Kreative Artikel zum Thema Nähen

Ausschnittskanten einfasssen, Teil I: mit Beleg

Endlich Sommer: Selbstgenähte ärmellose Blusen, Tops und Kleider dürfen da nicht fehlen! Und immer wieder stellt sich die Frage, wie der Halsauschnitt und die Armauschnitte eingefasst werden können. Ich möchte Euch hier zeigen, wie man eine solche Ausschnittskante sehr schön mit einem schmalen Beleg einfassen kann. In weiteren Beiträgen stelle ich Euch auch noch andere, wie das Einfassen mit Schrägband vor.

Vorbereitungen

Für die Ausschnittsverarbeitung mit Beleg braucht Ihr:

  • Vorder- und Rückenteil Eures Tops/ Eurer Bluse / Eures Kleides  (ich verwende hier den Kleider-Schnitt von Brigitte Heitland auf dem BERNINA Blog)
  • Reststoff
  • leichte aufbügelbare Einlage
  • Papier  bzw. Ausdrucke vom Schnittmuster, auf denen die einzufassende Kante drauf ist (in meinem Beispiel zweimal die Seite 1 des Schnittmusters)Ausschnittkanten einfassen

Nun zeichnet Ihr eine Linie im Abstand von 2 cm (oder schmaler) zur Ausschnittskante auf dem Schnittmuster, hier grün eingezeichnet…

Ausschnittskante Beleg

… und schneidet dann die Teile genau aus. Beschriften sie unbedingt mit “vorne” bzw. “hinten”, “Stoffbruch” und “Fadenlauf” . Mit den kleinen Teilen kommt man gerne durcheinander und weiß nicht mehr, wo der Stoffbruch angesetzt werden soll (ich spreche da aus Erfahrung!)

 

Diese Teile legt Ihr nun im Stoffbruch auf Euren Reststoff und schneidet sie mit Eurer Nahtzugabe (vermutlich 1 cm) aus.

Ausschnittskanten einfassen Beleg

Diese ausgeschnittenen Teile positioniert Ihr nun sie zu verziehen auf der Bügeleinlage und schneidet die Einlage grob zu – noch nicht aufbügeln.

Ausschnittskanten einfassenNun Backpapier drüber legen (ich habe immer einen Bogen davon bei mir am Bügeltisch liegen; der kann sehr lange verwendet werden) und bügelt die Einlage vorsichtig auf.

Ausschnittskanten einfassen

Das Backpapier vorsichtig abziehen.

Ausschnittskanten einfassen

Dann kann die überstehende Einlage abgeschnitten werden und Eure Schnittteile sind korrekt mit Bügeleinlage bebügelt. Mit dieser Methode erspart Ihr Euch das mühselige Zuschneiden der Bügeleinlage nach dem Schnittmuster – das wird gerne krumm und schief. Da beim Beleg nur ein dünnes Vlies verwendet wird, kann hier die der komplette Beleg mit Bügeleinlge bebügelt sein. Bei dickerer Einlage sollte die Einlage um die Nahtzugabe kleiner sein.

Ausschnittskanten einfassen

Ein Belegschnittmuster könnt Ihr aber auch jederzeit von Eurem Schnittmuster abnehmen: Dazu legt Ihr die entsprechende Ausschnittskante auf ein Blatt Papier, fahrt die Linie nach und verfahrt dann so, wie oben beschrieben.

Das Annähen des Beleges

Nun werden die Schnitteile an der Schulter zusammengenäht. Die äußeren Rundungen (und wer mag auch die Schulternaht) wird versäubert.

Ausschnittskanten einfassen

Dieses Gebilde legt Ihr nun passend auf das ebenfalls an den Schultern zusammengenähte Kleid, so dass die Schulternähte aufeinander zu liegen kommen. Dabei schaut eine Schulternaht nach vorne, die andere nach hinten – sie “rasten” sozusagen ineinander ein.

Nun wird der Beleg ringsum mit der gewählten Nahtzugabe angenäht . Diese Nahtzugabe schneidet Ihr dann auf ca. 0,3 -0,5 cm zurück, nach Möglichkeit nicht einschneiden, das sieht nachher u.U. nicht schön aus.

Ausschnittskanten einfassen

Der Beleg kommt nach innen

Nun klappt Ihr den angenähten Beleg sauber nach oben über die zurückgeschnittene Nahtzgabe und steckt den Beleg auf der darunterliegenden Nahtzugabe fest. Das macht Ihr ringsum um den ganzen Ausschnitt – noch nicht bügeln!

Nun wird der Beleg auf der zurückgeschnittenen Nahtzugabe festgesteppt. Für diese sogenannte “Untersteppnaht” nehme ich gerne den Kantenfuß #10 und verstelle die Nadelposition um zwei Stellen.

So sieht diese Naht am Beleg nun aus.

Durch diese Untersteppnaht “fällt” der Beleg fast von selbst nach innen. Daher den Beleg an der Nahtkante “Kleid-Beleg” nach innen falten und zuerst mit den Fingern vorformen…

und erst dann kommt das Bügeleisen zum Einsatz. Bügelt so, dass der Beleg korrekt innen liegt.

Nun liegt der Beleg schön schön, doch so bleibt er ja nicht liegen.

Beleg feststeppen

Ich befestige den Beleg gerne mit einer Naht, die ich von außen, also vom Kleid her, steppe. Zuerst überlege ich mir, ob ich den Beleg in dieser Breite haben möchte. hier habe ich mit der Overlocl noch einen knappen Zentimeter weggenäht.  Danach stecke ich den umgebügelten Beleg korrekt mit Stecknadeln fest.

Anschließend wird der Beleg in einem gleichbleibenden Abstand zur Halskante festgesteppt. Ihr könnt dazu die Markierungen auf Eurer Stichplatte oder einen Abstandshalter zu Hilfe nehmen. Auf meinem Bild seht Ihr, dass ich mit einem Abstand von 1,5 cm zur Kante absteppe.

Ausschnittskanten einfassen

Nun ist der Ausschnitt fertig – sauber und schön.

Mit einem Beleg könnt Ihr jede Art und Form von Ausschnitten einfassen. Bei eckigen Ausschnitten muss dann entsprechend eingeschnitten werden. Probiert das mal aus!

Mögt Ihr den Beleg nicht von außen feststeppen, da bspw. Euer Stoff sehr fein ist oder Euer Vorderteil Falten oder Kräuselungen hat, dann näht den Beleg an den Schulternähten mit ein paar Handstichen fest.

Viel Spaß beim Nachnähen!

Ines

Schwierigkeitsgrad: Fortgeschritten
Zeitaufwand: einen Abend
Verwendete Materialien: Schnittmuster, Stecknadeln, Vlieseline
Verwendete Produkte:
BERNINA aurora 450
BERNINA aurora 450
Zickzack-Nähfuss # 0
Zickzack-Nähfuss # 0
Schmalkantfuss # 10
Schmalkantfuss # 10

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Kommentare zu diesem Artikel

6 Responses

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  • Gabi .

    Was das mit dieser ‘Untersteppnaht’ auf sich hat, versteh’ ich nicht so ganz.
    Sieht man sie von außen? Warum macht man die denn?

    • Ines

      Liebe Gabi,
      die Untersteppnaht sorgt dafür, dass der Beleg innen drin bleibt (zumindest unterstützt dies diese Naht. Es gibt Stoff und Ausschnittsformen, da wollen die Beleg nie richtig drin bleiben. Da hilft nur von außen absteppen). Und da die Untersteppnaht ja auf dem Beleg genäht wird und man dabei gleichzeitig die Nahtzugaben auf dem Beleg feststeppt, ist diese Naht nicht von außen sichtbar. Sie hilft auch, dass sich der Beleg genau an der Kante nach innen umfalten lässt. Am besten einfach mal ausprobieren!

      Liebe Grüße
      Ines

  • Sonja Rauchschwalbe

    Hallo, du meinst aber bestimmt “auf 0,3-0,5 cm zurückschneiden “, oder? 0,3 mm kriege ich nicht sinnvoll hin…

    Danke und Grüße, Sonja

    • Ines

      Natürlich liebe Sonja – da hast Du vollkommen Recht – da habe ich im Überschwang die falsche Maßeinheit getippt (und ich habe es nun gleich im Beitrag korrigiert). Dir vielen Dank!

      Liebe Grüße

      Ines

  • Andrea

    Hallo Ines, vielen Dank für das Tutorial. Ich finde es für mich sehr lehrreich. Nun weiß ich auch, wie ich selbst einen Beleg herstellen kann, wenn keiner im SM enthalten ist. Das werde ich ausprobieren.
    VG Andrea

    • Ines

      Ausschnittskante abzeichnen und dann die Belegbreite dazugeben – das klappt und dann wirst Du Belege bei allerlei Kleidungsstücke verwenden – viel Spaß und Erfolg dabei!

      Liebe Grüße

      Ines

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