Viràg), freundlicherweise von der Abegg-Stiftung zur Verfügung gestellt

Die neue Sonderausstellung der Abegg-Stiftung präsentiert ab dem 28. April 2019 mehrere vollständig erhaltene Tuniken aus dem 5. bis 7. Jahrhundert, darunter solche aus schwerer Wolle und von imponierender Grösse. Damit kontrastiert eine Kindertunika aus hellem Leinen mit roten Schmuckelementen. Sie gehört dem Museum August Kestner in Hannover und wurde der Abegg-Stiftung zur Restaurierung anvertraut. Zudem sind zahlreiche kleinere Webstücke zu sehen, die einst als Schmuckbesatz auf Tuniken genäht waren. Mit ihren bunten Ornamenten und reizvollen figürlichen Darstellungen zeugen sie von der Vielfalt der spätantiken Luxuskleider.

Info:

28. April – 10. November 2019

Luxus am Nil
Spätantike Kleidung aus Ägypten

Abegg-Stiftung
Werner Abeggstrasse 67
3132 Riggisberg
Schweiz

www.abegg-stiftung.ch

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Im Angesicht der Zeit
Andrea Milde Bildwirkerei

Am Freitag, den 5. April 2019 eröffnet das Tuchmacher Museum Bramsche die neue Sonderausstellung ‘Im Angesicht der Zeit’, in der die Bildwirkerei von Andrea Milde im Mittelpunkt steht.

Die Berliner Künstlerin Andrea Milde widmet sich seit 30 Jahren der Bildwirkerei – einer komplexen Textiltechnik, die schon in der Antike bekannt war und ihren Höhepunkt im Spätmittelalter erlebte. Durch aktuelle Inhalte ihrer Arbeiten die Bildwirkerei in die Zukunft zu tragen und ihr Wissen weiter zu geben, ist ein grosses Anliegen von Andrea Milde. Die Ausstellung ‘Im Angesicht der Zeit’ gibt einen Einblick in das Werk und die Arbeitsweise der Künstlerin.

Andrea Milde: Bildwirkerei.
Kette: Baumwolle / Schuss: Wolle, Baumwolle, Leinen, Metallgarne, Seide.
Herstellung: 2015-2017, 190×150 cm
Foto: Andrea Milde, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Die klassische Bildwirkerei’, so Andrea Milde über die von ihr angewandte Kunsttechnik, ‘ist verwandt genug mit der Weberei, um oft mit ihr verwechselt zu werden, aber doch ganz unterschiedlich, was den Entstehungsprozess anbelangt.’ Bei der Wirkerei werden die Schussfäden nur bis zum Rand der im Muster vorgegebenen Farbfläche hin- und zurückgewirkt, während sie bei der Weberei durch die gesamte Webebreite, von einer Kante zur anderen eingeschossen werden.

Andrea Milde: Bildwirkerei. Herstellungsprozess
Foto: Andrea Milde, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Kunstvolle, gewirkte Bilder entstehen in langwieriger Handarbeit. Bei aller Unterschiedlichkeit der Motive in den Arbeiten von Andrea Milde sind es vor allem zwei Themen, die sie immer wieder bewegen: ‘Die Dimension Mensch und die Dimension Zeit. Beides wird gerade in der Weberei (er)fassbar. Bei den Inhalten meiner Bildwirkereien geht es in wenigen Worten gesagt darum, wie ein Mensch als Frau, Mutter und Nomadin die Welt wahrnimmt, wo es sie freut, und wo es sie schmerzt hinzusehen.’

Andrea Milde lebte und arbeitete nach ihrer Ausbildung an der renommierten École nationale d’art décoratif d’Aubusson (Frankreich) als freischaffende Künstlerin in Spanien, bevor sie 2017 nach Deutschland zurückkehrte. Ihre Arbeiten waren bereits in vielen europäischen Ländern sowie in Japan, Kanada und USA zu sehen.

Info:

6. April – 12. Mai 2019

Im Angesicht der Zeit
Andrea Milde Bildwirkerei

Tuchmacher Museum Bramsche
Mühlenort 6
49565 Bramsche
Deutschland

www.tuchmachermuseum.de

Ausstellungseröffnung:
Fr, 5. April 2019, 19 Uhr

Einladung

Als Begleitprogramm zur Ausstellung bietet die Künstlerin einen Workshop an:

Tausend Blumen weben
Von der Akelei bis zum Zauberglöckchen – Blumen waren als Färberpflanzen und symbolische Bedeutungsträger ein wichtiges Thema in der Bildweberei. Auf den Spuren dieser Tradition wollen wir uns durch die Blumenpracht im Frühling inspirieren und die Idee des Tausendblumenteppichs wieder aufleben lassen. Auf mobilen Webrahmen werden wir kleine Bildteppiche weben – wenn das Wetter es erlaubt, auch draussen auf der Wiese. Der Workshop mit Andrea Milde ist sowohl für AnfängerInnen als auch für TeilnehmerInnen mit Vorkenntnissen geeignet.

Fr, 3. Mai 2019, 17 – 20 Uhr, Sa & So, 4. & 5. Mai 2019, 10 – 16 Uhr
Kosten: 90 EUR zzgl. 15 EUR Materialkosten
Verbindliche Anmeldung bis zum 18. April 2019 erforderlich.

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11. Ausstellung der Gröbenzeller Quiltgruppe
#erzählt #gefärbt #genäht, Märchen – Erinnerungen

Märchen sind angesagt. Hüllen sie uns doch mit ihrer Verwobenheit von Realem und Fiktivem ein. Stellen uns Seite an Seite mit unseren Helden und Heldinnen. Märchen werden weitergegeben, um mit Spannung und Emotionen Werte zu vermitteln.

Monika Modersitzki: Der_Froschkönig
Foto: Monika Modersitzki, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Grimmsche Märchen stehen im Mittelpunkt der 11. Gröbenzeller Quiltausstellung, die vom 26. – 28. April 2019 im Freizeitzentrum Gröbenzell zu bewundern ist. Jede Künstlerin der Gröbenzeller Quiltgruppe hat sich ein Märchen ‘vorgenommen’ und es für die textile Gestaltung interpretiert; das Gemeinsame präsentiert sich über die Vorgabe, Schrift auf den Quilt zu setzen. Zu sehen ist eine Vielfalt unterschiedlicher Schrift-Gestaltungstechniken. Mal werden Text und Schrift als Informationsträger – wie im Märchen -, mal als Designelement eingesetzt.

Monika Modersitzki: Rapunzel, Detail
Foto: Monika Modersitzki, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Von Professorinnen und Studentinnen der Selçuk-Universität Konya überlassene Stickquadrate – nun veredelt und ausstaffiert – glänzen nach einem ‘Update’ im neuen Quilt oder als Ausschmückung von Schatzkisten. Bei den Journal-Quilts mit Märchenmotiven glitzert und goldet es.

Monika Modersitzki: Journal Schneeweißchen und Rosenrot, Detail
Foto: Monika Modersitzki, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Ein tiefer Griff in die Erinnerungskiste beschert dem Besucher ein besonderes Highlight: An die 20 kanadische ‘CARE’-Quilts, mit der Aufschrift: ‘Gift of CANADIAN RED CROSS SOCIETY’, sind ausgestellt. Bei einer Führung erfährt man mehr über die Geschichte dieser ‘Notzeit-Quilts’, die auch über Wohlfahrtsverbände in das Deutschland der Nachkriegszeit gekommen waren und die seit den 1980er Jahren im Besitz von Gröbenzeller Familien sind.

Text: Monika Modersitzki

Info:

26. – 28. April 2019

11. Ausstellung der Gröbenzeller Quiltgruppe
#erzählt #gefärbt #genäht, Märchen – Erinnerungen

Schirmherrin: Gerda Hasselfeldt, Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes

Freizeitzentrum Gröbenzell
Wildmoosstrasse 36
82194 Gröbenzell
Deutschland

www.groebenzeller-quiltgruppe.de

Begleitprogramm und weitere Informationen sind auf der Website der Gruppe zu finden.

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El Anatsui. Triumphant Scale

Mit ‘El Anatsui. Triumphant Scale’ zeigt das Haus der Kunst in München derzeit einen umfassenden Überblick über die Arbeit des renommierten Künstlers El Anatsui (*1944 in Anyako, Ghana). Es ist seine erste Überblicksausstellung in Europa und die bislang umfangreichste Ausstellung seines Werks. Sie erstreckt sich auf den gesamten Ostflügel des Hauses und zeigt zentrale Werke aus fünf Jahrzehnten künstlerischen Schaffens. Im Mittelpunkt der Ausstellung, die sich auf das Triumphale und Monumentale konzentriert, stehen die typischen Arbeiten aus Flaschenverschlüssen aus den letzten zwei Jahrzehnten – Werke von imposanter Präsenz und in schillernden Farben.

Daneben werden auch die weniger bekannten Holzskulpturen und Wandreliefs von Mitte der 1980er bis zu den späten 1990er Jahren gezeigt, Keramikskulpturen aus den 1970er Jahren sowie Zeichnungen, Drucke und Skizzenbücher. Fasziniert von der Monumentalarchitektur des Museums, hat El Anatsui drei Arbeiten eigens für diese Ausstellung geschaffen, darunter die grosse Installation ‘Second Wave’ an der Aussenfassade des Gebäudes.

Die Ausstellung zeigt El Anatsuis unermüdliche Beschäftigung mit der Frage, wie aus den reichhaltigen plastischen Innovationen klassischer und traditioneller afrikanischer Kunst ein zeitgenössisches Skulpturkonzept entwickelt werden kann. Beharrlich hat El Anatsui auf eine Transformation der formalen und plastischen Möglichkeiten des afrikanischen skulpturalen Idioms hingearbeitet und sein Material und seine Kompositionstechniken immer wieder und mit erstaunlichem Effekt neu formatiert. Unter El Anatsuis Händen verschmelzen Licht, Form, Farbe, Transparenz und Körperlichkeit zu beeindruckenden und triumphalen Kunstwerken.

Die Verwendung von gefundenem Material ist für El Anatsui von grundlegender Bedeutung. El Anatsui generiert Bedeutung aus dem Material und seinem technischen Prozess. So stammen etwa die Flaschenverschlüsse, die er verwendet, von Spirituosen, die Europäer nach Afrika gebracht haben und zwar als Währung – und damit als Mittel der Unterdrückung – in der Zeit des transatlantischen Sklavenhandels und des Kolonialismus. Das Schneiden, Flachschlagen, Zusammendrücken, Drehen, Falten und Zusammenfügen von Tausenden dieser Flaschenverschlüsse, zusammen mit dem Kupferdraht, der die einzelnen Elemente zu einem Gesamtwerk verbindet, erzählt von menschlichen Gemeinschaften, die aus miteinander verbundenen Subjektivitäten bestehen.

Ein Katalog ist erhältlich.

Die Ausstellung wird vom Haus der Kunst, München organisiert, in Zusammenarbeit mit Mathaf: Arab Museum of Modern Art, Doha, Kunstmuseum Bern und Guggenheim Museum Bilbao, wo sie im Anschluss nacheinander zu sehen sein wird.

Kuratiert von Okwui Enwezor, ehemaliger Direktor am Haus der Kunst, und Chika Okeke-Agulu, Professor am Department of Archaeology and Art History der Universität Princeton; Assistenz Damian Lentini, Kurator am Haus der Kunst.

Info:

8. März – 28. Juli 2019

El Anatsui. Triumphant Scale

Haus der Kunst
Prinzregentenstrasse 1
80538 München
Deutschland

www.hausderkunst.de

Ausstellungstrailer

Booklet zur Ausstellung

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2 von 14. Zwei Kölnerinnen am Bauhaus

Zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum präsentiert das Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) das Werk der avantgardistischen Keramikkünstlerin Margarete Heymann-Loebenstein sowie der Bühnenbildnerin Marianne Ahlfeld-Heymann im Dialog mit Farbstudien, Gemälden und Zeichnungen von Johannes Itten, Oskar Schlemmer, Wassily Kandinsky und László Moholy-Nagy aus der eigenen Sammlung.

Plakat

Das MAKK spürt mit seiner Ausstellung dem Wirken von zwei gebürtigen Kölnerinnen aus jüdischer Familie nach, den beiden Cousinen Margarete (1899-1990) und Marianne (1905-2003) Heymann. Der Titel bezieht sich darauf, dass es nachweislich 14 Kölner*innen am Bauhaus gab. Ihre künstlerischen Spuren standen bislang – bis auf wenige Ausnahmen – nicht im Fokus der Öffentlichkeit.

Margarete Heymann wurde 1920 am Bauhaus zum Vorstudium bei Johannes Itten zugelassen, 1921 wechselte sie zur Ausbildung in die Keramikwerkstatt Dornburg und lernte bei Werkmeister Max Krehan und Formmeister Gerhard Marcks. In Weimar nahm sie weiterhin am Unterricht bei Georg Muche, Paul Klee und Gertrud Grunow teil. Obwohl Heymann das Bauhaus im Herbst desselben Jahres wieder verliess, beeinflusste die Bauhaus-Zeit ihr Schaffen nachhaltig. Dies zeigt sich besonders in den avantgardistischen und reduzierten Formen ihrer Gebrauchskeramik wie den berühmten Scheibenhenkel-Services, die aus geometrischen Grundformen gestaltet waren. Aber auch die Dekore legen einen Vergleich mit Kompositionen von Kandinsky oder Moholy-Nagy nahe. Ihre 1923 gegründeten Haël-Werkstätten galten international als eine der kreativsten Keramikwerkstätten dieser Zeit.

Marianne Heymann besuchte ab 1923 die Bildhauerei-Werkstatt am Bauhaus, verliess diese allerdings 1925 wieder, da die Klasse beim Umzug von Weimar nach Dessau nicht fortgeführt wurde. Sie nahm am Unterricht von Walter Gropius in Bezug auf Bildhauerei und Bühnenkunst teil; besonders beeindruckt war sie jedoch von der künstlerischen Lehre Paul Klees. Nach ihrer Bauhaus-Zeit schuf sie Handpuppen und Marionetten für freie Produktionen, bevor sie als Bühnenbildnerin am Mannheimer Nationaltheater sowie zeitgleich an der Kölner Oper arbeitete. Zahlreiche Entwürfe zu fantasievollen Szenarien, Kostümen und Masken entstanden – so beispielsweise für Jacques Offenbachs Operette ‘La Périchole’. Besonders die Kostümentwürfe lassen die Einflüsse der Bühnenkunst Schlemmers erkennen: turmartige Kopfbedeckungen mit konzentrischen Ringen, trapezförmige Gewänder, gesteppte und wattierte Säume sowie eine klare Farbpalette.

Beide Künstlerinnen mussten nach 1933 in die Emigration gehen.

Die Ausstellung wird von einem reichhaltigen Rahmenprogramm begleitet, siehe Folder.

‘2 von 14. Zwei Kölnerinnen am Bauhaus’ ist Teil des NRW-Verbundprojektes ‘100 jahre bauhaus im westen‘.

Info:

12. April – 11. August 2019

2 von 14. Zwei Kölnerinnen am Bauhaus

MAKK – Museum für Angewandte Kunst Köln
An der Rechtschule
50667 Köln
Deutschland

www.makk.de

Programmfolder

Eröffnung:
Do, 11. April 2019, 19 Uhr

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Mythos Neue Frau
Mode zwischen Kaiserreich, Weltkrieg und Republik

Ebenfalls Teil des Bauhaus-Jubiläums in NRW ‘100 jahre bauhaus im westen‘ ist die Ausstellung ‘Mythos Neue Frau – Mode zwischen Kaiserreich, Weltkrieg und Republik’, die das LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller derzeit in Euskirchen zeigt.

Key Visual

Der Bubikopf – die Kurzhaarfrisur gilt als das Sinnbild schlechthin für die moderne Frau der 1920er Jahre. Die Ausstellung zeigt die Gründe für die Entstehung des Mythos ‘Neue Frau’ auf und stellt den radikalen Wandel der Mode zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen, in den Mittelpunkt. Über 130 Originalkostüme und viele weitere historische Exponate lassen die Zeit zwischen 1900 und 1930 wieder lebendig werden.

Katalog erhältlich.

Die Ausstellung entstand im LVR-Industriemuseum Textilfabrik Cromford in Kooperation mit dem LWL-Industriemuseum TextilWerk Bocholt und mit Unterstützung des Ruhr Museums Essen. Hier geht’s zu meinem damaligen ausführlichen Bericht mit vielen Fotos.

Info:

17. Februar – 17. November 2019

Mythos Neue Frau
Mode zwischen Kaiserreich, Weltkrieg und Republik

LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller
Carl-Koenen-Strasse
53881 Euskirchen
Deutschland

www.industriemuseum.lvr.de

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Ruth & Werner Bühlmann – Freiräume

Die Frühlingsausstellung der HSR Galerie Textilaltro widmet sich ab dem 5. April 2019 dem Thema ‘Papierschnitt’.

Plakat

Ruth und Werner Bühlmanns Werke sind jenseits der alten Tradition und zeigen, dass sich die Kunst des Papier- und Scherenschneidens in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat.

Ruth Bühlmann: Blick vom Rothorn
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung steht unter dem Motto ‘Freiräume’.

Werner Bühlmann: Auenwald
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Dies, weil das Papierschneiden viel Freiraum bietet und sich Ruth und Werner Bühlmann zudem gerne von der freien Natur inspirieren lassen.

Ruth Bühlmann: Rinde, Detail
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Beide experimentieren gerne mit verschiedenen Papierarten.

Ruth Bühlmann: Zinien
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Ruth Bühlmann färbt ihr Papier immer selbst und lotet die Spannungsverhältnisse von Farben und Flächen aus. Sie arbeitet vorwiegend mit der kleinen Schere und dem Cutter.

Ruth Bühlmann: Agave
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Werner Bühlmann hingegen schneidet ausschliesslich mit dem Messer und gestaltet öfters Werke, die zum Nachdenken anregen sollen.

Info:

5. April – 24. Mai 2019

Ruth & Werner Bühlmann – Freiräume

Galerie TextilAltro
HSR Hochschule für Technik Rapperswil
Gebäude 5, 1. Stock (in der Bibliothek)
Oberseestrasse 10
8640 Rapperswil
Schweiz

www.textilaltro.hsr.ch

Vernissage:
Fr, 5. April 2019, 17 – 20 Uhr

Finissage:
Fr, 24. Mai 2019, 14 – 17 Uhr

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Offene Horizonte – Schmuck von den Reisewegen Humboldts
Ausstellung im Dialog: Expedition | Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät

Ab dem 13. April 2019 zeigt das Schmuckmuseum Pforzheim zwei Ausstellungen im Dialog: ‘Offene Horizonte – Schätze zu Humboldts Reisewegen’ sowie ‘Expedition’, präsentiert vom Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät.

Die Sonderausstellung ‘Offene Horizonte – Schätze zu Humboldts Reisewegen’ im Schmuckmuseum Pforzheim entwirft ein ganzheitliches Bild von Alexander von Humboldt, der vor 250 Jahren in Berlin geboren wurde und als eines der letzten Universalgenies gilt. Zwei grosse Expeditionen führten ihn nach Südamerika und Russland. Anhand von Texten, Bildern, Messinstrumenten, vielfältigen Artefakten und Schmuckstücken von seinen Reisewegen und Lebensorten widmet sich die Schau einem Forscher, dessen von den Idealen der Aufklärung geprägtes Weltbild nach wie vor fasziniert. Im Fokus stehen weniger die einzelnen Objekte und Schmuckstücke an sich, vielmehr geht es um den Zeitgeist und eine neue Dimension des Forschens. Die Persönlichkeit Alexander von Humboldts und sein umfassendes Werk, das seinen Blick auf das grosse Ganze widerspiegelt, werden anhand von Beispielen aus der damaligen Zeit beleuchtet.

Plakat

Nach einer grossen Wandinstallation im Entrée, die neben den Reiserouten auch Einblicke in den gedanklichen Kontext gibt, werden Exponate von Humboldts Lebensorten und Reisewegen gezeigt. So wird seine Jugend in Schloss Tegel skizziert und dargestellt, wie der Adels-Spross Humboldt zu dem freien Geist wurde, als der er die Welt bereiste. Eine Enzyklopädie für Kinder aus dem 18. Jahrhundert vermittelt zudem einen Eindruck davon, wie damals gelernt wurde. Andere Objekte stammen aus Paris, wo er insgesamt rund 20 Jahre lang lebte und seinen Reisebegleiter, den Arzt und Botaniker Aimé Bonpland, kennenlernte.

Ausserdem sind Artefakte zu sehen, denen Humboldt auf seinen Forschungsreisen nach Südamerika begegnet sein könnte. Ethnografischer oder ländlicher Schmuck wird ebenso zu sehen sein wie Kostbarkeiten aus der Bürgerschicht oder von Beamten, so zum Beispiel Ohrschmuck, Halsketten, Broschen und Ringe sowie farbenprächtiger Federschmuck. Denn der Forscher wurde immer wieder in angesehene städtische Salons eingeladen, sprach beim amerikanischen Präsidenten vor und verkehrte an den bereisten Orten in besten Kreisen.


Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ein weiteres Bindeglied zwischen Humboldt und dem Schmuckmuseum sind Edelmetalle und Mineralien – die Rohstoffe, aus denen Schmuck hergestellt wird -, die ebenfalls in dieser Sonderausstellung zu entdecken sind. Alexander von Humboldt beschäftigte sich intensiv mit Mineralogie; er hatte ein Studium an der Bergakademie Freiberg absolviert und war – bis er mit 27 Jahren von seiner verstorbenen Mutter Geld erbte und damit dann seine Reisen finanzieren konnte – als Oberbergmeister tätig. Von seinen Reisen brachte er sehr viele Mineralien mit. In Russland hatte er sogar explizit den Auftrag, nach Bodenschätzen, Edelmetallen und Diamanten zu suchen und diese zu erforschen. Es gab auch konkrete Anfragen, zum Beispiel, ob man aus Platin Münzen herstellen könne. Humboldt interessierte sich umfassend für Mineralien, ihre Verwendung, ihren Handelswert und ihre Verarbeitung.

Auch die Humboldt so wichtigen Messinstrumente werden zu bestaunen sein, das heisst solche, die jenen ähneln, die er selbst verwendete, darunter Sextanten, Mikroskope und ein Theodolit, ein Winkelmessinstrument. Ein Exponat aus Humboldts persönlichem Besitz, nämlich ein kunstvoll bemalter chinesischer Fächer, ist ebenfalls zu betrachten. Die gezeigten Landkarten schliesslich verweisen darauf, dass der Forscher selbst viele zeichnete. So selbstverständlich Atlanten und Weltkarten heute sind, waren entlegenere Gebiete damals noch lange nicht vollständig kartografiert.

Fächer aus dem Besitz Alexander von Humboldts
China, um 1840
Privatbesitz
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Alexander von Humboldts moderne Denkweise gibt bis heute Impulse für die Wissenschaft. Bereits zu Lebzeiten war er ein ‘Megastar’ mit einer beeindruckenden Ausstrahlung, dessen Vorlesungen überlaufen waren. Seine Beobachtungen sorgten regelrecht für Furore, Goethe bewunderte ihn, auch Darwin liess sich von ihm inspirieren,und seine Expeditionen wurden zum Vorbild für wissenschaftliche Expeditionen.

Von 1799 bis 1804 bereiste der Kosmopolit Mittel- und Südamerika. Zwischen Krokodilen und Sandflöhen notierte, skizzierte und kartografierte er, befuhr den Orinoko, durchquerte den tropischen Regenwald, erklomm den damals als höchsten Berg der Welt geltenden Vulkan Chimborazo und erkannte während seiner detaillierten Bestandsaufnahmen globale Zusammenhänge zwischen den Vegetations- und Klimazonen auf der Welt. Er war Vorreiter in Sachen Umweltschutz und kritisierte vehement die Abholzung des Regenwaldes sowie den ausbeuterischen Anbau von Baumwolle.

Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland am Fuß des Vulkans Chimborazo
Friedrich Georg Weitsch, 1810
Öl auf Leinwand
© bpk / Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg / Jörg P. Anders
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Humboldt beschäftigte sich mit sehr vielen Forschungsgebieten: Vulkanologie, Magnetismus, Botanik, Landwirtschaft, Meteorologie, Ethnologie, Zoologie, Wirtschaft und Meereskunde. Dabei wollte er das Zusammenwirken der Kräfte verstehen. Wichtig war ihm auch die Vermittlung seiner Forschungen, Ideen und Erkenntnisse. Um die zahlreichen Beobachtungen zu publizieren, blieb ihm Zeit bis zu seinem Tod im Jahr 1859. Nach seiner Rückkehr aus Amerika schrieb er einem Freund: ‘Mit dreissig Kisten und botanischen, astronomischen, geologischen Schätzen beladen, kehre ich zurück und werde Jahre brauchen, mein grosses Werk herauszugeben.’

Sein Denken war nicht im geringsten nationalistisch und bei allen Turbulenzen und Kriegen, die Europa erlebte, bewahrte er stets seine Weltoffenheit. Trotz eines starken naturwissenschaftlichen Interesses verlor er nie den Blick auf die Menschen, schrieb unzählige Briefe, war mit zahllosen Wissenschaftlern weltweit vernetzt und setzte sich für junge Forscher ein. Seine unverstellte und aufgeklärte Weltsicht ist umso beeindruckender, als er in einer von instabilen territorialen Machtgefügen und von Kleinstaaterei geprägten Zeit lebte. Auch die Sklaverei und die christliche Missionierung wurden von ihm stark kritisiert. All diese vielfältigen Aspekte lassen Humboldt in seinem kulturellen Kontext lebendig werden.

Kuratiert wurde die Ausstellung von Cornelie Holzach, der Leiterin des Schmuckmuseums, und Kunsthistorikerin Dr. Martina Eberspächer.

Alexander von Humboldt in seinem Arbeitszimmer in der Oranienburger Straße 67 in Berlin
Lithografie aus dem Jahr 1856 nach einem Aquarell von Eduard Hildebrandt
© bpk/ Kufperstichkabinett, SMB / Voker-H. Schneider
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Begleitend findet ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm statt, mit szenischen Lesungen, literarischen Waldspaziergängen, einem Vortragsabend mit Prof. Dr. Oliver Lubrich sowie einem Symposion am Internationalen Museumstag. Zur Eröffnung wird der Humboldt-Kenner Prof. Dr. Ottmar Ette sprechen.

Im Rahmen der Ausstellung ‘Offene Horizonte’ präsentiert das Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät der Goldschmiedeschule Pforzheim unter dem Titel ‘Expedition’ neue Arbeiten, die zu einem kreativen Ausflug einladen. Rund 70 Schüler der drei Klassenstufen begaben sich auf ihre jeweils eigene Expedition. Dabei standen Weltentdecker und Forschungsreisen Pate für eine grosse Ideenvielfalt, die in der Werkstatt mit schöpferischen Lösungen umgesetzt wurden.

Info:

13. April – 8. September 2019

Offene Horizonte – Schmuck von den Reisewegen Humboldts

13. April – 23. Juni 2019

Expedition | Berufskolleg für Design, Schmuck und Gerät

Schmuckmuseum Pforzheim
Jahnstrasse 42
75173 Pforzheim
Deutschland

www.schmuckmuseum.de

Eröffnung:
Fr, 12. April 2019, 19 Uhr

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A Tulip is a Tulip is a Tulip

Immer mal wieder gibt es die Gelegenheit, auf eine Ausstellung hinzuweisen, die die Frauen in Afghanistan unterstützt. Pascale Goldenberg bat mich dieses Mal um Veröffentlichung eines Textes zum Hintergrund einer dieser Aktionen. Es geht um ‘A Tulip is a Tulip is a Tulip’, die das Stickprogramm Guldusi (Handstickereien aus Afghanistan), vom 24. – 27. April 2019 in Nantes (Frankreich) im Rahmen der Textilmesse ‘Pour l’Amour du Fil’ zeigt.

Arbeit von Annemarie Pattis (D)
Foto freundlicherweise von Pascale Goldenberg zur Verfügung gestellt

… a Tulip is a Tulip is a Tulip … Das umfangreiche und unentbehrliche Engagement einer sehr grossen Gemeinschaft.

Ein Programm mit über 200 Stickerinnen in Afghanistan, die circa 3500 Stickereien im Quartal produzieren, braucht viele hilfreiche Hände. Es braucht MitarbeiterInnen, die verschiedenste Hilfestellungen geben, die mit Engagement und Kompetenz teilnehmen und die bereit sind, viel Zeit zu investieren. Das Konzept gleicht einer kleinen Manufaktur, die auf ganz Europa verteilt ist.

Arbeit von Barbara Rentrop-Mertner (D)
Foto freundlicherweise von Pascale Goldenberg zur Verfügung gestellt

An oberster Stelle leistet der Verein der DAI von Anfang an ideelle und finanzielle Unterstützung. Er hat das Projekt immer mit grossem Vertrauen gefördert.

Dann sind es die Freundinnen aus Freiburg und Umgebung, die zu Hilfe kommen, wenn circa 40 kg Stickereien/Quartal geliefert werden. Die bestickten Tücher müssen gebügelt, auseinandergeschnitten und für den Verkauf eingepackt werden. Parallel dazu werden die Stickgarne, gesponsert von der Firma Madeira MADEIRA GARNE, für die Stickerinnen vorbereitet.

Arbeit von Adelheid Lau (D)
Foto freundlicherweise von Pascale Goldenberg zur Verfügung gestellt

Es sind die drei Kolleginnen Sabine Dryander, Margreth Rößler-Wacker und Sarah Käsmayr, die in regelmässigem Turnus auch nach Afghanistan reisen (insgesamt viermal im Jahr). Andere Freundinnen aus Deutschland, Frankreich, Luxemburg, UK, Griechenland und weiteren Ländern organisieren Ausstellungen und betreuen Verkaufsstände bei Textilmessen, dazu reisen sie extra an und schenken grosszügig ihre Zeit und ihre Begeisterung zum Erfolg des Stickprogramms.

Es ist nötig, Informationen in drei Sprachen zu vermitteln sowie Pressearbeit zu leisten. Dafür sind mehrere Lektoren und ÜbersetzerInnen am Werk, die sich mit der sprachlichen Gestaltung der Texte auf Deutsch, Französisch und Englisch auseinandersetzen. Guldusi, unsere Webseite, verlangt eine regelmässige und intensive Hilfestellung. Auch die graphische Gestaltung der Poster und Flyer wird in professioneller Weise unterstützt.

Arbeit von Anne Bouissiere (F)
Foto freundlicherweise von Pascale Goldenberg zur Verfügung gestellt

Es geht um eine Riesengemeinschaft, die zusammenwirkend dazu beiträgt, dass das Strickprogramm überhaupt noch besteht.

Die Ausstellung veranschaulicht, wie umfangreich und vielfältig diese Gemeinschaft ist. Die UnterstützerInnen, egal ob mit textiler Arbeit vertraut oder nicht, wurden dazu eingeladen, eine Stickerei mit Tulpenmotiv in eine kleine eigene Gestaltung (40 x 40 cm) einzuarbeiten. Geniessen Sie diese bunte Vielfalt.

Text: Pascale Goldenberg

Info:

24. – 27. April 2019

A Tulip is a Tulip is a Tulip

Pour l’Amour du Fil
Le salon international des arts du fil

Parc des Expositions de la Beaujoire – HALL XXL
Route de Saint Joseph de Porterie
44300 Nantes
Frankreich

www.pourlamourdufil.com

www.guldusi.com

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Fritz Baumer
Mosaikkünstler

Das Keramikmuseum Westerwald ehrt in einer Sonderausstellung noch bis zum 10. Juni 2019 das Lebenswerk des Mosaikkünstlers Fritz Baumer (1919-1989). Brennbruch und Scherben bekannter Keramiker wie Hubert Griemert, Richard Bampi oder Wendelin Stahl setzte er zu neuen Bildern zusammen. Baumer löste die Glasur von ihrem Träger, dem Gefäss, und zeigte so das einzigartige Wirkungspotenzial der keramischen Farbe.

Plakat
Abb. Fritz Baumer: Himmelsbild, 1988
Scherben von Albrecht und Görge Hohlt

Fritz Baumer wurde am 16. März 1919 als ältester Sohn eines Sprachenlehrers in Frankfurt am Main geboren und verbrachte seine Jugend in Daun und Koblenz. Prägend für seine Mosaikgestaltung waren zuerst die Erzählungen seines Grossvaters, der lange Zeit in der damaligen deutschen Kolonie Qingdao, China, arbeitete und eine Sammlung chinesischer Kunstobjekte besass. Seine Kriegsgefangenschaft bis 1949 in Lagern in Nowosibirsk, Irkutsk, Taschkent, Samarkant, Alma Ata, Ulan Bator und Kirgisien war ein weiterer entscheidender Einschnitt in seinem Leben. Neben allen Entbehrungen, die er dort erlebte, beeinflussten ihn auch die Begegnungen mit asiatischen Keramiken und Mosaiken. Das Mosaikhandwerk lernte er von 1936 bis 1939 an der Kunsthandwerkschule in Trier. Nach seiner Rückkehr 1949 aus der Kriegsgefangenschaft studierte er an der Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen.

Fritz Baumer: o. T.
1973
Foto: Fotostudio Baumann GmbH, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Aus finanzieller Not benutzte er, statt teurer Glas- oder Natursteine, keramische Scherben von der Müllkippe der Schule. Später schickten ihm die Keramiker selbst ihre zweite Wahl zu. Baumer zerschlug die aussortierten Gefässe zu kleinen Mosaiksteinchen, die er zu einem neuen zweidimensionalen Bild zusammenfügte. Schwarzmatte Kristallglasurstückchen von Hubert Griemert, salzglasierte Scherben von Heiner Balzar oder chinaroter Bruch der Brüder Hohlt verwandelte er in Bildflächen, die durch ihren Reichtum an Farbe, Struktur und Tiefe bestechen und einen neuen Blick auf das Potenzial der keramischen Glasur hervorrufen.

Fritz Baumers unbekannte Werke werden zum ersten Mal auf musealer Ebene gezeigt. Am 16. März 2019 wäre er 100 Jahre alt geworden.

Info:

16. März – 10. Juni 2019

Fritz Baumer

Keramikmuseum Westerwald
Deutsche Sammlung für Historische und Zeitgenössische Keramik
Lindenstrasse 13
56203 Höhr-Grenzhausen
Deutschland

www.keramikmuseum.de

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Mary Quant

Ab dem 6. April 2019 widmet das Victoria & Albert Museum in London der britischen Modedesignerin Mary Quant (*1934) eine Ausstellung, die uns direkt in die Swinging Sixties (zurück-) versetzt.

Mary Quant, fotografiert von Ronald Dumont, ca.1967.
© Ronald Dumont/Stringer/Getty Images
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wo wären wir heute ohne farbige Strumpfhosen, hautenge Pullis, bequeme Loungewear? Mary Quant revolutionierte durch die Auswahl ihrer Stoffe und Schnitte die Art, wie wir uns heute kleiden – vom Minirock ganz abgesehen. Mitte der 1960er Jahre wurde er zum Symbol eines moralisch freien und aufgeklärten Denkens. Ihre witzige, respektlose Mode und die junge Szene inspirierten sich gegenseitig auf entscheidende Weise.

Mary Quant und Models beim Start der Quant Afoot Schuh-Collection, 1967
© PA Prints 2008
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Von den späten 50er bis zu den frühen 60er Jahren war Quants Laden ‘Bazaar’ einer der wenigen Läden in London, der eine Alternative zu den reifen Modellen anderer High-Fashion-Designer bot. Damit verbunden war auch ein radikal anderes Einkaufserlebnis. Anders als die Couturiers, Kaufhäuser und Handelsketten, die den Mainstream-Modemarkt ausmachten, bot ‘Bazaar’ laute Musik, kostenlose Getränke, witzige Schaufenster und verlängerte Öffnungszeiten und schuf dadurch eine ‘Szene’, die oft bis spät in den Abend andauerte. Junge Frauen frequentierten den Laden in der King’s Road im Londoner Stadtteil Chelsea, um in einer viel weniger formellen Umgebung einkaufen zu gehen – und dies zu erschwinglichen Preisen.

Model mit Bazaar-Tüte, ca.1959
© Mary Quant Archive
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Quants Entwürfe wurden von Tänzern, Musikern und dem Beatnik-Street-Chic des Chelsea-Sets beeinflusst. Ihre ersten Kollektionen waren in ihrer Schlichtheit auffallend modern und sehr tragbar. Sie wollte ‘entspannte Kleidung, die sich den normalen Lebensgewohnheiten anpasst’. Sie kombinierte kurze Tunika-Kleider mit Strumpfhosen in leuchtenden, auffälligen Farben – Scharlachrot, Ingwer, Pflaume und Weintraube – und kreierte eine mutige, hochmodische Version der praktischen Outfits, die sie als Jugendliche in der Schule und bei Tanzkursen getragen hatte.

Kellie Wilson im Krawatten-Kleid, by Mary Quant’s Ginger Group.
Fotografiert von Gunnar Larsen, 1966. © Gunnar Larsen
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Erfindung des legendärsten Looks des Jahrzehnts, des Minirocks, wird oft Mary Quant zugeschrieben. Es gibt jedoch keine schlüssigen Beweise dafür, wer zuerst so wagemutig war, die Saumlinie immer weiter oberhalb des Knies zu setzen (der französische Couturier André Courrèges ist eine andere Möglichkeit). Ungeachtet dessen wurden extrem kurze Röcke und Etuikleider zu Quants Markenzeichen. Sie wurden durch Twiggy, dem berühmtesten Model der Ära, populär, deren knabenhaft-schlanke Figur dazu beitrug, superkurze Röcke zu einem internationalen Trend zu machen. Miniröcke und -kleider wurden perfekt mit der Strumpfhosen- und Unterwäscheserie von Quant kombiniert, einer der ersten Linien, die unter dem Namen ‘Mary Quant’ in Lizenz hergestellt wurde. Quant schuf auch den ‘Skinny Rib’-Pullover und erfand 1966 die Hotpants. Sie nutzte die Vorliebe, die man in den 1960er Jahren für neue Materialien hatte und war die erste Designerin, die PVC für Wet-Look-Kleidung und verschiedene Arten von wetterfesten Stiefeln verwendete.

Mini-Kleid und Shorts aus Satin von Mary Quant
Fotografiert von Duffy, 1966 © Duffy Archive
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In den 60er Jahren feierte Mary Quant ausserordentliche wirtschaftliche Erfolge. Bis zum Ende des Jahrzehnts war Quant die profilierteste Designerin Grossbritanniens und hatte eine beispiellose Reichweite auf dem Markt erreicht: Man schätzt, dass bis zu sieben Millionen Frauen mindestens eines ihrer Produkte in ihrer Garderobe hatten und Tausende die supermodernen Farbtöne ihrer ‘Daisy’-Kosmetiklinie verwendeten.

Mary Quant bei der Stoffauswahl, 1967
© Rolls Press/Popperfoto/Getty Images
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In der ersten Hälfte der 70er Jahre blieb Quant an der Spitze der Mode, ab Ende der 70er Jahre ging ihr Unternehmen dazu über, hochwertigere Damenmode sowie Innenausstattungen zu produzieren. Schmuck, beliebte Make-up- und Hautpflegeprodukte (auch für Männer) u.a. komplettierten das Sortiment. 1990 wurde sie vom British Fashion Council mit dem renommierten Hall of Fame Award ausgezeichnet und wurde mit der Liste der Neujahrsauszeichnungen der Queen 2015 zur Dame ernannt.

The Mary Quant Beauty Bus, 1971
© INTERFOTO Alamy Stock Photo.jpg
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung im V&A umfasst mehr als 400 Exponate: Kleider, Accessoires, Kosmetik, privates Bildmaterial und zeigt auch auf, welchen Einfluss ihre Mode auf die Emanzipation der Frau besitzt. Vor allem Mary Quant ist es zu verdanken, dass Hosen seit über 50 Jahren ein unverzichtbarer Bestandteil modischer Damengarderoben sind. Und wie liess es sich beschwingter zu den Beats der Sixties tanzen als im Minirock?

Einen schönen Eindruck vermitteln die vielen Fotos und der Ausstellungs-Trailer auf der Website des Museums, die man bis zum Ende herunterscrollen sollte. Dort stösst man auch auf eine weitere Schau über die Mode der 60er Jahre, zusammengestellt aus den Sammlungsbeständen des Hauses.

Katalog erhältlich.

Info:

6. April 2019 – 16. Februar 2020

Mary Quant

Victoria and Albert Museum
Cromwell Road
London SW7 2RL
UK

www.vam.ac.uk

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ArTTex
Exposition Textile

Die fünf Quilterinnen – Marianne Bender-Chevalley, Monique Bongard Stalder, Patricia Fuentes, Martine Mercier und Sophie Zaugg – kommen aus der Schweiz, genauer aus der Romandie, dem französischsprachigen Teil des Landes, und bilden zuasmmen die Gruppe ‘ArTTex’, die sich drei-, viermal jährlich trifft. Man konnte Werke von ihnen bei der NADELWELT 2018 sehen und diese Erfahrung trug Früchte: Während man auf Zusagen anderer Quilt-Events wartet, stellen die fünf Damen einstweilen in Fribourg aus. Spannend!

Einladung

Info:

2. – 12. April 2019

ArTTex
Exposition Textile

Espace 25
Bd de Pérolles 25
1700 Fribourg
Schweiz

www.malice1618.blogspot.com

Öffnungszeiten:
Di – Fr: 14 – 19 Uhr
Sa/So: 11 – 17 Uhr

Vernissage:
Sa, 6. April 2019, 16 Uhr

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K&M. Kunst und Mode
Fashion Weeks in der Jungen Kunsthalle Karlsruhe

Ab dem 6. April 2019 können in der Jungen Kunsthalle Karlsruhe ganz besondere Arbeiten bestaunt werden: Angehende Designer*innen des Studiengangs Mode an der Hochschule Pforzheim haben sich von Gemälden des 19. Jahrhunderts aus der Sammlung der Kunsthalle zu eindrucksvollen Modekreationen inspirieren lassen.

Flyer

Die Beziehung von Kunst und Mode ist facettenreich. Die Bilder der Kunstgeschichte spiegeln die Wechsel der Mode ebenso wie sie immer wieder auch Inspiration für modische Schöpfungen waren. Ein spannendes Kapitel der Kulturgeschichte – gerade in der Gegenwart, in der die Sphären durchlässig geworden sind. Originelle Kreationen der angehenden Designerinnen und Designer werden in Verbindung mit Werken aus der Kunsthalle präsentiert. Auf die Eröffnung mit Modenschau darf man gespannt sein!

Info:

6. April – 13. Oktober 2019

K&M. Kunst und Mode
Fashion Weeks in der Jungen Kunsthalle Karlsruhe

Junge Kunsthalle Karlsruhe

Hans-Thoma-Strasse 4
76133 Karlsruhe
Deutschland

www.kunsthalle-karlsruhe.de

Eröffnung mit Modenschau:
Sa, 6. April 2019, 15 Uhr, Feuerbachsaal (Hauptgebäude)

Der Eintritt in die Junge Kunsthalle ist frei.

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Passage à la lumière

Noch bis zum 4. Mai 2019 zeigt die französiche Textilkünstlerin Karine Jollet ihre textilen Skulpturen in der Orangerie von Cachan (bei Paris).

Einladung

Als sie die Orangerie zum ersten Mal entdeckte, war Karine frappiert vom Licht. Diese Wirkung blieb ihr wie ein Symbol in Erinnerung, ein Symbol für den Übergang vom Schatten zum Licht. Diese Passage ist auch diejenige vom Tod zur Wiedergeburt, vom Winter zum Frühling und war auch der Grund für die Ausstellung.

Info:

18. März – 4. Mai 2019

Passage à la lumière
Karine Jollet

L’Orangerie
15 Rue Gallieni
94230 Cachan
Frankreich

www.ville-cachan.fr
www.karinejollet.com

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Leuchten der Moderne
Glasproduktion im Licht des Bauhauses

Noch bis zum 25. August 2019 würdigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in der Glashütte Gernheim mit der Sonderausstellung ‘Leuchten der Moderne’ den 100. Geburtstag des Bauhauses. Die Schau widmet sich der Produktgestaltung und dem Industriedesign des frühen 20. Jahrhunderts. Sie schlägt den Bogen vom hitzebeständigen Glas über das Industriedesign des Art Déco, die Konzepte des Bauhauses und Wilhelm Wagenfelds Entwürfe bis hin zu den Formen der sogenannten ‘Neuen Sachlichkeit’.

Plakat

Unter den gezeigten Objekten befinden sich viele seltene, noch nie gezeigte Stücke. Begleitet wird die Präsentation von zeitgenössischen Fotos, Werbematerial, Katalogen und Entwurfszeichnungen. ‘Das Material illustriert einen einschneidenden Abschnitt der deutschen Technik- und Designgeschichte, in der das elektrische Licht innerhalb weniger Jahre die Gaslichtbeleuchtung verdrängte’, erklärt LWL-Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus. Die Ausstellung bietet auch Neues: Fünf Designer der Gegenwart haben exklusiv für diese Präsentation Neuinterpretationen einiger Wagenfeld-Leuchten entwickelt und zeigen damit die Relevanz der Leuchten-Gestaltung für die Gegenwart. Zudem ist die mundgeblasene Replik einer nur noch als Entwurf erhaltenen Wagenfeld-Leuchte zu sehen.

In der Glashütte Gernheim wurden eigens für die Ausstellung Neuinterpretationen von Wagenfeld-Leuchten produziert – hier eine Leuchte nach einem Entwurf von Hanna Krüger und Jakob Gebert.
Foto: LWL / Hübbe, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ausgangspunkt der Ausstellung sind zwei Sammlungen in Jena, die, ergänzt um Exponate aus weiteren Privatsammlungen, erstmals präsentiert werden. An diesem Traditionsstandort der optisch-feinmechanischen Industrie und der Spezialglasherstellung existierte bereits seit den 1880er Jahren ein Kompetenz-Cluster zur Herstellung von Beleuchtungsglas und Beleuchtungskörpern. Bei Schott & Gen. hatte man mit dem Roban-Glas ein hitzebeständiges Milchglas zur Verfügung, das die üblicherweise in der Leuchtenherstellung verwendeten Opalgläser wegen seiner günstigen Streuungseigenschaften überbot.

Werbung für die Roban-Leuchte aus Jenaer Glas. Entwurf von Laszlo Moholy-Nagy, um 1935.
Foto: Schott Archiv, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Gleichzeitig arbeiteten im nahen Weimar am Staatlichen Bauhaus Gestalter an formalen Herausforderungen, die sich aus der neuen elektrischen Lichttechnologie ergaben. ‘Der von Walter Gropius erhobenen Forderung ‘Kunst und Technik eine neue Einheit!‘ bot sich das Aufgabenfeld von Wohnkultur und zeitgemässer Beleuchtung besonders an. In der Metallwerkstatt des Bauhauses arbeitete Wilhelm Wagenfeld und stellte 1924 eine Tischleuchte mit Kuppel aus Jenaer Glas vor – ein legendärer Entwurf, als ‘Bauhaus-Leuchte‘ populär bis heute’, so Holthaus. Ab 1931 entwickelte Wagenfeld am Jenaer Glaswerk ein Sortiment von Leuchten, unter anderem auch Modelle der ‘Astax’-Reihe: Leuchten, deren Korpus ganz oder teilweise verspiegelt war.

Deckenbeleuchung aus einem Katalog des Jenaer Glaswerks Schott & Gen, unter anderem mit Leuchten von Wilhelm Wagenfeld, 1930-32.
Foto: Schott Archiv, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Werbung für das moderne Glas aus Jena konzipierte der Bauhaus-Lehrer Lázló Moholy-Nagy und kultivierte dabei das Licht als zeitgemässes gestalterisches Medium. Mit Jena ist auch der Name Zeiss als führendes Unternehmen der optisch-feinmechanischen Industrie verbunden. 1926 hatte sich das Unternehmen mit anderen Herstellern von Fotokameras zum Zeiss Ikon-Konzern mit Sitz in Dresden zusammengeschlossen. Zur Produktpalette gehörten auch verspiegelte Leuchten, produziert im Goerzwerk in Berlin. Einige Modelle entwarf Adolf Meyer, Architekt, Meister am Weimarer Bauhaus und langjähriger Mitarbeiter von Walter Gropius. Holthaus: ‘Die Zeiss Ikon-Leuchten stehen beispielhaft für die klare, aus Einzelelementen bestehende Formensprache der Neuen Sachlichkeit.’

Zeiss Ikon Stufenspiegel-Pendelleuchten. Entwurf von Adolf Meyer, 1930.
Foto: Uli Steube, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung wird von einem vielfältigen Rahmenprogramm begleitet.

Ab September 2019 wird ‘Leuchten der Moderne’ im Stadtmuseum Jena zu sehen sein.

Info:

10. Februar – 25. Mai 2019

Leuchten der Moderne
Glasproduktion im Licht des Bauhauses

LWL-Industriemuseum
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Glashütte Gernheim
Gernheim 12
32469 Petershagen
Deutschland

www.lwl.org

Flyer

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Helena Rubinstein. L’aventure de la beauté

Noch bis zum 25. August 2019 widmet das Musée d’art et d’histoire du Judaisme (mahJ) in Paris Helena Rubinstein (1872–1965) eine Ausstellung mit mehr als 300 Exponaten aus ihrer berühmten Sammlung: Objekte, Kleidungsstücke, Fotografien, Radierungen, Bücher, Gemälde, Skulpturen und Wandteppiche, darunter Werke von Marc Chagall, Michel Kikoïne, Sarah Lipska, Louis Marcoussis, Elie Nadelman und Maurice Utrillo.

Key Visual

Helena Rubinstein, Gründerin des berühmten Kosmetikimperiums, die Jean Cocteau als ‘Kaiserin der Schönheit’ bezeichnete, wurde 1872 in eine bescheidene orthodoxe jüdische Familie in Krakau geboren und erfand die Schönheit neu, indem sie sie an die moderne Welt anpasste.

Einerseits war sie Visionärin: Als sie 1902 ihren ersten Salon in Melbourne eröffnete, wandte sie wissenschaftliche Erkenntnisse in der Kosmetik an. Andererseits verstand sie sich als Wegbereiterin, die den Frauen zeigte, wie sie auf sich achten sollten, immer darauf bedacht, dass Schönheit, ‘diese neue Kraft’, ihre Emanzipation begleiten sollte.

Im Geiste der Avantgarde begann Helena Rubinstein schon früh Kunst zu sammeln, posierte für Raoul Dufy, Salvador Dalí und Marie Laurencin, trug die Kreationen der grössten Couturiers ihrer Zeit (Poiret, Balenciaga, Chanel, Dior) und teilte ihre Zeit zwischen New York, London und Paris, der Stadt, die sie besonders liebte, auf. Hier nahm ihre umfangreiche, vielseitige Kunstsammlung, die von den Malern der Pariser Schule bis zu Pablo Picasso, Fernand Léger und George Braque reichte, ihren Anfang. In Paris freundete sie sich mit vielen Künstlern an und wurde auch zur Mäzenin. Sie interessierte sich auch leidenschaftlich für Architektur und angewandte Kunst, was sich in Architektur und Gestaltung ihrer Schönheitssalons und anderen Gebäuden niederschlug.

Die Ausstellung erzählt das Leben dieser aussergewöhnlichen Frau in den Städten, die in ihrem Leben eine Schlüsselrolle gespielt haben – Krakau, Wien, Melbourne, London, Paris, New York und Tel Aviv – nach.

Katalog (f/e) erhältlich.

Info:

20. März – 25. August 2019

Helena Rubinstein. L’aventure de la beauté

Musée d’art et d’histoire du Judaisme (mahJ)
Hôtel de Saint-Aignan
71, rue du Temple
75003 Paris
Frankreich

www.mahj.org

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Boldini und die Mode

‘Boldini verstand es, dieses blendende Gefühl wiederzugeben, das Frauen hervorrufen wollen, wenn sie in ihren besten Momenten gesehen werden.’ Mit diesen Worten würdigte Cecil Beaton, einer der berühmtesten Modefotografen des 20. Jahrhunderts, das besondere Talent des Malers Giovanni Boldini (1842-1931) aus Ferrara. Boldini wusste, wie er die üppige Eleganz der kosmopolitischen Elite der Belle Époque darzustellen hatte, um den raffinierten Ansprüchen der Reichen und Schönen zu entsprechen.

Key Visual

Boldini lebte und arbeitete im Paris der Jahrhundertwende, dem Zentrum der Eleganz und Moderne. Er verewigte die Prominenten jener legendären Zeit chic und ‘à la mode’ und wurde zu einem der gefragtesten Portraitisten. In seinen Arbeiten spielte die Mode eine wesentliche Rolle: Wie er die Kleider und Accessoires darstellte, aber auch, wie er den Körper begehrenswert erscheinen liess, wurde schnell zu einem Schlüsselmerkmal für seine unverwechselbaren Portraits.

Seine Gemälde wurden zu Eye-Catchern. Mit schnellen, dynamischen Pinselstrichen schuf er sinnliche Posen, die sowohl die Personen als auch die Raffinesse ihrer Kleider – die Kreation grosser Couturiers wie Worth, Doucet, Poiret und der Callot-Schwestern – zur Geltung brachten. So schuf Boldini eine ganz persönliche Serie von Gesellschaftsportraits, die als ein Modell für Stil und Trends gelten können, das die Sprache des Kinos und der Glamourfotografie des 20. Jahrhunderts vorwegnimmt.

Die Ausstellung ‘Boldini e la moda’ im Palazzo dei Diamanti in Ferrara untersucht daher zum ersten Mal die lange und fruchtbare Beziehung zwischen Boldini und der Welt der Pariser Haute Couture und deren Einflüsse auf die Arbeiten von verschiedenen zeitgenössischen Malern wie Degas, Sargent oder Whistler. Dem Besucher bietet sich noch bis zum 2. Juni 2019 eine faszinierende Reise durch die Welt von Gemälden, wunderbarer Vintage-Mode und Kult-Accessoires sowie die Beziehung zwischen Kunst, Mode und Literatur in der Belle Époque in der funkelnden Atmosphäre der französischen Hauptstadt.

Kuratiert von Barbara Guidi in Zusammenarbeit mit Virginia Hill.

Empfehlenswert sind ein Blick in die Galerie von Ausstellungsansichten und das Video auf der Website des Palazzo.

Info:

16. Februar – 2. Juni 2019

Boldini e la moda

Palazzo dei Diamanti
Corso Ercole I d’Este 21
44121 Ferrara
Italien

www.palazzodiamanti.it

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Neue textile Welten im gestalterischen Kontext
Potenziale technischer, intelligenter Textilien + smart materials

Unsere textile Welt hat sich verändert. Die Textilindustrie vollzieht bereits seit einigen Jahren einen beispiellosen Wandel weg von der Produktion traditioneller Bekleidungsstoffe und Heimtextilien hin zur Entwicklung und Herstellung technischer und smarter Textilien und Materialien.

Plakat

Die derzeitige Ausstellung in Chemnitz im Wasserschloss Klaffenbach will für die NEUE WELT DER TEXTILIEN sensibilisieren, möchte den Besuchern Orientierung bieten und neugierig machen. Anhand ausgewählter Exponate zeigt die Ausstellung die vielfältigen Anwendungsgebiete aus den Bereichen ClothTech, MedTech, SportTech, MobilTech, BuildTech, GeoTech, GreenLab und die Funktionsweisen der neuen hochkomplexen Werkstoffe und macht diese zugänglich, erfahrbar, einprägsam und verständlich.

Veronika Aumann mit Screenstoff
© Nathalie Beyreuther
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Der Blick des Besuchers wird auf Ästhetik und Gestaltung im Zusammenspiel mit Technik und Funktion geschärft. Insbesondere das Mitwirken von Gestaltern ist grundlegend für die Nutzungsfähigkeit, aber auch die Akzeptanz von Produkten aus neuen Werkstoffen. Erst die gestalterische Arbeit macht die hochkomplexen Materialien für die Menschen sinnlich und sinnhaft erfassbar.

Angewandte Kunst Schneeberg Hochschule Zwickau
© Nathalie Beyreuther
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Das Wasserschloss Klaffenbach präsentiert gelungene Produkte und Projekte regionaler und überregionaler Unternehmen, junger Start-Ups, freiberuflich arbeitender Gestalter sowie von Kunsthochschulen, Universitäten und Forschungsinstituten, die meist durch eine mehrjährige interdisziplinäre Zusammenarbeit entstanden sind.

Textile Fahrradspeiche der Fa. PI ROPE GmbH
© Nathalie Beyreuther
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Info:

17. März – 30. Juni 2019

Neue textile Welten im gestalterischen Kontext
Potenziale technischer, intelligenter Textilien + smart materials

Wasserschloss Klaffenbach
Wasserschlossweg 6
09123 Chemnitz
Deutschland

www.c3-chemnitz.de

Studieninformationstag:
Sa, 18. Mai 2019, 11 – 15 Uhr
Die Hochschule Angewandte Kunst Schneeberg, Fakultät der Westsächsischen Hochschule Zwickau präsentiert sich und ihre Studiengänge.

***

Neue Werke von Judith Mundwiler

Zusammen mit Antonie Josefa Latscha (Malerei) und Thomas Ruepp (Figuren aus Holz) stellt die Textilkünstlerin Judith Mundwiler in der Museumsgalerie magidunum neue Werke aus. Die Ausstellung eröffnet am 5. April 2019 in Magden AG (Schweiz).

Einladung

Judith schreibt:
‘Sie werden eine sehr spannende Ausstellung antreffen im alten Gemäuer der beiden historischen Häuser in Magden. Besonders das Leopold’s Karl’s Haus hat einen geheimnisvollen Charme. Das Tagelöhnerhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist zum Teil noch so eingerichtet, wie es von den letzten Bewohnern bis in die 80er Jahre bewohnt wurde. Einzelne Räume sind leer geräumt, aber noch mit den originalen Wänden. Dort können Sie unsere Werke geniessen. Im gegenüberliegenden, ebenfalls historischen Haus finden Sie den anderen Teil unserer Ausstellung. Hier findet auch die Vernissage statt. Ich freue mich auf spannende Begegnungen!’

Plakat

Info:

Kunstausstellung
Antonie Josefa Latscha
Judith Mundwiler
Thomas Ruepp

Museumsgalerie magidunum
Adlerstrasse 1
4312 Magden
Schweiz

www.museumsgalerie-magidunum.ch

Vernissage:
Fr, 5. April 2019, 19 Uhr

***

Vorschau:

NADELWELT Karlsruhe

Die NADELWELT Karlsruhe steht gleich am ersten Mai-Wochenende bevor. Sie sollten sich Freitag, Samstag und Sonntag, 3. – 5. Mai 2019 notieren, denn dann öffnet die NADELWELT wieder in der Messe Karlsruhe ihre Pforten und bietet Handarbeitsfreaks alles, was das Herz begehrt: ein umfassendes Angebot …

Key Visual

… an Produkten und Informationen aus allen Handarbeitsgebieten, zahlreiche Kurse und Workshops sowie einen Ausstellungsbereich, der sich sehen lassen kann: die NADELWELT präsentiert eine Vielzahl internationaler Textilkünstler*innen in weit über 30 verschiedenen Ausstellungen.

Auch diesmal freue ich mich sehr, wieder an einer Ausstellung beteiligt zu sein, nämlich bei ‘Fadenlauf’. In Anlehnung an sein Museumsprofil präsentiert das Textil- und Rennsport Museum Hohenstein-Ernstthal künstlerische textile Objekte, in denen technische Textilien mitverwendet und inhaltlich der Bezug zum Rennsport hergestellt werden sollte. Die 14 teilnehmenden Textilkünstlerinnen widmen sich den Aspekten Technik, Geschwindigkeit und Mobilität gleichermassen wie auch Rennstrecke, Leidenschaft, Zuschauer, Nervenkitzel, Sicherheit und Verletzlichkeit.

Gudrun Heinz: Am Rand der Rennstrecke, Detail
Bodeninstallation, dreiteilig, Gesamtlänge ca. 9 Meter, Breite: ca. 30 cm
In Museumsbesitz
Foto: Gudrun Heinz

Britta Ankenbauers Werke beschäftigen sich schon lange mit Schnittstellen und der Identität von textiler Kunst. Hierzu verwendet sie malerische Drucktechniken, Stickerei und Stoffmanipulation, bei dem ein älteres Werk auch mal übermalt, geschnitten oder neu formiert wird. Ihre aktuellen Studien rund um die Themen ‘Zeit und Erinnerung’ führen zu deren bildhaftem ECHO in ihren Arbeiten.


Britta Ankenbauer, Ausstellung ‘ECHO’
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Marianne Körner klärt die spannenden Fragen auf: Wer hat bei der 30 Tage Art-Challenge teilgenommen und welche Werke hängen in der Ausstellung?

Marianne Körner, Ausstellung ’30 Tage Art-Challenge’
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Sie gestalten ihre Arbeiten mit Farben, Druck und Foto-Transfers, durch Quilten und Applizieren.

Ragnhild Eckhoff Kjenne: welcome inside
Ausstellung ‘Über und unter der Oberfläche’
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Und so lautet der vielversprechende Ausstellungstitel der beiden norwegischen Textilkünstlerinnen Ragnhild Eckhoff Kjenne und Merete Veian, die zum ersten Mal in Deutschland ausstellen, sehr treffend: ‘Über und unter der Oberfläche’.

Merete Veian, Ausstellung ‘Über und unter der Oberfläche’
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Ihr Material ist Wolle, ihr Interesse gilt allen Stricktechniken, ihre Muster sind vielfältig inspiriert und das Filzen überlässt sie ihrer Waschmaschine: Katrin Kümmel präsentiert ‘Strickfilz im neuen Gewand / Schnecke International’ – Strickfilzkreationen in Form von Bildern, Skulpturen und reliefartigen Flächen.

Katrin Kümmel, Ausstellung ‘Strickfilz im neuen Gewand / Schnecke International’
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die reizvollen Strukturen von Rost lieferten sowohl die Inspiration als auch den Titel zu Jana Sterbovas neuer Quilt-Collection mit Digital-Druck. Um die Härte des Metalls auszugleichen, verwandte sie als zweites Material mit Pulverfarben gefärbtes Evolon in einer besonderen Farbpalette. Kurz nach der Publikation der ersten Fotos aus dieser Serie gleich grosser Quilts kaufte Das Quilt House and Museum in Lincoln, Nebraska (USA) ein Werk. Herzliche Gratulation!

Jana Sterbova: Three
aus der Serie ‘Rost’
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Bitte werfen Sie unbedingt einen Blick auf die Website des Events – es gibt noch viel mehr zu entdecken.

Info:

3. – 5. Mai 2019

NADELWELT Karlsruhe

Messe Karlsruhe
Messeallee 1
76287 Rheinstetten
Deutschland

www.nadel-welt.de

***

Ausschreibung:

Vlieseline Fine Art Textiles Award

Upper Street Events Ltd, der Londoner Veranstalter vom Festival of Quilts und den Knitting & Stitching Shows, gibt den Start des Vlieseline Fine Art Textiles Award bekannt, einer internationalen jurierten Ausschreibung, die den bisherigen Fine Art Quilt Masters-Wettbewerb beim Festival of Quilts (Birmingham) ersetzt. Der neue Wettbewerb steht sowohl Amateur- als auch Profikünstler*innen, die mit textilen Materialien arbeiten, offen. Als oberstes Ziel wird genannt, die Anerkennung von Textilkünstler*innen in Grossbritannien und weltweit zu fördern und ihr Profil zu schärfen, indem Grenzen überwunden werden, die derzeit innerhalb der Textilkunst bestehen.

Der neue Preis ist mit einem Preisgeld von 5.000 £ und einem zusätzlichen Preis von 500 £ für die innovativste Verwendung von Textilien dotiert. Alle final von einer kompetenten Jury (wird demnächst bekannt gegeben) ausgewählten Arbeiten sollen sowohl beim Festival of Quilts 2019 als auch bei den Knitting & Stitching Shows ausgestellt werden.

Einsendeschluss für den Wettbewerb: 3. Mai 2019

Info:

Die vollständigen Informationen sowie das Anmeldeformular für die Bewerbung (in englischer Sprache) findet man hier

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Internationaler Tag der Provenienzforschung 2019

Am 10. April 2019 findet erstmals der Tag der Provenienzforschung statt. Mehr als 70 Kulturinstitutionen in Deutschland, Grossbritannien, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz nehmen daran teil und geben u. a. im Rahmen von Führungen, Präsentationen, Ausstellungen oder anderweitigen Aktionen einen aktuellen Einblick in wesentliche Fragen und Ergebnisse der Erforschung der Herkunft ihrer Sammlungen und Objekte.

Eine Übersicht über die beteiligten Institutionen fndet man hier

***

Bitte informieren Sie sich vor einem Ausstellungsbesuch auf der jeweiligen Website besonders über die genauen Öffnungszeiten – es kann sich immer etwas ändern.

Weitere Ausstellungen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik AUSSTELLUNGSKALENDER.

Den verschiedenen Beteiligten herzlichen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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Kommentare zu diesem Artikel

6 Responses

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  • Erika Bornemann

    Liebe Gudrun,

    herzlichen Dank für die so umfangreichen und gut beschriebenen Austellungstipps.

    Da ist sicher für alle etwas dabei.

    Liebe Grüße

    Erika

    • Gudrun Heinz

      halli hallo erika,

      auch an dich 1000 dank für deine lobenden worte. ich will doch auch hoffen, dass man in dieser auswahl etwas finden kann 🙂

      beste grüsse

      gudrun

  • Martina Hilgert-Vervoort

    Das ist wieder ein tolles Programm und super Ausstellungen. Danke Gudrun und liebe Grüße aus dem Saarland.

    Martina

    • Gudrun Heinz

      halli hallo martina,

      ein dickes dankeschön zurück! lass’ es dir weiterhin gutgehen und sei

      herzlich gegrüsst

      gudrun

  • Birgit Berndt

    Hallo Gudrun,

    Glückwunsch zur Teilnahme an der Ausstellung ‘Faust 2019’.  Ein schönes Exponat. Danke für deine informative Zusammenstellung laufender Ausstellungen. Wie immer höchst spannend zu lesen.

    Viele Grüße

    Birgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,

      vielen herzlichen dank für deine lieben zeilen. freut mich wie immer sehr!

      beste grüsse

      gudrun

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