Kreative Artikel zum Thema Quilten

Digitale Musterbücher

Digitale Musterbücher Textilbibliothek Foto: © Textilmuseum

Digitale Musterbücher
Textilbibliothek
Foto: © Textilmuseum

Die umfangreiche Bibliothek des Textilmuseums St. Gallen gliedert sich in den Freihandbereich, wo sich neben Publikationen zu Spitzen und Stickerei z.B. auch Medien zur Materialkunde, Mode oder Textilkunst befinden sowie dem Aufbewahrungsort für ältere Medien und Raritäten, dem Archiv, das nur Mitgliedern der Textilbibliothek zugänglich ist. Das Museum bewahrt in seiner Bibliothek auch Musterbücher mit Textilmustern Schweizer Firmen. Die über 2 Millionen Originale dokumentieren die Maschinenstickerei des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts, der Blütezeit der St. Galler Stickerei-Industrie. Dazu kommen Musterbücher mit Textildruck, Weberei, Strohgeflechten, Klöppelspitzen, Posamenten, Tapeten sowie Entwürfen.

Digitale Musterbücher Musterbuch Grauer Foto: © S. Rohner

Digitale Musterbücher
Musterbuch Grauer
Foto: © S. Rohner

Ab sofort präsentiert das Textilmuseum St. Gallen eine Auswahl aus seiner mehr als 2500 Musterbücher umfassenden Sammlung in Form eines ‘Digitalen Musterbuchs’. Dem Besucher stehen sieben Musterbücher zur Verfügung, die digital erfasst worden sind und an einem Monitor Seite für Seite durchgeblättert werden können. Informationen zu den Herstellern und ein Glossar der Fachbegriffe ergänzen die Medienanwendung, die in der Bibliothek des Textilmuseums zu finden ist.

Digitale Musterbücher Leporello Foto: © S. Rohner

Digitale Musterbücher
Leporello
Foto: © S. Rohner

Die Auswahl der gezeigten Bücher deckt ein breites Produktionsspektrum ab – von opulenten Stickereien aus der Zeit um 1900 über schlichte Weissstickereien bis zu Seidengeweben einer unbekannten Firma. ‘Wir zeigen ganz bewusst neben den Luxusartikeln auch die schlichte Massenware, denn beide Bereiche waren für die Schweizer Textilindustrie gleich wichtig’, meint Michaela Reichel, die Direktorin des Textilmuseums St. Gallen. ‘Musterbücher geben einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Mode. Sie zeigen aber auch, wie die Textilindustrie auf Krisen reagierte und die Produktion anpasste. In fast jeder Ausstellung sind einige der Bücher zu sehen. Die meisten füllen jedoch die Regale der Textilbibliothek und sind nur für Recherchearbeiten zugänglich.’

Digitale Musterbücher Musterbuch Ikle Cravattes Foto: © S. Rohner

Digitale Musterbücher
Musterbuch Iklé Cravattes
Foto: © S. Rohner

Die Textilunternehmen sammelten über lange Jahre Stoffmuster aus eigener Herstellung – aber auch die Produkte der Konkurrenz – und stellten diese zu sogenannten Musterbüchern zusammen. Sie dienten sowohl als Firmenarchiv wie auch als Inspirationsquelle nachfolgender Designergenerationen. Mehr als 2500 Exemplare mit mehr als 2 Millionen Stoffmustern nennt das Textilmuseum St. Gallen sein Eigen. Als ‘einzigartigen Schatz, der Zeugnis von der reichen und wechselvollen Geschichte der Schweizer Textilindustrie ablegt’ bezeichnet Kuratorin Ursula Karbacher diese Sammlung. Vor allem in der Krisenzeit der 1920er Jahre und dann wieder ab den 1970er Jahren seien viele wichtige Archive verschwunden, weiss sie zu berichten. Oft war es nur der Initiative von Privatpersonen zu verdanken, dass Musterbücher gerettet und dem Museum übergeben wurden.

Digitale Musterbücher Musterbuch Ikle Foto: © S. Rohner

Digitale Musterbücher
Musterbuch Iklé
Foto: © S. Rohner

Bevor die Bücher ans Museum gelangten, waren sie über viele Jahre in regem Gebrauch, dienten sie doch als Vorlage für neue Produkte der unter hohem Innovationsdruck stehenden Textilbranche. ‘Der Zustand vieler Exemplare ist fragil, sie müssen sorgfältig verwahrt werden, die Präsentation oder eine anderweitige Nutzung ist nur im absoluten Einzelfall möglich’, so die Einschätzung der Restauratorin Janina Hauser, die erklärt, warum die Bücher hinter Verschluss gehalten werden.

Digitale Musterbücher Musterbuch Foto: © Textilmuseum

Digitale Musterbücher
Musterbuch
Foto: © Textilmuseum

Um zumindest einen Teil der bedeutenden Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, hat das Textilmuseum St. Gallen eine Schenkung der Steinegg Stiftung Herisau, die dem Haus 500 Musterbüchern zukommen liess, zum Anlass genommen, ausgewählte Exemplare Seite für Seite zu scannen und diese dem Besucher in Form eines Digitalen Musterbuchs am Bildschirm zu präsentieren. Gezeigt werden vorläufig sieben Bücher verschiedener Firmen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Für die Zukunft ist geplant, die Auswahl der Bücher regelmässig zu aktualisieren, so dass der interessierte Besucher einen Einblick in Vielfalt und Reichtum der Musterbuchsammlung des Textilmuseums St. Gallen erhält. Realisieren konnte das Museum dieses Projekt nur durch Unterstützung der Stiftung Ostschweizerische Stickfachschule St. Gallen, der Iklé Frischknecht Stiftung und des Staatsarchivs St. Gallen.

***

Info:

Textilmuseum St. Gallen
Vadianstrasse 2
9000 St. Gallen
Schweiz

www.textilmuseum.ch

Öffnungszeiten:
täglich 10 – 17 Uhr
Sonderöffnung und Gruppenbesuche auf Anfrage

 

Infos und Fotos freundlicherweise vom Textilmuseum St. Gallen zur Verfügung gestellt – vielen Dank!

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Kommentare zu diesem Artikel

2 Responses

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  • Birgit Berndt

    Liebe Gudrun,
    vielen Dank für den wieder sehr informativen Bericht. Was für ein Schatz sind diese Musterbücher, ich könnte stundenlang darin blättern.
    Liebe Grüße
    Birgit

    • Gudrun Heinz

      halli hallo birgit,
      vielen dank! ich bin mit dir einig, es ist ein schatz und ich bedaure sehr, dass st. gallen für mich nicht näher und erreichbarer liegt. schade auch, dass die sammlung nicht online durchzublättern ist, aber vielleicht kommt dies ja noch irgendwann. welche inspirationen könnte ich, könnten alle interessierten doch aus einer solchen sammlung herausziehen!
      beste grüsse
      gudrun

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