Kreative Artikel zum Thema Nähen

Näh dir deinen eigenen BH

Hallo meine Lieben. Vielleicht kennt ihr ich noch nicht. Ich bin Nadine und blogge seit Mai auf dem englischsprachigen BERNINA Blog. Den untenstehenden Post habe ich Ende Juli auf dem englischen Blog publizieren dürfen. Nun habe ich ihn für euch hier übersetzt. Viel Spass beim Lesen!

Wisst ihr was auf dem englischen Wikipedia Eintrag zu BHs steht? “Der Büstenhalter ist ein enganliegendes Unterwäschestück, das die Brüste der Trägerin stützen und formen soll”. Und weiter “BHs sind komplexe Kleidungsstücke aus vielen verschiedenen Teilen. Schätzungsweise 85% aller Frauen tragen die falsche BH-Grösse”. Wie bitte?! JA! Hier sitzen wir gemütlich bei einem Tee (ist ja schon September, nicht wahr) und überlegen uns, wie wir uns am besten näh- und kleidungstechnisch auf die nächste Jahreszeit vorbereiten, während wir uns eigentlich Gedanken darüber machen sollen, was wir darunter tragen. Ich bin überzeugt, ihr denkt jeden Tag über eure BHs nach. Und jeden Abend, wenn ihr den BH auszieht hört ihr Mel Gibson im Hintrgrund “Freeeeeeeiheiiiiiit” schreien. Ist es nicht so?

Zumindest für mich war das so ziemlich jeden Tag der Fall (seit ich mir meine eigenen Stücke nähe weniger bis gar nicht mehr – das ist dann mehr so in Richtung: “Ah, du bist ja auch noch da”). BHs sind eine dämliche Notwendigkeit des Alltags. Wie gerne wäre ich eine dieser Freigeisterinnen, die täglich ohne BH rumrennen. Für mich aber schon alleine aufgrund der Grösse meiner Brust absolut keine Option! Wenn wir nun an die Ausgangslage denken, nämlich dass 85% aller Frauen die falsche BH-Grösse tragen, dann muss die Lösung doch auf der Hand liegen. Jawoll – wir nähen die uns selber. Ab sofort! Und ich garantiere euch, es ist einfacher als eine Hemdbluse zu nähen.

Lasst uns also gleich mit einer kleinen Einführung loslegen.

Zubehör und wo ihr’s herbekommt

Abgesehen vom Stoff (und dazu kommen wir später, jaja Geduld) gibt es ein paar Dinge, die ihr ebenfalls benötigt:

Gummibänder

Für unser hochkomplexes Wunderwerk brauchen wir natürlich Gummibänder in verschiedenen Ausführungen. Die Arten von elastischen Bändern dieser Welt sind endlos. Für unser kleines Projekt können wir aber drei grobe Gruppen bilden:

  • Trägergummi: Trägergummi ist da um Träger herzustellen (logisch oder?). Gewisse Trägergummis haben wunderschöne Designs of der Oberseit, viele haben einen leichten Schimmer und die besten haben eine weiche Unterseite, die dann auf unserer kostbaren Haut zu leigen kommt.
  • Unterbrustgummi: Unterbrustgummi wird für das Unterbrustband aber auch für die Oberkante des BHs benötigt. Das Unterbrustband ist diejenige Stelle die praktisch das ganze Gewicht eurer Brust trägt. Das sind nicht etwa die Träger. Über den Sommer habe ich zahlreiche Damen gesehen, deren BH-Träger so richtig tief in die Schultern einschneiden. Das ist auf der einen Seite mit Sicherheit schmerzhaft und ungesund und auf der anderen Seite bedeutet dies, dass der BH nicht die richtige Grösse hat. Sitzt nämlich das Unterbrustband richtig, stabilisieren die Träger lediglich die ganze Konstruktion. Schon wieder abgedriftet. Also, wenn ihr eine etwas grössere Brust habt, dann sollte ihr mindestens 12mm breiten Unterbrustgummi verwenden, eher aber noch breiter. Für die obere BH Kante darf es dann auch etwas schmaler sein. Diese Art von Gummi hat meistens eine weiche Seite, die auf die Haut zu liegen kommt und eine völlig unspektatuläre Oberseite, die aber im BH versteckt und nicht sichtbar ist.
  • Falzgummi (in Shops of als FOE bezeichnet): Dies ist einer meiner Lieblingsgummis. Ihr könnt Falzgummi verwenden, um die offene Kante von BHs aber auch von Panties zu verdecken. Falzgummi gibt es in allen Farben und Ausführungen. Wer einmal ein Leomuster findet, der wird hiermit verpflichtet, mir sofort Bescheid zu geben. Der Falzgummi hat in der Mitte, wie der Name schon sagt, eine Falzlinie, was das Anbringen sehr einfach macht. Meistens hat der Falzgummi eine glänzende und eine matte Seite. Es gibt aber keine Regel, was aussen sein muss. Ich liebe Falzgummi.

Trägergummi

Falzgummi

Verschlüsse

Verschlüsse werden auf der Rückseite (meistens) eingenäht. Es gibt viele verschiedene Designs: Zweireihig, dreireihig und ganze Bänder um Korsagen herzustellen.

Ringe und Schieber

Ringe und Schieber werden benötigt, um anpassbare BH-Träger herzustellen. Für gewöhnlich benötigt ihr zwei Ringe und zwei Schieber pro BH. Schaut aber zur Sicherheit IMMER in eure Schnittmusteranleitung rein. Ich habe eine etwas grössere Brust, weswegen ich nur Metallringe und -schieber kaufe, es gibt aber auch welche aus Plastik. Und ganz wichtig: Wenn ihr Ringe und Schieber bestellt, achtet darauf, dass euer Trägergummi da auch durchgeht…

Bra Notions

Weiteres Zubehör: Verschlüsse, Zierschleifen, Ringe und Schieber

Bügel und Bügelband

Wollt ihr einen BH ohne Bügel und Bügelband herstellen, könnt ihr dieses Kapitel einfach überspringen. Für alle anderen da draussen: Es gibt unglaublich viele unerschiedliche Bügel. Zuerst einmal solltet ihr euch einmal überlegen, welche Form euer Bügel haben soll. Wie bitte Form? “Na, rund natürlich”, werden ein paar unter euch sagen. Ja, klar. Aber wie rund? Die meisten Brüste passen einigermassen in einen standardisieren Bügel (z.B. die von Prym). Ein paar mögen es aber lieber, wenn der Bügel seitlich etwas höher reicht. Andere nervt es, wenn die Bügel in der Mitte zu hoch sind.

Lasst uns einmal eine kleine Gedankenübung machen. Denkt mal über die Region nach, wo euer Brustgewebe auf den Brustkorb trifft. Wenn ihr jetzt dort diese Zone mit einer Linie markieren müsstet, wie würde diese Linie aussehen? Wäre sie wunderbar kreisrund? Ist das eher ein flaches Oval oder ein hohes Oval? Und bevor Fragen auftauchen: Die Region richtung Achsel gehört auch zur Brust. Am besten könnt ihr dies sehen, wenn ihr den Arm hochnehmt; das Brustgewebe verläuft oft so etwa mittig richtung Achsel.

Nun, das Ergebnis dieser visuellen Linie müsste sich in eurem Bügel wiederspiegeln. Spätestens jetzt müsste ein kleiner Aha-Effekt kommen. Zumindest war das bei mir so. Ich dachte immer Bügel unterscheiden sich nur in der Grösse und nicht in der Form. Aber die Form ist ebenfalls entscheidend. Meine Brust ist ziemlich rund, geht aber eher in die Richtung flaches Oval. Nehme ich jetzt einen Bügel, der eher für hohe Ovale gedacht ist, wird mich dieser entweder seitlich in die Brust pieksen und/oder gleichzeitig würde die Brust nicht schön in den Bügel zu liegen kommen. Da kann das Körbchen noch so perfekt in der Grösse stimmen, wenn der Bügel nicht die richtige Form hat, wird der BH immer unbequem sein. (Denken wir an dieser Stelle einmal kurz an Braveheart zurück, bitte).

Und dann klar, sollte die Grösse natürlich auch noch stimmen. Meistens hat euer Schnittmuster die benötigen Angaben schon vermerkt. Gerade im englischsprachigen Raum werden die Bügelgrössen oft auf einen B Cup bezogen. Wenn ihr also eine 36D wärt, dann müstet ihr zwei dazurechnen für jeden Buchstaben um den ihr reduziert, bis ihr beim B seid. In meinem Beispiel wäre das die 40B. Das wäre die Grösse des Bügels, die euch ebenfalls passt. Es gibt also immer Schwesterngrössen – auch bei den europäischen Grössen. Ein BH der Grösse 85D hat das selbe Körbchen, wie ein BH in der Grösse 90C oder 95B oder 100A.

Wenn ihr nicht sicher seid oder experimentieren wollt (was ich euch empfehle), dann bestellt euch einfach eine kleine Reihe von Bügeln. Die kosten nicht alle Welt – den richtigen Bügel zu finden ist aber die Welt wert.

Sind die Bügel nicht auf eine BH-Grösse bezogen benannt, könnt ihr auch ein biegbares Lineal nehmen und eure Brustlinie nachformen. Dort steht dann wie lang der Bügel sein müsste. Dann druckt ihr die Grössentabelle (Achtung: “Tatsächliche Grösse” beim Druck anwählen) des Herstellers aus und vergleicht was am ehesten eurem gemessenen Wert und der kopierten “Form” (darum ist das biegbare Lineal so cool) entspricht.

Das Bügelband ist dort, wo der Bügel anschliessend reinkommt. Selbst wenn ihr euren BH ohne Bügel nähen wollt, kann es manchmal Sinn machen, das Bügelband zur Stabilisierung einzunähen.

Wo gibt’s das?

Ich bekomme mein Zubehör hauptsächlich von diesen Firmen innerhalb der EU oder der Schweiz:

Lebt ihr in Kanada oder der USA, könnt ihr auch hier bestellen:

Bevor ihr jetzt losrennt und euch BH-Zeug en masse kauft: Habt ihr noch alte BHs, die ihr ohnehin nicht mehr tragen wollt? Schlachtet diese für die Einzelteile: Ringe, Schieber, Bügel, Verschlüsse und sogar Verziehrungen. Das meiste ist schon da.

Und: Denkt einmal über die Farbwahl nach. Ich habe mittlerweile ein fröhliches Sammelsurium von verschiedenem Zubehör aber GARANTIERT niemals die passende Farbe. Aus diesem Grund kann es auch Sinn machen, alles in weiss zu kaufen und anschliessend einzufärben. Zuknüftig werde ich vermutlich diesen Weg gehen.

Als komplett Neuling empfiehlt es sich sogar, sog. “Bra-Kits” oder “BH-Kits” zu kaufen. Da ist alles schon dabei und ihr müsst euch nicht mehr ärgern, wenn etwas fehlt.

Über Schnittmuster und wo sie zu finden sind

Ich habe Schnittmuster von folgenden Firmen ausprobiert:

There are a lot more:

Über den passenden Stoff

Welche Sorte BH wollt ihr denn nähen? Solls eher ein bequemer Bralette werden, das euch viel Bewegung erlaubt? Oder solls ein Bügel-BH werden mit viel Unterstützung und einer guten Struktur? Soll’s eher was mit Spitze sein für einen speziellen Anlass? Diese Fragen müsst ihr beantworten können, bevor wir loslegen, denn: BHs müssen nicht überall die gleiche Struktur/Dehnbarkeit aufweisen.

Natürlich wird ein Minimum an Dehnbarkeit notwendig sein, um euch überhaupt ein angenehmes Bewegen zu erlauben (Korsetts sind wunderschön, ich möchte aber ehrlich gesagt nicht meine Alltag darin verbringen). Ist aber alles rundherum dehnbar, insbesondere die Körbchen, dann hüpften  eure Schätzchen wild im Zeug herum. Das Mittelstück (der Bereich des Unterbrustbands, der zwischen euren Brüsten zu liegen kommt) sollte sich ebenfalls nicht dehnen, weil es euer Brustgewebe und die Körbchen an der richtigen Stelle stabilisieren soll. Die Dehnbarkeit ist also hauptsächlich im Rückenbereich zu positionieren. Damit können wir mit der Stoffkunde loslegen:

Gewirkte vs. Gewebte Stoffe

Nun, klar, ihr könntet sogar den gesamten vorderen Bereich aus gewebten Stoffen herstellen. Gewebte Stoffe haben ja bekanntlich im 45°-Winkel zur Webkante mechanische Dehnbarkeit. Aber, stellt euch nur vor, was so ein BH alles aushalten muss und wie gewebte Stoffe normalerweise ausfransen. Vielleicht gelingt euch einmal ein glücklicher Wurf mit einer wunderschönen Seide, aber ob ihr lange Freude daran haben werdet, weiss ich nicht. Gewirkte Stoffe haben dieses Problem nicht. Darum würde ich euch immer gewirkte Stoffe zur BH-Herstellung empfehlen. Das kann ein einfacher Baumwolljersey mit Elasthan sein (dann eher mit nicht dehnbarem Futter stabilisieren), ein Scuba, dehnbare Spitze, Powernet usw. Es gibt sogar gewirkte Stoffe wie Duoplex, die nicht ausfransen und kaum dehnbar sind.

Futter vs. BH-Mesh

Wenn wir gerade beim Thema Futter sind. Es gibt Momente, da empfiehlt es sich eure Körbchen und das Mittelstück mit Futter oder BH-Mesh zu stabilisieren. Im englischen wird es als bralining bezeichnet, bei uns findet man es meist unter Mittelstück-Charmeuse. Dabei gibt es zwischen Mesh und Futter einen wesentlichen Unterschied: Der BH-Mesh ist sehr fein und durchsichtig. Weil er im Gegensatz zum Futter dehnbar ist, wird dadurch die natürliche Form der Brust kaum verändert. Wollt ihr eine höhere Stabilität müsst ihr die Schnitteile doppelt zuschneiden, wobei ihr die Schnitteile zwischen dem ersten und dem zweiten Ausschneiden einmal um 90° Grad drehen solltet. Die dehnbarsten Stellen der bieden Lagen stehen dann im rechten Winkel zueinander und erhöhen dadurch die Stabilität etwas.

Der klassische BH-Futterstoff hingegen ist superstabil, was bedeutet, dass eure Brust sich den Linien des Schnitts anpassen wird. Auf keinen Fall solltet ihr den gesamten BH mit Futter verstärken – oder euer BH wird zum Korsett.

Powernet, Powermesh, Stretch Mesh und so weiter…

Es gibt viele unterschiedliche Namen für viele unterschiedliche Arten von Stoffen, die alle ungefähr das selbe bewirken. All diese Stoffe sind dehnbar, aber nicht alle auf die selbe Art und weise und im selben Ausmass. Das stabilste ist wohl Powernet. Powernet ist auch das Material aus dem Shapewear hergestellt wird. Theoretisch könnten wir uns aus diesem Material einen Minimizer nähen, weil dieses Material das darunterliegende Gewebe modellieren kann. Natürlich sind wir hier nicht bei den Zauberern, dass Material verändert lediglich das Erscheinungsbild.

Powermesh hingegen ist etwas durchsichtiger und hat eine netzartige Struktur. Aus Powermesh könntet ihr vermutlich einen ganzen BH nähen, denn er ist stärker als gewöhnlicher BH-Mesh. Aber nochmals, wollt ihr Stabilität, solltet ihr im Minimum das Mittelstück stabilisieren.

Bra Fabrics

Hier lässt sich der Unterschied schon mit blossem Auge erkennen: Das Duoplex ist sehr dicht, das Futter (lining) ist etwas durchsichtiger und feiner, das Powernet sehr fest aber dehnbar und das Powermesh hat eine netzartige Struktur

Seht ihr? Oder eher nicht. Von blossem Auge lässt sich hier keinen Unterschied erkennen. Erst wenn die Dehnbarkeit von Hand überprüft wird…

Ihr seht, am besten ihr holt euch Stoffmuster oder legt eine kleine physische BH-Stoffmusterdatenbank an. Dann könnt ihr immer wieder “nachfühlen” gehen…

Spitze und Laminat

Spitze könnt ihr nach belieben bei euren BHs verwenden. Ihr könnt sogar euren ganzen BH aus Spitze herstellen. Wichtig ist dabei einfach, dass eure Stoffe dehnbar sind. Und ihr wisst’s: Für Stabilität müsst ihr unter Umständen eure Körbchen und euer Mittelstück stabilisieren.

Bezüglich Laminat gibt es zwei verschiedene Optionen: Entweder ihr kauft Laminat zum selber zuschneiden oder ihr kauft vorgeformte Cups, die ihr nach Lust und Laune mit Stoff überzieht.

 

Fabric Box

Ein Blick in meine BH-Stoffkiste. Mittlerweile hat nicht mal mehr alles Platz darin und ich musste expandieren.

Und jetzt geht’s endlich los

Messen, schneiden Tipps und Vorbereitung

Die meisten Schnittmuster enthalten eine genaue Anleitung, wie ihr euch messen sollt. Diese Anleitungen solltet ihr unbedingt befolgen. Auf keinen Fall dürft ihr euch von eurer “üblichen” Grösse leiten lassen.

Um euren Stoff zu schneiden, empfehle ich euch einen Rollschneider, Nähgewichte und eine Schneidematte. Die Schnittmusterstücke sind winzig klein mit einer Schere (und dem Anhaben des Stoffs beim Schneidevorgang) würdet ihr eure Schnitteile nur verziehen und mit Nadeln nur beschädigen. Aber seid vorsichtig beim ausschneiden. Ich selbst habe die Tendenz jedesmal etwas vom Papierschnitteil abzusäbeln. Würde ich nicht von Zeit zu Zeit zum Original zurückkehren, würden meine Stoffstückchen immer kleiner und die Passform meines BHs immer schlechter.

Weiter solltet ihr vor dem Zuschneiden genau prüfen, dass ihr eure Schnittmusterteile so ausgerichtet habt, dass die aufgezeichnete Stoffrichtung immer in die Richtung der grössten Dehnbarkeit zeigen. Ich weiss, wir haben alle die Tendenz den Stoffverbrauch optimieren zu wollen, aber hier ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür.

Bereitet alle eure Zubehör und Schnitteile vor, legt es flach bereit und habt eure Anleitung zur Hand.

 

Alles, was ihr braucht.

Nähen. Unterschiedliche Stiche und ihr Zweck

Um euren eigenen BH zu nähen werdet ihr einige Stiche immer wieder benötigen. Wenn ihr einen Obertransportfuss habt, bringt diesen an die Maschine an, ich finde diesen seeeehr hilfreich.

Zuerst einmal werdet ihr den Geradstich benötigen. Auf meiner BERNINA habe ich die Länge 2.5 benutzt.  Für eineige Stellen werdet ihr den Zickzackstich benötigen (auf meiner BERNINA Länge 2 und Breite 2) und für andere Stellen den Dreifachen Zickzack, auf meiner BERNINA 350PE ist das die Nummer 18 mit einer Länge von 5 und einer Breite von 1.

Zusammennähen eures BHs

Und hier noch das ganze Layout.

Walking foot

Nutzt den Obertransportfuss, wenn ihr einen habt um eure Körbchen zusammenzunähen. Aber es geht auch ohne, versprochen…

Nun wird die Nahtzugabe auseinandergebügelt und auf jeder Seite der Naht von rechts festgesteppt.

Näht nun die Träger an und steppt die Nahtzugabe auf die Trägerseite.

Side band

Nun wird das Unterbrustband angenäht.

Side Band 2

Bügelt die Nahtzugabe zurück Richtung Mittelstück und fixiert sie mit ein bis zwei parallel laufenden Nähten.

Bra without elastics

Nun dürft ihr eure Körbchen in das Unterbrustband nähen. Es ist wirklich einfach, vertraut mir…

Underwire casing 1

Als nächstes wird das Bügelband auf die Nahtzugabe der Körbchen genäht. Nur auf die Nahtzugabe!

Underwire Casings 2

Und so sieht das ganze dann von innen aus. Das Bügelband sollte länger sein als der BH. Macht es so, wie ich es sage und nicht, wie ich es mache 😉

Underwire casing 3

Von der rechten Stoffseite steppt ihr nun das Bügelband ganz nah an der Körbchennaht ab. Und zwar vorläufig nur auf der Seite, die näher am Körbchen liegt.

Nun ist es Zeit für den Unterbrustgummi. Ihr werdet zweimal darauf rumnähen. Zuerst legt ihr ihn mit der weichen Seite nach oben und den Pikots Richtung Körbchen auf die rechte Stoffseite und näht ihn im Zickzackstich an. Dann faltet ihr ihn auf die Rückseite (die Pikots zeigen nun von den Körbchen weg) und steppt ihn mit dem Dreifachzickzack ab.

Bra band 2

Die untere Kante sollte nun in etwa so aussehen.

Bra band 4

Dasselbe macht ihr nun für die obere Kante.

Wir sind schon fast fertig. Seht ihr, wie einfach das war?

Back band 2

Bevor ihr eure BH-Träger annäht, schaut, ob euer Verschluss auch an die Stelle passt. Ansonsten einfach in einer sanften Kurve anpassen…

Strap Attachment 1

Nun ist es Zeit, die Träger anzunähen. Ihr könnt dies mit einem Geradstich tun. Ich empfehle euch aber den Stretch-Stich (sieht aus wie ein Blitz)…

Strap Attachment 2

… die andere Seite wird mit einem einfachen Geradstich fixiert.

Hook and Eyes

Nun ist es Zeit euren Verschluss anzubringen. Ich mache dies jeweils mit dem Satin- oder Raupenstich meiner BERNINA. Damit sehen eure BHs sehr edel aus.

Nun schliesst ihr noch die Enden eures Bügelbandes.

Uuuuuund fertig! Schneidet die Enden ab und näht nach Belieben eine Verzierung dran.

Und hier kommt noch meine persönliche Empfehlung: Macht ein kleines Debriefing und schreibt Notizen. Was ist schief gelaufen? Was müsste geändert werden? Welche Stiche habt ihr verwendet? Was für Änderungsideen habt ihr (Hacks)? Was möchtet ihr noch üben? Mehr über das Thema Debriefing etc. findet ihr auf meinem Blog hier (5 Anfängerfehler und wie man sie vermeidet).

Änderungen an der Passform

Bei diesem Schnitt muss ich zukünftig folgende Anpassungen vornehmen:

  • Das Unterbrustband um 2.5cm je seite kürzen
  • Einen Bügel wählen, der seitlich nicht so lange ist
  • Das Mittelstück verschmalern, insgesamt etwa um 6mm, d.h. 3mm am Schnitteil (wird meist im Stoffbruch zugeschnitten)
  • Die Kurve des Körbchens rezudieren um etwa 3mm, weil mir diese Körbchen zu wenig rund sind. Zusätzlich ist der obere Cup etwas zu gross, also werde ich dort 6mm keilförmig reduzieren.

Alterations

Von oben nach unten: Unterbrustband in der Weite reduziert, Cup etwas abgerundet, einen Keil aus dem oberen Cup entfernt

Das hört sich nach viel an, aber nach der Anpassung des Unterbrustbandes ist die Passform schon um ein Vielfaches besser, als das, was ich im Laden bekomme. Wenn ihr Anpassungen machen wollt, startet jeweils beim Unterbrustband, dann geht über zu den Trägern (z.B. zu weit aussen oder zu weit innen) und erst zum Schluss die Körbchen. Meistens werden Körbchenprobleme schon durch Anpassungen beim Band behoben (vgl. Bild unten).

Hätte ich ein stabileres Material gewählt, bin ich fast sicher, dass ich überhaupt keine Anpassungen hätte vornehmen müssen…

Bra band fitting

Das ist das erste Fitting: Hier lässt sich schon gut erkennen, dass sich die Falten vermutlich entfernen lassen, wenn man am Unterbrustband etwas zieht.

Nochmals, das ist nur eine kleine Einführung damit mehr Frauen damit anfangen, ihre eigenen BHs zu nähen. Lasst mich wissen, wenn ihr noch weitere Infos benötigt. Ich habe mich dazu entschlossen, nun für eine unbestimmte Zeit (heisst: bis es mir verleidet) jede Woche einen BH zu nähen, wie mein Vorbild: Emerald Erin: Hier könnt ihr auf meinem Blog darüber lesen: BH-Roundup August.

Und warum auch nicht? Schliesslich ist uns dieses Kleidungsstück jeden Tag am nächsten…

Finished Bra

… nur ein Probemodell, aber trotzdem schön.

Schwierigkeitsgrad: Fortgeschritten
Zeitaufwand: einen Abend
Verwendete Materialien: Bügel, Bügelband, Gummiband, Lycra, Unterbrustgummi
Verwendete Produkte:
BERNINA 350 PE
BERNINA 350 PE
Obertransportfuss # 50
Obertransportfuss # 50

Themen zu diesem Beitrag , , ,

Verlinke diesen Beitrag Trackback URL

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Kommentare zu diesem Artikel

15 Responses

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Erforderliche Felder sind mit * markiert.

  • Natascha B.

    Hallo Nadine,

    Danke für die tolle Anleitung. Vielleicht wage ich mich ja jetzt doch mal.

    Leoprint-Falzgummi habe ich bei pepelinchen.de gesehen.

    Liebe Grüße Natascha

    • Nadine

      Hallo Natascha… Ja, warum auch nicht? Vielen Dank für den Tipp. Das werde isch sofort auschecken!

      Liebe Grüsse

      Nadine

  • Ruth Huber Huber

    Liebe Nadine

    Ich möchte unbedingt diesen BH nähen, habe bereits alles Material bereit. Nun vermisse ich aber beim Schnittmuster im Blog das Unterbrustband, da wo die Körbchen angenäht werden. Habe ich etwas übersehen?

    Herzlichst Ruth

    • Nadine

      Liebe Ruth

      Oh. Habe ich dich richtig verstanden, dass du nicht weisst, welches Schnittteil von deinem gekauften Schnittmuster am Schluss das Unterbrustband ergibt? Auf dem Foto, das den Untertitel träge “Und hier noch das ganze Layout” siehst du, wie das Schnitteil aussehen muss. Da es im Stoffbruch zugeschnitten wird, sieht es etwas merkwürdig aus d.h. es ist nur eine Körbchenaussparung vorhanden. Das Schnitteil beginnt an der Seitennaht und endet (virtuell) auf dem Brustbein. Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen. Sonst meldest du dich nochmals.

  • Martine Kiecken

    Merci j’ ai beaucoup de mal pour trouver la bonne taille

    je vais suivre les instructions pas à pas

    je vous mettrais un com si je réussi

    cordialement

  • Birgit W.

    Einfacher als eine Hemdbluse ???? Entschuldige, aber das kann ich so nun gar nicht bestätigen. Das sehen erfahrene Dessous-Näherinnen sicher auch nicht so. Es dauert schon seine Zeit, bis man endlich das genau passende Modell genäht hat. Dazu sind einige Anpassungen nötig und es geht viel Zeit und auch Material drauf, bis das soweit ist. Und hat man das endlich, probiert man ein anderes Material und schon muss man wieder Anpassungen vornehmen. Sonst hätte ich schon länger den perfekten BH, aber ich probiere immer noch herum. Eine Hemdbluse hätte ich da schon längst genäht. Ich bin in einem Nähforum unterwegs, in dem schon einige Mitglieder BH’s genäht haben und zwar wirklich tolle Teile. Bei keiner hat es auf Anhieb geklappt. Alle mussten sie mehrere Probeteile nähen.

    Ich will keinem die Lust am BH-Nähen verderben, wirklich nicht, aber ich finde, man sollte schon auch darauf aufmerksam gemacht werden, welche Probleme und sonstige Widrigkeiten dabei auftauchen können.

     

     

    • Nadine

      Hallo Birgit

      Vielen Dank für deinen Kommentar und dein kritisches Feedback.

      Bei der Aussage geht es vordergründig um die Stiche und Techniken, die für einen „ersten“ BH benötigt werden. Und da kann ich nur aus meiner Erfahrung und derjenigen meines Umfelds schöpfen. Eine klassische Hemdbluse zu nähen war tatsächlich schwieriger.

      Ziel dieses Beitrags ist es, möglichst viele zum Nähen des eigenen BHs zu animieren. Er ist als Einführung gedacht…

  • Gabi Meid

    Hallo Nadine,

    Das ist einfach toll. Habe seit geraumer Zeit alle Materialien für einen Spitzen BH im Schrank und mich nicht dran getraut . Jetzt werde ich aber doch mal loslegen. Vielen Dank für die Anregung.

    Drück mir die Daumen dass es klappt.

    Liebe Grüsse Gabi

  • Antonie Niedermeier

    Wow, Hut ab! Da überleg ich tatsächlich, ob ich es auch mal versuche 🙊😄 mal schauen…aber Danke für deine super Erklärung 👍🏼

    • Nadine

      Vielen Dank Antonie

      Du kannst ja mit einem ganz einfachen Bralette anfangen…

      Liebe Grüsse

  • mariel

    Aber Hallo! Das ist ja ein ganz neuer Themenbereich. Du machst Mut das mal selbst auszuprobieren. Vielen Dank für die Anleitung.

Liebe Leserin, lieber Leser des BERNINA Blogs,

um Bilder über die Kommentarfunktion zu veröffentlichen, melde Dich im Blog bitte an.Hier geht es zur Anmeldung.

Du hast dich noch nicht für den BERNINA Blog registriert?Hier geht es zur Registrierung.

Herzlichen Dank, Dein BERNINA Blog-Team