Kreative Artikel zum Thema Quilten

Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat

Vor kurzem besuchte ich die Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“, die noch bis zum 26. September 2021 im Museum Herxheim zu sehen ist und auf die ich schon hier und hier hingewiesen hatte. Eine der Ausstellungsmacherinnen, Monika Brückner (BA Embroidery, University Middlesex und MA Fine Art, OCA University Barnsley), hatte mich darum gebeten und lud mich zu einem Rundgang durch diese Sonderausstellung ein.

Flyer

Das ist erfahrungsgemäss immer etwas ganz Besonderes, hatte sie sich doch schon seit der Vorbereitung der Ausstellung zusammen mit der Gewandmeisterin Kristina Baumert und Rosa Tritschler intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und eingearbeitet – sich sozusagen ein Füllhorn an Wissen und Informationen geschaffen und bereit, mich daran teilhaben zu lassen.

Ausstellungsansicht
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Und nachdem nun endlich ein Treffen möglich war, haben wir uns auch die Zeit genommen und verbrachten anderthalb Stunden mit angeregtem Gespräch zwischen den tollen, in fünf Ausstellungsräumen präsentierten Exponaten. Herzlichen Dank nochmals, liebe Monika!

Ausstellungsansicht
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Die drei oben schon erwähnten Kuratorinnen widmen die Schau einem kleinen, alltäglichen Accessoire, einem meist 30 auf 30 cm grossen Stück Stoff, das längst von seiner Papiervariante abgelöst worden ist. Wenn das alles sein soll?

Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Aber nein! Wie man liest, steckt so viel mehr dahinter als ein Stofftüchlein zum Naseputzen, idealerweise parat für den Fall der Fälle.

„HAST DU EIN TASCHENTUCH, fragte die Mutter jeden Morgen am Haustor, bevor ich auf die Straße ging. Und weil ich keines hatte, ging ich nochmals ins Zimmer zurück und nahm mir ein Taschentuch. Ich hatte jeden Morgen keines, weil ich jeden Morgen auf die Frage wartete. Das Taschentuch war der Beweis, dass die Mutter mich am Morgen behütet. … Die Frage HAST DU EIN TASCHENTUCH war eine indirekte Zärtlichkeit.“

Mit diesen Worten beginnt wohl einer der eindrücklichsten Texte über ein kleines quadratisches Stück Textil: das Taschentuch. Herta Müller hielt jene berührende literarische Vorlesung 2009 anlässlich der Verleihung des Literaturnobelpreises.

Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Und es offenbarten sich in dieser Ausstellung neben Literatur und Poesie noch viel mehr Facetten: Kunst in Taschentuchformat, politischer Widerstand via Taschentuch, das Tüchlein als lebensbiographischer Begleiter, Zeit- und Sozialgeschichte und mehr. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin ganz begeistert und kann den Besuch nur wärmstens empfehlen.

Ausstellungsansicht
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Auch die nette Idee des Piloten Gail Halvorsen, das Taschentuch zweckentfremdet als Mini-Fallschirm einzusetzen, wird präsentiert. Während der Berlinblockade 1948/49, als die Alliierten ganz Berlin über den Luftweg mit Nahrungsmitteln und Gütern versorgten, hatten die „Rosinenbomber“ für die Berliner Kinder eine besondere Fracht an Bord: Kaugummis und Süssigkeiten, zu einem Bündel verschnürt und an Taschentüchern befestigt, fielen wie Fallschirme vom Himmel, sehr zur Freude von hunderten, täglich am Rollfeld wartenden Kindern. Diese Aktion hatte sich in Windeseile herumgesprochen und trug so auch ihren Teil zum Aufbau der deutsch-amerikanischen Freundschaft bei.

Kaugummis am Mini-Fallschirm
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Übrigens: Solche Taschentuchfallschirme können Kinder beim Ausstellungsbesuch nicht nur bewundern, sondern auch, wenn sie wollen, selbst nachbasteln.

Einen Schwerpunkt der Schau bildet die umfängliche Taschentuch-Sammlung von Liesel Becker.

Ausstellungsansicht – Taschentuch-Sammlung von Liesel Becker
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Seit den 1960er Jahren hat die ehemalige Gewerbelehrerin beinahe tausend Exemplare aus Seide, Batist, Leinen, Baumwolle zusammengetragen: Damen-, Herren-, Kindertaschentücher in jeder erdenklichen Ausführung, Braut-, Beerdigungs- und Kommunionstaschentücher, Familienerbstücke.

Taschentuch-Sammlung von Liesel Becker
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Aber es ist nicht nur die Menge, die hier beeindruckt, sondern vor allem die vielfältigen handgefertigten Spitzen, die die Taschentücher umrahmen, umsäumen, verzieren.

Petit Point-Stickerei
Taschentuch-Sammlung von Liesel Becker
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Häkel- und Klöppelspitze, Durchbruch und Hohlsaum, Assisi-, Richelieu-, Loch-, und Weissstickerei, Schatten-, Seiden- und Lupenstickerei werden hier auf das Schönste in Szene gesetzt.

Taschentuch-Sammlung von Liesel Becker
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Sie erzählen von dem geballtem Fleisspotential und der atemberaubenden Kunstfertigkeit ihrer damaligen Herstellerinnen – einfach umwerfend und heutzutage kaum noch vorstellbar.

Taschentuch-Sammlung von Liesel Becker
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Auf die Frage nach ihrer Motivation, eine Taschentuch-Sammlung anzulegen meint Liesel Becker: „Ich habe nicht gesammelt. Jedes dieser Taschentücher kam zu mir, wollte von mir gerettet werden.“

Taschentuch-Sammlung von Liesel Becker
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Sie fährt fort: „Mir erscheint es wie ein geheimes Netzwerk von Frauen verschiedener Generationen, das immer wieder neu durch die Taschentuchgabe geknüpft oder bestätigt wurde. Gearbeitet …

Taschentuch-Sammlung von Liesel Becker
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

… wurde das Tuch von der Mutter oder Oma oder Tante. Noch vor wenigen Jahrzehnten bekamen Mädchen zu einem ihrer Ehrentage – Kommunion, Konfirmation, Hochzeit – von einer älteren Frau aus der Familie ein selbst gefertigtes Taschentuch.“

Taschentuch-Sammlung von Liesel Becker
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Diese alte Sitte der generationenübergreifenden Kontaktpflege sei verloren gegangen, bedauert Liesel Becker.

Taschentuch-Sammlung von Liesel Becker
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Zudem würden die technischen Fertigkeiten zum Herstellen dieser zarten und diffizilen Handarbeiten nicht mehr vermittelt. „Es gibt keine Mütter, Tanten, Omas mehr, die ein solches Tuch umsäumen könnten.“ So ihr Resümee.

Taschentuch-Sammlung von Liesel Becker
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Dem möchte man erst einmal zustimmen. Handgefertigte Taschentücher, das war einmal. Doch die Kuratorinnen der Ausstellung sind bei ihren Recherchen auf höchst Aktuelles in Sachen Taschentuch gestossen.

Beatriz Schaaf-Giesser, Deutschland / Uruguay: Zusammen sind wir eins
Die Künstlerin befasst sich mit dem Thema Lunge – mit ihren mikroskopischen Strukturen, ihrer Form, ihrer Funktion, verschiedenen ihr zugeschriebenen Bedeutungen und den Auswirkungen dieser Auseinandersetzungen auf ihre Arbeit, auch in Zeiten der Pandemie.
Kleine Lungen bestehen aus zwei Lungenhälften, die aus Taschentüchern geformt und mit chirurgischem Nahtmaterial, Catgut, vernäht und fixiert wurden.
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

„Lasst unsere Hände sprechen” – die Künstlerin Beatriz Schaaf-Giesser (* 1961, Montevideo / Uruguay) hat mit ihrem erfolgreichen Projekt „global texture – das Taschentuchprojekt“ das quadratische Stück Stoff in Zeiten von Corona zu einem künstlerisch-kommunikativen Bedeutungsträger gemacht.

Beatriz Schaaf-Giesser, Deutschland / Uruguay: Zusammen sind wir eins, Detail
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Beatriz Schaaf-Giessers Arbeit „Bewahren“, die 2009 mit dem 1. Preis bei der V. Bienal Internacional de Arte Textil in Buenos Aires ausgezeichnet wurde, ist uns erst neulich im Rahmen der Ausstellung „FilzAspekte” begegnet, die man hier innerhalb der Ausstellungstipps Mai 2021 finden kann.

Ausstellungsansicht
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Nachdem die Künstlerin 2017 bei der VII. Bienal Internacional als Gastkünstlerin nach Montevideo eingeladen worden war, befand sie sich im März 2020 wieder in Uruguay um einen Workshop zu geben. Der Lockdown zwang sie zur Rückkehr nach Deutschland.

Gabriele Giesser, Deutschland: Mein Fingerlabyrinth (li)
Maria Castillo, Argentinien: Der Alltag wurde zur Herausforderung (re)
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Sie stellte sich die Frage, wie die Künstlerinnen in Südamerika, die besonders hart von den Auswirkungen der Pandemie in ihren Ländern betroffen sind, unterstützt werden könnten.

Heike Erath, Deutschland: Verbindungen Berührungen
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Ihr Aufruf im Netz, sich an einem „Taschentuchprojekt“ zu beteiligen, bei dem ein Taschentuch als Grundlage dienen sollte, hatte ein überwältigendes Echo.

Ausstellungsansicht
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

In den schwierigen Zeiten der Isolation, der Unsicherheit und Ungewissheit, so fand Beatriz Schaaf-Giesser, sei ein Gefühl …

Estela Halpert, Argentinien: #quedateencasa
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

… von Gemeinschaft wichtig: „Wenn die Hände arbeiten, ist der Kopf frei. Lasst eure Hände sprechen, um Gefühle, Gedanken oder Wünsche in kleine textile Geschichten zu verwandeln.“

Ulrike Rössler, Deutschland: Die Welt ist ein Taschentuch
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Fast 100 Künstlerinnen aus Südamerika und Europa beteiligten sich. Häufig benutzten …

Carola Franke Hölzermann, Deutschland: Beknöpftes Taschentuch (li)
Virginia Maldonado, Argentinien: despertad (re)
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

… die Teilnehmerinnen Taschentücher, die seit Jahrzehnten in einem Schrank aufbewahrt wurden …

Ausstellungsansicht
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

… Erinnerungsstücke an Mütter und Grossmütter.

Christine Rummel, Deutschland: Format Quadrat
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Das von Liesel Becker so benannte „geheime Netzwerk“ von Frauen ist in Zeiten von Corona …

Claudia Cappiello, Deutschland: Täglich
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

… im Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser in einer künstlerischen Form wiederbelebt worden.

Hildegard Lamp, Deutschland: Novembertag
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Die Ausstellung in Herxheim zeigt eine Reihe von Original-Arbeiten, alle …

Marisa Calduch Juvés: convivir el coronavirus
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

… verschieden und individuell gestaltet, Interpretationen einer Vielfalt von Ideen, die begeistern.

Marisa Calduch Juvés: convivir el coronavirus, Detail
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Einige Beispiele habe ich auf meinen Fotos eingefangen. Sehen Sie selbst.

Nicole Dzen-Sigel, Deutschland: Mind Walking II
„global texture” – das Taschentuchprojekt von Beatriz Schaaf-Giesser
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Weitere sind auf der Projekt-Website zu finden.

Die Taschentuchinstallation „ORDO L“ der Künstlerin Christine Sophie Bloess – noch vor Ausbruch der Pandemie kreiert – weist ahnungsvoll auf die Corona-Zeit hin.

Ausstellungsansicht
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

16 Herrentaschentücher sind die stoffliche Leinwand, auf der mikroskopische Bilder von Viren aufgedruckt wurden. Die Künstlerin fordert mit ihrer Arbeit dazu auf, über Klassifizierungen nachzudenken, mit deren Hilfe wir unsere Welt erschliessen. Jedes Klassifizierungssystem beeinflusst unsere Sicht der Dinge, wobei allerdings die Frage offen bleibt, inwieweit ein objektiv zutreffendes Bild vermittelt wird oder ob das System nur dazu dient, ein Chaos überschaubar zu machen.

Christine Sophie Bloess: ORDO L
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

In Anlehnung an das binäre System des schwedischen Naturforschers Carl v. Linné („L“) hat sie ihre Siebdrucke dual geordnet (Ordo). Vertikal: gleiche Motivwahl, horizontal: gleiche Farbästhetik.

Christine Sophie Bloess: ORDO L, Detail: Hepatitis-B-Virus
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

An einer Stelle wird dies durchbrochen: Der Grundriss einer Gartengestaltung nach P. J. Lenné passt keinesfalls hierhin. Dies soll die Reflexion über scheinbar Unumstössliches in Gang setzen.

Christine Sophie Bloess: ORDO L, Detail: P. J. Lenné, Grundriss von Charlottenhof
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Die Herrentaschentücher, denen etwas Altbackenes anhaftet, eignen sich aus der ironisch-weiblichen Sicht der Künstlerin als Bildträger und Klassifizierungsobjekte sehr gut, haben die Tücher doch seit Jahrzehnten ihr Aussehen kaum verändert. Gleichzeitig wird die Frage nach der Klassifizierung gestellt: Wann wird aus einem Gebrauchsgegenstand ein Kunstwerk?

Ihre Erinnerungen verwandelte Monika Brückner in ein textiles Kunstwerk. Ihre Grosstante musste im Winter 1945 mit ihrer Familie über das Haff von Königsberg nach Leipzig fliehen. In den Nächten nach der Flucht, wenn sie nicht schlafen konnte, umhäkelte die Grosstante Taschentücher, was ihr half, das Trauma der Vertreibung zu bearbeiten. 2016 stickte Monika Brückner den Fluchtweg auf ein Taschentuch.

Monika Brückner stickte den Fluchtweg der Grosstante auf ein Taschentuch
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Taschentücher eignen sich auch als Träger für politische Statements. So entstand 1912 ein weltberühmtes Taschentuch im Holloway Prison, einem Londoner Gefängnis, wo 66 Frauen wegen ihrer aufrührerischen Aktionen für das Frauenwahlrecht inhaftiert waren. Dort stickten sie ihre Namen auf ein weisses Taschentuch und schufen damit ein unnachahmliches Zeitdokument, das den Kampf der britischen Suffragetten für das Frauenwahlrecht veranschaulicht.

Ausstellungsansicht
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Ein heutiges politisches Statement sind die Taschentücher des „Tiny Pricks Project“ (Kleine Stiche), das die US-Amerikanerin Diana Weymar 2018 initiierte, als sie einen von ihr als lächerlich empfundenen Tweet von Donald Trump auf eine Handarbeit ihrer Grossmutter aus den 1960er Jahren stickte und im Netz veröffentlichte. Dies hat sich seitdem mit über 3600 Tiny Pricks und über tausend Teilnehmern weltweit zum grössten textilen Trump-Protest entwickelt.

Das Taschentuch bietet sich in seiner scheinbar harmlosen und allgegenwärtigen Materialität auch als Bedeutungsträger, als Botschaftsträger an.

Ausstellungsansicht – Rauminstallation von Kristina Baumert
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Die Rauminstallation von Kristina Baumert zeigt eine im Rokoko-Stil gekleidete Puppe, die ein Taschentuch in der linken Hand hält. Eine Dame im Zeitalter des Rokoko (etwa Mitte des 18. Jh.) zeigte damit an, dass sie es nicht nötig hatte zu arbeiten.

In der Schwulenszene New Yorks kommt in den 1970er Jahren der „Hanky Code“ (Kurzform vom englischen „handkerchief“ für Taschentuch) auf: Ein Taschentuch wird sichtbar beispielsweise in der Gesässtasche getragen und signalisiert über Farbe, Art sowie Tasche, in der es getragen wird, die sexuellen Präferenzen des Trägers.

Ausstellungsansicht – Rauminstallation von Kristina Baumert
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Von extremen menschlichen Krisensituationen erzählen besonders eindrücklich vier Taschentücher aus dem Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, die ebenfalls in der Herxheimer Ausstellung zu sehen sind. Im Depot der Gedenkstätte befinden sich verschiedene Taschentücher, welche von Gefangenen im KZ bestickt wurden.

Connie van Otten-Snijder, Niederlande, dünne Baumwolle farbig bestickt mit den Namen von Mitgefangenen. In der Mitte ist in quadratischer Form der Haftverlauf aufgestickt.
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Die Frauen im Lager fertigten die Stickereien zum Zeichen für Vernetzung und Zusammenhalt – vielleicht auch zur gegenseitigen Bestätigung – an. Sie sind ein bewegendes Zeugnis für die Selbstvergewisserung von Menschen unter extremen Gewalt- und Zwangsbedingungen. Heute sind diese Taschentücher Erinnerungsobjekte, die tief berühren.

Biedermeierpuppe mit Originalkleid
Kleid mit eingearbeiteter Tasche und Taschentuch
um 1840
Leihgabe Sammlung Wolfgang Knapp, Büro für Kulturwissenschaft, Mannheim
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Ein weiteres Kleinod, das in der Ausstellung zu bestaunen ist, ist das über und über mit Garnen und Garnbündeln bestickte Herrentaschentuch der Jane Grier aus dem Jahr 1892. Das Taschentuch ist eine textile Ikone aus der historischen Sammlung Prinzhorn des Universitätsmuseums Heidelberg. Das Taschentuch gehört zu einem der ersten Werke, die als Teil der kleinen Lehrsammlung vom promovierten Kunsthistoriker und Arzt Hans Prinzhorn (1887–1933) vorgefunden wurde, als er 1919 als Assistenzarzt an die Heidelberger Psychiatrie kam.

“Souvenir Tears”. Das Taschentuch der Jane Grier, 1892
Leihgabe der Sammlung Prinzhorn, Heidelberg
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Jane Grier war Patientin in der psychiatrischen Anstalt Pirna-Sonnenstein, als sie ein Taschentuch mit ihren Botschaften und „Souvenir Tears“ (Tränen der Erinnerung) bestickte. Es ist anzunehmen, dass sie als Gouvernante in den verschiedensten Sticktechniken geübt war. Als Patientin einer Anstalt konnte sie auf diese weiblichen Fertigkeiten zurückgreifen und hat mit einem überbordend bestickten Taschentuch ein Werk geschaffen, das bis heute Rätsel aufgibt.

Aus jetziger Sicht gibt es Parallelen. So ist das Taschentuch der Jane Grier auch in einer persönlichen „Lockdown-Situation“ in der psychiatrischen Anstalt entstanden. Liesse man den medizinhistorischen Kontext ausser Acht, so könnte die Arbeit von Jane Grier als ein künstlerischer Beitrag des heutigen „global texture”-Projektes von Schaaf-Giesser durchgehen.

Taschentuch-Sammlung von Liesel Becker
Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Herta Müller thematisiert in ihrer Nobelpreisrede das Leben in der Diktatur Ceausescus. Das Taschentuch in seiner puren Stofflichkeit und Neutralität wird für sie in Situationen der Demütigung zum Hoffnungszipfel, wenn man nichts mehr hat, ausser eben einem Taschentuch in der Tasche. Das Taschentuch ihrer Mutter mit der grossen Kraft der kleinen Geste half ihr, gegen die Widrigkeiten der rumänischen Gewaltherrschaft zu bestehen.

Als sie aufgrund von Schikanen ihres Vorgesetzten eines Tages aus ihrem Büro verwiesen wird und der Verlust ihres Arbeitsplatzes droht, geben ihr ein paar Quadratzentimeter Taschentuch Halt.

„Ich ging die Treppen ein paarmal auf und ab – plötzlich war ich wieder das Kind meiner Mutter, denn ICH HATTE EIN TASCHENTUCH. Ich legte es zwischen der ersten und zweiten Etage auf eine Treppenstufe, strich es glatt, dass es ordentlich liegt, und setzte mich drauf. Meine dicken Wörterbücher legte ich aufs Knie und übersetzte die Beschreibung von hydraulischen Maschinen. Ich war ein Treppenwitz und mein Büro ein Taschentuch.“

Ausstellung „Taschentücher – Trost & Tränen im Quadrat“ im Museum Herxheim

Zum Abschluss ziehe ich symbolisch mein eigenes Taschentuch hervor und winke allen zum Abschied zu. Meine Empfehlung, diese tolle Ausstellung mit ihren vielfältigen Aspekten zu besuchen, gilt. Sehr sehenswert!

Ein Katalog zur Ausstellung ist derzeit in Arbeit.

Auch interessant:
Nobelvorlesung von Herta Müller am 7. Dezember 2009

Info:

30. Mai – 26. September 2021

Taschentücher – Trost & Tränen auf kleinem Quadrat

Museum Herxheim
Untere Hauptstrasse 153
76863 Herxheim
Deutschland

www.museum-herxheim.de

Flyer

Öffnungszeiten:
Do / Fr: 14 – 19 Uhr
Sa / So: 11 – 18 Uhr
Di / Mi: nach Vereinbarung
Mo: geschlossen

Rahmenprogramm:
So, 22. August 2021, 11 Uhr
Midissage mit Beatriz Schaaf-Giesser, Liesel Becker u.a.

Fr, 27. August 2021, 17 Uhr
Gesprächsabend mit Liesel Becker

So, 5. September 2021, 11 Uhr
Matinée-Lesung mit Sieglinde Eberhard

So, 26. September 2021, 17 Uhr
Finissage mit Beatriz Schaaf-Giesser und ihrem Kunstprojekt

Näheres im Flyer. Bitte informieren Sie sich tagesaktuell auf der Website des Museums, auch über weitere Angebote.

 

Der Beitrag entstand auch unter Verwendung der Saaltexte und des mir von Monika Brückner freundlicherweise zur Verfügung gestellten Pressetextes.

Alle Fotos: © Gudrun Heinz mit freundlicher Erlaubnis des Museums

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Kommentare zu diesem Artikel

21 Antworten

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  • Frauke Noldt

    Was für ein wunderbarer Bericht über diese tolle Ausstellung. Auch  ich liebe und nutze noch immer diese wunderbaren, oft mit soviel Liebe, Aufwand und Geschick verzierten kleinen Stoffstücke. Ich habe noch einige sehr schöne und besonders verzierte Exemplare die ich hüte wie kleine Schätze und sie gelegentlich anschaue, ohne sie zu benutzen, einfach weil sie so schön sind. Danke liebe Gudrun für diesen tollen Beitrag. Auch mein Sohn weigert sich, auf seine Stofftücher zu verzichten, zumal gerade Herrentaschentücher die reinsten Vielzweckartikel sind.

    • Gudrun Heinz

      halli hallo frauke,

      herzlichen dank! wie gut, dass taschentücher nur ein kleines format haben. so waren / sind sie geradezu prädestiniert, um besonders schön verziert zu werden (ohne dass dies ewig dauert) und dass sie von liebhaber*innen ‘wie kleine schätze’ gehütet werden können (ohne dass dies riesig viel platz beansprucht). ich wünsche dir weiter viel vergnügen beim gelegentlichen betrachten. ich kann dies gut nachvollziehen, ich habe diverse, teils geerbte kleinere sammlungen und schöne dinge. ich stelle sie mir ein paar mal im jahr immer wieder in anderen kombinationen in einer vitrine neu zusammen – nur zu unserer eigenen plaisir. das nächste mal muss da unbedingt auch ein spitzentaschentuch dazu!

      und zum ‘vielzweckartikel’ hat sich ja alfred polgar (siehe im bericht) auch schon geäussert – das kenne ich auch von meinem vater her. ohne ging gar nicht 🙂

      nochmals danke schön und

      beste grüsse

      gudrun

  • Rita Huber

    Danke für den tollen Bericht über die Taschentuchausstellung. Ich benutze auch immer Stofftaschentücher, erinnere mich gerne auch an die Handarbeitschulzeit. Da durfte man in der Zwischenzeit Taschentücher umhäkeln, bis alle Schülerinnen mit dem jeweiligen Projekt fertig waren. Momentan hat man Mühe, Stofftaschentücher zu kaufen. In einigen Warenhäuser gibt es sie nicht mehr mit der Bemerkung, das sei nicht hygienisch. – Man könnte sie ja nach jedem Gebrauch waschen, was bei mir so gehandhabt wird -. Auf alle Fälle spare ich so Papiertaschentücher und die Taschentücher aus Stoff haben immer Platz in der Weisswäsche. 

    • Gudrun Heinz

      halli hallo rita,

      auch dir ein herzliches dankeschön zurück für deinen kommentar. wie schön, dass dir ausstellung und bericht gefallen, freut mich sehr. na klar, muss man die stofftaschentücher regelmässig waschen und dadurch haben sie halt leider nicht das ewige leben. ich hoffe, dass du immer wieder schönen nachschub kaufen kannst.

      beste grüsse

      gudrun

  • . Siebensachen

    Liebe Gudrun,vielen Dank für den Bericht über die Ausstellung. Ich würde sie gern besuchen, scheue aber die Fahrt …Als ich meinem Mann davon berichtet habe, fragte er mich (rhetorisch): An wie vielen Tagen im Jahr habe ich ein Stofftaschentuch in der Tasche? – An allen natürlich!Eine kleine Geschichte möchte ich hier noch erzählen – auch von meinem Mann. Als Oberstufenschüler hat er einmal bei einer Biologieklausur ein Stofftaschentuch als Spickzettel verwendet. Er hatte es nicht eingesehen, die vielen Aminosäurekombinationen auswendig zu lernen und sich statt dessen einen Farbcode überlegt, eine Auflistung der Kombinationen ausgedacht, die er dann in vier verschiedenen Farben mit Kreuzstich in ein Taschentuch gestickt hat. Da das Ganze für einen Außenstehenden völlig harmlos aussah, konnte er das Tuch sogar während der Arbeit auf seinem Tisch liegen lassen und immer bei Bedarf die gebrauchte Information davon ablesen. Leider existiert das Taschentuch nicht mehr – das Ereignis ist auch schon etliche Jahrzehnte her – sonst würde ich hier ein Foto anhängen.Liebe Grüße und vielen Dank für die zahlreichen Ausstellungsberichte in der Vergangenheit.Siebensachen

    • Gudrun Heinz

      halli hallo siebensachen,

      1000 dank für dein interessantes echo auf diesen ausstellungsbericht. so schön zu lesen, welch ausserordentlich kreative idee dein mann mit hilfe eines taschentuchs in die tat umgesetzt hat – hoffentlich erfolgreich, aber das dürfte ja inzwischen verjährt sein 🙂 wirklich schade, dass es nicht mehr existiert.

      du scheust die fahrt, schreibst du. dies kann ich einerseits nachvollziehen, ich war gestern mit der db unterwegs und die zugfahrt war abenteuerlich, ist aber letztlich noch gut ausgegangen. andererseits lohnt sich die taschentuch-ausstellung wirklich sehr. vielleicht könntest du den besuch ja noch mit einem anderen ziel verbinden?

      wie auch immer, nochmals dankeschön und

      beste grüsse, auch an deinen mann,

      gudrun

  • Silke Steffgen

    MoinDie Ausstellung würde ich mir auch gerne anschauen. Kommt die auch mal nach Oldenburg? Ich benutze auch nur Stofftaschentücher, seit ich mal die Papiertücher in der Waschmaschine hatte. Meine Freundinnen und meine Familie belächeln mich und meinen, dass ich altmodisch sei. Was soll’s. Ich bin nur meiner Zeit voraus. Und es ist mein Beitrag zum Umweltschutz 😉

    • Gudrun Heinz

      halli hallo silke,

      vielen dank für deinen freundlichen kommentar. freut mich sehr zu lesen. soweit ich weiss, wandert die ausstellung leider nicht. aber ich werde mich erkundigen, vielleicht ist ja was zu machen, wenn die diesbezügliche nachfrage grösser ist. mal sehen!

      ich finde, belächeln lassen musst du dich überhaupt nicht – schön, dass du drüber stehst 🙂

      beste grüsse

      gudrun

  • stille

    So viele tolle Taschentücher. Da wird mir ein wenig komisch ums Herz, denn ich habe die ganzen Stofftaschentücher, die in der Familie keiner mehr wollte, rübergereicht bekommen. … und nutze die heute noch selbstverständlichst. Auch die, welche ich umhäkelt habe.. soweit ich sie noch habe. 🙂 Zu meiner Freude hat sich eine meiner Töchter eines Tages einen Stapel geholt.
    Tempotaschentücher mag ich nicht – spätestens zu dem Zeitpunkt, als ich welche, die den Kindern in die Strupfhosen gerutscht waren, versehentlich mitgewaschen habe. Die ganze Wäsche aus der Maschine war voller weiser Fusseln. Ja, heutzutage sind da längere Fasern verarbeitet und es macht keine Sauerrei mehr, wenn man mal eins mitwaschen sollte. … Aber, aber genau das ist auch ein Problem. Man nutzt heutzutage also hoch- bzw. höherwertige Fasern, die eigentlich spinnfähig wären, für EinwegWegwerfprodukte.
    Hmm. Ich glaube, ich bleibe lieber bei meinen Stofftüchlein – und mein Mann so wie so.

    • Gudrun Heinz

      halli hallo,

      vielen dank für das freundliche feedback. freut mich sehr, diese zeilen zu lesen. wie schön, dass die stofftaschentücher in ehren gehalten werden. was die papier-variante betrifft, so stimmt das schon, gerät mal eins in einer tasche vergessenes mit in die waschmaschinenwäsche, so fusselt es auch heute noch. ist mir erst kürzlich mal wieder passiert und ärgert mich dann auch.

      aber gerade im fall von laufender nase bei krankheiten haben diese tücher doch einen hygienischen vorteil und den schätze ich persönlich sehr. auch wenn es sich bei heuschnupfen um eine allergische reaktion handelt und dabei – im gegensatz zum ‘normalen’ schnupfen – keine viren im spiel sind.

      also, ich halte es hier mit friedrich dem grossen: jeder nach seiner façon 🙂

      beste grüsse

      gudrun

  • Birgit Berndt

    Hallo Gudrun,

    was für eine schöne Ausstellung. Die würde ich mir auch gern ansehen. Wie gut, dass du so ausführlich darüber berichtest. Stofftaschentücher habe ich immer dabei, sind mir lieber. Auch einige umhäkelte Schätze habe ich.

    Viele Grüße

    Birgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,

      vielen dank für deine liebe antwort – ich hab’s mir schon gedacht, dass dir die spitzen gefallen 🙂

      ich, mit meinem heuschnupfen, nehme lieber die sorte ‘tempo’ und hau’ die dann raus. aber mein vater war auch so einer, der ohne ‘sacktuch’ nicht auskam. und das wurde dann für allerhand eingesetzt, daher  war mindestens jeden morgen ein frisches fällig.

      ich habe als schulkind die sommerferien oft bei meiner grossmutter verbracht, die zusammen mit meiner tante, onkel und zwei cousinen im selben haus mit grossem garten eher ländlich wohnte. dann und wann kam dann auch mal eine weissnäherin ins haus, die sich über den flickkorb hermachte und sich dazu an grossmutters gusseiserne tret-nähmaschine setzte. abgewetzte manschetten wurden so ermeuert: an der unterseite hinten am hemd wurde ein passendes stoffstück ausgeschnitten für die reparatur und die entstandene lücke mit einem taschentuch ersetzt. ich habe da mit viel freude dabei zugesehen und das fräulein wettengel war auch so nett 🙂

      beste sonntägliche grüsse

      gudrun

  • Wiebke Maschitzki

    Liebe Gudrun!

    Da werden tatsächlich Erinnerungen wach. Vielen Dank, den Rundgang hätte ich auch gerne gemacht. Bunte Taschentücher gabs früher zum Geburtstag und die umhäkelten zur Konfirmation. Ich hab das Umhäkeln auch noch gelernt.

    Aus vielen alten Taschentüchern und den Stoffen ihrer Kleidung bekam unsere Tochter ihren ersten Quilt. Mein Lieblingstaschentuch – der Struwelpeter – mußte da mit eingenäht werden.

    Ein Stofftaschentuch ist heute bei mir in jeder Tasche.

    Liebe Grüße

    wiebke

    Taschentuch

    • Gudrun Heinz

      halli hallo wiebke,

      wie schön, du zeigst uns gleich ein detail aus einem quilt, in den du ein taschentuch eingearbeitet hast! siehst du, das ist ja quasi eine doppelte erinnerung. ein struwwelpeter-tüchlein würdest du heute wohl nur noch schwer finden, schätze ich. auf meinem lieblingstaschentuch, das ich als kind hatte, war ein pudel aufgedruckt. es war aus batist und sehr weich – eigentlich eher ein schmusetuch. leider hatte der dünne stoff kein langes leben und es existiert nicht mehr. aber ich habe mit solchen tüchlein auch unter den augen meiner mutter erste bügel-versuche unternommen – wenn ich da dran denke … 🙂

      vielen dank für deinen kommentar, über den ich mich sehr freue! lass’ es dir weiter gut gehen und frohes schaffen. bin gespannt auf deinen nächsten beitrag hier im blog!

      beste grüsse

      gudrun

      • Wiebke Maschitzki

        Herrlich! Bei mir war es genauso.

        Ich durfte zum Schluss der Bügelei Taschentücher bügeln, also meiner Mutter “helfen”.

        Einen schönen Sonntag und

        liebe Grüße

        Wiebke

  • sabinemoertz

    Liebe Gudrun, ich hatte ja keine Ahnung, wieviele Philosophin hinter dem einfachen Taschentuch stecken!!! Ich freue mich, deinen Artikel gelesen zu haben, danke! Mir reichen eben keine Taschentücher mehr, bei der schwülen Luft, ich brauche kleine, alte, leinene Geschirrtücher!

    Herzlichen Gruß! Sabine

    • Gudrun Heinz

      halli hallo sabine,

      vielen dank zurück auch an dich, freut mich sehr! so ein kleines stück stoff und so vieles dahinter, diese ausstellung hat es in sich. das habe ich ja schon versucht, in meinem beitrag darzustellen. es gibt aber noch viel mehr zu sehen als ich zeigen kann und es ist schade, dass für dich der weg aus schweden natürlich zu weit ist.

      die wetterlage in kombination mit dem klimawandel hat dir hohe temperaturen beschert, während sich hier eine hochwasserkatastrophe im westen deutschlands abspielt. zum glück wohne ich nicht dort, aber die menschen sind nicht zu beneiden, haben zum teil alles verloren, sogar ihr leben. da schwitzen wir doch lieber, oder?

      ein schönes wochenende und

      beste grüsse

      gudrun

  • ERIKA BORNEMANN

    Liebe Gudrun,

    erstaunlich , in welch einer Vielfalt die Taschentücher gestaltet wurden . Die mit den traumhaften, zarten Spitzen sind zu schade , um sie zu benutzen. Es steckt ja unglaublich viel Arbeit darin.

    Das Taschentuch-Gedicht hat mir besonders gut gefallen.

    Vielen Dank für deinen Beitrag !

    Liebe Grüße

    Erika

     

    • Gudrun Heinz

      halli hallo erika,

      dir auch vielen dank! ja, so ein alltagsgegenstand hat es zum kunstwerk geschafft. wobei ich die tollen spitzen und durchbruchstickereien zum kunsthandwerk zählen möchte, so geschmackvoll und versiert ausgeführt, wie manche sind. es kamen bei mir erinnerungen hoch an meine mutter und grossmütter, die ebenfalls nicht ohne taschentuch aus dem haus gingen. und es waren dann immer zwei in der handtasche: ein ‘normales’ zum gebrauch und eins mit einer kleinen spitzenumrandung, das hervorgeholt wurde, wenn es die leute sahen. wie z.b. bei einer beerdigung, um sich ein paar tränchen abzutupfen.

      freut mich sehr, dass dir mein artikel gefallen hat.

      ein schönes wochenende und

      beste grüsse

      gudrun

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