Kreative Artikel zum Thema Nähen

Was macht man aus … ein ungewöhnliches Material und die Auswahl des passenden Schnitts

Als experimentierfreudige Näherin komme ich ja immer mal auf ungewöhnliche Ideen. Heute habe ich also mal wieder in meiner Nähkiste gewühlt und von einer Shoppingtour in einem Stoffladen noch drei Meter Lack-Stoff gefunden. Ja, richtig. Lack. Stark glänzend, schon als Rohmaterial aneinanderklebend und extrem steif. Ein Stoff, der nichts verzeiht und sich schlecht verarbeiten lässt.

Aber: Ich habe es unwissend erworben und muss mich jetzt damit herumschlagen.IMG_3540

Die erste Überlegung ist also: Was macht man aus Lack? Naheliegend wäre eine Tasche. Immerhin bleibt das Material hübsch von alleine stehen, braucht kaum Vlies und ist wasserabweisend. Nur optisch … weiß ich nicht so recht. Das wird schnell an die feinen Umhänge-Täschchen meiner Uroma erinnern.

Der zweite Klassiker wäre der Lack-Schuh. Warum ich diesen Gedanken nicht weiterverfolgt habe, muss ich wohl nicht erklären. Welche Alternativen habe ich also, mein Schnäppchen-Material zu verarbeiten?

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Ich liebe Kurzmäntel! Also ging natürlich gleich meine integrierte Kurzmantel-Fertigungslampe an. Juhu, das wäre doch was! Wobei … wäre das nicht sehr … Gothic-Mode? Nicht, dass ich vor modischen Einflüssen von Subkulturen zurückschrecke, aber ganz ehrlich: Ein Lack-Mantel? Das klingt sogar für meine kreative Fantasie verrückt.

Dann kann ich gleich eine Korsage aus Lack nähen (nicht, dass ich eine Korsage nähen könnte, der letzte Versuch, Miederstäbchenband zu verarbeiten war … sprechen wir nicht drüber). Erst jetzt wird mir bewusst, das Lack nicht nur hübsch glänzt und wasserabweisend ist, sondern dass es noch ein paar ganz andere Klischees bedienen kann, wenn ich nicht aufpasse. Uff. Da habe ich mir aber ein kompliziertes Denkspiel auferlegt.

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Also bleibt mir jetzt eigentlich nur noch, einen einfachen, unkomplizierten, möglichst nicht zu körpernahen Schnitt zu wählen, um nicht in die üblichen Klischees zu spielen. Soweit, so gut.

Bleibt mir noch die Wahl zwischen Hose, Jacke, Kleid und Rock. Die Hose ist wohl schwierig, weit zu schneiden, ohne dass ich an irgendeiner Stelle einen Abnäher brauche, und wenn’s nur um die Anpassung an der Taille geht. Also fällt das schon mal aus. Jacke … Eigentlich könnte ich daraus auch ein Regencape nähen. Die Näharbeit muss eben nur auf Anhieb funktionieren, jedes Trennen hinterlässt Löcher. Am Ende habe ich dann eher ein löchriges Gebilde als eine Jacke. Für so komplizierte Manöver muss ich mich erst mit dem Material anfreunden. Und bei einem Kleid fehlt mir die Fantasie dafür, wie sich das Material als Oberteil verarbeitet anfühlt.

Bleibt noch die letzte Option: Ein Rock. Auf Anhieb klingt auch das verrückt und total daneben, aber, was, wenn ich keinen superkurzen Rock daraus nähe? Beim Durchsuchen meiner Schnitt-Kiste fällt mir der Bogen zu einem oberschenkellangen Tellerrock in die Hände. Schon wandert das Schnittmuster auf den Stoff, die Schneiderkreide zeichnet auf der linken Seite die Verlängerung an. Ich betrachte das Ergebnis. Ja, das könnte funktionieren (Und wenn nicht: Ich habe ja drei Meter Stoff, dann fange ich eben von vorne an!). Bleibt nur noch die Frage: Wie bitte verarbeite ich das klebende Zeug? Wenn der Stoff schon an sich selbst kleben bleibt, was soll dann erst passieren, wenn ich den Kram unter die Maschine packe? Da schaue ich doch gleich mal schnell im Nähfüsschen-Kästchen und zaubere mein nagelneues Füsschen mit Gleitsohle hervor.

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Ein paar Nähte später halte ich meinen neuen Rock in den Händen und begutachte mein Werk. Gar nicht so schlecht. Gleich mal für die Vorlesung am nächsten Tag stylen.

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Wie die Näharbeit schlussendlich funktioniert hat, erzähle ich in einem separaten Beitrag. Die Tasche dazu habe ich dann übrigens (doch) noch genäht ;D

Schwierigkeitsgrad: Anfänger
Zeitaufwand: einen Abend
Verwendete Materialien: Futtertaft, Lack
Verwendete Produkte:
BERNINA 350 PE
BERNINA 350 PE
Geradstichfuss # 53
Geradstichfuss # 53

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