Kreative Artikel zum Thema Nähen

Das Mantelwunder – easy zu nähen, aus Stoffresten und doch edel

Zwar hat uns der Winter im Frankenland bislang keine wirklich kalten Temperaturen weit unter 0°C beschert, dennoch kann man nicht früh genug dafür sorgen, dass im Falle des Falles die entsprechende Kleidung parat ist. Vor einiger Zeit hatte ich von meiner Tante säckeweise Kunstfellreste geschenkt bekommen, die sie von einer Näherei hatte. Da ich Kunstfelljacken doch sehr gerne mag, weil sie besonders warm und flauschig sind, sollte mein Wintermantel aus diesen Stoffresten genäht werden. Den Schnitt wollte ich besonders einfach halten. So hat der Mantel keine Taschen und ist aus einem einfachen Hoody-Schnittmuster genäht. So eignet sich dieses Projekt perfekt als Erstlingsmantel für Nähanfänger.

Aus dem großen Restesack habe ich mir erstmal passende Stücke ausgesucht, die sich gut zusammennähen lassen.

Bei langflorigem Kunstfell lassen sich die Stoffreste besonders gut unauffällig verbinden. jedoch kann man sich den Mantel auch aus anderen Stoffresten z.B. Walkwolle o.ä. nähen. Je nach Geschmack muss der Stoff nicht einmal die gleiche Farbe haben 🙂 Bei meinen Stoffresten waren viele Randstücke dabei, so dass ich die Teile jeweils längs an der Webkante miteinander verbunden habe. auf der Vorderseite kann man dank der langen “Haare” keine Naht erkennen.

Bei den Quernähten sieht man dann doch eine Verbindungsnaht. Hier sollte man mit einer Stricknadel oder dem Nahtauftrenner etwas nachhelfen und die festgenähten Haare nach oben ziehen. So verschwindet auch hier die störende Naht.

Als Schnittmuster habe ich einen Hoody-Schnitt verwendet mit Raglanärmel und einer Kapuze mit Stegkragen. Da man unter einem Mantel ja in der Regel noch einen Pullover o.ä. trägt sollte der Schnitt einige Größen größer als die eigene Konfektionsgröße sein. Ich habe bei einer Größe von 34/36 einen Schnitt in Größe 40 hergenommen. Selbst hier mussten die Ärmel dann noch um insgesamt 4cm verbreitert werden. Die Kapuze wurde lediglich am Steg um einen Übertritt von ca. 4cm verlängert. Den Rumpfteil habe ich nach entsprechend gewünschter Länge nach unten verlängert, die Taillierung etwas weggenommen und für das Vorderteil ebenfalls den Übertritt von 4cm hinzugefügt. Da mit der Größe auch die Länge mehr wird, musste ich die Fehllänge durch die Strickbündchen nicht hinzugeben.

Aus diesem Schnittmuster habe ich alle Teile 2x aus Oberstoff und aus Steppfutter zugeschnitten. Lediglich das Rückteil liegt im Bruch und wird nur 1x pro Stoff zugeschnitten.

So einfach wie beim Hoody können nun die Ärmelnähte geschlossen werden, die Seitennähte des Rumpfteils und die Kapuze. Dann können die Ärmel und die Kapuze angenäht werden. Nun hat man einen “Futtermantel” und einen “Kunstfellmantel”.

Die beiden Teile müssen jetzt miteinander verbunden werden. Zuerst werden beide Mäntel am Saum verbunden. Der Futtermantel ist etwas kürzer als der Kunstfellmantel. So zieht sich der Fellstoff etwas nach innen ins Futterteil.

Dann werden die beiden Teile an der vorderen Kante in die Kapuze verlaufend innen miteinander verbunden. Um zum Schluss die Ärmel miteinander zu verstürzen habe ich nachträglich noch eine Futterärmelnaht aufgetrennt. Diese kann man auch vorher schon ein Stück offen lassen. Dann werden die Ärmelsäume durch diese Naht gezogen und miteinander vernäht. Die Ärmel sind hier in beiden Stoffarten auf links gedreht und werden am Saum rechts auf rechts liegend (wie eine Röhre) miteinander verbunden. Zieht man die Ärmel wieder nach außen schaut der Mantel schon fast fertig aus.

Damit der Futterstoff nicht nach außen gezogen wird müssen die Nahtzugaben von beiden Stoffen am Saum in der Taille und an den Armlöchern, sowie der Kapuze miteinander verbunden werden. An den Armlöchern empfiehlt sich die Nähte durch ein Stückchen Stoff zu verbinden, damit hier etwas Spielraum bleibt. Zusätzlich habe ich den Verlauf vom Saum an der vorderen Kante entlang über die Kapuze zurück zum Saum von Innen mit einer Art “Blindstich” aneinander geheftet. Hier habe ich durch das offene “Armloch” tatsächlich auch nichtssehend (also blind 😉 ) die Futterstoffrückseite mit der Kunstfellrückseite per Handstich verbunden. Danach wird die offene Ärmelnaht  per Handstich oder mit der Maschine verschlossen.

Zuletzt fehlten nur noch die Verschlüsse. Hier habe ich Klapphaken mit Ösen verwendet und diese per Hand angenäht.

Nun bin ich für die kalten Temperaturen bestens gerüstet!

 

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Kommentare zu diesem Artikel

2 Responses

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  • nowak

    Ein wirklich schöner Mantel!

    Was mich aber überrascht, ist, daß du den Schnitt größer nimmst?
    Normalerweise würde ich bei einem Mantelschnitt davon ausgehen, daß er so konstruiert ist, daß man noch was drunter ziehen kann. Andernfalls würde ich sagen, der Schnittersteller sollte mal dringend nachgeschult werden. 😮 (Bei professionell erstellten Schnitten entspricht das auch meiner Erfahrung.)

    Es sei denn, ich benutze einen Schnitt, der nicht für einen Mantel gedacht ist. Dann müßte ich natürlich selber ändern, aber einfach zwei Größen mehr nehmen, kann zu einer sehr unschönen Schulterlinie und unpassenden Armausschnitten führen. (Die Schultern werden ja durch einen Pulli nicht wirklich breiter und einen viel größeren Halsausschnitt braucht man meist auch nicht.) Das geht dann schon nur bei extrem passformunsensiblen Schnitten. Zumindest meiner bisherigen Erfahrung nach?

    • empha

      Hallo und Danke für Dein Feedback 🙂
      Ich habe in diesem Fall einen Schnitt von einem Kapuzenpullover (Hoody) genommen. Da dieser eher körpernah geschnitten ist, habe ich die größere Kleidergröße genommen und die Ärmel im Verlauf nach unten nochmals verbreitert, damit noch ein Pulli drunter passt ohne dass man sich alles abschnürt. Das Schulterproblem löst sich dadurch, dass ich einen Raglanärmel genommen habe. So liegt die Schulter schön an. Insgesamt ist der Schnitt auch nicht tailliert, sondern eher in H-Linie, was passformprobleme nochmals erleichtert 🙂
      Lg. eva