Kreative Artikel zum Thema Nähen

Die perfekte Jeans nähen: Dawn Jeans

Hallo ihr Lieben

Alle haben wir sie im Schrank: Die Jeanshose. Doch habt ihr euch schonmal eine Jeanshose selbst genäht? Ich habe mir für dieses Jahr vorgenommen, keine Kleidungsstücke mehr zu kaufen, sondern alle selbst zu nähen. Und da ich unbedingt mal eine wirklich gut sitzende Jeans wollte, musste ich es doch einmal wagen, eine Jeans zu nähen. Dabei habe ich festgestellt, dass das gar nicht so schwierig ist. Deshalb möchte ich euch dieses Nähprojekt hier vorstellen und neben dem Schnitt, den ich wirklich sehr gerne mag, auch ein paar Tipps und Tricks zur Verarbeitung mit euch teilen. Näht mit mir eure perfekte Jeanshose!

Für die Verarbeitung nutze ich zum einen die BERNINA L 860 sowie die b05 ACADEMY. Die Overlock eignet sich prima, um die Nähte professionell zu versäubern und somit ein sauberes “Innenleben” der Jeans zu zaubern. Hier könnt ihr auch eure bunte Vielfalt an Nähfüßen nutzen, diese sind bei diesem Projekt wirklich ein Geheimtipp.

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Das Schnittmuster

Bevor ihr loslegt, benötigt ihr natürlich ein Schnittmuster. Ich hatte für dieses Projekt einen ganz gewissen Stil im Kopf und habe einige Zeit damit verbracht, das passende Schnittmuster zu finden. Dafür habe ich sämtliche Schnitte zusammengetragen, über die gefundenen Schnitte Blogbeiträge gelesen, Videos geschaut und Bewertungen gelesen. Jeansschnitte sind rar, und wenn man dann noch etwas bestimmtes sucht, was mit einer guten Anleitung ausgestattet ist und eine gute Passform hat, dann wird es schwierig.

Natürlich sind Jeanshosen außerdem eine Frage des Geschmacks. Die eine trägt sehr gerne Highwaist, die andere lieber einen tiefen Bund, einmal als Röhrenjeans, ein andermal als weite Bootcut Hose.

Ich habe mir eine Highwaist-Jeans mit schmalem, aber nicht zu engen Bein gewünscht, die aus einem klassischen Jeansstoff ohne Stretch genäht wird. Bei meiner Suche bin ich auf das Schnittmuster “Dawn Jeans” von Megan Nielsen Patterns gestoßen. Puh, umgerechnet knappe 25€ für ein Schnittmuster, das hat mich doch erstmal abgeschreckt. Aber es war der einzige Schnitt, der mir wirklich gut gefiel.

Im Nachhinein bin ich froh, dieses Modell gekauft zu haben. Sitzt, passt und hat Luft. Die Anleitung ist klar geschrieben, es gibt auch Blogposts mit Bildern auf der Seite von Megan Nielsen Patterns (Tipp: Websites könnt ihr automatisch übersetzen lassen in eurem Browser). Zudem beinhaltet der Schnitt vier Versionen – wenn euch ein schmales Bein bei einer Jeans weniger zusagt, habt ihr auch noch das gerade Bein oder ein weit ausgestelltes Bein zur Option. 

Das Material

Für diesen Schnitt sind Jeansstoffe ohne Stretch vorgesehen. Ihr könnt auch Jeansstoffe mit einem ganz kleinen Stretch-Anteil verwenden, falls euch ein klassischer Jeansstoff zu steif ist. Ich habe für dieses Modell einen nicht dehnbaren Jeansstoff in hellblau mit einem Gewicht von 340g/m² verwendet.

Ihr habt im Schnitt die Option die Hose entweder klassisch mit einem Reißverschluss zu schließen oder aber mit dekorativen Knöpfen. Je nach dem, auf was eure Wahl fällt, benötigt ihr 5 Jeansknöpfe oder einen Jeansknopf und einen Reißverschluss (etwa 15cm lang). Optional könnt ihr noch die typischen Nieten an eure Jeans anbringen. Ich habe mir für diesen Post das zugehörige Set von Megan Nielsen Patterns bestellt. Ihr bekommt Knöpfe, Nieten und Reißverschlüsse auch in den meisten Nähläden.

Was ihr außerdem benötigt:

  • Nähgarn
  • Jeansnähgarn (oder ein anderes dickeres Garn für tolle Ziernähte)
  • Jeansnadeln für eure Nähmaschine
  • Reststück Baumwollstoff für die Hosentaschen
  • Ein kleines Stück Gewebeeinlage G700,G740 oder ähnliche von Vliesline
  • Optional: Topstitch-Nadeln (diese haben ein längeres Nadelöhr mit dem euch Zierstiche mit dickem Garn besser gelingen)
  • Optional: kleines Lederstück für das typische Jeanslabel

Dawn Jeans nähen – die Vorbereitungen

Schritt 1: eventuelle Anpassungen am Schnitt

Bevor ihr mit dem Zuschnitt beginnt, messt euch gewissenhaft aus. Holt euch am besten Hilfe, damit das Maßband immer ordentlich genau horizontal um die zu messende Stelle liegt. Da die Jeans später gut sitzen soll, ist dieser Schritt wichtig. Messt eure Taille aus, die Hüfte (stärkste Stelle um das Gesäß) und die Schrittlänge. Geht mit diesen Werten in die Maßtabelle im Schnittmuster. Bestimmt anhand der Maßtabelle eure Größe. Was tun, wenn ihr wie ich um die Taille und das Gesäß verschiedene Größen ermittelt? Kein Problem! In meinem Fall war es um die Taille eine Größe 0, um die Hüfte eine Größe 4.

In diesem Fall könnt ihr den Schnitt von einer Größe in die andere überlaufen lassen. Dazu gibt es einen sehr hilfreichen Post, welchen ich als Anleitung für meine Abänderungen genutzt habe. Dieser ist hier zu finden: Blogpost Gradieren zwischen Größen

Eine Anleitung zum Verändern der Höhe der Jeans findet ihr hier, allerdings habe ich die Bundhöhe so gelassen wie sie im Schnitt ist, da mir der hohe Sitz gut gefällt.

In jedem Fall empfehle ich, ein Probemodell zu nähen. Am Probemodell könnt ihr sehen, ob eure Anpassungen bereits ausreichend waren oder ob ihr an einer Stelle nochmals ein wenig anpassen müsst.

Schritt 2: Zuschneiden der Dawn Jeans

Nachdem eventuelle Anpassungen getätigt sind, könnt ihr mit dem Zuschnitt beginnen. Denkt daran, dass die Nahtzugaben in diesem Schnitt bereits beinhaltet sind. Diese sind wenn nicht anders in der Anleitung angegeben 1,5cm breit. Übertragt auch alle Passzeichen auf euren Schnitt, am besten mit Kreide, damit ihr die Markierungen immer gut erkennt.

Um die Hosentaschenposition aus dem Schnitt zu übertragen habe ich beide hinteren Hosenteile aufeinander gelegt, das Schnittmuster darauf festgesteckt und dann die Kontur der Hosentasche einmal mit doppelt gelegtem Heftgarn mit großen Stichen durch das Papier und die beiden Hosenteile genäht. Das Garn wird dann durchgeschnitten und das Papier entfernt. Nun sollten in jedem Hosenteil die Heftnähte der Hosentasche zu sehen sein.

Den langen Streifen für die Gürtelschlaufen empfehle ich mit dem Rollschneider und einem Lineal zuzuschneiden, je gleichmäßiger dieses Teil ist, umso schöner das Ergebnis am Ende. Schneidet ihr mit der Schere ist es hilfreich, das Schnittteil mit Kreide auf den Stoff zu übertragen, um Verrutschen zu vermeiden.

Schritt 3: Vorbereitungen für das Nähen

Zuerst solltet ihr die im Schnitt erwähnten Kanten mit einer Stabilisierungsnaht (Englisch: stay-stitch) versehen. Diese dient dazu, dass der Stoff an dieser Stelle sich nicht über den Nähprozess dehnt. Setzt dazu einfach im Abstand zu 1,4cm eine Naht mit einem Geradstich mittlerer Länge.

Anschließend könnt ihr gleich die Ansätze für den Hosenverschluss an den vorderen Hosenteilen versäubern. Hier könnt ihr prima eure Overlocker nutzen. Ich habe an der Bernina L860 den Stich “3-Faden Overlock breit” eingestellt und an einem Stoffrest ausprobiert. Für ein ideales Ergebnis habe ich die Spannung des blauen Fadens um 0,2 erhöht und die Spannung des roten Fadens um 0,2 gesenkt. Tipp: Speichert euch die Einstellung ab, falls ihr irgendwann nochmal eine Jeans nähen möchtet.

Achtet beim Versäubern darauf, dass ihr auf keinen Fall die Nahtzugabe mit dem Messer schmälert. Um das zu vermeiden hilft das praktische Nahtführungslineal. Das könnt ihr einfach in passendem Abstand anbringen. Führt die Stoffkante entlang der Führung und vermeidet somit das Schneiden der Nahtzugabe. Es werden nun lediglich abstehende Fäden der Stoffkante entfernt. Natürlich könnt ihr auch einfach das Messer wegklappen.

Dawn Jeans nähen – Hosenverschluss

Schritt 4: Hosenverschluss vorbereiten

Je nach dem für welchen Verschluss ihr euch bei der Dawn Jeans entschieden habt, ist an dieser Stelle die Vorgehensweise zum Teil unterschiedlich. Geht hier gegebenenfalls anhand der Anleitung im Schnitt vor. Ich habe mich für den Reißverschluss entscheiden und werde das Vorgehen hierzu beschreiben.

Dazu verarbeiten wir zunächst die Teile 7 und 8. Das Teil (8), welches später unter dem Reißverschluss liegt, wird rechts auf rechts gefaltet und unten an der kurzen Kante mit 6mm Nahtzugabe geschlossen.

Anschließend wird das Teil gewendet, sodass die rechten Seiten nach außen zeigen. Bügelt das gewendete Teil gut und formt die Ecke ordentlich aus. Anschließend wird die lange, noch offene Kante versäubert. Auch beim nur einfach liegenden Teil (dieses liegt später über dem Reißverschluss) wird eine Kante versäubert, hier ist es die Lange Kante mit der Rundung unten. Im Anschluss sollten beide Teile aussehen wie auf nachstehendem Bild.

Schritt 5: Reißverschluss anbringen

Nun wird der Reißverschluss auf das doppelt liegende Teil (oben im Bild links) aufgenäht. Legt den Reißverschluss dazu mit der linken Seite nach unten auf die rechte Seite des gerade genähten Teils. Dieses Teil liegt so vor euch, wie oben im Bild dargestellt, mit der versäuberten Kante nach links zeigend. Der Anfang des Reißverschlusses liegt oben an der geraden Kante. Achtet darauf, dass das Metallende des Reißverschlusses auf Höhe des unteren Knips liegt. Nehmt nun euren Reißverschlussfuß zur Hand und näht den Reißverschluss mit 6mm Nahtzugabe fest.

Nehmt euch nun das rechte Vorderteil der Dawn Jeans zur Hand und legt es mit der rechten Seite nach oben zu euch hin. Legt das eben genähte Teil mit dem Reißverschluss nach unten an die vordere Schrittkante des Vorderteils und näht das Reißverschlussteil im Abstand von 6mm an. Hier ist auch der Reißverschlussfuß wieder von Nutzen.

Klappt das angenähte Teil am Vorderteil auf und schneidet wie in der Anleitung beschrieben unten die Nahtzugabe ein.

Nun fädelt ihr euer Garn für die Ziernähte in die Maschine und näht einmal entlang der gerade genähten Kante im Abstand von 2mm. 

Nehmt euch nun das linke Vorderteil zur Hand und näht das andere Schnittteil (7) für den Hosenschlitz rechts auf rechts an. Dieses wird allerdings im abstand von 1,5cm angenäht mit normalem Nähgarn. Schneidet auch hier am Ende der Naht die Nahtzugabe von 1,5cm ein und wendet das Teil nach innen. Fädelt wieder das Ziergarn ein und näht einmal im Abstand von 2mm entlang der gerade gewendeten Kante. Tipp: Der Schmalkantfuß eignet sich hervorragend, um einen gleichmäßigen Abstand einzuhalten. So bekommt ihr mühelos eine ordentliche Ziernaht.

Legt nun die Schrittnaht der beiden Vorderteile rechts auf rechts aufeinander und Hefte mit einem großen Stich bis zum Ansatz der Reißverschlussteile fest. Faltet dann die Vorderteile auseinander, sodass die rechten Seiten zu euch zeigen. Steckt den Hosenschlitz so fest. dass der Hosenschlitz des linken Vorderteils auf die vordere Mitte trifft und damit den Reißverschluss von außen verdeckt. Dreht danach die Hose so, dass die linke Seite euch anschaut. Faltet Teil 8 so gut es geht aus dem Weg und steckt es dort fest. Näht nun den Reißverschluss etwa 2mm von der Kante des Stoffbandes am Reißverschluss an und mit einer zweiten Naht 6mm von der ersten entfernt (näher an den Zähnchen).

Schritt 6: Ziernaht am Hosenverschluss

Um die typische Ziernaht am Hosenschlitz zu erhalten, geht ihr wie folgt vor. Öffnet die geheftete Schrittnaht wieder und faltet die rechte Seite davon aus dem Weg, wie in der Anleitung beschrieben. Steckt den unteren Teil der rechten Schrittnaht dort fest. Faltet auch das Teil 8 wieder aus dem Weg, wie gerade eben schon. Näht nun mit normalem Nähgarn ohne zu verriegeln einmal entlang der Kante des Teil 7. Das dient nun als Vorlage für die Ziernaht außen. Das sieht auf der rechten Seite nun aus wie in folgendem Bild dargestellt.

Näht nun ganz nah an der gerade genähten Hilfsnaht mit eurem Ziergarn. Seid hier besonders sorgfältig, da diese Stelle später an der fertigen Hose gut sichtbar ist. Näht anschließend 6mm weiter innen von der gerade genähten Ziernaht eine zweite Ziernaht.

Die Hilfsnaht kann dann entfernt werden. Außerdem könnt ihr die eben aus dem Weg gesteckten Teile wieder in die eigentliche Position zurück bringen. 

Nun wird die Schrittnaht wirklich festgenäht. Faltet beide Hosenteile rechts auf rechts und näht die Schrittnaht mit 1,5cm Nahtzugabe an, genau bis zum Ansatz des Hosenschlitzes.

Markiert euch nun von außen das Metallende des Reißverschlusses mit Kreide, wie oben im Bild schon geschehen. Nun geht es wieder an die Ziernaht. Die Schrittnaht wird von unten an mit 2mm Abstand genäht, genau bis zur Markierung. Dort lasst ihr die Nadel im Stoff stecken und dreht die Jeans so, dass ihr 6mm lang senkrecht zur gerade genähten Ziernaht näht. Hier kann der Höhenausgleich über das eurer Maschine beiliegende Plastikteil erfolgen. Dort lasst ihr wieder die Nadel im Stoff stecken und dreht die Jeans so, dass ihr nun im Abstand von 6mm zur ersten Ziernaht parallel näht.

Zum Schluss werden noch die typischen Riegel genäht. Testet das zuvor an einem Stoffrest und findet die ideale Einstellung für euren Stoff. 

Geschafft! Die schwierigste Hürde eurer Jeans ist erledigt.

Dawn Jeans nähen – die restliche Hose

Schritt 7: Münztasche nähen

Bereitet als erstes die kleine Münzentasche (10) vor. Faltet die obere Kante zweimal um etwa 1cm und bügelt diese gut fest. Setzt wieder zwei Ziernähte im Abstand von einmal 2mm und dann nochmals 6mm von der ersten Naht entfernt um die Kante zu fixieren. Faltet die übrige Kante 1,5cm nach innen um und bügelt diese fest. Platziert die Münzentasche auf dem rechten großen Taschenteil. Steppt wieder mit 2mm und 6mm ab und fixiert damit die Münztasche auf der Hosentasche.

Schritt 8: vordere Hosentaschen nähen

Versäubert nun die gewölbten Kanten der großen Taschenteile (11). Legt dann das Hosentaschenfutter (12) links auf links auf die Taschenteile (11), sodass die Knipse aufeinander treffen. Näht einmal rundum das Taschenteil am Futter fest.

Legt nun je ein Futterteil mit der linken Seite auf die rechte Seite der Jeans an der für die Tasche vorgesehenen Rundung. Näht mit einer Zugabe von 1cm fest und schneidet anschließend die Nahtzugabe an der Rundung ein. Wendet die Tasche so, dass das Futter nun innen liegt und von außen an der Rundung nicht zu erkennen ist. Bügelt diese Stelle, bevor es nun wieder ans Absteppen geht.

Setzt hier wieder im Abstand von 2mm zur Kante eine Naht und direkt parallel dazu im Abstand von 6mm die zweite Naht. Da es um die Rundung herum nicht ganz einfach ist, 6mm zur vorherigen Naht einzuhalten und der Schmalkantfuß für solch große Nahtabstände nicht gemacht ist, habe ich verschiedenes ausprobiert und bin schlussendlich beim Blindstichfuß gelandet. Natürlich ist dieser Nähfuß an dieser Stelle etwas Zweckentfremdet, aber mir hat es geholfen die perfekte Naht um die Rundung zu meistern. Dabei habe ich die Kunststoffführung so eingestellt, dass sie 8mm von der Kante entfernt läuft. So musste ich nur noch die Kante entlang der Kunststoffkante führen.

Dreht die Jeans dann wieder auf die linke Seite und klappt den Taschenbeutel einmal in der Mitte so, dass die Knipse des Taschenteils aus Jeansstoff auf die Knipse am Vorderteil treffen. Fixiert den Taschenbeutel mit ein paar Stichen, damit er nicht verrutscht. Vernäht außerdem das untere Ende des Taschenbeutels und versäubert mit der Overlock.

Nun ist die Vorderseite eurer Jeans so gut wie fertig.

Schritt 9: Gesäßtaschen nähen

Weiter geht es mit der Rückseite der Jeans.

Beginnen wir mit den Gesäßtaschen. Faltet dazu an den Taschenteilen (13) die obere Kante zweimal um 1cm nach innen und bügelt die Kante gut fest. Näht wieder zwei Ziernähte einmal im Abstand von 2mm zur Kante, ein zweites Mal im Abstand von 6mm zur ersten Naht.

Faltet dann die restlichen Kanten der Taschen um die Nahtzugabe 1,5cm um. Hier kann eine Schablone nützlich sein. Diese könnt ihr euch einfach aus dickem Karton selbst zuschneiden. Zeichnet das Schnittteil darauf ab, entfernt oben 2m und an den anderen Kanten 1,5cm. Dieses Kartonteil könnt ihr nun auf die linke Seite eurer Tasche legen und nach dieser Vorlage gleichmäßig die Kanten nach innen umbügeln.

Wenn ihr möchtet, könnt ihr wie ich in diesem Beispiel noch eine Ziernaht auf der Tasche anbringen oder ein Label seitlich einnähen. Dieses habe ich mir mit einem Stück Ripsband und dem Plotter selbstgebastelt.

Platziert nun die Gesäßtaschen anhand der Markierungen auf den rückwärtigen Hosenteilen. Messt vor dem Annähen nochmals, ob die Positionen an beiden Hosenteilen gleich sind. Ein Unterschied ist später oft schon bei kleinen Abweichungen sichtbar. Solltet ihr euch bezüglich der Position eurer Hosentaschen noch unsicher sein, so könnt ihr diese auch erstmal anheften und nach der Anprobe final annähen. Da ich das an meinem Probemodell schon überprüft hatte, habe ich die Hosentaschen direkt angenäht.

Nutzt auch hier wieder den Kantennähfuß und den Höhenausgleich, um saubere Nähte zu erhalten. Damit beim Annähen nicht aus Versehen etwas verrutscht habe ich die Tasche komplett mit Heftgarn gesichert. Natürlich könnt ihr auch Wondertape nutzen.

Schritt 10: Hintere Hosenteile fertig stellen

Nun wird noch die hintere Passe angenäht. Nehmt dazu je eine Passe und ein rückwärtiges Hosenteil zur Hand und steckt die Passe rechts auf rechts an der Hose fest. Die Passe wird nun mit 1,5cm Nahtzugabe angenäht. Anschließend wird die Naht versäubert und und in Richtung der hinteren Hosenteile nach unten gebügelt.

Danach kann wieder zweimal abgesteppt werden.

Nun wird die rückwärtige Schrittnaht genäht. Legt dazu beide hinteren Hosenteile rechts auf rechts aufeinander und steckt entlang der Schrittnaht fest. Achtet dabei darauf, dass die Knipse aufeinander treffen und vielmehr noch, dass die Nähte der Passe exakt aufeinander treffen. Näht wieder mit 1,5cm Nahtzugabe fest, versäubert und bügelt die Nahtzugabe in das linke Hosenbein. Steppt wieder von außen mit Ziergarn mit zwei Nähten ab.

Schritt 11: Innenbeinnähte

Jetzt können die Innenbeinnähte der Dawn Jeans geschlossen werden. Legt dazu das Vorderteil und Rückenteil rechts auf rechts zusammen und steckt die Innenbeinnaht. Dabei treffen die Schrittnähte genau aufeinander. Näht mit 1,5cm Nahtzugabe und versäubert danach wieder mit der Overlock.

Steppt danach die komplette Naht wieder zweimal ab. Danach liegt die Nahtzugabe in Richtung des Vorderteils und dort verlaufen auch die Ziernähte.

Schritt 12: Seitennähte

Legt wieder die beiden Jeansteile rechts auf rechts zusammen und steckt die Seiten aufeinander. Näht hier wieder mit 1,5cm Nahtzugabe. Bevor ihr nun versäubert, probiert die Hose am besten einmal an und überprüft, ob die Hose bereits gut sitzt oder ob ihr noch ein klein wenig korrigieren müsst.

Sitzt alles, werden die Seitennähte noch versäubert. Bügelt dann die Nahtzugabe in das Hinterteil der Hose. Markiert euch dann das Ende des  Hosentaschenbeutels auf der rechten Seite der Jeans und näht bis dahin eine Ziernaht um die Nahtzugabe zu fixieren. Auch hier wird unten wieder ein kleiner Riegel genäht.

Schritt 13: Gürtelschlaufen

In diesem Schritt werden die Gürtelschlaufen für den Bund der Dawn Jeans vorbereitet. Versäubert eine Kante und des langen Stoffteils und faltet wie in der Anleitung beschrieben. Näht nun die Ziernähte der Gürtelschlaufen, je 6mm von der Kante. Auch hier ist der Schmalkantfuß wieder sehr hilfreich. Eventuell müsst ihr die Nadelposition nach rechts stellen, damit der Nahtabstand passt.

Schneidet dann das lange Teil in 5 Teile, à 5cm lang. Platziert anschließend die fünf Streifen an den in der Anleitung beschriebenen Stellen rechts auf rechts auf der Hose und näht diese jeweils mit einer kurzen Naht 2,5cm von der oberen Kante entfernt fest.

Schritt 14: Hosenbund

Bevor die Gürtelschlaufen vollständig angenäht werden können, muss der Hosenbund angebracht werden. Nehmt euch dazu die beiden Schnittteile zur Hand und verstärkt beide, je nach Stoffdicke komplett oder nur vorne, wo Knopf und Knopfloch später platziert sind. Ich habe an dieser Stelle zur Verstärkung die Gewebeeinlage G700 von Vliesline verwendet und nur jeweils vorne im Bereich des Knopflochs/Knopf verstärkt, da mein Jeansstoff sehr dick ist. Beachtet beim Verstärken, dass ihr am besten die Nahtzugaben ausspart, sonst könnte diese später etwas dicker auftragen.

Steckt anschließend den Bund an der oberen Kante der Hose fest. Dabei ist die Kante, die mehrere Knipse hat, die untere. Diese wird an der Hose festgesteckt. Die Kante mit nur einem Knips (in der hinteren Mitte) wird später mit dem zweiten Bundteil vernäht. Das Bundteil steht an eurem Hosenverschluss vorne je 1,5cm über. Das ist die Nahtzugabe, an der später der innere Bund angenäht wird. Näht den Bund mit 1,5cm Nahtzugabe an.

Als nächstes wird der innere Bund vorbereitet. Auch hier habe ich die Stelle vorne am Knopfloch/Knopf verstärkt. Bügelt die untere Kante (die mit mehreren Knipsen) 1,5cm nach innen um.

Steckt nun die nicht umgebügelte Kante an der offenen Kante des bereits angenähten Bundteils fest. Die umgebügelte Kante lasst ihr dabei umgeklappt. Näht dann mit 1,5cm Nahtzugabe einmal die kurzen Kanten und die eine lange Kante fest. Schneidet anschließend die Nahtzugabe etwas zurück und schneidet die Ecken schräg ab.

Der Bund wird nun gewendet. Formt die Ecken schön aus und bügelt einmal alles gut fest. Die umgebügelte Kante des inneren Bunds wird jetzt noch an der Innenseite fixiert. Damit das Ergebnis möglichst ordentlich wird und beim Annähen nicht verrutscht habe ich mit großen Stichen von Hand geheftet.

Der Bund wird danach von außen im Abstand von 2mm mit Ziergarn ringsum abgesteppt. Dabei wird dann die innere Kante, die gerade geheftet wurde, angenäht. Auch hier kann wieder der Schmalkantfuß für einen gleichmäßigen Abstand verwendet werden.

Schritt 15: Gürtelschlaufen fertigstellen

Endspurt! Bald ist eure Dawn Jeans geschafft. Die Gürtelschlaufen können nun fertiggestellt werden. Klappt diese nach oben, und steckt sie am Bund fest. Dabei wird das offene Ende ein klein wenig umgeklappt und dann bündig mit der oberen Kante der fast fertigen Hose festgesteckt. Anschließend werden die Schlaufen oben und unten mit einem dichten Zick-Zack-Stich angenäht und fixiert. Im nachstehenden Foto sind die fertig angenähten Schlaufen aufgezeigt.

Schritt 16: Knopfloch

In diesem Schritt nähen wir nun das Knopfloch in den Hosenbund. Dieses könnt ihr freihand nähen oder mit der Knopflochautomatik eurer Maschine. Ich habe das Knopfloch mit Zick-Zack-Stichen freihand genäht, da ich die typische Form mit der Rundung vorne am Knopfloch haben wollte. Zum Aufschneiden des Knopflochs habe ich ein Stecheisen verwendet. Wenn ihr sowas zur Hand habt, nutzt es unbedingt. Da Jeansstoffe recht dick sind wird damit vermieden, dass man beim Aufschneiden des Knopflochs  mit dem Nahtauftrenner abrutscht. 

Dawn Jeans nähen – Fertigstellung

Schritt 17: Jeans-Knopf

Was fehlt nun noch für die typische Jeans? Richtig. Der Jeansknopf. Überlappt den Bund nach Schließung des Reißverschlusses vorne und markiert euch durch das Knopfloch hindurch die vorderste Stelle des Knopflochs auf dem darunter liegenden Bundteil. An dieser Stelle wird nun der Knopf angebracht. Hier wird typischerweise ein nähfreier Knopf verwendet. Steckt dazu mit einer Ahle ein Loch durch die markierte Stelle. 

Nun wird der Knopf am besten mit einer Zange (z.B. Variozange von Prym) und zugehörigem Werkzeug angebracht. Habt ihr so etwas nicht zur Hand, geht es natürlich auch nur mit einem Hammer. Übt das am besten zuvor an einem Reststück.

Schritt 18: Saum

Probiert nun eure Hose einmal an. Lasst euch gegebenenfalls von jemandem helfen, wenn ihr die Länge überprüft. Habt ihr die Länge mit Beachtung der Saumzugabe geprüft, könnt ihr die Hose säumen. Teilt dabei die Saumzugabe durch 2 (bei mir waren das dann 2x 1cm nach Überprüfung der Läge) und schlagt diese nach innen um. Also einmal die erste Hälfte und das dann nochmal um den gleichen Betrag. So habt ihr später eine ordentliche Kante, die auch nicht ausfransen kann. Steppt dann von außen noch mit Ziergarn ab.

Alternativ könnt ihr die Hose unten auch unversäubert lassen und bewusst zu einem ausgefransten Look beitragen. Ich habe mich für einen klassischen Saum entschieden bei normaler Länge und trage die Hose nun im Frühjahr und Sommer unten etwas hochgekrempelt für einen modernen 7/8-langen Stil.

Schritt 19: Nieten 

Oft sind an Jeanshosen an stark belasteten Stellen noch Nieten angebracht. Auch das könnt ihr eurer Dawn Jeans für den letzten Schliff noch hinzufügen. Damit sieht eure Jeans wirklich professionell aus. Auch hierzu gibt es oftmals passendes Werkzeug.

Ich habe allerdings nur einen Hammer und einen kleinen Amboss verwendet. Dazu habe ich mit der Ahle an den Hosentaschen außen je ein kleines Loch genau in die Mitte zwischen die beiden Ziernähte gestochen, den Nagel von hinten durch den Stoff gesteckt und mit einer Zange auf ca. 1mm Überstand am Stoff gekürzt. Die Niete wird danach auf den Nagel oben aufgelegt. Die Niete wird dann mit ein paar Hammerschlägen (auf den Nagel auf der linken Seite der Hose) fixiert.

Eure Jeans ist nun fertig! Ich wünsche euch viel Spaß beim Nähen und Ausprobieren.

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Kommentare zu diesem Artikel

8 Antworten

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    • Bianca Weber

      Hallo Heike, das Schnittmuster enthält die Nahtzugaben. An den meisten Nähten sind es 1,5cm. An manchen Stellen wie z.B. den Tascheneingriffen ist es etwas weniger, das steht aber dann explizit in der Anleitung. Ich hoffe das hilft dir weiter.

      Liebe Grüße,

      Bianca

  • Dagmar L

    Hallo Bianca, gaaaanz großes Kino was du da gezeigt hast. Vielen Dank für deinen tollen und ausführlichen Beitrag. Deine Jeans ist der Hammer :-))) Das hat mich jetzt richtig angemacht auch mal eine jeanshose für mich zu nähen. Werde mir gleich den Schnitt besorgen. Hast du PDF gekauft oder den original Papierschnitt?? Und hast du deinen Stoff vorgewaschen? Großer Beifall von mir und liebe Grüße, Dagmar

    • Bianca Weber

      Liebe Dagmar, vielen Dank für deine lieben Worte 🙂 Ich freue mich sehr, dass ich dich inspirieren konnte. Das Schnittmuster habe ich als PDF gekauft, da ich sofort loslegen wollte 😉 Den Stoff habe ich auf 40°C vorgewaschen, das ist bei Jeans sehr wichtig, da der Stoff doch etwas einläuft bei der ersten Wäsche. Ich hoffe das hilft dir weiter.

      Viele Grüße,

      Bianca

  • Rosemarie Krause

    Habe ein Änderungsschneiderei und nähe fast alles auch die 19Jahrunderd Kleidung bin in Bad Nauheim immer jugendstilverein 

  • mamadaya .

    Frage/Anmerkung an Bernina:Beim Lesen wurde ich bei roter/blauer Faden leicht stutzig, denn da musste ich schon aufs Bild schauen, ob da nun Ober- oder Untergreiferfaden gemeint ist: auf dem Bild ist nun zu sehen, dass bei der L860 im Display bei deutscher Sprachversion die englischen Abkürzungen UL und LL für upper and lower looper stehen. Ist das den SW-Entwicklern durchgegangen? Ich hätte hier OG und UG erwartet, denn nicht jeder ist fit in den englischen Nähbezeichnungen und es gibt ja leider viel zu viele, die Ober- und Untergreiferseite nicht auseinanderhalten können, obwohl das essentiell ist zum Anpassen der Spannungen für schöne saubere Nähte.

    • Matthias Fluri

      Hallo mamadaya, danke für den Kommentar. Gut gesehen! Nein, das ist den Entwicklern nicht durchgegangen, sondern wurde bewusst so gemacht. Wir verwenden überall die englischen Abkürzungen. Diese kommen ja nicht nicht nur in Bildschirmtexten auf der Maschine vor, sondern werden in vielen Beschreibungen verwendet, die teilweise nicht übersetzt werden oder sich nicht übersetzen lassen. Im Fall der Nadeln sind die Kürzel beispielsweise auf dem Nadelhalter eingeprägt und im Einfädeldiagramm angezeigt; insofern macht es aus unserer Sicht Sinn, konsequent auch die Greifer mit den englischen Abkürzungen zu benennen. In der Bedienungsanleitung auf Seite 20 sind diese Abkürzungen erklärt.

      Lieber Gruss
      Matthias

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