Kreative Artikel zum Thema Nähen

Meine erste Nähmaschinen-Liebe: BERNINA record 530-2

Erinnert Ihr Euch noch an Euer “erstes” Nähmaschinenerlebnis?

Als meine gute BERNINA aurora 450 in den letzten Wochen einen Service und eine Reparatur benötigte, fragte ich meine Mutter, ob ich für diese Zeit ihre Nähmaschine ausleihen dürfte. Als ich dann den grüngrauen Koffer zu uns nach Hause trug, kamen viele Erinnerungen hoch: wie wir als Kinder neben dieser Nähmaschine saßen, wie  die Mutter uns mit ihr das Nähen beibrachte, wir die ersten Kleidungsstücke damit nähten und wie sie dann in späteren Jahren die Hosen meiner Jungs damit flickte.

Vielleicht mögt Ihr mich bei einem Gang durch die Jahre begleiten?

Kauf der BERNINA record 530-2 im Autohaus

Meine Mutter wurde in den 1940er in einem sehr ländlich geprägten Gebiet geboren. Eine höhere schulische Bildung wäre nur mit sehr weiten Wegen möglich gewesen, sodass sie nach knapp 8 Jahren “aus der Schule” kam.

Sie begann anschließend eine Lehre auf dem elterlichen Betrieb und es wurde beschlossen, das Mädchen solle doch Nähen lernen. Da sie zu ihren Eltern meinte, dass, wenn sie Nähen lernen solle, sie eine andere Maschine als die mütterliche Tretnähmaschine brauche, kaufte ihr Vater im Autohaus der etwas entfernen Kreisstadt eine elektrische Koffermaschine: eine BERNINA 530-2. Da der Verkauf hochwertiger Automobile vermutlich noch nicht so recht florierte, hatte die Chefin BERNINA Nähmaschinen in das Sortiment aufgenommen! Vermutlich war dies 1955 oder 1956.

Die BERNINA record 530-2 hat noch den Kniehebel zum Gasgeben und kein Fußpedal. Dazu kamen Zierstiche und eine Art Knopflochautomatik.

Zur Nähmaschine gehörte ein mehrtägiger Einführungskurs, der auch im Autohaus stattfand. Dort verkaufte die tüchtige Frau des Autohändlers den Teilnehmerinnen im Laufe des Kurse einige Nähfüsse. Leider hat meine Mutter diese später fast nie verwendet, da sie nicht mehr recht wusste, wie sie diese einsetzen sollte (das Internet, mit dessen Hilfe man hätte nachschauen können, war noch in weiter Ferne). Neben dem normalen Nähfuß verwendete sie vorrangig den Reißverschlussfuß und den Blindstichfuß.

Aber noch einige andere wie den Schuraufnähfuß oder den Säumer kaufte sie dazu.

Nähkurse

Die zwei folgenden Winter über ging sie dann in Nähkurse: Kleidernähei und Weißnäherei. Aus dieser Zeit sind die ganzen Probeflecke vorhanden – auch damals lernte man, wie man Pattentaschen näht,

Paspelknopflöcher konstruiert,

und Jersey flickt

und Stoff mittels eingezogener Schnur verziert.

Von diesen zwei Winter-Nähkursen zehrte sie dann in den späteren Jahren, denn es begann ein turbulentes Familienleben.

Die Record 530-2 im Familienalltag

Der Record 530-2 stand Ende der 60er-Jahre der erste Umzug bevor. Nun ging es ins Schwäbische in einen großen Haushalt, der durch vier Kinder in den folgenden Jahren noch größer wurde.

Die Nähmaschine erlebte ein zweigeteiltes Jahr: Im Sommer wurden nur allerdringlichste Flickarbeiten vorgenommen: Arbeitshosen, Reißverschlüsse, Löcher… Im Winter dagegen, wenn es etwas ruhiger zuging, wurde nach dem Abarbeiten des Flickkorbes auch Neues genäht. So entstanden Schürzen und v.a. Mädchenkleider für uns drei Mädchen. Meine Mutter nähte für uns Dirndl, Röcke und Festkleider. Wir waren immer ganz stolz, dieses selbstgenähten Kleider tragen zu dürfen, denn andere Mütter konnten das ja nicht.

Wir Kinder saßen in den Wintermonaten viel neben der Nähmaschine, denn dann hatte man die Mutter mal in Ruhe. Und automatisch brachte sie uns einiges an Nähwissen bei. So nähten wir (nachdem wir zuerst Papier zu Briefmarken perforiert haben) die ersten Nähte und erste Kleidungsstücke.

Als wir dann 14, 15 Jahre alt waren, besuchte unsere Mutter mit uns eine Messe und kaufte zu unserem Erstaunen zwei Nähmaschinen für meine große Schwester und mich. “Ich habe damals eine Nähmaschine bekommen, so bekommt ihr jetzt auch ein”, und so zogen zwei BERNINA Matic 910 electronic in unser Nähzimmer ein.

Dieses Modell hatte eine gute Knopflochautomatik, war aber trotzdem ähnlich aufgebaut wie die record 530-2, sodass der Umstieg nicht schwer fiel und wir in der Folgezeit sehr viel nähten: ich nähte meine Tanzstundenkleider und andere Festkleider (teilweise in einer Nacht!), Hosen mit einem richtigen vorderen Hosenreißverschluss, Vorhänge und anderes. Selbst mein Kleid fürs Standesamt entstand auf dieser Nähmaschine.

Die gute BERNINA record 530-2 verschwand dadurch ein paar Jahre im Koffer. Als wir Töchter auszogen und unsere Maschinen mitnahmen, holte meine Mutter sie jedoch wieder hervor, nähte und flickte weiterhin Winter für Winter, sodass die Maschine nun viele Gebrauchsspuren hat 

Immer wieder bekam die Maschine eine Reparatur. Doch trotzdem, als vorrangig Hosen der Enkel darauf geflickt wurden, mochte sie nicht mehr richtig. Frustriert erzählte meine Mutter dies einer Freundin, die ihr einen “Handwerker” vermittelte. Der meinte, für diese Maschine lasse er die anderen stehen, da diese noch so richtig mechanisch sei und er sich austoben könne. Als Lohn wollte er nur etwas von nächsten Schlachten. Und seither surrte die Maschine wieder, denn zu flicken gab es nach wie vor recht viel. 

Die Maschine heute

Als ich sie mir die record 530-2 nun auslieh, meinte meine Mutter nur, sie nähe nicht mehr rückwärts. Das würde ihr schon sehr fehlen. Wir stellten fest, dass auch kein Zickzack mehr möglich war. Da meinte sie nur, das brauche sie ja nicht mehr. Wir haben die Maschine auseinandergenommen, gereinigt und geölt – und alles lief wieder. Rückwärts ging es wieder, als wir den Hebel für die Raupenanschlagnaht (seitlich, ganz unten) nach unten gelegt haben. Ich zitiere aus der Anleitung: “In die ausgeschaltete Stellung muss der Raupenanschlag nur dann gebracht werden, wenn die Maschine auch zum Rückwärtsnähen verwendet wird”. Kleine Ursache, große Wirkung. 

Zickzack und Zierstiche funktionierten wieder, als wir oben aufmachten und dort alles reinigten und ölten. 

Sind die nicht schön?

Mich hat die alte Maschine so begeistert, dass ich auf ihr nähen musste. Und sie näht fast alles. Neben einer Bluse nähte ich mit ihr drei Patchworkblöcke. Und weil sie ja eine schweizerische Maschine ist, mussten dies die Blöcke der Vereinigung Schweizer Quilter sein! Man kann mit ihr Foundation Paper Piecing nähen:

Aber auch in Kette nähen:

Einfach toll!

Dennoch freue ich mich, dass meine BERNINA aurora 450 erfolgreich aus der Revision zurück ist. So manche Features habe ich schwer vermisst: die 9 mm Stichbreite, meine Nähfüsse (speziell den Schmalkantfuß #10), genauere Einstellmöglichkeiten, den Kniehebel zum Anheben des Nähfusses, die Veränderung des Nähfußdruckes, die Knopflochautomatik und noch vieles andere.

Nachdem ich nun 14 Tage mit dem Kniehebel Gas gegeben habe, passiert es mir allerdings, dass ich an meiner Maschine nun den Nähfuß anhebe, wenn ich Gas geben will.

Habt Ihr zuhause auch noch solche alten Schätze? Ich habe mich so sehr gefreut, an dieser, meiner “ersten” Nähmaschine, wieder nähen zu können und hoffe, meine Mutter kann sie noch recht lange nutzen.

Und nicht vergessen: Bringt Eure Nähmaschine regelmäßig zum Service / zur Revision! Sie wird es euch danken und Ihr werdet viele Jahre an ihr Freude haben.

Liebe Grüße

Ines

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Kommentare zu diesem Artikel

27 Responses

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  • Eva B.

    Dankeschön, das ist ein wirklich schöner Bericht. Interessant zu lesen und einfach toll, um ein bisschen nostalgisch zu werden.

    Liebe Grüße

    Eva B.

  • mmecki

    Hallo Matthias,

    danke für die schnelle Antwort.

    Einmal das Bild so wie ich es geschenkt bekommen habe. So hängt es auch bei mir im Arbeitszimmer. Schön finde ich auch den bestückten Rahmen. Da das Glas im Bilderrahmen etwas spiegelt und ich leider keine begnadete Fotografin bin lade ich auch noch die orignal Bilddatei hoch.

    Ich hoffe, mit den Fotos hat es geklappt.

    Gruß Mecki

    • Matthias Fluri

      Leider hat es mit dem Bild-Upload nicht geklappt. Vermutlich hast Du vergessen, den Upload mit Klick auf “Bild hochladen” (rechts unten in der Mediathek) zu bestätigen, um die Bilder in Deinen Kommentar einzufügen.

      Die Bilder liegen in der Mediathek aber vor. Der Einfachheit halber zeige ich sie hier gleich selbst.

      Ich finde die Grafik übrigens sehr gelungen!

      Liebe Grüsse
      Matthias

      • mmecki

        So war es, sorry. Dann hat es sich mit dem Hochladen aber überschnitten. Kannst du meinen Post dann bitte löschen.

        Danke für das Lob, werde ich an meinen Sohn weitergeben.

        Gruß Mecki

  • mmecki

    Hallo Ines,

    danke für deinen tollen Bericht. Sehr interessant. Ich wünsche deiner Mutter noch viele schöne Stunden an ihrer Nähmaschine.

    Ich bin dieses Jahr 70 geworden und habe zum Geburtstag von meinem Sohn auch eine sehr schöne alte Nähmaschine bekommen.

    Allerdings ist es ein Bild der ersten Haushaltsnähmaschine von Bernina. Ich wollte es hier immer mal zeigen, weiß aber nicht ob ich das darf, da es bearbeitet wurde. Vielleicht kann Herr Fluri mir was dazu sagen.

    Gruß Mecki

     

    • Matthias Fluri

      Hallo Mecki

      Nur her mit dem Bild. Wenn die Bildinhalte nicht Sitte und Anstand verletzen (wovon ich einfach mal ausgehe) :-), darfst Du die bearbeitete BERNINA 105 sehr gerne hier zeigen. Ich bin gespannt.

      Liebe Grüsse
      Matthias

    • Ines

      Liebe Mecki,

      da war der Matthias ja sehr schnell – und mir gefallen Deine Bilder sehr! Das ist wirklich etwas besonderes. Bisher habe ich noch nie ein Bild einer so alten BERNINA gesehen.

      Meine Mutter hat ihre wieder funktionierende Maschine gerne mitgenommen – ich denke, sie freut sich v.a. daran, dass es wieder rückwärts geht. Dieses Vernähen mit Rückwärtsstichen hat sie uns beigebracht – und als ich das dann in der Schule auch machen wollte, meinte die Handarbeitslehrerin nur, das dürfte man nur, wenn man vier Kinder hat. Ich solle doch bitte verknoten und vernähen. Das hätte mir ja fast das Nähen verleidet!.

      Liebe Grüße
      Ines

  • Nähoma Oma macht das schon

    Ich habe auch so eine alte Bernina, die 730 Record, auch noch mit Kniehebel wurde lt. Serviceheft am 16.09.1965 gekauft. Ich liebe sie, leider ist die Feder, die den abdeckdeckel hält verloren gegangen und ich bekomme keinen Ersatz. Ich habe dann eine andere genommen, die ich immer hochbiegen muss, wenn ich das Spulchen herausnehme. Außer ihr habe ich noch einige alte Pfaff Maschinen 230/260… vor dem verschrotten gerettet und hier in meinem privaten Museum gebunkert. Alle nähen noch  und sind immer mal wieder in gebrauch. Mir hat dein Artikel sehr gefallen und mich auch an meine Kindheit erinnert. Inzwischen bin ich selbst Oma und hab auch viel Flickzeug meiner Enkel im Korb.

    Liebe grüsse Ella

    • Ines

      Liebe Ella,
      wenn auch die alten Maschinen manches nicht können, mag ich sie auch sehr. Sie haben einfach was robustes und nähen und nähen. Bei meinen vier Jungs gibt es auch immer wieder Sachen im Flichkorb und da bin ich jedes Mal froh, wenn mir meine Mutter etwas daraus flickt!
      Liebe Grüße
      Ines

  • Susanna Kufner

    Was für eine schöne Geschichte! Ich habe mich sehr gefreut, sie zu lesen. Ich habe zwar keine Bernina und nähe auch noch nicht so lange, aber die Geschichte macht Lust drauf. Danke!

    • Ines

      Danke – ich hatte selbst sehr viel Freude, dies alles zusammen zu tragen. Manches, so den Kauf der Maschine im Autohaus, erzählte mir meine Mutter erst vor ein paar Wochen. Anderes, wie die Übungsflicken, hüte ich schon seit Jahren.
      Liebe Grüße
      Ines

  • Elke Speidel

    So ein Schätzchen befindet sich seit Januar 2017 auch bei mir. Meine Tante ist im Oktober 2016 verstorben. Die Schwiegertochter und die Enkelinnen nähen nicht und mein Cousin wusste nicht wohin mit der Maschine. Ich traute mich erst gar nicht zu fragen ob sie noch da ist und was damit passiert ist. Habe mich dann doch durchgerungen und mich als gerne bereites Opfer gemeldet. Mein Cousin war begeistert, er meinte ich solle gleich kommen und sie holen. Allerdings wohnen Sie Inder Schweiz, mein Mann und meine Kinder wollten ja auch mit, also wurde es dann doch Januar. Die Maschine ist super gepflegt, war das Heiligtum. Einer Tante. Näht wir eine eins. Sie hat sie im Dezember 1955 oder 1956 gekauft. Hat einmal einen eine Antriebsriemen gebraucht, den wollte ihr der Händler nicht einbauen, wollte ihr eine neue Maschine verkaufen. Sie hat dann aber doch die Reparatur gekriegt, nachdem sie sich vehement gewehrt hat und mit einem Ausflug nach Steckborn drohte 😂.

     

    demnächst starte ich mal ein Projekt mit der 530, habe mich bisher noch nicht so getraut……

    • Ines

      Ich kann wirklich nur Mut machen, auf der record 530 zu nähen. Ich war selbst erstaunt, wie schnell ich wieder die “alten” Abläufe” konnte. Das Nahtbild ist immer noch wunderschön und mit der Spannung gab es auch keine Schwierigkeiten. Daher bin ich sehr froh, dass die Maschine vor ein paar Jahren die grundlegende Reparatur bekam und meine Mutter ihre alte gewohnte Maschine weiter nutzen kann.
      Liebe Grüße
      Ines

  • Griselda Kahn

    Danke für Deine schöne Nähmaschinen-Geschichte. Ich liebe das! Ich selbst habe vor kurzem eine Bernina Record 730 von einem Bekannten geschenkt bekommen, weil er den Nachlaß seiner Mutter auflösen musste und die Bernina nur in gute Hände abgeben wollte. Für ihn hängen da auch viele schöne Erinnerungen mit seiner Mutter dran.

    Leider ist der Motor wohl kaputt, ansonsten habe ich sie aber schon geölt und mit dem Handrad bewegen können. Vielleicht kann ich ja einen neuen Motor bekommen…

    Ansonsten habe ich schon zwei Nähmaschinen vom Sperrmüll gerettet. Eine davon läuft sogar nach der Reinigung wieder wie am Schnürchen. 😊

    • Ines

      Wie schön, dass die gute Record 730 bei Dir ein Zuhause bekommen hat. Vielleicht hast Du bei einem Nähmaschinen-Fachhändler Erfolg oder es findet sich jemand, der aus zwei Maschinen wieder eine machen kann (falls noch eine weitere 730 auftaucht)?
      Viel Erfolg dabei – und ich mag Nähmaschinen-Geschichten auch sehr gerne!
      Liebe Grüße
      Ines

  • Anre Krem

    Habe mir vor 44 Jahren eine Bernina 830 gekauft und viel genäht damit. Eine wunderbare Maschine. Jetzt hat der Motor den Geist aufgegeben. Wer kann den Motor tauschen und macht das noch Sinn? Ich vermisse das gute Stück sehr.

    • Matthias Fluri

      Hallo Anre

      Vielen Dank für den Kommentar und die Frage. Eine Garantie, dass alle für die Reparatur nötigen Teile erhältlich sind, können wir in diesem Fall leider nicht bieten. Am besten nimmst Du Kontakt mit dem BERNINA Fachhändler in Deiner Nähe auf. Dieser wird sich das gute Stück bestimmt sehr gerne anschauen. Wenn sich die Maschine reparieren lässt, kannst Du aufgrund des Kostenvoranschlags des Fachhändlers selber entscheiden, ob die Reparatur für Dich Sinn macht.

      Liebe Grüsse
      Matthias

  • Ingrid Hess

    Ich bin grad in meine Kindertage versetzt worden als ich die Geschichte von der Bernina Record 530 gelesen habe……

    Meine Mutter hatte diese Maschine schon seit ich denken kann….und ich bin mittlerweile 58 Jahre alt. Ich bin genauso mit Vorfreude neben meiner Mutter gesessen als sie mir damit die schönsten Sachen genäht hat. Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen und dort war eine Nähmaschine (wenn überhaupt eine da war) ausschließlich zum Flicken da und vielleicht mal um eine Hose zu kürzen. Ich war stolz wie Bolle wenn ich meine Garderobe ausführen durfte.

    In meiner Teenie-Zeit probierte ich das eine oder andere selber zu nähen….na ja… mit mehr oder weniger Erfolg. Meine Mutter verzweifelte manchmal fast! Danach verlor sich mein Interesse am Nähen etwas. Erst als ich selber Mutter wurde erwachte meine Neugier wieder. Da ich nicht in der Nähe meiner Eltern wohnte damals, konnte ich natürlich auch die Bernina nicht benutzen. Ich habe dann die Schranknähmaschine (ich glaube es war eine Siemens?) von meiner Oma bekommen. Im Laufe der Jahre wurden die Maschinen immer wieder ausgetauscht, erst Pfaff, dann Bernina, dann wieder Pfaff …….heute bin ich stolzer Besitzer einer Bernina 580 mit Stickmodul.

    Das „alte Mädchen“ meiner Mutter geriet in Vergessenheit. Die Maschine stand seit dem Tod meiner Mutter vor 18 Jahren in der hintersten Ecke meines Nähzimmers. Ich hatte sie nie benutzt. Erst kürzlich, beim Aufräumen hatte ich sie wieder entdeckt und brachte das Goldstück kurzerhand in meine Nähwerkstatt mit der Bitte sie, wenn möglich, wieder flott zu machen. Es gelang tatsächlich und seither steht die Bernina Record 530 neben ihrer Ur-, Ur- oder was auch immer Enkelin!! Grade wenn ich an meiner Nähmaschine das Stickmodul angeschlossen habe und mir einfällt noch was anderes nähen zu müssen, dann kommt die Record zum Einsatz. Und sie näht….und näht……und näht……😊

    • Ines

      Ach wie schön – da haben wir ja viele Parallelen in unserer  Nähgeschichte. Der hauptsächliche Einsatz der Nähmaschine zum Flicken und dann der eigene Weg zum Nähen. Und mit der 580 hast Du nun eine wirklich tolle Nähmaschine – die von der alten ergänzt wird!
      Liebe Grüße
      Ines

  • Karin Mlinaric

    Vielen Dank für deine Geschichte, die ich mir gerade mit einem Häferl Kaffee in der Hand durchgelesen habe! Leider hab ich keine derartige Erfahrung beizusteuern, die Nähgeschichte in meiner Familie startet mit mir und meiner Bernina activa 140. Aber drei unserer vier Töchter nähen inzwischen in ihren eigenen Haushalten, (Kindersachen, Patchwork, Vorhänge…..was halt so anfällt)  darüber freue ich mich wirklich sehr!

    • Ines

      Schön, wie mit Dir und Deiner activa 140 eine neue Nähgeschichte begonnen hat! Ich fand es als Teenie immer so schön, meine Mutter fragen zu können, wie man etwas näht. Meine Söhne sind handwerklich geschickt, nur die Liebe zum Nähen hat bisher keiner geerbt, da wird eher geschraubt, gesägt und gefeilt.
      Liebe Grüße
      Ines

  • Cornelia Laube

    Es macht mir immer Spaß, etwas von solchen “Näh-Altertümern” zu lesen, besonders Koffernähmaschinen aus der Nachkriegszeit interessieren mich, denn ich habe auch ein solches Schätzchen von meiner Mutter geerbt. Meins ist aber weder grau oder weiß sondern grün – eine Elna von 1950, auch als “Grashüpfer” in die Nähmaschinengeschichte eingegangen.

    Meine Mutter hatte sich die Elna zu Beginn ihrer Ausbildung als Modezeichnerin gekauft, doch wurde sie in dem ausbildenden Modeatelier bald zum Model umfunktioniert, und dann tauchte auch schon mein Vater auf. Damit wurde sie schneller zur Ehefrau und Mutter, als sie gedacht hatte…

    In meiner Kindheit hatte die grüne Elna nicht übermässig viel zu tun, Nähen war für meine Mutter ein Hobby, in den Siebziger Jahren haben wir samt der Elna einen Schneiderkurs bei einer Bekannten meiner Eltern gemacht – sozusagen ein Mutter-Tochter-Nähkurs. Ausbeute: Eine Bluse, ein Oberteil aus Samt zum festlichen weiten Rock samt Unterrock mit Spitzenbesatz und ein schickes Kostüm mit schmalem Rock. Das Nähen haben meine Mutter und ich uns geteilt, die fertigen Stücke bereicherten aber dann alle meinen Kleiderschrank… Leider entwickelte sich meine Figur im Laufe der Jahrzehnte von Größe 36 zu 42, so dass mir die Sachen schon lange nicht mehr passen, nur meine erste selbst genähte Bluse aus diesem Kurs hängt als “Andenken” noch im Schrank.

    Nach dem Tod meiner Eltern bekam ich den Elna-Koffer wieder in die Finger, wagte aber nicht, die Maschine in Gang zu setzen. Schließlich hatte sie einen 30-jährigen Dornröschenschlaf hinter sich. Also auf zum Fachmann, der von meinem Schätzchen ganz begeistert war und mir nach gründlicher Inspektion versicherte, dass diese robuste Elna sicher auch die nächsten 30 Jahre laufen kann. Und sie schnurrt tatsächlich wie in alten Zeiten und verströmt immer noch diesen typischen Duft nach Öl und Petroleum, wie ich ihn seit Kindertagen in der Nase habe.

    So wird eine Nähmaschine zu einem Stück Familiengeschichte, immer bereit, ein neues Kapitel zu beginnen!

    • Ines

      Liebe Cornelia,
      danke für diese schöne Nähmaschinengeschichte! Ich musste so oft schmunzeln beim Lesen, einfach eine tolle Geschichte. Ich denke, Nähmaschinengeschichten sind oft Mutter-Tochter-Geschichten. Da hängen Erinnerungen dran: gemeinsame Zeit mit der Mutter und die Gespräche, die man miteinander führte.  Weiter viel Freude am alten Schätzchen!

      Liebe Grüße
      Ines

       

       

  • lucygbischoff

    Liebe Ines, vielen Dank, dass du diese Geschichte mit uns teilst. Es war mir eine Freude, sie zu lesen. Meine Mutter hatte eine Pfaff 31, eine Tretnähmaschine, mit der im Hobbykeller vorwiegend ausgebessert, manchmal aber auch Kleidungsstücke genäht wurden. Ich habe sie dazu benutzt, um Jeans enger zu nähen (lang ist’s her). Heute steht das gute Stück bei mir im Wohnzimmer, weil sie “ein schönes Möbel” ist. Sie näht aber immer noch!

    Viele Grüße von mir!

    • Ines

      Das war meine Hoffnung beim Schreiben: dass auch andere dran Freude haben und die “alten” Schätze wertgeschätzt werden. Als ich die Maschine zurückbrachte und meinte, sie näht wieder rückwärts und Zickzack, meinte sie: Ja, es tut einer Nähmaschine besser, wenn mit ihr genäht wird. – Vielleicht nähst Du auch mal wieder mit Deinem guten alten Stück?

      Liebe Grüße
      Ines

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