Kreative Artikel zum Thema Quilten

Ausstellungstipps Dezember 2017

Zeig uns den Weg

In Hannovers Wahrzeichen, der gotischen Marktkirche St. Georgii et Jacobi, zeigt die Gruppe tx o2 noch bis zum 19. Dezember 2017 ihre textile Installation ‘Zeig uns den Weg’.

Blick in die Ausstellung ‘Zeig uns den Weg’ – Installation in der Marktkirche Hannover
Foto: Susanne Klinke, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Sieben textile Objekte interpretieren dabei Zeilen aus dem Weihnachtslied ‘Stern über Bethlehem’.

Blick in die Ausstellung ‘Zeig uns den Weg’ – Installation in der Marktkirche Hannover
Foto: Susanne Klinke, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Im Kontext der letztjährigen Krippenausstellung des RELíGIO – Westfälisches Museum für religiöse Kultur (hier gehts zu meinem damaligen Ausstellungstipp) wurde die Installation mit dem Bischof-Heinrich-Tenhumberg-Preis ausgezeichnet.

Info:

bis zum 19. Dezember 2017

Zeig uns den Weg
Objektinstallation der Gruppe tx o2

Marktkirche Hannover
Hanns-Lilje-Platz 2
30159 Hannover
Deutschland

www.textil-kunst.com

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Denkanstößiges

‘Denkanstößiges – zum Wunder der Weihnacht’ zeigt die Textilkünstlerin Mechthild Jülicher in der neu gestalteten St. Laurentius Kirche zu Senden, Westfalen.

Mechthild Jülicher: Verbundenheit mit Maria und dem Kind
Fotos und Buchseiten, maschinenbestickt, Papier teilweise ausgelöst, Seidenfäden
Foto freundlicherweise von Susanne Klinke zur Verfügung gestellt

Zu sehen ist z. B. ‘Marias fließendes Lichtgewand’, ein ca. 4 m langes Kleid aus ausgebrannten Teelichtern: In der Vorstellung ergibt sich ein Lichtermeer, auch wenn sie nicht mehr brennen.

Mechthild Jülicher: Friedensgeläut
Kaffeekapseln, eigene Technik
Foto freundlicherweise von Susanne Klinke zur Verfügung gestellt

Info:

9. – 10. Dezember 2017

Denkanstößiges – zum Wunder der Weihnacht
Ausstellung von Mechthild Jülicher

St. Laurentius Kirche
Schulstrasse 10
48308 Senden
Deutschland

www.textil-kunst.com

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Textur und Farbe – Ursula Jaeger und Anka Kröhnke

Traditionelles Handwerk und experimentierfreudige Vielfalt treffen seit dem 19. November 2017 in der Ausstellung ‘Textur und Farbe – Ursula Jaeger und Anka Kröhnke’ in der Worpsweder Kunsthalle aufeinander.

Anka Kröhnke: Rotes Relief, 2010
Stapelholz und CD-Splitter, ca. 110 x 110 cm
Museum Atelierhaus Rösler-Kröhnke, Kühlungsborn
Foto: © Rüdiger Lubricht/Worpsweder Museumsverbund
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Während die in Bremen lebende Künstlerin Ursula Jaeger das schon aus dem Mittelalter stammende Handwerk der Bildweberei pflegt, setzt Anka Kröhnke ihre unverwechselbaren, stark farbigen ‘Wandcollagen’ in derselben traditionellen Technik, jedoch mit sehr ungewöhnlichen Materialien um. Die Doppelausstellung dieser beiden renommierten Künstlerinnen zeigt nicht nur, wie vielseitig die Technik der Weberei sein kann, sondern auch, wie zeitaktuell sich dieses traditionelle Medium umsetzen lässt.

Ursula Jaeger: Die Arche, 2014
Bildgewebe, 110 x 110 cm
Privatbesitz
Foto: © Rüdiger Lubricht/Worpsweder Museumsverbund
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ursula Jaeger (*1935, Schwerin) studierte an der Berliner Meisterschule für das Kunsthandwerk und wurde Diplom-Designerin für Bildweberei. Nach fünf Jahren in den USA gründete sie 1973 eine eigene Werkstatt in Bremen und erhielt Lehraufträge wie Preise für ihre moderne, vom Bauhaus geprägte Auffassung der Gobelingestaltung in Verarbeitung von Texten und Aquarellen in Materialmix.

Ursula Jaeger: Klangstücke, 2016/17
Bildgewebe, drei Teile, je 130 x 70 cm
Privatbesitz
Foto: © Rüdiger Lubricht/Worpsweder Museumsverbund
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Über ihr kulturgeschichtliches Interesse gelangte sie auch zu sakralen Themen, die sie als Metapher sieht und zeitaktuell interpretiert. Reisen nach Ägypten brachten ihr darüber hinaus die koptische Kultur nahe, deren Elemente in ihr Werk einfliessen: kleinformatige Webereien, verziert mit sparsamer Stickerei, zeigen ihre interkulturelle Vielseitigkeit.


Ursula Jaeger: Fingerspiel, 2012
Bildgewebe, 120 x 90 cm
Privatbesitz
Foto: © Rüdiger Lubricht/Worpsweder Museumsverbund
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Anka Kröhnke (*1940, Berlin) entstammt einer grossen Künstlerfamilie. Sie studierte in Berlin, um zunächst dort, später in Hamburg, eine Werkstatt zu betreiben. Ein Lehrauftrag, museale Ausstellungen und Preise folgten. Seit ihrem Umzug in das Ostseebad Kühlungsborn im Jahr 2003 führt sie ein Familienmuseum mit eigener Werkstatt, in der die experimentierfreudige Künstlerin unverwechselbare ‘Wandcollagen’ in starker Farbigkeit herstellt.

Anka Kröhnke: Der Frühling kommt, 2013
Textur aus Getränkedosen, 90 x 90 cm
Museum Atelierhaus Rösler-Kröhnke, Kühlungsborn
Foto: © Rüdiger Lubricht/Worpsweder Museumsverbund
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Beginnend mit der traditionellen Webkunst widmete sie sich schon in jungen Jahren der modernen, damals angesagten Motivwelt. Besonders die Pop-Kultur hinterliess bei Kröhnke ihre Spuren: Aus gesammeltem Kunststoff-Abfall, nach Farben streng sortiert, kreierte sie 1970 einen beeindruckenden Paravent, der durch raffiniert gezogene Fäden gehalten wird. Es folgten gewebte Wandteppiche, in die zarte Metallstangen oder Streifen hineingearbeitet wurden.

Anka Kröhnke: Rosette, 1992
Collage mit CD-Splittern mit Metalllack auf Hartfaserplatte, Ø 76 cm
Museum Atelierhaus Rösler-Kröhnke, Kühlungsborn
Foto: © Rüdiger Lubricht/Worpsweder Museumsverbund
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ende der 1980er Jahre begann dann eine Werkphase, in der Anka Kröhnke Getränkedosen in Streifen zerschnitt, CDs zu Bögen zerteilte und diese Metalle miteinander verwob. Besonders beeindruckend und ungewöhnlich sind die um 2010 entstandenen Arbeiten aus fluoreszierenden Acrylglasstäben mit Titeln wie ‘Abendhimmel’, ‘Freier Fall’ oder ‘Quadro’ – eine Farbexplosion zur Winterzeit!

Info:

19. November 2017 – 4. März 2018

Textur und Farbe – Ursula Jaeger und Anka Kröhnke

Worpsweder Kunsthalle
Bergstrasse 17
27726 Worpswede
Deutschland

www.worpswede-museen.de

Öffnungszeiten:
Di – So: 11 – 17 Uhr

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Dalí & Schiaparelli

Noch bis zum 14. Januar 2018 präsentiert das Museum The Dali in St. Petersburg / Florida eine in Zusammenarbeit mit Schiaparelli Paris entstandene Ausstellung, die erstmalig die kreative Beziehung zwischen dem Maler Salvador Dalí und der Modeschöpferin Elsa Schiaparelli anhand von Haute Couture-Kleidern und Accessoires, Schmuck, Gemälden, Zeichnungen, Objekten und Fotos beleuchtet.

Elsa Schiaparelli und Salvador Dali, circa 1949
Image Rights of Salvador Dali reserved. Fundacio Gala-Salvador Dali, Figueres, 2017.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Dalí (1904 – 1989) und Schiaparelli (1890 – 1973) sind nicht nur Zeitgenossen, sondern auch miteinander befreundet und …

Aphrodisiac Telephone (Lobster Telephone). Salvador Dali, 1938.
Worldwide rights ©Salvador Dali. Fundacio Gala-Salvador Dali (Artists Rights Society), 2017 / In the USA ©Salvador Dali Museum, Inc. St. Petersburg, FL 2017.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… sie setzen Paris und die Welt mit ihren bahnbrechenden Visionen buchstäblich in Brand.

Woman’s Dinner Dress
Philadelphia Museum of Art, Gift of Mme Elsa Schiaparelli, 1969-232-52.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Während Dalí, der heute zu den Hauptvertretern des Surrealismus zählt, um das Jahr 1929 seinen persönlichen Stil gefunden hat …

Three Young Surrealist Women Holding in their Arms the Skins of an Orchestra, 1936
Öl auf Leinwand.
Worldwide rights ©Salvador Dali. Fundacio Gala-Salvador Dali (Artists Rights Society), 2017 / In the USA ©Salvador Dali Museum, Inc. St. Petersburg, FL 2017.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… eröffnet Schiaparelli 1928 ihren ersten Laden und hat Erfolg.

Abendkleid und Schleier, (Tear Dress), Sommer 1938
Philadelphia Museum of Art, Gift of Mme Elsa Schiaparelli, 1969-232-45a,b.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zwischen den beiden Weltkriegen gilt Elsa Schiaparelli als die hervorstechendste Figur der Modewelt. Mit grenzüberschreitenden Modellen untergräbt Schiaparelli bewusst traditionelle Vorstellungen von Frauenrollen und Schönheit.

Illustration des ‘Schreibtischschubladen-Kleids’
Schiaparelli Haute Couture, Herbst/Winter 1936-1937
© Schiaparelli.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Sie greift mutig surrealistische Themen auf, die stark von Künstlern, besonders von Dalí, mit dem sie oft zusammenarbeitet, beeinflusst sind.

Anthropomorphic Cabinet. Salvador Dali, 1936
© Salvador Dali, Fundacio Gala-Salvador Dali, Artists Rights Society (ARS), New York 2017.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Lebhafte Farben, experimentelle Stoffe und elegante handgefertigte Dekorationen unterscheiden sie von anderen Designern der 1920er und 1930er Jahre.

Abendmantel, Herbst 1937
Philadelphia Museum of Art, Gift of Mme Elsa Schiaparelli, 1969-232-7
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wer Rang und Namen hatte, zählt zum Kundenkreis ihrer Haute Couture: die Herzogin von Windsor, Wallis Simpson oder die Schauspielerinnen Mae West und Marlene Dietrich. Eine ihrer wichtigsten Förderinnen ist Daisy Fellowes …

‘Le Roy Soleil’, Parfum-Flakon von Schiaparelli, 1946
© Salvador Dali. Fundacio Gala-Salvador Dali, Artists Rights Society (ARS), New York 2017; Courtesy of © Schiaparelli archives
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… die für das Modehaus Parfums kreiiert.

‘Le Roy Soleil’, Zeitschriftenwerbung
© Salvador Dali. Fundacio Gala-Salvador Dali, Artists Rights Society (ARS), New York 2017/ Collection of the Salvador Dali Museum, Inc., St. Petersburg, FL, 2017.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Schiaparelli schreibt, dass sie ihre Kleider ‘erfunden’ habe. Die Entwürfe stehen für ihre elegante und gewagte Ästhetik, kombiniert mit exquisiter Handwerkskunst – einer Verbindung von neuen Ideen mit traditionellem Handwerk.

Abendkleid, (Skeleton Dress), 1938
Collection of the Salvador Dali. Fundacio Gala-Salvador Dali, Artists Rights Society (ARS), New York 2017; Courtesy of © Schiaparelli archives.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ihre Designs gleichen den Gemälden von Dalí, der über ein grosses malerisch-technisches Können verfügt: Beide verbinden Präzision mit wilder Fantasie und traumhaften Visionen.

Figurenstudie für den ‘Skeleton Dress’ (‘Skelett-Kleid’), 1938.
Tinte auf Papier. Collection of the Schiaparelli archives, Paris; © Salvador Dali. Fundacio Gala-Salvador Dali (Artists Rights Society), 2017.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ihre Mode und Kunst erfreut und schockiert die Sinne – ein Markenzeichen ihrer Zusammenarbeit. Ihre Werke verkörpern ein Gefühl von Freiheit und schaffen die Möglichkeit, die Volkskultur in turbulenten Zeiten zu beleben.

Schiaparelli: Kompaktpuder mit Wählscheibe eines Telefons, ca. 1935
Courtesy of © Schiaparelli archives.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Auch aktuelle Entwürfe von Bertrand Guyon …

Schiaparelli Haute Couture, Herbst/Winter 2016-17
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… für das Modehaus Schiaparelli sind zu sehen.

Schiaparelli Haute Couture, Frühling/Sommer 2017
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zur Ausstellung ist ein Katalog erhältlich.

Herzlichen Dank an meine Tochter Valerie für den Tipp!

Info:

18. Oktober 2017 – 14. Januar 2018

Dalí & Schiaparelli

The Dali Museum
1 Dali Blvd
St. Petersburg, FL 33701
USA

www.thedali.org

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Barocke Pracht

Ab dem 9. Dezember 2017 zeigt das Dommuseum Hildesheim kostbare Silberarbeiten, die zur einst barocken Innenausstattung des Doms gehörten.

Plakat

Im Fokus der Ausstellung steht das neu restaurierte, silberne ‘Große Antependium’, das den Hochalter der Bischofskirche schmückte, bevor es für lange Zeit im Magazin des Dommuseums verschwand. Dank einer grosszügigen Spende konnte das Prachtstück für die kommende Sonderausstellung wieder restauriert werden, wofür der Restaurator ca. 200 Arbeitsstunden veranschlagt. Das Relief mit diversen dreidimensional dargestellten, frei modellierten biblischen Figuren – den Mittelpunkt bildet die Heilige Familie – stammt aus dem Jahr 1700 und wird das Highlight der Sonderausstellung sein.

Restaurator Schuchardt: ‘Das Kunstwerk hat schon eine sehr hohe Qualität’, betont er und zeigt auf die Josef-Figur, auf der sich sogar die Adern der Hände abheben. Er schätzt, dass etwa 40 Kilogramm Silber verwendet wurden, um das nur 0,8 bis 1 Millimeter dicke Kunstwerk herzustellen, das einen Meter hoch ist und in der Breite 3,2 Meter misst. Es entstand in der Werkstatt des Silberschmieds Johannes Dick aus Köln. Das ‘Große Antependium’ stammt aus dem Nachlass des 1696 verstorbenen Domherrn Heinrich Adolph Freiherr von und zu Frentz, Kendenich und Stolberg, der einst aus dem Rheinland nach Hildesheim gekommen war.

Uwe Schuchardt restauriert das silberne Antependium für die Ausstellung im Dommuseum
Foto: Bischöfliche Pressestelle Hildesheim, die es freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat

Das Bildprogramm zeigt die drei heiligen Familien: Maria mit Joseph und dem Christusknaben, Anna und Joachim mit Maria sowie Elisabeth und Zacharias mit Johannes dem Täufer, dazwischen die Apostelfürsten Petrus und Paulus.

Museumsdirektorin Claudia Höhl ist fasziniert von der Darstellung des laufenden Jesuskindes auf dem Antependium: ‘Das ist erst im 17. Jahrhundert zum Thema geworden. Durch die Charakterisierung von Jesus als Kind wird die Familie als ideales Sozialmodell, als Kern der Gesellschaft ins Zentrum gerückt.’

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde der Hildesheimer Dom in seinem Inneren barockisiert, insbesondere die Wände und Decken wurden mit Stuck und Malereien überzogen. Diese Ausstattung ging mit der Zerstörung am Ende des 2. Weltkrieges verloren. Vornehmlich die Figuren des Immaculata-Altars von Paul Egell zeugen im Dom noch heute davon.

Weitere Ausstattungsstücke sowie liturgische Geräte und Textilien haben sich in der Sammlung des Museums erhalten und werden in der Ausstellung präsentiert. Deren Bildprogramme zeigen Erzählungen aus dem Umfeld der Weihnachtsgeschichte und vermitteln in kostbaren Materialien und barocker Erscheinung einen festlichen Glanz.

Johannes I. Mayr: Ziborium
Augsburg, Mitte 17. Jahrhundert
Foto: Dommuseum Hildesheim, das es freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat

Das reich verzierte Ziborium, ein Gefäss zur Aufbewahrung geweihter Hostien, wird ebenfalls zu sehen sein. In den silbernen Reliefs werden auf der Kuppa und dem Fuss Engel gezeigt. Die Medaillons mit roter Emaillemalerei am Gefäss sind thematisch aufeinander bezogen.

Vorsatz der Tabernakeltür
um 1700, Künstler und Herkunftsort unbekannt
Foto: Ansgar Hoffmann/Dommuseum Hildesheim, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Unter den zahlreichen weiteren Silberschmiedearbeiten, die im Dommuseum zu sehen sind, ist die Tür des Tabernakels, auf der die Rückkehr der Heiligen Familie von der Flucht nach Ägypten dargestellt ist: Maria hält den Knaben, der sich ihr zuwendet, an der Hand, während er in seiner Linken einen Wanderstock trägt. Joseph ist hinter dem Jesuskind angeordnet, wie er den Esel führt. Die Familie befindet sich in einer felsigen Gebirgslandschaft. Die Mittelachse des Reliefs wird auffallend von einer Palme betont, die sich wie ein Schirm über die Familie beugt.

Ausserdem haben sich kostbare Messornate erhalten, sogenannte Kapellen, zu denen mehrere Gewänder und Tücher für den Gebrauch im Gottesdienst gehörten. Auch die Marienbilder des Domes wurden barock ungestaltet, vor allem die ‘Grosse Goldene Madonna’, die neue Köpfe, eine neue Thronummantelung und kostbare Kronen erhielt.

Info:

9. Dezember 2017 – 4. Februar 2018

Barocke Pracht
Silber aus dem Hildesheimer Dom

Dom und Dommuseum Hildesheim
Domhof 18 – 21
31134 Hildesheim
Deutschland

www.dommuseum-hildesheim.de

Flyer

Öffentliche Führung:
Do, 11. Januar 2018, 16 Uhr, mit Dr. Claudia Höhl, Direktorin des Dommuseums

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Bitte stehen lassen; eine Versuchung.

Die Ausstellung ‘Bitte stehen lassen; eine Versuchung.’ der Klasse Bildhauerei/Metall von Prof. Andrea Zaumseil gibt noch bis zum 11. Januar 2018 Einblick in die Vielfalt der künstlerischen Positionen, die in dieser Klasse erarbeitet, erprobt, diskutiert, manifestiert oder auch in Frage gestellt werden. Die in der Burg Galerie im Volkspark präsentierten Arbeiten kreisen um ein weites Themenfeld: Sie handeln von Identität, Erinnerung, Verletzlichkeit, Veränderung, Gewalt, von inneren Bildern, Norm, Struktur und Abweichung. Dabei bedienen sich die 22 Studierenden der Studienrichtung Bildhauerei/Metall der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle unterschiedlichster Medien und Materialien.

Charlotte Antony: Zeichnungen, 2017
Graphit auf Papier, Messing, 120 x 80 x 40 cm
Foto: Cornelia Weihe
© Charlotte Antony
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die 22 gezeigten Positionen, die teils eigens für die Ausstellung erarbeitet wurden, umfassen Skulptur, Zeichnung, Fotografie, Holzschnitt bis hin zu raumgreifenden Installationen und Performances. Metall, wenn auch der Name der Studienrichtung anderes zunächst vermuten lässt, spielt als Material dabei eine Rolle unter vielen. So zum Beispiel in den abstrakten Stahlarbeiten von Sari Kiwan und Tareq Alghamian, in den prächtigen Kronkorkengewändern von Kyoungmi Ryou und in einem minimalistischen Goldfaden von Charlotte Antony.

Kyoungmi Ryou: Königliche Kronkorken, 2013
Kronkorken, H 270 x B 250 x T 15 cm
Foto: Cornelia Weihe
© Kyoungmi Ryou
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Neben einer ganzen Bandbreite weiterer Materialien wie Wachs, Latex, Fundstücke, Licht, Scherben, Holz, Glas, Textilien, Papier, kommen auch neue Werkstoffe und Verfahren zum Einsatz, die aus Experimenten resultieren. Anna Schwinn beispielsweise unterzieht ihre Porträtfotografien anhaltenden Deformationsprozessen durch transparente Klebstoffe.

Anna Schwinn: Ohne Titel, 2017
Experiment mit Fotografie, 20 Fotos à 30 x 20 cm
Foto: Anna Schwinn
© Anna Schwinn
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Prozesshaft ist auch die feinteilige Installation von Sueyeun Bak, in der in einem endlosen Verfahren kleine Wachsfiguren zermahlen, geschmolzen und zu Kerzen gegossen werden. In dem gewaltigen kinetischen Objekt von Nilay Lili Şahin werden durch mechanische Prozesse unkontrollierte Transformationen ausgelöst, während sich Antje Dathe in ihrer Versuchsanordnung dem Schutz des sogenannten Unkrauts verschrieben hat.

Jihyun Lee: Der Raum, 2017
Installation, Textil, 150 x 300 x 130 cm
Foto: Jihyun Lee
© Jihyun Lee
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

An der Ausstellung beteiligt sind die Studierenden Stine Albrecht, Charlotte Antony, Arif Amirov, Sueyeun Bak, Antje Dathe, Lauriane Dine, Tareq Alghamian, Svenja Hinzmann, Yeowon Jung, Simon Kießler, Sari Kiwan, Lisa Kohl, Jihyun Lee, Sofia Mayer, Timo Milke, Viktor Petrov, Tassilo Rüster, Kyoungmi Ryou, Nilay Lili Şahin, Mara Sandrock, Anna Schwinn sowie Marlen Tennigkeit.

Marlen Tennigkeit: Ohne Titel, 2017
Siebdruck, 55 x 85 cm
Foto: Marlen Tennigkeit
© Marlen Tennigkeit
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Titelgebend für die Ausstellung war ein beiläufig auf einen Zettel hingeschriebener Satz. Die Studierenden der Klasse erkannten darin das schöpferische Potential des Missverständnisses als einem möglichen Baustein künstlerischer Strategien. Die Frage nach den unterschiedlichen Wegen, die zu den einzelnen Werken, aber auch zu einer gelungenen Vermittlung nach aussen führen, ist prägend für die Ausrichtung und das Selbstverständnis der Klasse.

Viktor Petrov: Healthy Body, 2017
Kunststoff, Holz, Spanngurte, Höhe 170 cm
Foto: Cornelia Weihe
© Viktor Petrov
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Konzipiert wurden die Ausstellung und das umfangreiche Begleitprogramm gemeinsam von allen an der Ausstellung beteiligten Studierenden, Prof. Andrea Zaumseil, Galeriekuratorin Dr. Jule Reuter und Cornelia Weihe (künstlerische Mitarbeiterin der Studienrichtung). Unter dem unten unter ‘Info’ angegebenen Link sind einige interessante Ausstellungsansichten zu finden.

Sueyeun Bak: Luft, 2017
Wachs, Metall, 30 x 29 x 20 cm
Foto: Cornelia Weihe
© Sueyeun Bak
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Derzeit sind 30 Studierende in der Studienrichtung Bildhauerei/Metall im Fachbereich Kunst an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle eingeschrieben. Sie kommen aus allen Teilen Deutschlands, aus Korea, Syrien, Israel, Aserbaidschan, Japan, Bulgarien, Frankreich und Luxemburg.

Andrea Zaumseil wurde 1957 in Überlingen am Bodensee geboren. Nach einem Studium der Germanistik und Geschichte nahm sie das Studium der Bildhauerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart auf. Es folgten zahlreiche Stipendien und Förderpreise, unter anderem wurde sie 2015 mit dem Hans-Thoma-Preis, dem Staatspreis des Landes Baden-Württemberg, ausgezeichnet. Seit 2003 lehrt sie als Professorin für Bildhauerei mit Schwerpunkt Metall an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Das Spektrum des künstlerischen Werks von Andrea Zaumseil reicht von grossformatigen Pastellkreidezeichnungen über Plastiken bis hin zu monumentalen, ortsspezifischen Stahlarbeiten im öffentlichen Raum. Einem breiten Publikum wurden ihre Arbeiten durch zahlreiche Einzelpräsentationen und Gruppenausstellungen bekannt.

Info:

23. November 2017 – 11. Januar 2018

Bitte stehen lassen; eine Versuchung.
Eine Ausstellung von Studierenden der Klasse Bildhauerei/Metall von Prof. Andrea Zaumseil

Burg Galerie im Volkspark
Schleifweg 8 a
06114 Halle
Deutschland

www.burg-halle.de

Öffnungszeiten:
Mo – So: 14 – 19 Uhr
Vom 24. bis einschliesslich 31. Dezember 2017 geschlossen
Eintritt kostenfrei

Begleitprogramm:

Langer Abend der Galerien:
Sa, 2. Dezember 2017, 19 – 22 Uhr: Beginn um 19 Uhr, jeweils alle 30 Minuten KünstlerInnengespräche im Tandemformat mit Studierenden der kunstpädagogischen Studiengänge und der Klasse Bildhauerei/Metall

Gesprächsabend:
Mi, 6. Dezember 2017, 18 Uhr: Alumni der Klasse Bildhauerei/Metall berichten über Wege nach dem Studium

Öffentliche Arbeitsbesprechung der Klasse Bildhauerei/Metall:
Mo, 8. Januar 2018, 14 Uhr

Finissage:
Do, 11. Januar 2018, ab 16 Uhr
16 – 18 Uhr: Vorträge mit anschliessender Podiumsdiskussion zum Thema ‘Künstlerische Strategien’ mit Beiträgen aus Bildhauerei/Performance/Philosophie
ab 19 Uhr: Moloch, Audio-Performance von Timo Milke, Muschel vor dem Volkspark

Führungen durch die Ausstellung:
Jeden Sonntag um 15 Uhr führen Studierende der kunstpädagogischen Studiengänge durch die Ausstellung. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich.

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Monkey Business
Textile Arbeiten von Beate Passow

Es sind eigenartige Tiere, rätselhafte Fabelwesen und mythische Figuren, die den fünfteiligen Bilderzyklus von Beate Passow bevölkern. Auf den Bildern der Münchner Künstlerin, die im Frühjahr 2017 mit dem renommierten Gabriele Münter Preis ausgezeichnet worden ist, entdeckt der Betrachter merkwürdige Szenen – zu sehen ab dem 13. Dezember 2017 im tim | Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg.

Beate Passow: Gibraltar, 2017
Foto: Jürgen Branz, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mal sitzt ein Berberaffe gleichgültig auf einem martialischen Kanonenrohr auf Gibraltar, mal bespringt unweit der New Yorker Börse ein mächtiger Bär von hinten einen kolossalen Bullen und ein andermal posieren sehr menschlich wirkende Füchse wie Touristen für ein Gruppenfoto vor dem Brüsseler Atomium. ln weiteren Motiven versucht ein Minotaurus, in der ruinösen Kulisse von Knossos eine nur spärlich bedeckte junge Frau zum Liebesspiel zu verführen, und ein skelettierter Zentaur schreitet – wie nach getaner Arbeit – über zertrümmerte Flüchtlingsboote in Lampedusa hinweg.

Beate Passow: Gibraltar, 2017, Detail
Foto: Jürgen Branz, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Unter dem Titel ‘Monkey Business’ erkundet Passow, deren Kunst immer eine politische Dimension innewohnt, Gründe und Abgründe des gegenwärtigen Europa – eines Kontinents, der in seinen Fundamenten erschüttert, der aus den Fugen geraten erscheint. Einst als Hort der Demokratie, Humanität und Kultur gefeiert, sieht Passow das heutige Europa offenbar geprägt von einer militärischen Abwehrhaltung an seinen Grenzen, von einem durch und durch korrumpierten Kapitalismus und von einem immer schamloser auftretenden Neonazismus. Die Künstlerin konstatiert zudem einen in die Leere gehenden Eros zwischen den – nur mehr – selbstgefälligen Geschlechtern sowie eine zynische Flüchtlingspolitik, die den Tod vieler Hilfesuchender im Mittelmeer billigend in Kauf nimmt.

Beate Passow: Wall Street mit russischem Bären, 2017, Detail
Foto: Jürgen Branz, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Erst bei genauerem Hinsehen lasst sich erkennen, dass Passow ihre in Schwarz-Weiß gehaltenen Bilder, die wie Fotomontagen wirken, als raffinierte Tapisserien ausgeführt hat. Entstanden ist eine eindringliche Mythologie des 21. Jahrhunderts, die in ihrer narrativen Anlage die grosse abendländische Tradition der Tapisserie radikal unterläuft.

Beate Passow: Wall Street mit russischem Bären, 2017
Foto: Jürgen Branz, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Künstlerin wendet somit eine ehedem auf Repräsentation zielende Kunstgattung, die doch der Heldenerzählung, dem Herrscherlob, der Illustration biblischer Geschichten oder Darstellung pastoraler Szenen vorbehalten war, in ihr kritisches Gegenteil. Passows Fabelwelt der Gegenwart hinterfragt pointiert herrschende Systeme, ökonomische Strukturen und politische Bewegungen. Und am Ende hat nur noch eine paradoxe Moral Bestand: Dass es bei all dem faulen Zauber (‘Monkey Business’), der Europas Politik und Gesellschaft am bedrohlichen Abgrund zeigt, keine Moral mehr gibt.

 

… und noch eine Nachricht aus dem tim:

Kahn & Arnold – Ausstellung verlängert

Wegen des grossen Interesses bei den Besuchern verlängert das Staatliche Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) die Ausstellung ‘Kahn & Arnold – Aufstieg, Verfolgung und Emigration zweier Augsburger Unternehmerfamilien im 20. Jahrhundert’ bis Ende 2018.

Spinnerei und Weberei am Sparrenlech Kahn & Arnold, Anfang des 20. Jahrhunderts
Foto: tim, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit dieser Sonderausstellung hat das tim nicht nur eine fast vergessene Dimension Augsburger Geschichte zweier Textilunternehmen ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Vor allem aber geht es bei der Ausstellung um zentrale Geschichte des 20. Jahrhunderts. Denn die beiden lndustriedynastien Kahn und Arnold waren Familien jüdischer Herkunft, deren Geschichte nicht nur von wirtschaftlichem Erfolg, sondern von ‘Arisierung’, Emigration und vom Holocaust zeugt. Die Kabinettausstellung des tim folgt den Spuren dieser beiden Familien und bietet Besucherinnen und Besuchern so die einzigartige Möglichkeit, die Tür zu einem bewegenden Stück deutscher und Augsburger Wirtschaftsgeschichte zu öffnen.

Die Ausstellung ‘Kahn & Arnold’ ist innerhalb der Dauerausstellung des tim zu sehen.

Info:

13. Dezember 2017 – 4. März 2018

Monkey Business –
Textile Arbeiten von Beate Passow

tim | Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg
Provinostrasse 46
86153 Augsburg
Deutschland

www.timbayern.de

Öffnungszeiten:
Di – So: 9 – 18 Uhr

Der Eintritt zur Sonderausstellung ‘Monkey Business’ ist frei.

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Wenn Pyramiden fliegen lernen – Eine Weihnachtsausstellung

Das Herzstück der deutschen Weihnachtsdekoration ist die Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge.

Wenn Pyramiden fliegen lernen
© Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Cathleen Tasler, 2017
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ursprünglich geht sie auf ein einfaches Lichtgestell zurück, das entweder mit grünen Papieren oder Zweigen umwickelt war.

Holdenstedter Engelsstock, um 1900
© Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin
Foto: Ute Franz-Scarciglia, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Um 1800 begannen die Bergleute dieser Region Holzspielsachen als Nebenerwerb herzustellen und erschufen die berühmten, geflügelten Pyramiden, sie sich, angetrieben durch die von den brennenden Kerzen aufsteigende Wärme, zu drehen vermögen.

Weihnachtspyramide von Karl-Ewald Fritzsch Dresden, 1922
© Museum Europäischer Kulturen, Staatliche Museen zu Berlin.
Foto: Ute Franz-Scarciglia, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In der Ausstellung werden viele Variationen und Sonderformen, wie eine hängende Spinne (Deckenleuchter) oder Pyramiden in Walnüssen präsentiert.

Musikdose mit Seiffner Kirche
Drechslerei Thomas Schalling, Kurort Seiffen, Erzgebirge, Privatbesitz
© Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Cathleen Tasler, 2017
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der Besucher ist dazu eingeladen, die spannende Entwicklungsgeschichte dieser besonderen Weihnachtsdekoration und die Geheimnisse hinter der Herstellung dieser handwerklichen Kunstwerke zu entdecken.

Info:

11. November 2017 – 7. Januar 2018

Wenn Pyramiden fliegen lernen – Eine Weihnachtsausstellung

Museum für Kunst und Kulturgeschichte
Hansastrasse 3
44137 Dortmund
Deutschland

www.dortmund.de

Flyer

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fingerspitzengefühle

Die GALERIE BERNAU zeigt derzeit unter dem Titel ‘fingerspitzengefühle’ eine Ausstellung von sieben jungen Künstlerinnen – der ‘Textilen Bande’. Die Künstlerinnen, Absolventinnen der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle, führen in der Ausstellung unterschiedliche Positionen textiler Kunst zusammen.

Plakat

Die Künstlerinnengruppe nähert sich dem Textilen bewusst über seine Materialität und den damit verbundenen spezifischen, raumzeitlichen Merkmalen. Wie etwa seinen Umgang mit der Schwerkraft, seine Formbarkeit und die klare Einheit von Bild und Träger. Mit Garn und klassischen Sticknadeln, traditionellen Nähmaschinen und innovativen Jacquard-Webmaschinen entstehen Arbeiten, die einen Einblick in die Vielfalt der zeitgenössischen Textilkunst geben.

Blick in die Ausstellung ‘fingerspitzengefühle’
2017, GALERIE BERNAU
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Rosa Maria Hille bedient sich in ihren Arbeiten des Mediums der Stickerei. Sie benutzt dieses Ausdrucksmittel aufgrund deren tief verankerter Tradition in der Textilkunst.

Rosa Maria Hille: o.T., 2016
Acrylwolle, Acrylfarbe, Leinwand, 40 x 30 cm
Foto: Anja Jungnickel
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Zwischen Textilkunst und Zeichnung angesiedelt, bezeichnet sie diese Arbeiten als textile Grafiken. Die in einem einfachen zeichnerischen Stil gestalteten, leuchtenden Arbeiten widmen sich spielend abstrakten Formen und Mustern.

Rosa Maria Hille: o.T., 2016
Acrylwolle, Acrylfarbe, Leinwand, 60 x 80 cm
Foto: Anja Jungnickel
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Die in Berlin lebende Künstlerin Nina Hohberger, die 2011 den Publikumspreis der grossen Kunstausstellung Halle/Saale für ihr Jacquardgewebe ‘Wien2/Windhaaggasse’ erhielt, lässt sich in ihrer Arbeit auf eine andere Form der Muster, bzw. der Textur ein.

Nina Hohberger: Wien2/Windhaaggasse, 2009
Jacquardgewebe, Baumwolle, Polyester, Wolle, 80 x 108 cm
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

In ihrem künstlerischen Arbeitsprozess werden sukzessiv Einzelentscheidungen getroffen, die zunächst analytisch zerlegt, gegliedert und geordnet werden, um dann im Ganzen verbindend wirken zu können. Die fotografierten und nachträglich gewebten Plakatabrisse umschreibt die Künstlerin mit dem Begriff ‘Verortung’, dessen Kontext dabei der urbane Raum ist.

Nina Hohberger: Halle/Advokatenweg1, 2012
Jacquardgewebe, Baumwolle/Polyester, 140 x 97 cm
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Für Anna Maria Gawronski und Ulrike Crodel wird der Kontext ihrer künstlerischen Arbeiten durch naturnahe Räume bestimmt. So zeigt Anna Maria Gawronski in der Ausstellung Jacquardgewebe aus der Serie ‘FOX 6D’, die jeweils eine Waldsituation mit Fuchs abbilden.

Anna Maria Gawronski: FOX 6D (Bild 3 von 6), 2010
Ölmalerei auf Leinwand, 19 x 27 cm
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Durch die Besonderheit des Gewebes wird dem Betrachter ermöglicht, das Bild in 3D sehen zu können.

Anna Maria Gawronski: FOX 7D, 2010
Jacquardweberei, 160 x 800 cm
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Ulrike Crodel hingegen setzt die Möglichkeiten des Jacquardwebstuhls ganz anders für sich ein: Crodel entwickelte ein System, das in der Lage ist, die Ästhetik und Erscheinung eines Gobelins zu imitieren. Der ‘Jacquardgobelin’ ist ein digital gezeichneter und industriell gewebter Bildteppich. Das Verfahren ist zum Patent angemeldet. Nachdem jede einzelne Form per Hand gezeichnet wurde, kann das Textil in einer Industrieweberei hergestellt werden.

Ulrike Crodel: Marienteppich, 2016
Jacquardgobelin, 140 x 130 cm
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

In der Serie ‘Garten’ unterstützt die Struktur des Webens die Motivik. Die Pflanzen scheinen im Bild gewachsen zu sein, die Blumen schieben die Gräser beiseite und Blätter eines Busches vermischen sich damit.

Ulrike Crodel: Marienteppich, Detail, 2016
Jacquardgobelin
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Auch in Lisa Reichmanns Arbeit ‘Erinnerung an die Urgroßmutter’ taucht der Garten auf. Hier aber inspirierte der Fund eines alten Familienfotos die Künstlerin dazu, sich mit der Erinnerung an ihre Urgrossmutter auseinanderzusetzen. Vermischt mit Erzählungen der Eltern und Erinnerungen an Erinnerungen bringt ihr Gedächtnis wiederkehrend ein Bild der mit ruhiger und rhythmischer Geste stickenden Urgrossmutter hervor.

Lisa Reichmann: Hände II, 2015
Handstickerei, Baumwolle, 42 x 65 cm
Foto: Sascha Linke
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Diese textile Technik wählt sie daher als Grundlage für den Bildteppich, der Uroma und Urenkelin vor ihrem Gartentor darstellt. Das Bild wird gerahmt von einer Bordüre mit insgesamt 24 Medaillons, Erinnerungssegmenten, welche die Tiere und Pflanzen aus dem Garten der Urgrossmutter vergegenwärtigen.

Lisa Reichmann: Hände I, 2015
Handstickerei, Baumwolle, 42 x 65 cm
Foto: Sascha Linke
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Rebekka Rauschhardts Wandteppiche sind alltagstauglich, verwendet als Decke oder zweite Haut oder eben als Flagge, Segel, alter Ego … . Sie bieten Schutz und schrecken ab, sind genäht mit Hand und Maschine, aus nichtsnutzigen unmodischen entwerteten Textilien …

Rebekka Rauschhardt: Der Beweis, 2010
Textilgenäht, 370 x 408 cm
Foto: Joachim Blobel
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

… welche zerschnitten und zerrissen, unkenntlich gemacht in neuer Ordnung und Struktur, vielleicht zu komponiertem Chaos gemacht sind. Aufgehangen für die relative Wahrnehmung zwischen Gewalt und Zärtlichkeit, zwischen Freiheit und Verantwortung, gedacht als Separee für Herz und Verstand oder Leib und Seele.

Rebekka Rauschhardt: UnausgesprocheneWorte, 2010
Textilgenäht, 268 x 286 cm
Foto: Joachim Blobel
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Kathrin Endres Arbeit ‘Lust auf Revolution’ spielt mit der Aufwertung einer Sache durch den bestimmten Umgang mit dem textilen Material. Ihre Arbeiten sind handgewebte Transparente für die Straße.

Kathrin Endres: Das mit dem Tiger, aus der Serie Lust auf Revolution?, 2011
synthetische Faser, Jute, Wolle, handgewebtes Jacquardgewebe
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Durch die Achtsamkeit, die die Weberei im Umgang mit dem Material erfordert, kommt den Transparenten eine besondere Wertschätzung zu.

Kathrin Endres: Das mit dem Herz, aus der Serie Lust auf Revolution?, 2011
synthetische Faser, Jute, Wolle, handgewebtes Jacquardgewebe
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Ihre Arbeit bedeutet, beschrieben mit den Worten der Künstlerin: ‘Die Kunst im Leben zu integrieren, für etwas sein, Bewegung, Demonstrationskultur, Gebrauchskunst, Kunst die gebraucht wird.’

Info:

18. November 2017 – 6. Januar 2018

fingerspitzengefühle
Sieben Positionen der Textilen Bande mit Arbeiten von Ulrike Crodel, Anna Maria Gawronski, Kathrin Endres, Nina Hohberger, Rosa Maria Hille, Lisa Reichmann & Rebekka Rauschhardt

GALERIE BERNAU
Bürgermeisterstrasse 4
16321 Bernau bei Berlin
Deutschland

www.galerie-bernau.de

Öffnungszeiten:
Di – Fr: 10 – 18 Uhr
Sa: 10 – 16 Uhr
feiertags geschlossen

Finissage:
Sa, 6. Januar 2018, 17 Uhr
Künstlerinnengespräch mit den sieben Künstlerinnen der Textilen Bande. Eintritt frei.

***

Weihnachtsausstellung

Einladung

Ausgewählte Arbeiten von Mitgliedern des Bayerischen Kunstgewerbevereins aus den Bereichen Gerät, Glas, Holz, Keramik, Papier, Schmuck und Textil umfasst die Weihnachtsausstellung, die noch bis zum 13. Januar 2017 läuft. Auf der genannten Website des Vereins sind zahlreiche Abbildungen zu entdecken. Gut zu wissen, wenn noch eine Gabe unter dem Tannenbaum fehlt …

Info:

24. November 2017 – 13. Januar 2018:

Weihnachtsausstellung

Bayerischer Kunstgewerbeverein e.V.
Pacellistrasse 6 – 8
80333 München
Deutschland

www.bayerischer-kunstgewerbeverein.de

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Familienschätze

Das Deutsche Goldschmiedehaus Hanau nahm sein 75-jähriges Jubiläum zum Anlass, 75 Schätze von Hanauer Familien und Institutionen in der Ausstellung ‘Familienschätze’ zu präsentieren, die noch bis zum 28. Januar 2018 zu sehen ist.

Brosche
1930er Jahre
Hersteller: Henri Weber, Genf
Platin, Diamanten
Foto: Uwe Dettmar, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Dabei handelt es sich um Schätze der unterschiedlichsten Kategorien: Einen grossen Anteil haben Kannen, Schalen, Dosen, Schatullen, Services, Kerzenleuchter, Besteck, Vasen oder Pokale, häufig aus Silber gefertigt. Daneben finden sich Schmuckstücke, mehrere Uhren, ein Bild, eine Querflöte, Tierplastiken oder auch ein Wanderbuch sowie ein Gebets- und Andachtsbuch. Der Familienschatz wird nicht nach seinem materiellen Wert bemessen, sondern die ganz persönliche Bedeutung der einzelnen Objekte für die Besitzerin oder den Besitzer steht im Vordergrund.

Wanderbuch, Reisepass und Visitenkarte von Johann Valentin Schleckser
1843-1856 / 1872
Papier, Lederetui
Foto: Uwe Dettmar, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Viele der vorgestellten Exponate wurden über Generationen vererbt und erzählen ganz eigene Geschichten, die den heutigen Besitzerinnen und Besitzern häufig noch sehr präsent sind. Die Entstehungsgeschichte hat nicht selten einen engen Bezug zu Hanau, Hanauer (Silberwaren-) Firmen oder Künstler fertigten die Stücke an; manche trafen nach einer weiten Reise in Hanau ein.

Schreibzeug-Kassette
1911
Entwurf: Hugo Leven, Ausführung: J.D. Schleissner Söhne, Hanau
Silber, innen teilvergoldet, Glaseinsätze, Elfenbeinreliefs. Lapislazuli
Foto: Uwe Dettmar, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Das Goldschmiedehaus hatte im Vorfeld der Ausstellung Hanauer Familien und Institutionen kontaktiert, die ihre ‘Schatzkisten’ eigens für die Ausstellung geöffnet haben.

Schirmgriff
Anfang 20. Jahrhundert
Hersteller: Franz Scheuerle, Schwäbisch Gmünd
800/000 Silber
Petschaft
Silber
Anfang 20. Jahrhundert
Foto: Uwe Dettmar, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Ein Metallkästchen des Hanauer Silberschmieds August Bock (1879-1968) ist mit Winterhilfswerk-Medaillons aus Elfenbein dekoriert.

Kästchen mit Winterhilfswerk-Medaillons
1930er Jahre
Künstler: Prof. August Bock, Hanau
Messing, Elfenbein, Bakelit, Bernstein (?)
Foto: Uwe Dettmar, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Einen besonderen Platz nehmen Erinnerungsstücke ein, die Geschenke zum Dienstjubiläum oder zum Geburtstag waren. Die Silberschale mit Glaseinsatz, ein Hochzeitsgeschenk für den Begründer der Firma Neresheimer, stand immer mit Früchten gefüllt auf dem Tisch der Grosseltern der heutigen Besitzerin.

Schale
um 1900
Hersteller: Neresheimer Hanau
925/000 Sterlingsilber, Blauglas
Foto: Uwe Dettmar, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Ein mit ‘Frankfurter Glanzgold’ verziertes Mokka-Service steht für die technische Innovation der Degussa, der heutigen EVONIK Industries AG.

Mokka Service
Kanne, Zuckerdose, Sahnegiesser, Tassen und Untertassen
Hersteller Porzellan: Retsch-Porzellan, Wunsiedel und Winterling, Kirchenlamitz
Porzellan mit einer Glasur aus Glanzgold der Degussa AG
Foto: Uwe Dettmar, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Das kleinste Objekt in der Ausstellung ist eine knapp zwei Zentimeter grosse ausgehöhlte Haselnuss, in der ein winziges, aus Elfenbein gefertigtes Kegelspiel aus dem Jahre 1830 Platz findet.

Haselnuss mit Miniatur-Kegelspiel
um 1830
Haselnuss lackiert, Elfenbein, Koralle
Foto: Uwe Dettmar, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Querflöte aus Holz animierte einst den Schuljungen zum Erlernen des Flötenspiels, sie wird bis heute in Ehren gehalten.

Querflöte
18. Jahrhundert (?)
Ebenholz, Metall vernickelt
Foto: Uwe Dettmar, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Ganz pragmatische Dinge wie die Falschgeld-Münzwaage der Sparkasse Hanau gehören ebenso zum Repertoire wie ein silberner Schirmgriff, der schon im Müll gelandet war oder auch …

Münzwaage mit gefälschten Münzen
1950er Jahre
Holz lackiert, Metall
Foto: Uwe Dettmar, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

… eine metallene Geldkassette, die für die spärlichen Einnahmen durch Gemüseverkauf während des Krieges gute Dienste leistete, eines Tages entwendet wurde und …

Geldkassette
1930er Jahre
Metall, innen rot lackiert
Foto: Uwe Dettmar, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

… irgendwann im Fussballstadion von Frankfurt wieder auftauchte – Geschichten, wie sie das Leben schreibt.

Info:

22. Oktober 2017 – 28. Januar 2018

Familienschätze

Gesellschaft für Goldschmiedekunst e. V.
Deutsches Goldschmiedehaus Hanau
Altstädter Markt 6
63450 Hanau
Deutschland

www.goldschmiedehaus.com

Öffnungszeiten:
Di – So: 11 – 17 Uhr
Vom 22. – 25. Dezember 2017 sowie am 31. Dezember 2017 und 1. Januar 2018 geschlossen

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Concealed

Ab dem 9. Dezember 2017 stellt die Gruppe ‘Art Textiles: Made in Britain’ zusammen mit einigen eingeladenen Künstlerinnen – die Namen lesen sich wie ein Who’s Who – im Maidstone Museum and Bentliff Gallery aus.

Ausstellung ‘Concealed’
Foto freundlicherweise von Cas Holmes zur Verfügung gestellt

Thema: ‘Concealed’, also ‘verborgen’. Interessant, nicht? Persönliche Erfahrungen könnten in die Interpretationen einfliessen: Verborgene Emotionen, versteckte Bedeutungen, Glauben, Botschaften, Sprachen. Auch möglich: sich in einer Menge verstecken, im Wald oder in der Schusslinie sein. Und wenn wir von verborgenen Schmerzen oder Beschädigungen sprechen, warum dann nicht auch von Regeneration oder Neuanfang?

An der (Verkaufs-)Ausstellung sind beteiligt: Louise Baldwin, Pauline Barnes, Hilary Beattie, Ineke Berlyn, Cas Holmes, Rosie James, Edwina MacKinnon, Sandra Meech, Stephanie Redfern, Jenny Rolfe, Christine Restall, Sylvia Paul, Rachel Gornall

Info:

9. Dezember 2017 – 10. Februar 2018

Concealed

Maidstone Museums
St. Faith’s Street
Maidstone
Kent
UK

www.museum.maidstone.gov.uk

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Neues Weltmuseum Wien

Nach drei Jahren Umbau wurde das neu gestaltete Weltmuseum Wien Ende Oktober 2017 mit einer neuen Schausammlung und mehreren Sonderausstellungen wiedereröffnet. Unter der Leitung des neuen Direktors Dr. Steven Engelsman und der Genraldirektorin Sabine Haag bekam das frühere Museum für Völkerkunde eine weltoffene und zeitgemässe Ausrichtung.


Altmexikanischer Federkopfschmuck ‘Penacho’
Mexiko, Azteken, frühes 16. Jahrhundert
Federn von Quetzal, Kotinga, Rosalöffler, Cayenne-Fuchskuckuck, Eisvogel; Holz, Fasern, Papier, Baumwolle, Leder, Gold, Bronze, vergoldet
H. 116, B. 175
© KHM-Museumsverband
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt
Prominentestes Stück ist der berühmte altmexikanische Federkopfschmuck mit hunderten langen Quetzal-Federn und mehr als tausend Goldplättchen. Dieser Kopfschmuck ist der einzige seiner Art, der erhalten blieb und gilt heutzutage geradezu als Ikone des Weltmuseums Wien.

Das neue Weltmuseum versteht sich als Ort, der Menschen und Kulturen auf einzigartige Weise miteinander verbindet. Das Museum hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich mit der kulturellen Vielfalt der Menschheit zu befassen und mit seinen weltumspannenden Sammlungen Österreichs reichhaltige historische Beziehungen zur Welt zu dokumentieren.

Einblick in den Saal ‘Geschichten aus Mesoamerika’
© KHM-Museumsverband
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das Herzstück des neuen Museums ist die von Grund auf neu konzipierte Schausammlung. In 14 Sälen, die sich wie eine Perlenkette von Geschichten aneinanderreihen, werden die zentralen Bestände gezeigt und aus zeitgemässer Sicht interpretiert.

Einblick in den Saal ‘Der Orient vor der Haustür’
© KHM-Museumsverband
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Im Besitz des Hauses befinden sich 300. 000 Exponate, woraus eine Selektion, die insgesamt 3.127 Objekte sowie zahlreiche Fotografien umfasst, zu sehen ist.

Federumhang
Munduruku, Rio Tapajos, Brasilien, um 1830
Federn von Ara und Mutum, Baumwolle
B. 110 cm
© KHM-Museumsverband
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt
Dieser seltene Federumhang der Munduruku stammt aus der Sammlung des Zoologen Johann Natterer, der als Mitglied der österreichischen Brasilien-Expedition von 1817 bis 1835 das Land bereiste. Seine ethnographische Sammlung ist die bedeutendste und umfangreichste aus dieser Zeit.

Es ist aber mehr als eine blosse Präsentation, denn es werden oft überraschende Verbindungen zwischen Österreich und der Welt sichtbar gemacht, die Herkunft der Sammlung hinterfragt und die Geschichte des Kolonialismus aufgearbeitet.

Einblick in den Saal ‘Sammlerwahn. Ich leide an Museomanie!’
© KHM-Museumsverband
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Alle BesucherInnen werden dazu eingeladen, die weltumspannenden Sammlungen – darunter der berühmte Federkopfschmuck ‘Penacho’, die Sammlung des James Cook oder die Objekte der Brasilien-Expedition des Johann Natterer – neu zu entdecken.

Federtempel (hale waiea)
Hawai’i, Polynesien, 1778/79
Federn des hawaiianischen Türkisvogels, Schildpatt, Luftwurzeln der ’ie’ie-Pflanze (Freycinetia arborae), Pflanzenfaserschnüre
H. 59 cm, L. 20 cm, B. 8 cm
© KHM-Museumsverband
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt
Dieses weltweit einzigartige Modell eines hawaiianischen Zeremonialhauses in Form eines Federtempels wurde im Rahmen der dritten Weltumsegelung des britischen Seefahrers Kapitän James Cook (1728-1779) erworben. Das Hausmodell besteht aus einem Flechtwerk aus den gespaltenen Luftwurzeln einer Kletterpflanze und ist mit roten und gelben Federn besetzt. Die Türöffnung weist einen Dekor aus sieben angenähten Schildpattplättchen auf. In den Tempeln Hawai‘is befragten Priester Orakel über den Ausgang politischer und kriegerischer Unternehmungen und stimmten die weitere Vorgangsweise mit den Göttern ab.
Das rare Stück kam nach Österreich als Baron Leopold von Fichtel 1806 nach London reiste, um im Auftrag des österreichischen Kaiserhauses bei einer Versteigerung der Cook-Objekte aus dem Privatmuseum von Sir Ashton Lever Gegenstände für die Sammlungen des österreichischen Kaisers Franz I. zu erwerben.

Mit der Wiedereröffnung wurden ergänzend zur Schausammlung auch fünf Sonderausstellungen zeitgenössischer KünstlerInnen eröffnet, die einen anderen Blick auf ethnographische Themen bieten – ein neuer und hochinteressanter Ansatz für ein ethnografisches Museum.

Info:

Weltmuseum Wien
Heldenplatz
1010 Wien
Österreich

www.weltmuseumwien.at

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Tischlein, deck dich!

Die Wanderausstellung hat den Schwarzwald erreicht: die Ausstellung ‘Tischlein, deck dich!’ wird derzeit in der Sparkasse Haslach im Kinzigtal präsentiert, zusammen mit den Werken von fünf Textilkünstlerinnen aus dem Kinzigtal – natürlich auch mit integrierten afghanischen Stickereien.

Plakat

Über 70 Tischläufer ganz unterschiedlicher Art und aus verschiedenen Ländern sind entstanden, eine Auswahl der Exponate wird auf der Wanderausstellung in verschiedenen Ländern gezeigt. Es mussten mindestens drei Handstickereien mit Obst- oder Gemüsemotiven aus Laghmani, Afghanistan, eingearbeitet werden.

Info:

23. November 2017 – 12. Januar 2018

Tischlein, deck dich!

Sparkasse Haslach-Zell
Hauptstrasse 12
77716 Haslach i. K.
Deutschland

www.guldusi.com

Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten der Sparkasse besichtigt werden.

Öffnungszeiten:
Mo – Fr: 9 – 12 Uhr
Mo, Di und Fr: 14 – 16 Uhr
Do: 14 – 18 Uhr
Mi: nachmittags geschlossen

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Russische Volkskunst – Märchen- und Spielfiguren aus Holz und Ton

In der Sonderausstellung des Völkerkundemuseums Herrnhut wird Ton- und Holzspielzeug aus dem zentralen und nördlichen Teil des europäischen Russland gezeigt. Eine Vielzahl der Stücke konnte das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig im Zeitraum von 1993 bis 2000 von dem Leipziger und Sammler Gerd Thielemann erwerben, der in über 30-jähriger Sammelleidenschaft eine einzigartige Kollektion russischer und mittelasiatischer Volkskunsterzeugnisse mit dem Schwerpunkt Holz/Keramik zusammengetragen hat.

Tonspielzeuge aus Dymkovo
© SKD
Foto: Erhard Schwerin, freundlicherweise von den SKD zur Verfügung gestellt

Weitere Stücke stammen aus den älteren Sammlungen des Leipziger Völkerkundemuseums, die bis ins Jahr 1870 zurückreichen. Es fehlen weder die Matrjoschkas, noch die beliebten Schwingspielzeuge; Klappern, Pfeifen und Pferdekutschen. Die kleinen Kunstwerke zeigen Szenen aus der vielgestaltigen russischen Märchen- und Sagenwelt, aus dem Alltagsleben in Vergangenheit und Gegenwart, Profanes und Besonderes.

Tonfigur Hahn
© SKD
Foto: Erhard Schwerin, freundlicherweise von den SKD zur Verfügung gestellt

Zu sehen sind unter anderem kleine geschnitzte Figuren, die mit der Zeit mittels Fäden und mechanischer Konstruktionen zu eigenem Leben erwachen, oder auch Bauernkeramik, die im Backofen der Familie auf Holzfeuer gebrannt wurde.

Russische Spielzeuge sind weltweit bekannt und beliebt als Souvenirs.

Info:

1. Dezember 2017 — 4. März 2018

Russische Volkskunst – Märchen- und Spielfiguren aus Holz und Ton

Völkerkundemuseum Herrnhut
Goethestrasse 1
02747 Herrnhut
Deutschland

www.voelkerkunde-herrnhut.skd.museum

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Gläserne Kostbarkeiten aus dem Thüringer Wald

In vorweihnachtlicher Atmosphäre wird kunstvoller Christbaumschmuck von Glasbläsern aus dem Thüringer Wald präsentiert: gläserne Kostbarkeiten aus Lauscha …

Foto: Website des Museums

… wo seit fast 200 Jahren Anhänger für den Weihnachtsbaum hergestellt werden, edle, lustige, zarte und traditionelle Stücke für den Baum. Ausgewählte Produkte gibt es im Shop.

Info:

4. Dezember 2017 – 14. Januar 2018

Christbaumschmuck
Gläserne Kostbarkeiten aus dem Thüringer Wald

LWL-Industriemuseum
Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
Zeche Zollern
Grubenweg 5
44388 Dortmund
Deutschland

www.lwl.org

Ausstellungseröffnung:
So, 3. Dezember 2017, 11 Uhr

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Hightech und Haute Couture
Museumsgespräch mit Martin Leuthold

Haute Couture und Sportswearmode inspirieren sich gegenseitig. Beide sind interessiert an Innovation und Experiment. Fremdartige Materialien und Techniken aus anderen Branchen bereichern Stoff und Modemacher. Während der Führung des Textildesigners Martin Leuthold durch die Ausstellung ‘Neue Stoffe – New Stuff. Gestalten mit Technischen Textilien’ im Textilmuseum St. Gallen (hier geht es zu meiner Ankündigung) werden die Zusammenhänge zwischen Hightech-Textilien und Mode, wie sie sich aus der Sicht des Gestalters darstellen, diskutiert.

Foto: Martin Leuthold, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Als ‘eine Schlüsselfigur der schweizerischen Textilindustrie, die es versteht, Nachwuchsförderung, Innovationskraft und internationales Ansehen erfolgreich zu verbinden’ wurde Martin Leuthold anlässlich der Verleihung des Schweizer Grand Prix Design 2013 gewürdigt. Zu diesem Zeitpunkt wirkte er bereits 44 Jahre in der St. Galler Textilindustrie. Als Kreativdirektor des Unternehmens Jakob Schlaepfer entwirft er international gefragte Stoff- und Stickerei-Kreationen für die Bereiche Haute Couture, Prêt-à-porter und Innendekoration, die von namhaften Modehäusern wie Akris, Christian Dior, Marc Jacobs, Louis Vuitton, Vivienne Westwood u. a. verarbeitet werden.

Info:

23. August 2017 – 2. April 2018

Neue Stoffe – New Stuff. Gestalten mit Technischen Textilien

Textilmuseum St. Gallen
Vadianstrasse 2
9000 St. Gallen
Schweiz

www.textilmuseum.ch

Museumsgespräch:
Do, 7. Dezember 2017, 18.30 Uhr

Die Teilnahme an dem Museumsgespräch mit Martin Leuthold ist gratis. Fällig wird lediglich der Museumseintritt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Treffpunkt ist um 18.30 Uhr im Foyer des Textilmuseums.

***

Weihnachten im Museum Europäischer Kulturen

Neben Veranstaltungen zu den Sonderausstellungen bietet das MEK in Berlin dieses Jahr einen ‘Weihnachtspfad’ an. Folgt man ihm, so führt er den Besucher zu ganz besonderen Objekten in den Ausstellungen. Los geht’s im Foyer mit einem bewundernswert geschmückten Tannenbaum …

Flyer

Näheres im Ausstellungsflyer 

Info:

3. Dezember 2017 – 7. Januar 2018

Weihnachten im MEK

Museum Europäischer Kulturen
Staatliche Museen zu Berlin
Arnimallee 25
14195 Berlin-Dahlem
Deutschland

www.smb.museum/mek

Flyer

***

Weihnachten im Jägerhof

Auch das aufgeregteste Jahr geht einmal zu Ende und klingt mit der Weihnachtszeit aus. Vier Wochen braucht es und vier Advents-Kerzen, um den Tritt allmählich zu verlangsamen, sich einzustimmen auf das Fest und sich auf das Wesentliche zu besinnen. In Dresden gehört zum Advent ein Besuch im weihnachtlich geschmückten Jägerhof.

Engel
© SKD
Foto: Christina Nehrkorn-Stege, freundlicherweise von den SKD zur Verfügung gestellt

Die vertrauten Gewölbe im Festornat, die vielen grossen und kleinen Weihnachtsbäume, jeder von einem anderen Volkskünstler oder -künstlerin individuell und einfallsreich geschmückt; die täglich über 20 Stände mit teils traditionellen, teils neu erfundenen handgemachten Kostbarkeiten zum kleinen Preis; die vorweihnachtlichen Bastel- und Mitmachangebote für Kinder; das abwechslungsreiche Veranstaltungsprogramm mit Lesungen, Konzerten und Puppentheater und nicht zuletzt die Begleitausstellung – in diesem Jahr blickt die Begleitausstellung mit den Augen von Tagebuchschreibern, Dichtern und Zeichnern in Weihnachtsstuben aus drei Jahrhunderten – locken jährlich tausende grosse und kleine Gäste in den Jägerhof.

Info:

2. Dezember – 7. Januar 2018

Weihnachten im Jägerhof

Jägerhof
Köpckestrasse 1
01097 Dresden
Deutschland

www.volkskunst.skd.museum

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Workshopangebote und  Ausschreibungen:

Seminar Künstlerbuch ‘SCRAPS’

Unter dem Titel ‘Künstlerbuch ‘SCRAPS’ ‘ gehen Jutta Briehn und Dörte Bach in ihrem 4. Team-Teaching-Seminar vom 24. bis 29. April 2018 in Kloster Irsee (Allgäu) neue Wege. Künstlerbücher sind seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert ein eigenständiges Genre der bildenden Kunst, sie machen das Buch zum Gegenstand eines künstlerischen Konzepts. Es sind Bücher, die eigentlich keine Bücher sind. In diesem Fall wird ein Tapetenbuch als Grundlage zu einem ganz persönlichen Künstlerbuch und verwandelt sich mit Textil, Papier … .

Jutta Briehn: Rajasthan 1
Foto freundlicherweise von Jutta Briehn zur Verfügung gestellt

 

Künstlerstipendium

Erstmalig wird ein Stipendium für Textilkunst vom traditionsreichen Kaufbeurer Nähmaschinenhaus Schaarschuh vergeben. Durch die Vergabe wird eine Textilschaffende ausgezeichnet, die mit Kreativität und Freude am Experiment bereit ist, neue Wege zu gehen. Das Stipendium umfasst die Teilnahmekosten für das Seminar ‘Künstlerbuch ‘SCRAPS’ ‘ sowie Unterkunft und Verpflegung für den sechstägigen Workshop in Kloster Irsee. Über die Preisvergabe entscheidet eine hochkarätig besetzte Jury.

Einsendeschluss der Bewerbung: 19. Februar 2018

Mehr Informationen zu Seminar/Workshop und Stipendium sowie zu den Bewerbungsmodalitäten findet man auf den unten angegebenen Websites von Jutta Briehn und Dörte Bach.

Info:

24. – 29. April 2018

Seminar Künstlerbuch ‘SCRAPS’
Jutta Briehn und Dörte Bach

Schwabenakademie Irsee
Klosterring 4
87660 Irsee
Deutschland

www.schwabenakademie.de
www.juttabriehntextilkunst.de
www.textileart-doertebach.de

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Wandlungen. Retrospektive – Perspektive

Am Sa, 10. und So, 11. Februar 2018, 9 – 18 Uhr, findet im Rahmen der aktuellen Ausstellung ‘Wandlungen. Retrospektive – Perspektive’ (hier geht es zu meinem Ausstellungstipp) ein zweitägiger Workshop mit Britta Ankenbauer zum Thema ‘Verwandlung – Textile Metamorphosen’ in der Textilsammlung Max Berk in Heidelberg-Ziegelhausen statt.

Info:

10. – 11. Februar 2018

Textilsammlung Max Berk / Kurpfälzisches Museum
Brahmsstrasse 8
69118 Heidelberg-Ziegelhausen
Deutschland

www.museum-heidelberg.de

Nähere Info und Anmeldeunterlagen

Ausstellungsflyer

Kosten: 150 EUR
Teilnehmerzahl: mind. 10, max. 15 Personen
Anmeldeschluss: 8. Januar 2018

***

Bitte informieren Sie sich vor einem Ausstellungsbesuch auf der jeweiligen Website besonders über die genauen Öffnungszeiten – es kann sich immer etwas ändern.

Weitere Ausstellungen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik AUSSTELLUNGSKALENDER.

Den verschiedenen Beteiligten herzlichen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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