Kreative Artikel zum Thema Nähen

Fadenlatein – Teil 2: Overlockgarne

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Nachdem es im ersten Teil des Fadenlateins um Nähgarne ging, dreht sich heute alles um Garne für Overlock- oder Coverlock-Maschinen. Zur Erinnerung: Das sind die mehr oder weniger wuchtigen Spulen, die die Fachhändler neben den normalen Garnrollen führen. Zu Beginn meiner Nähkarriere konnte ich überhaupt nicht nachvollziehen, warum es die fetten Konen überhaupt gibt. Drei Kilometer Weiss? Und dann auch noch im Viererpack?

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Mittlerweile bin ich schlauer. Garne, die für Kettelarbeiten gebraucht werden, unterscheiden sich nicht nur optisch von normalem Nähfaden. Die Lauflänge ist der Tatsache geschuldet, dass das Garn beim Overlocken bzw. beim Coverlocken eine viel längere Strecke zurücklegen muss. Da ausserdem drei- oder vierfädig genäht wird, sind Overlockgarne weniger widerstandsfähig als Allesnäher. Im Verbund sind sie aber sehr stabil.

Tipps:

  • Widersteht der Versuchung, Billigkonen zu kaufen. Ich hatte schon im ersten Teil des Fadenlateins erläutert, warum sich besonders günstige Garne schneller in der Fadenführung verheddern, warum sie viel stärker fusseln und das Stichbild im ungünstigen Fall ungleichmässig wird. Dasselbe gilt auch für Overlockgarne, ich würde sogar sagen, dass sich der Einsatz von Low-Budget-Produkten hier noch mehr rächt. Die Fachhändler erleben es nicht selten, dass eine Kundin eine vermeintlich “defekte” Maschine vorbeibringt, die mit Qualitätsgarn plötzlich wie ein Kätzchen schnurrt.
  • Wenn Ihr Overlockgarne auf der Maschine mischt (z. B. 3x blau, 1x schwarz), achtet darauf, dass die Fäden gleich fein sind. Die meisten Overlockgarne werden in den Stärken 120 bzw. 125 produziert.
  • Obwohl sich viele Näherinnen vorm Umfädeln ihrer Maschine drücken, lohnt es sich dennoch immer, die Fadenfarbe und Nähgut abzustimmen. Durchscheinende weisse Fäden stechen einem viel mehr ins Auge als farblich passende. (Die gute Nachricht ist ausserdem, dass das Einfädeln mit der Zeit sehr flott geht. Ich schaffe es bei meiner 700D in unter vier Minuten.)
  • Aus Erfahrung würde ich sagen, es ist problemlos möglich, auch mal eine “normale” Naht mit einem Overlockgarn zu nähen. Schöner und stabiler wird es aber definitiv mit einem Allesnäher.
  • Umgekehrt kennt vermutlich jeder das folgende Problem: Da die Overlock-Konen ungleichmässig aufgebraucht werden, passiert es gelegentlich, dass kurz vor Nähende eine Rolle leer läuft. Es ist kein Problem, diesen vierten Faden vorübergehend mit einem Nähgarn zu ersetzen. Auf die Dauer macht das aber wenig Sinn, da die kleine Garnrolle schneller leer ist, als man gucken kann.
  • Sämtliche Overlockgarne sind auch für Coverlock-Maschinen geeignet. Wer Ziernähte anbringt, wünscht sich aber möglicherweise, dass sich die Fäden stärker vom Stoff abheben. Bauschgarne, spezielle Overlockgarne, wären hier die erste Wahl (siehe unten).

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Standard-Overlockgarnen. Besonders gängig sind die Produkte von Mettler (Markenname “Seracor”, 1000m in 36 Tönen, 2500m in 50 Farbtöne), von Madeira (“Aerolock”, 2500m in 27 Töne ) und Amann (“Trojalock 120”, 2500m in 30 Töne). Wer sich etwas mit der Materie beschäftigt, der wird sehr schnell realisieren, dass es auch im Qualitätssegment Preisunterschiede gibt. Ich würde es so formulieren: Es lohnt sich auch hier, ein wenig auszuprobieren (und nicht automatisch zum günstigsten Produkt zu greifen).

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Wenn man (so wie ich) gleichzeitig mit der Overlock und der Coverlock näht, entsteht schnell ein Garn-Engpass. Die Ovi ist mit Dunkelrot eingefädelt – und der nun auf der Cover zu nähende Saum sollte auch dunkelrote Nähte erhalten. Ich habe deswegen eine Auswahl an 500m-Allesnähern angeschafft, mit der ich die Coverlock bestücken kann, wenn die passenden Konen schon verwendet werden. Das ist im Hinblick auf das Nähergebnis nicht ideal, aber es spart Platz in der Nähecke. Und auch das ist ein Argument für oder gegen ein Produkt, oder?

Wenn man sich mit der Gruppe der Overlockgarne beschäftigt, stösst man schnell auf weitere Produkte. Erwähnenswert finde ich zum Beispiel das besonders feine Garn der Firma Mettler (“Seralene”, 2000m in 18 Farben). Das benutze ich gerne, wenn der Stoff sehr dünn, fein und delikat ist. Overlocknähte aus Seralene tragen fast nicht auf und liegen angenehm flach auf der Haut.

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Interessant sind auch Produkte aus der Kategorie der Bauschgarne. Wie der Name schon sagt, bauscht sich der Faden auf beim Vernähen auf. Verantwortlich dafür sind gekräuselte Polyesterfäden, die dem Faden Volumen verleihen. Da Bauschgarne der Naht zusätzliche Elastizität verleihen, benutzt man sie mit Vorliebe für Unterwäsche, Bademode oder Sportbekleidung. Wichtig: Das Bauschgarn wird immer nur in den unteren Greifer eingefädelt, während der obere Greifer und die beiden Nadeln mit normalen Konen bestückt werden. Bei Coverlockmaschinen wird das Bauschgarn ebenfalls nur zum unteren Greifer geführt. (Zur Erinnerung: Der untere Greiferfaden verläuft später zickzackartig über dem Nähgut.) Das Bauschgarn fächert beim Vernähen quasi auf und macht die Naht flächiger. Wer gerne Nähte covert, wird Bauschgarn lieben. Covern heisst übersetzt “abdecken”. Mit Bauschgarnen wird die Ziernaht sichtbarer. Je nach ausgewählter Farbe können so tolle Effekte erzielt werden.

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Die Schweizer Firma Mettler vertreibt ihre Bauschgarne unter dem Markennamen “Seraflock” (1000m in 30 Farbtönen), bei dem deutschen Unternehmen Madeira heisst das vergleichbare Produkt “Aeroflock” (1000m in 16 Farbtönen). Was mir ausserdem aufgefallen ist: Madeira hat vergleichsweise knalligere Neon-Bauschgarne im Sortiment.

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Schwierigkeitsgrad: Anfänger
Verwendete Materialien: Bauschgarn, Coverlockgarn, Overlockgarn
Verwendete Produkte:
BERNINA 700D
BERNINA 700D
BERNINA L 220
BERNINA L 220

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