Kreative Artikel zum Thema Quilten

Spielzeug (und eine Anleitung für einen Tischläufer)

Ich wäre gerne eine Minimalistin. Wirklich. Ich besuche andere Leute in ihren Häusern und denke: Oh, wie schön. Klare Linien, wenige, aber ausgesuchte Möbel und Accessoires, kein Rummel, keine Sammelleidenschaft. Jedes Staubkorn, jede Wollmaus würde sich hüten, sich dort niederzulassen. Jetzt könnte man ja denken, alle, die meine Leidenschaft fürs Nähen teilen, sind so gestrickt wie ich. Erst mal “haben”. Nähmaschinen, Stoffe, Garne, Werkzeuge.

Weit gefehlt. Auch da gibt es Minimalistinnen, die es schaffen, mit der Tretnähmaschine ihrer Großmutter die mit der Heckenschere zerschnittenen Stoffreste zu einem wunderschönen Quilt zu verarbeiten. Meine Bewunderung für diese Menschen ist grenzenlos.

Ich geniesse dagegen all mein Spielzeug. Mal ganz abgesehen von dem Rolls Royce unter den Nähmaschinen muss ich natürlich auch lauter Schnickschnack ausprobieren. Werkzeuge, Lineale, Vliese, Garne – fragt nicht. Und ganz viel davon wird einmal gebraucht: ich denke mir “jooohhh, ganz nett”, dann verschwindet es in einer Schublade und ward nie mehr gesehen. Aber hier und da sind auch mal ein paar Dinge dabei, die mir die Arbeit erleichtern, sie genauer machen und vor allem SCHNELLER.

Das ist nämlich eine weitere Leidenschaft von mir. Schnelligkeit. Nix da mit “der Weg ist das Ziel”. Wenn ich mich selber lobe, dann deutlich öfter mit den inneren Worten: Boah, bin ich schnell! und recht selten mit: mein Gott, habe ich das gut gemacht. Richtig, das sollte mir zu denken geben. Aber da setzt dann ein gewisser Fatalismus ein, der sagt: Wenn ich das bis zum zarten Alter von 55 nicht hinbekommen habe, muss man sich jetzt für die letzten 25 oder 30 Jahre auch nicht mehr abmühen.

Und da es eine ganze Reihe von Näherinnen gibt, die diese Vorliebe für nützliche Werkzeuge (aka Spielzeug) teilen, dachte ich mir – ich zeige Euch mal nach und nach meine Lieblinge und wie man sie benutzt. Dazu hat der Gatte dann gestern mit meinem Handy ein Video gemacht – SUPER professionell … die “Dreharbeiten” haben also ungefähr 10 Minuten gedauert, dann habe ich drei Stunden damit verbracht herauszufinden, wie man denn zwei Videos aneinanderfügt, noch länger um das 4-minütige Video auf YouTube hochzuladen und dann eine ganze Nacht, in der ich über die Vorteile von Perücken, Face-Lifts, Null-Diäten und den Einsatz von Doubles nachgedacht habe. Denkt also daran, bevor Ihr nach Ansicht des Videos auf das Daumen runter Symbol klickt und kommentiert: “Geh doch mal zum Frisör, Grete – du siehst ja aus wie eine Kräuterhexe”. Egal.

Hier also das Video:

Und nun zur Anleitung für meinen Half Square Triangle Tischläufer (den man natürlich auch OHNE das Lineal ganz prima machen kann):

Tutorial für einen Tischläufer mit Half Square Triangles

Materialbedarf:

  • 24 Stoffquadrate 5″ x 5″ (ich habe ein Charm Pack der Serie North Woods von Kate Spain verwendet, die restlichen 18 Quadrate werden für ein Kissen verwendet)
  • 40 cm weißer Baumwollstoff (Bella Solid Bleached White – 9900-98) – daraus ebenfalls 24 Stoffquadrate von 5″ x 5″ schneiden
  • 50 cm farblich passender Baumwollstoff für Rücken und Binding ( Bella Solid Grass – 9900-228)
  • 35 cm H 640 Bügelvlies
  • Farblich passendes Garn (ich hatte zum quilten als Oberfaden Aurifil 2024 weiß und als Unterfaden Aurifil 1147 Light Leaf Green genommen)
  • Markierstift (Kreidestift, Trickmarker oder ein Bleistift tut es auch)
  • zum Heften entweder Positionierspray, Reihgarn oder Sicherheitsnadeln

Nähen:

Zunächst werden auf der Rückseite aller weißen Quadrate diagonale Linien von einer Ecke zur anderen gezogen.

Markieren

Ein buntes Quadrat und ein weißes Quadrat rechts auf rechts zusammenlegen, mit zwei Nadeln feststecken und mit ein 1/4″ Nahtzugabe rechts und links von der eingezeichneten Linie absteppen.

Stecken

Danach mit einem Lineal und dem Rollschneider entlang der eingezeichneten Linie schneiden. Man hat jetzt zwei identische Half Square Triangles. Nun werden die Nahtzugaben in Richtung des dunkleren Stoffes gebügelt.

bügeln

Dieses Quadrat soll nun auf 4″ x 4″ begradigt werden. Das kann man mit seinem normalen Inch Lineal machen, indem man die auf dem Lineal markierte 45 Grad-Linie auf die diagonale Linie zwischen den beiden Stoffen legt und dann von allen Seiten entsprechend begradigt. Schneller geht es mit einem solchen Spezial-Lineal. Dort wird die Seite des Lineals mit dem Logo auf den Teil des Quadrates OHNE Nahtzugabe gelegt (in diesem Fall das weiße Dreieck), dann schiebt man das Lineal in Richtung der Nahtzugabe bis man spürt, wie diese in der eingefrästen Kerbe einrastet. Darauf achten, dass am unteren und linken Teil  (dem Teil der also noch vom Lineal verdeckt wird) noch genügend Stoff jenseits der 4″-Linie vorhanden ist, dann rechts und oben mit dem Rollschneider begradigen.

messen

Das Lineal wieder mittig über das Quadrat schieben und dann um 90 Grad drehen (das Logo und der weiße Stoffe liegen jetzt auf der rechten Seite)

drehen

Nun wird die 4″-Linie von beiden Seiten an die gerade geschnittenen Kanten angelegt, und die beiden überstehenden Seiten mit dem Rollschneider begradigt.

nochmal schneiden

fertige HSTs

Wenn Ihr jetzt also alle Eure HSTs begradigt habt (Liebt Ihr auch diese Schnipselhäufchen? Ich würde die immer am liebsten behalten), geht es an das Auslegen und Aneinandernähen Eurer Blöcke.

Blöcke zusammensetzen

Das Aneinandernähen könnt Ihr natürlich machen, wie Ihr wollt – entweder 4 Half-Square-Triangle Quadrate zu einem Block zusammensetzen und dann diese Blöcke in 2er Reihen zusammennähen oder gleich Reihen von einzelnen HSTs machen. Nun wird das Bügelvlies auf die Rückseite Eures Tops gebügelt. Gut auskühlen lassen und den gebügelten Rückenstoff mit Klebespray, Reihgarn oder Sicherheitsnadeln darunter befestigen.

heften

Jetzt geht es ans Quilten. Dafür habe ich erst einmal von der Vorderseite im Nahtschatten die bunten Blöcke gequiltet und einmal knappkantig rundherum genäht.

Nahtschatten quilten

Die überstehenden Ränder des Rückenstoffes abschneiden.

Jedenfalls hatte ich dann damit auf der Rückseite schon mal dieses Karomuster, um noch ein paar Rundungen einzubauen.

Wellen quilten

Die zeichnet Ihr am besten vorher mit einem Kreidstift oder Trickmarker ein. Dafür braucht Ihr ein großes rundes Objekt. Ein Teller geht da prima. Ich habe immer die Rundungen an einer Ecke des Quadrates angelegt und an der Ecke des danebenliegenden Quadrates beendet. Dann den Teller umdrehen und nochmals von den gleichen Ecken ausgehend eine Rundung einzeichnen (das sieht dann aus wie ein Auge). Diese Linien dann mit dem BSR-Fuß oder Eurem Lieblingsquiltfuß von der Rückseite freihand abfahren (nicht vergessen, das weiße Garn in den Unterfaden und das grüne Garn in den Oberfaden zu packen :o)

quiltmuster

 

fertiger Läufer

Zum Schluß noch das Binding anbringen (wie das geht habe ich hier erklärt) – und fertig ist der Läufer.

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