Kreative Artikel zum Thema Quilten

Ausstellungstipps Juni 2019

gabi mett – textile poesie

Die Textilkunstgalerie ‘art textil sent’ stellt in der nächsten Ausstellung die Künstlerin Gabi Mett aus Deutschland vor – es ist dies unterdessen die 13. Ausstellung nationaler und internationaler Textilkunstschaffender, die Beatrice und Albert Lanter in ihrer Galerie in Sent präsentieren.

Detail aus einer Arbeit von Gabi Mett
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Gabi Mett ist neben ihrer Arbeit als Dozentin für textiles Gestalten und Autorin von Fachbüchern, seit fast vierzig Jahren damit beschäftigt, sich als Künstlerin mit den Möglichkeiten der Textilgestaltung auseinanderzusetzen. Sie lotete die verschiedensten Techniken aus und hat dabei eine eigene Sprache gefunden, um ihre Anliegen auszudrücken, ihren Themen nahe zu kommen. Dabei ist ihr das Sticken besonders wichtig geworden.

Gabi Mett: Zeichensprache
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Sie verwendet gebrauchte Stoffe, Papier (z.B. Buchseiten und Briefe) Fundobjekte, Perlen etc. All dies fügt sie zu einem Ganzen zusammen – zu ihrer persönlichen Aussage. Inspiriert wird sie von den fundamentalen Errungenschaften der menschlichen Kultur, als da wären Zeichen – Schrift – Text – Textiles – Kult – Kultur. Oft ist ihr aber auch das Material selber schon Inspiration. Ihre Werke erzählen Geschichten, bergen aber immer auch Geheimnisse – sie sind zauberhafte Poesie.

Gabi Mett: Traumzeit
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Gabi Mett ist auf internationalen Textilkunstausstellungen mit ihren Werken präsent. Sie hat auch schon Preise und Auszeichnungen gewonnen und ist in Museen mit ihren Arbeiten vertreten.

Gabi Mett: Ursymbole
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Sie können in der Ausstellung auch Werke sehen, die aus der Zusammenarbeit von Gabi Mett mit ihrem Mann, dem Maler und Zeichner Robert Horn entstanden sind. Die Arbeiten lassen die spannende Auseinandersetzung der beiden Künstler mit dem gewählten Thema sowie mit sich selbst spüren.

Einladung
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Sie sind herzlich eingeladen, im Unterengadin mit den schönen Blumenwiesen, diese interessante Textilkünstlerin und ihr poetisches Werk kennen zu lernen.

Gabi Mett
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Vom 8. – 13. Juni 2019 ist die Künstlerin während der Öffungszeiten anwesend und freut sich über einen Besuch mit interessanten Gesprächen und Begegnungen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch nochmals auf Gabi Metts Blog hinweisen, der immer sehr Anregendes beinhaltet, hier z.B. einen Bericht mit vielen Fotos über die sehr sehenswerte Ausstellung ‘lineare räume’ von Anne Ulrich, die noch bis zum 20. Juni 2019 in Bochum zu sehen ist.

Info:

8. – 23. Juni 2019

gabi mett – textile poesie

art textil sent
Stron 277
7554 Sent
Schweiz

www.beatrice-lanter.ch

Öffnungszeiten:
Di – So: 12 – 18 Uhr
Mo geschlossen, Pfingstmontag ausnahmsweise geöffnet

Vernissage:
Sa, 8. Juni 2019, 14 Uhr

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Um angemessene Kleidung wird gebeten
Mode für besondere Anlässe von 1770 bis heute

Key Visual © Stadtmuseum Simeonstift

Over- oder underdressed – Mode verrät viel über ihre Träger. Sie ist Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und erzählt von den gesellschaftlichen Konventionen, denen sie unterliegt.

Cocktailkleid von Heinz Oestergaard, Berlin, um 1954/55
Seidenorganza mit Pailletten und Bastfäden
Sammlung Ralf Schmitt
© Foto Ralf Schmitt, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit der Ausstellung ‘Um angemessene Kleidung wird gebeten’ geht das Stadtmuseum Simeonstift in Trier noch bis zum 6. Oktober 2019 den Dresscodes auf den Grund, die das Leben bekleiden: vom Taufhemd über Sonntagsstaat, Hochzeitsmode und Ballkleid bis zum Trauerflor.

Kindermode – Ausstellungsansicht
© Foto Stadtmuseum Simeonstift, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Damen-, Herren- und Kinderkleider aus vier Jahrhunderten zeigen den Wandel formeller und festlicher Mode vom 18. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. Abgelegte Traditionen stehen dabei im Dialog mit den modischen Normen der Gegenwart.

Jungenkleid, um 1880/85
Wolle, Stadtmuseum Simeonstift
© Foto Stadtmuseum Simeonstift, Ralf Schmitt, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Basis der Ausstellung bildet die Privatsammlung des Trierer Modedesigners und Textilrestaurators Ralf Schmitt.

Justaucorps, Weste und Kniehose, um 1789/90
Seidenatlas, lancierte Seide mit Metallfäden, Baumwolle-Seiden-Mischgewebe
Sammlung Ralf Schmitt
© Foto Ralf Schmitt, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Für das Museum stellte er eine Auswahl von mehr als 100 Kleidern und Accessoires aus 250 Jahren Modegeschichte zusammen: von prächtigen, handgefertigten Unikaten bis zu ikonischen Designentwürfen von Worth, Dior oder Vivienne Westwood.

Festkleid ‘Robe à la Polonaise’, um 1770
Seidentaft mehrfarbig broschiert mit Klöppel- und Nadelspitze, Seidenbänder
Sammlung Ralf Schmitt
© Foto Ralf Schmitt, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Wer bestimmt, was angemessen ist? Woher stammen die textilen Ge- und Verbote und sind sie heute noch zeitgemäss? Die Ausstellung …

Tanzkleid, um 1924/25
Metallspitze und Seidenlamé mit Glasperlenfransen, Strass, Pailletten und Straussenfedern Sammlung Ralf Schmitt
© Foto Ralf Schmitt, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

… geht nicht nur der stilgeschichtlichen Entwicklung, sondern auch den Bedingungen von Mode nach.

‘Blaumann’ Arbeitsoverall, um 1985
mit Gebrauchsspuren und Reparaturen, Baumwolle
Leihgabe Harald Schmitt, Kusel
© Foto Ralf Schmitt, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Bilder, Dokumente und Videos hinterfragen Begriffe wie Stil, Geschmack und Etikette.

Brautkleid, 2018
aus der Bachelorkollektion von Paula Forster (Entwurf und Ausführung), Hochschule Trier, Fachrichtung Modedesign
Kunstseiden-Crêpe, Georgette, Feintüll, Elastiktüll, Seidenorganza
Leihgabe Paula Forster, Hochschule Trier © Paula Forster
Foto: Lukas Busch, Trier, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Info:

19. Mai – 6. Oktober 2019

Um angemessene Kleidung wird gebeten
Mode für besondere Anlässe von 1770 bis heute

Stadtmuseum Simeonstift
Simeonstrasse 60
(direkt neben der Porta Nigra)
54290 Trier
Deutschland

www.museum-trier.de

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TEXTILE ART BERLIN 2019

Die TEXTILE ART BERLIN, die vom 15. – 16. Juni 2019 auf dem PHORMS Campus Berlin-Mitte, einer internationalen bilingualen Schule, stattfindet, feiert ihren 15. Geburtstag. Organisatorin Nathalie Wolters und ihr Team sind bestrebt, der zeitgenössischen Textilkunst ein breites Forum zu bieten: Rund 100 Verkaufsstände, 26 Ausstellungen, 29 Workshops, die Modenschau und viele Mitmachaktionen stehen bereit.

Anne Lange: Experi-Metall – Kupfer
Foto: Anne Lange, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Das Motto 2019 lautet: ‘Flying Colors–Tausend Expressionen’. ‘Flying Colors’ ist ein Begriff aus der Schiff-Fahrt und verweist auf die Flaggen am Mast. ‘Die Flaggen der TEXTILE ART BERLIN wehen für Innovation und Exzellenz genauso wie für den Erhalt und die Weitergabe von traditionellen Techniken und Metiers. Dieser Reichtum in den textilen Künsten übersetzt sich in tausend Ausdruckformen und Wege’, schreibt der Veranstalter.

Almyra Weigel: Modestücke aus Druck- und Zeitungspapier
Foto: Almyra Weigel, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

So gibt es Ausstellungen aus verschiedenen Bereichen des textilen Schaffens, z.B. zeigen Sabine Reichert-Kassube und Yvonne Zoberbier unter dem Titel ‘Stille Wasser – Plastiken und Körperhüllen’ Filzobjekte.

Yvonne Zoberbier: Anmutige, 2018
Plastik, Nadelfilztechnik
Foto: Robert Quentin, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

In der Filzinstallation ‘Stille Wasser’ beleuchten sie die Intensität einer Lebensphase und das Wesen Frau mit Sensibilität und Leidenschaft, aber auch mit Selbstironie. Schutzräume mit verborgenen Kammern sollen achtsam geöffnet und durchschritten, Polaritäten hinterfragt und neu geordnet werden.

Claudia Lingen präsentiert in ihrer Einzelausstellung ‘Vielseidig IV’ frei im Raum hängende, grossformatige, vielseitige Seidenbilder. Die Transparenz, Farbigkeit und Leichtigkeit wird so direkt erfahrbar.

Claudia Lingen: Das Huhn
Foto: Claudia Lingen, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Gröbenzeller Quiltgruppe ist mit ‘#erzählt #gefärbt #genäht, Märchen – Erinnerungen’ vertreten. Märchen, die in früheren Zeiten mündlich überliefert wurden, gehören zu den Erzählungen, die uns ein Leben lang begleiten. Oft werden sie auch vorgelesen, so dass Schrift ein wesentliches Element der eher abstrakten Quilts ist.

Gabriele Bach: der Wolf und die sieben Geislein (Gröbenzeller Quiltgruppe)
Foto: Gabriele Bach, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Um Blockdruck in Indien geht es in der Ausstellung der Sammlung von Nathalie Cassée ‘Kashmir Heritage’, die verschiedene Blockdrucktechniken in Bild und Beispiel vorstellt. Unter anderem Ajrakh, Dabu, Sanjanu, Bagh, Bagru und Kalamkari.

Kashmir Heritage: Handdruck
Foto: Nathalie Cassée, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Annemie Koenen zeigt ‘Kreationen in Filz’, Wandbehänge und Accessoires, die in unterschiedlichen Techniken gefilzt wurden.

Annemie Koenen: Geheilt, Detail des Triptychon-Wandbehangs, 2019
Nass-Filztechnik, handbestickt
Foto: Annemie Koenen, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Das gesamte Programm ist auf der Website ersichtlich.

Info:

15. – 16. Juni 2019

TEXTILE ART BERLIN 2019

PHORMS Campus Berlin-Mitte
Ackerstrasse 76
13355 Berlin
Deutschland

www.textile-art-berlin.de

Öffnungszeiten:
Sa: 10 – 18 Uhr
Modenschau: ab 19 Uhr
So: 10 – 17 Uhr

Flyer

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Luxus am Nil
Spätantike Kleidung aus Ägypten

Teure, extravagante Kleidung spielte schon vor 1500 Jahren im spätantiken Ägypten eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Würde, Rang und Anspruch wurden damit zum Ausdruck gebracht. Aber wie machte man das am besten, wenn Alt und lung, Gross und Klein dasselbe Gewand tragen?

Die Antwort auf diese Frage findet sich in der neuen Sonderausstellung der Abegg-Stiftung: Sie präsentiert sowohl mehrere vollständige als auch einige in Fragmenten erhaltene Tuniken aus jener Zeit sowie zahlreiche kleinere Webstücke, die einst als individueller Schmuckbesatz auf die Einheitskleidung aufgenäht waren.

Plakat

Die Abegg-Stiftung in Riggisberg besitzt eine bedeutende Sammlung von Textilien aus dem 3. bis 9. Jahrhundert, wovon das Museum nun zum ersten Mal in seiner Geschichte eine grössere Auswahl zum Thema Kleidung zeigt. Dreh- und Angelpunkt der Ausstellung bildet ein auch heute noch bekanntes Kleidungsstück – die Tunika. Das einfache, weit geschnittene Gewand, das mit und ohne Ärmel vorkam, war das wichtigste Kleidungsstück im gesamten Mittelmeerraum. Die Tunika wurde von Frauen, Männern und Kindern aus allen Gesellschaftsschichten als Alltagskleid, Festtracht oder Uniform getragen. Ihren angestrebten Charakter erhielt sie nicht durch den Schnitt, er kam vielmehr durch die verwendeten Materialien, Farben und Verzierungen zum Ausdruck. Kostbare Seide oder alltägliches, grobes Leinen, teuer gefärbt oder naturbelassen sowie Anzahl und Feinheit der Dekorationen spiegelten den Wert einer Tunika.

Angesichts der heutigen kurzlebigen Modetrends mit ihrem ungeheuren Materialverschleiss steht man in der Ausstellung staunend vor den oft noch in leuchtenden Farben erhaltenen ägyptischen Textilien mit ihrer langen Geschichte. Dass sie nicht zerfielen, ist dem trockenen Wüstensand zu verdanken. Dort konnten die Gewänder, die aus so fragilen organischen Fasern wie Wolle, Seide und Leinen gefertigt sind, geschützt vor Feuchtigkeit und Licht die Jahrhunderte überdauern. Zudem trugen die Bestattungssitten dazu bei, dass diese Textilien so zahlreich ‘überlebten’. Ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. wurden in Ägypten die Toten nicht mehr einbalsamiert und in Bänder gewickelt, sondern in ihren Kleidern bestattet. Oft legte man ihnen auch mehrere Gewänder übereinander an, die viele Jahrhunderte später von den Archäologen wieder ausgegraben wurden.

Rote Wolltunika
Ägypten, 5.–7. Jahrhundert
Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5434
Farbstoffe waren teuer. Nicht jedermann konnte sich eine farbige Tunika leisten. Die bunten Verzierungen an Halsausschnitt und Schultern machten das tiefrote Gewand noch luxuriöser.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Blickfang der Ausstellung sind zwei vollständig erhaltene Wollgewänder von imponierender Grösse. Das eine ist eine leuchtend rote Tunika mit zwei lila-beige gemusterten Längsstreifen. Sie wird nicht etwa dreidimensional auf einer Figurine gezeigt, sondern flach ausgebreitet an der Wand präsentiert. So wird einerseits deutlich, wie riesig sie ist. Andererseits lässt sich damit der Herstellungsprozess veranschaulichen: die Tunika wurde mitsamt den Ärmeln in einem Stück gewebt. Dabei erfolgte der Webvorgang quer, das heisst von Ärmel zu Ärmel. Diese Methode setzte einen Webstuhl von mehr als zweieinhalb Metern Breite voraus. Die gemusterten Partien wurden direkt in den Stoff eingewebt. Entsprechend anspruchsvoll gestaltete sich das Weben eines solchen Kleidungsstücks.

Rote Wolltunika, Detail
Ägypten, 5.–7. Jahrhundert
Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5434
Detail der Verzierung am Halsausschnitt.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Beim zweiten Gewand handelt es sich fast um ein Zwillingsstück zur roten Tunika. Es besteht aus einem schweren, beigefarbenen Wollgewebe, das unten mit einer breiten Kordel abschliesst. In den eingewebten purpurfarbenen Zierleisten sind kleinteilige Ranken mit tanzenden Figuren und allerlei Tieren dargestellt. Auch diese Tunika wurde in einem Stück gewebt. Sie präsentiert sich jedoch dreidimensional auf einem T-förmigen Ständer, der das kostbare Kleidungsstück überall gut stützt.

Wie fühlte es sich wohl an, dieses extrem weite Gewand zu tragen? Verhedderte man sich nicht bei jeder Bewegung in den Stoffmassen, und sah man darin nicht wie ein wandelnder Vorhang aus? Eine Illustration gibt die entsprechenden Hinweise. Entscheidend sind die überaus schmalen Ärmel. Sie lagen an den Armen eng an und gaben dadurch der ganzen Tunika den nötigen Halt, indem sie dafür sorgten, dass sich der Stoff dekorativ über den Schultern bauschte und so den Eindruck eines zweiten, darüberliegenden Gewandes erweckte. Vorder- und Rückenteil überlappen sich an den Seiten. Die breite Kordel am unteren Rand liess das Gewand nach vorne und nach hinten abstehen, so dass es auch in Bewegung die gewünschte Form behielt und bequem zu tragen war.

Wolltunika mit Ärmeln
Ägypten, 5.–7. Jahrhundert. Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 31
Die Tunika hat eine einfache, hemdartige Form. Sie ist am Körper oft sehr weit, an den Ärmeln dafür eng. In den eingewebten purpurfarbenen Zierleisten dieses beigefarbenen Beispiels sind kleinteilige Ranken mit tanzenden Figuren und Tieren dargestellt.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Von weniger spektakulären Dimensionen, aber mindestens ebenso interessant ist eine breite, ärmellose Tunika aus dem 1. bis 3.]ahrhundert. Aus dieser frühen Epoche gibt es nur ganz wenige derart gut erhaltene Gewänder. Die Tunika besticht durch ihr feines orangefarbenes Wollgewebe mit dezentem Würfelmuster. Einen dekorativen Kontrast dazu setzen die eingewebten purpurfarbenen Zierstreifen, die von den Schultern nach unten zum Saum verlaufen. Das überraschend elegante und zeitlose Gewand blieb seitlich offen und wurde über der Hüfte durch einen Gürtel zusammengerafft. Durch die Stofffülle entsteht der Eindruck von Halbärmeln, die bis zu den Ellbogen reichen. Für die Ausstellung liegt die Tunika rundum gestützt auf einem speziell angefertigten Ständer, der den natürlichen Fall des Stoffes in etwa wiedergibt.

Während die mehr oder weniger vollständig erhaltenen Tuniken im Zentrum des Ausstellungssaales in Vitrinen gezeigt werden, befinden sich an den Wänden vor allem kleinere Stücke, entweder Gewandfragmente oder Zierbesätze, die einst auf die Tuniken appliziert waren. Hier wird die ganze Vielfalt des ornamentalen Schmucks sichtbar: von farbigen Streifen, die an Vorder- und Rückseite von den Schultern nach unten verliefen, über kreisrunde Medaillons oder rechteckige Felder, die über den Schultern oder in Kniehöhe angebracht waren, bis zu aparten Borten am Halsausschnitt und an den Ärmelenden. Es lohnt sich, die Besätze genauer zu betrachten. Neben geometrischen Mustern und floralen Motiven finden sich darauf sehr oft reizvolle figürliche Szenen, wie zum Beispiel Meeresnymphen, die auf Delphinen reiten oder mit einem Lendenschurz bekleidete Fischer, die – umgeben von Vögeln, Hasen, Fischen und Schnecken – zwei Fische an der Angel haben. Auch Jäger und Raubtiere, Tänzerinnen und Athleten sind zu sehen. Zumeist haben die menschlichen Figuren im Verhältnis zum Körper übergrosse, ausdrucksstarke Gesichter, die jedem modernen Comic zur Zierde gereichen würden.

Zierstreifen mit Vögeln und Blüten
Wirkerei aus Leinen und Wolle; Ägypten, 7.–8. Jahrhundert
Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 1388
Je mehr und je feinere Dekorationen eine Tunika aufwies, desto kostbarer war sie. Beliebt waren farbige Zierstreifen, die an Vorder- und Rückseite von den Schultern nach unten verliefen.
© Abegg-Stiftung, CH-3132 Riggisberg (Foto: Christoph von Viràg)
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die meisten Tuniken waren aus Leinen und wurden mit Schmuckbesätzen aus Leinen und Wolle verziert. Aber auch Bekleidungen aus Wolle scheinen verbreitet gewesen zu sein, während solche aus Seide die absolute Ausnahme bildeten. Letztere galten als Inbegriff von Pracht und Reichtum. Wie kein anderes Kleidungsstück vermochten sie dem Träger Prestige und Exklusivität zu verleihen. Schon ihr Ausgangsmaterial, die Rohseide, bildete ein Luxusgut von höchstem Rang. Sie musste bis ins 6.]ahrhundert aus Indien oder China importiert werden. Waren seidene Gewänder schon in der Spätantike sehr selten, so sind naturgemäss noch weniger dieser kostbaren Objekte bis heute erhalten geblieben. In der Ausstellung sind einige in ihrer Art einzigartige Tunikafragmente aus gemusterten Seiden zu bewundern, Besonders eindrucksvoll ist ein grün-beiges Gewebe mit feingliedrigem Muster. Sein Dekor zeigt Reihen von Medaillons, die von verschlungenen Bändern gebildet werden. Das Innere nehmen Darstellungen von Eroten ein – knabenhafte Verkörperungen des antiken Liebesgottes Eros. Sie halten Früchtekörbe, Hasen, Vögel oder Rohrflöten in den Händen.

Ein weiteres Luxusmerkmal stellen die Farben dar. Um die textilen Fasern zu färben, brauchte es pflanzliche Farbstoffe wie Krapp und Indigo oder tierische Färbemittel wie die Lackschildlaus oder das Sekret der Purpurschnecke. Ihre Gewinnung war aufwendig und entsprechend teuer wurden sie verkauft. Deshalb konnte sich nicht jeder eine farbige Tunika leisten. Die meisten Menschen mussten sich mit einem Stoff aus ungefärbtem Garn begnügen und werteten ihre Tunika dann mit einzelnen farbigen Schmuckbesätzen auf.

Den Abschluss der Ausstellung bildet ein kleineres Gewand. Es handelt sich um eine Kindertunika aus ungefärbtem Leinen mit roten Schmuckelementen. Diese zeigen ein Muster aus fröhlichen Strichmännchen, die an liebenswerte Kinderzeichnungen erinnern. Ob die ‘Kritzelfigürchen’ bewusst an der Kleidung für das Söhnchen oder das Töchterlein angebracht wurden – wer weiss? Die Kindertunika gehört dem Museum August Kestner in Hannover und wurde der Abegg-Stiftung zur Restaurierung anvertraut. Sie ist nur während diesem Sommer in Riggisberg ausgestellt und ergänzt die Bestände der Abegg-Stiftung um ein weiteres Highlight der spätantiken Textilkunst.

Weitere Fotos findet man auf der Website des Museums.

Hier geht’s zu meiner Ankündigung dieser Ausstellung.

Info:

28. April – 10. November 2019

Luxus am Nil
Spätantike Kleidung aus Ägypten

Abegg-Stiftung
Werner Abeggstrasse 67
3132 Riggisberg
Schweiz

www.abegg-stiftung.ch

Öffnungszeiten:
täglich: 14 – 17.30 Uhr

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Textil-Biennale Rijswijk 2019

Vom 18. Juni – 6. Oktober 2019 findet die vom Museum Rijswijk organiserte Textil-Biennale statt. Das Museum hatte die Biennale bereits zum sechsten Mal ausgeschrieben (hier geht es zu meiner damaligen Ausschreibung) und erhielt wieder Einsendungen aus vielen Ländern, aus denen eine Auswahl von 22 Künstler*innen getroffen wurde.

Plakat

Neues und Vintage gehen Hand in Hand, wenn so viele Künstler*innen die Vergangenheit und Gegenwart erkunden: sowohl bei der Auswahl von Techniken und Materialien als auch bei der Wahl der Themen.

Nigel Cheney: Family Portrait
Foto: N. Cheney, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Damit ist die Biennale 2019 nicht nur aktuell, sondern sie fügt sich auch wunderbar ein in eine Reihe starker bisheriger Shows.

Josefina Concha: Sempiterno
Foto: J. Concha, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Computer und Internet erfahren Wertschätzung und sind zu einem festen Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden. Sie haben auch in der zeitgenössischen Kunst an Boden gewonnen. Kayla Mattes ’archiviert’ flüchtige Bilder aus dem Internet durch zeitaufwendiges Weben. Abgesehen von der gemeinsamen Struktur (Binär / Kette und Schuss) sieht sie auch eine kulturelle Verbindung: Traditionell dokumentierten Gobelins die Kultur.

Kayla Mattes: I WILL NOT
Foto: K. Mattes, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Völlig andere Herangehensweisen sind in den gewebten Werken von Kata Unger und …

Kata Unger: The forecasters
Foto: Nora Lina Merten, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

David B. Smith zu sehen.

David. B. Smith: Non Player Character
Foto: D.B. Smith, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Wie schon bei der Textilbiennale 2017 kommentiert die Mehrheit der Teilnehmer*innen in ihren Arbeiten zeitgenössische Themen. Sehr expressiv und plakativ: der Australier Paul Yore, dessen Themen um Genderfragen, den Missbrauch durch die Kirche, Konsum und die Ideologien der weissen Überlegenheit kreisen.

Paul Yore: Let Us Not Die From Habit
Foto: P. Yore, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Seine Landsfrau Paula do Prado blickt von innen und aussen auf Kolonialismus, Rassismus und insbesondere auf das, was verbindet.

Paula do Prado: Genesis
Foto: P. do Prado, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Materialien sprechen zu lassen – insbesondere solche mit Vergangenheit – kann auf verschiedene Weise erreicht werden. Mark Newport kreiert wunderschöne ‘Reparaturen’, mit denen das Gewebe auf ein neues Niveau gehoben wird. Sie symbolisieren die Narben, die das Leben für uns für Geist und Körper auf Lager hat.

Mark Newport: Mend
Foto: T. Thayer, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Lawrence Baileys in Applikationstechnik gearbeitete Banner zeigen das Werk des Menschen: verwundete Städte, geschändete Natur – all das, was in einem schwarzen Loch verschwinden wird.

Lawrence Bailey: REJOICE
Foto: L. Bailey, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Das Museum Rijswijk präsentiert mit dieser bedeutenden internationalen Ausstellung einen kaleidoskopartigen Querschnitt durch die textile Kunst.

Die Ausstellung begleitend ist ein Katalog (Niederländisch / Englisch) erhältlich.

Info:

18. Juni – 6. Oktober 2019

Textil-Biennale Rijswijk 2019

Museum Rijswijk
Herenstraat 67
2282 BR Rijswijk
Niederlande

www.museumrijswijk.nl

Private View:
So, 16. Juni 2019, 15 Uhr

Grosser Stoffmarkt:
So, 15. September 2019, 11 – 17 Uhr

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‘Vernetzung’ – textile Verbindungen
vom traditionellen Patchwork zum Art Quilt

Die Gruppe ‘quiltARtnet’, bestehend aus Renate Dellenbusch/Osnabrück, Rebecca Roth/Schramberg und Annette Rußwinkel/Osnabrück präsentiert in einem wunderschönen Ambiente – im Schramberger Stadtmuseum im Schloss – eine Vielzahl von traditionellen Arbeiten und Art-Quilts.

Annette Rußwinkel: Casa Bathlló
Foto: Annette Rußwinkel, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Verbindendes Thema ist die Vernetzung. Darüber hinaus gibt es Interpretationen zu den Themen Klimawandel, Umwelt, Bauhaus, Antonio Gaudi, Emil Nolde u.ä. Die Gruppe arbeitet sehr gern frei und mit handgefärbten Stoffen.

Annette Rußwinkel: Casa Bathlló, Detail
Foto: Annette Rußwinkel, freundlicherweise von der Künstlerin zur Verfügung gestellt

Info:

30. Juni – 12. September 2019

‘Vernetzung’ – textile Verbindungen
vom traditionellen Patchwork zum Art-Quilt
Gruppe quiltARtnet

Stadtmuseum Schramberg im Schloss
Bahnhofstrasse 1
78713 Schramberg
Deutschland

www.schramberg.de

Öffnungszeiten:
Di- Sa: 13 – 17 Uhr
So/Feiertage: 11 – 17 Uhr
Eintritt frei

Ausstellungseröffnung:
Sa, 29. Juni 2019, 19.30 Uhr

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Fadenlauf
Textilkunst trifft auf Rennsport

Eben noch auf der NADELWELT Karlsruhe (hier geht’s zu meinem Bericht), schon ist die Ausstellung ‘Fadenlauf’ dank der Initiative von Rebecca Roth, einer Teilnehmerin, mitten im Schwarzwald, in Schramberg zu sehen.

Key Visual

Und zwar noch bis Ende September 2019 in einem wunderbar passenden Ambiente, dem Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten.

Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

Zwischen vielen Oldtimern und anderen Verkehrsmitteln aus der Zeit hat Rebecca dafür gesorgt, dass die Exponate der 14 teilnehmenden Textilschaffenden dort hervorragend zur Geltung kommen.

Fadenlauf – Textilkunst trifft auf Rennsport
Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Britta Ankenbauer und Bernhild Paul
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

Dies sei ihr sofort klar gewesen, als sie die Ausstellung erstmals gesehen hatte, betonte sie in ihren einführenden Worten anlässlich der Vernissage am 10. Mai 2019 und bahnte den Kontakt an.

Fadenlauf – Textilkunst trifft auf Rennsport
Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Gudrun Heinz und Rebecca Roth
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

Eine Frau mit Weitblick, die zum Dank für ihre tatkräftige Initiative von Thomas Herzog, dem Oberbürgermeister der Stadt einen Blumenstrauss überreicht bekam.

Fadenlauf – Textilkunst trifft auf Rennsport
Rebecca Roth und Oberbürgermeister Thomas Herzog
Eva-Renate Wetter: Die Tribüne, Detail (vorn li)
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

Die vom Textil- und Rennsport Museum Hohenstein-Ernstthal (TRM) 2017 anlässlich des 90-jährigen Jubiläums der dortigen Rennstrecke ‘Sachsenring’ organisierte ‘Fadenlauf’-Ausstellung stellt …

Fadenlauf – Textilkunst trifft auf Rennsport
Ausstellungsansicht mit Arbeit von Renate Flohr
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

…  eine thematisch-künstlerische Verbindung zwischen dem Motorsport und den Erzeugnissen der sächsischen Textilindustrie, die sich auf die Herstellung von sog. technischen Textilien spezialisiert hat, her.

Fadenlauf – Textilkunst trifft auf Rennsport
Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Edith Koch und Susanne Dopf
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

Der moderne Rennsport ist ohne den Einsatz von technischen Textilien in Bezug auf Funktionalität und Sicherheit nicht mehr denkbar.

Fadenlauf – Textilkunst trifft auf Rennsport
Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Gudrun Heinz, Barbara Albrecht und Barbara Benedix
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

Spezial-Sicherheitsgurte, reiss- und stichfeste Bezugsstoffe, Rennanzüge aus wasser-, schmutzabweisenden und feuerhemmenden Materialien, um nur einiges zu nennen, sind Pflicht.

Fadenlauf – Textilkunst trifft auf Rennsport
Ausstellungsansicht mit Arbeit von Birgit Scholz-Baxter
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

So standen die Teilnehmerinnen an dieser ungewöhnlichen Sonderausstellung vor der Aufgabe, unter (Mit-)Verwendung dieser Stoffe …

Fadenlauf – Textilkunst trifft auf Rennsport
Ausstellungsansicht
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

… die auch bei der Verarbeitung manche vor Herausforderungen stellte …

Fadenlauf – Textilkunst trifft auf Rennsport
Dr. Angelika Werner: Material, Detail
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

… den Bezug zum Motorsport künstlerisch umzusetzen.

Fadenlauf – Textilkunst trifft auf Rennsport
Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Gisela Hafer
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

So werden Bereiche wie Rennstrecke, Geschwindigkeit, Sicherheit, Rettung, aber auch die Fans thematisiert.

Fadenlauf – Textilkunst trifft auf Rennsport
Ausstellungsansicht mit Arbeit von Bernhild Paul
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

Dies ist ihnen – zum überwiegenden Teil Mitglieder des Vereins Quiltkunst e.V. – exzellent gelungen.

Fadenlauf – Textilkunst trifft auf Rennsport
Ausstellungsansicht mit Arbeiten von Dr. Judith Pauly-Bender
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

Ein Besuch in Schramberg lohnt sich im Moment sogar mehrfach: Im Sonderausstellungsbereich des Auto- und Uhrenmuseums ErfinderZeiten läuft ebenfalls bis Ende September ‘Mystical Forest – Die Welt des Sebastian Wehrle’, eine grossformatige Fotoausstellung, die typische Schwarzwaldfolklore in ein spezielles, ungewöhnliches Licht setzt …

The mystical Black Forest, Key Visual
Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten Schramberg
Foto: Gudrun Heinz

… sowie ab dem 30. Juni 2019 die oben erwähnte Art-Quilt-Ausstellung ‘Vernetzung’ im Stadtmuseum Schramberg im Schloss.

Info:

10. Mai – 29. September 2019

Fadenlauf
Textilkunst trifft auf Rennsport

Auto- und Uhrenmuseum ErfinderZeiten
Gewerbepark H.A.U. 3/5
78713 Schramberg
Deutschland

www.auto-und-uhrenwelt.de

Öffnungszeiten:
Di – So: 10 – 18 Uhr

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Aus dem Nähkästchen geplaudert – Alte textile Handarbeiten

Die Ausstellung zeigt die Vielfalt textiler Handarbeiten vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ende der DDR-Zeit mit den entsprechenden Nähkästchen und zahlreichen Handarbeitsutensilien. Ob Tischdecken, Haushaltstextilien, Sticktücher und Ergebnisse des schulischen Handarbeitsunterrichts, umhäkelte Taschentücher und geknüpfte Wandteppiche oder Sofakissen und vieles mehr zeugen vom handwerklichen und gestalterischen Können vieler Generationen fleissiger Mädchen- und Frauenhände. Gleichwohl wird auch an einigen Beispielen von Handarbeiten aus Männerhand das Klischee beleuchtet, warum textile Handarbeiten seit dem 19. Jahrhundert nur Frauen zugesprochen wurden.

Plakat

Privatsammler bereichern die Ausstellung mit ihren Kollektionen:
Goldschmied Thorvald Greif stellt ca. 350 Fingerhüte aus. Er ist Besitzer des weltweit einmaligen Fingerhutmuseums in Creglingen. Jens Hüttig aus Altenburg ist Sammler von Nähmaschinen. Eine Besonderheit stellen Kindernähmaschinen dar, wovon 35 Exemplare in unserer Ausstellung zu sehen sind. Eine Topflappensammlung von Karin Thönnissen aus Krefeld mit ca. 80 Exemplaren lässt staunen, wie vielfältig und unterschiedlich die Handarbeitstechniken eingesetzt wurden.

Sammlung von Kindernähmaschinen
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Info:

19. Mai – 1. September 2019

Aus dem Nähkästchen geplaudert – Alte textile Handarbeiten

Textil- und Rennsportmuseum Hohenstein-Ernstthal (TRM)
Antonstrasse 6
09337 Hohenstein-Ernstthal
Deutschland

www.trm-hot.de

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FAUST 2019 – Im Spiegel der Kunst

Das Theater Pforzheim hatte in Kooperation mit dem Faust-Museum Knittlingen und der Goldschmiedeschule mit Uhrmacherschule Pforzheim alle Kreativköpfe dazu aufgerufen, ihren Gedanken zu Goethes ‘Faust’ im Spiegel unserer Zeit Gestalt zu geben. Daraus wurde eine Ausstellung, über die ich schon  (mit vielen Ausstellungsfotos) berichtete.

Plakat

Inzwischen ist sie in das Faust-Museum / Faust-Archiv Knittlingen weitergewandert und ich wollte natürlich sehen, wie die Exponate, darunter meine Bodeninstallation „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?“, sich an der neuen Location machen würden. Am Sonntag, 19. Mai 2019, dem Internationalen Museumstag, wurde sie eröffnet – also auf in die Faust-Stadt Knittlingen, dem Geburtsort des historischen Georg Johann Faust (um 1480).

Faust-Museum Knittlingen
Foto: Gudrun Heinz

Das Museum ist im alten Rathaus, einem Fachwerkgebäude aus dem 18. Jh. untergebracht und zeigt in seiner Dauerausstellung auch eine umfassende Darstellung des faustischen Mythos. Diese reicht, ausgehend von mündlicher Überlieferung, von Volksbüchern über Puppenspiele bis zu …

Faust-Museum Knittlingen
Foto: Gudrun Heinz

 

John-Marionetten aus Konstanz (1985/86) Faust-Museum Knittlingen
Foto: Gudrun Heinz

 

John-Marionette aus Konstanz (1985/86) Faust-Museum Knittlingen
Foto: Gudrun Heinz

… verschiedenen literarischen Interpretationen, bis in die Gegenwart.

Dass Faust mit dem Teufel paktiert hätte, kam jedoch erst nach dem Tod des historischen Faust um 1540 auf, obwohl dieser sich u.a. der Alchemie gewidmet hatte und im Zuge eines Experiments spektakulär zu Tode kam.

FAUST 2019 – Ausstellungsansicht
Faust-Archiv Knittlingen
Foto: Gudrun Heinz

Ganz in der Nähe befindet sich heute in der ehemaligen Lateinschule das Faust-Archiv, das über reiche eigene Ressourcen verfügt und auch ein Ort für vielseitige kulturelle Veranstaltungen ist.

Dr. Ralf Krause: Faust auf Erkenntnissuche
FAUST 2019
Faust-Archiv Knittlingen
Foto: Gudrun Heinz

In diesem historisch-interessanten Ambiente also findet noch bis zum 30. Juni 2019 die aus dem Kreativwettbewerb hervorgegangene Ausstellung statt, die durch eine durchdachte Anordnung der Exponate einen thematisch geordneten Rundgang erlaubt.

FAUST 2019 – Ausstellungsansicht
Faust-Archiv Knittlingen
Foto: Gudrun Heinz

Und es zeigt sich wieder, dass es sich um überzeitlich relevante Themen handelt: Goethes Stoff ist auch heute noch auf Einzelschicksale, Beziehungsgeflechte, aber auch auf gesellschaftliche, gar globale Entwicklungen übertragbar.

FAUST 2019 – Ausstellungsansicht
Faust-Archiv Knittlingen
Foto: Gudrun Heinz

Der Komplexität des Goetheschen Faust entspricht die Vielfalt an künstlerischen Ausdrucksformen und -mitteln, die in der Ausstellung präsentiert werden.

Info:

19. Mai – 30. Juni 2019

FAUST 2019 – Im Spiegel der Kunst
Faust-Museum / Faust-Archiv Knittlingen

Kirchplatz 2 und 9
75438 Knittlingen
Deutschland

www.faustmuseum.de

Öffnungszeiten:
Fr: 14 – 17 Uhr
So: 14 – 18 Uhr

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Sagmeister & Walsh: Beauty

Der in den USA lebende Superstar des Grafikdesigns Stefan Sagmeister zeigte in ‘The Happy Show’ die Resultate seiner zehn Jahre andauernden Untersuchung des Glücks. Nach Stationen in Nordamerika, Paris und Wien war seine Erfolgsshow zum ersten und einzigen Mal im Museum Angewandte Kunst Frankfurt 2016 in Deutschland zu sehen.

Stefan Sagmeister & Jessica Walsh
Porträt
2013
© John Madere, Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Nach diesem grossen Erfolg ist Stefan Sagmeister jetzt ins Museum Angewandte Kunst zurückgekehrt. Gemeinsam mit seiner Studiopartnerin Jessica Walsh liefert er mit dem neuen Ausstellungsprojekt ‘Beauty’ ein ganz persönliches, visuell beeindruckendes Plädoyer für die Lust am Schönen, das noch bis zum 15. September 2019 zu sehen ist.

Ausstellungslogo Sagmeister & Walsh: Beauty
2018/19
© Sagmeister & Walsh, New York
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit spektakulären interaktiven Installationen nimmt das renommierte Designduo Sagmeister & Walsh die Besucherinnen und Besucher mit auf eine sinnlich-vergnügliche Suche: Was ist Schönheit und warum fühlen wir uns von ihr angezogen?

Sagmeister & Walsh, bemalte Bälle aus Schweinsblasen, 2018/19
MAK Wien-Kunstblättersaal
© Aslan Kudrnofsky/MAK Wien
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Anhand von zahlreichen Beispielen aus Produktdesign, Stadtplanung, Architektur und Grafikdesign möchte das Designduo demonstrieren, dass Schönes tatsächlich besser funktioniert.

Sagmeister & Walsh, Color Room, 2018/19
In Kooperation mit Backhausen
MAK Wien DESIGN LABOR
© Aslan Kudrnofsky/MAK Wien
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Unterstützt von Erkenntnissen aus der psychologischen Ästhetik, aus Geschichte, Philosophie und den Naturwissenschaften vertreten Sagmeister & Walsh den Standpunkt, dass Schönheit mehr ist als eine rein oberflächliche Strategie: Sie beeinflusst unseren Alltag, stimuliert unsere Wahrnehmung und macht die Welt zu einem besseren Ort.

Sagmeister & Walsh, Yes!
Unterführung, Brooklyn-Queens Expressway, 2016
© Maggie Winters Gaudaen for Pop! Wed Co.
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Sagmeister & Walsh: Beauty’ ist eine Kooperation des Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, und des MAK Wien. Die Ausstellung wurde in Wien von Kathrin Pokirny-Nagel kuratiert und wird im Museum Angewandte Kunst von Peter Zizka koordiniert.

Info:

11. Mai – 15. September 2019

Sagmeister & Walsh: Beauty

Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt
Deutschland

www.museumangewandtekunst.de

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Badenixen und Strandburschen. Hanro-Bademode der 1930er-Jahre

Ab dem 8. Juni 2019 widmet das Museum.BL in Liestal sich mit der Ausstellung ‘Badenixen und Strandburschen. Hanro-Bademode der 1930er-Jahre’ einem modischen Sommerthema.

Key Visual

Die 1930er Jahre sind nicht nur gesellschaftlich in Bewegung – auch modisch: Körperbetonte Zweiteiler sorgen im Sommer für Aufsehen, Frauen tragen bequeme Strandpyjamas und im Familienbad wird jetzt geschlechtergemischt gebadet. Schwimmen und Sonnenbaden werden zur beliebten Freizeitbeschäftigung, gebräunte Haut und ein sportlicher Körper zum Schönheitsideal.

Die Firma Hanro lässt sich in dieser Zeit vom neuen Lebensgefühl, der Lust auf Sonne, Luft und körperliche Betätigung inspirieren. Sie entwirft und produziert in Liestal modische Bade- und Strandkleider für den internationalen Markt.

Die Hanro-Sammlung nutzte die Zürcher Modedesignerin Nathalie Schweizer als Inspiration und lässt mit ihrer Kollektion ‘Madeleine’ (im Museumsshop erhältlich) die 1930er Jahre wieder aufleben. Ihre Kreationen sind eine Hommage an die Designerin Madeleine Kriesemer-Handschin, die damals für Hanro innovativ tätig war.

Info:

8. Juni – 13. Oktober 2019

Badenixen und Strandburschen. Hanro-Bademode der 1930er-Jahre

Museum.BL
Zeughausplatz 28
4410 Liestal
Schweiz

www.museum.bl.ch

Öffentliche Vernissage:
Fr, 7. Juni 2019, 18 Uhr

Öffentliche Führungen:
So, 9. Juni, 23. Juni, 25. August 2019, 14 – 15 Uhr

Flyer

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PharaonenGold – 3.000 Jahre altägyptische Hochkultur

Derzeit entführt das Weltkulturerbe Völklinger Hütte seine Besucher*innen in die Welt der Pharaonen mit ihrer Vorstellung von Gold und ihrem Traum vom ewigen Leben. Die Ausstellung ‘PharaonenGold – 3.000 Jahre altägyptische Hochkultur’ zeigt mit 160 Exponaten aus dem Alten Ägypten herausragende Goldschätze. In dieser Form sind die Exponate zum ersten Mal zu sehen. Die Ausstellung eröffnet einen besonderen Blick auf das Gold, das für die alten Ägypter aussergewöhnlich grosse religiöse und symbolische Kräfte besass.

Stabaufsatz mit Darstellung der Göttin Hathor
Ptolemäische Periode, 306 – 30 v. Chr.
Gold, Höhe 9,9 cm
Copyright Foto: Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Hans-Georg Merkel, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt
Die Göttin Hathor aus der Ptolemäischen Periode (ca. 306 bis 30 v. Chr.) ist eine der bekanntesten Gottheiten im Alten Ägypten. Sie wird seit der Prädynastischen Periode bis in die Spätzeit und weit darüber hinaus verehrt. Symbolisch ist Hathor verbunden mit den Prinzipien von Liebe, Schönheit, Musik, Tanz, Mutterschaft und Freude und besitzt eine besondere Beziehung zum Pharao. Die Göttin wird entweder als Kuh dargestellt mit Hörnern und dazwischenliegender Sonnenscheibe oder mit der Uräus-Schlange. In der Zeit der griechischen Besetzung wird Hathor identifiziert mit der Göttin Aphrodite, während die Römer sie mit Venus gleichsetzen.

Gold ist nicht vergänglich und nicht zerstörbar. Gold ist das Symbol der Ewigkeit und das heiligste Metall der alten Ägypter. Sie bezeichneten Gold deshalb auch als das Fleisch der Götter. Die Ausstellung spannt einen Bogen von der 3. Dynastie (ca. 2680 v. Chr.) bis zur Ptolemäischen Periode (306 bis 30 v. Chr.) und gibt einen seltenen Einblick in die Welt der Pharaonen und ihres Hofstaates und ihrer Beziehung zu Gold. Zahlreiche Exponate sind zum ersten Mal überhaupt in einer Ausstellung zu sehen. Die Exponate stammen aus bedeutenden Museen wie den Staatlichen Museen zu Berlin – Ägyptisches Museum und Papyrussammlung – dem Kunsthistorischen Museum Wien – Ägyptisch-Orientalische Sammlung – und dem Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim sowie aus internationalen Privatsammlungen.

Statuette des Königs Chephren
Altes Reich, 4. Dynastie, 2522 – 2496 v. Chr.
Gold, Elektron, Höhe 6 cm
Copyright Foto: Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Archiv, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt
Die Statuette ist eine Darstellung des Königs Chephren. Sie zeigt den in Schrittstellung präsentierten König mit zurückgesetztem Bein und seitlich herabgeführten Armen und zur Faust geschlossenen Händen. Über Jahrtausende ist diese Darstellungsweise ägyptischer Figuren klassisch und stilprägend. Die Inschrift bezieht sich eindeutig auf Chephren. Diese Figur ist die älteste bekannte Statuette eines altägyptischen Königs aus Gold. Im Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist sie zum ersten Mal in einer Ausstellung zu sehen. Die Präsentation dieser Satuette ist eine archäologische Sensation.

‘Die Magie des Goldes bestand für die alten Ägypter nicht in dem materiellen, sondern in dem symbolischen und religiösen Wert. Die magische Kraft des Goldes versprach den alten Ägyptern ewiges Leben. In dem einzigen vollständig erhaltenen Eisenwerk aus der Blütezeit der Industrialisierung, dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte, treten die Welt des Eisens und der Glauben der alten Ägypter an die symbolische Kraft des Goldes in einen Dialog. Insofern treffen zwei Welterbe der Menschheit an einem Ort aufeinander. Die Ausstellung ‘PharaonenGold – 3.000 Jahre altägyptische Hochkultur’ ist auch eine Kulturgeschichte, die durch die Symbolik von Metallen erzählt wird’, sagt Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte.

Halskragen aus Hez-Vasen, Gold- und Fayenceperlen
Ende Zweite Zwischenzeit, um 1550 v. Chr.
Elektron, Gold, Glas, Länge 48 cm
Copyright Foto: Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Archiv, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt
Mehrere der im Weltkulturerbe Völklinger Hütte ausgestellten Goldschmiede-Arbeiten zählen zu den besten ihrer Art. Der Halskragen aus Hez-Vasen, Gold- und Fayenceperlen gehört zu den feinsten bekannten Beispielen von Feingliedrigkeit und Detailarbeit ägyptischer Goldschmiedekunst. Mehrere Jahre war dieser Halskragen im Metropolitan Museum of Art, New York, zu sehen. Andere Meisterwerke altägyptischer Goldschmiedekunst, die aufgrund ihrer filigranen Machart mit Sicherheit königlichem Goldschmuck zuzuordnen sind, werden im Weltkulturerbe Völklinger Hütte zum ersten Mal öffentlich gezeigt.

Ramses II., Tutanchamun, Echnaton und Nofretete: Die Namen der ägyptischen Pharaonen befeuern bis heute unsere Phantasie. Zur Faszination der Pharaonen zählen Pyramiden wie die Chephren-Pyramide und legendäre Gräber und Goldschätze wie die des Tutanchamun. Die Pharaonen standen im Zentrum der altägyptischen Kultur und stammten nach altägyptischer Vorstellung von den Göttern ab.  Man träumte den Traum vom ewigen Leben. Zu den faszinierendsten Vorstellungen der altägyptischen Mythologie zählt die ‘Nachtfahrt’ des Sonnengotts Re, der sich mit der Nachtbarke auf die Reise durch das Nachtreich der Unterwelt begibt, um am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang wiedergeboren zu werden. Gold war für die alten Ägypter das Symbol des ewigen Lebens. Auf Erden sorgten die Pharaonen im Glauben der alten Ägypter für die Ordnung und Ausgewogenheit der Welt und hielten so die Welt im Innersten zusammen. Die Grabbeigaben aus Gold sollten die Pharaonen unsterblich machen.

Siegelring mit Darstellung der thronenden Nofretete
Neues Reich, 18. Dynastie, 1350 – 1333 v. Chr.
Gold, Elektron
Durchmesser innen 1,6 cm
Copyright Foto: Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Archiv, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt
Der Goldring der Nofretete zeigt sie auf dem Königsthron mit der ihr zugehörigen Krone und einem Blütenwedel als herrschaftlichem Symbol. Diese Darstellung weist auf ihre dominante Stellung in der Amarnazeit hin. Die Adaption der Symbole männlichen Königstums auf die feminine Darstellung verdeutlicht den Status der Königin Nofretete.

Die Exponate der Ausstellung stammen überwiegend aus Pharaonengräbern. Und sie zeugen von einer Kunst, die mit dem Totenkult und dem Götterglauben verbunden und die mit unserem heutigen Begriff von Kunst nicht vergleichbar ist. Im Alten Ägypten gibt es keine Kunst um ihrer selbst willen. Die Kunst dient dem Kult und der Religion. Der Glaube und die Vorstellungen dieser Kunst sind über Jahrtausende hinweg gültig. Diese Kunst von hochspezialisierten Handwerkern verfolgt vor allem ein Ziel – dem Vergänglichen Dauer zu verleihen.

Königliches Pektoral mit Darstellung eines Geiers
Neues Reich, 20. Dynastie, 1140 – 1132 v. Chr.
Lapislazuli, Karneol, Gold, Länge 59,3 cm
Copyright Foto: Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Archiv, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt
Das königliche Pektoral der 20. Dynastie aus der Regierungszeit Ramses‘ VI. besteht aus einem aus Goldblech getriebenen Geier-Anhänger und einer aus Gold-, Karneol- und Lapislazuliperlen bestehenden Kette. In den Fängen hält der Geier den shen-Ring, das Symbol der Endlosigkeit. Die Darstellung des Geiers ist das Symbol der Göttinen Mut und Nechbet. Nechbet bildet zusammen mit der Schlangengöttin Uto die mütterliche Beschützerin des Königstums. Sie gelten als Emblem des Pharao. Als Tier der Königsgöttin Nechbet spielt der Geier im Königsschmuck eine Rolle. Die Symbolik des Geiers umfasst die Unversehrtheit der Mumie durch den Schutz der Götter, die den toten Pharao umgeben. Seine Flügel umgreifen schützend den Körper des toten Königs.

Die alten Ägypter waren die ersten Menschen, die Gold bearbeiteten. Ihre Kunstwerke sind herausragende Meisterwerke. Viele Goldschätze gingen durch Plünderung verloren. Und doch geben die erhaltenen Goldschätze einen umfassenden Eindruck von der hochentwickelten Fähigkeit altägyptischer Goldarbeiter und Juweliere. Vor allem aber ist das Gold der Pharaonen Ausdruck einer Glaubenswelt, die bis heute fasziniert.

Info:

18. Mai – 24. November 2019

PharaonenGold – 3.000 Jahre altägyptische Hochkultur

Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur
Rathausstrasse 75 – 79
66333 Völklingen
Deutschland

www.voelklinger-huette.org

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Rebellische Pracht – Design-Punk statt Bauhaus

Üppige Dekors, schrille Farben und ein ausgeprägter Experimentiergeist: In den 1970er und 80er Jahren rebellierte eine Generation von Gestalter*innen gegen die Nüchternheit des Funktionalismus. Als bewusstes Gegenprogramm zum 100-jährigen Bauhausjubiläum widmet sich das Museum Marta Herford mit seiner soeben eröffneten Ausstellung ‘Rebellische Pracht’ bis zum 1. September 2019 dieser zentralen Bewegung der postmodernen Designgeschichte, die in ihrer Radikalität bis heute verblüfft.

Daniel Weil / Gerard Taylor, Hersteller: Anthologie Quartett (seit 1988), Quasi-Modo
1987, Stuhl, Birke und Buche, lackiert, Leder, 82,5 x 39,5 x 51 cm
Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Archiv der Avantgarden
Foto: Richard Davis, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In grossem Umfang werden erstmalig Möbel, Leuchten und weitere Objekte legendärer Designer*innen wie u.a. Ettore Sottsass, Matteo Thun und Michele De Lucchi aus der Sammlung Anthologie Quartett (Bad Essen) präsentiert. Begründet von Michael von Jakubowski und Rainer Krause (†2013) befindet sie sich heute im Besitz der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden – Archiv der Avantgarden.

Michele De Lucchi, Hersteller: Studio Alchimia, Sinerpica
1980, Tischleuchte, Emaille, gelbe Glühbirne, 75 x 17 x 17 cm
Für die bau. haus art collection
Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Archiv der Avantgarden
Foto: Marcus Schneider, Berlin, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Was sich in Italien mit dem Radical Design bzw. Anti-Design bereits in den 1960er Jahren andeutete, setzte sich in den beiden nachfolgenden Jahrzehnten mit Gruppen wie Memphis oder Alchimia und schliesslich auch mit dem Neuen Deutschen Design fort: Als Gegenentwurf zu den schlichten Gestaltungsansätzen des Bauhauses wurde innerhalb dieser Gegenbewegung der Wunsch nach einer humaneren Gestaltung laut, die ein nachhaltiges Umdenken in Formgebung und Produktion forderte.

Matteo Thun, Hersteller: Anthologie Quartett, Sherry Netherlands
1984, Champagnerflöte, Champagne flut, 25 x 12 x 12 cm
Für den Neuen Reichen Tisch
Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Archiv der Avantgarden
Foto: Axel Hartmann, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Anhand von fünf Kapiteln können die Besucher*innen die verschiedenen Entwicklungsstufen dieser bahnbrechenden Designrevolution nachvollziehen. Beispielsweise die schillernde Neuinterpretation einer barocken Tafel, die auf 18 Metern Länge kuriose und aufsehenerregende Objekte der postmodernen Tischkultur präsentiert.

Riccardo Dalisi, Hersteller: Anthologie Quartett, Posate Animate 983
Besteck (Prototyp), Holz, Metall, verschiedene Maße
Für den Neuen Reichen Tisch
Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Archiv der Avantgarden
Foto: Marcus Schneider, Berlin, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Oder die Umwidmung des Alltagsobjekts der 1980er Jahre in bunte, teils provokant-verspielte Objekte, wofür Comics und Science-Fiction-Romane als Inspirationsquelle dienten.

Matteo Thun, Hersteller: Anthologie Quartett, Topolino (Mickey Mouse)
1986, Keramik, 25 x 13 x 19 cm
Für die Ausstellung „made in… Düsseldorf“
Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Archiv der Avantgarden
Foto: Marcus Schneider, Berlin, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Selbst Robert Venturis quietschgelbe Kuckucksuhr ‘Cuckoo Clock’ (1988) erscheint in schrillen Tönen und ist Ausdruck einer humor- und lustvollen Sinnlichkeit.

Robert Venturi, Hersteller: Alessi, Cuckoo Clock
1988, Wanduhr, Kunststoff, Elektronik, 41 x 29 x 12 cm
Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Archiv der Avantgarden
Foto: Marcus Schneider, Berlin, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Info:

26. Mai – 1. September 2019

Rebellische Pracht – Design-Punk statt Bauhaus

Marta Herford
Museum für Kunst, Architektur, Design
Goebenstrasse 2 – 10
32052 Herford
Deutschland

www.marta-herford.de

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“natürlich schön”

Die Natur spielt in der bildenden und angewandten Kunst nicht erst seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert oder durch das ökologische Bewusstsein unserer Zeit, sondern schon immer eine wichtige Rolle. Materialität, Farbigkeit, Strukturen, aber auch Wasser, Erde, Feuer, Luft und die mit den Elementen verbundenen Naturerscheinungen des Lichtes, des Sternenhimmels, der Flora und Fauna regten den Menschen seit frühester Zeit zum Gestalten an.

“natürlich schön”
Ausstellungsansicht
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Sie tun es in unserer Zeit in einer so ausgeprägten Art und Weise, dass die Inspiration durch die Natur zu einem stilbestimmenden Element in der Gestaltung des 20. und 21. Jahrhunderts geworden ist. Dieser deutliche Bezug und die neu gewonnene Naturhaftigkeit im zeitgenössischen Kunsthandwerk stehen in einem gewissen Spannungsfeld zur digitalisierten Welt, in der wir uns bewegen. Sie sind scheinbar notwendig und unverzichtbar für eine menschliche Welt, in der die Suche nach dem Schönen noch von Bedeutung ist.

Beate von Harten (AT)
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die noch bis zum 15. Juni 2019 laufende Frühlingsausstellung “natürlich schön” der Galerie Handwerk in München widmet sich der natürlichen Schönheit von Materialien und deren handwerklicher und künstlerischer Bearbeitung und hatte dazu 39 Gestalter und Gestalterinnen aus mehreren europäischen Ländern eingeladen, ihre neuesten Arbeiten zu zeigen.

Monica Guilera Subirana (ES)
Foto: © Tim Johnson, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die Natur ist ein grosses Thema unserer Zeit. Es beschäftigt sich mit einfachen Formen und Strukturen, mit Ruhe und einem bewussten Zug zur Entschleunigung. Die vielen Facetten der Werkstoffe, das Spiel mit den Oberflächen und die natürliche Farbigkeit stehen im Mittelpunkt der Präsentation. Die Ausstellung in der Galerie Handwerk beschäftigt sich mit formal schlichten und einfachen Formen aus den unterschiedlichen Bereichen des Handwerks.

Franziska Schmid-Burgk (DE)
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Glas, Holz, Keramik, Metall, Papier, Stein, Schmuck und Textil zeigen sich in ihrer materialbezogenen Variation. Gerade in der Einfachheit liegt oft die Kunst und das Schwierige und zwingt zur meisterlichen Beherrschung des Metiers. Ascheglasuren und handgewebte Leinentücher, grosse gedrechselte Holzschalen und kühle, golden schimmernde Glasringe, Papiere aus Sellerie- oder Flachsfasern, Töpfe aus Speckstein und geschmiedete Messer, flüsternde Gefässe aus Silber oder Dornenlöffel sprechen alle Sinne an.

Gabi Veit (IT)
Foto: © @grund.photo, freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Info:

8. Mai – 15. Juni 2019:

“natürlich schön”

Galerie Handwerk
Max-Joseph-Strasse 4
80333 München
Deutschland

www.hwk-muenchen.de

Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr: 10 – 18 Uhr
Do: 10 – 20 Uhr
Sa: 10 – 13 Uhr
an Sonn- und Feiertagen geschlossen

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creatura | Geschöpf
Gabi Veit

Gabi Veit, die sich zunächst als Sammlerin und seit 2011 als Macherin mit einem der elementarsten Kulturgegenstände der Welt, dem Löffel, beschäftigt , hat derzeit eine sehenswerte Einzelausstellung in ihrer Heimatstadt Bozen, die noch bis zum 8. Juni 2019 läuft.

Key Visual

Aus der grundlegenden geometrischen Einfachheit – der Stiel als Linie und die Laffe als Kreis – entwickelt sie eine überwältigende Vielfalt an Metallobjekten. Es ist ein Spiel mit der Symbolik von Fülle und Leere, von Nehmen und Geben. Jedes Löffelobjekt ist Ausdruck von unerschöpflicher Fantasie und einer fröhlichen Gestaltungslust. Die Silberlöffel haben Kopf und Körper, sind Stiel und Bein, sind Blüte, Frucht und Blatt. Sie tanzen aus der Reihe, sprechen zueinander und treten in Kommunikation mit den Betrachtern und Benutzern.

Was irgendwann als Mitbringsel von einer Reise angefangen hat, erweiterte sich immer mehr zu einer Sammlung mit inzwischen an die 500 Löffel, aus vielen Gegenden der Welt und den unterschiedlichsten Materialien, und entwickelt sich weiter: 2008 bis 2011 zog Gabi Veit für das Studium zeitgenössischen Schmucks nach Florenz und seit 2011 hat die Künstlerin eine eigene Werkstatt in Italien und in der Schweiz, seit 2017 im renovierten alten Wöschhüsli in Aesch ZH.

Info:

17. Mai – 8. Juni 2019

creatura | Geschöpf
Gabi Veit

Galerie Prisma
Südtiroler Künstlerbund
Weggensteinstrasse 12
39100 Bozen
Italien

www.kuenstlerbund.org

Öffnungszeiten:
Di – Fr: 11 – 19 Uhr
Sa: 11 – 13 Uhr

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Schafstag

Über 400 Jahre verarbeiteten die Bramscher Tuchmacher die Wolle der Schafe – bis heute werden im Tuchmacher Museum auf historischen Maschinen Wolldecken aus Merinowolle hergestellt. Doch Schafe sind viel mehr als nur Lieferanten für Wolle. Seit Jahrhunderten ist das Schaf eines der wichtigsten Nutztiere. Es liefert Wolle, Felle, Leder, Fleisch, Milch und Käse und wird zur Landschaftspflege eingesetzt.

Am 16. Juni 2019 veranstaltet das Tuchmacher Museum Bramsche wieder einen Schafstag und lädt zu vielerlei Aktionen zum Mitmachen und Staunen sowie zu einen Markt mit und rund ums Schaf herzlich ein.

Einladung

In Kooperation mit dem Schäfer Norbert Stehmann, Slow Food Osnabrück, der Kunterbunten Wollspinnerey, dem Landes-Schafzuchtverband Weser-Ems e.V. und weiteren Akteuren dreht sich an diesem Tag alles um das Schaf. Von einer Schafrassen-Schau über die Schafschur und die Teamarbeit zwischen Schäfer und Hütehunden, dem Färben und Spinnen von Wolle bis zu einem Markt mit Produkten rund ums Schaf gibt es am Schafstag im Museum viel zu sehen und zu erleben.

Info:

16. Juni 2019

Schafstag

Tuchmacher Museum Bramsche
Mühlenort 6
49565 Bramsche
Deutschland

www.tuchmachermuseum.de

Der Eintritt ist an diesem Sonntag frei.

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TextilePop
Europeans together in sustainable design / engineering / management

TextilePop ist ein kooperatives Ausstellungs- und Workshop-Format der Hochschule Niederrhein – Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik zusammen mit dem NRW-Forum Düsseldorf und Gästen aus Europa. Die Ausstellung zeigt die Bandbreite an textiler Kompetenz in den Bereichen Design, Engineering und Management unter dem Schwerpunkt der Nachhaltigkeit. Die Ausstellungskonzeption entstand in Kooperation mit dem edi – exhibition design institute (Hochschule Düsseldorf).

Key Visual

Innovative Workshop-Formate, in denen Studierende, Alumni, Lehrende und Experten aus der Industrie gemeinsam interdisziplinär, hierarchielos und cross-cultural gestalten, ergänzen das Statement: Europe together. Das Rahmenprogramm gibt mit Führungen für Kinder und Erwachsene und einem textile-maker-space Raum für Diskussionen über nachhaltige Lösungen der Zukunft.

Hochschule Niederrhein, Ovium Wear: The Eco Miracle
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Die vier Ausstellungsbereiche von TextilePop sind:

Light up cultural spaces
Next Material
Save the future
Design is music…is Design – Europeans united

Der Ausstellungsbereich Space I beschäftigt sich zum einen mit textilen Lichtlösungen. Zum anderen zeigt es Designs, die sich mit dem textilen Kulturerbe, z.B. des Bauhaus’ oder dem Erbe der Textil- Industrie-Bauten in NRW, Manchester (UK) und Borås (Schweden), auseinandersetzen und Verbindungen kreieren. Space II zeigt einzigartige Materialinnovationen im Nachhaltigkeitssektor über die Bereiche Schuh- oder Bikini-Design hinaus und …

Spiel Satz Sieg, Tanja Haunreiter
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

… spielt mit ungewöhnlichen Materialien wie Myzel und Ramee oder bionischen Strukturen.

Corinna Marmetschke, Evgenia Guliev: Mesh Room Materialprobe
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Space III zeigt unter anderem sustainable management Lösungen für die post digital industry und Space IV experimentiert mit synästhetischen Elementen, um die junge Generation mit Hilfe nachhaltiger Designs von Kinderoutfits früher als bislang für Resilienz zu begeistern.

Victoria Gebhart: Design, Pulli Europakind
Space: Design Is Music
Foto freundlicherweise vom Veranstalter zur Verfügung gestellt

Gäste aus dem Europäischen Raum – Royal College of Art in London, UK und Lund University, Schweden – ergänzen die Perspektive nachhaltiger Lösungen in exklusiven Workshops.

Das Europäische Statement aller Beteiligten, das in der Woche der Europawahlen hiermit zum Ausdruck kommt, drückt das Bedürfnis der nachhaltigen hierarchielosen ‘togetherness’ (R. Sennett) aus. Viele Exponate zeigen zudem, dass Design in der Lage ist, Menschen zu verbinden. Es stellt den Wunsch des gegenseitigen Verständnisses, der Integration und des Miteinanders dar: Vielheit in der Einheit für ein Engagement für unsere nachhaltig gestaltende ‘post-digital-generation’.

Info:

25. Mai – 23. Juni 2019

TextilePop
Europeans together in sustainable design / engineering / management

NRW-Forum Düsseldorf
Ehrenhof 2
40479 Düsseldorf
Deutschland

www.nrw-forum.de

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… und dann gibt’s noch:

Neue Ausschreibung: ‘Klassisch – Kitsch und Kunst’

Nach der letzten Ausschreibung ist vor dem nächsten Wettbewerb!

Das Textil- und Rennsport Museum Hohenstein-Ernstthal (TRM) ist in diesen Ausstellungstipps gut vertreten. Schon bei der NADELWELT Karlsruhe 2019 gaben die Damen des Museums den Startschuss und hatten Material für die nächste Ausschreibung ‘Klassisch – Kitsch und Kunst’ dabei – ich hatte es im Bericht über die NADELWELT ja schon angekündigt.

Ausschreibung ‘Klassisch – Kitsch und Kunst’
Stoffauswahl
Foto freundlicherweise vom TRM zur Verfügung gestellt

Aus Anlass der Landesausstellung ‘Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen’ möchte das TRM unter Einbeziehung seiner ehemaligen Jacquardgewebe wieder eine textile Ausstellung initiieren, deren Ergebnisse im Herbst 2020 in einer Ausstellung im TRM gezeigt und im Anschluss als Wanderausstellung auf Reisen gehen sollen.

Das TRM bewahrt in seiner Sammlung auch Bildteppiche, die sich vor allem im 19. und bis ins 20. Jahrhundert hinein grosser Beliebtheit erfreuten. Manche Wohnstube zierte eine idyllische Landschaft mit ‘Röhrendem Hirsch’ oder ein Knusperhäuschen à la ‘Hänsel und Gretel’. Wo die Linie zwischen Kunst und Kitsch, Zeitgeist, Klassik und aktueller Kunst verläuft, ist bisweilen schwierig zu definieren und einer künstlerischen Auseinandersetzung wert. Das TRM möchte mit diesem Wettbewerb dazu auffordern, sich mit Hilfe eines seiner Bildteppiche der Thematik ‘Kitsch’ zu nähern und trotzdem Kunst zu schaffen oder anders ausgedrückt: etwas Einmaliges, Individuelles aus der ehemaligen Massenware entstehen zu lassen, was uns heute überzeugt.

Lassen Sie sich herausfordern! Schaffen Sie ein textiles Werk, ein Wand- oder dreidimensionales Objekt. Der Bezug zum TRM wird durch die Verwendung von Bildteppichen / Stoffen aus der ehemaligen Produktion hergestellt.

Einsendeschluss: 15. Mai 2020

Alle näheren Einzelheiten finden Sie in den Teilnahmebedingungen.

Teilnahmebedingungen

Diese stehen auch zusammen mit dem Formular für die Anforderung der Stoffe und dem Einreichungsformular auf der Website des Museums zum Download bereit.

Info:
www.trm-hot.de

Flyer

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Bitte informieren Sie sich vor einem Ausstellungsbesuch auf der jeweiligen Website besonders über die genauen Öffnungszeiten – es kann sich immer etwas ändern.

Weitere Ausstellungen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik AUSSTELLUNGSKALENDER.

Den verschiedenen Beteiligten herzlichen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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Kommentare zu diesem Artikel

4 Responses

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  • Birgit Berndt

    Hallo Gudrun,

    deine bunte Mischung der laufenden oder kommenden Ausstellungen samt ausführlicher Hintergrundinformationen ist wie immer spannend zu lesen. Besonders interessant diesmal finde ich die Tuniken und das ägyptische Gold. Die Geschichte dieses Landes fasziniert immer wieder. Aber auch die Verbindung von Textilkunst und Rennsport, einfach klasse und, und, und.

    Viele Grüße

    Birgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,

      1000 dank für dein wie immer herzliches feedback. ich geb’s ja zu, meine auswahl ist manchmal auch subjektiv – die antiken hochkulturen finde ich super spannend! und diesmal noch die ausgesucht reizvollen löffel! – aber textil, design, kunst und eigene ausstellungen kommen deswegen nicht zu kurz 🙂

      freut mich jedenfalls sehr, wenn die leser*innen in der ‘bunten mischung’ für sich was gutes finden.

      beste grüsse

      gudrun

  • Rebecca Roth

    Liebe Gudrun,

     

    vielen herzlichen Dank für deine Ausstellungstips. Einfach super. Euer Besuch hat mich besonders gefreut und vielleicht ja nochmal im Juni. Liebe Grüsse Rebecca

     

    • Gudrun Heinz

      halli hallo rebecca,

      1000 dank zurück! jetzt waren wir in dinkelsbühl bei den pw-tagen (siehe ‘impressionen’) – es war wieder mal sehr schön. mal sehen, ob schramberg nochmals zu schaffen ist – reizen würde es mich ja schon … 🙂

      beste grüsse

      gudrun

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