Kreative Artikel zum Thema Quilten

Quilts mit goldenen Effekten

Herzliche Gratulation zum Jubiläum! 2018 ist für die Firma BERNINA ein besonderes, ein ‘goldenes’ Jahr – jährt sich doch die Firmengründung zum 125. Mal. Matthias Fluri hat uns schon darauf eingestimmt – wir konnten die ganze spannende Firmengeschichte bereits hier im Blog verfolgen. 125 Jahre – wenn dies keine Erfolgsgeschichte ist! Und daher ist die Bezeichnung ‘golden’ mehr als berechtigt, steht dieses Attribut doch laut Duden für ‘im höchsten Mass als gut, schön, glücklich empfunden’, mit anderen Worten für das Beste, einfach für eine Spitzenleistung.

Das Jubiläumsjahr soll im Blog durch eine Reihe ‘goldener Artikel’ begleitet werden, und so kam mir der Gedanke, dass ich, weil ich in meine Art Quilts relativ häufig ‘goldene Effekte’ eingearbeitet habe, einiges davon zeigen könnte – 125 Quilts habe ich zwar nicht zu bieten, warum aber nicht einige meiner Ideen, Gedanken und Inspirationen vorstellen?

Gudrun Heinz: Ginkgo Letters
2006, ca. 90 cm x 60 cm
Baumwolle, metallisierte Baumwolle, Seide, Spiegelchen, Goldgarn, Kordel, Bambusstab
Hand- und Maschinennäherei, Handquilting, Handstickerei, Stoffdruck, chinesischer Knoten

Je nach Kulturkreis und Zeitalter haften dem Edelmetall die verschiedensten symbolischen Bedeutungen an und ich stiess mit unterschiedlichsten Begründungen z.B. darauf, dass Gold für Sonne, Reichtum, Freude, aber auch für Reinheit, Beständigkeit und Weisheit, sogar für Unsterblichkeit stehe. Und auch der aus China stammende Ginkgo-Baum nimmt eine besondere Stellung ein, die dazu passt: er gilt als kraftspendend und lebensverlängernd, wird geradezu verehrt.

Gudrun Heinz: Ginkgo Letters, Detail
2006

Im Mittelpunkt von ‘Ginkgo Letters’ stehen drei Stoffe der US-Designerin Lonni Rossi aus einer Serie. Ich spielte mit den Ideen, aber auch den Farben der Designerin und führte sie fort. Ihre Schriftelemente inspirierten mich zu den Briefen. Die von mir selbst aus einer Origamifaltung entwickelten Faltelemente mit integrierten Spiegelchen liessen sich aus dem metallisierten Baumwollstoff sehr gut herstellen. Die Blattformen, die ich mit der Handstickerei wieder aufnahm und variierte, werden an anderen Stellen durch das Handquilting betont.

Gudrun Heinz: Ginkgo Letters, Detail
2006

Das Ginkgo-Blatt-Motiv stempelte ich zudem auf transparenten Seidenorganza, als dritte Lage der vier Schichten. Die Art der Aufhängung mit dem chinesischen Knoten unterstützt die asiatische Wirkung von Motiv und Farbigkeit.

Gold, das zwar in fast allen Teilen der Welt vorkommt, ist dennoch ein seltenes Edelmetall. Bei Wikipedia kann man lesen, dass in der gesamten Menschheitsgeschichte bisher schätzungsweise 170.000 Tonnen Gold geschürft worden seien, was einem Goldwürfel mit 20,65 Metern Kantenlänge entspräche. Zum Vergleich: Die Seitenlänge der Cheops-Pyramide beträgt ca. 230 Meter – mehr als das Zehnfache.

Gudrun Heinz: Der Traum von Freiheit
2002, ca. 90 x 95 cm
Baumwolle, Glasperlen, Pailletten, Kunstfasergarn
Maschinen- und Handnäherei, Handquilting, Handapplikationen, Strickmanipulation, Perlen- und Paillettenstickerei

Es ist immer wieder erstaunlich, wie selbst ausdrucksstarke Stoffe, die mich persönlich schon lange faszinieren und inspirierten, durch ein paar, auch goldene Glanzpunkte in ihrer Wirkung noch gesteigert werden können. 2002 entstand beispielsweise ‘Der Traum von Freiheit’.

Gudrun Heinz: Der Traum von Freiheit, Detail
2002

Einblicke in die Unterwasserwelt wurden aus frei geschnittenen einfachen, an das Quadrat angelehnte Grundformen gestaltet und in Patchworktechnik zusammengesetzt. Die geschwungenen Linien, Nähte und Kanten stehen für die fliessenden, schwingenden und strömenden Bewegungen des Wassers. Den Traum von Freiheit stellen die Fische dar, die dem Netz entkommen.

Gudrun Heinz: Der Traum von Freiheit, Detail
2002

Es ist kein Wunder, dass Gold nicht nur ein Statussymbol für Reichtum ist, es weckte auch Begehrlichkeiten. Gerade hatte Columbus die Neue Welt entdeckt, da fielen die Conquistadores in Mittel- und Südamerika ein, deren Gier nach Gold der massgebliche Grund für ihre Eroberungen und brutalen Raubzüge war.

Gudrun Heinz: Xocolatl – Speise der Götter
2007/08, 60 cm x 60 cm
Baumwolle, Spiegelchen, Metallapplikationen, Glasperlen
Hand- und Maschinennäherei, Patchwork, Handquilting, Handapplikationen, Stempeldruck, Prägen der Metallapplikationen

Gold fasziniert auch schon immer durch seine Reinheit und seinen warmen ‘Sonnenglanz’ – seit frühesten Zeiten ist Gold daher das Metall der Götter, Pharaonen, Kaiser und Könige. Mit dieser Symbolik spielt mein Quilt ‘Xocolatl – Speise der Götter’.

Gudrun Heinz: Xocolatl – Speise der Götter, Detail
2007/08

Der Quilt nimmt auf die Geschichte der Schokolade, die Kunst und die meisterhafte Goldverarbeitung des alten Amerikas, der Maya und Azteken Bezug. Der Legende nach brachten die altamerikanischen Götter dem Menschen xocolatl, die ‘Speise der Götter’.

Gudrun Heinz: Xocolatl – Speise der Götter, Detail
2007/08

Ohne Kakao gäbe es keine Schokolade. Ohne die Sonne Süd- / Mittelamerikas würde der Kakaobaum nicht gedeihen. Seine Frucht hatte im alten Amerika einen sehr hohen Stellenwert und diente auch als Zahlungsmittel – was lag also näher, als damit auch das Gold zu assoziieren. Denn Gold wird auch als ‘Münzmetall’ verwendet und mancher legt heutzutage, angesichts von kaum mehr zu erzielenden Zinsen, seine Ersparnisse in Goldmünzen an. Auch Schmuck oder die goldene Uhr sind beliebte Wertgegenstände. Zifferblätter und das Innenleben von Uhren mit dem ganzen Uhr- und Räderwerk, mit Zahnrädchen, Federn und anderen geheimnisvollen Bestandteilen, haben es auf einige meiner Quilts geschafft.

2004 entstand zum Beispiel ‘Zeitgeister’, ein kleiner, nur 20 x 20 cm grosser Quilt, für den mit einem Schuss Humor der Begriff ‘Zeitgeist’ wörtlich genommen wurde.

Gudrun Heinz: Zeitgeister
2004 , 20 cm x 20 cm
Baumwolle, Seide, Mischgewebe, Synthetics, Einzelteile eines Uhrwerks, Metallicgarn
Maschinengenähtes Patchwork, Handapplikationen, Handstickerei

Farbgebung und verschiedene Lagen transparenter Stoffe verleihen den ‘Geistern’ einen ätherisch-magischen Charakter. Sie treiben allerhand Unsinn mit den Einzelteilen eines auseinandergenommenen Uhrwerks, die für den Begriff ‘Zeit’ stehen und goldfarbene Glanzpunkte setzen.

Gudrun Heinz: To-do-Liste
2012, ca. 67 cm x 67 cm
Baumwolle, Mischgewebe, Polyestervlies, Baumwollstoffe (handgefärbt von Heide Stoll-Weber),
Tüll, Papier, Folie, Quiltgarn, Zifferblätter
Upcycling ausrangierter Oberhemden, frei geführte Maschinenstickerei, Handapplikationen,
Maschinen- und Handnäherei

Goldene Zifferblätter sind der Hinweis auf die Zeit, um die es auch in der ‘To-do-Liste’ geht, wenn auch um eine vielleicht effektivere Nutzung der Stunden und Minuten. Denn Merkzettel sind für mich und andere ein Muss.

Gudrun Heinz: To-do-Liste, Detail
2012

Wenigstens das wirklich Wichtige, so bildet man sich ein, hat auf diese Weise eine Chance, bedacht und erledigt zu werden, besonders wenn helfende Hände hinzukommen. Entstanden ist 2012 ein Quilt mit einem Augenzwinkern, der in alle Richtungen interpretiert werden kann.

Gudrun Heinz: Im Spiegel der Zeit
2005, 120 cm x 120 cm
Baumwolle, Seide, Wollfilz, Mischgewebe, Synthetics, Einzelteile eines Uhrwerks, Zifferblatt, diverse Unterlegscheiben, Spiegelchen, Drahtgewebe, Glasperlen, diverse Garne und Bänder
Hand- und Maschinennäherei, Maschinen- und Handquilting, frei geführte Maschinenstickerei, Hand- und Maschinenapplikationen, Hand- und Perlenstickerei

Bestandteile von Uhren lieferten auch die Inspirationen für die Stickereien und Applikationen für ‘Im Spiegel der Zeit’, entstanden im Jahr 2005.

Gudrun Heinz: Im Spiegel der Zeit, Detail
2005

Aber nicht nur sie, auch ganz profane Unterlegscheiben fanden Verwendung und auch sie erzeugen Material-, Form- und Farbkontraste. Selbstverständlich bestehen alle diese metallischen Teile nicht aus Gold, sondern vielleicht aus Messing, einer Legierung auf der Basis von Kupfer und Zink mit goldähnlichem Look.

Gudrun Heinz: Im Spiegel der Zeit, Detail
2005

Echtes Gold war von jeher selten und teuer, aber begehrt. Daher versuchten vor allem im Mittelalter die Alchemisten künstlich Gold in ihren Laboratorien zu erzeugen. Die Anhänger dieser geheimen Wissenschaft standen häufig als frühe Chemiker mit Pharmazie, Bergbau und Metallverarbeitung in Verbindung. Immerhin konnte der ‘Goldmacher’ Johann Friedrich Böttger seinen Kopf retten, als er anfangs des 18. Jahrhunderts seinem Auftraggeber August dem Starken zwar kein echtes, dafür aber das als Nebenprodukt seiner Experimente entstandene sog. ‘Weisse Gold’ präsentierte: Das europäische Porzellan war erfunden.

Noch nicht ganz so lange liegen andere Erfindungen zurück: Kunststoffe. Nicht nur Textilien werden aus synthetischen Fasern hergestellt, sondern auch Materialien, die als Dekor eingesetzt werden, wie z.B. Pailletten oder ‘Angelina’, können aus metallisch glänzend-glitzernd wirkenden Kunststoffen bestehen. Einen ersten Versuch mit Verarbeitung und Wirkung von ‘Angelina’ unternahm ich 2005 für meinen kleinen Weihnachtsquilt ‘Sternenfunkeln’.

Gudrun Heinz: Sternenfunkeln
2005, ca. 65 cm x 25 cm
Baumwolle, Samt, Angelinafasern, Dekoteilchen, Metallicgarn
Maschinenapplikationen, Maschinenstickerei und -quilting

Die Angelinafasern wurden durch die Hitze des Bügeleisens miteinander verschmolzen, die Sternformen aus Baumwollstoff damit verziert …

Gudrun Heinz: Sternenfunkeln, Detail
2005

… dann auf einem schwarzen Grund aus Samt arrangiert, mit Goldfaden in Zickzackstich-Variationen übernäht und abschliessend – in Einzelteile zerschnitten – auf den violetten Trägerstoff appliziert, was dem Ganzen eine neue Wirkung verlieh.

Gudrun Heinz: Sternenfunkeln, Detail
2005

Mit viel weniger Goldeffekt kommt die nächste Arbeit aus. Das Motiv aber bleibt gleich: Sterne, und zwar Sterne, die sich in doppelter Hinsicht ‘ergeben’.

Gudrun Heinz: Weihnachtsquilt
2000, ca. 90 cm x 60 cm
Baumwolle, handmarmarmorierte Baumwollstoffe, Goldgarn
Handnäherei und -quilting

Mein Weihnachtsquilt, den ich nach einer Anregung aus einem 1984 in Japan erschienenen Buch in der sog. Atarashii-Technik anfertigte, ist komplett mit der Hand genäht oder gequiltet, wie man will. Und es ist der Goldfaden, der hier den festlichen Akzent setzt und bei diesem Stück völlig ausreicht, um diesen Effekt zu erzielen.

Gudrun Heinz: Weihnachtsquilt, Detail
2000

Ich erinnere mich, dass ich an vielen der 40 Elemente auch in Wartezeiten, z.B. beim Arzt oder auf der EXPO 2000 in Hannover in der Schlange stehend, stichelte – was viele Fragen provozierte. Aber: Es hat sich gelohnt, Spass gemacht und der Quilt wird immer noch in der Weihnachtszeit bei uns aufgehängt.

Der Terminus ‘Gold’ stammt laut Duden aus dem Mittelhochdeutschen ‘golt’, althochdeutsch ‘gold’ und bedeutet ‘das Gelbliche oder Blanke’, ist daher verwandt mit ‘gelb’. Seiner auffallend glänzenden gelben Farbe, seiner Seltenheit und seiner scheinbaren Unvergänglichkeit verdankt das kostbare Edelmetall, das sich sehr gut bearbeiten lässt, seine Beliebtheit. So nutzten z.B. frühere Künstler – neben der prunkvollen Erscheinung – die Reflektionsfähigkeit des Goldes, um schwaches Kerzenlicht in dunklen sakralen Räumen zu verstärken.

Gudrun Heinz: Light Pollution
2014, 120 cm x 60 cm
Baumwolle, Seide, Synthetics, Goldgarn, Glasperlen, Goldfolie
Handstickerei, Hand- und Maschinenapplikation, Handquilting

Genauso präsentiert sich die nächtliche Erde, wenn man sie aus dem Weltraum betrachtet: golden glänzende Lichtpünktchen bis hin zu Flächen im Dunkel überall dort, wo auf der Erde Licht brennt. Die eindrucksvollen Aufnahmen der NASA brachten mich auf die Idee zu ‘Light Pollution’ / ‘Lichtverschmtzung’, als ich zur Teilnahme an der Quilt-Ausstellung ‘Strahlung / Radiation’ eingeladen wurde.

Gudrun Heinz: Light Pollution, Detail
2014

Bereiche auf der Erde mit grossem Anteil an nach oben abgestrahltem oder reflektiertem Licht sind der Líchtverschmutzung ausgesetzt. Die Zerstörung der Nacht hat einen negativen Einfluss auf Menschen, Tiere und Pflanzen. Gleichzeitig präsentiert der Blick aus dem All eine Landkarte der Armut.

Ein Prinzip des Kommunikationsdesigns besagt, dass schwierige Inhalte durch Ästhetisierung zugänglich gemacht werden können, weswegen ich sowohl bei ‘Light Pollution’ als auch bei ‘Tsunami’ auf Gold gesetzt habe.

Gudrun Heinz: Tsunami
2011, 135 cm x 85 cm
Baumwolle, Seide, Nylon, synthetischer Filz, Garne
Frei geführtes Maschinenquilting, Maschinen- und Handnäherei, Maschinen- und Handapplikationen,
Trockenfilzen, Färben, Drucken, Stempeln, Schablonieren

Man erinnere sich an den 11. März 2011, als sich durch die Verschiebung tektonischer Platten ein sehr heftiges Erdbeben vor der Pazifik-Küste Japans ereignete, welches einen Tsunami auslöste. Diese Flutwelle kostete Tausende Menschen ihr Leben und richtete ungeheure Schäden in Japan an.

Gudrun Heinz: Tsunami, Detail
2011

Die Wellen werden in diesem Quilt durch frei geführte Maschinenstickerei dargestellt. Die Japanischen Inseln sind als Applikationen ausgeführt. Das Seismogramm läuft als Breaking News-Band an etwa der geographischen Stelle quer über den Quilt, wo sich die grösste Katastrophe, der Super-GAU von Kernkraftwerken, ereignete.

Gudrun Heinz: Tsunami, Detail
2011

Golden leuchten die Schriftzeichen – aus dem einzigen fertig gekauften Stoff hier bei diesem Quilt – sowie die Warnzeichen vor Radioaktivität.

Gudrun Heinz: Accessoires 1, Detail
2016

Zum Schluss noch ein Ausschnitt aus ‘Accessoires 1’ aus der aktuellen Ausstellung ‘MÄNNER’. In diesem Quilt geht es um Krawatten, wobei für den Mann – wie mit dem Tragen eines Oberlippenbarts – individuelle Möglichkeiten bestehen.

Hoffentlich hattet Ihr Spass bei diesem Streifzug durch die Welt des Goldes und an meinen Quilts mit goldenen Effekten, alle nach eigenen Ideen und Entwürfen selbst angefertigt.

Ganz herzliche Grüsse aus der Goldstadt Pforzheim von

Gudrun

 

Alle Fotos: © Heinz family

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