Kreative Artikel zum Thema Nähen

Praktische Nähhelfer – von simpel bis raffiniert

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Ich gebe es zu: Ich stehe auf Dinge, die das Nähen leichter machen. Im Idealfall sind das kleine Gerätschaften oder Zubehörteile, die in die Nähschublade passen und bei Bedarf hervorgezaubert werden können. Manche dieser praktischen Helfer gibt’s im gut sortierten Handel, andere sind in Europa (noch) relativ unbekannt, in Japan oder Nordamerika hingegen Standard. Ich habe Euch eine kleine Liste zusammengestellt und auch vermerkt, für wann das jeweilige Gimmick geeignet ist.

Magnetische Nadelkissen – ein Klassiker

Gut möglich, dass Ihr das schon lange kennt und (hoffentlich) auch besitzt. Da ich aber immer und überall die klassischen Nadelkissen sehe, möchte ich es nochmals ausdrücklich sagen: Wer das magnetische Nadelkissen ausprobiert, der möchte es nicht mehr hergeben. Die Nadeln müssen nicht einzeln zurückgesteckt werden, sondern werden durch den Magneten angezogen. Und nach einer Nähsession lassen sich alle Nadeln aufsammeln. Fazit: Must have für alle.


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Mini-“Bügeleisen” – funktioniert auch ohne Strom

Nein, das ist kein Löffelchen und auch kein Schaber, sondern eines der genialsten Teile in meinem Nähreich: eine Art Minibügeleisen. Im Prinzip löst es ein klassisches Dilemma: Bügeln zwischen den Arbeitsschritten ist wichtig – doch wer hat schon ein eigenes Nähzimmer, in dem das Bügelbrett und Bügeleisen fest installiert sind? Eben. Gerade, wenn nur Nahtzugaben aufeinander gebügelt werden sollen, reicht dieses weisse Stäbchen vollkommen. Fazit: Kleines Ding, grosse Wirkung. Für alle, die gerne Webware verarbeiten.

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Stoffklammern – zwicken statt stechen

Nadeln sind fein – so lange sie nicht in Fingerkuppen oder unter Nägeln stecken. Kleinere Unfälle gehören zum Nähen dazu, schon klar. Aber es gibt Projekte, bei denen ich sehr gerne die Nadeln gegen diese praktischen Clips tausche (Wonder Clips, Hersteller: Clover). Die Klammern gibt es in verschiedenen Grössen. Sie sind in der Quilting-Szene beliebt und kommen bei mir immer dann zum Einsatz, wenn ich mehrere Stofflagen fixieren möchte (also eine Art Heften ohne Faden), oder wenn eine dicke Einlage sich partout nicht durchstechen lässt. Tipp: Mittlerweile gibt es günstigere Nachahmer-Produkte. In diesem Fall lohnt es sich aber wirklich, beim Original zu bleiben, da sich die Klammern dort leichter öffnen lassen. Fazit: Nette Ergänzung für das Nähkästchen. Anfänger kommen aber auch ohne aus.

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Stylefix – Klebestreifen mal anders

Nein, auch das ist kein neues Produkt. Aber erstaunlicherweise gibt es immer noch Leute, die dieses dünne, doppelseitig klebende Band namens Stylefix nicht besitzen. Ich könnte nicht mehr ohne das Zauberband leben. Ich klebe damit Schnittteile fest, bevor ich absteppe, oder Hemdentaschen, die beim Annähen immer so leicht verrutschen. Stylefix eignet sich auch, um Webbänder an Ort und Stelle zu halten. Ein paar Worte zur Anwendung: Die Klebeschicht im Stylefix wird durch Wärme und Reibung aktiviert. Heisst: Nach dem Kleben etwas Drüberreiben. Der Streifen trägt nicht auf und verrutscht auch nach vielen Wäschen nicht. (Was aber egal wäre, da man ihn ja nicht mehr sieht, sobald die Stofflagen festgenäht sind.) Manchmal brauche ich keinen Streifen, sondern eher einen Aufkleber, um beispielsweise eine Applikation “anzukleben”. Dafür gibt es die Stylefix Patches (Hersteller: Farbenmix), also Klebepunkte (Durchmesser 3cm), die genau wie das Band funktionieren. Mittlerweile bietet auch die Firma Snaply mit “Wonder Tape” ein ähnliches Produkt an. Fazit: Prima Helfer für nahezu alle Nähsituationen.

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 Bügellineal – unfallfrei gerade Kanten bügeln

Ich gebe zu, dieser kleine Helfer hier fällt möglicherweise in die Rubrik “Dinge, die die Welt nicht braucht”. Man kann sicherlich auch ohne die bügelfeste Minimatte “Iron Ruler” (Hersteller: Clover) Bügelkanten produzieren. Und doch: Ich habe mich mit der Zeit sehr an das kleine Ding aus hitzeresistentem Material (greift sich an wie Filz) gewöhnt. Wenn man es etwas geschickt anstellt, fällt der Arbeitsschritt “Saum abstecken” komplett weg. Die Markierungen geben die Spur vor. Übrigens: Die halbrunde Ecke könnte man auch zum Ausformen von Aufsatztaschen benutzen, wenngleich ich die Taschenschablone (s. u.) praktischer finde. Fazit: Im englischsprachigen Raum würde man sagen: Nice to have. Also nicht sensationell gut, aber nett. Doch, wirklich nett.

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 Taschenschablone – zum Ausformen perfekter Rundungen

Das hier ist wiederum etwas, das ich nicht mehr hergeben würde. Die beiden Metallteile ergeben zusammen eine Schablone, um aufgesetzte Taschen ausformen zu können. Das grössere Element hat halbrunde “Ecken” mit unterschiedlichen Krümmungswinkeln. Heisst: Es kann nicht nur eine bestimmte Tasche, sondern ganz unterschiedliche Varianten hergestellt werden. Von einer eher rechtwinkligen Tasche bis hin zu einer im unteren Bereich runden. Ich habe für mein Beispiel eine runde Tasche (Länge der gekrümmten Zone: 30mm) hergestellt. Ich schätze, die Bilder sind selbsterklärend. Da die gesamte Schablone aus Metall ist, ist sie hitzeunempfindlich. Die Spitze des Bügeleisens passt exakt in die Öffnung des kleineren Schablonenteils. Der Stoff wird entsprechend der Schablone nach innen gelegt und gut gebügelt. Das sieht dann, wenn eine Seite fertig ist, so wie auf dem unteren Bild aus. Exakt, oder? Fazit. Tolles Gimmick für Leute, die auch mal ein Oberhemd nähen. Alle anderen können getrost darauf verzichten.

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 Wonder Dots – oder: nie wieder ausgerissene Druckknöpfe und Ösen

Druckknöpfe sind toll. Sie sind schnell angebracht und halten was aus – aber nur, wenn der Stoff nicht dehnbar ist. Druckknöpfe, die in Jersey, Interlock und Co. eingeschlagen werden, sollten zum einen winzige krallenartige Ausstülpungen haben, damit der Knopf nicht bei der ersten Belastung ausreisst. Eine zweite gute Idee ist es, die Stelle, an der der Drücker hinkommen soll, vorher zu verstärken. Ich empfehle Euch dafür die Wonder Dots (Hersteller: Snaply). Das sind – vereinfacht gesprochen – kreisförmige Vliesstücke. Sie werden aufgebügelt, bevor der Stoff gestanzt und mit Knopf bzw. Öse versehen wird. Eigentlich etwas Simples, aber unverzichtbar, wenn man ein professionelles Endergebnis wünscht. Fazit: Wer viel mit Maschenware arbeitet (Hoodies, Strampler, Jäckchen usw.), braucht diese Dinger unbedingt.

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Knipser – so klappt’s mit den Markierungen

Nähanfänger lernen sehr früh, wie wichtig es ist, alle Markierungen und Knipse zu übernehmen. Ich sage nur: Ärmelvorder- und Rückseite. Jetzt führen bekanntlich viele Wege nach Rom oder zu einer guten Markierung. Optimisten zeichnen den Stoff gerne mit Kreide an. Aus Erfahrung kann ich aber sagen, dass das fast nie hält. Kaum legt man das Projekt mal weg oder klappt den Stoff zwei, drei Mal auf und zu, sind die Striche weg. Ich habe lange Zeit kleine Dreiecke in den Stoff geschnitten. Das war und ist keine exakte Wissenschaft, und nicht selten haut man dabei zu tief in den Stoff. Meine Lösung: Seit einiger Zeit knipse ich Stoffstückchen heraus. Das funktioniert prima mit dieser kleinen Zange, die eigentlich für einen anderen Zweck konstruiert wurde. Das Ding, es heisst “Pattern Notcher” (Hersteller unbekannt), soll eigentlich dabei helfen, die Knipse vom Originalschnitt auf das abgepauste Schnittmusterteil aus Papier zu übertragen. Tja, wie ich herausgefunden habe, kann man auch direkt in den Stoff zwicken. Da die kleine Zange nur wenige Millimeter ausstanzt, besteht die Gefahr nicht, dass man zu tief schneidet. Ich gebe zu, dass das besonders bei Maschenware Sinn macht, da dort oft in einem Schritt vernäht und versäubert wird. Bei Webware ist es hingegen so, dass man (ich!) dann doch über die Knipse overlockt, da der Stoff schliesslicher versäubert werden muss. Fazit: Eine nette Spierlei. Ich mags, aber ich verstehe jeden, der sich an dieser Stelle an den Kopf langt.

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Simflex – die Knopfleisten-Ziehharmonika

Gebt es ruhig zu, auf dieses Teil habt Ihr die ganze Zeit gewartet. Ja, es ist wirklich speziell, und ja, es ist brilliant. Das ist eine Art Metallziehharmonika, perfekt um Abstände beim Nähen festzulegen. Das Ding heisst Expanding Sewing Gauge (Hersteller: Simflex, in Bloggerkreisen nennen wir das ganze Ding aber auch so) und ist in Europa ungefähr so häufig wie wild lebende Wölfe. Ich habe mein Zauberteil in den USA bestellt – gelegentlich findet man es auch in Grossbritannien oder den Niederlanden. Was kann es? Abgesehen davon, dass es immer für Lacher sorgt, ist es sehr nützlich. Ich mache zwischenzeitlich alle Knopfleisten mit dem Ding. Ihr müsst im Prinzip nur eine Mittellinie anzeichnen – und schon könnt Ihr den Knopfabstand festlegen. Es gibt Aussparungen im Metall, damit horizontale Markierungen angelegt werden können. Simflex hilft auch bei der Positionierung von Falten und kann selbstverständlich auch in anderen Haushaltsbereichen verwendet werden. I love it!

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Schwierigkeitsgrad: Anfänger
Verwendete Produkte:
BERNINA 555
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BERNINA 700D
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BERNINA L 220
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