Kreative Artikel zum Thema Quilten

Jelly Roll Rug – Ein bunter Teppich aus Stoffstreifen

Wann immer ich in den letzten Monaten durch die sozialen Medien stöberte, begegnete ich diesen fröhlichen Teppichen – und kriegte sie nicht mehr aus dem Kopf. So ähnlich wie man bei Ohrwürmern mitsingen muss, musste ich diese Teppiche aus schmalen Stoffstreifen einfach mitnähen…

Nähanleitung Jelly Roll Rug

Eine Warnung vorweg: der Spass- und Suchtfaktor ist hoch!

Die Idee für einen solchen Jelly Roll Rug stammt von RJ Design für Roma Quilts. Nachdem ich diverse Tutorial-Videos und Blogs über diese Stoffstreifenteppiche gesehen und studiert hatte, habe ich mich selber hingesetzt und losgenäht. Was ich dabei gelernt habe, meine Tipps und Tricks und wie ihr diese bunten Teppiche überhaupt nähen könnt, zeige ich euch in diesem Beitrag!

Katahdin on-a-Roll Batting with a Jelly Roll and Mettler Threads

Material:

  • 1 Jelly Roll oder 40 Stoffstreifen (Webware) à 6.4 x 110cm
  • 1 grosse Katahdin On-A-Roll Rolle (2.5 x 50 yds.) oder 6.4cm breite Vliesstreifen mit einer Länge von total ca. 42m
  • viel Garn in den gewünschten Farben

ausserdem von Vorteil:

  • Jeansnähnadel für die Nähmaschine
  • eine kleine Kartonrolle z.B. eine leere Toilettenpapierrolle

Bei diesem Teppich habe ich eine “1001 Colors Sushi Roll warm colors” von Lecien Fabrics verwendet. Beim Garn wählte ich jeweils die passende Farbe aus meinem Silk Finish Cotton-Fadenkoffer von Mettler aus. 

So wird’s gemacht:

1.) Zuerst beschäftigt ihr euch mit der gewünschten Farbfolge für euren Teppich. Ihr könnt entweder die Stoffrolle einfach aufrollen und es so dabei belassen oder ihr sortiert euch die Streifen so lange, bis euch der Farbverlauf gefällt.

Farbverlauf Stoffstreifen

Ich habe hier die Farbfolge von der Jelly Roll übernommen und nichts daran geändert.

2.) Anschliessend näht ihr die Streifen zu einem einzigen langen Streifen zusammen. Dafür nehmt ihr die obersten zwei Streifen und legt sie rechtwinklig, rechts auf rechts aufeinander. Achtet darauf, dass ihr die Reihenfolge nicht durcheinander bringt. Näht mit einem Geradstich diagonal durch. Um mir die Richtung zu merken hilft mir folgendes Bild, welches ich vor einiger Zeit in einem Forum gelesen habe: stellt euch die beiden Streifen als die beiden Schenkel des Grossbuchstabens A vor und näht nun den dazwischenliegenden Balken. 

Streifen schräg zusammennähenStreifen für Jelly Roll Rug nähen

Da bei meinen verwendeten Stoffen die Webkante nicht auffiel, habe ich mich grosszügig auch nicht darum gekümmert. Wenn sich die Webkante aber zum Beispiel farblich abhebt, kann man sie entweder vorher jeweils abschneiden oder die Stoffe etwas versetzt aufeinander legen, wie ich auf folgenden Bild zeige:

Wenn ihr eine Diagonale genäht habt, schneidet ihr den Faden nicht ab sondern dreht das noch lose Ende des letzteren Streifen so um, dass die rechte Seite nach oben zeigt und legt Streifen Nummer 3 analog wie vorher (also rechts auf rechts und rechtwinklig) auf den unteren Streifen und näht wieder die Diagonale. Ihr müsst also weder verknüpfen noch Faden abschneiden und bekommt an Schluss eine Art Kette. Man nennt das deshalb Kettennähen oder Chain-Piecing-Prinzip und schaut am Schluss wie beim nächsten Bild aus.

Wenn ihr so alle Streifen aneinander genäht habt, schneidet ihr die “Verkettungen” dazwischen durch und die Ecken bis auf die Nahtzugabe zurück:

3.) Nun bügelt ihr alle Nahtzugaben flach auseinander. Jetzt kommt auch die Kartonrolle zum Zuge: Während dem Bügeln rolle ich den Stoffstreifen nach und nach auf eine leere Toilettenpapierrolle auf. Das bringt Ordnung ins Chaos, hilft mir für den nächsten Schritt und nebenbei kann man gleich noch kontrollieren, ob alle Nahtzugaben auf der linken Seite sind und man nicht aus Versehen zwei Streifen verkehrt herum zusammengenäht hat.

4.) Jetzt werden die Streifen zusammen mit dem Vlies zu einem Band genäht. Dazu legt ihr das Vlies auf die linke Seite des Stoffstreifens, wobei ihr den Stoff beim Anfang ein wenig übrig lässt, so dass ihr ihn ungefähr 1cm umklappen könnt. So habt ihr schlussendlich einen sauberen Anfang bzw. Abschluss. Dann klappt ihr beide langen Seiten knapp bis zur Hälfte ein und klappt das Ganze nun zusammen. Wer mag, fixiert das nun mit ein paar Klammern.

Ich habe nur den Anfang mit Klammern fixiert. Nun habe ich den Kniehebel meiner Maschine zweckentfremdet und die Stoff- und die Vliesrolle daran angehängt. Vorteil: kein Stoff-Vlies-Chaos und praktisch, weil einfach nichts herumliegt. So kann man das Band auch gut über mehrere Tage verteilt zusammennähen, ohne dass über 40m Stoffstreifen und ebensoviel Vlies am Boden herumliegt. 

Mit der Nähmaschine näht ihr nun mit einer Jeansnadel und dem Geradstich das Band relativ knappkantig – z.B. Füsschenbreit mit Nadelposition ganz rechts – zusammen. Dabei habe ich eine etwas längere Stichlänge gewählt, also etwa 3mm. Kontrolliert nach ein paar Stichen unbedingt die Fadenspannung. Da ich ja alles schön auf den Rollen hatte, faltete ich den Streifen jeweils gleich während dem Nähen zu einem Band zusammen. Das braucht am Anfang etwas Übung, aber mit der Zeit hat man den Dreh gut raus. Vielleicht liegt es euch aber auch besser, wenn ihr das Band vorbereitet und mit Klammern zusammenhaltet.

weitere Tipps:

  • Ihr könnt für alles eine einzige Fadenfarbe nehmen oder jeweils dem Farbton anpassen. 
  • Wer mag bereitet sich vorher noch mehrere passende Unterfadenspulen vor.
  • Stellt den Nadelstopp eurer Nähmaschine auf “unten” ein, wenn ihr diese Möglichkeit habt.

Und so wird nun der ganze Streifen mit dem Vlies zu einem ungefähr 41m langen Band zusammengenäht. 

5.) Es hilft euch für die weitere Verarbeitung, wenn ihr das Bandchaos nun zu einer Kugel rollt. Beginnt mit dem Bandende, welches beim fertigen Teppich ganz aussen liegen soll. Das heisst, dass die Farbe, die schlussendlich als Letztes aufgerollt wird, die Mitte des Teppichs sein wird. Achtet darauf, dass das Band schön flach liegt und sich beim Aufrollen nicht verdreht.

Tipp:

Dreht jeweils den ‘Ball’ um das Band aufzurollen und nicht das Band um die Kugel! Wie beim Schneemannbauen, wo man den Schneeball durch den Schnee rollt, bis man eine grosse Kugel hat. Ansonsten verdreht sich das Band nämlich immer mehr, was dann ziemlich mühsam ist. 

6.) Und wieder geht’s an die Nähmaschine! Ihr legt euch folgendes bereit:

  • farblich passendes Nähgarn
  • Nähmaschinenpinsel
  • eine Schüssel
  • Schere, kann man immer brauchen

Weitere Vorbereitungen:

Die Bandkugel kommt in die Schüssel, damit sie euch beim Nähen nicht quer durchs Zimmer rollt. Reinigt eure Nähmaschine kurz mit dem Pinsel, vor allem auch unter der Stichplatte. Da haben sich nämlich mittlerweile bestimmt schon viele Flusen festgesetzt. Bei der Nähmaschine stellt ihr den Zickzackstich ein. Ich habe die Stichbreite 5mm und die Stichlänge 2mm eingestellt.

Spätestens jetzt müsst ihr euch überlegt haben, ob ihr den Teppich oval oder lieber rund haben möchtet.

7.) Alles liegt nun bereit und das Zusammennähen kann beginnen: ihr nehmt den Bandanfang und klappt das Band nach ein paar Zentimeter um. Je nachdem ob ihr euch für einen runden oder für einen ovalen Teppich entschieden habt, schaut das dann so aus:

So wird der Teppich oval! Je länger der erste Streifen, desto ovaler bzw. schmaler wird der Teppich.

der Anfang vom Jelly Roll Rug Teppich

Für einen runden Teppich klappt ihr das Band möglichst nach wenigen Zentimetern um.

Und nun näht ihr mit dem Zickzackstich beide Seiten zusammen:

Wenn ihr unten ankommt, klappt ihr das Band noch ein zweites Mal um 180grad und näht weiter. Von nun an legt ihr das Band möglichst rund um diese Mitte und näht weiter. Zu Beginn kann es wegen den engen Kurven etwas knifflig sein (darum kippe ich das Band anfangs auch um, statt rundherum zu nähen), das wird aber mit jeder Umrundung einfacher. 

Weitere Tipps:

Achtet unbedingt darauf, dass euer Teppich nach links wächst. Sonst habt ihr dann unter dem Freiarm ein Platzproblem.

Bügelt den Teppich anfangs regelmässig, damit er schön flach bleibt. Manchmal hilft auch zusätzlich etwas Sprühstärke. Ich habe zu Beginn ungefähr nach jedem Stoffstreifen gebügelt, später dann nur, wenn er etwas wellig zu werden drohte. Ich habe oft auch Dampf verwendet und den Teppich nach dem Bügeln kurz liegend auskühlen lassen.

Zum Thema “Wellen vermeiden”: es ist von Vorteil, wenn der Teppich beim Nähen möglichst flach liegt. Entweder habt ihr einen grösseren Quilt-Anschiebetisch oder ihr behelft euch ganz pragmatisch mit Büchern, Schachteln und Ähnlichem. Um optimal Platz zu haben habe ich meinen Näharbeitsplatz kurzerhand an den Esstisch im Wohnzimmer.

Ich habe den Oberfaden regelmässig gewechselt und der Stofffarbe angepasst, zumindest dem Ton nach. Beim Unterfaden bin ich immer bei der gleichen Farbe geblieben, da war mir das viele Wechseln (und somit Aufspulen) etwas zu mühsam.

der jeweiligen Stofffarbe angepasste Garnfarbe

8.) Für den Abschluss habe ich das letzte Bandstück einfach unter den Teppich verlaufen lassen und dabei kontinuierlich die Stichbreite verringert.

Hier am Beispiel meines ovalen Teppichs.

Fertig!

Nun könnt ihr noch ein hübsches Plätzchen für euren Jelly Roll Rug finden und das angenehme Trittgefühl geniessen!

Übrigens: wer nun den Jelly Roll-Rug nachnäht und dabei ebenso die Katahdin-Rolle benützt, wird am Schluss noch ungefähr 2-3m Vliesstreifen übrig haben. Wie ihr aus diesem Rest und dem gleichen Prinzip ein kleines Utensilo-Körbchen nähen könnt, zeige ich euch nächste Woche!

Liebe Grüsse,

Franzisca

Jelly Roll Rug

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Kommentare zu diesem Artikel

12 Responses

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  • Andrea Leutenegger

    Liebe Franzisca

    vielen Dank für deinen schnelle Antwort, das hat mir sehr geholfen!! Nein, schmaler würde ich die Stoffstreifen nicht machen, aber breiter das ist eine gute Idee, vielen Dank!! Das der Teppich dann etwas weniger dick würde, wäre genau meine Vorstellung.

    Liebe Grüsse

    Andrea

  • Andrea Leutenegger

    wie dick wird so ein Teppich? Könnte die Vlieseinlage auch halb so Breit sein wie die Stoffstreifen?

    Liebe Grüsse Andrea

    • Franzisca

      Liebe Andrea

      ich habe gleich nachgemessen: der Teppich ist ungefähr 7-9mm dick. Du kannst die Vlieseinlage auch schmaler als den Stoffstreifen machen, der Teppich wird dann etwas weniger dick. Natürlich kannst Du übrigens auch die Breite der Stoffstreifen ändern. Sie sollten einfach nicht zu schmal sein, sonst wird es dann beim Zusammenfalten und -nähen mühsam! 😉

      Ich hoffe, das hilft Dir weiter!

      Liebe Grüsse und viel Spass beim Nähen

      Franzisca

      • Andrea Leutenegger

        Liebe Franzisca

        vielen Dank für deinen schnelle Antwort, das hat mir sehr geholfen!! Nein, schmaler würde ich die Stoffstreifen nicht machen, aber breiter das ist eine gute Idee, vielen Dank!! Das der Teppich dann etwas weniger dick würde, wäre genau meine Vorstellung.

        Liebe Grüsse

        Andre

      • Andrea Leutenegger

        Liebe Franzisca

        eine Frage habe ich noch, wenn ich die Vliesstreifen ja selber zuschneiden würde, wegen schmaler und so, und keine solche Rolle benutzen würde, was für ein Vlies sollte ich dan dafür nehmen? Es gibt ja so viele…

        vielen Dank und liebe Grüsse

        Andrea

      • Franzisca

        Liebe Andrea

        Ich würde Dir ein dünnes Baumwollvlies empfehlen. Ich persönlich mag die Vliese von Quilters Dream, z.B. Cotton Select Loft – ein Allrounder und ziemlich dünn. Es gibt aber auch von Hobbs das Heirloom Premium Cotton, welches auch ziemlich gut sein sollte (entweder das 100% Baumwoll oder das 80/20, welches 20% Polyester enthält).

        Hilft Dir das weiter?

        Herzliche Grüsse

        Franzisca

  • Maria Franke

    Ich habe dies auf der Nadelwelt angeschaut und war total begeistert. Nur wo bekomme ich das o. g. Füllmaterial her. Ich wollte es auf der Messe kaufen, aber es war schon ausverkauft. Viele Grüße Maria Franke

    • sabinemoertz

      Liebe Maria, sicherlich in einigen online shops, so auch hier: quiltmania.de

       

      Viel Spaß! Sabine

    • Franzisca

      Hallo zupu54,

      Das war tatsächlich praktisch und ich war froh, um die Ordnung 🙂 Ich habe die Kartonrolle übrigens noch etwas kürzen müssen, damit es mit der Vliesrolle zusammen auf den Kniehebel passt.

      Liebe Grüsse,

      Franzisca

  • Jutta Hellbach

    Hallo Franziska,

    die Arbeit hat sich gelohnt, der Teppich ist total klasse. Die Farben sind knallbunt und die passende Form dazu ergeben ein cooles Design. Danke für deine Anleitung 🙂

    Liebe Grüße,

    Jutta

    • Franzisca

      Hallo Jutta,

      vielen Dank! Ich freue mich, dass Dir das knallbunte Design auch gefällt! 🙂

      Herzlich,
      Franzisca

Liebe Leserin, lieber Leser des BERNINA Blogs,

um Bilder über die Kommentarfunktion zu veröffentlichen, melde Dich im Blog bitte an.Hier geht es zur Anmeldung.

Du hast dich noch nicht für den BERNINA Blog registriert?Hier geht es zur Registrierung.

Herzlichen Dank, Dein BERNINA Blog-Team