Kreative Artikel zum Thema Quilten

Ausstellungstipps Dezember 2021

Noch bis vor wenigen Wochen habe ich mit grossem Vergnügen Ausstellungen besucht. Live und in Farbe – siehe beispielsweise meine Berichte über das EPM in Ste Marie-aux-Mines, denen noch andere folgen werden. Damals doppelt geimpft, mit Maske und unter Einhaltung der Hygieneschutzregeln fühlte ich mich einigermassen sicher. Das hat sich auch bestätigt und ich bin gesund geblieben. Wie schnell hat sich die Situation nun wieder verändert! Die Corona-Lage scheint wieder ausser Kontrolle zu geraten, spätestens seit uns die neueste Virus-Variante erreicht hat. Niemand weiss jetzt so genau, wie die Entwicklung weitergeht.

Kurzzeitig spielte ich mit der Überlegung, die bereits teilweise vorbereiteten neuesten Ausstellungstipps jetzt doch nicht fertig zu stellen und zu veröffentlichen. Diese Idee habe ich aber wieder verworfen, obwohl man nicht genau weiss, ob und unter welchen Bedingungen Ausstellungen besucht werden können. Und selbst wenn dies möglich ist, ob man überhaupt möchte. Daher bin ich wieder sehr froh, dass man dank Internet wenigstens den einen oder anderen Blick in eine Ausstellung oder die digitalen Angebote werfen kann. Nicht zu vergessen: Wir bleiben alle auf dem Stand des Ausstellungsgeschehens. Dazu sollen meine Tipps auf jeden Fall dienen.

Wenn man einen Besuch ‘in echt’ plant, sollte man sich unbedingt vorher über die Voraussetzungen für den Besuch und die genauen Öffnungszeiten informieren – es kann sich täglich etwas ändern und ist nicht überall gleich geregelt. Das ist trotzdem ganz einfach und nur ein, zwei Klicks entfernt, denn dazu findet man zu jedem Ausstellungshinweis wie immer einen Link.

Eine ruhige Adventszeit und schöne Festtage. Und: gesund und guter Dinge bleiben!

Herzliche Grüsse

Ihre / Eure Gudrun Heinz

 

Kunst Stoff
Ausstellung der Gruppe quiltARtnet

Die Gruppe quiltARtnet – Renate Dellenbusch (Osnabrück), Rebecca Roth (Schramberg) und Annette Rußwinkel (Osnabrück) – zeigt in der Ausstellung ‘Kunst Stoff’, die ab 11. Dezember 2021 im Tuchmacher Museum Bramsche zu sehen ist, traditionelle Patchworkarbeiten und Art Quilts.

Patchwork hat auf allen Kontinenten eine lange Tradition. Seit den 1970er Jahren entwickelte sich aus der traditionellen Handarbeitstechnik eine eigenständige Textilkunst – die Art Quilts. Weltweit gibt es eine aktive Szene mit Patchwork-Gruppen und Organisationen. Auch die Mitglieder von quiltARtnet sind überregional mit anderen Gruppen und Textilkünstler*innen vernetzt: ‘Wir inspirieren uns gegenseitig und nehmen gern an Weiterbildungen teil.’

Rebecca Roth: Bauhaus Inspiration, nach Sonja Delaunay
Foto: Rebecca Roth, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Seit ein paar Jahren präsentieren Renate Dellenbusch, Annette Rußwinkel und Rebecca Roth ihre Arbeiten gemeinsam in Ausstellungen. Die Gruppe lässt sich in ihren Art Quilts häufig von aktuellen Themen beeinflussen: So beschäftigt sich Renate Dellenbusch mit Fragen des Klimawandels oder den Auswirkungen von Umweltkatastrophen, während Annette Rußwinkel in ihren Werken die Folgen der Corona-Pandemie reflektiert. Andere Quilts der Ausstellung zeigen Interpretationen zu den Themen Vernetzung und Globalisierung, aber auch zu Bauhaus, Bewegung, Mode, Illusion und Mathematik.

‘Unsere Arbeiten sind unsere Art, uns textil auszudrücken, ob politisch, zeitgenössisch, themenbezogen, bunt und dezent, modern und ein wenig auch traditionell.’ Die Mitglieder der Gruppe arbeiten fast ausschliesslich frei. Neben überwiegend handgefärbten und handbedruckten Stoffen werden auch Materialien wie Organza, Tüll, Evolon oder Filz verarbeitet. In einigen Arbeiten finden auch bewusst gebrauchte textile Materialien, wie alte Wäsche oder Kleidungsstoffe, Verwendung.

Renate Dellenbusch: Cavex
nach einer Anleitung von Anke Wechsung
Foto: Renate Dellenbusch, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Alle Gruppenmitglieder können auf eine rege, überregionale Ausstellungstätigkeit und Wettbewerbserfahrung zurückblicken. Rebecca Roth gibt zudem seit vielen Jahren ihr enormes Fachwissen über die Grundlagentechniken des Patchworks bis hin zum Handfärben von Stoffen in Kursen weiter.

Zum Abschluss der Ausstellung sind zwei Workshops von Rebecca Roth geplant. Näheres siehe bitte unten.

Info:

11. Dezember 2021 – 13. Februar 2022

Kunst Stoff
Ausstellung der Gruppe quiltARtnet

Tuchmacher Museum Bramsche
Mühlenort 6
49565 Bramsche
Deutschland

www.tuchmachermuseum.de

Einladungskarte

Ausstellungseröffnung:
Fr, 10. Dezember 2021, 19 Uhr

Nachtrag vom 2. Dezember 2021:

Die geplante Ausstellungsröffnung wurde aufgrund der aktuellen Corona-Lage abgesagt. Stattdessen ist eine Finissage geplant, wenn dies zum Ausstellungsende wieder möglich ist.

Rahmenprogramm:
Workshops von Rebecca Roth:

Sa, 12. Februar 2022, 12 – 16 Uhr 
Stoffe färben, experimentelle Färbetechniken

So, 13. Februar 2022, 10 – 14
Stempeldruck, eine Technik des Stoffdrucks, mit der ganz eigene Stoffdesigns kreiert werden können

Kursgebühr pro Termin: 50 EUR
Informationen zur Durchführung und Anmeldung auf der Website des Tuchmacher Museums

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verhüllt – offenbart – Adventliche Enthüllungen
Die Krippe in der Mariä Himmelfahrt Kirche, Meschede
… Stoff zum Nachdenken …

Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich;
was aber unsichtbar ist, das ist ewig.
(2. Kor. 4, 18)

Paris zierte vor kurzem der verhüllte Arc de Triomphe – und die sauerländische Kleinstadt Meschede in der Adventszeit 2021 eine verhüllte Krippe in ihrer Mariä Himmelfahrt Kirche.

Ausstellung ‘verhüllt – offenbart – Adventliche Enthüllungen’
Foto: Susanne Klinke, die es freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat

Schülerinnen und Schüler der St. Walburga-Realschule, einer Schule des Erzbistums Paderborn, haben hierfür die historische Gemeindekrippe im Stil der künstlerischen Verhüllungsaktionen von Christo und Jeanne-Claude temporär verwandelt. Das inzwischen verstorbene Künstlerpaar liess bekanntermassen auch den Berliner Reichstag spektakulär verpacken. Durch seine Umhüllungen entzog das Paar ausgewählte Objekte, Architekturen oder Landschaftsstrukturen den Blicken und liess sie unter Stoffkaskaden symbolisch verschwinden.

Ausstellung ‘verhüllt – offenbart – Adventliche Enthüllungen’
Foto: Susanne Klinke, die es freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat

Doch beim Verhüllen geschah und geschieht etwas Paradoxes: Das Verhüllte nimmt sich nicht zurück, sondern tritt betont hervor. Denn die Hülle lenkt die Aufmerksamkeit auf die Präsenz, die Gegenwart des Verborgenen. Die Umhüllung sensibilisiert für dessen Wahrnehmung. Als Betrachtende erfahren wir jenseits von Vordergründigem eine andere Dimension der Wirklichkeit und erkennen das Substanzielle.

Ausstellung ‘verhüllt – offenbart – Adventliche Enthüllungen’
Foto: Susanne Klinke, die es freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat

Das ist auch der Grund, warum in transformativen Situationen und für die Inszenierung von Übergangsmomenten seit jeher verhüllt wird. Das gilt genauso für muslimische wie für christliche Bräute und auch im profanen Bereich, z.B. bei Denkmalenthüllungen. Denn Verhüllungen schaffen Grenzen zwischen realen und spirituellen Räumen. Erst der Akt des Enthüllens öffnet beide Bereiche zueinander. Das Verhüllen hat dies als Initiation vorbereitet. Die Verhüllung schafft also eine Übergabesituation, aus der heraus etwas Neues oder etwas neu Zusehendes durch die Enthüllung sichtbar wird.

Ausstellung ‘verhüllt – offenbart – Adventliche Enthüllungen’
Foto: Susanne Klinke, die es freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat

Die Hülle selbst verbirgt und verfremdet das Verhüllte, sie lässt nur Konturen des Verborgenen erahnen. Diese Transformation wird durch das umhüllende Material erzeugt, durch Faltenwürfe und Überspannungen. Bei Christos und Jeanne-Claudes künstlerischen Verhüllungen werden diese von Schnürungen fixiert, so dass Licht und Schatten ein ästhetisch spannendes Relief hervorrufen, das zu einer enträtselnden Betrachtung einlädt.

Es ist […] immer wieder interessant, Rätsel in die Welt zu setzen,
das Enträtselnwollen beim Menschen zu erwecken.
(Josef Beuys)

Ausstellung ‘verhüllt – offenbart – Adventliche Enthüllungen’
Foto: Susanne Klinke, die es freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat

Dieses Moment des neugierig Machens und des Spannungsaufbaus steht auch hinter der Krippenverhüllung, die sich am Beginn der Adventszeit zu Füssen des Altars als eine komplex verhüllte Gestaltung zeigt: Landschaft, Gebäude, Tiere und Figuren befinden sich an ihrem Platz, sind aber jeweils einzeln mit hellem Stoff umhüllt.

Ausstellung ‘verhüllt – offenbart – Adventliche Enthüllungen’
Foto: Susanne Klinke, die es freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat

Wie bei Christo und Jeanne-Claude sind die Umhüllungen keine Verpackungen, sondern sie arbeiten das je Wesentliche, das Charakteristische des verborgenen Kerns heraus. Sie nutzen dazu Fältelungen, Schnürungen und auch – ganz wichtig – Freilassungen, also Bereiche des Nicht-Umhüllens. Diese fungieren quasi als Lesehilfe für das Enträtseln. Auch Christo und Jeanne-Claude verwendeten diesen Kunstgriff bei ihren Objekt- und Landschaftsinterventionen, ausschliesslich bei ihren Architekturverhüllungen machte das Zusammenwirken von Verortung und Gestaltcharakteristik ihn überflüssig.

Ausstellung ‘verhüllt – offenbart – Adventliche Enthüllungen’
Foto: Susanne Klinke, die es freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat

Und ebenfalls genau wie bei dem Künstlerpaar ist auch die sauerländische Krippenverhüllung nur temporär. Woche für Woche werden einzelne Elemente und Protagonisten der Krippengestaltung enthüllt: Zunächst Jesaja und der Verkündigungsengel, dann Maria und Josef, danach die Hirten und ihre Tiere, später die drei Könige etwas entfernt der Landschaft und am Heiligabend der Stall und endlich auch das Jesuskind.

Mit dieser zeitlichen Begrenzung des Verhüllens korrespondiert auch deren visuelle Spurenlosigkeit. Der zunächst ästhetisch in Anspruch genommene Raum wird wieder frei gegeben und weicht mehr und mehr dem altbekannten idyllischen Krippenbild, das im Zusammenwirken von Verhüllung und Enthüllung nun quasi offenbart erlebt werden konnte.

Ausstellung ‘verhüllt – offenbart – Adventliche Enthüllungen’
Foto: Susanne Klinke, die es freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat

Ganz herzlichen Dank an Susanne Klinke, die dieses besondere textile Schulprojekt betreut hat und mir Text und Fotos zukommen liess.

Auch interessant:

Mein Bericht über den Besuch des ‘Arc de Triomphe – Wrapped’ im September 2021 mit weiterführenden Links.

Info:

28. November – 23. Dezember 2021 (danach komplett enthüllt)

verhüllt – offenbart – Adventliche Enthüllungen

Mariä Himmelfahrt Kirche
Weingasse 8
59872 Meschede
Deutschland

www.walburga-realschule.de

www.who-is-who.jimdofree.com
oder über den QR-Code

Gottesdienste:
sonntags 9.30 – 10.30 Uhr, donnerstags 8.30 – 9.30 Uhr
Jeweils eine halbe Stunde vor und nach den Gottesdiensten geöffnet.

Ausstellung ‘verhüllt – offenbart – Adventliche Enthüllungen’
Foto: Susanne Klinke, die es freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat

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Kunsthandwerk ist Kaktus
Die Sammlung von 1945 bis heute

Der Begriff Kunsthandwerk wirft genauso viele Fragen auf, wie es vorgefasste Meinungen dazu gibt. Mit ihm verbinden sich Individualität, Einmaligkeit, multiperspektivische Natur, dekoratives Potential, künstlerische Qualität und ein hoher Erlebniswert. Sein wahres Potential ist dabei einer immer noch viel zu kleinen Öffentlichkeit bekannt.

Key Visual
Design: Bureau Sandra Doeller, Typeface: Phase (Elias Hanzer)

Aus diesem Grund stellt sich das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt erstmals die Aufgabe, die eigene Sammlung des Kunsthandwerks aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu reflektieren und an den Schnittstellen zu Design und bildender Kunst zu untersuchen.

Ausstellungsansicht
Foto: Rademacher/Günzel
© Museum Angewandte Kunst
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit über 700 Werken aus dem internationalen Bestand des Museum Angewandte Kunst wird diese Ausstellung eine Expedition durch ein Terrain, das es unter aktuellen Perspektiven neu zu entdecken gilt. Die Frage, was Kunsthandwerk heute sein kann, wird somit neu gestellt und bewertet.

Beate Kuhn (1927–2015):
Paar, Vasenobjekt, 1956
Roter Ton, gedreht und montiert, rot-braun glasiert und blau-violett übermalt
Madam mit langem Hals, Vasenobjekt, 1956
Roter Ton, gedreht und montiert, rot-braun glasiert und bis auf die Zeichnung weggekratzt, eierschalfarben eingelegt, blau bemalt
Foto: Franziska Krieck
© Museum Angewandte Kunst
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit dem Wort ‘Kaktus’ gibt die Ausstellung im Titel eine provokative Antwort. Sie thematisiert das diffuse Image dieser Kunstdisziplin und spielt in ironischer Zuspitzung mit den Eigenschaften des genialen Überlebenskünstlers ‘Kaktus’ in Analogie zum Zukunftspotenzial von ‘Hand made & Artwork’.

Hubert Koch (*1932): Becher und Vase, 1977–78
Glas, vor der Lampe geblasen, montiert
farblos und grün irisiert
Foto: Franziska Krieck
© Museum Angewandte Kunst
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Im Gegensatz zu dem sich einfach vermittelnden anglistischen Begriff ‘Design’, der im deutschen Sprachgebrauch Produktdesign und die anspruchsvolle Gestaltung von industriell hergestellten Produkten umfasst, wirkt das zusammengesetzte Wort ‘Kunsthandwerk’ im Deutschen kompliziert. Es wird heute mangels Positionierung in der Kunstgeschichte zwischen Kunstgewerbe, Design und Kunst hin und her geschoben und wirkt auf den ersten Blick wie eine leere Schublade.

Ausstellungsansicht
Foto: Rademacher/Günzel
© Museum Angewandte Kunst
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der ‘Kaktus’ im Titel der Ausstellung dient dabei als Metapher für diese vermeintliche Leerstelle, denn auch er ist im wahrsten Sinne des Wortes nicht greifbar, wenn man an seine mit Dornen bewehrte Oberfläche denkt. Nach dem deutschen Philosophen Hans Blumenberg geben Metaphern Aufschluss über fundamentale, tragende Gewissheiten, Vermutungen, Wertungen, aus denen sich die Haltungen, Erwartungen, Tätigkeiten und Untätigkeiten, Sehnsüchte und Enttäuschungen, Interessen und Gleichgültigkeiten ableiten lassen.

Ausstellungsansicht
Foto: Rademacher/Günzel
© Museum Angewandte Kunst
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Es seien eben nicht nur die klaren Definitionen, die menschliches Denken und Verhalten bestimmen, sondern vor allem die Metaphern. So undefinierbar der Kaktus sein mag, der mittlerweile wieder zur Modeerscheinung geworden ist, so weitläufig scheint die Definition von Kunsthandwerk zu sein. Es ist keine schlichte Addition von Kunst und Handwerk, denn hier treffen Begriffe aufeinander, die in einem Widerspruch zueinander stehen. Sie sind damit das eigentlich Herausfordernde am Kunsthandwerk und haben das Potential einer Sprengkraft: Das Definierte trifft auf das Undefinierte.

Andrea Wippermann (*1963): Flieger, Halsschmuck, 1994
750er Goldblech, gefaltet
Foto: Franziska Krieck
© Museum Angewandte Kunst
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Zur Ausstellung ist ein Katalog erhältlich, der im Design von Sandra Doeller, mit den fotografischen Perspektiven von Franziska Krieck und mit Texten verschiedener Autor*innen unterschiedlicher Professionen Kunsthandwerk beleuchtet und Lust auf die Entdeckung der Materie machen soll. So erfüllt der Katalog nicht allein den Wunsch nach einem Bestandskatalog, sondern ist ein grafisch interpretiertes Druckobjekt und Lesebuch.

Kuratorin: Dr. Sabine Runde

Info:

6. November 2021 – 27. März 2022

Kunsthandwerk ist Kaktus
Die Sammlung von 1945 bis heute

Museum Angewandte Kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt
Deutschland

www.museumangewandtekunst.de

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Von Frauenhand. Mittelalterliche Handschriften aus Kölner Sammlungen

Das im Mittelalter von Hand geschriebene, künstlerisch gestaltete Buch übt bis heute eine starke Faszination aus. Die Herstellung war nicht allein Männersache, sondern lag vielfach auch in den Händen von Frauen.

Einzelblatt aus einem zweibändigen Graduale
Köln, St. Klara, um 1360
Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, M 7
© Köln, WRM, Graphische Sammlung, Stanislaw Rusch
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In Kooperation mit der Erzbischöflichen Diözesan- und Dombibliothek Köln (EDDB) zeigt das Museum Schnütgen in Köln eine Auswahl an Handschriften, die von Ordensfrauen in Nordfrankreich, Köln, Niedersachsen und Nürnberg eigenhändig geschaffen wurden.

Einzelblatt aus einem zweibändigen Graduale, Detail
Köln, St. Klara, um 1360
Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, M 7
© Köln, WRM, Graphische Sammlung, Stanislaw Rusch
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Tätigkeit als Schreiberin und Buchmalerin erforderte dabei Disziplin, intellektuelle Fähigkeiten sowie handwerkliches Können.

Einzelblatt aus einem zweibändigen Graduale, Detail
Köln, St. Klara, um 1360
Köln, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, M 7
© Köln, WRM, Graphische Sammlung, Stanislaw Rusch
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Hochwertige und künstlerisch wertvolle Bücher wurden für den eigenen Bedarf und auch für externe Auftraggeber angefertigt, die den Handschriften aus Männerhand in nichts nachstanden.

Augustinus, Psalmenkommentar 101–150, Detail
Chelles, Abtei Notre-Dame, um 800
Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek, Köln, Cod. 67, fol. 2v–3r
Foto: EDDB Köln, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

An Beispielen aus der Zeit um 800 und dem späten 13. bis zum frühen 16. Jahrhundert lassen sich Prinzipien des Layouts, Veränderungen der Buchmalerei und auch die Frage nach einer spezifisch weiblichen Gestaltung erkunden.

Psalter aus dem Benediktinerinnenkloster Lamspringe
4. Viertel 13. Jh., Köln, Kolumba, Inv. 2017/0294, fol. 4v–5r
© Köln, Kolumba
Foto: farbanalyse, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ausserdem wird in der Ausstellung auch noch ein grossformatiger Bildteppich mit Maria im Strahlenkranz und den Aposteln Petrus und Paulus präsentiert, der im Dominikanerinnenkloster St. Katharina zu Nürnberg um 1450-1470 entstanden ist und in Vorbereitung der Ausstellung restauriert wurde.

Bildteppich mit Maria im Strahlenkranz und den Aposteln Petrus und Paulus
Nürnberg, Dominikanerinnenkloster St. Katharina, um 1450-1470
Museum Schnütgen, Köln, Inv. N 1409
Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln / M. Mennicken, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Seit 1428 sind dort in Nürnberg mehrere Hundert Handschriften entstanden, u.a. in deutscher Sprache. Neben einer grossen Schreibwerkstatt gab es hier auch eine Textilwerkstatt, in der dieser sich heute in der Sammlung des Museum Schnütgen befindliche Webteppich hergestellt wurde.

Bildteppich mit Maria im Strahlenkranz und den Aposteln Petrus und Paulus, Detail
Nürnberg, Dominikanerinnenkloster St. Katharina, um 1450-1470
Museum Schnütgen, Köln, Inv. N 1409
Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln / M. Mennicken, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Das Museum stellt auf seiner Website ein Video mit einem kurzen Ausstellungsrundgang bereit, das sich anzuschauen lohnt. Hier kann man neben dem Blick in die Ausstellung auch vieles zum Hintergrund der ‘Buchproduktion’ erfahren, wie z.B., dass in manchen Texten die schreibenden Nonnen ihre Namen hinterlassen haben und in die Illustrationen nicht nur ihr ganzes zeichnerisch- / malerisches Können einfloss, sondern auch manches humoristisch geriet.

Restauratorin Andrea Hünteler (li) und Kuratorin Karen Straub (re) bei der Ausstellungsvorbereitung
Foto: Museum Schnütgen / Mildebrath, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Ein Antiphonar wurde für die Gesänge des gemeinsamen Stundengebets genutzt. Viele grossformatige Seiten aus Pergament sind zu einem schweren Buch, das mit Messingbeschlägen versehen ist, gebunden worden.

Antiphonar der Anna Hachenberch
Köln, wohl St. Cäcilien, Anna Hachenberch und Fraterherren St. Michael am Weidenbach, um 1520–1530
Museum Schnütgen, Inv. C 44a, fol. 5v–6r
Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln / M. Mennicken, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Man schaute zu mehreren gemeinsam in das aus dem 16. Jahrhundert stammende schwere Werk, in dem Text und Noten – in grosser Schrift mit Gänse- oder Rohrfeder geschrieben – auch aus etwas Distanz gut zu lesen sind.

Wie das Schreiben mit dem Federkiel auf Pergament funktioniert, zeigt eine Museumspädagogin in einem zweiten Video auf der Website des Museums.

Kuratoren: Dr. Karen Straub, Museum Schnütgen und Dr. Harald Horst, Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek Köln

Katalog erhältlich.

Info:

26. Oktober 2021 – 30. Januar 2022

Von Frauenhand. Mittelalterliche Handschriften aus Kölner Sammlungen

Museum Schnütgen
Cäcilienstrasse 29-33
50667 Köln
Deutschland

www.museum-schnuetgen.de

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Künstlerisches Spielzeug – spielerische Kunst
Der Weihnachtsvogel

Mit Flügeln versehene Wesen, die in der Weihnachtszeit erscheinen, sind zumeist Engel. Posaune blasend, verkündigend und wegweisend bringen sie Trost, Hoffnung, Liebe und Kunde von einem bevorstehenden Ereignis. Im übertragenen Sinn übernehmen diese Eigenschaften in diesem Jahr die Wesen, die die Galerie Handwerk zum Thema ihrer Spielzeugausstellung erhoben hat: die Weihnachtsvögel.

Einladungskarte
Martin Lhoták (CZ): Klammervögel
Layout: rappl-design, München
Foto: Eva Jünger, freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Auch in diesem Jahr begeistern neue Aussteller mit überraschenden Exponaten. Sie ergänzen die Klassiker, wie zum Beispiel Martin Lhotáks geschnitzte Vögel auf der Wäscheklammer, die inzwischen zu einem Markenzeichen der Spielzeug-Ausstellung in der Galerie geworden sind. Jeder einzelne ist individuell von Hand geschnitzt, keiner gleicht dem anderen.

Lucy Casson (UK)
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Blanka Šperková zaubert aus Draht dreidimensionale Objekte und Schmuck.

Blanka Šperková (CZ)
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Rund 50 Aussteller aus Deutschland, Italien, Tschechien, Grossbritannien, Frankreich, Schweden, Norwegen und Japan werden die Galerie Handwerk beschicken.

Becky Adams (UK)
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Die Galerie bietet als grosse Voliere Vogelschwärmen oder einzelnen Federriesen mit gigantischen Schwingen, kleinen und stillen oder schrillen Vögeln, naturalistischen Darstellungen und abstrakten Kompositionen Zuflucht.

Barleben Handspielpuppen (D)
Raben, Klappmaulpuppen aus Mohair
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Paart sich handwerkliche Gestaltung mit Witz und Humor auf gelungene Weise, können die wunderbarsten Arbeiten entstehen.

Katharina Andress (D)
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Das ist der Zauber, den die Galerie Handwerk alljährlich mit ihrer Weihnachtsausstellung heraufbeschwört, um den Besucher*innen Freude beim Rundgang durch die Ausstellung zu bereiten.

Jane Muir (UK)
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

In den vergangenen Jahren schon flatterten die schönsten Vögelchen in die Galerie und auch heuer werden wieder phantasievolle Bilder und Geschichten rund um den ‘Weihnachtsvogel’ erwartet.

Anya Keeley (UK): Christmas Birds
Foto freundlicherweise von der Galerie zur Verfügung gestellt

Die Liste der Ausstellenden und weitere Fotos sind auf der Website zu finden.

Info:

1. – 30. Dezember 2021

Künstlerisches Spielzeug – spielerische Kunst
Der Weihnachtsvogel

Galerie Handwerk
Max-Joseph-Strasse 4
80333 München
Deutschland

www.hwk-muenchen.de

Einladungskarte

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Ulla von Brandenburg
Eine Landschaft ohne Blau, wie ungefähr

Mit Ulla von Brandenburg (geb. 1974 in Karlsruhe, lebt in Paris) zeigt die Weserburg Museum für moderne Kunst in Bremen eine der vielseitigsten Installationskünstlerinnen ihrer Generation. Von Brandenburg verwandelt die Ausstellungsräume des Museums mithilfe von grossformatigen Stoffen, raumgreifenden Installationen, intimen Objekten, fantasievollen Filmen, Aquarellen und Performances in farbintensive Traumwelten. In sinnliche Erlebnisräume, die Impulse aufnehmen aus Folklore und Gesang, Theater und Zirkus, Tanz und Architektur, Literatur und Kunstgeschichte oder rituellen Handlungen und Anthropologie. Die Künstlerin selbst beschreibt ihr künstlerisches Vorgehen als ‘räumliche Inszenierung’. Damit steht sie in der Tradition einer Herangehensweise, die sich um die französischen Künstler*innen Dominique Gonzalez-Foerster, Philippe Parreno oder Pierre Huyghe gebildet hat und eine zeitgenössische Idee des Gesamtkunstwerkes verfolgt.

Plakat

Von Brandenburgs Arbeit zeichnet sich durch eine Vielfalt von Mitteln und Medien aus, die aufeinander antworten. Unterschiedliche Materialien und Gattungen werden in ihren Ausstellungen zu einer losen Geschichte zusammengeführt. Herkömmliche Vorstellungen und Hierarchien werden aufgelöst und die Konstruktion gesellschaftlicher Strukturen erkundet.

Eine besondere Kraft kommt dabei dem Gebrauch von farbintensiven Stoffanordnungen zu – etwa in Form von zeltähnlichen Vorhängen, Plattformbezügen oder sogar als Protagonisten ihrer Filme: ‘Stoffe erlauben es mir, den White Cube eines Museums zu tarnen, zu verbergen und zu verkleiden und so das Wertesystem und den Rahmen des Denkens zu verändern. Ich verwende Stoffe, um Räume zu schaffen, in denen wir scheinbar anderswo sein können (…). In einem Raum, in dem Vorhänge aufgehängt wurden, verschwimmt die Trennung zwischen Innen und Aussen oder zwischen verschiedenen Welten. Und diese Unschärfe bringt uns dazu, uns zu fragen, wo wir sind.’

Ausstellungsansicht – Ulla von Brandenburg. Ombres bleues et jaunes. Voyage à Nantes 2021
Foto: Martin Argyroglo, Courtesy the artist
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Dementsprechend ist Textiles bei Ulla von Brandenburg Mittel, ihre Ausstellungen zu strukturieren und einen Rahmen für ihre Präsentationen zu schaffen, der sich vom Ort löst und die Besucher*innen mitten im Museum in fremde Welten entführt. Gleichzeitig wird das Material zu einer grossformatigen Malerei im Raum, die unterschiedliche Wahrnehmungsperspektiven anbietet und als Hülle seltsam surreale Objekte, Filmprojektionen oder grossformatige, auf dem Boden stehende Aquarelle oder Performances hinterfängt.

Ausstellungsansicht – Ulla von Brandenburg. Le milieu est bleu, Palais du Tokyo, Paris 2020 Foto: Aurélien Mole, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung ‘Eine Landschaft ohne Blau, wie ungefähr’ (ein Zitat aus Goethes ‘Tafeln zur Farbenlehre und deren Erklärung’) ist speziell für die Räume der Weserburg Museum für moderne Kunst konzipiert. Unterschiedliche Farbatmosphären gestalten einen gross angelegten Parcours, ein Museum im Museum. Mittels ausladender Vorhangstoffe werden die den Konventionen des White Cube verpflichteten, architektonisch nahezu offen angelegten Räume der Weserburg grundlegend verändert und in eine Vielzahl monochromer Farbbereiche von unterschiedlicher Grösse transformiert. Sie bilden das Setting, in das die Künstlerin fünf ihrer aktuellen Filme einspeist, ergänzt von facettenreichen, gleichermasssen rätselhaften wie erzählerischen Aquarellen und Objekten, einer Performance zur Eröffnung sowie ausgelegtem Quellenmaterial, das einige ihrer wichtigsten Bezüge offenbart.

Ausstellungsansicht – Ulla von Brandenburg. Ombres bleues et jaunes. Voyage à Nantes 2021
Foto: Martin Argyroglo, Courtesy the artist
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Besucher*innen bleiben innerhalb dieser szenografischen Konstellation nicht allein rezipierendes Gegenüber, sondern werden ausdrücklich mitgedacht. Mit ihrer Bewegung durch die verschiedenen Raumatmosphären aktivieren sie ihre Umgebung wie Schauspieler*innen eine Theaterbühne und übernehmen ebenso eine Rolle in von Brandenburgs Inszenierung wie die gezeigten Filme, Objekte, Aquarelle oder Leinwände. Die Gleichwertigkeit von Besucher*innen, Performer*innen, künstlerischen Werken, Quellenmaterial oder Requisiten ist bei Ulla von Brandenburg wesentliches Mittel innerhalb ihrer künstlerischen Strategie, Tradiertes zu unterwandern und klassische Hierarchien aufzulösen. Sie verbindet sich mit ihrer Umwertung des musealen White Cube in farbgesättigte textile Räume, die genau das Gegenteil sind von dessen vorgetäuschter Neutralität. Und sie führt sich fort in ihrer Nutzung unterschiedlichster Bezugsquellen, die die Künstlerin collageartig zu etwas Neuem zusammenführt.

Ulla von Brandenburg: Natalia
Foto: Studio Ulla von Brandenburg, Courtesythe artist and Produzentengalerie Hamburg
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Vordergründig untersuchen die Werke von Ulla von Brandenburg Aspekte des Theatralen und Bühnenhaften, befragen Momente zwischen Illusion und Wirklichkeit. Doch darin verborgen spüren sie immer auch unser aller Zusammenleben und Dasein nach: So geht es etwa um Fragestellungen nach dem Verhältnis von Individuum und Gruppe, nach unserem Umgang miteinander, nach der Zirkulation von Objekten und Materialien in unserer neoliberalen Gesellschaft, nach den allem menschlichen Sein innewohnenden Transformationsprozessen, nach der Schwierigkeit, den eigenen Ort zu finden oder nach sozialen Strukturen zwischen Individualität und Regeln, offenem Spiel und begrenzender Norm, Aktivität und Passivität.

Ulla von Brandenburg: Blaue und Gelbe Schatten, 2020 (film still)
Co-production Voyage à Nantes and Georg Kolbe Museum Berlin
Courtesy of the artist and Art – Concept (Paris); Meyer Riegger (Berlin/Karlsruhe); Pilar Corrias Gallery (London); Produzentengalerie Hamburg
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Eine Landschaft ohne Blau, wie ungefähr’ präsentiert eine künstlerische Welt, die um überlieferte Traditionen und gesellschaftliche Konventionen weiss und diese spiegelt, um sie überwinden oder positiv nutzen zu können. Die Ausstellung ist das Angebot eines Gegenentwurfs, der sich über starre, im Beweisbaren verhaftete Vorstellungen hinweg – und ihnen Offenheit und Veränderung entgegensetzt.

Portrait Ulla von Brandenburg
Foto: Jan Northoff Fotografie, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

‘Eine Landschaft ohne Blau, wie ungefähr’ in der Weserburg Museum für moderne Kunst ist die erste Ausstellung in Deutschland, die das Schaffen der international bekannten Ulla von Brandenburg in einem derartigen Umfang präsentiert.

Kuratiert von Janneke de Vries

Während der Ausstellungslaufzeit erscheint ein zweisprachiger Katalog

Auch interessant:

Mein Bericht über die Ausstellungen ‘Der absolute Tanz. Tänzerinnen der Weimarer Republik’ und ‘Ulla von Brandenburg – Blaue und Gelbe Schatten’. Hier setzte das Georg Kolbe Museum Berlin im Sommer 2021 Bewegungskünstlerinnen und ihr Wirken im Berlin der 1920er Jahre mit der zeitgenössischen Position Ulla von Brandenburgs in Bezug. Zu finden innerhalb der Ausstellungstipps Juli 2021.

Info:

11. Dezember 2021 – 24. April 2022

Ulla von Brandenburg
Eine Landschaft ohne Blau, wie ungefähr

Weserburg Museum für moderne Kunst
Teerhof 20
28199 Bremen
Deutschland

www.weserburg.de

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Was ist Schmuck?
Kreuz und quer durch die Sammlungen des Schmuckmuseums
Der ethnographische Nachlasses Herion neu präsentiert

Ein achteckiges Amulettkästchen in Silber und Türkis, scheinbar aus zwei sich kreuzenden Quadraten gebildet – es nennt sich Ga’u und wurde im 20. Jahrhundert in Lhasa gefertigt. Ihm zur Seite eine blaue Brosche ähnlicher Grösse aus feinmaschigem blauem Stahlgewebe und Silber von Than Truc Nguyen, die 2012 in Berlin entstanden ist. Die zwei Objekte haben Gemeinsamkeiten in Farbe und Form; beide haben einen blauen Farbton und eine geometrische Grundstruktur.

Plakat

In der Aussage jedoch unterscheiden sie sich: Hier ein Amulettkästchen, das ursprünglich von Tibeterinnen der Aristokratie getragen wurde und sowohl Böses abwehren als auch Schützendes heraufbeschwören soll; dort zeitgenössischer Schmuck, dessen Moiré-Effekt mit Schein und Sein spielt und je nach Lichteinfall den Anschein eines glänzenden Edelsteins erweckt. Diese Zusammenstellung mag ungewohnt sein und erstaunen, sie lädt jedoch dazu ein, die einzelnen Objekte in ihrer Eigenart zunächst auf sich wirken zu lassen. ‘Wir präsentieren die Objekte anhand übergreifender Gestaltungsprinzipien’, erläutert Museumsleiterin Cornelie Holzach. Gemeinsamkeiten und Unterschiede, über vermeintliche Grenzen wie Kultur, Region oder Epoche hinweg, stehen im Fokus der Neupräsentation des Nachlasses Herion, die ab Anfang Dezember 2021 im Schmuckmuseum Pforzheim zu sehen sein wird.

links:
Amulettkästchen ‘Ga’u’
Silber, Türkis
Tibet, Lhasa, 20. Jh.
Sammlung Eva und Peter Herion im Schmuckmuseum Pforzheim
Foto: Petra Jaschke, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt
rechts:
Brosche ‘Moiré’
Silber, pulverbeschichtetes Edelstahlgewebe
Thanh-Truc Nguyen, Berlin, 2012
Schmuckmuseum Pforzheim
Schenkung von ISSP/Förderankauf ‘Junge Schmuckkunst im Museum’ 2014
Foto: Petra Jaschke, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die ethnografische Sammlung ‘Eva und Peter Herion’ war zunächst eine Dauerleihgabe und gehört nun zum Bestand des Museums. Teile der Sammlung wurden zur Eröffnung des 2006 neugestalteten Schmuckmuseums mit dem Themenschwerpunkt Afrika und Asien eingerichtet. Damals als wechselnde Ausstellung konzipiert, wird sie nun mit einem grundsätzlich neuen Ansatz umgestaltet. Die seit einigen Jahren geführte Diskussion über den Umgang mit ethnografischen Artefakten macht eine neue Sichtweise auch auf den aussereuropäischen Schmuck notwendig. Wesentlich ist dabei, die Objekte aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Der kulturelle und historische Kontext ist ebenso von Bedeutung wie der künstlerische Anspruch oder die globale Schmuckgeschichte. Objekte aus allen Sammlungsbereichen, ob historisch, zeitgenössisch oder ethnografisch, werden daher in Dialog miteinander gebracht. ‘Wir zeigen die ethnografischen Objekte nicht mehr in dem ihnen lange Zeit zugeteilten Kontext, also als etwas, das unserer abendländischen Kultur als etwas Fremdes gegenübersteht, sondern binden sie ein in das übergeordnete Thema Phänomen Schmuck’, führt die Schmuckexpertin aus. Besucher*innen bietet dies die Möglichkeit, in einer Zusammenschau sehr viel unterschiedlichen Schmuck auf sich wirken zu lassen, der nicht nach bisher üblichen Kriterien kategorisiert ist. So lassen sich vielfältige, neue Perspektiven kennenlernen oder auch selbst entwickeln.

links:
Brustschmuck ‘Pakol’
Muschelteile, Nassaschneckengehäuse, Textil
Papua Neuguinea, Mendi, 20. Jh.
Sammlung Eva und Peter Herion im Schmuckmuseum Pforzheim
Foto: Petra Jaschke, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt
rechts:
Gürtelschliesse
Horn, Silber
Piel Frères, Paris um 1904
Schmuckmuseum Pforzheim
Foto: Rüdiger Flöter, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit einer üppigen Vielfalt weckt die neugestaltete Ausstellung Lust, sie zu erkunden. Gleich einer Vitrine in einer Wunderkammer lockt ein ‘Wimmelbild aus Schmuck’ in den Raum hinein. In den umlaufenden Vitrinen werden die Exponate nach ästhetischen, funktionalen oder technischen Gesichtspunkten eingeordnet sowie kulturell, geografisch und zeitlich präsentiert. Ausgangspunkt dafür sind grundlegende Kriterien wie Form und Material und daraus resultierende Unterkriterien, beispielsweise Oberflächengestaltung oder Farben. Diese Aspekte offenbaren sich den Besucher*innen erst auf den zweiten Blick, und es entstehen Momente der Überraschung oder des Innehaltens, ehe man möglicherweise vorschnell zuordnet.

So sieht der Betrachter in der Vitrine zu ‘Rot’ einen Brustschmuck aus einem grossen sichelförmigen Perlmuttstück, das mit Rotholzpulver gefärbt ist. Er nennt sich Kina und stammt von den Mendi im Hochland Papua Neuguineas, aus dem 20. Jahrhundert. In derselben Vitrine befindet sich ein nabatäisch-hellenistischer Lunula-Anhänger, also ebenfalls halbmondförmig, aus dem zweiten bis ersten Jahrhundert vor Christus aus Gold und Granat. Beide ähneln einander in Farbe und Form, sind in Bedeutung, Herkunft und Machart jedoch gänzlich verschieden, wie Vertiefungstexte den Besucher*innen verraten. Das Perlmuttornament ist ein begehrtes Tauschobjekt, das bei besonderen Tanzanlässen auf der Brust getragen wird. Je strahlender das Rot, desto höher der Wert. Um die Muscheln zu verschönern, werden sie daher oft übermalt. Lunula-Anhänger dagegen waren sowohl im Neuen Reich Ägyptens als auch im Hellenismus als unheilabwehrende Amulette beliebt.

links:
Halsschmuck ‘Kina’
Perlmutt mit Rotholzpulver, Textil
Mendi, Papua Neuguinea, 20. Jh.
Sammlung Eva und Peter Herion im Schmuckmuseum Pforzheim
Foto: Petra Jaschke, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt
rechts:
Lunula-Anhänger
Gold, Granat
Nabatäisch-hellenistisch, 2. bis 1. Jh. v. Chr.
Schmuckmuseum Pforzheim
Schenkung von ISSP
Foto: Nick Bürgin, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Dieses Ausstellungskonzept wird durch die Gestaltung des Raumes unterstrichen: Ein Netz aus Linien zieht sich kreuz und quer über die Vitrinen und schafft Verbindungen oder Kreuzungspunkte. Die Idee dahinter setzt sich in die anderen Bereiche der Dauerausstellung fort, denn auch dort wird sich in einigen Vitrinen ethnografischer Schmuck finden. Damit kommt dem neugestalteten Raum eine weitere Funktion zu: Er führt in das Thema Schmuck und das Sich-Schmücken ein.

Das Ziel, die Herion-Sammlung in Dialog mit der historischen und modernen Sammlung des Hauses zu präsentieren, ist ganz im Sinne der Sammler. Dem Pforzheimer Ehepaar Eva und Peter Herion, die in der Zeit von 1970 bis etwa 2006 unterschiedlichste Schmuckstücke auf Reisen vor allem nach Afrika und Asien erworben haben, lag an Schmuck in all seiner Vielfalt. Peter Herion war Unternehmer, Goldschmied und Künstler und beide hatten sie grosses Interesse an aussereuropäischen Kulturen und deren Kunstschaffen.

An einzelnen Vitrinen sind überdies Fragen angebracht wie ‘tragbar – untragbar?’, ‘wertvoll – wertlos?’, ‘leicht – schwer?’. Sie sind ein Detail, das den Wunsch der Ausstellungsmacher zum Ausdruck bringt, Raum zum Experimentieren und Partizipieren zu öffnen. Cornelie Holzach stellt heraus: ‘Wir werden mehr Fragen als Antworten haben und wollen diese mit Fachleuten und Laien gemeinsam beantworten.’ Die neue Präsentation ist kein endgültiges Ausstellungsformat, sondern ein Ausgangspunkt, anhand dessen die betreffenden Aspekte weiter bearbeitet und im öffentlichen Diskurs behandelt werden sollen.

Neben der analogen Ausstellung wird es eine digitale Plattform geben, auf der die Besucher selbst mit den Objekten umgehen können. Wer möchte, kann sich als Avatar auf Welt- und Epochenreise begeben oder die Exponate des ‘Wimmelbilds’ im einzelnen erforschen. Über Detailansichten und Beschreibungen hinaus lassen sich zudem Gruppen nach eigenen Gesichtspunkten zusammenstellen oder die Auswahl in einer Timeline ausgeben.

Die Neupräsentation ist vom gesamten Team des Schmuckmuseums in Zusammenarbeit mit dem Ethnologen Dr. Andreas Volz und der Kunsthistorikerin Dr. Martina Eberspächer konzipiert worden. Verantwortlich für die Gestaltung sind die Innenarchitektin Cornelia Wehle und L2M3 Kommunikationsdesign, für die Entwicklung der digitalen Anwendungen 2av.

Info:

ab 5. Dezember 2021

Was ist Schmuck?
Kreuz und quer durch die Sammlungen des Schmuckmuseums
Der ethnographische Nachlasses Herion neu präsentiert

Schmuckmuseum Pforzheim
Jahnstrasse 42
75173 Pforzheim
Deutschland

www.schmuckmuseum.de

Flyer

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Schnee
Weihnachtsausstellung

Die noch bis zum 9. Januar 2022 laufende Weihnachtsausstellung im Museum der Kulturen Basel ist eine Hommage an den Schnee. Mit der Ausstellung ‘Schnee’ greift das Museum der Kulturen Basel ein aktuelles Thema auf, das viele Emotionen weckt. Schnee bereitet Vergnügen. Er bringt aber auch Kälte und Gefahren und verlangt Anpassungen von uns Menschen. Wir müssen uns anders fortbewegen, Leib und Häuser schützen. Nicht zuletzt bedarf Schnee auch selber Schutz. Rund 180 Objekte in vier Stationen reflektieren die Faszination für den Schnee und den Umgang mit ihm.

Blick in die Ausstellung
Foto freundlicherweise vom Museum der Kulturen zur Verfügung gestellt

Der erste Schnee und die Stille einer verschneiten Landschaft lösen Glücksgefühle aus, ebenso Schneeballschlachten oder Schlittenfahrten oder allein der Tanz der Flocken – faszinierend sind die Mikroskop-Aufnahmen von Wilson A. Bentley. Die Fortbewegung im Schnee ist beschwerlich, doch der Mensch weiss sich zu helfen: mit Schneeschuhen, Steigknochen oder Schlitten, wovon das Museum eine grosse Sammlung besitzt und zeigt, ebenso wie Hilfsmittel, um den Schnee zu beseitigen.

Schlitten
Foto freundlicherweise vom Museum der Kulturen zur Verfügung gestellt

Dem Schutz vor Schnee, Kälte und Feuchtigkeit kommt im Alltag und in der Ausstellung grosse Bedeutung zu. Schnee lässt uns frieren und macht die Jagd und die Fortbewegung schwierig. Funktionale Kleidung ist überlebensnotwendig, vor allem im arktischen Lebensraum. Da kommt selbst einem Faden eine schützende Funktion zu.

Funktionale Kleidung im arktischen Lebensraum
Foto freundlicherweise vom Museum der Kulturen zur Verfügung gestellt

Die Kleidung im arktischen Lebensraum muss zwei Funktionen erfüllen: warmhalten und wasserdicht sein. Hersteller*innen verarbeiteten tierische Materialien mit wasserabweisenden und wärmeisolierenden Eigenschaften, wie Robben- oder Karibufell, Schafwolle und Vogelfedern.

Funktionale Kleidung im arktischen Lebensraum
Foto freundlicherweise vom Museum der Kulturen zur Verfügung gestellt

Mehrere Kleidungsschichten hielten den Körper warm. Die Fell- oder Federseite zeigte bei der untersten Schicht nach innen, bei der obersten nach aussen.

Funktionale Kleidung im arktischen Lebensraum
Rock der Yupik aus Alaska, USA, vor 1936: Federn wurden inklusive Haut des Vogels zu einem Kleidungsstück verarbeitet.
Foto freundlicherweise vom Museum der Kulturen zur Verfügung gestell

Als Regen- oder Schneeschutz dienten im arktischen Lebensraum Anoraks und Parkas aus Leder, Gedärmen, Vogel- und Fischhaut.

Funktionale Kleidung im arktischen Lebensraum
Regen- oder Schneeschutz der Yupik aus Alaska, USA, vor 1936: gemacht aus Tierdarm und Fellbüscheln
Foto freundlicherweise vom Museum der Kulturen zur Verfügung gestellt

Besonders leicht waren Parkas aus Tierdärmen, die schnell zusammengerollt und verstaut werden konnten.

Funktionale Kleidung im arktischen Lebensraum
Regen- oder Schneeschutz, Detail
Foto freundlicherweise vom Museum der Kulturen zur Verfügung gestellt

Bei der Herstellung von Bekleidung wurde darauf geachtet, dass kein Wasser über die Nähte eindringen konnte. Dies wurde durch eine spezielle Stichtechnik und das verwendete Fadenmaterial erreicht: Tiersehnen dehnen sich bei der Berührung mit Nässe aus und schliessen die Naht wasserdicht ab. Das Museum zeigt einen Nähfaden zum Abdichten von Nähten der Inari aus Lappland, Finnland, vor 1911, der aus Rentiersehnen gemacht ist.

Miniatur-Inuk mit beladenem Schlitten aus Walrosszahn, Darmschnur, Speckstein und Textilien
hergestellt in Kanada zwischen 1860 und 1870
© MKB
Foto freundlicherweise vom Museum der Kulturen zur Verfügung gestellt

Zudem ist ein Poncho der Sami aus Norwegen zu sehen. Er besteht aus weissem, dichtem Stoff und wird bei Schneefall und Kälte über die übrigen Kleidungsstücke gezogen. Das schwere Gewebe aus Schafwolle ist winddicht und wasserabweisend. Der Umhang wurde während einer Forschungsreise im Jahr 1969 für den Sammler genäht.

Blick in die Ausstellung
Foto freundlicherweise vom Museum der Kulturen zur Verfügung gestellt

Damit die nassen Kleider aus Fell trockneten, wurden sie draussen aufgehängt. Sie gefroren über Nacht und das Eis konnte mit einem Brett abgeklopft werden.

Sehenswert sind auch die verschiedenen Schnee- und Skibrillen. Und ein Gletschervlies zeigt, dass der Schnee selber schützenswertes Gut geworden ist.

Eine Schneebrille aus Holz der Inuit
Foto freundlicherweise vom Museum der Kulturen zur Verfügung gestellt

Heute bleibt oft nur die Illusion von Schnee. Weisse Weihnachten sind eher selten geworden. Deshalb behelfen wir uns mit Schnee aus der Konserve. Dafür glitzert es wunderbar weiss auf Weihnachtsdekorationen, Adventskalendern und Weihnachtskarten.

Info:

19. November 2021 – 9. Januar 2022

Schnee
Weihnachtsausstellung

Museum der Kulturen Basel
Münsterplatz 20
4051 Basel
Schweiz

www.mkb.ch

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JACOBA VAN HEEMSKERCK. Kompromisslos modern

Derzeit zeigt das Kunsthaus Stade noch bis zum 6. Februar 2022 die Ausstellung ‘JACOBA VAN HEEMSKERCK. Kompromisslos modern’.

Jacoba van Heemskerck: Bild Nr. 18, 1915
Öl auf Leinwand
© Sammlung Kunstmuseum Den Haag
Foto freundlicherweise vom Kunsthaus Stade zur Verfügung gestellt

Jacoba van Heemskerck (1876, Den Haag – 1923, Domburg) hat in weniger als zwei Jahrzehnten ein kraftvolles Œuvre geschaffen, das Gemälde, Grafiken, Mosaike und Glasarbeiten umfasst. Zu Lebzeiten steht die niederländische Künstlerin im Zentrum der Avantgarde und Sturm-Bewegung um Herwarth und Nell Walden in Berlin. Bald nach ihrem Tod gerät sie jedoch in Vergessenheit, so wie viele Künstlerinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die erst langsam wiederentdeckt wurden und immer noch werden.

Jacoba van Heemskerck: Pinienwald, 1910
Öl auf Leinwand
© Sammlung Kunstmuseum Den Haag
Foto freundlicherweise vom Kunsthaus Stade zur Verfügung gestellt

Rhythmische Kompositionen des Bildraums, schwarze Umrisslinien und ein intensiver Farbeinsatz prägen van Heemskercks expressive Landschafts-, Stadt- und Hafenmotive. Sie sind von der niederländischen Natur und regelmässigen Sommeraufenthalten am Meer geprägt. Dabei geht es van Heemskerck jedoch weniger um eine unmittelbare Wiedergabe der sichtbaren Umgebung. Vielmehr eröffnet sich ihrer Auffassung nach hinter der äusseren Natur eine Welt aus Licht, Energie, Farben und Formen, die von einer Verbindung allen Lebens zeugt.

Jacoba van Heemskerck: Landschaft Nr. 6, 1913
Öl auf Leinwand
© Sammlung Kunstmuseum Den Haag
Foto freundlicherweise vom Kunsthaus Stade zur Verfügung gestellt

Lebewesen teilen einen Élan vital, wie der Philosoph Henri Bergson es in dieser Zeit als ein vitalistisches Verständnis von Natur und Kosmos formuliert. Das Geäst und die Wurzeln eines Baums, die sich bei van Heemskerck über die gesamte Bildfläche verteilen können, werden auf diese Weise zu alles durchströmenden Lebensadern.

Jacoba van Heemskerck: Bild (Landschaft mit Bäumen und Bergen), 1915
Öl auf Leinwand
© Sammlung Kunstmuseum Den Haag
Foto freundlicherweise vom Kunsthaus Stade zur Verfügung gestellt

Van Heemskercks Lebensanschauung ist von einem damals aufkommenden Weltbild geprägt, das einen reinen Positivismus für überholt hält. Dies zeigt sich in der Lehre der Anthroposophie, mit der sich van Heemskerck beschäftigt. Auch in der Sturm-Bewegung, der sie von 1913 bis 1923 neben Künstler*innen wie Franz Marc, Wassiliy Kandinsky, Gabriele Münter oder Alexej Jawlensky angehört, werden neue Auffassungen von Kunst und Gesellschaft begründet. Heute, wo wir unter anderen Vorzeichen gefordert sind, die komplexen Zusammenhänge in der Welt als Ganzes zu sehen, ist das Werk wieder höchst aktuell.

Jacoba van Heemskerck: Bild Nr. 41, 1915
Öl auf Leinwand
© Sammlung Kunstmuseum Den Haag
Foto freundlicherweise vom Kunsthaus Stade zur Verfügung gestellt

Jacoba van Heemskerck ist nach ihrer Entscheidung für die Künstlerinnen-Laufbahn zunächst im Umfeld der Maler Jan Toorop und Piet Mondrian tätig. Sie stellt in Amsterdam, Domburg, Brüssel und Paris mit überwiegend männlichen Kollegen aus. Luminismus und Kubismus kennzeichnen ihre frühen Werke. Von 1913 bis 1923 gehört sie zur avantgardistischen Bewegung des Sturm in Berlin und ist dort nach Oskar Kokoschka die meist gezeigte künstlerische Position.

Jacoba van Heemskerck: Komposition 9 Nr. 18 (Boote), 1915
Holzschnitt auf Papier
© Sammlung Kunstmuseum Den Haag
Foto freundlicherweise vom Kunsthaus Stade zur Verfügung gestellt

Nach ihrem frühen Tod im Alter von 47 Jahren gerät van Heemskerck nahezu in Vergessenheit. Vor allem die Verbindung zu theosophisch-spirituellen Themen wurde bei der späteren Rezeption von Künstlerinnen oft nachteilig ausgelegt, während sie für Künstler, wie zum Beispiel Mondrian, wenig störend oder gar förderlich war. Die Ausstellung will auch dazu beitragen, die genderbedingte Rezeptionsgeschichte kritisch zu reflektieren.

Jacoba van Heemskerck: Glasfensterentwurf Nr. 24, 1919
© Sammlung Kunstmuseum Den Haag
Foto freundlicherweise vom Kunsthaus Stade zur Verfügung gestellt

In Deutschland fand vor rund vierzig Jahren (1983/84) die erste Einzelausstellung zu Jacoba van Heemskerck in Berlin, Stuttgart, Saarbrücken, Bonn und Erlangen statt, die zunächst wenig Nachhall hervorrief. Nach der Wiederentdeckung van Heemskercks in den Niederlanden in Folge der Ausstellung ‘Jacoba van Heemskerck. A Rediscovery’ im Kunstmuseum Den Haag im Jahr 2005 und ihrer wichtigen Rolle in der Gruppenausstellung ‘Sturm-Frauen’ (2015/16) der Schirn Kunsthalle Frankfurt, wird die Künstlerin nun als eine singuläre Position der Moderne auch in Deutschland einem grossen Publikum vertiefend vorgestellt.

Jacoba van Heemskerck: Komposition (Baum), 1920
Glasmosaik
Ausführung: Puhl & Wagner – Gottfried Heinersdorff, Berlin
© Sammlung Kunstmuseum Den Haag
Foto freundlicherweise vom Kunsthaus Stade zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung zeigt ca. 60 Werke aller Schaffensphasen, Leihgaben aus dem Kunstmuseum Den Haag, das mit über 250 Werken den grössten Bestand an Werken van Heemskercks in einer Sammlung beherbergt. Sie ist eine Kooperation mit dem Kunstmuseum Den Haag, der Kunsthalle Bielefeld und dem Edwin Scharff Museum unter der Schirmherrschaft des Königreichs der Niederlande in Deutschland.

Jacoba van Heemskerck: Komposition nach Entwurf Nr. 19 (Baum), 1920
Bleiglasfenster mit Glasmalerei
Ausführung: Puhl & Wagner – Gottfried Heinersdorff, Berlin
© Sammlung Kunstmuseum Den Haag
Foto freundlicherweise vom Kunsthaus Stade zur Verfügung gestellt

Anliegen der Ausstellung ist es, van Heemskercks Rolle im Kunstgeschehen vor genau 100 Jahren zu untersuchen, die bis heute bestehende Relevanz ihres Werkes deutlich zu machen und ihr internationales Wirken zwischen den Niederlanden und Deutschland aufzuzeigen. Nicht zuletzt möchte die Ausstellung eine fast vergessene Künstlerin der Moderne wieder in das öffentliche Bewusstsein rücken.

Eine ausführlichere Biografie der Künstlerin mit zeitgenössischen Fotos ist auf der Website des Museums zu finden.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erhältlich.

Auch interessant:

Mein Beitrag über die Ausstellung ‘Sturm-Frauen’ in der SCHIRN Kunsthalle Frankfurt (2015/16) ist innerhalb der Ausstellungstipps Dezember 2015 zu finden. Das zu dieser Ausstellung entwickelte Digitorial – in meinem damaligen Beitrag verlinkt – ist noch immer aufrufbar und hochinteressant.

Info:

25. September 2021 – 6. Februar 2022

JACOBA VAN HEEMSKERCK. Kompromisslos modern

Kunsthaus Stade
Wasser West 7
21682 Stade
Deutschland

www.museen-stade.de

Öffentliche Führungen:
So, 15 Uhr: Ausstellungsrundgang

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Afrikanische Textilien – eine farbenfrohe Vielfalt
Exponate aus der Sammlung und Kunststiftung Spielmann-Hoppe

Aus den verschiedenen Ausstellungen des Museums Tuch + Technik in Neumünster habe in zweierlei ausgewählt: Derzeit sind schon ‘Afrikanische Textilien’ zu sehen und am 18. Dezember 2021 kommt noch die Quilt-Aussstellung von Brigitte Ammann hinzu.

Berber, Bambara, Ewe, Yoruba, Mbuti, Bakuba – die Bevölkerung Afrikas teilt sich auf in zahlreiche ethnische Gruppen und Stämme. Eine Vielfalt, die sich auch im Kunsthandwerk widerspiegelt, zum Beispiel in den handgefertigten Textilien.

Umschlagtuch
weiss mit gelben und roten Streifen
Tunesien, Djerba, evtl. aus Naqada, Ägypten
Baumwolle und Kunststoffgarn
345 x 138 cm
Foto: Angelika Spielmann, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In seiner Ausstellung ‘Afrikanische Textilien aus der Sammlung und Kunststiftung Spielmann-Hoppe’ zeigt das Museum Tuch + Technik noch bis zum 13. März 2022 ganz unterschiedliche Exponate aus verschiedenen Ländern Afrikas.

Decke
Marokko, mittlerer Atlas, Stamm der Zaer
Wolle, gewebt und gestickt
244 x 140 cm
Foto: Angelika Spielmann, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Von den Kelim-Decken und Umhängetüchern aus Marokko, den Wickeltüchern in Indigo-Färbung aus Westafrika, den Rindenbast-Geweben aus Zentralafrika bis zu den bunten Kente-Tüchern der Ewe und Ashanti aus Ghana und Nigeria: Der Rundgang durch die Ausstellung entfaltet eine beeindruckende und farbenfrohe Bandbreite der afrikanischen Textilkunst.

Kelim-Decke
Hambel, Marokko, Region Azrou, Art des Stammes der Zemmour
Wolle und Seide
198 x 139 cm
Foto: Angelika Spielmann, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Exponate stammen aus der privaten Sammlung der Familie Spielmann-Hoppe. Der langjährige Leiter des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums Schloss Gottorf und spätere Gründungsdirektor des Bucerius Kunst Forums, Prof. Dr. Heinz Spielmann organisiert seit seiner Pensionierung zahlreiche hochkarätige Ausstellungen.

Tanzrock der Ngongo für Männer
Foto: Angelika Spielmann, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Spielmann und seine Familie haben auf privaten Reisen seit den 1970er Jahren ihre umfassende Sammlung afrikanischer Textilien angelegt. Ihr Ziel ist es, das Verständnis zwischen den Kulturen zu fördern und einen Beitrag zur Bewahrung ihrer Zeugnisse zu leisten.

Color – Shape – Expression
Quiltart Brigitte Ammann

Für die Textilkünstlerin Brigitte Ammann stellt die Technik des Quiltens die bevorzugte künstlerischer Ausdruckform dar. Sie nutzt diese traditionelle Technik als Plattform ihrer Gedankenwelt und ihres Empfindens, das sie in eine ganz eigene textile, abstrakte Gestik überträgt. Das Museum Tuch + Technik zeigt eine Auswahl ihrer Werke in der Ausstellung ‘Color – Shape – Expression’ vom 18. Dezember 2021 – 24. April 2022.

Brigitte Ammann: Partybeherbergung
Foto: Brigitte Ammann, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Rund 25 Wandbehänge in Quilttechnik sind aus Brigitte Ammanns Zeit in der ‘Begegnungsgruppe Alzheimer’ in Amsterdam 2019 bis 2021 entstanden. In diesen Arbeiten hat sie ihre Erfahrungen mit und die Lebensgeschichten von an Alzheimer erkrankten Menschen umgesetzt, mit denen sie in einer Gruppe für Kunst- und Kulturinteressierte zusammengearbeitet hat.

Brigitte Ammann: Plappermaul
Foto: Brigitte Ammann, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Begegnung mit den Teilnehmern der Gruppe, die völlig hemmungslos und ungeniert ihr wahres Gesicht zeigen und ihre Lebensgeschichte preisgaben, inspirierte die Künstlerin dazu, deren Geschichten und ihre Wesensart in abstrakter Form wiederzugeben. Die aufwändige Fertigung der Wandbehänge aus einzelnen Versatzstücken geht über eine blosse dekorative Bedeutung hinaus, wird zur Lebensgeschichte und zu einem Bedeutungsträger.

Brigitte Ammann: Plappermaul, Detail
Foto: Brigitte Ammann, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Hinter den farbenfrohen Stoffen und Mustern verbergen sich bewegende Einzelschicksale, denen die Künstlerin auf der Rückseite der Wandbehänge in graphischen Schwarzweiss-Mustern Tiefe verleiht und die Einzigartigkeit und Würde jeder Person hervorhebt. Je tiefer die Künstlerin in ein Thema vordringt, desto mehr verliert es seine alltägliche Bedeutung, am Ende bleiben Form, Farbe und Fläche übrig.

Brigitte Ammann: Plappermaul, Detail
Foto: Brigitte Ammann, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die gebürtige Holländerin, die in Albstadt und Amsterdam lebt und arbeitet, studierte an der Freien Kunstakademie Nürtingen Kunst und bei der Amerikanerin Nancy Crow. Sie nahm an zahlreichen Ausstellungen teil und begeht mit ihren Arbeiten immer wieder innovative und neue Wege. Die ‘freestyle-sewing-Technik’ erlaubt der Künstlerin ein spontanes Umsetzen eigener Visionen, die sich von traditionellen Mustern und Vorgaben entfernen. Die von ihr verwendeten Stoffe werden von ihr selbst gefärbt, sodass ein ganz eigenes Farbspektrum entsteht.

Info:

12. November 2021 – 13. März 2022
Afrikanische Textilien – eine farbenfrohe Vielfalt
Exponate aus der Sammlung und Kunststiftung Spielmann-Hoppe

18. Dezember 2021 – 24. April 2022
Color – Shape – Expression
Quiltart Brigitte Ammann

Tuch + Technik
Textilmuseum Neumünster
Kleinflecken 1
24534 Neumünster
Deutschland

www.tuchundtechnik.de

Flyer ‘Afrikanische Textilien’
Flyer ‘Color – Shape – Expression’

Programmflyer

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GeschmacksSache
Vorbildliches Design um 1900

Über Geschmack lässt sich streiten? Dieser Meinung war Gustav E. Pazaurek, von 1906 bis 1932 führender Kopf am ehemaligen Stuttgarter Landesgewerbemuseum, definitiv nicht. Er vertrat die Ansicht, dass Geschmack durch gute und schlechte Vorbilder geprägt werden könne. Daher legte er ab 1909 die vielbeachtete ‘Sammlung der Geschmacksverirrungen’ an. Mit ihr führte er drastisch vor, was er für den falschen Geschmack hielt.

Ausstellungsplakat
© Landesmuseum Württemberg
Foto: Hendrik Zwietasch, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Dieser Sammlung sowie den positiv besetzen Vorbildersammlungen des Landesgewerbemuseums waren die gigantischen Muster- und Vorbildersammlungen der ‘Centralstelle für Handel und Gewerbe’ vorangegangen, deren Aufgabe es seit 1848 war, in Württemberg den dramatischen Strukturwandel von der Agrarwirtschaft zur Industrialisierung voranzutreiben.

Zierschale in Form eines Blütenkelchs, um 1900
© Landesmuseum Württemberg
Foto: Hendrik Zwietasch, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Nur wenn sich Herstellungstechnik, Form, Material und Funktion auf ‘richtige’ Weise verbanden, hatten die in Württemberg hergestellten Handelsgüter eine Chance im internationalen Wettbewerb.

Musterbuch für Gewebe (Band 1 von 10 Bänden)
angelegt von Karl Wilhelm Weigle (1788-1884), Ludwigsburg, ab 1844
© Landesmuseum Württemberg
Foto: Hendrik Zwietasch, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Aus den Muster- und Vorbildersammlungen ging das Landesgewerbemuseum hervor, das 1896 einen repräsentativen Neubau erhielt, der den hohen Stellenwert des Museums augenfällig macht – das heutige Haus der Wirtschaft.

Besteck, vergoldet, Griffe aus bemaltem Porzellan
Meißen, um 1730
© Landesmuseum Württemberg
Foto: Hendrik Zwietasch, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Aus Anlass des 125-jährigen Jubiläums dieses Gebäudes zeigt das Landesmuseum Württemberg, das 1968/69 einen Grossteil der Bestände des Landesgewerbemuseums übernahm, im Alten Schloss eine Ausstellung zu dessen Sammlungen in den ersten Jahrzehnten. Im Ständesaal führen rund 70 Objekte auf 120 qm die bewegte Geschichte des Ringens um die gute Form, um Geschmack und Stilbildung als museale und damit gesellschaftliche Aufgabe vor Augen.

Paar Pantoffel, Türkei, Mitte 19. Jahrhundert
erworben auf der Weltausstellung in London 1851
© Landesmuseum Württemberg
Foto: Hendrik Zwietasch, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit Objekten aus den Muster- und Vorbildersammlungen, darunter Grafik, Textilien, Gläser, Silber und Spielzeug, werden Geschmack und Geschmacksurteil am Beispiel der Vorbildersammlung und ihrer Antithese, der Sammlung von Geschmacksverirrungen, thematisiert.

Porzellanplatte mit Holzmaserungsdekor aus der Sammlung der Geschmacksverirrungen
Bayerische Porzellanmanufaktur Nymphenburg, München, um 1890
© Landesmuseum Württemberg
Foto: Hendrik Zwietasch, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Hierbei kommt die wirtschaftliche Dimension des ‘richtigen’ Geschmacks ebenso in den Blick wie die soziologische, mit der gesellschaftliche Zugehörigkeit oder Ausgrenzung definiert wird. Aber auch prämierte Highlights, mit denen sich Württemberg auf den Weltausstellungen zeigte, machen deutlich, wie über die jeweils aktuelle Antwort auf die Geschmacksfrage entschieden wurde.

Collier, Bert Nienhuis (1873-1960)
Haarlem/Niederlande, 1910
© Landesmuseum Württemberg
Foto: Hendrik Zwietasch, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Warum und wie der württembergische Staat ein umfangreiches Musterlager unterhielt, schildert Steffen Kaiser in seinem Blog-Artikel ‘Innovativ durch abkupfern!’ sehr interessant und anschaulich. Ein Beispiel: ‘Dass Württemberg einen grossen Schwerpunkt auf der Textilverarbeitung hatte, zeigen die vielen kleinen und grossen Anschaffungen im Bereich der Weberei-Gerätschaften. Schiffchen und Spulen wurden in den verschiedensten Ausführungen erworben und zur Anschauung verliehen, ebenso ganze Webstühle.’

Zu finden auf der Ausstellungsseite

Info:

18. November 2021 – 1. Mai 2022

GeschmacksSache
Vorbildliches Design um 1900

Landesmuseum Württemberg
Altes Schloss | Ständesaal
Schillerplatz 6
70173 Stuttgart
Deutschland

www.landesmuseum-stuttgart.de

Eintritt frei

Flyer

Ausstellungstrailer

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Poster und Papierkram
Ein Glossar des Sammelns

Wie entsteht eigentlich eine Sammlung? Wer entscheidet, was gesammelt wird? Wie werden die Arbeiten bewahrt und vermittelt? Und welche Werke würden die Besucher*innen sammeln?

Unbekannt: Hamburger Dom – Volksfest des Nordens, 1950-1960, Hamburg
Werbegrafik, Offsetdruck
Public Domain
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Mit ‘Poster und Papierkram. Ein Glossar des Sammelns’ blickt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) neugierig und selbstkritisch zurück auf 150 Jahre Sammeln und Ausstellen. Am Beispiel der Sammlung Grafik und Plakat lädt die Ausstellung die Besucher*innen ein, spielerisch stöbernd einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Entlang von Schlagwörtern wie ‘Auswahl’, ‘Budget’, ‘Commons’ oder ‘Leihverkehr’ verbindet sie Historisches mit zeitgenössischen Fragen und macht die Menschen, Wünsche, Umstände und Praktiken greifbar, die diese Sammlung prägen: Vom Museumsgründer Justus Brinckmann (1843-1915) bis zu zeitgenössischen Gestalter*innen und Kritiker*innen, vom Ankauf über die Inventarisierung und Präsentation bis zur Restaurierung.

Claude Kuhn (*1948): Glückwunsch an einen 60-Jährigen: Tierpark Dählhölzli, Bern, 1997
Plakat, Siebdruck
© Claude Kuhn
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Rund 160 herausragende Arbeiten füllen die Schlagwörter mit Leben, gestaltet von u.a. Jules Cheret, HAP Grieshaber, den Guerilla Girls, Jenny Holzer, Barbara Kruger, Claude Kuhn, Jan Lenica, Ebba Tesdorpf, Henri de Toulouse-Lautrec, Kurt Weidemann, Martin Woodli, Tadanori Yakoo und Megi Zumstein. Ergänzt werden sie durch Video-lnterviews, Fotografien, Fundstücke und Archivalien. Zu sehen sind Filmplakate, Beispiele aus der Jugendstil-Sammlung, Werbegrafiken, politische Grafik und Protestplakate, Schätze des japanischen Grafik-Design, Künstler*innenplakate, feministische Positionen und Blätter aus den Anfängen der Sammlung wie etwa sog. Hamburgensien.

Bruno Karberg (1896–1967): ‘Hamburg’, Hamburg, 1929
Plakat, Offsetdruck
Public Domain
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Verknüpft mit diesen Arbeiten sind Texttafeln, die zusammen ein ‘Glossar des Sammelns’ bilden, in dem – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – Aspekte der Arbeit mit und an der Sammlung thematisiert und zur Diskussion gestellt werden. So sind die Besucher*innen eingeladen, selbst eine Auswahl zu treffen: Welche der präsentierten Plakate finden sie ‘sammlungswürdig’? Welche nicht? Und warum? Was würden sie gerne in der Sammlung bewahrt wissen?

Henri de Toulouse-Lautrec (1864-1901): Titelblatt der Mappe L’estampe originale publiée par
le journal des artistes, Paris, 1893
Lithografie
Public Domain
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Auch die Geschichte der Sammlung wird in der Ausstellung anschaulich, wobei das Archiv des MK&G erstaunlich viel Unterhaltsames und Überraschendes bereithält: Zahlreiche Dokumente zeugen von finanziellen, konservatorischen und kommunikativen Erfolgen und Dramen. Die Ausstellung stellt auch die wichtigen Sammlerpersönlichkeiten vor: MK&G-Gründungsdirektor Justus Brinckmann (1843-1915), sein Nachfolger Max Sauerlandt (1880-1934), Heinz Spielmann (*1930) oder Ruth Malhotra (1923-2003).

Dafi Kühne (*1982): Death to the print!, 2017, Hamburg
Plakat, Buchdruck
Schenkung: Dafi Kühne
© Dafi Kühne
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Digitalisierung verändert nicht nur die Disziplin Grafik-Design, auch die Sammlung erobert zunehmend den digitalen Raum. Plakate und Grafiken werden fotografiert und in eine Datenbank aufgenommen, dort beschrieben verschlagwortet und über die MK&G Sammlung Online öffentlich zugänglich gemacht. Doch was passiert bei diesen Vorgängen? Wo finden hier Auswahl und Interpretation statt? Diese Fragen beschäftigen die aktuelle Leiterin der Sammlung, Julia Meer (*1982), vor allem mit Blick auf die Sammlungserweiterung.

Megi Zumstein (*1973), Claudio Barandun (*1979): Eigenwerbung v. Hi Visuelle Gestaltung, Luzern, 2011
Offsetdruck
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung ist durchzogen von einer kritischen Betrachtung der Praktiken, die mit der Sammlung verbunden sind und macht es sich zur Aufgabe, die Neugierde, Ratlosigkeit und Freude, die dieses Suchen mit sich bringt, mit den Besucher*innen zu teilen.

Info:

5. November 2021 – 6. März 2022

Poster und Papierkram
Ein Glossar des Sammelns

MK&G Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
Steintorplatz
20099 Hamburg
Deutschland

www.mkg-hamburg.de

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Weihnachtsland Erzgebirge – Schätze aus Ostschweizer Sammlungen

Wer kennt ihn nicht, den berühmten Nussknacker aus dem Erzgebirge?

Flyer

Die Region südwestlich von Dresden ist berühmt für ihre Holzarbeiten und eine ganz spezielle Weihnachtstradition. Zur Adventszeit werden hier Weihnachtspyramiden aufgestellt, die sich im Kerzenschein drehen. Die Fenster der Häuser schmücken Lichterbögen, Engel und Bergmänner, die an die Bergbau-Geschichte erinnern. Das Erzgebirge war schon im Mittelalter bekannt für seine wertvollen Silbervorkommen und andere Mineralerze. Im 18. Jahrhundert gewann die Holzschnitzerei an Bedeutung.

Stimmungsbild mit Weihnachtskrippe, Bergmann und Engel
Foto: Eva Schalling, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die diesjährige Weihnachtsausstellung des Historischen und Völkerkundemuseums St. Gallen widmet sich der typischen Volkskunst und zeigt Schätze aus Ostschweizer Sammlungen. Sie geben Einblick in das einzigartige Weihnachtsbrauchtum und die Bergbautradition des Erzgebirges. Dazu kommen Figuren und Szenen aus der Alltagswelt, vom Markt bis zum Wald, und zwei Miniatur-Winterlandschaften, in denen ein buntes Treiben herrscht.

Spielzeugverkauf, Privatsammlung
Foto: HVM, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Der dreidimensionale Adventskalender der Ausstellung lädt auch über www.hvmsg.ch Besucherinnen und Besucher ein, jeden Tag ein Türchen zu öffnen. Und vor dem Museum macht ein überdimensionaler Nussknacker auf das ‘Weihnachtsland Erzgebirge’ aufmerksam.

Info:

27. November 2021 – 30. Januar 2022

Weihnachtsland Erzgebirge

Historisches und Völkerkundemuseum
Museumstrasse 50
9000 St. Gallen
Schweiz

www.hvmsg.ch

Flyer mit Rahmenprogramm

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Kurz und knapp vorgestellt –
weitere Ausstellungstipps:

Tizians Frauenbild
Schönheit – Liebe – Poesie

Die Ausstellung ‘Tizians Frauenbild’ im Kunsthistorischen Museum Wien konzentriert sich anhand von mehr als 60 hochkarätigen Gemälden auf die Darstellung der Frau im Œuvre des venezianischen Meisters Tizian (um 1488‒1576) und seiner Zeitgenossen.

Tizian (um 1488–1576): Junge Frau bei der Toilette, um 1515
Leinwand, 99 × 76 cm
Musée du Louvre, Département des Peintures, Paris
© RMN-Grand Palais (musée du Louvre) / Franck Raux
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Inspiriert von der damaligen Liebespoesie und Literatur schufen Tizian und seine Kollegen poetisch-erotische, idealisierte Frauenbildnisse. Sie werden wegweisend für die europäische Malerei der nachfolgenden Jahrhunderte. Die Schau beleuchtet das venezianische Frauenbild vor dem Hintergrund der Ideale und Gesellschaftsverhältnisse des 16. Jahrhunderts. In Tizians Frauenbildern geht es um die Zelebration der Frau als grossartigstes Thema des Lebens, der Liebe und der Kunst.

Es sind ein virtueller Rundgang (kostenpflichtig) sowie ein Digitorial (dt./engl.) zu dieser sensationellen Sonderausstellung über die Musems-Website verfügbar.

Info:

5. Oktober 2021 – 16. Jänner 2022

Tizians Frauenbild
Schönheit – Liebe – Poesie

Kunsthistorisches Museum Wien
Maria-Theresien-Platz
1010 Wien
Österreich

www.khm.at

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Omoshirogara

Die aktuelle Sonderausstellung ‘Omoshirogara’ im Museum DKM in Duisburg präsentiert die aussergewöhnliche Sammlung historischer Kimonos der Textilhistorikerin und -sammlerin Yoshiko Inui (Sapporo, Japan). In den Mustern und Symbolen der Kleidungsstücke offenbart sich das ganze Drama der japanischen Modernisierung um 1900, die durch die Begegnung mit dem Westen angestossen wurde.

Kimono aus der Ausstellung ‘Omoshirogara’
Foto freundlicherweise vom Museum DKM zur Verfügung gestellt

Die Kimonos werden zusammen mit zeitgenössischen Werken von Yu Araki (Japan), Erika Kobayashi (Japan), Jong Ok Ri (Japan/Südkorea), Kei Takemura (Japan), Yuichiro Tamura (Japan) gezeigt.

Gefördert von der Japan Foundation und dem Auswärtigen Amt.

Weitere Informationen finden sich auf der Website zu dieser Ausstellung.

Info:

1. Oktober 2021 – 27. Februar 2022

Omoshirogara

Museum DKM | Stiftung DKM
Güntherstrasse 13–15
47051 Duisburg
Deutschland

www.museum-dkm.de
www.omoshirogara.org

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Inside Out

Die Ausstellung in der Burg Galerie im Volkspark zeigt vom 25. November 2021 – 13. Januar 2022 aktuelle künstlerische Positionen aus der Klasse Textile Künste von Prof. Caroline Achaintre.

Plakat zur Ausstellung
Gestaltung: Miriam Humm und Marcus Wächter

In der Ausstellung ‘Inside Out’ interagieren 34 Studierende und Absolvent*innen der Textilen Künste mit der Architektur der Burg Galerie im Volkspark: In der vom 25. November 2021 – 13. Januar 2022 gezeigten Präsentation wird eine ortsspezifische Ausstellungsarchitektur und Raumsituation entwickelt, in welcher zugleich sichtbare und unsichtbare Momente geschaffen werden. Damit reagieren die Ausstellenden zum einen auf die in den letzten Jahren permanent benötigte Improvisationsfähigkeit und Flexibilität. Zum anderen wird die Vermischung von privatem und öffentlichem Raum und der damit folgenden Realitätsverschiebung zum Thema gemacht. Möglichkeiten der Abgrenzung bei gleichzeitiger Durchlässigkeit führen zu einer Verschmelzung und Vermischung der konstruierten Räume im bereits existierenden Raum der Burg Galerie. In diesem Raumkonstrukt sind textile Arbeiten, Malereien, Zeichnungen, Objekte, Installationen, Performances sowie Videoarbeiten zu sehen, die zwischen 2019 und 2021 in der von Prof. Caroline Achaintre seit 2018 geleiteten Studienrichtung an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle entstanden sind.

Info:

25. November 2021 – 13. Januar 2022

Inside Out

Burg Galerie im Volkspark
Schleifweg 8a
06114 Halle (Saale)
Deutschland

www.burg-halle.de

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Weihnachtsausstellung

Alle Jahre wieder bietet der Bayerische Kunstgewerbeverein seinen Mitgliedern eine Bühne zur Präsentation der schönsten ihrer Arbeiten. Die Weihnachtsausstellung lädt derzeit zum Schauen, Staunen und Kaufen ein. Wer die Galerie betritt, wird umfangen von einer Atmosphäre des Besonderen. Jedes der gezeigten Stücke vermag den Betrachter zu fesseln: durch die Faszination der zugrunde liegenden Idee, durch die perfekte handwerkliche Verarbeitung, durch die Liebe und Hingabe, mit der es gefertigt wurde. Die verschiedensten Objekte bilden zusammen einen aussergewöhnlichen Weihnachtsmarkt, der zugleich eine Leistungsschau aus den einzelnen Gewerken ist.

Karte

Schmuckstücke, die einfach nur schmücken und solche mit verborgener Seele, Keramik für den täglichen Gebrauch oder als Kunstobjekt, schöne Dinge aus Papier, die Bestand haben oder Sachen zum Anziehen mit dem gewissen Etwas – das Spektrum ist so gross wie die Mitgliederzahl des Bayerischen Kunstgewerbevereins, aus deren Runde sich die Aussteller zusammengefunden haben. Sie kommen aus Bayern, Deutschland und der ganzen Welt, vertreten vor allem die Bereiche Schmuck, Silbergerät, Keramik, Textil, Holz, Glas, Metall, Papier. Die gezeigten Stücke sind Unikate oder in Kleinserien entstanden – die meisten tragen eine Botschaft in sich.

Fotos sind auf der Website ersichtlich.

Info:

26. November 2021 – 15. Januar 2022

Weihnachtsausstellung

Bayerischer Kunstgewerbeverein e.V.
Pacellistrasse 6 – 8
80333 München
Deutschland

www.bayerischer-kunstgewerbeverein.de

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Jetzt oder nie – 50 Jahre Sammlung LBBW

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Sammlung LBBW und der langjährigen Kooperation mit dem Kunstmuseum Stuttgart werden herausragende Werke aus der Sammlung LBBW in einer grossen Sonderausstellung präsentiert. Erstmals wird dabei das gesamte Spektrum der Sammlung LBBW zu sehen sein, von der Kunst der Klassischen Moderne bis hin zu zeitgenössischen Positionen.

Hans Thoma: Einsamkeit, 1906
Sammlung LBBW
© Foto: Archiv Sammlung LBBW, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Info:

13. November 2021 – 20. Februar 2022

Jetzt oder nie – 50 Jahre Sammlung LBBW

Kunstmuseum Stuttgart
Kleiner Schlossplatz 1
70173 Stuttgart
Deutschland

www.kunstmuseum-stuttgart.de

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Fächerblätter, zwischen Europa und Japan

Der Fächer – ein Modeaccessoire, das sowohl ein künstlerisches Medium als auch Gegenstand zahlreicher Darstellungen ist – steht im Mittelpunkt der noch bis 30. Januar 2022 laufenden Ausstellung ‘Fächerblätter, zwischen Europa und Japan’ im Museum für Kunst und Geschichte in Genf.

Flyer

Die drei Kabinette im zweiten Stock des Hauses präsentieren gezeichnete oder gestochene Fächerblätter, die für die Montage oder als Modelle bestimmt sind, Darstellungen ihrer Verwendung in Europa vom 16. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts sowie eine Sammlung von Stichen und japanischen Fächern. Diese Präsentation umfasst eine aussergewöhnliche Serie von acht Blättern, die im 18. Jahrhundert gemalt wurden und zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Info:

1. Oktober 2021 – 30. Januar 2022

Fächerblätter, zwischen Europa und Japan

Museum für Kunst und Geschichte
Rue Charles-Galland 2
1206 Genf
Schweiz

www.institutions.ville-geneve.ch

Flyer

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Global Wardrobe
The worldwide fashion connection

Die Mode-Sammlung des Kunstmuseums Den Haag wurde mit einem westeuropäischen Schwerpunkt angelegt. Aber tauchen Sie in unser Depot ein und entdecken Sie Gemeinsamkeiten mit anderen Kulturen auf der ganzen Welt. Handbemalte Baumwolle aus Indien, weiche chinesische Seide, fantasievolle Batik-Designs aus Indonesien und farbenfrohe Variationen des japanischen Kimonos: Jedes dieser Kleidungsstücke repräsentiert die Welt und erzählt eine Geschichte von Inspiration und Verbindung.

Rich Mnisi: Xibelani Rock mit 5 km Wolle
auf der Tonga-Kultur basierend, in Südafrika hergestellt
Hiya Kaya ’21 Collection, 2021
Courtesy Rich Mnisi
Foto: Zander Oppermann, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Schöne, aber auch schmerzliche Geschichten, denn viele dieser Textilien sind im Zeitalter des Kolonialismus und der ungleichen Machtverhältnisse entstanden. Die aktuelle Ausstellung ‘Global Wardrobe – The Worldwide Fashion Connection’ wird zu einer Zeit gezeigt, in der Ideen über Mode als globales Phänomen und über kulturelle Aneignung in der Modewelt im Mittelpunkt stehen. Das Kunstmuseum Den Haag lädt Besucher ein, über die Pracht hinauszuschauen und Kleidung als Teil der von ihnen repräsentierten Weltgeschichte zu sehen. Besonderes Augenmerk wird auf Designer und Macher gelegt, die mit einem offenen Blick auf die Welt gestalten und ihren eigenen kulturellen Hintergrund in den Vordergrund stellen.

Info:

9. Oktober 2021 – 16. Januar 2022

Global Wardrobe
The worldwide fashion connection

Kunstmuseum Den Haag
Stadhouderslaan 41
2517 HV Den Haag
Niederlande

www.kunstmuseum.nl

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Anni et Josef Albers
L’art et la vie

Das Musée d’Art Moderne de Paris zeigt noch bis 9. Januar 2022 eine exzeptionelle Ausstellung, die Anni und Josef Albers gewidmet ist und mehr als 350 Werke (Gemälde, Fotografien, Möbel, Grafiken und Textilien) umfasst, die die künstlerische Entwicklung der beiden Künstler illustriert.

Key Visual

Es war eine innige Beziehung, die es dem eng mit dem bauhaus verbundenen (Ehe-) Paar ermöglicht hat, sich ein Leben lang in einem ständigen und respektvollen Dialog gegenseitig zu unterstützen und zu stärken. Sie haben nicht nur ein Werk geschaffen, das heute als Grundlage der Moderne gilt, sondern auch eine ganz neue Künstlergeneration mit ihren pädagogischen Werten durchdrungen.

Viele Fotos sind in der Fotogalerie auf der Website des Museums zu bewundern.

Info:

10. September 2021 – 9. Januar 2022

Anni et Josef Albers
L’art et la vie

Musée d’Art Moderne de Paris
11 Avenue du Président Wilson
75116 Paris
Frankreich

www.mam.paris.fr

Ausstellungsteaser

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Museum für Ostasiatische Kunst

Das Kölner Museum für Ostasiatische Kunst zeigt derzeit drei unterschiedliche Ausstellungen. Sehenswert!

100 Ansichten des Mondes
Japanische Farbholzschnitte von Tsukioka Yoshitoshi (1839–1892)

Mond über dem Berg Inaba
aus der Serie ‘Hundert Ansichten des Mondes’ von Tsukioka Yoshitoshi (1839-1892)
Farbholzschnitt, ōban (38 x 25 cm), Japan, 1885
© Nihon no hanga Amsterdam
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Yoshitoshi ist der letzte grosse Holzschnittmeister der japanischen Ukiyo-e-Tradition. ‘Tsuki Hyakushi’ (dt.: ‘Hundert Ansichten des Mondes’) gilt als sein grösstes Meisterwerk. In der Serie werden die Geschichte und Mythologie des alten Japan zum Leben erweckt. Dabei spielt der Mond auf allen Blättern eine wichtige Rolle: Manchmal ist er in der Komposition sichtbar, manchmal wird nur in den schönen Gedichten der Textkartuschen auf ihn angespielt.

Handelsgut Global
Museum für Ostasiatische Kunst beleuchtet die Anfänge des Welthandels

Teller mit Bemalung von Ignaz Preissler (1676–1741)
Porzellan, Jingdezhen, China, Qing-Dynastie, Kangxi-Periode, um 1720
DL 2014.06/08
Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, Marion Mennicken, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Exportporzellan aus Ostasien zählt zu den frühesten Erzeugnissen des globalen Kultur- und Güteraustauschs. Ab dem 14. Jahrhundert wurde in Jingdezhen massenhaft Porzellan nach dem Geschmack der Käufer in Übersee gefertigt. Es entwickelte sich rasch zum weltweiten Exportschlager.

Brennpunkt Asien
Das China- und Japanbild Europas von der Aufklärung bis zum Kolonialismus

Athanasius Kircher: ‘Adam Schall von Bell (1591-1666) in chinesischer Mandarinrobe’ Kupferstichillustration aus China Illustrata, 1667, Amsterdam
Nachlass H.W. Siegel
Re 2020,4
Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, Marion Mennicken, freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

In China oder Japan könnte diese Ausstellung kaum gezeigt werden, denn viele Objekte wurden von vornherein für die Europäer gefertigt. Auch würde man in China oder Japan die eigene Geschichte kaum in den europäischen Reiseberichten des 17. bis 19. Jahrhunderts verorten. Für Europa hingegen sind diese Quellen von grossem Interesse, weil sie zeigen, was unsere Vorfahren im Lauf der Geschichte über diese Länder gedacht haben und wie sie von Asiaten*innen wahrgenommen wurden.

Info:

noch bis 9. Januar 2022
100 Ansichten des Mondes
Japanische Farbholzschnitte von Tsukioka Yoshitoshi (1839–1892)

Handelsgut Global
Das Museum für Ostasiatische Kunst beleuchtet die Anfänge des Welthandels

noch bis 13. Februar 2022
Brennpunkt Asien
Das China- und Japanbild Europas von der Aufklärung bis zum Kolonialismus

Museum für Ostasiatische Kunst
Universitätsstrasse 100
50674 Köln
Deutschland

www.museum-fuer-ostasiatische-kunst.de

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MUTTER!

Mit diesem internationalen Ausstellungsprojekt zeigt die Kunsthalle Mannheim noch bis zum 6. Februar 2022 unterschiedliche Wahrnehmungen von Mutterschaft in der Kunst.

Ob liebevoll oder distanziert, nah oder fern, lebendig oder tot – sie bleibt immer Ursprung und existentieller Beginn des menschlichen Lebens: Die Mutter. Kaum ein Begriff, ein Konzept, provoziert vielfältigere Assoziationen, Empfindungen und Rollenklischees. Mit dem internationalen Ausstellungsprojekt ‘MUTTER!’ zeigt die Kunsthalle Mannheim in ihrer grossen Herbstausstellung wie unterschiedliche Wahrnehmungen von Mutterschaft in der Kunst – von Alten Meistern, über Werke der frühen Avantgarde bis zur Gegenwart – gespiegelt werden.

Installationsansicht ‘MUTTER!’
Kaari Upson: Mother’s Legs, 2020
Kunsthalle Mannheim
© Kunsthalle Mannheim; Elmar Witt
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Von prähistorischen Fruchtbarkeitsgöttinnen über Marienbilder bis hin zu zeitgenössischen Installationen – über 150 Kunstwerke und Objekte erzählen die Geschichte der Mutterschaft aus verschiedenen Perspektiven.

Installationsansicht ‘MUTTER!’
Laure Prouvost: MOOTHERR, 2021
Courtesy die Künstlerin, Galerie Nathalie Obadia (Paris, Brüssel), carlier | gebauer (Berlin, Madrid) und Lisson Gallery (London, New York, Shanghai)
© Kunsthalle Mannheim; Elmar Witt
Foto freundlicherweise vom Museum zur Verfügung gestellt

Die Ausstellung zeigt künstlerische Positionen, aber auch Objekte aus den Bereichen Kulturgeschichte, Religion, Literatur, Musik, Film, Design und Medizingeschichte und veranschaulicht so, dass Kunst mit gesamtkulturellen Vorstellungen und Phänomenen verbunden ist.

Info:

1. Oktober 2021 – 6. Februar 2022

MUTTER!

Kunsthalle Mannheim
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim
Deutschland

www.kuma.art

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EFIE: Museum as Home. Kunst aus Ghana

‘EFIE: The Museum as Home’ zeigt historische und zeitgenössische Kunst aus Ghana. Arbeiten zeitgenössischer Künstler*innen werden in Verbindung gebracht mit historischen Artefakten, Leihgaben aus deutschen Museen. Die Ausstellung erweitert das traditionelle Verständnis von ‘Museum’, hinterfragt althergebrachte Präsentationsformen und bietet neue Perspektiven – auf die Kunst, aber auch auf die Realität, der sie entstammen. Konzipiert wurde die Ausstellung von der Kunsthistorikerin, Autorin und Filmemacherin Nana Oforiatta Ayim, Kuratorin des gefeierten ghanaischen Pavillons auf der Biennale in Venedig 2019.

‘EFIE’ bedeutet in den Akan-Sprachen ‘Zuhause’ oder ‘Heim’. Die Ausstellung stellt die Frage, wie ein Museum zu einem passenden Zuhause für die gezeigten Kunstwerke werden kann. Die so genannten enzyklopädischen Museen europäischer Tradition basieren u.a. auf der Behauptung, dass die Kulturgüter dort objektiv und wertneutral präsentiert würden. Tatsächlich konservieren sie eine subjektive, meist nationale, in jedem Fall rein europäische Perspektive auf die Welt – aber mit universellem Anspruch.

Einige Arbeiten untersuchen die Möglichkeiten von Museen abseits tradierter Vorstellungen und Standards. Andere gehen einer ähnlichen Frage nach: Was wäre, wenn wir uns das Museum nicht als unpersönlichen Raum vorstellten, sondern als Verkörperung unserer pluralistischen Identitäten, die sich aus all den kulturellen Prägungen der Vergangenheit und Gegenwart zusammensetzen? Oder die Idee von Museen als einer Heimstatt, als eines Schutzraums, der Objekte auch vor kolonialer Zerstörung bewahren würde. Ein Werk des Meisters der ghanaischen Kunst El Anatsui, der den Begriff von dem, was Kunst sein kann, global erweitert hat, schaut über die Werke der nächsten Generation und gibt die Staffel weiter an die Besucher*innen.

Info:

10. Dezember 2021 – 6. März 2022

EFIE: Museum as Home. Kunst aus Ghana

Museum Ostwall im Dortmunder U
Leonie-Reygers-Terrasse 2
44137 Dortmund
Deutschland

www.dortmund.de

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PAULA MODERSOHN-BECKER

Keine andere deutsche Künstlerin der Klassischen Moderne hat in der öffentlichen Wahrnehmung einen solch legendären Status erreicht wie Paula Modersohn-Becker (1876–1907). Bereits wenige Jahre nach ihrem Tod wurden Wanderausstellungen durch mehrere deutsche Museen organisiert, das Ansehen der Künstlerin setzt sich bis heute fort. In ihrem einzigartigen Werk findet Modersohn-Becker zu überzeitlichen, allgemeingültigen Bildern. Die umfassende Retrospektive der SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT widmet sich dem Gesamtwerk der Künstlerin und zeigt, wie sie zentrale Tendenzen der Moderne vorwegnahm.

Info:

8. Oktober 2021 – 6. Februar 2022

PAULA MODERSOHN-BECKER

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT
Römerberg
60311 Frankfurt
Deutschland

www.schirn.de

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Bitte informieren Sie sich vor einem Ausstellungsbesuch auf der jeweiligen Website besonders über die Besuchsvoraussetzungen und die genauen Öffnungszeiten – es kann sich immer etwas ändern.

Weitere Ausstellungen finden Sie auf meiner Website in der Rubrik AUSSTELLUNGSKALENDER.

Den verschiedenen Beteiligten herzlichen Dank für das Zur-Verfügung-Stellen von Informationen und Bildmaterial!

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Kommentare zu diesem Artikel

14 Antworten

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    • Gudrun Heinz

      halli hallo petra,

      vielen lieben dank für den link! der ganze kalender ist toll gemacht, da hast du recht!

      dir weiterhin noch eine schöne, gemütliche und lichtvolle adventszeit.

      beste grüsse

      gudrun

  • ERIKA BORNEMANN

    Liebe Gudrun,da hast du uns wieder eine ganze Menge Farb-und Lesestoff auf die Augen gegeben. Beim ersten Durchsehen fielen mir die alten Schriften ins Auge, über die ich nur staunen kann.Wieviel Mühe hat man sich doch damit gegeben und mit welchen Mitteln so präzise gearbeitet. Aber die Zeit hat zu dem Zeitpunkt auch eine andere Rolle gespielt.Nun, da werde ich ganz schön was zu stöbern haben. Dafür ganz herzlichen Dank und auch dir eine wunderbare Advents-und Weihnachtszeit.Bleib vor allem gesund!Herzliche Grüße Erika 

    • Gudrun Heinz

      halli hallo erika,

      ganz herzlichen dank für deinen freundlichen kommentar, über den ich mich sehr freue. die alten schriften haben mich auch fasziniert. wenn man bedenkt, entstanden ohne brillen oder lampen und dann zu zeiten, als die meisten weder lesen noch schreiben konnten, schon gar nicht die mädchen und frauen. die erste allgemeine schulpflicht für alle kinder in deutschland wurde erst 1919 eingeführt, wenn es natürlich vorher durchaus kloster- und lateinschulen gab, aber eben vor allem für privilegierte. tja, und die tinten, tuschen und farben konnte man auch nicht im laden um die ecke kaufen, selbst ist die buchmalerin 🙂

      dir, liebe erika, ebenfalls weiter eine gute und schöne adventszeit und bleibe bitte auch gesund.

      beste grüsse

      gudrun

      p.s. hast du schon gesehen, inzwischen ist auch mein bericht über die 8. quilt-triennale erschienen – damit hast du noch mehr augen- und lesefutter!

  • ursula brenner

    liebe gudrun, vielen dank für deine ausstellungs-hinweise für den monat dezember! ein kurzer WUTSCH durch das ganze sagt mir:  das gibt heute einen netten abend mit NUR angenehmen computer-neuigkeiten. die einladung der galerie handwerk in münchen liegt schon längst auf meinem tisch – wahrscheinlich werde ich doch noch hinfahren “müssen”! und die nußknacker  aus dem erzgebirge – erst jetzt weiß ich sie und meine pyramiden und leuchter zu schätzen. also nochmal ein dickes DANKE + liebe grüße an dich – von uschi

    • Gudrun Heinz

      halli hallo uschi,

      vielen dank zurück! das ist ja sehr schön, dass ich dir zu einem angenehmen abend verhelfen kann, freut mich sehr zu lesen. interessant finde ich, was bei deinem WUTSCH ins auge gefallen ist; anscheinend knüpft man gerne am bekannten an. dann wünsche ich dir auch neue entdeckungen und – falls du nach münchen kommst – viel spass! lohnt sich bestimmt.

      wenn ich einen wunsch frei hätte, würde ich mir anni und josef albers ansehen, dafür hat es neulich beim besuch des verhüllten arc de triomphe in paris leider zeitlich nicht gereicht. aber mal sehen, vielleicht ist ja stuttgart drin. oder frankfurt …

      mach’s gut, liebe uschi und einen schönen abend.

      beste grüsse

      gudrun

  • Petra

    Hallo  Gudrun,gut,  dass  du  die  Überlegung, die  Ausstellungstipps  nicht  zu  veröffentlichen, verworfen  hast.  So  haben  wir  doch  die  Möglichkeit   sehr  unterschiedliche  Themen  kennenzulernen.  Sogar  über  das  Erzgebirge,  meiner  Heimat,  gibt  es  Informationen.So  ein  Nussknacker  befindet   sich  natürlich  auch  in  meiner  Sammlung.  Auch  eine Pyramide  dreht  sich  im  Schein  des  Kerzenlichts.  Räucherkerzen  verströmen ihren  Duft. Ein geschmückter   Tannenbaum vervollständigt  die  vorweihnachtlichen  Stimmung.Ich  wünsche  Dir   eine  besinnliche  Adventszeit.Liebe  GrüßePetra  

    • Gudrun Heinz

      halli hallo petra,

      herzlichen dank für deinen freundlichen kommentar. deine beschreibung von den erzgebirgischen sitten stimmt mich sentimental, denn auch bei uns wird ‘gelichtelt’. meine schwiegereltern kamen fast aus der gegend und ich erinnere mich an  eine pyramide, die sich nicht rund drehte und immer mal wieder drohte, hängen zu bleiben. angekokelte stellen gehörten somit dazu … sowie das problem, im westen passende pyramidenkerzen aufzutreiben 🙂 wie gut, dass diese zeiten vorbei sind und man diese dinge nun in st. gallen zeigt. da muss ich morgen mal nach dem adventskalender schauen – der ja auch hier im BERNINA blog startet.

      dir auch alles liebe und

      beste grüsse

      gudrun

  • Wiebke Maschitzki

    Liebe Gudrun!Wer sich nicht in  die Ausstellung traut oder die Museen werden wieder geschlossen  – Du ermöglichst wieder einen ausführlichen Blick ins Geschehen.herzlichen Dank und eine gemütliche Adventszeit.Liebe GrüßeWiebke

    • Gudrun Heinz

      halli hallo wiebke,

      danke schön! genauso dachte ich auch – und daneben natürlich so wie immer.

      hast du gesehen, tuch + technik in neumünster? sehen doch vielversprechend aus, die quilts aus der arbeit mit an alzheimer leidenden. hut ab!

      aber jetzt mach’ du es erst mal gut und nochmal lieben dank.

      beste grüsse

      gudrun

      • Wiebke Maschitzki

        Liebe Gudrun!

        klar habe ich das gesehen.

        Mal sehen, wann ich nach Neumünster komme – oder mich hintraue. Ein Besuch dort bei den Kindern würde dann auch dazupassen (mal sehen, wie dort das Weihnachtsgebäck schmeckt)..

        liebe Grüße

        wiebke

      • Gudrun Heinz

        aber hallo! die quilt-ausstellung läuft vom 18. dezember 2021 – 24. april 2022. das solltest du doch schaffen, oder? soo lange kann die jetzige welle nicht andauern und am 24. april sind selbst die ostereier auch schon wieder durch 🙂

        die ‘afrikanischen textilien’ gibt’s immerhin noch bis zum 13. märz 2022 zu sehen. also, wenn du beides angucken möchtest, stehen die chancen doch sehr gut.

  • Birgit Berndt

    Hallo Gudrun,ja, so schnell können sich die Zeiten wieder ändern. Umso schöner, von dir in gewohnter Weise einen Einblick in laufende Ausstellungen zu bekommen. Das stimmt zuversichtlich. Eine schöne Adventszeit und vor allem: gesund bleiben.Viele GrüßeBirgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,

      1000 dank für deine liebe rückmeldung. ja, bleiben wir zuversichtlich und guten mutes – ich habe meinen kurzen ‘durchhänger’ ja auch überwunden und jetzt bin ich sehr froh darüber 🙂

      mach’s gut und

      beste grüsse

      gudrun

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