Kreative Artikel zum Thema Nähen

BH-Schnittmuster anpassen – das Fitting-Band

Hallo liebe Nähbegeisterte

Ich freue mich immer wieder über eure Rückfragen und Kommentare zu meinen Beiträgen übers BH-Nähen. Oft geht es dabei um Anpassungen der Passform. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, euch meinen «Fitting»-Prozess etwas näher zu bringen. Das ganze kommt in einer zweiteiligen Serie daher.

In einem ersten Teil kümmern wir uns um das Unterbrustband. Im zweiten Teil kümmern wir uns um die Körbchen.

BH-Schnittmuster anpassen, Teil 1: das Fitting-Band

Warum ein Fitting-Band?

Ihr kennt die Situation sicher, dass ihr Probemodell um Probemodell näht und euch langsam die Zeit, das Material und die Geduld ausgehen? Nun, dafür hat die BH-Nähcommunity eine Lösung.

Das sogenannte «Fitting-Band» oder «Fitting-Unterbrustband» ist ein (fast) fertig genähter BH, in den nur noch die Körbchen reingenäht werden müssen. Die Konstruktionsweise ist gegenüber dem gewöhnlichen BH etwas modifiziert, aber glaubt mir – es lohnt sich!

Für das Fitting-Band sprechen mehrere Gründe:

  • Ihr bemerkt schnell, ob die Passform-Probleme von den Körbchen oder vom Unterbrustband kommen
  • Ihr könnt in das bereits erstellte Unterbrustband (nachdem es euch ja passt) beliebig viele Testkörbchen in den unterschiedlichsten Grössen einnähen, ohne jeweils wieder ganz von vorne beginnen zu müssen
  • Ihr könnt das Unterbrustband jedes darauffolgenden Schnittmusters mit eurem Fitting-Band vergleichen und Anpassungen sofort auf den neuen Schnitt kopieren, ohne dass ein neues Fitting-Band genäht werden muss. Anschliessend müsst ihr vom neuen Schnitt nur noch die Körbchen zuschneiden, vernähen und ins bestehende Fitting-Band einnähen. Voilà, Probemodell einfach gemacht!
  • Ihr könnt das Fitting-Band und die dazu passenden Körbchen als Ausgangspunkt für allerlei stilistische Anpassungen verwenden. Ihr wisst, dass euch der Schnitt immer passt. Wenn ihr nicht gerne Schnittanpassungen auf dem Papier macht, näht das Körbchen aus einem günstigen Material. Zeichnet darauf eure neuen Stillinien ein und schneidet dieses dort auseinander. Nun auf Papier übertragen, Nahtzugaben dazugeben und fertig ist der neue Schnitt.

Die Sache mit den BH-Bügeln

Ihr wisst ja, dass ich schon länger über das Thema BHs schreibe. In diesem Artikel erkläre ich etwas über die unterschiedlichen Bügelformen. Fakt ist, das wir den ganzen Fitting-Prozess mit dem passenden Bügel starten. Eine vollständige Übersicht würde den Rahmen hier sprengen. Ihr könnt euch aber bei vielen Lieferanten sogenannte «Fit Packs» bestellen, um eure optimale Passform herauszufinden. Im Idealfall steht in der Schnittanleitung sogar, für welche Bügelform (z.B. vertikal oder rund) sie designt wurden.

Mit dem entsprechenden Bügel gewappnet, machen wir uns nun an die Schnittanleitung. Wir bestimmen die Grösse anhand der Schnittanleitung und schauen dort, welcher Bügel «gefordert» wird. In meinem Beispiel benötige ich für die errechnete Grösse eine 90E, der Bügel, den ich ausgesucht habe, entspricht aber der Grösse 90D. Da wir den Schnitt auf uns anpassen müssen und nicht umgekehrt, arbeite ich mit dem 90D weiter. Denn nur die 90D wird mir passen. Die Körbchen vom 90E werden wir in Teil zwei auf den Bügel von 90D anpassen.

Hier der Bügel für die 90D (blaue Linie). Dieser wäre für die 90E zu klein.

Dies wäre der passende Bügel für die 90E. Der wäre aber für den blauen 90D zu gross.

Ich schneide also alle Teile für das Unterbrustband in Grösse 90D zu und lege los.

Hier habe ich euch alle relevanten Stellen markiert. Unser Fitting-Band wird ähnlich aussehen, wenn es fertig ist.

So wird das Fitting-Band genäht

Eines gleich vorweg: Das wird hier kein “schönes Exemplar”. Beim Fitting-Band ist nur wichtig, ist dass ihr das korrekte Material verwendet, wie bei einem regulären BH. Ob das nun zusammengesuchte Reststücke sind oder euer edelster Stoff, ist eigentlich egal.

Für den Anpassungsprozess (für den Steg) ist es wichtig, dass ihr in der vorderen Mitte eine Naht habt. Im Notfall müsst ihr eurer Schnittteil in der vorderen Mitte auseinander schneiden und noch eine Nahtzugabe dazugeben.

Nun kommt der Unterbrustgummi dran. Wir nähen ihn zuerst einmal links auf rechts mit den Pikots nach oben mit einem Zickzack fest und falten ihn anschliessend nach innen, um ihn mit einer weiteren Reihe Zickzack festzunähen.

Mit dem Unterarmbereich verfahren wir genau gleich.

Nun wird die vordere Mitte zusammengenäht. Solltet ihr später Steganpassungen machen müssen, so müsst ihr künftig nur diese Naht auftrennen und nicht noch den Gummi entfernen und wieder neu annähen.

Den oberen Steg habe ich so versäubert, wie dies beim Endprodukt der Fall gewesen wäre; hier mit einem Unterarmgummi. Anschliessend wird das Bügelband auf den BH genäht. Wichtig ist, dass dieses unterhalb der Nahtzugabe zu liegen kommt – also an der selben Position wie wenn die Körbchen schon drin wären. Das Bügelband muss nicht zugenäht werden.

Die Träger habe ich statt mit Ringen mit sog. G-Hooks ausgestattet. So kann ich die Träger ohne weiteres an jedem beliebigen Körbchen fixieren.

Nun noch die Träger annähen und der Verschluss dran. Fertig ist das Fitting-Band.

Nun kann das Fitting-Band anprobiert werden. 

Anpassungsmöglichkeiten

Welche Anpassungen können wir beim Fitting-Band machen?

  • Als erstes prüfen wir, ob das Unterbrustband richtig sitzt. Ist es zu locker? Ist es zu satt? Ist es zu locker, können wir das Rückenband etwas kürzen. Ist es zu eng, können wir das Rückenband verlängern. Müsst ihr mehr als 2.5 cm zugeben oder entfernen, solltet ihr eine Grösse kleiner respektive grösser nehmen. Aber Achtung, dadurch verändert sich auch die Körbchengrösse! Eine 90D, welche dann zur 85 wird, braucht neu auch das E-Körbchen der 85. Umgekehrt würde der Wechsel zur 95 das Körbchen zu einem C verändern.
  • Als nächstes prüfen wir, ob der Steg in der vorderen Mitte schön zwischen der Oberweite und auf dem Brustkorb anliegt. Je nachdem, wie ihr gebaut seid, kann man diesen Steg verbreitern oder reduzieren. Ich weiss beispielsweise, dass mein Steg (abzüglich der Nahtzugabe) nur 1cm breit sein darf, sonst piksen mich die Bügel. Hier gibt es keine Standardwerte.
  • Zuletzt prüfen wir noch, ob die Bügel (welche wir ja im Vorfeld getestet und für passend befunden haben) die Brust richtig umschliessen. Zwischen Beginn des Brustgewebes und dem Bügel sollen keine Zwischenräume vorhanden sein. Die Bügel sollten die Brust auch nicht in eine Richtung drücken. So kann beispielsweise die Stegbreite oben korrekt sein, unten jedoch zu breit werden. In diesem Fall würde der Bügel (auch im Fitting-Band) eure Brust im unteren Bereich piksen und nach aussen drücken. Wäre das gegeben, würden wir einen Keil aus dem unteren Bereich des Stegs entfernen.
  • Danach prüfen wir noch, ob die Körbchen an der richtigen Stelle «beginnen». Zwar passen die Bügel perfekt, aber wenn die Abstände zwischen seitlicher Cupnaht und Seitennaht zu klein oder zu gross sind, wird sich das auch auf die Passform auswirken. Kontrolliert also zum Schluss, ob diese Abstände eures Körpers mit dem Schnitt korrespondieren.
  • Und zu guter Letzt schauen wir uns noch an, ob unser Wunschbügel im BH auch genügend Platz hat und ob uns die Länge der Seitennaht und seitlichen Cupnaht «gefällt». Der Bügel benötigt ca. einen halben cm auf beiden Seiten, damit er sich bewegen kann, ohne dass zu viel Druck auf die Naht ausgeübt wird. Mehr sollte es allerdings auch nicht sein, weil die Bügel sonst ihre Position verlieren und euer BH damit an Stabilität. Es gibt übrigens von allen BH-Grössen und -Formen in der Regel «lange» und «kurze» Versionen; d.h. der Schnitt muss nicht in jedem Fall abgeändert werden, manchmal muss auch ein neues Bügelmodell her.

In meinem Fall

In meinem Fall habe ich den Steg schon beim allerersten Fitting-Band im Vorfeld auf die 1 cm gekürzt. Mindestens so breit wie euer Bügelband muss der Steg übrigens in jedem Fall sein, sonst haben die Bügel keinen Platz. Weiter kann ich jetzt aber sehen, dass das Band etwas zu locker sitzt (mein Unterbrustumfang ist auch 88 und nicht 90), also werde ich 1 cm vom Rückenband entfernen. Die Seitennaht und die seitliche Cupnaht sind an der richtigen Stelle. Meine Bügel brauchen aber etwas mehr Spiel, weshalb ich seitlich an der Cupnaht noch 7 mm dazugebe und an der Seitennaht 1 cm (meine Präferenz). Ansonsten sitzt das Fitting-Band gut.

Nun transferiere ich alle Änderungen auf den Schnitt und nähe ein neues Fitting-Band, das ich immer und immer und immer und immer wieder benutzen kann – denn es sitzt nun perfekt!

Wie wir die Körbchen anpassen zeige ich euch bereits morgen. Schaut also bald wieder im Blog vorbei!

Viel Spass beim Nachmachen

Nadine

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Kommentare zu diesem Artikel

5 Antworten

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  • Ulrike K.

    Gut erklärt, kann ich das Vorgehen auch für bügellose BHs anwenden? Mich stören die Bügel nämlich immer. Selber genäht habe ich einen BH bisher allerdings noch nicht.Viele Grüße, Ulrike

    • Nadine

      Grundsätzlich ja. Ich würde aber empfehlen, einfach die Bügel wegzulassen. Es ist immer möglich einen wunderbaren BH zu nähen, aber aus Komfortgründen die Bügel wegzulassen. Die BH-Schnitte sind im Gegensatz zu den Bralettes meist etwas anders aufgebaut (andere Stoffe, weniger Schnitteile).

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