Kreative Artikel zum Thema Quilten

Quilten – mit der Hand oder mit der Maschine?

Seit einem Jahr schreibe ich für Euch hier im Blog.

Es begann am 9.9.2013 mit den Kulturtaschen für die coolen Kids.

Seitdem habe ich versucht, mit meinen zahlreichen Anleitungen und Tipps Euch zu eigenen kreativen Ideen anzuregen.

Mir ist es wichtiger, dass die von mir vorgeschlagenen Arbeiten Euch dann wirklich kreativ werden lassen.

Da gab es viele verschiedene Patchworkarbeiten und einige andere Arbeiten, sogar auch Arbeiten, für die wir keine Nähmaschine benutzten oder eigentlich gab es noch viel mehr, wo wir ausprobiert haben, was unsere tollen Maschinen alles können.

Und damit mach ich dann heute gleich weiter.

Das Quilten eines Quilts – einer großen Decke oder auch etwas kleinerer Projekte – geht mit Handstichen oder auch mit der Nähmaschine. Zwischen diesen beiden Techniken liegen aber Welten! Man kann das Eine nicht mit dem Anderen vergleichen!

Das Quilten mit der Hand.

Zum Handquilten nur ein kurzer Überblick.

Zu Beginn meiner Patchworkzeit haben wir alles mit der Hand gequiltet. Das Top wurde mit der Vlieseinlage und der Rückseite meistens auf dem Fußboden zusammengesteckt und dann auf dem Tisch geheftet, die gebogenen Sicherheitsnadeln kamen später und der Sprühkleber noch viel später.

Zum Quilten wird ein Quiltrahmen benötigt – ein Stickrahmen, aber wesentlich größer. Nach dem Einspannen in den Rahmen wird der Quilt etwas gelockert, er darf nicht so stramm eingespannt sein. Das Quiltmuster wird meistens vorher aufgezeichnet, da gibt es heute auch sehr viele verschiedene Stifte. Die Quiltnadeln sind winzig, damit werden dann die Quiltstiche – das sind kleine Vorstiche – auch wesentlich kleiner und ein Fingerhut auf dem rechten Mittelfinger zum Durchschieben der Nadel durch alle Lagen ist unentbehrlich.

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Auch hier heißt es wie fast bei jeder Technik: Übung macht den Meister.

Wer es etwas genauer sehen möchte – im Internet findet Ihr zahlreiche Anleitungen mit Video zum Handquilten. Ich habe vor über 10 Jahren die Technik von Andrea Stracke gelernt, das war ein ganz neues Quilten mit kleinen Handstichen.

Und irgendwann hat jeder seinen eigenen Rhythmus und eine ganz persönliche Stichlänge herausgefunden. Ein Quilt mit Handquiltstichen bleibt viel flexibler und weicher, da gibt es keine festen Nähte.

Ganz  anders ist es beim Freihandquilten mit den flächendeckenden Mustern – da wird alles sehr fest.

Beim Maschinenquilten mit Transporteur, eigentlich ein Absteppen, bleibt dieser weiche, leichte Quilteffekt erhalten.

Um Euch das Quilten mit der Maschine – aber nicht das Freihandquilten, bei dem fast alles mit verschiedenen Mustern ausgefüllt wird und kein Kuschelquilt draus werden kann, bei Wandquilts aber tolle Effekte erzielt werden – zu zeigen, habe ich neben einer Arbeit, die schon lange bei mir im Schrank liegt, zwei Muster für Kissenplatten vorbereitet.

Bei dieser Größe ist alles noch recht einfach. Zunächst wird das Quiltmuster auf den Stoff übertragen. Ich benutze dafür einen speziellen, dünnen Drehbleistift für helle Stoffe oder die scharfen Kanten von den Seifenstückresten für die dunklen Stoffe. Die Markierung verschwindet unter den Quiltstichen, kann auch wegradiert werden.

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Die 3 Lagen – Top, Vlies und Rückseite – werden entweder geheftet, zusammengesteckt mit den gebogenen Sicherheitsnadeln oder auch geklebt. Ich habe hier das aufbügelbare Volumenvlies H640 benutzt, es aber auf die Rückseite gebügelt.

Die Vorderseite sollte nicht so starr sein, die Bewegung der Oberfläche zeigt ja den Charme der gequilteten Arbeiten.

Geheftet:

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Beim Handquilten beginnt man im Mittelpunkt der Arbeit, die Heftstiche laufen von der Mitte alle nach außen. So kann man jederzeit ein Zuviel an Stoff nach außen schieben.

Gesteckt:

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Die gebogenen Nadeln lassen sich wunderbar wie Stecknadeln stecken, danach werden sie auf dem Tisch in entspannter Rückenhaltung geschlossen.

Jetzt geht es ans Quilten , ob per Hand oder Maschine – diese Vorbereitung muss bei beiden Methoden sein.

Das Quilten mit der Maschine

Die meisten Nähmaschinen haben schon lange einen sogenannten Quiltstich, man sieht einen unterbrochenen Stich auf der Anzeige, wie ein Vorstich.

Bei meiner BERNINA 580 ist das der Stich 1328:

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Dieser Stich wird mit einem durchsichtigen Nylongarn als Oberfaden und mit einem passenden Farbton für den Quiltstich (normales Nähgarn) als Unterfaden in der Spule genäht.

Das Nähen auf einem Probestück ist wichtig, um die richtige Fadenspannung und die gewünschte Stichlänge zu überprüfen:

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Ganz links und ganz rechts sind die Stiche mit der Originaleinstellung zu sehen, da muss also nicht viel verstellt werden. Wenn man die Stichlänge vergrößert, vergrößert sich natürlich auch der Stich mit dem Nylonfaden – in der Mitte zu erkennen. Bei einem bestimmten Lichteinfall ist der Nylonfaden auch sehr deutlich zu erkennen

Ich wollte diese Technik ausprobieren und habe diesen Quilt „Reihenweise Windenergie“ damit fertiggestellt:

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Den Unterfaden habe ich dabei öfter gewechselt, damit er fast die Farbe des Musters hatte. Genäht mit nicht zu hoher Geschwindigkeit, mit dem Stickfuß#20C. Der Unterfaden wird zweimal hochgeholt, also auch rückwärts genäht. Bei Mustern mit Rückwärtsstichen verwende ich nicht den Obertransporteur#50, der möchte immer nur vorwärts nähen.

Die Sicherheitsnadeln werden nur entfernt, wenn sie direkt im Weg sind, man kann sehr gut rundherum nähen:

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Und fertig sieht das dann so aus:

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Quilten mit der Hand oder der Maschine

 

Auf der Rückseite ist ein durchgehender Stich zusehen:

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Mir hat dabei aber der feste, harte Nylonfaden auf der Oberfläche nicht so gut gefallen. Bei diesem Wandquilt stört es nicht so  sehr.

Aber einen kuscheligen Quilt, besonders für Kinder, möchte ich doch lieber anders quilten.

So habe ich dann noch folgendes mit diesem Stich ausprobiert:

Als Oberfaden habe ich den Farbton des Stoffes genommen- das geht nur, wenn die Oberfläche nur in einem Farbton ist. Bei dem Quilt oben war das nicht möglich. Die einfarbigen Kissenseiten sind ideal.

Zunächst aber wieder unbedingt die Fadenspannung und die Stichlänge auf einem Probestück mit dem Stoff, Vlies und Unterstoff ausprobieren:

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Jetzt muss alles komplett verstellt werden!

Ganz links ist die Originaleinstellung – das geht mit dem Nähgarn als Oberfaden überhaupt nicht. Dann habe ich die Stichlänge vergrößert und die Fadenspannung hoch gesetzt. Zunächst beides auf 6,00. Mit der Fadenspannung bin ich dann noch höher bis auf 9 und sogar auf 10 gegangen, die Stichlänge dann so, wie es Euch gefällt. Das ergab  dann das beste Ergebnis.

Hier das Foto von meinem Display:

Quilten mit der Hand und der Maschine

Die Rundungen lassen sich wunderbar führen, es wird nur jeder 2. Stich doppelt genäht, da lässt sich die Arbeit mit Hilfe des Kniehebels ganz leicht drehen.

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Mit einem eingespannten Kantenlineal – jedes Füßchen hat eine Öffnung, in die das Lineal eingeschoben und mit einer Feststellschraube gut festgehalten wird – habe ich noch rundherum parallel abgesteppt:

Quilten mit der Hand oder der Maschine

 

So sieht mein mit der Maschine gequiltetes Teil für ein Kissen jetzt aus:

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Von der Rückseite wieder der durchgehende Stich:

Quilten mit der Hand oder der Maschine

Quilten mit der Hand oder der Maschine

 

Für diese Kissenseite habe ich keine 2 Stunden an der Maschine gesessen. Das Handquilten würde viel, viel länger dauern. Aus Zeitmangel dann das Quilten mit der Maschine zu machen – dann noch fast wie „handgequiltet“ – das ist auch eine gute Alternative.

Und die kleinen Ausrutscher, die etwas ungenau wurden, sind die kleinen Fehler in jedem Quilt. Ich habe selbst an der Maschine gegessen und kein Programm hat die Maschine gesteuert.

Probiert es doch auch einmal aus!

Ihr solltet auch aus der Maschine alles rausholen, was in ihr steckt. Da gibt es so vieles, was noch entdeckt werden kann.

Viel Spaß dabei

wünscht Euch Wiebke


Weitere Patchwork-Anleitungen im BERNINA Blog

Im BERNINA Blog findet Ihr zahlreiche weitere Artikel mit detaillierten Informationen zu verschiedensten Patchwork-Techniken. Nutzt unbedingt die Blog-Suche. Eine praktische Übersicht mit ausgewählten Artikeln gibt es hier: Patchwork-Anleitungen im BERNINA Blog.

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Kommentare zu diesem Artikel

11 Responses

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  • Annegret Linsenmaier

    Hallo Wiebke ,ich habe seit 2 Monaten eine Bernina 770.Bin 77 Jahre alt und habe bis jetzt viel Kleider, Mäntel u.s.w. genäht durch den Berninablook bin ich aufs Quilten gestoßen.Deine Beträge gelesen .es ist einfach Klasse. DasQuiltfieber hat mich erfast. würde dir gerne ein Bildmeine ehrste Arbeit schicken. aber es klappt nicht .Für Heute einen lieben Gruß Annegret

    • Wiebke Maschitzki

      Hallo Annegreet!
      Willkommen im Club der Patcher und Quilter!. Lieben Dank für Deinen Kommentar. Ein Bild kannst Du

      an den Kommentar anhängen – unten links ist ein kleines Bild gezeigt, das mußt Du anklicken und kannst dann ein Foto hochladen. Gerne kannst Du mir Dein Foto auch per mail schicken.
      Liebe Grüße und weiterhin viel Freude am Nähen
      Wiebke

  • Wiebke Maschitzki

    Hallo Ihr Lieben!
    Ich danke Euch ganz herzlich für die netten Worte.
    Es geht schon etwas weiter mit meinen Anleitungen, die ich hier dann wieder mit den Fotos für Euch einstellen werde.
    Da kommen im Oktober die Puppen und im November möchte ich Euch zeigen, was man alles aus den alten Jeans machen kann, die Ihr bis dahin hoffentlich gesammelt und aufgetrennt habt.
    Und sicher fällt mir zwischendurch auch noch so dies und das ein.
    Liebe Grüße
    Wiebke

  • maryann

    Hallo wiebke,
    wie immer eine sehr schöne Anleitung zum Quilten und so ausführlich.
    Danke, daß Du uns daran teilhaben läßt. Und alles Gute zum Einjährigen.

    Gruß maryann

  • lydia

    Liebe Frau Wiebke,
    auch von mir congratulations!! Sie sind eine große Bereicherung auf dem Blog;)
    Ihre Tipps & Tricks muß frau einfach lesen & staunen, da so manches so zeitaufwändig als fertiges Produkt aussieht, aber bei ihrer Beschreibung traut man/frau sich drüber. merci
    lydia aus Wien

  • Monika Müller

    Hallo Wiebke,
    Glückwunsch zum Einjährigen.Deine Beiträge verfolge ich immer gern.Du weißt ja, ich habe es auch nicht so mit dem Hand nähen.Erinnerst Du Dich noch an die junge Frau als wir damals in Steckborn waren. Sie wollte doch immer wissen wie alles mit der Hand genäht wird. Ich habe meine Maschine nun auch schon einige Jahre und entdecke immer noch Neues, dank Deiner Anleitungen und Tipps.Vielen Dank dafür und noch viele kreative Einfälle. Ich bin da ganz eigennützig.
    Liebe Grüße Monika

  • heimwerkerin

    Hallo Wiebke,
    die Anleitung ist einfach genial von dir. Die zweite Anwendung hätte ich bei meiner
    großen weißen Decke aus alter Bett und Tischwäsche anwenden können. Habe sie im Nahtschatten der Quadrate mit verändertem Stich und Fadenspannung meiner B 830 gequiltet. Mit dem Nylonfaden habe ich es schon mal probiert, war auch mir zu hart. Das es auch mit Nähgarn zu nähen ist war mir neu! Wiebke was meinst du auf Seite 15 mit Fadenspannung hoch gesetzt 6-10 ?? Ist es die Fadenverknotung im Stoff, dann weiß ich was du meinst. Danke und bitte weiter mit deinen tollen Anleitungen.
    Liebe Grüße Elisabeth

    • Wiebke Maschitzki

      Hallo Elisabeth!
      Vielen Dank !
      Das ist richtig – die Fadenspannung ( bei meiner 580 am Handrad zu verstellen) zeigt Dir im Display an, auf welcher Höhe die Fäden im Stoff verknotet werden. Fadenspannung also hoch – die Verknotung ist ganz oben – dann zieht der Oberfaden den Unterfaden nach oben.
      Ich füge oben bei diesem Absatz noch ein Foto von meinem Display ein.
      Probier es einfach mal aus – die Fadenspannung mußt Du aber auf Deinem Probelappen, der genau so zusammengeheftet ist wie Dein Top,unbedingt ausprobieren.
      Liebe Grüße
      Wiebke

  • silena

    Liebe Wiebke
    Herzlichen Glückwunsch zum Einjährigen. Ich freue mich immer wieder über deine kreativen Anleitungen. Hoffentlich bleibt das noch lange so 🙂
    Lg und ein schönes Wochenende
    Silena

    • Margitta

      Hallo Wiebke,
      auch wenn die Anleitung schon einige Tage her ist,habe sie erst heute entdeckt,möchte ich dir sagen,dass sie wie alle Deine Anleitungen und Ideen, sehr verständlich und toll ist.
      Liebe Grüße
      Margitta

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