Kreative Artikel zum Thema Quilten

Mein Quilt für Japan

Endlich ist er fertig: mein Quilt für Japan! Mittelgroß (118 mal 148 cm, also ein “Lap Quilt”), nichts Kompliziertes, aber auch so ein Quilt braucht seine Zeit …

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Viele Quilterinnen haben ja ganz schnell gespendet, d.h. sie konnten auf ein fertiges Teil zurückgreifen. Für mich begann es dagegen mit der Frage: was genau will ich machen und woraus? Sehr bald stand  fest, dass ich den gemusterten Stoff verwenden wollte, übrigens ein T-Shirt-Jersey, der ursprünglich von Kollektionsmusterware übrig geblieben war, aber bei mir nie eine Verwendung für Bekleidung gefunden hatte.

Um diesen Stoff herum ergab sich das Design des Quilts. Das Muster ist so “laut”, dass sich nur anbot, es mit Weiß und Unis zu “beruhigen”. Natürlich könnte man es gegen weitere Muster patchen und damit überraschende, schräge und sicher auch harmonische Ergebnisse hervorbringen, aber das muss jemand anderes tun. Ich funktioniere eher reduktionistisch.

Was tut man also, um aus einem einzelnen Dessin ein Patchworkthema zu entwickeln? Man kombiniert das Dessin mit Unis, die im Muster stark vertreten sind (oder einer Auswahl davon) und sucht sich eine neutrale Basis. Ich hatte einige der vorkommenden Farben im Vorrat, und Weiß natürlich auch. Allerdings wollte ich Weiß nur untergeordnet verwenden und die Basis eher mit Sand erweitern, einfach weil ich mir einbildete, dass in den schwierigen Verhältnissen – ohne eigenes Obdach – Weiß nicht gerade die pflegeleichteste Farbe ist. Andererseits sind die Japaner für Klarheit und Perfektion und z.B. auch penible Reinheit ihrer Produktionsanlagen bekannt, sodass dieses “Problem” vielleicht nur in der Denke der schwäbischen (oder vielmehr badischen) Hausfrau existiert.

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Der erste Schritt war, das bunte Muster in Streifen zu schneiden und die Farbwirkung durch weiße zwischengesetzte Streifen frischer und leichter zu machen. T-Shirt-Jersey kann man übrigens gut verarbeiten, wenn man die Rückseite mit ganz dünner aufbügelbarer Vlieseline versteift. Eine hervorragende Gelegenheit, dafür eine Handvoll sonst unvermittelbarer Einlage-Kleinreste aufzubrauchen. Sowohl die bunten als auch die weißen Streifen habe ich ganz bewusst schief und in verschiedenen Breiten zugeschnitten.

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Da ich den Jersey nicht nur aus einem zusammenhängenden Stück herausgeschnitten habe, wurden die Streifen unterschiedlich lang. Entsprechend sortiert, entstanden allein dadurch verschieden große Streifenblöcke. Als Nächstes bekam jeder Block einen farbigen Kontrapunkt. Auch hier habe ich auf schräge Linien und unterschiedliche Größen geachtet.

So weit, so gut. Aber jetzt, nachdem die Kern-Blöcke fertig waren, wurde es ein bisschen schwierig. Wie schon gesagt, eigentlich wollte ich es ja mit Weiß nicht übertreiben, was bedeutet hätte, die Blöcke in Sand einzufassen. Das wäre dann aber ziemlich “verkaschtelt” geworden, und ich mag es lieber großzügig und offen. Also blieb es bei Weiß, und ich schaute mir schon mal an, welche Arten der Anordnung in Frage kamen:

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Sehr viel Auswahl war nicht: entweder alle Streifen in eine Richtung, oder immer abwechselnd um 90° gedreht. Die gedrehte Variante wirkt unruhiger, ein bisschen wie Karo, ganz spannend, aber nach einiger Überlegung wollte ich doch lieber das strengere Layout.

Nun ging es noch darum, wie viel Abstand die Blöcke bekommen sollten. Nach einigem Legen und Messen entschied ich mich für 7 cm breite Streifen, die ich in Blockhaus-Manier um die Blöcke herum nähte. Danach wurden die immer noch ungleichen, aber jetzt größeren Blöcke mittels einer Papierschablone auf gleiches Maß gebracht (32 x 32 cm). Vor dem Zusammenfügen bekam jeder Block ein Papierschnipselchen mit Nummer aufgesteckt – so geht das Zusammennähen ganz problemlos. Das fertige Patchwork bekam schließlich einen breiten, weißen Rand.

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Für die Rückseite kam dann doch noch das Sand zum Einsatz. Aber nicht alleine: für einen guten Quilt gehört es sich, dass auch hinten ein bisschen was “dran” ist, wenn möglich, ein Zitat des Themas der Frontseite. Pointiert, schlicht und unaufwändig – das war am besten mit den 4 Kombinationsfarben plus Weiß zu erreichen.

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Im nachhinein betrachtet hätte ich den hinteren Farbblock lieber etwas flacher gehalten, da die horizontalen Trennlinien gerade auf die schief-waagrechten Stepplinien zu liegen kommen, sich aber nicht genau treffen können. Für solche gestalterischen Uneindeutigkeiten gibt es eigentlich Minuspunkte 😉 … aber gut, ich definiere das jetzt mal einfach als meine Prise Gee’s Bend – damit ist es Kunst und wieder OK.

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Ganz schön mühsam fand ich das Quilten. Es fing schon damit an, dass ich eigentlich Free Motion Quilting versuchen wollte, aber trotz der mäßigen Größe des Quilts kaum Platz zum Tanz mit der Nadel übrig hatte. Das war also nichts. Parallele Linien im Sinne eines Rasters fielen ebenfalls flach, da diese gegen die Unregelmäßigkeit der Blöcke gearbeitet hätten. Das einzig Gangbare war Quilten im Schatten der Naht, und so habe ich es denn auch gemacht. Das bedeutete allerdings ständiges Wenden und damit Schieben, Ziehen und Durchstopfen des Quilts durch die Nähmachine. Dass Quilterinnen spezielle Handschuhe benutzen, wusste ich ja … jetzt weiß ich auch ganz praktisch, wozu. Welch ein Glück, dass ich noch ein Paar ganz normale Gummihandschuhe im Hause hatte!

Unentbehrlich war auch der Bernina Obertransportfuß #50, beim Quilten genauso wie nachher zum Ansteppen des Einfassbandes. Die Einfassung ist übrigens nicht mit dem Kanteneinfasser genäht, sondern ganz orthodox mit doppelt gelegtem, geradem Band (6,5 cm breit zugeschnitten) und von Hand angesäumt. Die schwarze Randlinie gibt dem Quilt noch einen zusätzlichen Akzent.

decke-gefaltet.jpg

Alles in allem hat mir der Quilt viel Spaß gemacht, und ich werde “es” ganz bestimmt wieder tun. Genau genommen rattert jetzt schon die Ideenmaschine.

Allerdings werde ich wohl eine Freundin der kleinen Form bleiben – mal ganz abgesehen davon, dass kaum jemand mehr als ein paar Decken braucht. Platz nehmen die Dinger schließlich auch in Anspruch …

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Kommentare zu diesem Artikel

18 Responses

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  • Ursula Gottschall

    Hallo Manuela,

    das ist ja toll! Danke für die Info.

    Wahrscheinlich hat keine der Spenderinnen, mich eingeschlossen, sich konkret erkundigt, was der Versand für ein einzelnes Teil kosten würde. Glücklicherweise mussten wir es auch nicht – nochmal ein großes Dankeschön an alle, die die Versandaktionen so toll organisiert und gesponsert haben!

    Ich hätte gedacht, dass es teurer kommt. Du hattest einen kleinen, leichten Quilt (naja, so schwer sind die ja alle nicht), aber trotzdem. Sooo viel mehr als Ins benachbarte Ausland scheint es nicht mal zu kosten …

    Viele Grüße
    Ursula

  • Manuela

    Ich wollte euch noch eben über den letzten Stand meines kleinen BabyBoy Quilt’s unterrichten.
    Freitagmittag, in einem Schuhkarton verpackt zur Post gebracht, dachte ich das geht als Päckchen in die weite Welt. Ein kleines Anschreiben mit der Bitte um kurze Rückmeldung lag dabei.
    Und dann war ich sehr erstaunt, dass dieser Schuhkarton noch als BRIEF raus ging. Ich konnte es kaum glauben, das ganze dann für 7,00 statt 13,90 Euro. Bin nicht sicher, ob das jetzt am Gewicht oder an der der Kartongröße lag.

    Zu meiner größten Überraschung allerdings, hatte ich schon heute morgen eine Bestätigungsmail von Naomi in meinem Postfach ;o))

    DANKE nochmal für’s helfen.

    Liebe Grüße
    Manuela

  • gheinz

    hallo manuela,
    DOCH es gibt zollbestimmungen. ich hatte auch die nummer, die anzugeben ist, damit es zollfrei geht. schick mir mal bitte eine private mail an info(at)quiltsundmehr.de
    gruss gudrun

  • Manuela

    DANKE für’s loben ;o)

    Ich habe bei Machemer angerufen, da läuft derzeit keine Aktion mehr. Sollte wieder mehr Interesse aufkommen läuft ggf. wieder eine Aktion an.
    Darauf hin habe ich mal die Päckchenpreise bei der Post erkundet. Päckchen international wären 13,90€. Egal ob Japan oder Schweiz. Da kann ich es also wohl auch direkt versenden.
    Um irgendwelche Einfuhrbestimmungen habe ich mich jetzt noch nicht gekümmert. Ich kann mir nicht vorstellen dass man für einen Quilt irgendwas zahlen muss ?!
    Liebe Grüße
    Manuela

  • Gudrun Heinz

    hallo manuela,
    dein quilt ist allerliebst! kompliment!

    ich habe e-mail-anfragen laufen bei machemer und cotton und color, die zwar in riehen bei basel (ch) sitzen, aber anfänglich auch eine deutsche adresse zum einsenden angegeben hatten. leider hat seit gestern noch niemand darauf geantwortet. auf den websites ist nichts zu finden. vielleicht rufst du mal bei machemer direkt an, denn langsam rennt die zeit weg. bei einfuhr in die schweiz gibt es auch noch zollbestimmungen, zumal wenn du mit der post schickst, die auch noch einiges an porto kostet …

    sollte ich infos erhalten, gebe ich sie hier sehr gern weiter.

    beste grüsse
    gudrun

  • Ursula Gottschall

    Hallo Manuela,

    ein hübscher Quilt für einen kleinen Jungen! Und das Fleece als Rückseite macht ihn ganz bestimmt schön kuschelig.

    Gruß
    Ursula

  • Manuela

    Hallo Ursula & Grudrun,
    vielen Dank dass ihr mir bei der Suche behilflich seid.
    Machemer wäre für mich die einfachste Variante, aber die Schweiz wäre wohl ansonsten auch noch einfach zu erreichen.
    Bin mir nicht ganz sicher, wie man hier Fotos einfügt, daher hier ein Link zu meinem Blog
    http://yara-stickt.blogspot.com/2011/05/japan-quilt.html
    Liebe Grüße
    Manuela

  • Gudrun Heinz

    halli hallo,

    eine sammelstelle in der schweiz für quilts, die nach japan gehen sollen, unterhält noch bis ende mai die textilkünstlerin marianne häni, http://www.mariannehaeni.com/ – bitte dort näheres erfragen.

    wie es für deutschland aussieht, weiss ich noch nicht. eine anfrage bei nähwelt machemer in aschaffenburg läuft. ich werde die info hier bekanntgeben, sobald sie mir vorliegt.

    beste grüsse
    gudrun

  • Ursula Gottschall

    Hallo Manuela,

    klasse! Bin gespannt auf das Bild.

    Frau Schiwy hat letzte Woche verschickt. Es sind übrigens 250 Quilts zusammen gekommen. Sie hatte schon Rückmeldung aus Japan, dass Quilts bereits verteilt wurden, wahrscheinlich aus früheren Lieferungen anderer Spender, und die Leute sehr gerührt waren.

    Soweit ich mich erinnere, sammelt Cooton&Color noch weiter.

    @alle
    Ich freue mich sehr, dass Euch der Quilt so gut gefällt. Dann wird er hoffentlich auch dem Empfänger Freude machen.

    Gruß
    Ursula

  • Manuela

    Hallo zusammen,
    ich war beim nähen meines Japan Quiltes auch nicht die schnellste, und so ist erst gestern Abend mein BabyBoy Quilt fertig geworden.
    Ein Bild muß ich heute nachmittag noch machen.
    Meine Frage ist nun, ob und wo noch Quilts gesammelt werden.
    Wäre nett, wenn ihr mir helfen würdet.

  • Ursula Gottschall

    Ups … natürlich VOR dem Zuschneiden, sonst ringelt sich beim ersten Schereneinsatz alles weg! War mir gar nicht klar, dass das missverständlich war …

  • Claudia Geiser

    Liebe Ursula,

    ein wirklich hübscher Quilt! Bin sehr gespannt auf Deine weiteren Werke! Ich habe übrigens gerade einen Quilt mit Nickiquadraten gemacht (mehr dazu demnächst). Damit sich selbiger nicht verzieht, habe ich VOR dem zuschneiden mit Vliesofix einen dünnen Baumwollstoff auf die Rückseite gebügelt und erst danach zugeschnitten. Das ging auch prima.

    Liebe Grüße
    Claudia

  • Gudrun Heinz

    hallo ursula,
    ich schliesse mich an: wirklich ein sehr gelungenes stück, das, so könnte ich mir vorstellen, dem japanischen geschmack entgegenkommt. und auch gut, dass du uns an deinen gedanken teilhaben lässt.
    jetzt finde ich es noch spannend, ob wir aus japan irgendein echo vernehmen werden, aber vorerst ist die ladung von letzter woche ja noch unterwegs.
    beste grüsse
    gudrun

  • Ursula Gottschall

    Hallo Wiebke,

    danke für das Lob – und für den Tipp! Bügelbatist kannte ich noch nicht.

    Das müsste dann wohl unter sehr feiner Gewebeeinlage laufen? In der Industrie wird ja viel gewebte Einlage verwendet, jedenfalls kenne ich sie von dort, während man sie im Stoffhandel nur wenig findet. Manche schwören drauf, weil sie besser stabilisiert, andere meiden sie, weil es Probleme mit unterschiedlichem Krumpf (=Einlaufen) von Oberstoff und Einlage geben kann. Wahrscheinlich ein typischer Fall von ‘kommt drauf an’ …

    Überhaupt bin ich immer wieder fasziniert, was “der Industrie” alles zur Verfügung steht – Knöpfe, Zubehör, you name it – und wie wenig davon für die “normale” Hobbynäherin erreichbar ist (oder wenn, zu welchen Preisen). Immerhin, durch die Online-Shops ist es heute deutlich besser als vor 20 Jahren …

    Gruß
    Ursula

  • Wiebke

    Hallo Ursula !
    Noch schnell was zum Hinterbügeln . Es gibt einen” Bügelbatist” – ich meine, er heißt wirklich so – zum Aufbügeln. Sogar in zwei verschiedenen Stärken. Dann hat man einen zweiten Stoff drunter – find ich angenhmer. Besonders gut geeignet für Seide, die dann problemlos zerschnippelt und wieder zusammengenäht werden kann.
    Also nochmals – weiterhin viel Freude wünscht Wiebke

  • Wiebke

    Hallo Ursula !
    Ein gelungenes Stück ! Farblich harmonisch, eine schöne Größe, das Muster ist nicht totgequiltet – einfach super. Da lacht das Quilterherz und freut sich, dass Du eine solche Arbeit nach Japan schickst. Bei mir gingen ein Kissen, ein Rucksack und Stoffe bei dawanda in den Erdbebenshop.
    Viel Freude weiterhin beim Planen, Nähen und Quilten Deiner schönen Arbeiten wünscht Wiebke

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