Kreative Artikel zum Thema Nähen

Der Hut tut´s noch! Ein Restaurations-Experiment.

Schon seit Längerem verfolge ich den Verfall eines alten Zylinders, der als Requisite für diverse Schultheatergruppen gedient hat. Auf den ersten Blick sieht der Hut aus, als wäre er reif für die Mülltonne. Bei näherem Hinsehen kann man jedoch feststellen, dass das Material an sich noch ganz intakt ist. Nur die Verbindungsnähte haben schon bessere Zeiten erlebt. Da ich dem Wegwerfwahn – gerade bei schönen alten Dingen – entgegen wirken möchte, habe ich mir vorgenommen, dem Zylinder wieder Leben einzuhauchen. (Die Hutmacher unter Euch mögen mir jegliche Verarbeitungsfehler verzeihen ;))

Die Ausgangssituation sah folgendermaßen aus:

Zunächst habe ich den Zylinder in seine Einzelteile zerlegt.

Von diesen Teilen habe ich zuerst das Schweißband bearbeitet. Das alte Vlies habe ich entfernt und neues Vlies zugeschnitten.

Das Band habe ich als geschlossenen Ring gelassen und das neue Vlies einfach aufgebügelt.

Dann habe ich vom Hutkopf den Deckel entfernt. Der Deckel ist durch eine steife Einlage verstärkt.

Einige Stellen entlang der Naht waren ausgerissen. Diese habe ich mit Gewebevlies verstärkt und mit einem Zickzackstich wieder verbunden.

Da die ausgerissenen Stellen und somit der Zickzackstich nicht sonderlich symmetrisch und schön aussehen, habe ich den Deckel in eine Art Passepartout gefasst. Das schützt den Deckel nochmals vor erneutem Ausreißen der Nähte und verdeckt die unschönen kaputten Stellen.

Die Nähte des Seitenteils des Kopfes waren ebenfalls schon etwas “ausgeleiert”. Hier habe ich mit Satinband nachgeholfen, welches ich über die Seitennähte aufgesteppt habe.

Dann habe ich Deckel und Seitenteil der Kopfes wieder miteinander verbunden. Zum Anzeichnen des Nahtverlaufes hat mir das Metallgestell des Hutes gedient.

Der untere Teil des Hutkopfes wird durch einen Kunststoffring in Form gehalten. Diesen habe ich per Hand durch die bereits vorgestochenen Nahtlöcher am Stoff befestigt.

Als Nächstes habe ich mir die Krempe vorgenommen. An dieser ist die untere Kante des Hutbandes befestigt. Einige Stellen waren auch hier ausgerissen. Die Obere Kante des Bandes habe ich mit Vlies verstärkt.

Die ausgerissenen Stellen habe ich mit einem kleinen Zickzackstich verkantelt und anschließend die Unterkante des Bandes wieder vollständig an die Krempe angenäht.

Die Unterseite der Krempe war leider sehr stark beschädigt, so dass ich hier einen neuen Stoff aufnähen musste. Als Schablone hat mir ganz einfach die Krempe selbst gedient.

Das zugeschnittene Stoffteil habe ich an der Innenkante per Hand angenäht und die Außenkante zusammen mit dem Einfassband des Hutrandes vernäht.

Den fertigen Hutkopf habe ich über das Metallgestell gezogen und den Kunststoffring am Gestell befestigt. Der Außenstoff sollte hier schon möglichst stramm sein.

Das Innenfutter war zum Glück noch völlig intakt. Das Hutfutter habe ich also wie es war im Hut platziert und mit dem oberen Ring des Gestells verbunden.

Dann habe ich die Hutkrempe über das Gestell mit dem Hutkopf gezogen und Futterhut, den äußeren Hut und die Hutkrempe miteinander verbunden. Die Oberkante des Hutbandes wird nun am äußeren Hutkopf befestigt.

Zum Schluss wird noch das Schweißband aufgenäht.

Wie im Originalzustand schaut er zwar nicht aus, aber für die Bühne ist er allemal wieder tragbar 🙂

 

 

 

 

 

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Kommentare zu diesem Artikel

12 Responses

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  • mari Elle

    Hallo, durch Zufall hab ich deine Bilder gesehen und gedacht, ooh da bin ich ja doch nicht alleine mit meinem “Hobby” Chapeau Claque zu restaurieren. Allerdings nehme ich sie auseinander und beziehe alles neu, solange der Klappmechanismus in Ordnung ist. Meine Männer (Sohn und Mann und die Mitglieder unserer Gesellschaft) tragen zum Schützenfest Chapeau Claque. Die meisten davon sind sehr betagt und haben eine Geschichte. Der Chapeau von meinem Sohn ist ein echter Familienerbstück. Zur Hochzeit von meinem Opa 1920 angeschafft.

    • empha

      Hallo mari Elle, das ist ja toll, dass Du es Dir zur Aufgabe gemacht hast, die Hüte zu reparieren. Und mit eigener und so langer Geschichte, ist so ein Hut ja nochmal viel mehr wert! 🙂 Liebe Grüße, eva

  • Schneiderherz

    Danke fürs Zeigen- denn nun weiß ich auch, wie mein Chapeau Claque von innen aussieht. Meiner ist nämlich noch intakt und rein für einen neugierigen Blick öffnet man den dann ja nicht.
    Ich wünsche Euch mit dem aufgefrischten Zylinder noch viele tolle Bühenauftritte.

    Liebe Grüße
    Ute

    • empha

      Vielen Dank, liebe Ute. Ich freue mich auch schon den Hut wieder auf der Bühne zu sehen 🙂

  • Birgit Berndt

    …ist wieder prima geworden. Ganz klasse gemacht. Schön, so ein Stück zu erhalten.
    Viele Grüße
    Birgit

  • Gudrun Heinz

    toll gemacht! herzlichen dank für diesen interessanten beitrag. wir haben auch so einen chapeau liegen, dem eine überarbeitung vielleicht mal gut täte. abwarten bis zum nächsten fasching!

    • empha

      Vielen Dank, liebe Gudrun! Dann wünsche ich gutes Gelingen, wenn es so weit ist 🙂

  • stoffmadame

    Ich bin auch sehr beeindruckt von der liebevollen “Restaurierung” des Hutes! Und ich fand toll, mal das Innenleben sehen zu können, jetzt verstehe ich auch annähernd, wie so ein Chapeau Claque funktioniert. Das war mir immer sehr mysteriös 😉
    Vielen Dank sagt stoffmadame

    • empha

      Vielen lieben Dank! 🙂 Es freut mich, dass ich etwas Licht ins dunkle Innenleben des Hutes bringen konnte 🙂

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